Oct 2012

Matthias Politycki

Wenn du den Schmerz gibst, schwarzer Engel,
gib ihn ganz.

Und halt mich bloß nicht auf
mit halben Sachen.
Versuch auch ja nicht, auf den allerletzten Metern
mich noch mal anzulachen.

Heul lieber los,
schau schlank und schäbig dabei aus
und gib dir Mühe,
’ne schöne Abschiedszene mir zu machen.
Streich mir noch mal die Stirn,
wie du’s so oft getan,

und dann dreh ab, verpiß dich, Mensch,
und fahr zur Hölle.
Von dort kamst du ja schließlich her,
mich zu versuchen.
Und kannst mich dort also auch gern
als vorerst letztes Opfer jetzt verbuchen.

Ich aber werde mich
auf dieser Stelle hier
in etwas Schauriges verwandeln
und dich noch oft und oft,
du bittrer Engel,
verfluchen.

 

Damals das Glück
Die Male, da ich in dieser Zeit
glücklich war,
kann ich an zwei Händen abzählen:
Momente großer Erschöpfung,
da ich einfach keine Kraft mehr hatte,
an dich zu denken –

Momente am Ende langer Stunden,
die wir bergauf gestiegen und geklettert,
bergab darauf in einer Schlucht,
vorbei an verstaubten Palmen,
ausgetrockneten Wasserlöchern,
verrosteten Konservendosen,
ausgeblichnen Eselknochen,
und wieder bergauf –

bis wir irgendwann Pause machten.
Dann lag ich auf einem heißen Felsen
wie ein Tier,
blickte ins Tal hinab
und sah von all der Herrlichkeit nichts,
fühlte nichts mehr
als die Hitze des Steins,
wie sie von unten
in meine nasse Kleidung kroch.

Nicht an dich zu denken,
das war damals das Glück.

 

Geteilt haben
die Sehnsucht nacheinander
die Lust aufeinander
den Kummer miteinander
dann gibt es nichts zu bereuen

© Matthias Politycki, www.matthias-politycki.de




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