May 2021

II. Gedichte: A wardrobe of selves

A wardrobe of selves

 

Peter Bakowski, Melbourne

 

 

A wardrobe of selves

Addressing your life. Perhaps that’s overdue or not really you
Winking or wilting in front of the mirror. Maybe everything’s
Arranged or in disarray. Consider what to wear, what wears you.
Roll with the punches, not with the paunch you may have acquired.
Dressed to the nines or only the fours, perhaps it’s time to
Ride that bucking bronco tethered beneath your ribs. Your
Obituary needn’t be an ode to daring but if you’re able, do venture
Beyond the perimeter of your toenails. Rebel or
Excel at revealing yourself. Who you are may be
Of less importance than how you are—
Flummoxed or fulfilled. Both are cyclical.
Some selves are secret, take themselves to the grave. Their
Existence exposed in a diary, a bundle of letters—angers and
Loves, visions and regrets—not torn in half, not rewritten.
Versions of ourselves, face half in shadow under a hat brim,
Elude conclusive portraiture. Brush the lint from your cautious
Shoulders. Your true self may be in the vicinity awaiting your arrival.

 

Übersetzung ins Deutsche:

Ulrike Krenz-Fischer und Claudia Schneider

 

Eine Garderobe des Selbst

Betrachte dein Leben. Vielleicht ist das überfällig oder nicht wichtig für dich,
zwinkernd oder zerfallend vor dem Spiegel. Eventuell ist alles
in Ordnung oder in Unordnung. Bedenke was du trägst, was dich trägt.
Nimm alles wie es kommt, nur nicht den Bauch, den du womöglich hast.
Herausgeputzt oder nicht, vielleicht ist es Zeit
das bockende Wildpferd unter deinen Rippen zu reiten.
Dein Nachruf braucht keine Ode an Kühnheit zu sein, aber wenn du kannst,
dann wage dich über die Grenzen deiner Fußnägel hinaus.
Rebelliere oder übertreffe dich in deiner Selbstoffenbarung.
Wer du bist bedeutet wohl weniger als wie du bist –
verblüfft oder erfüllt. Beide sind zyklisch.
Manches Selbst ist geheim, nimmt sich mit ins Grab. Seine
Existenz preisgegeben durch ein Tagebuch, ein Bündel von Briefen – Wut und
Liebe, Visionen und Bedauern – nicht durchgerissen, nicht neuverfasst.
Versionen von uns selbst, Gesicht halb im Schatten der Hutkrempe,
entfliehen dem unabänderlichen Abbild. Streiche die Fussel von deinen vorsichtigen
Schultern. Dein wahres Selbst ist vielleicht in der Nähe und wartet auf dich.




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