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Brandt Heimsuchung

Raumpatrouille und Heimsuchung: geradlinig und ungeradlinig

Ich wollte mich diese Woche wieder mit dem Thema der Zeit und des Raumes beschäftigen. Der größte Unterschied zwischen Matthais Brandts Raumpatrouille und Erpenbecks Heimsuchung ist die Darstellung der Zeit. Bei Matthais Brandt verläuft die Zeit mehr oder weniger regelmäßig, und einen Moment wurde nur ein Mal und nur von einer Perspektive vorgestellt. Dementgegen, wie ich im vorherigen Post notiert habe, zeigt Heimsuchung einen unlinearen Zeitverlauf. Ein Ereignis wird von verschiedenen Perspektiven betrachtet. Die Unsicherheit spielt eine symbolische beziehungsweise literarische Rolle bei Erpenbeck, wie zum Beispiel bei dem Tod des Gärtners. Dieser Tod hätte Erpenbeck möglicherweise verdeutlichen können, hat sie aber nicht getan. Damit betont sie das Ziel des Stückes, nämlich die Geschichte eines Ortes darzustellen, oder andersgesagt, Geschichte durch einen Ort darzustellen. Da der Tod des Gärtners, der vom ersten Kapitel im Zusammenhang mit dem Grundstück steht, auch nur im Bezug auf seine Abwesenheit von dem Grundstück ausgedruckt wurde, wird es dem Zuschauer klar, dass die Geschichte tatsächlich um Landschaft und Raum, nicht um Figuren, geht. Bei Brandt dient die Unsicherheit, so weit ich es verstanden habe, nur dazu, darauf hinzuweisen, dass der Erzähler der Geschichte jung sein soll, und deshalb nicht alles versteht. Auch wichtig zu nennen wäre die Namen. Bei Erpenbeck werden Figuren nach wie vor fast nie genannt, wobei Matthias Brandt explizit Leute genannt hat. Diese Unterscheidung dient auch dazu, die verschiedenen Schwerpunkte beider Werke zu betonen. Der Mangel an Namen hebt das Grundstück und die Beziehung zur Grundstück hervor. Der „Pächter“ und die „Unterpächter“ werden nur durch ihr Verhältnis zum Grundstück identifiziert, wie bei dem Gärtner auch der Fall ist.  Diese Unterscheidungen stellen die verschiedenen Herangehensweise des Storytellings der zwei Werke dar.

By elliswi

ist im achten Semester bei Dickinson College. Er studiert Germanistik und Internationale Politik mit Schwerpunkt Ostasien. Er interessiert sich für Deutsch erstens weil er sich generell für Sprache interssiert, und zweitens weil er seit langem deutsche Freunde hatte, und will mit ihnen in ihrer Muttersprache unterhalten können. Er denkt noch darüber nach, was er nach seinem Abschluss studieren will.

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