Aug 2016

“In Memoriam Günter Grass: Poetische Reminiszenzen eines Lübeckers an einen Wahl-Lübecker”

von Klaus Rainer Goll

der dichter

tanzend
kam er über die hügel
jeder hügel
ein hüpfendes enjambement
ein zauberwort
aus zarten mädchenbrüsten
kopfgeburt
im schneckengang
vorbei
ein schattenriß
die zeiten ändern sich
geschmähter ruf
ist längst gekrönt
mit nobelglanz
im auge
lauern die gefahren
vergänglichkeit
im letzten tanz

der fröliche steinewälzer
an günter grass denkend

ins bett gegangen
wie die fliege ins netz
die maus in die falle arglos
im traum um freiheit gekämpft
in dunklen stunden
um arglose zeit / mit dem
stein wieder und wieder fröhlich
den berg hinauf den steilen
bis zum bleigrauen morgen
gewälzt und weiter und immer
so weiter bewegbar bleiben

später.vielleicht

auch mit einem gedicht
kann man
ins offene messer
laufen
später (vielleicht)
wird
gras (s)
über die geschichte
wachsen

spuren

die du hinterlässt
auf dem papier / an der wand
wie lange werden sie bleiben
länger als die spuren im sand

27. august 2004
„Welch eine Freude! Im Krebsgang nach Weimar. Just im Elephant, intimes Geplauder mit Lotte …“ (Dazu eine Krebszeichnung von Günter Grass)

Grass´ Eintragung ins Gästebuch des „Elephant“ in Weimar hängt nun unter Glas an der Wand des Hotels.

zum tod des dichters
günter g.

immer wieder
legt der wind
seinen finger auf die wunden
erhebt die stimme
bis zum schluss
gras(s)narben / die
nicht heilen wollen
geben keine ruh
halten die zeit
am leben




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