{"id":134,"date":"2020-02-25T13:46:08","date_gmt":"2020-02-25T13:46:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/contemporary-german-lit-2020\/?p=134"},"modified":"2020-02-25T18:10:25","modified_gmt":"2020-02-25T18:10:25","slug":"bitte-gib-mir-nur-ein-wort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/contemporary-german-lit-2020\/2020\/02\/25\/bitte-gib-mir-nur-ein-wort\/","title":{"rendered":"Bitte gib mir nur ein Wort"},"content":{"rendered":"<p>Lars Brandts <em>Andenken<\/em>, wie ich in meinem Blog zu erl\u00e4utern versuchte, beginnt seine Erinnerung mit einem Wort: Elefantensto\u00dfz\u00e4hne. Darum kreisen sich dann die viele Erinnerungen und Eigenschaften seines Vaters. Die Z\u00e4hne geben nach und Ornament (\u201eMir steht der Sinn nach Ornamenten\u201c 14) kristallisiert sich als seine Beschreibung f\u00fcr das Schreiben: \u201eMich treiben Muster ans Papier, die sich ihr Material aus der Wirklichkeit holen.\u201c (14) Wirklichkeit ist also, laut Brandt, das worum es in seinem <em>Andenken <\/em>handelt. Die Sprache wird damit zweitrangig. Ein Mittel zum Zweck und nicht so wichtig wie der Autor selbst: \u201eMich selbst ben\u00f6tige ich als Medium\u201c (14).<\/p>\n<p>In Erpenbecks <em>Heimsuchung <\/em>begibt sich die Figuren auf die Suche nach anderen Wirklichkeiten und Wahrheiten, doch steht auch hier ein Wort im Zentrum. Das Kapitel von der Schriftstellerin scheint mir ein Knotenpunkt des Romans zu sein. Sie schreibt \u00fcber die Sprache und betont dabei die Buchstaben: \u201eSeit ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland hatte all ihre Leidenschaft dem Versuch gegolten, durch die Buchstaben hindurch ihre Erinnerungen in die Erinnerungen anderer zu verwandeln.\u201c (124) Sind Buchstaben also Details aus dem Leben? Buchstaben tragen nur in Verbindung zueinander einer Bedeutung, d.h. sie werden nur verkn\u00fcpft zum Wort. Dies wird von der Schriftstellerin im Laufe des Kapitels besonders durch das Wort \u201eh-e-i-m\u201c verdeutlicht (117). Das wiederum sich nur durch einen Buchstaben von \u201eh-e-i-l\u201c trennt. \u201eHeil\u201c und \u201eheim\u201c erscheinen zuerst in der Geschichte von Ludwig Engel, der Tuchfabrikant. W\u00e4hrend der Familie Engel alle sich durch Bezug auf \u201eheim\u201c orientieren \u2013 die Eltern fahren zwei Wochen sp\u00e4ter wieder heim (50, 51, 53 usw.) oder Ludwig spricht vom Erben des Grundst\u00fccks als \u201eHeim\u201c (50, 53, 54, 55 usw.), h\u00f6rt man die Arbeiter am Nachbargrundst\u00fcck immer wieder \u201eHeil!\u201c rufen. \u201eHeil\u201c taucht dann auch immer wieder auf, doch im Weiteren nicht als Ruf, und damit nicht in seinem politischen Kontext, sondern als k\u00f6rperlicher Beschreibung oder als intakte Gegenstand (\u201eWar damals das Leben noch heil?\u201c, 83 oder \u201eAlle Spiegel waren noch heil\u201c, 148). Was hei\u00dft es also dann, wenn die unberechtigte Eigenbesitzerin das unbewohnte Haus fegt und putzt und schreibt: \u201eDas Fegen galt bei den Azteken als eine heilige Handlung\u201c (185)?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lars Brandts Andenken, wie ich in meinem Blog zu erl\u00e4utern versuchte, beginnt seine Erinnerung mit einem Wort: Elefantensto\u00dfz\u00e4hne. Darum kreisen sich dann die viele Erinnerungen und Eigenschaften seines Vaters. 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