Arne Rautenberg

stille und nähe
unter zuhilfenahme von adolf dietrichs „fuchs mit eichelhäher“, 1926

worte unter der lupe geschrieben
glänzend und weich ins fuchshaar getrieben
oberseits rötlich unterseits weiß
wärmender körper kühl wie aus eis

noch liegt der schnee schon taut es im wald
schon liegt der fuchs das moos kaum mehr kalt

in worten unter der lupe geschrieben
stunde auf stunde das pinselhaar schieben
schwarz auf den läufen schwarz auf den ohren
haariger fuchs auf pappe geboren

halb ists neusachlich halb neben der spur
halb steht die zeit halb tickt keine uhr

in worten unter der lupe geschrieben
kein luftzug wird kommen das fell zu zerstieben
rötlich das gelb und tiefrot das braun
stille und nähe ein zoom ohne raum

steil steigt mit jahren der fuchsbilderwert
blässlich geraten mir zeilen verzerrt

worte bloß unter der lupe geschrieben
buchstaben fallen wer hält sie im sieben
fuchs leckt die worte die zunge am lauf
starr ohne regung leckt er sie auf

so frag ich den fuchs: was bin ich dir jetzt
so sagt mir der fuchs: ein häher zerfetzt

 

untergangsgekritzel

zwei striche
ein runder
einmal rund

das ist die welt

ein schräger
einmal schräg
durchs rund

das ist die zeit

zwei striche
ein runder
ein schräger

der eine feiert
die welt
als wunder

der andere streicht
die welt
geht unter

 

der strom des rheins er zieht die kraft

der strom des rheins kennt kein erbarmen
er zieht die kraft aus allen armen
ich schlage ein bin gegenstreiter
er zieht die kraft aus allen armen
mir egal ich schwimme weiter
er zieht die kraft aus allen armen
der strom des geldes fließt im warmen
er zieht die kraft aus allen armen
treib plötzlich mit bin sein begleiter
er zieht die kraft aus allen armen
schon kühl ich aus bin todgeweihter
er zieht die kraft aus allen armen
der strom des rheins kennt kein erbarmen
er zieht die kraft aus allen armen
vision vom blitz einer wurfleiter
er zieht die kraft aus allen armen
der strom des geldes fließt im warmen
er zieht die kraft aus allen armen

 

das haus verlassen

die augen öffnen
das haus verlassen
und mit dem haus verlassen
aus dem bett steigen

die kleidung wechseln
das haus verlassen
und mit dem haus verlassen
die tür hinter sich zuziehen

die bahn besteigen
das haus verlassen
und mit dem haus verlassen
aus dem u-bahnhof kommen

einen wolkenkratzer betreten
das haus verlassen
und mit dem haus verlassen
lange fahrstuhl fahren

vor dem schreibtisch hinschlagen
das haus verlassen
und mit dem haus verlassen
die augen nicht schließen

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