Der Kaffee: für Eile und um aktiv zu bleiben oder um sich auszuruhen und aufnahmefähig zu sein?

Der Kaffee:
Für Eile und um aktiv zu bleiben oder um sich auszuruhen und aufnahmefähig zu sein?

Bevor ich in die USA kam, war der Kaffee für mich nur ein Aperitif, den man trank, um sich zu entspannen und mit der Umwelt zu verbinden. Kaffee wurde nicht nur zum Trinken getrunken, sondern zu einem Gespräch mit einem Freund, einem Gruppentreffen oder einem nachdenklichen Moment allein am Fenster. In den USA fand ich eine Kultur, für die der Kaffee generell ein individuelles Accessoire (und manchmal eine Sucht) ist, um sich aktiv zu machen. Während in meiner Heimat die meisten Menschen in Kaffeehäuser gehen und dort stundenlang sitzen, greifen die meisten Amerikaner einen großen Kaffee “To Go” und trinken ihn während sie gehen, fahren, arbeiten, usw. Seitdem ich in den USA lebe, vermisse ich in einem inspirierenden Kaffeehaus zu sitzen und mit Freunden zu reden, und obwohl ich hier Kaffeehäuser, in denen ich sitzen kann, gefunden habe, ist ihre Atmosphäre nicht gleich: In meiner Heimatstadt sitzen die Leute um den gegenwärtigen Augenblick zu leben; hier in den USA sind die Menschen körperlich oder in ihren Köpfen immer auf Achse.

In Kaffeehäusern auf der ganzen Welt trifft sich ein breites Spektrum von Personen mit verschiedenen Geschichten. Irgendwo in einem Kaffeehaus taucht eine Frau in die Lektüre ihres Buches ein, während drei alte Freunde leidenschaftlich reden, Arbeitskollegen ein Projekt erörtern, Studenten für die morgige Prüfung lernen, zwei alte intelligente Männer Schach spielen, Liebhaber streiten, ein Vater und sein Sohn zum ersten Mal seit Jahren reden, Philosophen und Künstler ihre Theorien diskutieren und ein Mädchen beobachtet, raucht und schreibt. Hier ist, wo der Zauber der Kaffeehäuser liegt: Geschichten, Träume, Geheimnisse, Inspirationen, Frustrationen, Streite, Versöhnungen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In diesen zeitlosen Orten ist der Kaffee für Menschen eine Verbindung zur Umgebung, der Unterhaltung, zu den anderen und sich selber.

Als ich in die USA ankam, bemerkte ich, dass der Kaffee nicht als Mittel zur Interaktion, sondern als ein individuelles Energiegetränk verwendet wurde. Ich vermisste die Kaffeehäuser von Buenos Aires, wo ich ein Buch in der ruhigen, gemütlichen, anregenden Stimmung meiner geliebten lebhaften Nachbarschaft lesen würde und ich mit dieser Umgebung verbunden wäre. Ich vermisste die entspannten Menschen, die interessante Gespräche durch einen Kaffee gemeinsam hatten, während die Fernseher lautlos argentinischen Fußball zeigten und ich die Geschichten der Menschen zu erraten  versuchen würde.

In Amerika fand ich kein wirklich interresantes Kaffeehaus, aber ich fand andere Anregungen, wie das Fenster meines Zimmers und meinen argentinischen Mate -ein heißes Getränk. Jetzt da ich hier lebe, ist für mich der Kaffee eine unattraktive Getränkoption, die weder sehr gut schmeckt, noch mit Anderen geteilt wird, aber die einigen Menschen aufzuwachen und aktiv zu bleiben hilft. Um mehr Energie zu bekommen, meditiere ich und trinke Mate. Glücklicherweise ist Kaffee nicht die einzige Sache, die Menschen zusammenbringt. Sowohl hier als auch im Rest der Welt haben wir Essen, Musik, Partys und andere Dinge zu genießen.

Kia Pipkin – Deutsch 202 – 7.3.12

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