Aug 2016

Meine Vorväter im Remstal: Treue Soldaten ihres Kaisers und Führers

von Hans Mayer

Meine Familie stammt mütterlicherseits aus dem württembergischen Breuningsweiler auf der Buocher Hochebene über dem lieblichen Remstal, wo schon im frühen Mittelalter, vielleicht auch bereits unter den Römern, Weinanbau betrieben wurde. Das Dorf mit seinen noch in den 1930er Jahren nicht einmal dreihundert Einwohnern, wurde 1293 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1 Bruningswilar hieß es damals, war zu einem großen Teil, aber nicht ausschließlich im Besitz des Benediktinerklosters Lorch und gehörte zur Herrschaft Winnenden. Eine Vicinalstraße führte von Buoch durch den Ort nach Winnenden hinunter, vorbei an den Weinbergen des Haselstein. Die Familie Layer war seit Generationen hier als Weingärtner tätig. Zwei Söhne des Jakob Layer (auch Laier) vom Spechtshof bei Berglen hatten Ende des 17. Jhs. nach Breuningsweiler geheiratet und sich dort auf dem Kol-Lehen niedergelassen. 2
Die Einwohner Breuningsweilers, so heißt es in einer Beschreibung des Oberamtes Waiblingen 1850, gehörten zu einem kräftigen Menschenschlag. 3 Sie werden als listig, klug und zugleich sehr arbeitsam geschildert. Anstellig seien sie überdies. Die Armut herrsche gleichwohl überall. Ein einziger vermögender, kein reicher Mann sei im Dorf. Ich erinnere mich noch meiner Kindheitsbesuche bei den Großeltern in den 1950er Jahren. Es gab nur einen Bauern, der Pferde besaß und der sich auch als erster einen Traktor anschaffen konnte. Die Anderen spannten ihre Kühe vor den Leiterwagen, um ihr Getreide oder ihr Heu einzubringen.
Mein 1883 geborener Großvater Wilhelm Layer war eins von zwölf Kindern, in der Mehrzahl Söhne. Bei der württembergischen Erbteilungsregelung blieb da für den Einzelnen wenig übrig, um einen Bauernhof und eine Familie zu gründen. Mit dem väterlichen Wohnhaus hinter der Mistjauche, der dazugehörigen Scheuer und etwas Land war er noch gut bedient und nur äußerster Sparsamkeit war es zu verdanken, dass er nach und nach zukaufen konnte. Ein größerer Garten, ein paar Obstwiesen, zwei kleine Weinberge, Äcker, Wiesen und ein Stück Wald, dazu ein paar Kühe, Ziegen und Hühner erlaubten der Familie mit vier Kindern trotz allem nur einen äußerst bescheidenen Lebensstandard, verbunden mit harter Arbeit auf dem hügeligen, ja zum Teil steilen Gelände. Getreide und Gras wurden mit der Sense und an besonderen Stellen auch mit der Sichel geschnitten, Erdbeeren und Kirschen von Hand gepflückt, die Weintrauben mit der Tragbütte an den Hängen der Weinberge geerntet und in die Kelter gebracht. Zu großen Teilen war es eine Selbstversorgungslandwirtschaft. Im Sommer aber wurde das Obst an fahrende Händler verkauft, vor allem Steinobst und Erdbeeren, die auf dem im Allgemeinen wenig fruchtbaren, leichten Sandboden gut gediehen. Nichts durfte bei der Ernte gegessen oder gar vergeudet werden. Der Verkauf brachte Geld für notwendige Anschaffungen. Äpfel wurden für den Winter im Keller der Scheune eingelagert oder als Most vergoren, der dem Familienoberhaupt zustand. Wie Viele musste Wilhelm Layer jedoch dazuverdienen. Traditionell ging man als Schnitter ins Tal; Wilhelm wurde nach dem Ersten Weltkrieg Postbote im Nebenerwerb und blieb dies bis zu seiner Pensionierung in den späten 1940er Jahren.
Sein Sohn Gustav Layer wurde als zweites Kind am 17. Juli 1919 geboren. Er hatte eine ältere Schwester Maria und sollte noch zwei jüngere Schwestern, Luise und Rosa, bekommen. Gustav war also der einzige männliche Nachkomme. Die Familie Layer war seit Generationen protestantisch, man ging am Sonntag in die 1923 errichtete Dorfkirche, alle Kinder wurden konfirmiert. Mein Großvater wurde 1929 mit der zweithöchsten Stimmenzahl in den Kirchengemeinderat gewählt und blieb über zwei Wahlperioden dessen angesehenes Mitglied. 4
Über die Kindheit von Gustav in Breuningsweiler ist nur wenig bekannt. Seine siebenjährige Schulzeit verbrachte er in der zweiklassigen Dorfschule im Breuningsweiler Rathaus unter dem Lehrer Friedrich Stahl. Es war nicht unüblich, dass die Kinder der Bauern während der Erntezeit die Schule gelegentlich schwänzten, um den Eltern bei der Ernte zu helfen. Rechnen und Schreiben lernten sie gleichwohl. Die Realteilung in Württemberg berechtigte ihn vor dem Reichserbhofgesetz der Nationalsozialisten im September 1933 zwar nicht automatisch zur späteren Übernahme des väterlichen Hofes, jedoch wurde dies von dem einzigen männlichen Nachfahren im Allgemeinen erwartet. Gustav entschied sich jedoch anders. Im Frühjahr 1933 begann er eine Malerlehre bei dem Malermeister Rudolf Nißler in Winnenden. Eine finanzielle Kraftanstrengung für den kleinen Bauernhof, die man sich nur einmal leisten konnte. Die älteste der drei Schwestern war zu diesem Zeitpunkt schon in Stellung bei einer Familie in Stuttgart, bald sollte ihr die zweite Schwester folgen, die jüngste blieb bis zu ihrer Heirat auf dem elterlichen Bauernhof. Doch bereits im Sommer 1938 entschloss sich Gustav Layer, den Malerberuf an den Nagel zu hängen und stattdessen eine Karriere in der SS anzustreben.
Wie konnte es dazu kommen und an welchen Taten der verbrecherischen SS war er beteiligt? Ich habe es zu Lebzeiten meiner Mutter versäumt, sie genauer danach zu befragen. Die meisten Zeitzeugen sind verstorben. Wie lässt sich unter diesen Umständen noch ein Bild von meinem Onkel rekonstruieren? Meine Recherchen führen mich in das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde. Dort liegen die SS-Personalakten, auch die von Gustav Layer. 5 Die Akte Gustav Layer hat einen Umfang von 42 Seiten und folgt unmittelbar auf die Akte von Karl Layer. Wie sich bald herausstellt, ist das der Sohn von Ernst Layer, einem Bruder meines Großvaters. 6 Es ist der zweite SS-Fall in der Familie.
Von den Akten erwarte ich ausführliche Informationen über Gustav Layers Bewerbung bei der SS, Tätigkeiten, Einsatzorte, Ausbildung, weltanschaulichen Schulungen und Beförderungen, und vieles mehr zu erhalten, was mir erlauben würde, mir ein genaueres Bild von meinem Onkel bei der SS zu machen. Außer einem handgeschriebenen Lebenslauf und einigen nicht immer sehr präzisen, zum Teil auch widersprüchlichen Hinweisen zu seiner Karriere und zu seinen Einsatzorten finde ich dann vor allem eine überaus ausführliche Korrespondenz mit dem Rasse- und Siedlungshauptamt der SS zu seinen Heiratsplänen.
Erste Umrisse eines zukünftigen SS-Mannes wurden bei Gustav Layer frühzeitig sichtbar. 1934, ein Jahr nach der Machtübergabe an Hitler, jedoch bevor die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend im Dezember 1936 für alle Jugendlichen ab zehn Jahren verpflichtend wurde, trat mein Onkel Gustav in die HJ ein. 7 In seiner SS-Personalakte gab er später an, dass er das HJ-Leistungsabzeichen erworben habe und noch als SS-Gefreiter heftete er sich das silberne Leistungsabzeichen der HJ an die Brust, obwohl jedermann wusste, dass die Anforderungen dafür nicht sehr hoch waren und eigentlich nur dazu dienten, seinen Träger dem Hitler-Staat zu verpflichten. Die Teilnahme an einem dreiwöchigen Führerlehrgang in einer der HJ-Gebietsführerschulen weist ihn schon in der HJ-Zeit als jemand aus, der Amibitionen im nationalsozialistischen Staat hat. Nach dem Ende der Malerlehre begann er eine einjährige Beschäftigung bei seinem Lehrmeister in Winnenden. 8 Vermutlich hat Gustav Layer während dieser Zeit bereits Kontakt zu seinem Vetter Karl, dessen Vater in Waiblingen an der Rems ein Bildergeschäft betrieb. 9 Der elf Jahre ältere Kaufmann Karl Layer, den Gustav in seinen SS-Personalakten immer mal wieder als Referenz angab, hatte sich mit der Mitgliedsnummer 111078 bereits am 15.4.1933 der SS angeschlossen, im Jahr als die ersten Konzentrationslager eingerichtet wurden und die SS sich allmählich gegenüber der SA durchzusetzen begann. Im gleichen Jahr trat er auch der NSDAP bei, was darauf hindeutet, dass es nicht reiner Opportunismus, sondern eher grundlegende Überzeugungen waren, die ihn zur Mitgliedschaft in der SS bewegten.
Die Personalakte von Karl Layer ist vergleichsweise dick. Er zählte zwar nicht zu den alten Kämpfern im nationalsozialistischen Sinne, konnte aber im Verlauf seiner zwölfjährigen Dienstzeit bis in die mittlere Führungsebene der Waffen-SS aufrücken. Zu Beginn seiner Karriere waren die SS-Wachverbände noch eine vergleichsweise kleine Truppe. Karl Layer konnte für sich in Anspruch nehmen, dass er in den Jahren 1934 bis 1940 bei allen bedeutenden Einsätzen der SS im In- und Ausland dabei gewesen war. Er gehörte zu den wenigen Wachmännern, die 1934 im KZ Sachsenburg und danach im Columbia-Haus in Berlin ihren Dienst versahen, wo die Gestapo nach der Machtübergabe Nazigegner zunächst selbst gefoltert und ermordet hatte, bis 1934 die SS die Regie im Columbia-Haus übernahm und den systematischen Terror nach dem Modell des KZ Dachau einführte. Im KZ Sachsenburg und im Columbia-Haus, wo er Rechnungsführer war, sammelte Karl Layer seine ersten Gewalterfahrungen. „Die Gewalt“, heißt es in einer Dokumentation zum Columbia-Haus, „beginnt meist schon mit der Einlieferung, wenn die Häftlinge von den SS-Wachen mit Beschimpfungen, Schlägen und Tritten empfangen werden und oft stundenlang im Gang mit dem Gesicht zur Wand stehen müssen. Viele Häftlinge werden hier so sehr misshandelt, dass sie noch jahrelang an den Folgen leiden.“ 10 Einige wurden auch „wegen Übertretung der Hausordnung“ erschossen. 11
Kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich im März 1938 wurde er 2. Verwaltungsführer der Totenkopfstandarte „Ostmark“, die mit dem Aufbau des Arbeits- und späteren Vernichtungslagers Mauthausen beschäftigt war. Als am 1. September 1939 der Angriffskrieg gegen Polen erfolgte, war auch Karl Layer als Mitglied der Totenkopfdivision „Brandenburg“ wieder dabei. Und auch am Frankreichfeldzug nahm er teil. Im Lauf der Jahre brachte er es bis zum Hauptsturmführer, ein Dienstgrad, der dem des Hauptmanns oder Kapitänleutnants in der Wehrmacht entsprach. Allerdings stand Karl Layer bei den Angriffskriegen nie an vorderster Front; er war nach dem, was ich den Akten entnehmen konnte, in erster Linie Verwaltungsmensch und Schreibtischtäter. Vor dem Feinde, heißt es in einer Beurteilung, habe er noch keine Gelegenheit gehabt. Sein Können sei vorwiegend verwaltungstechnisch. Darauf wird er sich später berufen. Und auch im Hinblick auf seine charakterlichen Eigenschaften bemängelten seine Vorgesetzten fehlendes Selbstbewusstsein, fehlende Umgangsformen und einen gewissen Hang zum Alkohol. So reichte es nicht zum Sturmbannführer, einer Position, die er nur zu gerne gehabt hätte.
Es liegt nahe anzunehmen, dass sich Gustav Layer an seinem Vetter ein Beispiel nahm, als er sich bei der SS bewarb. Aus formalen Gründen hätte er zum damaligen Zeitpunkt eigentlich nicht in die SS aufgenommen werden dürfen, denn er war nur 169 cm groß. 12 Möglicherweise ermöglichte dies aber die sich abzeichnende Kampagne Himmlers zur Vergrößerung der Totenkopfverbände. Überdies verkörperte Gustav die Verbindung der SS zum Bauerntum, die Himmler so am Herzen lag. Und da war ja auch noch sein Vetter Karl, auf den er verweisen konnte. Wie dem auch sei: Einem SS-Ritual folgend wurde Gustav Layer am 9. November 1937, dem Jahrestag des Münchner Bierkellerputsches, von der HJ in den 11. Sturm der 81. SS-Standarte „Würzburg“ überführt.13 Aus der Evangelischen Kirche in Winnenden trat er aus, was in seiner Familie auf wenig Verständnis stieß. Es wäre auch nicht nötig gewesen, denn es gab nicht wenige SS-Männer, die in der Kirche verblieben waren. Zum Eintritt in die NSDAP konnte er sich jedoch nicht entschließen.
Ich frage mich, wie man 1933 in Breuningsweiler gewählt hat, ob dort eine breite nationalsozialistische Grundstimmung herrschte, von der auch der damals noch junge Gustav mitgerissen wurde? Eine Anfrage beim Stadtarchiv in Winnenden ergibt, dass die entsprechenden Akten in Breuningsweiler „gesäubert“ wurden. Auf der Internetseite des Landesarchivs finde ich schließlich die Wahlergebnisse zu den Reichstagswahlen im Juli 1932. .14 Ein erster Hinweis auf das politische Klima in dem Dorf meiner Großeltern. Die NSDAP erzielte damals in Breuningsweiler mit 55,1% der abgegebenen Wählerstimmen ein für das Reich und für Württemberg geradezu überwältigendes Ergebnis. Der Bauern- und Weingärtnerbund, kaum weniger republikfeindlich und antisemitisch dazu, aber in Gegnerschaft zur NSDAP, kam noch auf 14,6%. Rechnet man die Stimmen der KPD hinzu, so ergibt das stolze 90% von Republikgegnern. Die Freunde der Weimarer Republik spielten im Breuningsweiler jener Zeit keine Rolle. Nur einzelne Stimmen gingen an die SPD und die deutsche Volkspartei. Für wen haben sich der Weingärtner Wilhelm Layer und seine Frau bei dieser Wahl entschieden? Mit Sicherheit nicht für die KPD, soviel weiß ich.
Gustavs Vater Wilhelm, mein Großvater, erschien mir als Kind unnahbar. Mit seinem Kaiser-Wilhelm-Bart war er für mich Teil einer längst vergangenen Zeit, von der ich aber keine genaue Vorstellung hatte. Ich wusste nur, dass er als einfacher Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte.15 Ausgerüstet mit einem Waffenrock, einer Hose, einer Unterhose, Hemd, Mütze und Stiefeln, Feldflasche, Brotbeutel, Karabiner 98 und die Gasmaske Größe 3 im Gepäck, so konnte ich in seinen Militärakten nachlesen, war er am 31. August 1914 im Alter von 31 Jahren mit der 3. Kompanie des Reserveinfanterieregiments „Alt-Württemberg“ in den Krieg gezogen. Gelöhnt und verpflegt von der württembergischen königlichen Armee. Bereits am 5. Oktober 1914 bei Thiepval an der Somme wurde er bei einem Granateinschlag am linken Bein verletzt. Nach einem längeren Lazarettaufenthalt in Sedan ging es am 21.März 1915 erneut ins Feld. Sein Militärpass weist die berüchtigten Stellungskämpfe in Lothringen, im Artois und vor Verdun aus, bevor er nach einer weiteren Verwundung am Oberarm mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse bei Kriegsende mit 50,- Mark Entlassungsgeld nach Hause geschickt wurde. Weiterhin kriegsverwendungsfähig, wie ihm bescheinigt wurde. Den toten Kriegern wurde an der Dorfkirche von Breuningsweiler ein Denkmal gesetzt. Die Uniform des Soldaten tauschte mein Großvater mit der des Postboten.
Von den seltenen Besuchen, bei denen ich mit meiner Mutter in der Eisenbahn von Göppingen nach Winnenden fahren durfte, von wo uns ein Magirus-Bus mit großer Schnauze in das auf dem Berg gelegene Dorf brachte, erinnere ich einen älteren Mann, hager von Gestalt, der morgens seinen Muckefuck mit einem Stück Zopfbrot schmatzend in sich hineinschlürfte. Zwischendurch strich er sich über den Kaiser-Wilhelm-Bart, alles ohne ein Wort zu sagen. Ich saß zumeist still auf der Eckbank am langen Tisch und beobachtete ihn, während meine Großmutter an der großen Küchenmaschine etwas vor- oder zubereitete. Danach verließ er die gute Stube und ward erst einmal nicht mehr gesehen. Auf einem Bauernhof gab es ja immer was zu tun. Er verschwendete keine freundlichen Worte zum Abschied, nichts Aufmunterndes. Körperkontakt, ein in den Arm nehmen, auf den Schoß setzen, ein zartes Durch-meine-Haare-Fahren ‒ undenkbar.
Bei der sommerlichen Obsternte galt die strenge Anweisung, Gepflücktes in den Korb zu legen und auch dort zu lassen. Dabei hatte ich als kleiner Erntehelfer auf nichts sehnlicher gehofft, als die eine oder andere Beere oder Kirsche vom Korb mit der Hand in den Mund zu schieben. Knackige Sauerkirschen hatten es mir besonders angetan. So blieb nur schadhaftes, am Boden liegendes Obst zum unmittelbaren Verzehr, es sei denn, man riskierte einen bärbeißigen Wutanfall des Großvaters. Seine eigenen Kinder hatte er noch mit dem Rohrstock verdroschen, so wie man das Getreide mit dem Dreschflegel bearbeitete. Unter dem Schutz meiner Mutter blieb mir das erspart, das blieb das Vorrecht meines Vaters. Von meiner Mutter blieb mir auch im Gedächtnis, dass sie als junges Mädel bei Nachbarn mit deren Kleinkind eingesperrt wurde, die Tür fest verschlossen von außen, bis die Nachbarn vom Feld wieder nach Hause kamen. Das Kleinkind fing irgendwann an zu schreien, schrie und schrie, ohne dass jemand meiner Mutter, selbst ein kleines Mädchen, zur Hilfe kam.
Das Leben auf dem Land war noch bis in die 1950er Jahre hart, manchmal auch derb herzlich. Nicht alle Straßen im Dorf waren geteert. Kaum im Dorf angekommen, riefen Nachbarinnen den Namen meiner Mutter, so dass man es im ganzen Gässle, der Straße, wo die Großeltern wohnten, hören konnte: „Liesl, ja bisch au wiedr do?“ Von einem älteren Vetter meiner Mutter erhielten wir bei jedem Besuch frische Eier und im Holzbackofen gebackenes Brot, das wir gerne auf die Heimreise mitnahmen. Es roch nach Holzasche vom gemeinschaftlichen Backhaus des Dorfes, hatte eine harte Rinde und schmeckte ganz leicht salzig und herzhaft, jedenfalls um vieles besser als das Brot Göppinger Bäckereien. Im Hof befand sich ein Kaninchenstall. Wie die Kühe, so hatten auch die Kaninchen Namen. Sie hießen Flecki, Bommel, Felix oder Hansi ‒ also so wie ich. Onkel Albert, der ja eigentlich kein Onkel war, packte eins im Nacken und ich durfte ihm mit der Hand durch das weiche Fell fahren. Alleine hätte ich mir das nicht zugetraut, denn als Stadtkind hatte ich gehörige Angst vor Tieren, von Kanarienvögeln einmal abgesehen.
Was hat Gustav Layer nach dem Eintritt in die SS gemacht und was hat die SS mit ihm gemacht? Der SS-Personalakte im Bundesarchiv ist zu entnehmen, dass Gustav Layer am 5. Januar 1938 als Staffel-Anwärter in den Dachauer SS-Totenkopfsturmbann „Oberbayern“ eintrat. An den folgenden Tagen erfolgten normalerweise die militärärztliche Untersuchung, die Niederschrift seines Lebenslaufs und die anschließende Überprüfung seines Bildungsstandes. Letzteres eine kaum anspruchsvoll zu nennende und daher leicht lösbare Aufgabe für SS-Kandidaten. Nach der Ausbildung in Dachau wurde Gustav Layer zur 32. Hundertschaft bzw. der 8. Kompanie der 3. Totenkopfstandarte „Thüringen“ nach Buchenwald versetzt und war dort Teil der Wachmannschaften unter dem späteren Sturmbannführer und Regimentskommandeur Hansheinrich Kaltofen.16 Es war nur eine kurze Unterbrechung seiner Zugehörigkeit zu den Dachauern, denn noch vor dem Herbst 1938 kehrte er von Buchenwald dorthin zurück.
Schon während der Exerzier- und Gefechtsausbildung wurden die Angehörigen des Sturmbanns im vierwöchigen Rhythmus zu Wachaufgaben, Bereitschaftsdienst und Gefangenenbegleitung herangezogen. Frühzeitig sollten sie daran gewöhnt werden, Gewalt auszuüben, „mit eigenen Händen zu foltern und zu töten.“17
Eine zwischenzeitliche Erkrankung an Paratyphus, ausgelöst durch das Bakterium Salmonella Schottmuelleri, erzwang einen längeren Aufenthalt in der Freiburger Universitätsklinik.18 Nach seiner Genesung kehrte Gustav Layer zunächst in das KZ Dachau zurück, um im September 1938 als SS-Staffelanwärter in Richtung Oberpfalz auszurücken und an den ersten verdeckten Kriegshandlungen im Osten teilzunehmen. Das Tragen der SS-Erinnerungsmedaille19 an den 1. Oktober 1938 weist ihn jedenfalls als Mitglied eines Totenkopf Sturmbanns aus, der unter der operativen Leitung von Max Simon an der Besetzung des Ascher Zipfels in der Tschechoslowakei beteiligt war.20 1806 war das kleine Ascher Ländchen, das wie eine kleine Landzunge in die bayrische Oberpfalz hineinragt, dem Königreich Böhmen angegliedert worden und gehörte so nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie 1918 zur neu entstandenen Tschechoslowakei. Seit Mai 1938 war Hitler entschlossen, die Tschechoslowakei zu zerschlagen. Die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins diente ihm dabei als Fünfte Kolonne, die im Ascher Zipfel einen bewaffneten Aufstand vom Zaun brach, zu dessen Unterstützung am 26. September unter größter Geheimhaltung und mit gefälschten Ausweisen von Henleins Sudetendeutschem Freikorps zwei SS-Sturmbanne einmarschierten. Die Angelegenheit war nicht nur völkerrechtswidrig, sondern auch politisch hoch brisant, denn erst am 30. September war das Münchner Abkommen mit Chamberlain und Daladier, das die Annexion des Sudetenlandes durch Hitler sanktionierte, vollständig unter Dach und Fach.
Mit Sicherheit ist davon auszugehen, dass Gustav Layer wenige Wochen später, genauer gesagt am 9.11.1938, dem Jahrestag des Münchner Hitlerputsches als Staffelvollmitglied in die SS aufgenommen wurde. Am selben Tag wurden im KZ Dachau als Folge des Novemberpogroms über zehntausend Juden eingeliefert. „Die SS isolierte sie von den anderen Häftlingen und zwang sie tagelang zum Strafstehen oder Exerzieren. Innerhalb von zwei Monaten kamen 151 Juden ums Leben. Die meisten der Überlebenden wurden zwar nach und nach entlassen, einige hundert befanden sich jedoch noch Mitte 1939 in KZ-Haft.“21
Von wann bis wann bewachte Gustav Layer Häftlinge im KZ Dachau oder in anderen KZ und bei welchen Transporten in die KZ war er dabei? Von meiner Mutter weiß ich nur, dass er an Transporten im Stuttgarter Raum mitgewirkt hat ‒ vermutlich im Zusammenhang mit der Pogromnacht im November 1938. Sein auf einer Seite handschriftlich abgefasster Lebenslauf in der SS-Personalakte gibt dazu und über die Zeit bis zum Mai 1940 keinerlei Auskunft. Den Überfall auf Polen vom September 1939 dürfte er aus der Ferne im KZ Dachau beobachtet haben, denn erst für den 10. Mai 1940 gab er sich als Frontkämpfer der SS-Totenkopfstandarte aus.22
Am 17. Mai 1940, das KZ Dachau war seit September 1939 geschlossen, erhielt die 11. Kompanie des Totenkopf-Infanterieregiment 1 von Gustav Layer nach einer seit September 1939 andauernden Vorbereitungsphase den Marschbefehl für den Angriffskrieg gegen Frankreich. Bei Catillon kam es zu grausamen Gefechten mit französisch-marokkanischen Truppen. Gustav Layers 11. Kompanie konnte den Gegner nördlich Rejet nach Osten zurückwerfen. Die von den Franzosen erlittenen unverhältnismäßig hohen Verluste lassen vermuten, dass die Totenkopfdivision insbesondere im Fall von afrikanischen Einheiten keine Gefangenen machte, sondern den Gegner kaltblütig erschoss.23 Weitere Verbrechen des 1. Infanterieregiments unter Max Simon während des Frankreichfeldzugs sind mittlerweile gut dokumentiert.24
Bereits nach einer Woche im Einsatz an der Westfront wurde Gustav Layer am 24. Mai das Eiserne Kreuz II. Klasse für besondere Tapferkeit vor dem Feind verliehen25 – die übliche Begründung. Ich lerne, dass das Eiserne Kreuz II. Klasse massenhaft vergeben wurde, in der Waffen SS noch häufiger als in der Wehrmacht. Es diente vor allem der Motivation der Frontsoldaten. Am 10. Juni, etwas über zwei Jahre nach seinem Eintritt in die SS, wurde er dann bereits zum Unterscharführer befördert26, der untersten Stufe bei den Unteroffizieren. Davor lag das übliche Karrieremuster: Schütze, Oberschütze, Sturmmann, Rottenführer. Eine Offizierslaufbahn, obwohl bei der SS auch mit einem Hauptschulabschluss möglich, blieb ihm allerdings bis zuletzt verwehrt.
Aus der Jahreswende 1940/41 stammen zwei kurze Briefe an meine Mutter, die eine besondere Beziehung zwischen den Geschwistern erkennen lassen.27 Sie sind beide mit einem kleinen kunstvollen Monogramm mit den Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens verziert. Die Weihnachtskarte mit Poststempel vom 17.12. ist in ordentlicher Druckschrift an seine Schwester Fräulein Liesl Layer adressiert und enthält die üblichen Weihnachtswünsche unter einem von ihm in einfachen Strichen gezeichneten Tannenzweig mit brennender Kerze. Seine Schwester antwortete ihm am 25.12. und bedankte sich für die Fotos, die ihr gefallen haben müssen, wie er am 4. Januar in einem kurzen Brief voller Stolz schrieb. Es handelte sich wohl um eines dieser SS-Soldatenfotos, die mir meine Mutter hinterlassen hat: schwarze Ausgehuniform, weißes Hemd, dazu eine schwarze Krawatte in Kunstseide, auf dem Kopf die Schirmmütze mit dem silbernen Parteiadler und dem Totenkopf der SS. Die Schirmmütze hatte er sich leicht schräg auf den Kopf gesetzt, das Haar darunter war kurz geschoren. Das Bild strahlt weder Entschlossenheit noch Brutalität aus. Die Augen sind weit geöffnet, der Blick starr, kein Lächeln auf den Lippen. Ohne Uniform würde man einen schüchternen jungen Mann Anfang zwanzig dahinter vermuten. Der Fotograf wird ihm gesagt haben, er solle den Kopf etwas zur Seite drehen und die Augen nicht so aufreißen. Den Blick nach vorne gerichtet, wirkt er auf einem später entstandenen Foto entschlossener, optimistischer, er ist jetzt Unterscharführer. In der Familie war man immer auch stolz auf diese Fotos. Er sei ein gut aussehender junger Mann gewesen. Meine Cousine schwärmt noch heute von ihm. In den 1950er und 1960er Jahren konnte man sie ja nur verschämt in alten Fotoalben anschauen, sofern sie aus Angst vor den Alliierten bei Kriegsende nicht zerrissen und verbrannt wurden – es gibt erstaunlich viele leere Stellen in den Fotoalben der Familie Layer. Später, die Angst und auch die Schamfrist waren vorbei, wurden sie wieder herausgeholt und zusammen mit anderen Fotos der Familie in einer Ahnengalerie in unserem Treppenhaus aufgehängt.
Was stand noch in dem Brief? Es geht gleich noch einmal um eine schicke Uniform eines Bekannten oder Freundes meiner Mutter und dann um kleine Soldaten (sind es Zinnsoldaten?), die er an seinen Neffen Ludwig als Weihnachtsgeschenk verschickt hat – der gute Onkel! Kein Wort zu seinen Lebensumständen, zu dem etwa, was er an Weihnachten tun wird oder getan hat. Kein Wort zu seinem Aufenthaltsort und schon gar kein Wort zum Krieg oder zur Besatzung in Frankreich. Er verspricht der kleinen Schwester nur, dass er sie in seinem nächsten Urlaub besuchen wird. Gustav hielt sich strikt an die Regeln, die ihm der Erfinder der Totenkopfdivision Theodor Eicke vorgeschrieben hatte: Keine Informationen über Standort oder Marschroute der Truppe an die Familie und auch keine Informationen über Stimmungen, Sorgen oder Nöte; es drohte ein Kriegsgerichtsverfahren.
Es waren eher seltene Besuche, die ihn nach Hause führten, und sie verliefen nicht immer konfliktfrei, denn man war in der Familie wohl nicht so ganz glücklich darüber, dass er in die SS eingetreten war. Jedenfalls wurde mir das so von meiner Mutter berichtet. Ob es stimmt angesichts der vielen Legenden, die Eltern ihren Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg auftischten; ich wollte es, trotz gelegentlicher Zweifel, gerne glauben. Schon die Tatsache, dass Gustav sich gegen den Bauernhof und für die Lehre entschieden hatte, war nicht gerade auf Wohlwollen gestoßen. 1942 will meine Mutter bei der Familie, wo sie arbeitete, von den Naziverbrechen in den KZ erfahren haben, vom Mord an den Juden. Ihr Bruder Gustav sei bei einem Besuch bei den Eltern in Breuningsweiler damit konfrontiert worden, habe aber nur geantwortet: „Ich darf nichts erzählen.“ Man habe ihn ermahnt, sich nichts zuschulden kommen zu lassen. Wie sollte das gehen in der SS?
Am 3. Juni 1941 erging der Marschbefehl von Frankreich nach Marienwerder bei Danzig/ Ostpreußen.28 Der Angriff auf Russland stand unmittelbar bevor. Ziel war die Eroberung von Leningrad. Zwischen dem 20. und 21. Juli kam es zu verlustreichen Kämpfen des Totenkopf-Infanterieregiments 1 im Waldgebiet nordwestlich von Solzy, einer kleinen Provinzstadt am Fluß Schelon. Im Verlauf dieser Kämpfe muss Gustav Layer einen Kniekehlendurchschuss erlitten haben.29 Genaueres ist nicht bekannt. Von der Front wurde er zunächst in das Feldlazarett Pskow abtransportiert. Pskow, rund 300 km südwestlich von St. Petersburg/Leningrad war eine der ersten russischen Städte im Zweiten Weltkrieg, die von den Deutschen erobert wurden, und eine der letzten, die befreit wurden; 90 Prozent der Stadt waren 1945 zerstört. Von Pskow ging es in das Kriegslazarett 1/608 Dünaburg (Daugavpils). Am 22. August erfolgte eine weitere Verlegung mit dem Lazarett-Zug, vermutlich ins Reichsgebiet.
Ich interessiere mich weniger für die nüchterne Kriegsberichterstattung deutscher Truppen auf dem Vormarsch Richtung Leningrad und Moskau, wie man sie in den Kriegstagebüchern des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) nachlesen kann. Was mich interessiert, sind die Taten der SS im Osten und Gustav Layers Beteiligung an diesen Taten. Eicke hatte verkündet, dieser Krieg „sei eine weltanschauliche Auseinandersetzung, ein Ringen zwischen dem Nationalsozialismus und dem jüdischen Bolschewismus auf Leben und Tod – deswegen werde eine völlig rücksichtslose und kompromisslose Kriegsführung notwendig.“30 Die Härte der Kämpfe in der Sowjetunion ging deshalb weit über alle bisherigen Erfahrungen in Frankreich hinaus. Sicher ist auch, dass der Massenmord an sowjetischen Gefangenen, die Plünderung von Häusern und die Ermordung von Juden gängige Praxis der Soldaten Simons waren, unter dem Gustav Layer diente. Über Verbrechen der 11. Kompanie des 1. Totenkopf-Infanterieregiments, wo Gustav Layer als Unterscharführer diente, ist freilich bislang wenig bekannt. In einer Meldung, die am 6. Juli 1941 an das LVI. Panzerkorps weitergeleitet worden war, „beschrieb Simon, wie eine Gruppe von zweihundert russischen Soldaten sich Einheiten des 1. Totenkopf-Infanterieregiments mit erhobenen Händen näherten, als ob sie sich ergeben wollten, sich dann aber (…) zu Boden fallen ließen und das Feuer eröffneten. Bei diesem Schusswechsel töteten die SS-Soldaten alle Russen, auch diejenigen, die um Schonung baten und in Gefangenschaft gehen wollten.“31 „In einem Befehl an sein Regiment kam Simon zu dem Schluss, dass es sich bei diesen Einheiten von russischen Versprengten um ‚Banditen‘ handle, die von bolschewistischen Kommissaren und fanatischen Offizieren der Roten Armee organisiert und aufgehetzt worden waren.“32 Das rechtfertige jede Aktion.
Als Gustav Layer im Juli/August im Lazarett lag, wurden in Dünaburg etwa 9.000 Juden durch ein SS-Kommando und lettische Hilfspolizei ermordet. 33 Man wird im Lazarett darüber geredet haben. Entgegen landläufiger Behauptungen: Es wurde ja doch über diese Verbrechen geredet, weniger nach dem Krieg als während des Kriegs, weniger mit den Zivilisten als unter den Soldaten selbst. Mehr kann ich zum 1. Totenkopf-Infanterieregiment nicht sagen, zur 11. Kompanie finde ich rein gar nichts. Eine individuelle Tatbeteiligung an den Verbrechen der SS in Frankreich, in der Sowjetunion oder in den Konzentrationslagern werde ich Gustav Layer nicht nachweisen können. Dass die SS überall Verbrechen ungeheuren Ausmaßes begangen hat, steht außer Frage. Und Gustav Layer war Teil dieser verbrecherischen Organisation.
Die Verletzung an der Kniekehle muss schwerwiegend gewesen sein, denn es vergingen fast fünf Monate in Lazarett und Rehabilitation bis Gustav Layer wieder eingesetzt wurde, und sie muss so schwerwiegend gewesen sein, dass ein weiterer Einsatz an der Front nicht mehr in Frage kam. Im November 1941 wurde er in einen knapp einmonatigen Genesungsurlaub entlassen. 34 Am 12. Dezember erfolgte seine Versetzung zur SS-Wachkompanie Berlin-Lankwitz, eine Berliner SS-Einheit der Stadtkommandantur.35 Nach nicht einmal drei Monaten wurde Gustav Layer mit Schreiben der Wachkompanie vom 5.3.1942 zur 3. Stabskompanie des Führungshauptamts versetzt, das ihn unter Kommandierung [d. h. vorübergehend] an das SS- und Polizeigericht III in Berlin weiterreichte. Die 1939 eingeführte Sondergerichtsbarkeit hatte ausschließlich Strafsachen gegen SS- und Polizeiangehörige zu verhandeln, vorwiegend Eigentumsdelikte und Verstöße gegen die Manneszucht.36
Dem SS- und Polizeigericht III unterstellt war die in einem größeren Komplex der Berliner Polizei untergebrachte SS- und Polizeihaftanstalt in der Grunewaldstr. 68 in Berlin-Schöneberg, wo Gustav Layer seit März 1942 wohl seinen Wachdienst bei verurteilten SS- und Polizeistraftätern bzw. Untersuchungshäftlingen verrichtete. Er wohnte um die Ecke in der Eisenacherstraße 78 zur Untermiete. Als ich in den 1980er Jahren im Bayrischen Viertel lebte, bin ich oft an dem prachtvollen Eckhaus der Gründerzeit vorbeigegangen, ohne auch nur das Geringste zu ahnen.
Im Juni 1942, viereinhalb Jahre nach seinem Eintritt in die SS, wurde er zum Oberscharführer [=Feldwebel] und Befehlshaber eines Trupps von bis zu sechzig Mann ernannt. Allerdings war er, bedingt durch seine Kriegsverletzung, nicht mehr in den beiden Kernbereichen der Waffen-SS, an der Front und in den KZ, verwendbar. Knapp zwei Jahre später wechselte er in das SS-Strafvollzugslager Genshagen. Mit der Ernennung Albert Speers zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition am 15. Februar 1942 war der Druck auf die Kriegswirtschaft, die Rüstungsproduktion zu erhöhen und damit auch die Notwendigkeit zusätzliche Arbeitskräfte einzusetzen, gewachsen. In Genshagen bei Berlin hatte Daimler-Benz bereits 1936 ein Flugzeugmotorenwerk errichtet, in dem seit März 1943 neben den zahlreichen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen auch erstmals SS-Strafgefangene aus Danzig-Matzkau eingesetzt wurden.
Auch Genshagen wurde von den alliierten Bombern nicht verschont. Bereits im März 1944 wurde das Werk bei einem Fliegerangriff so sehr beschädigt, dass eine Verlagerung an einen sichereren Standort notwendig erschien. Zusammen mit Daimler-Benz beschlossen die NS-Behörden, die Produktion und mit ihr die Häftlinge und Zwangsarbeiter weiter nach Westen in einen Stollen bei Obrigheim in Württemberg zu verlegen. Es entstand das Lager Neckarelz als Außenlager des elsässischen KZ Natzweiler-Struthof. Ab Anfang Juli wurden auch die SS-Strafgefangenen von Genshagen nach Neckarelz überführt.
In diesen Zeitraum zwischen 1942 und 1944 fällt auch eine äußerst umfangreiche Korrespondenz zwischen Gustav Layer und dem Rasse- und Siedlungshauptamt. Gustav Layer wollte heiraten und geriet auf der Suche nach seinem persönlichen Glück in Konflikt mit dem Nationalsozialismus. Im Dezember 1931 hatte Himmler gegen einigen Widerstand in den eigenen Reihen den „Verlobungs- und Heiratsbefehl der SS“ erlassen, nach dem alle SS-Angehörigen eine Heiratsgenehmigung einholen mussten, die nach rassischen und erbgesundheitlichen Kriterien erteilt oder verweigert werden konnte.37 Ziel war die Schaffung eines rassischen Ordens von Sippengemeinschaften, zu denen auch die Frauen gehörten. Die Korrespondenz befasst sich folgerichtig aufs penibelste mit der biologischen, aber auch wirtschaftlichen Verfasstheit der zukünftigen Ehepartner, vermeintlich um einer glücklichen und dauerhaften Ehe willen.
Ein erstes Heiratsgesuch hatte Gustav am 1.5.1942 eingereicht38, dann aber von einer Ehe mit der in Wolznach bei Freising geborenen Maria Ostermeier wieder Abstand genommen. Eineinhalb Jahre später unternahm er einen zweiten Heiratsversuch. Mittlerweile näherte sich sein 25. Geburtstag, das Alter, das Himmler als Heiratsalter festgelegt hatte.39 Über einen SS-Kollegen mit Vornamen Rudolf hatte er die Bekanntschaft von Margarete Elfriede Vorbuchner, geborene Scheffler gemacht.40 Die Stenotypistin und DRK-Helferin Vorbuchner war bis März 1943 noch in zweiter Ehe mit dem Kaufmann Norbert Vorbuchner verheiratet. Aus erster Ehe stammte ein Sohn. Die Ehe mit Vorbuchner war zerrüttet. Im Scheidungsverfahren gab sie an, der letzte Eheverkehr habe im November 1942 stattgefunden, jede Partei unterhalte ehewidrige Beziehungen zu einem Partner des anderen Geschlechts.41 Ich denke: sie mit Gustav Layer. Auf Klage und Wiederklage wurde die Ehe Anfang April 1943 aufgelöst. Im Januar 1944 strebte sie ihre dritte Ehe mit Gustav an. Margarete Vorbuchner gab an, dass sie sich von der Ehe mit dem SS-Oberscharführer ein harmonisches Zusammenleben verspreche und sie den innigsten Wunsch hege, seine Frau zu werden und ihm noch einige Kinder schenken wolle. Margarete hatte ihre bevölkerungspolitische Aufgabe im Nationalsozialismus verstanden.
Margarete war blond, vollschlank, und mit ihren fünfunddreißig Jahren noch sehr attraktiv. Eine lebenslustige Sächsin aus Kötschenbroda, einem Ortsteil von Radebeul in Sachsen. Ihr Vater Karl Wilhelm, ein Kaufmann, entstammte einer deutschstämmigen Familie in Chile. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr ging sie auf das Dürer-Lyzeum in Berlin-Lichterfelde. Danach besuchte sie ein Jahr die Hausfrauenschule in Leipzig, bevor sie als Stenotypistin und technische Zeichnerin ihren Lebensunterhalt und den ihres damaligen Ehepartners verdiente. Seit einiger Zeit arbeitete sie als Zivilangestellte bei der Waffen-SS. Auf dem Formular zum Vermögens- und Schuldenstand zeichnete sie für ein Barvermögen von sechstausend Reichsmark und fünfzehntausend Reichsmark an Sachwerten in ihrer Wohnung in der Rosenheimerstraße 28 in Berlin-Schöneberg, nur ein paar Schritte von Gustav Layers Unterkunft entfernt. Nicht gerade viel, wenn man weiß, dass ein Arzt im öffentlichen Dienst in etwa 16.000,- RM im Jahr verdiente, aber doch bei weitem mehr als das, was Gustav Layer vorweisen konnte. Für Gustav Layer, den SS-Oberscharführer, war sie der zweite Schlüssel zum sozialen Aufstieg, glaube ich.
Im Januar 1944 hatte Gustav Layer einen Eilantrag zur Genehmigung seiner Heirat mit Margarete Vorbuchner gestellt. Die Hochzeit sei für Mitte Februar geplant, gab er zur Begründung an. Es begann das übliche Procedere beim Rasse- und Siedlungshauptamt. Bevor der SS-Mann Gustav Layer seine Heiratsgenehmigung erhalten konnte, musste er den Ariernachweis, einen Erbgesundheitsbogen über mögliche erbliche Belastungen in der Familie und einen ärztlichen Untersuchungsbogen zum Nachweis der Gesundheit und zur rassischen Beurteilung beibringen. Gustav begab sich nach Dachau zum stellvertretenden KZ-Lagerarzt Sturmbannführer Fritz Hintermayer.42

Hintermayer stellte fest:
Vorwiegender Rasseanteil: nordisch;
Augenfarbe: hellblau;
Nase: stark gebogen;
Körperbau: schlank, kräftig;
Zeugungsfähigkeit: wahrscheinlich;
Fortpflanzung: ist im bevölkerungspolitischen Sinne wünschenswert;
Gustav gab an, dass er bis zu zehn Zigaretten am Tag rauche.

Auf einem beigefügten Foto zeigt sich ein 25-jähriger junger Mann mit schütterem Haar und ausgeprägten Geheimratsecken.
Aus der Sicht von Hintermayer stand einer Ehe von Gustav Layer nichts im Wege. Mich wundert allerdings, dass die Zeugungsfähigkeit eines SS-Mitglieds angesichts ihrer Bedeutung für die Fortpflanzung der nordischen Rasse nicht genauer untersucht wurde. Eine Zeugungsfähigkeit, die nur „wahrscheinlich“ ist? Wie lässt sich eine solche Nachlässigkeit bei der Durchsetzung der Kernideologie des nationalsozialistischen Regimes erklären? Ich finde keine Antwort.
Anders als bei Maria Ostermeier ging die Angelegenheit jedoch keineswegs schnell über die Behördenbühne. Zunächst wurde beim Rasse- und Siedlungshauptamt der Verdacht geäußert, Frau Vorbuchner könnte wegen einer 1935 erlittenen Unterleibsentzündung nicht mehr gebärfähig sein, ein schwerwiegender Mangel aus nationalsozialistischer Sicht. Im Unterschied zu Gustav Layer sollte bei ihr nun ganz genau hingeschaut werden. Trotz mehrfacher Aufforderung entzog sich Margarete Vorbuchner einer Untersuchung im SS-Lazarett Lichterfelde und begab sich im März in das KZ Dachau, um sich dort von Dr. Rossmann untersuchen zu lassen. Erst Anfang Juli traf von dort ein Attest ein, das die einwandfreie Durchgängigkeit der Tuben von Margarete bescheinigte, so dass von dieser Seite bei Konzeption keine Schwierigkeiten bestehen würden. Alles schien in bester Ordnung, aber mit Datum vom 4. Juli erhielt Gustav Layer vom Stabsarzt des Rasse- und Siedlungshauptamtes die Nachricht: „Die endgültige Bearbeitung Ihres Verlobungs- und Heiratsgesuchs bleibt einer späteren Zeit [kriegsbedingt, wie es hieß] vorbehalten. Nach den bisher hier vorliegenden Unterlagen ist festgestellt worden, dass zwischen Ihnen und Frau Vorbuchner ein ungünstiger Altersunterschied besteht. Aus diesem Grund wird bei der endgültigen Bearbeitung ihres Verlobungs- und Heiratsgesuchs die Heirat auf beiderseitige Verantwortung freigegeben werden. Beiliegende Erklärung ist von Ihnen und Frau Vorbuchner zu unterschreiben und umgehend nach hier zurückzusenden.“43 Die Freigabe der Heirat auf eigene Verantwortung hatte allerdings formal zur Konsequenz, dass Gustav und Margarete aus dem engeren Kreis der als hochwertig betrachteten SS-Sippen ausgeschlossen wurden. 44 Wollten sie eine erneute Verschiebung der Heiratsgenehmigung auf die Zeit nach dem vermeintlichen Endsieg nicht riskieren und unterschrieben die Erklärung oder war es eine Schwangerschaft von Margarete Vorbuchner, die das Rasse- und Siedlungsamt schließlich überzeugten? Aus den Akten geht lediglich hervor, dass am 5. Juli, die Heiratsgenehmigung erteilt wurde, über sechs Monate nachdem das Gesuch eingereicht worden war.
Am 15.7.1944 fand die Heirat im Standesamt im Schöneberger Rathaus statt. 45 Trauzeugen waren die zwei SS-Kollegen Sturmscharführer Fritz Bohn und Hauptsturmführer Franz Sturmmann. Gemeinsam posierten sie für den Fotografen vor einem Seiteneingang des Rathauses. In der Mitte Gustav und Margarete, er in der grauen Felduniform der Waffen-SS mit Feldmütze, die Braut im hellen Kleid, einem eleganten Hut mit breiter Krempe und einem Blumenstrauß im Arm, rechts und links die beiden Trauzeugen Bohn und Sturmmann. Sie lächelt.46 Für den 5. 7. 1946 wird für Margarete ein Mütterschulungskurs anberaumt; sie hätte eigentlich vor der Hochzeit an so einem Kurs teilnehmen müssen. Ob sie noch an den Endsieg glaubten?
Mit dem Beschluss zur Verlagerung des SS-Straflagers nach Mosbach änderten sich auch die Lebensumstände für Gustav und seine neue Frau. Gustav Layer musste an den Gefangenentransporten teilnehmen. Ende August/Anfang September, als das Lager provisorisch eingerichtet war – die ersten Häftlinge in Zelten und Baracken eines Arbeitsdienstlagers, zog er schließlich mit seiner Frau nach Mosbach und fand beim Lehrer Bock eine kleine Mansardenwohnung.47 Man besuchte zum ersten Mal nach der Heirat die Eltern in Breuningsweiler. Aus Erzählungen weiß ich, dass diese Begegnung nicht sehr glücklich verlief. Die Großstädterin mit dem sächsischen Einschlag dürfte von dem kleinen Gehöft mit dem Misthaufen davor nicht gerade angetan gewesen sein. Die Mutter Maria, mit 1.45m überaus klein, der Vater Wilhelm Layer gertenschlank, an den Wangen eingefallen, beide von der jahrelangen Arbeit auf den Äckern ausgezehrt, verkörperten sie einen Bauernstand, wie er in den idealisierten Nazi-Gemälden eines Adolf Wissel nicht vorkam. „Trachte Dich und deine Kinder aufs Land zurückzubringen“48 , hieß es in den SS-Richtlinien zur Gattenwahl. Auch dies ein frommer Wunsch der Nazi-Propaganda. Die Schwiegereltern ihrerseits konnten mit der Schwiegertochter nichts anfangen. Sie galt als arrogant. Schon der sächsische Einschlag in der Sprache schreckte ab, ganz zu schweigen von der Kleidung und dem Gestus. Es sollte die einzige Begegnung bleiben.
So kehrten Gustav und seine Frau in die SS-Lagerwelt nach Mosbach zurück, einer Kleinstadt im Badischen, auch das im Grunde schon eine Zumutung für Margarete. Das bescheidene Glück in der Mansardenwohnung war nur von kurzer Dauer. Am 8. Dezember 1944 gab es einen Fliegerangriff auf das SS-Straflager.49 Gustav blieb am Mansardenfenster seiner Wohnung stehen, um trotzig den Angriff zu beobachten, während seine hochschwangere Frau Margarete in den Keller rannte. Die Tochter des Lehrers Bock, eine Medizinstudentin, fand Gustav Layer schließlich schwer verletzt von Schüssen aus der Bordkanone der Jagdbomber oder Splittern der Sprengbomben. Er starb wenig später und wurde in Mosbach beerdigt. Wie hieß es doch in einem von der SS gerne gesungenen Lieder: „Kein schönrer Tod ist in der Welt, als wer vorm Feind erschlagen.“ Meine Mutter meinte später zu mir, es wäre gut so, denn sonst hätte er sich möglicherweise für seine Taten in der SS vor Gericht verantworten müssen. Man kann das auch bedauern. Vielleicht wäre es ja gut gewesen, er hätte sich öffentlich dafür verantworten müssen. Der Oberscharführer Layer war ein netter Mann, gab ein Zeitzeuge aus dem SS-Straflager später zu Protokoll. Aber was heißt das in einem Lager, wo SS-Wachmänner straffällig gewordene SS-Wachmänner bewachten?

Epilog
Jahre später, es muss Anfang der 1950er Jahre gewesen sein, unternahm seine jüngste Schwester Rosa einen Ausflug nach Mosbach zum Grab ihres Bruders. Sie machte ein Foto von einem Soldatengrab und schickte es an meine Mutter Luise.50 Im März 1962 gab es noch einmal eine Anfrage der Landespolizei I, Berlin an das Berlin Document Center der USA wegen Gustav Layer. Es wurden Ermittlungen gegen ihn und Obersturmführer August Winnefeld wegen zwei Tötungsdelikten im SS- und Polizeigefängnis Grunewaldstraße 68 angestellt.51 Über das Ergebnis dieser Ermittlungen konnte ich nichts herausfinden. Margarete Layer wurde 1946 von der Sowjetischen Militäradministration verhaftet und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.52 Zwei Jahre davon verbrachte sie in dem berüchtigten NKWD-Speziallager Sachsenhausen-Oranienburg, dem früheren KZ. Bald nach ihrer vorzeitigen Entlassung durch die DDR-Behörden 1952 emigrierte sie nach Sao Paulo in Brasilien, wo sie vermutlich verstarb. Karl Layer kam 1945 auf der Flucht vor der sowjetischen Armee in amerikanische Gefangenschaft.53 Nach einem kurzen Aufenthalt im Kriegsgefangenenlager Riegsee bei Murnau wurde er als potenzieller Kriegsverbrecher in das Internierungslager 74 bei Ludwigsburg überführt, wo es am 18.11.1947 zur Anklage vor der lagereigenen Spruchkammer kam. Als leitender Angehöriger einer verbrecherischen Organisation wurde er durch den öffentlichen Kläger der Gruppe der Hauptschuldigen zugerechnet. In seiner unglaublich unverfrorenen Verteidigungsrede behauptete Karl Layer, er habe sich wohl Gedanken gemacht über die KZ, aber er habe nur gehört, „dass dort arbeitsscheue Menschen und Zuchthausinsassen untergebracht seien.“ (…) „Was im KZ gespielt wurde, wusste ich nicht und glaube auch nicht, dass die Insassen des KZ Oranienburg misshandelt wurden.“ „So wie die Politik damals anzusehen war, waren wir nicht die Urheber des Krieges.“ Sein Rechtsanwalt Dr. Karl Wanner argumentierte, Layer habe nie KZ-Wachdienste geleistet, habe lediglich eine Verwaltungskarriere gesucht und sei nicht politisch gewesen. Er müsse deshalb als Mitläufer oder Minderbelasteter eingestuft werden. In ihrem Urteil sprach die Spruchkammer schließlich von einem „Belasteten“, der als überzeugter Anhänger durch seine „Tätigkeit, die Gewaltherrschaft der NSDAP wesentlich gefördert“ habe. Er wurde zu 2 ½ Jahren Arbeitslager verurteilt, die bei Urteilsverkündung durch die Zeit im Internierungslager bereits annähernd vollständig abgeleistet waren. Im März 1948 wurde er zu seiner Familie nach Lorch/Württemberg entlassen. Die Berufsbeschränkung wurde 1951 auf seinen Antrag vom Innenministerium Württemberg-Baden aufgehoben.

Notes

1 Vgl. Roman Janssen: Breuningsweiler im Mittelalter: In: Stadtarchiv Winnenden (Hg.): Breuningsweiler, Einblicke in 700 Jahre Ortsgeschichte, Winnenden – Gestern und Heute, Bd. 5, Winnenden 1993, S. 39-60.
2 Vgl. Eberhard Schauer: Die Familien von Breuningsweiler: In: Stadtarchiv Winnenden (Hg.): Breuningsweiler, Einblicke in 700 Jahre Ortsgeschichte, Winnenden – Gestern und Heute, Bd. 5, Winnenden 1993, S. 61-68.
3 Vgl. hierzu und im folgenden bei https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Waiblingen.
4 LKA Stuttgart, DA Waiblingen A III.5, Winnenden-Breuningsweiler.
5 BArch R 9361/III/115515; Layer, Gustav, 16.7.1919 (ohne Paginierung).
6 Weitere Akten liegen bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) IIB 413-141001 142-677/282 (Wehrstammbuch und Soldbuch fehlen) und beim Standesamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin (Heiratsakte vom 15.7.1944).
7 Vgl. dazu und im folgenden BArch R 9361/III/115515; Layer, Gustav, 16.7.1919 (ohne Paginierung).
8 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung). Lebenslauf vom 26.11.37.
9 Vgl. dazu und im folgenden BArch VBS 286/6400025777 (ehemal. BDC), SSO, Layer, Karl, 5.4.1908 und StAL EL 903/2 Bü 1070.
10 Zitiert nach Karoline Georg, u.a.: Warum schweigt die Welt, Häftlinge im Berliner Konzentrationslager Columbia-Haus 1933-1936, Berlin 2013, S.19.
11 Ebd., S.102.
12 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung). Gefordert war eine Mindestgröße von 174cm, in Ausnahmefällen auch 170cm. Vgl. dazu Bernd Wegner, Hitlers politische Soldaten, Paderborn 2008, S. 135.
13 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung).
14 Vgl. http://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/1674/Breuningsweiler+%5BAltgemeinde-Teilort%5D
15 Vgl. Militärpass und Soldbuch Wilhelm Friedrich Layer, Privatarchiv Hans Mayer.
16 BArch NS 3/1567, Bandnummer 2.
17 Vgl. Karin Orth: Egon Zill – ein typischer Vertreter der Konzentrationslager-SS, S. 266, in: Klaus-Michael Mallmann u.a.: Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien, Darmstadt 2011.
18 BA R 9361/III/115515 (ohne Paginierung); Lebenslauf vom 12.1.1944.
19 Foto Gustav Layer, München, o. D., Privatarchiv Hans Mayer.
20 Vgl. Franz-Josef Merkl: General Simon, Lebensgeschichten eines SS-Führers, Augsburg 2010, S.123f.
21 http://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/209.html
22 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung); Lebenslauf vom 12.1.1944.
23 Vgl. Merkl (2010), S. 169/70.
24 Ebd. S. 172/73.
25 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung); Lebenslauf vom 12.1.1944.
26 Ebd.
27 Feldpostbriefe vom 17.12.1940 und 6.1.1941. Privatarchiv Hans Mayer.
28 Vgl. dazu Niels Weise: Eicke. Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik , KZ-System und Waffen-SS. Paderborn 2013, S. 297f. sowie Merkl (2010), S. 190f.
29 Vgl. Deutsche Dienststelle (WASt) IIB 413-141001 142-677/282.
30 Charles W. Sydnor: Soldaten des Todes: Die 3. SS-Division „Totenkopf“ 1933-1945, Paderborn 2002, S. 130.
31 Sydnor (2002), S. 136.
32 Ebd.
33 http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/02/Kriegsverbrechen.
34 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung).
35 Ebd.
36 Vgl. BArch NS 19/1916, Bl.132.
37 Vgl. dazu Isabel Heinemann: Rasse, Siedlung, deutsches Blut, Göttingen 2003.
38 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung).
39 Vgl. Heinemann (2003), S. 56, Anm. 28.
40 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung).
41 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung), Lebenslauf Margarete Vorbuchner.
42 https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Hintermayer
43 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung).
44 Vgl. Heinemann (2003), S.59.
45 Heiratseintrag vom 15.7.1944, Familienbuch Nr. 708, Standesamt Berlin-Schöneberg.
46 Hochzeitsfoto Gustav Layer/Margarete Vorbuchner. Privatarchiv Hans Mayer.
47 Vgl. Eckard Teichert: Mosbach im 3. Reich, 3. Heft, Zeitzeugen berichten aus der Nazizeit, Mosbach 1995, S.124.
48 https://archive.org/stream/SS-Rassenkunde-und-Richtlinien-zur-Gattenwahl/Ss-RassenkundeUndRichtlinienZurGattenwahl23S.Text_djvu.txt
49 Vgl. Eckard Teichert: Mosbach im 3. Reich, 3. Heft, Zeitzeugen berichten aus der Nazizeit, Mosbach 1995, S.124.
50 Postkarte von Rosa Lang, geb. Layer, Privatarchiv Hans Mayer.
51 BArch R 9361/III/115515 (ohne Paginierung) und BArch B 162/829, Bl.79.
52 Zentrale Auskunfts- und Dokumentationsstelle des DRK, I/5 2000238250.
53 Vgl. dazu und im folgenden StAL EL 903/2 Bü1070.

Benutzte Archive, Internet und Literatur

Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde;
Deutsche Dienststelle (WASt), Berlin;
Deutsches Rotes Kreuz, Zentrale Auskunfts- und Dokumentationsstelle;
Landeskirchliches Archiv Stuttgart;
Privatarchiv Hans Mayer;
Staatsarchiv Ludwigsburg;
Standesamt Berlin-Schöneberg.

https://archive.org/stream/SS-Rassenkunde-und-Richtlinien-zur-Gattenwahl/Ss-RassenkundeUndRichtlinienZurGattenwahl23S.Text_djvu.txt
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Hintermayer
https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Waiblingen
http://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/209.html
http://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/1674/Breuningsweiler+%5BAltgemeinde-Teilort%5D
-www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/02/Kriegsverbrechen

Karoline Georg, u.a.: Warum schweigt die Welt, Häftlinge im Berliner Konzentrationslager Columbia-Haus 1933-1936, Berlin 2013, S.19.
Isabel Heinemann: Rasse, Siedlung, deutsches Blut, Göttingen 2003.
Roman Janssen: Breuningsweiler im Mittelalter. In: Stadtarchiv Winnenden (Hg.): Breuningsweiler, Einblicke in 700 Jahre Ortsgeschichte, Winnenden – Gestern und Heute, Bd. 5, Winnenden 1993, S. 39-60.
Klaus-Michael Mallmann u.a.: Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien, Darmstadt 2011.
Franz-Josef Merkl: General Simon, Lebensgeschichten eines SS-Führers, Augsburg 2010.
Karin Orth: Egon Zill – ein typischer Vertreter der Konzentrationslager-SS, S. 266, in: —–
Eberhard Schauer: Die Familien von Breuningsweiler. In: Stadtarchiv Winnenden (Hg.): Breuningsweiler, Einblicke in 700 Jahre Ortsgeschichte, Winnenden – Gestern und Heute, Bd. 5, Winnenden 1993, S. 61-68.
Charles W. Sydnor: Soldaten des Todes : Die 3. SS-Division „Totenkopf“ 1933-1945, Paderborn 2002.
Eckard Teichert: Mosbach im 3. Reich, 3. Heft, Zeitzeugen berichten aus der Nazizeit, Mosbach 1995.
Bernd Wegner: Hitlers politische Soldaten, Paderborn 2008.
Niels Weise: Eicke. Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik , KZ-System und Waffen-SS. Paderborn 2013.




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