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Dodua Otoo

Sind wir ein Teil der Geschichte, oder stehen wir außerhalb?

Ich würde gerne die Frage der Identität angehen, besonders bei Herr Gröttrup setzt sich hin. Bezüglich Identität könnte man vielleicht einen ganzen Aufsatz darauf schreiben, aber die Kernproblematik von Herr Gröttrup setzt sich hin scheint mir die Ironie der Identität zu sein. Durch die Ironie wird jeden Aspekt der Identäten der Hauptfiguren in Frage gestellt. Herr Gröttrup betrachtet sich als ein Mensch, der sein eigenes Leben unter Kontrolle hat. Der versteht nicht nur Rakatenwissenschaft, sondern auch genau wie lange man ein Ei kochen muss, um es hart zu machen. Aber die Weichheit seines Eies und die Enthüllung der göttlichen Macht, das sich als Ei gestaltet hat, oder einfach sich dafür entschieden hat, ein Ei zu sein, bestreitet die Idee, nicht nur dass Herr Gröttrup weiß, was ein Ei ist und wie man es kocht, sondern auch dass er überhaupt etwas vom Universum weiß, obwohl er Raketenwissenschaftlicher ist. Herr Gröttrup ist auf eine Art und Weise stolz darüber, das er alles genau kontrollieren kann, aber die Kontrolle seines Frühstücks liegt nicht bei ihm, sondern bei dem Ei. Die wahre Ironie Herr Göttrups Einbildung der Kontrolle wird nur durch die Begegnung mit Ada erweitert, da es früher davon erzählt wurde, dass Ada zwar zwei Mal in der Woche das Haus putzt, aber Herr Gröttrup ist das nicht bekannt.

Man muss sich auch fragen, wer genau die Hauptfigur(en) ist(sind). Herr Gröttrup ist mir nach das Subjekt der Geschichte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich als Hauptfigur bezeichnen würde. Er hat nahezu keine Handlungsfähigkeit, wobei jede andere Figur, obwohl sie nicht so wichtig für die Handlung sind, viel mehr Kontrolle haben. Dabei ist es mir eingefallen, dass Herr Gröttrup, wie jede Hauptfigur jeder Geschichte, in der Tat keine Handlungsfähigkeit hat. Die Geschichte wurde schon geschrieben, und die Taten und Handlungen jeder Figur wurde schon von vornherein bestimmt. Und dass die lesende Person selbst angesprochen wurde, macht es nur komplizierter. Ist die lesende Person ein Teil der Geschichte, und deshalb eine Figur? Oder stehen wir, als Leser, außerhalb der Geschichte? Man kann das Buch schließen, aber das Ende der Geschichte kann die Lesende Person auch nicht ändern. Hat die lesende Person, genau wie Herr Gröttrup, nur die Illusion der Handlungsfähigkeit?

 

Bei Felix und Felka in Bezug auf Identität ist es nicht so philosophisch, glaube ich. Für mich war die Frage der Angehörigkeit sehr interessant. Die Eltern von Felix, obwohl die Nazis schon an die Macht gekommen sind und die Juden schon unterdruckt haben, identifizieren sich ehe mit den Deutschen als mit der polnischen Jüdin, die ihren Sohn geheiratet hat. Auch interessant zu merken war der Belgische Paß für Ausländer. Felix und Felka besitzen immer noch ihre vorherigen Staatsangehörigkeit, aber die sind als in Belgien wohnende Leute ofiziell anerkannt. Wo genau liegt die Grenze zwischen in einem Land Aufenthalt zu haben und dazu zu gehören? Kann die Staatsangehörigkeit, oder den Status als Soldat, wirklich weggenommen werden? Inwiefern sind diese Identitäten etwas, was man selbst definiert, und inwiefern sind sie bzw müssen sie von außen definiert werden?

By elliswi

ist im achten Semester bei Dickinson College. Er studiert Germanistik und Internationale Politik mit Schwerpunkt Ostasien. Er interessiert sich für Deutsch erstens weil er sich generell für Sprache interssiert, und zweitens weil er seit langem deutsche Freunde hatte, und will mit ihnen in ihrer Muttersprache unterhalten können. Er denkt noch darüber nach, was er nach seinem Abschluss studieren will.

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