Sep 2011

Helga Kurzchalia

ist es nacht


   

ist es nacht
die selbe nacht

du bist fort gegangen
bist du hier gewesen

der tag durch den fleischwolf gefallen
   

ich habe einen schlaf
bösen traum geträumt
und weiss nicht
wem ich ihn schenken soll
vater will ihn nicht haben
mutter hält sich die ohren zu
mein liebster ist hier oder anderswo
in meiner dunkelkammer unterm dach
ist niemand da der meinen schlaf
bösen traum einlöst
gegen eine zwei mal drei stunden nacht
wie flaschenpfand
   
noch ein traum
heut hab ich sie wiedergesehen
gelbe lilien auf gelbem grund
sie trug ihre seidenbluse ein haarband
wie meine freundin es mag
die finger verhakelt die strümpfe mit naht

ich kam durch eine fremde straße
aus der papierwarenhandlung
wo ich das geld schuldig geblieben
in nachthemd pantoffeln bademantel
und mich meines aufzugs schämte

als ich ihr hastig in den trenchcoat half
auf dass sie ihrer wege ging
   
how long is now
die vase kippt vom küchentisch
die stunden schlagen wellen

ich öffne das fenster gegen die stille
und trag die astern vor die tür
   
myers hotel
stiefel aus
loch im strumpf
der verfilzte schal um den hals
flackernde augen
im goldenen spiegel aus pappmache
kinderhände mit altersflecken
schminktisch und telephon
wie rednerpult ohne publikum




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