{"id":254,"date":"2020-09-20T05:46:05","date_gmt":"2020-09-20T09:46:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/german-pop\/?p=254"},"modified":"2020-09-22T04:37:31","modified_gmt":"2020-09-22T08:37:31","slug":"popliteratur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/german-pop\/2020\/09\/20\/popliteratur\/","title":{"rendered":"Popliteratur"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\">(Ich w\u00e4hle den Stil von &#8220;Faserland&#8221;, aber der Inhalt dieser Geschichte hat nichts mit der Handlung von &#8220;Faserland&#8221; zu tun&#8230;)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u201eWartest du auf Lieferung?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ja, ich warte auf meinen Lieferungsdienst, der mich vor mehr als zwanzig Minuten angerufen hat. Er hat mir gesagt, dass er um acht Uhr ankommen wird. Jetzt ist irgendwann zwischen sieben Uhr f\u00fcnfzig und acht Uhr. Ich komme fr\u00fch. Deswegen warte ich. Ich stehe in der Mitte vom Regnen. Regenschirm habe ich und es funktioniert sehr gut, aber mir ist kalt. Das Kalt kann nur so langsam durch die Textile gehen. Ganz am Anfang bemerkt man es gar nicht. Es hei\u00dft ja auch, dass man in diesem Kalt schon so lang geblieben hat, wenn man es sp\u00fcren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wer mich gefragt hat ist ein Takeout-dienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u201eJa.\u201c Ich antworte und l\u00e4chele zu ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u201eRuf ihn einfach an!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u201eIch habe mein Handy nicht mitgebracht.\u201c Ich finde meine Stimme ein bisschen ungeduldig und es ist mir \u00fcberraschend. Vielleicht weil ich schon genug lang gewartet habe. Ich bin die einzige, die dieser offensichtliche Fakt ignoriere, zumindest versuche ich so.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Der Takeout-dienst sagt nicht mehr, weil er ja seinen eignen Auftrag hat. Er hat das Abendessen von einem totalen Fremden. Hundert-prozent zuf\u00e4llige Verbindungen in dieser Art finde ich immer interessant, aber herzlich gesagt auch egal. Sein Schweigen ist mir irgendwie angenehm. Ich schaue an ihm, w\u00e4hrend, nein, weil er am Bildschirm seines Handys guckt, um die Kontaktinformation des Besitzers des Abendessens zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Es ist mir kalt, vielleicht weil mein T-Shirt kurze \u00c4rmel hat. Ich habe genau gewusst, dass es regnet und kalt ist, bevor ich drau\u00dfen gegangen bin. Ich habe aber die Entscheidung getroffen, mit kurz\u00e4rmeligem T-Shirt drau\u00dfen gehe, weil ich nicht erwartet habe, dass ich so lang warten werde. Wahrscheinlich habe ich doch darauf erwartet, weil ich fr\u00fcher als acht Uhr drau\u00dfen gehe. Dann ist es so, dass ich mich verweigere, eine Jacke oder etwas zu tragen. Interessant.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ich kann mich gut erinnern, dass ich mich einmal in der Vergangenheit ohne Grund aber sehr hart verweigerte, eine Jacke anzuziehen. Ich war mit meinem Vater in Boston. Am n\u00e4chsten Tag werden wir Boston verlassen, aber wohin kann ich mich nicht mehr erinnern. Es war bew\u00f6lkt in Boston, vielleicht auch windig. Die Zeit war zwischen Nachmittag und Nacht und ich m\u00f6chte sie \u201esp\u00e4ter Nachmittag\u201c gern nennen. Mein Vater schlug vor, eine Jacke zu tragen. Ich wollte einfach nicht. Ohne Grund. Ohne schlechte Laune. Mit ein bisschen Gef\u00fchl vom Kalt. Ich sagte immer, dass es mir nicht kalt ist. Immer nur denselben Satz. Ich war mir fast sicher, dass mein Vater nach einigen Runden von diesem sinnlosen Gespr\u00e4ch ver\u00e4rgert wird, zumindest sehr seri\u00f6s. Ich hoffte eben, dass er so bewegen wird, und dann kann ich einen richtigen Grund haben, eine Jacke zu tragen. Zu meiner \u00dcberraschung fiel er nicht in meiner Erwartung, weil er nicht mehr zu \u00fcberzeugen versuchte. Wir gingen drau\u00dfen. Wohin habe ich schon vergessen. Aber es war richtig kalt, als die Nacht dieses Tages kam, weil ich mich sehr gut erinnern kann, dass ich mich sehr freute, als wir in einen Bus einstiegen, weil drin w\u00e4rmer war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Mein Warten dauert, w\u00e4hren das Takeout-diensts endet. Er geht aus dem Lieferungszelt. Ja, es gibt ein Zelt f\u00fcr Lieferungsservice. Dass ich Regenschirm habe, kann ich deshalb drau\u00dfen stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Eine Dekoration von einer kleinen Ente sitzt sich auf dem Helm des Takeout-diensts. Sie kommt vielleicht aus irgendeiner Werbeaktion. Wenn der Takeout-dienst aus dem Zelt tretet, wird die Ente vom Oberteil des Ausgangs gesto\u00dfen. Sein Helm f\u00e4llt schon auf dem nassen Boden, mit Klang, bevor ich etwas schreien kann. Der Takeout-dienst steht und beklagt. Die Ente hat ihr eigener Helm, aber jetzt ist dieser Helm von ihrem Kopf getrennt. Er steht weiter. Ich wei\u00df gar nicht, was ich reden soll. Er nimmt sein Helm und ihr Helm, stellt seines im Zelt und ihres auf ihren Kopf, und geht weiter mit dem Abendessen von einem totalen Fremden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wenn er zur\u00fcckkommt, spricht er im Handy mit schlechter Laune. Das Essen ist von ihm an einem bestimmten Ort gestellt, aber der Besitzer scheint, ohne Ahnung, wo es ist, zu haben. Der Takeout-dienst erkl\u00e4rt ungeduldig. Wenn er endlich sein Handy auflegt, sagt er mir: \u201eWart nicht mehr! Er ist vielleicht schon zur\u00fcck!\u201c Auf seinem Handy sehe ich, dass es sieben Uhr sechs-und-f\u00fcnfzig oder acht-und-f\u00fcnfzig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ich l\u00e4chle und sage, dass ich ein bisschen mehr warte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Er tr\u00e4gt seinen Helm und bringt den Helm von der Ente irgendwo mit ihm. Dann geht er zur\u00fcck zu seinem Motorrad. Etwas, die ich wegen dem Ger\u00e4usch vom Regnen nicht h\u00f6ren kann, spricht er weiter zu mir. Ich mache deswegen Reaktionen, die hoffentlich zu allen Szenarien passen, bis er mit dem Motorrad wegf\u00e4hrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ich w\u00e4hle den Stil von &#8220;Faserland&#8221;, aber der Inhalt dieser Geschichte hat nichts mit der Handlung von &#8220;Faserland&#8221; zu tun&#8230;) &nbsp; \u201eWartest du auf Lieferung?\u201c Ja, ich warte auf meinen Lieferungsdienst, der mich vor mehr als zwanzig Minuten angerufen hat. 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