{"id":1601,"date":"2011-11-21T16:51:27","date_gmt":"2011-11-21T20:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=1601"},"modified":"2011-11-30T11:33:50","modified_gmt":"2011-11-30T15:33:50","slug":"jay-julian-rosellini-glossen-33","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-332011\/jay-julian-rosellini-glossen-33\/","title":{"rendered":"Jay Julian Rosellini"},"content":{"rendered":"<p><strong>Neues Serbien? \u2013 Neuer Handke?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Rakija der Gegend war naturrein &#8230;\u201c [1]\n\u201eKdo si? Wer bist du?\u201c[2]\n<p>Die vorliegende Arbeit ist der dritte und voraussichtlich letzte von drei Beitr\u00e4gen zu Peter Handke und seinem poetischen sowie politischen Verh\u00e4ltnis zum ehemaligen Jugoslawien. In den letzten Jahren konzentrierte sich die Analyse zun\u00e4chst auf <em>Unter Tr\u00e4nen fragend<\/em>[3] und <em>Rund um das gro\u00dfe Tribunal<\/em>[4], anschlie\u00dfend auf <em>Die Tablas von Daimiel<\/em>[5] und <em>Die Morawische Nacht<\/em>[6]. Als mutma\u00dflicher \u201averkappter Rechter\u2019 und \u201ablinder Jugoslawien- bzw. Serbienfanatiker\u2019 steht Handke seit den neunziger Jahren im medialen Brennpunkt. Das j\u00fcngste Kapitel dieser Kontroverse dreht sich um den Reisebericht <em>Die Kuckucke von Velika Ho\u010da <\/em>(2009) und das Theaterst\u00fcck <em>Immer noch Sturm<\/em> (2010). Unten wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich Handkes Umgang mit dem Thema (Ex-)Jugoslawien (einem Thema, das von seiner andauernden Identit\u00e4tssuche kaum zu trennen ist) in den beiden Werken gewandelt hat. Vorneweg muss aber die Feststellung stehen, dass das von vielen angefeindete Land Serbien zumindest ansatzweise neue Wege geht. Nach Jahren von Intrigen und Trotzreaktionen Belgrads wurde der bosnisch-serbische General Ratko Mladi\u0107 im Mai 2011 endlich verhaftet und bald danach nach Den Haag ausgeliefert, wo der Kriegsverbrecherprozess gegen ihn vorbereitet wird.[7] Kaum mehr als einen Monat nach der Verhaftung Mladi\u0107s wurde bekannt, dass die EU nun dazu bereit ist, Verhandlungen \u00fcber einen Beitritt Serbiens anzuberaumen[8], und die serbische Regierung redet wieder mit Vertretern des seit 2008 abh\u00e4ngigen Kosovo (auch wenn das den Nationalisten in Serbien nicht behagt).[9] Solche diplomatischen Winkelz\u00fcge werden kaum von den meisten EU-B\u00fcrgern wahrgenommen, aber am 3. Juli 2011 erschien das \u201aneue Gesicht\u2019 Serbiens millionenfach auf Bildschirmen und am Tag danach im Druck: Gemeint ist das gro\u00dfe Tamtam nach dem Wimbledon-Sieg des vielgereisten Tennisspielers Novak Djokovi\u0107. 100.000 Fans begr\u00fc\u00dften ihren \u201eNole\u201c auf dem Belgrader Nikola-Pa\u0161i\u0107-Platz [10], und Boris Tadi\u0107, der Pr\u00e4sident Serbiens, sagte sogar: \u201eIch w\u00fcrde ihm sofort den Posten als Pr\u00e4sidenten \u00fcberlassen.\u201c[11]\n<p>Trotz der Abgrenzungsversuche der Ultras in Serbien \u2013 und nicht nur dort \u2013 macht sich, besonders unter Jugendlichen, eine gewisse Sehnsucht nach dem gr\u00f6\u00dferen Kulturraum Jugoslawien bemerkbar.[12] Ohne solche Dinge zu \u00fcberbewerten,[13] l\u00e4sst sich sagen, dass solche (wenn auch noch schwache) Anzeichen einer gewissen \u201aLeichtigkeit des Seins\u2019 im Jahr 2006 (\u201eSerbia&#8217;s Darkest Year\u201c[14]) undenkbar gewesen w\u00e4ren. Ist das aber eine Welt, womit sich Peter Handke anfreunden kann?<\/p>\n<p>Im Mai 2008 brach Handke erneut zu einer Erkundungsreise auf. Als Kontrastprogramm zu seiner Begegnung mit Radovan Karad\u017ei\u0107 (1996) und seiner Teilnahme als Redner am Begr\u00e4bnis von Slobodan Milo\u0161evi\u0107 (2006) ging es diesmal wieder zu den \u201akleinen Leuten\u2019, den namenlosen Bewohnern der serbischen Enklave Velika Ho\u0107a im Kosovo. Die \u201eNachschrift\u201c, d.h. der Bericht \u00fcber die Reise, sollte diesmal aus einer ungewohnten Perspektive verfasst werden:<\/p>\n<blockquote><p>Das Vorhaben, anders als all die Male zuvor, bestand bei diesem Besuch freilich nicht nur aus dem blo\u00dfen Dabeisein, Mitfeiern, Anschauen und Zuh\u00f6ren. Es dr\u00e4ngte mich, den und jenen einzelnen im serbischen Kosovo ausf\u00fchrlich, sozusagen systematisch, in der Rolle des Reporters oder meinetwegen Journalisten, zu befragen, und die Antworten dem entsprechend mitzuschreiben. [Die Kuckucke &#8230;, 8f.]<\/blockquote>\n<p>Da sich Handke auch diesmal vor Medienkritik nicht scheut (zu den Zielscheiben geh\u00f6ren die <em>FAZ<\/em>, der <em>Spiegel<\/em>, die <em>S\u00fcddeutsche<\/em> und <em>Die Zeit<\/em>[15]), ist man angesichts des geplanten Rollenwechsels verbl\u00fcfft. Dahinter steckt aber eher eine taktische \u00dcberlegung als ein grundlegender Sinneswandel, denn mit \u201aDichtern\u2019 wissen viele Menschen nichts anzufangen:<\/p>\n<blockquote><p>Ich g\u00e4be mich als \u201eJournalist\u201c aus, was sofort seine Wirkung t\u00e4te &#8230; (ihnen aber nur nicht mit der Tatsache \u201aSchriftsteller\u2019, \u201awriter\u2019, \u201ashkrimtar\u2019 oder gar \u201aDichter\u2019, \u201apoet\u2019 kommen \u2013 das hie\u00dfe im Handumdrehen Mi\u00dftrauen, oder bestenfalls Verst\u00e4ndnislosigkeit, auch das eine reiche Erfahrung). [56f.]<\/blockquote>\n<p>Es d\u00fcrfte allerdings keine \u00dcberraschung sein, dass Handke seinen Plan in den meisten F\u00e4llen nicht ausf\u00fchrt: Es gibt nur ein \u201eregelrechtes Interview\u201c, und dies nennt der Autor \u201edie einzige k\u00fcnstliche, oder gar gek\u00fcnstelte Situation w\u00e4hrend der ganzen Zeit in Velika Ho\u0107a\u201c. [80f.] Handke lenkt freilich von seinen h\u00f6chstpers\u00f6nlichen Schwierigkeiten mit dem \u201aSystematischen\u2019 ab, indem er bemerkt: \u201eDie Leute von Velika Ho\u0107a schienen sich mit dem Reden, und mehr noch mit dem Erz\u00e4hlen leichter zu tun, wenn ihnen keine Richtung vorgegeben wurde.\u201c (47) Wie gestaltet sich dann das gut einge\u00fcbte \u201eDabeisein, Mitfeiern, Anschauen und Zuh\u00f6ren\u201c (vgl. oben) im Kosovo?<\/p>\n<p>Die Autoreise nach Velika Ho\u0107a, wo Handke \u201enicht blo\u00df einmal, schon gewesen war\u201c (9), beginnt in Belgrad und f\u00fchrt \u00fcber die geteilte Stadt Kosovska Mitrovica, wo die \u201eBerichterstatter aus den westlichen Metropolen\u201c im Caf\u00e9 \u201eDolce Vita\u201c auf Neuigkeiten warten (21). Anders Handke, der die friedliche Atmosph\u00e4re im Ort so einf\u00e4ngt: \u201eSich verst\u00e4rkende Sonne und zunehmendes Blauen, sirrende Mauersegler, schwirrende Spatzen, trippelnde Tauben, die Gehsteige zwar br\u00fcchig, aber \u00fcberall ritzenfrisch gekehrt, die Busse zwar rumpelig, aber klinkenrein gewaschen.\u201c (22) Sogar die \u201efremdl\u00e4ndischen Soldaten\u201c (22) werden diesmal als Teil des Friedens [16] akzeptiert. Der Wanderer m\u00f6chte auf der albanischen Seite \u201eNeuland\u201c (23) entdecken und wird beim Passieren der Br\u00fccke von franz\u00f6sischen bzw. (schwarz-)amerikanischen Posten in Ruhe gelassen (keine Ausweiskontrolle). Dieser \u201aalbanische Ausflug\u2019 l\u00e4sst aufhorchen, denn Handke ist an und f\u00fcr sich kein \u201aFreund\u2019 der Kosovo-Albaner, da sie u.a. bei den \u201eM\u00e4rzunruhen\u201c von 2004 (17) ihre kosovarisch-serbischen Nachbarn terrorisiert und deren H\u00e4user, Kirchen, und Kl\u00f6ster zerst\u00f6rt haben.[18] Handke schaut sich im Laden die merkw\u00fcrdige Landkarte \u201eEthnic Albania\u201c an, und der Leser fr\u00fcherer Jugo-Schriften des Autors erwartet, dass expansionistische Pl\u00e4ne der Albaner angeprangert werden, doch er wird eines besseren belehrt. Es hei\u00dft einfach, \u201e[Es] schien solche Geographie f\u00fcr die Ortsans\u00e4ssigen etwas Selbstverst\u00e4ndliches und Unschuldiges zu sein [&#8230;].\u201c (28) [19] Allerdings f\u00fchrt das Fehlen von \u201ezerst\u00f6rten orthodoxen Kulturdenkm\u00e4lern\u201c auf der Karte \u201eHarta e Kosov\u00ebs \u2013 Map of Kosova\u201c zu schweren Vorw\u00fcrfen gegen die angeblich unt\u00e4tigen KFOR-Truppen und zur Verwendung des Begriffs \u201ePogrom\u201c (statt \u201eUnruhen\u201c). (28f.) Bezeichnend ist es aber, dass Handke und seine Begleiter sp\u00e4ter am \u201eGedenkturm f\u00fcr die Schlacht vom Kosovo Polje = Amselfeld im Jahre 1389\u201c (35) einfach vorbeifahren, und sie halten sich auch nicht in Pri\u0161tina auf, wo ein Geb\u00e4ude mit dem \u201eRiesenportr\u00e4t des Staatsgeburtshelfers Bill Clinton\u201c geschm\u00fcckt ist (35). Es geht weiter durch \u201edas weithin gr\u00fcnende L\u00e4ndchen Kosovo\u201c (35). Abgesehen von der Verkleinerungsform ist die Wahl der Bezeichnung \u201eLand\u201c wohl keine zuf\u00e4llige, da Handke Kultur und Landschaft zu w\u00fcrdigen wei\u00df, den neuen \u201efremden Staat\u201c (7)[20] aber kaum.<\/p>\n<p>Bei der Ankunft in Velika Ho\u010da und danach h\u00f6rt man \u00fcberall Kuckucksrufe, und sie sind deshalb so deutlich, weil wegen der mangelnden Arbeit keine Fahrzeuge fahren. Es ist ein regelrechtes \u201eKuckuckswelttreffen\u201c (39)[21], und dieses Zusammenkommen der V\u00f6gel betont die Einsamkeit der Menschen in der serbischen Enklave: Nicht einmal zum Nachbardorf bestehen noch Kontakte (da dessen Bewohner albanisch sind). (48f.)[22] Den verbliebenen Serben geht es denkbar schlecht: Wegen Wasserknappheit l\u00e4sst sich Landwirtschaft kaum noch betreiben, und viele Weinst\u00f6cke in der bekannten Weingegend sind \u201everrottet\u201c (54). Die ans\u00e4ssigen Handwerker haben kein Auskommen, und es gibt nicht einmal einen B\u00e4cker \u2013 das Brot \u201ewurde angeliefert von einer albanischen Fabrik\u201c (71).[23] Handke ist insgesamt bem\u00fcht, die Bodenst\u00e4ndigkeit und Naturn\u00e4he der Enklavenbewohner zu betonen (auch wenn junge M\u00e4nner kaum in Erscheinung treten). Ein von ihm interviewtes Ehepaar z.B. wei\u00df von albanischen Schikanen zu erz\u00e4hlen (\u201eStrafzoll\u201c, \u201eHalsabschneidegesten\u201c \u2013 84), aber \u201ef\u00fcrsorglich\u201c begleitet es den Interviewer zu einer Stelle \u201ehinter dem Quellfelsen, wo an dem Wasser Myriaden kleiner lila Schmetterlinge gaukelten, bei ihrem Auffliegen lila der ganze Luftraum\u201c (85). Man erf\u00e4hrt daraufhin, dass die beiden eigentlich Fl\u00fcchtlinge aus einem Nachbardorf sind, d.h., ihren ureigenen Platz in der Landschaft haben sie aufgeben m\u00fcssen. Aus Handkes Sicht ist ein solches Schicksal niemandem zumutbar. Mit diesem Glauben h\u00e4ngt die wichtigste historisch-politische Passage des Buchs zusammen. Handke bestreitet, dass die Serben ihr Recht auf kosovarisches Territorium noch mit \u201eder doch l\u00e4ngst verj\u00e4hrten, au\u00dferdem (gegen die T\u00fcrken) verlorenen Schlacht auf dem Kosovo Polje, dem Amselfeld, anno 1389\u201c (93f.) begr\u00fcnden. Niemand habe das ihm gegen\u00fcber angesprochen, und besagtes Recht sei anderer Art:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn einer der Bewohner der Enklave \u00fcberhaupt von seinem Recht sprach, dann von einem, das abzuleiten war von der Gegenwart und einer sie begr\u00fcndenden, lebendigen, unverj\u00e4hrten Vergangenheit, von dem Leben auf diesem Boden und dessen Bearbeiten durch den da Ans\u00e4ssigen jetzt, jetzt und jetzt im Verein mit dem Vorleben und Vorverarbeiten der Eltern, der Gro\u00dfeltern, der Urgro\u00dfeltern, der Vor- und Vorvorfahren. <strong>Dieses Recht braucht keine Legende und schon gar keinen Mythos.<\/strong> (94, Herv. von mir)<\/p><\/blockquote>\n<p>Er f\u00e4hrt dann fort: \u201eDas Recht auf das Land kam aus dem Jetzt und dem Hier.\u201c (94) Nun, wer w\u00e4re heutzutage nicht gegen ethnische S\u00e4uberung oder Vertreibung irgendeiner Art? Das Problem dabei ist, dass Handke in diesem Kontext die Vertreibung bzw. Massenflucht der Kosovo-Albaner im Verlauf des Kosovo-Krieges 1998\/99 nicht thematisiert. Auf der individuellen Ebene empfindet der Autor durchaus Mitleid mit den Kosovo-Albanern \u2013 festgehalten im eindringlichen Bild einer alten Frau (\u201elautloses Grauen, welches schon seit einer gleichsam unvordenklichen Zeit in der Frau wirkte und bei meinem Anblick ihr akut in die Augen trat\u201c \u2013 59), aber die Weigerung eines \u201eEinverst\u00e4ndis[ses] &#8230; mit der Geschichte\u201c (100) darf nicht zum Abschied von der Geschichte f\u00fchren.<\/p>\n<p>Handke liefert ein Portr\u00e4t des \u00f6rtlichen Popen, der im Verlauf des 1999er Bombenkriegs \u201ewahnsinnig\u201c wurde und sich erst langsam erholte, aber es ist die Frau des Popen, die Wichtiges zu erz\u00e4hlen hat. Sie schildert das Leben unter der NATO-Besatzung, und zwar sehr differenziert: Anders als die Deutschen, Franzosen und Italiener h\u00e4tten sich die Holl\u00e4nder \u201ebesonders brutal verhalten\u201c (74). Vor allem die \u201eKommandantin\u201c habe den Enklavenbewohnern \u201eden Menschenstatus\u201c abgesprochen (75). Vor Ort wurde vermutet, dieses Verhalten h\u00e4nge mit fr\u00fcheren Ereignissen zusammen. Die holl\u00e4ndischen Truppen seien so vorgegangen,<\/p>\n<blockquote>[&#8230;] weil das eine Art Rache sein sollte f\u00fcr die massakrierten Muslimtausende seinerzeit nach dem Fall von Srebrenica, tausend Kilometer nordwestw\u00e4rts jenseits der Drina, in Bosnien, wo die holl\u00e4ndischen UNO-Soldaten im Juni 1995 die Massaker durch die bosnoserbischen Paramilit\u00e4rs tatenlos hatten geschehen lassen.(75)[24]<\/blockquote>\n<p>F\u00fcr den Handke-Leser ist nicht diese Vermutung von Interesse, sondern die Tatsache, dass der Autor das W\u00f6rtchen \u201eangeblich\u201c[25] nicht einf\u00fcgt. Anders als vor Jahren l\u00e4sst er keinen Zweifel mehr daran, dass das Massaker von Srebrenica passiert ist. Dies hatte er zwar schon fr\u00fcher gesagt, aber nicht in seinen Werken, sondern in Interviews. Die oft geh\u00f6rte Behauptung, Handkes Jugoslawien-Bild sei unwandelbar, l\u00e4sst sich angesichts dessen nicht mehr aufrechterhalten. Auch das sonst so negative \u00d6sterreich-Bild wird hier zumindest teilweise revidiert. Eine alte Witwe hat eine Pension aus \u00d6sterreich, und der Dorfschuster, der \u201ejahrzehntelang\u201c da oben gearbeitet hatte, war \u201eimmer noch voll des Lobs \u00fcber diesen besonderen Westen und seinen Arbeitgeber\u201c (70). Noch wichtiger ist der Hinweis, dass junge \u00d6sterreicher zu den \u201eKFOR-Freiwilligen\u201c geh\u00f6ren, die \u201edie Serben von Velika Ho\u010da besch\u00fctzten\u201c (86).<br \/>\nDer Umgang der Literaturkritiker mit den <em>Kuckucken<\/em> ist ein kleines Lehrst\u00fcck. Obwohl das Wort \u201eUnrecht\u201c (im Hinblick auf den serbischen Verlust des Kosovo) im Buch nur einmal vorkommt (55),[26] behauptet Lothar M\u00fcller, Handke stehe \u201ehier wie stets in seinen Reiseb\u00fcchern aus dem Balkan an und auf der Seite der Serben\u201c.[27] Das mag seine Richtigkeit haben, sagt aber nicht viel aus, da diese Serben nicht als T\u00e4ter, sondern als Opfer auftreten, deren menschliches Leid nicht wegzureden ist. Michael Martens fragt gleich zu Beginn seiner Besprechung: \u201eWird es nun also wieder einen Skandal geben, mit allen Pauken und Trompeten des deutschen Feuilletons?\u201c[28] Er f\u00e4hrt allerdings fort: \u201eHandkes neues Buch taugt nur dem zum \u00c4rgernis, der partout eines daraus machen und das Spiel von Emp\u00f6rung und Gegenemp\u00f6rung mitspielen will.\u201c In der Tat hat Handke nicht wenige Kritiker gefunden, die sich sonst nicht f\u00fcr Literatur interessieren. Er stehe, so Martens, zwar in der \u201eTradition einer schw\u00e4rmerischen deutschsprachigen Serbienliteratur\u201c, aber diesmal habe er \u201eallein von sich\u201c erz\u00e4hlt, wenn auch wundersch\u00f6n. Es stimmt zwar, dass die Enklavenserben eher skizziert als portr\u00e4tiert werden, aber das Buch dreht sich um Handkes spezielle Perspektive, nicht um ihn selbst. Helmut B\u00f6ttiger stellt zu Recht fest, dieser Text sei \u201enicht von Polemik oder von Wut gepr\u00e4gt, sondern von Trauer und Melancholie\u201c, und er findet keine Spur von \u201eserbischem Nationalismus\u201c.[29] Der Wechsel im Tenor ist tats\u00e4chlich un\u00fcbersehbar. Schlie\u00dflich soll der (anonyme) Kommentator des ORF zu Wort kommen, der eine seit Jahren typische Formulierung anbietet: \u201eEs sind gegl\u00fcckte Handke-S\u00e4tze, denen man sich nicht entziehen kann. Peter Handkes Pro-Serbien-Kurs muss man deswegen noch lange nicht mittragen.\u201c[30] <em>Die Kuckucke von Velika Ho\u010da<\/em> ist nicht \u2013 wie fr\u00fchere B\u00fccher des Autors \u2013 von einem \u201ePro-Serbien-Kurs\u201c gepr\u00e4gt, wohl aber von einem \u201ePro-Serben-Kurs\u201c. Es geht um Leiden und Isolation der Kosovoserben, nicht um Politik, und deshalb paraphrasiert Handke nicht Slobodan Milo\u0161evi\u0107, sondern Sophokles: \u201eVieles war unvergleichlich, nichts aber unvergleichlicher als ein Mensch, ein solcher oder ein solcher.\u201c (93)[31]\n<p>In den <em>Kuckucken<\/em> geht es um eine kleine Welt \u2013 nicht das ehemalige Jugoslawien, nicht Serbien, nicht Kosovo, sondern ein kleines Dorf. Die Hinwendung zum Mikrokosmos setzt sich in<em> Immer noch Sturm<\/em> fort, was sowohl den Standort als auch das Personal betrifft. In diesem Theaterst\u00fcck, das im August 2011 bei den Salzburger Festspielen zur Urauff\u00fcrung kam, befindet man sich auf dem K\u00e4rntner Jaunfeld (einem Siedlungsgebiet der K\u00e4rntner Slowenen unweit Bleiburg \/ slowen. Pliberk), und die handelnden Personen stammen alle aus Peter Handkes Familie: die Gro\u00dfeltern, die Geschwister der Mutter, die Mutter selbst und das \u201eIch\u201c (aka Handke selbst als zun\u00e4chst ungeborenes, dann junges Kind sowie erwachsener \u201aZeitreisender\u2019). Die Dialoge sind eine Erfindung des Dramatikers, und die Biografien der Charaktere wurden teilweise ge\u00e4ndert. Wie schon so oft sucht Handke sich selbst, indem er versucht, mit seinen Vorfahren \u201ains Gespr\u00e4ch zu kommen\u2019. Dar\u00fcber hinaus hat er diesmal aber auch ein historisch-politisches Anliegen, n\u00e4mlich die Verherrlichung des antifaschistischen Widerstandskampfs der K\u00e4rntner Slowenen im Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p><em>Immer noch Sturm<\/em> stellt vielleicht keine grunds\u00e4tzliche Wende im Hinblick auf Handkes Besch\u00e4ftigung mit dem Jugoslawien-Thema dar, aber eine neue Dimension l\u00e4sst sich nicht \u00fcbersehen, n\u00e4mlich der (endg\u00fcltige?) Abschied von der Utopie einer jugoslawischen Heimat als Ersatz f\u00fcr die als \u00e4u\u00dferst problematisch empfundene \u00f6sterreichische Identit\u00e4t. Brachte die Filmemacherin Helke Sander vor Jahren eine \u201eallseitig reduzierte Pers\u00f6nlichkeit\u201c auf die Leinwand, [32] so malt Handke im Jahr 2011 \u2013 mehr als f\u00fcnfzehn Jahre nach seiner \u201ewinterlichen Reise\u201c nach Serbien \u2013 das Bild einer doch sehr reduzierten pers\u00f6nlichen Utopie, deren Bestandteile Familie, Landschaft, und Sprache sind. Jonglierte ein Rechtslastiger, ein Ewiggestriger mit solchen Elementen, so gingen linke Beobachter zweifellos gegen derartig Reaktion\u00e4res auf die Barrikaden. Was hier vorliegt, ist aber eher der Versuch, eine Art friedlicher Bodenst\u00e4ndigkeit, ein Zuhause ohne Ressentiments zu kreieren, sozusagen eine \u201aHeimat f\u00fcr Fortschrittliche\u2019. Eine Traumlandschaft wird gegen den Alptraum Geschichte (W. Benjamins Engel schwebt \u00fcber dem Ganzen) ausgebreitet.<\/p>\n<p>Die Handlung des St\u00fcckes \u2013 wenn man dieses Familienportr\u00e4t im Bernstein der (streckenweise absichtlich falschen) Erinnerungen als Handlung betrachten darf \u2013 vollzieht sich im Gro\u00dfen und Ganzen in den drei\u00dfiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Reise zu den Verstorbenen geht mit einer Antipathie der Gegenwart gegen\u00fcber einher. Die Hauptfigur, das \u201eIch\u201c, m\u00f6chte, dass die Verwandten \u201eauferstehen\u201c[33], denn: \u201eIch verehre euch. Warum? Weil ihr Hasenherzen wart, aber tapfere. Als geh\u00f6rten Hasenherzen und Tapferkeit zusammen. Und nie auch wart ihr die Angreifer.\u201c[34] Diese Verquickung ortet Handke bei den Partisanen, die gegen den Nationalsozialismus k\u00e4mpften. Ihr Widerstand war gleichzeitig ihr \u201aEintritt in die Geschichte\u2019, der aber nur widerwillig akzeptiert wurde, wie Onkel Gregor erkl\u00e4rt: \u201eWehe dem Volk, nicht wahr, welches Geschichtsvolk wird: vom Opfervolk zum handelnden und siegreichen geworden, zwingt es ein anderes Volk in die Rolle des Opfervolks, nicht wahr.\u201c (152)[35] Mit anderen Worten: Handkes Vorfahren und die anderen Vertreter ihres kleinen Kulturkreises f\u00fchlten sich trotz Diskriminierung auf den \u201aleeren Bl\u00e4ttern\u2019 der Geschichte, die f\u00fcr den Philosophen Hegel v\u00f6llig uninteressant waren, einigerma\u00dfen wohl. Besagte Vorfahren geh\u00f6rten aber in Wirklichkeit nicht zu den Partisanen, also muss der Dramatiker ihr Leben umdichten: Nicht nur Gregor (als Partisan: Jonatan) geht in den Wald, sondern auch seine Schwester Ursula (nom de guerre: Sne\u017eena [Schneefrau]), die nach erlittener Folter stirbt.[36] In Wahrheit starben Gregor und sein Bruder Johannes als Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg, und der andere Bruder Georg, der die Kriegsgefangenschaft \u00fcberlebte, wurde in der Nachkriegszeit trotz seiner slowenischen Abstammung Gemeinderat der deutschnationalen FP\u00d6 \u2013 und Antisemit.[37] Seine Familie kann man nicht aussuchen, hei\u00dft es. Genau das hat Handke aber in diesem Werk getan, was ihm als \u201aTr\u00e4umer\u2019 nat\u00fcrlich zusteht. Nicht allen wird es einleuchten, dass das die geeignetste Art und Weise ist, die historische Leistung der Partisanen zu w\u00fcrdigen, denen das postfaschistische \u00d6sterreich zumindest teilweise die Rettung seiner nationalen Ehre verdankt.<\/p>\n<p>Im Bericht \u00fcber Velika Ho\u010da bleibt Jugoslawien eine Randerscheinung. Wird es ausnahmsweise erw\u00e4hnt, dann ohne Besch\u00f6nigung (vgl. den Hinweis auf die Klassenunterschiede \u201ein den Jahrzehnten der stolzen alljugoslawischen Bl\u00fctezeit\u201c 64). In <em>Immer noch Sturm<\/em> ist das Land zun\u00e4chst eine Quelle slawischen Brauchtums (vor allem f\u00fcr Gregor) und dann das bewunderte Zentrum des Widerstands gegen das NS-Regime. Allm\u00e4hlich stellt sich aber heraus, dass das einst gro\u00dfe Land Jugoslawien nicht mehr als neue Heimat taugt. Gleich am Anfang des St\u00fcckes sagt der desorientierte Zeitreisende, \u201eJugoslavija, das gibt es doch seit einer Ewigkeit nicht mehr\u201c(13). Sein Onkel Gregor studierte in den drei\u00dfiger Jahren Obstwissenschaft in Maribor und galt seitdem als slawophil. Ihm gegen\u00fcber sagt die oft bissige Ursula etwas, was man als Selbstkritik Handkes auffassen k\u00f6nnte: \u201eDer mit seinem ewigen Jugoslawien. Seinen h\u00f6chstpers\u00f6nlichen Traum hat er, voreilig, wie er ist, uns allen aufzwingen wollen.\u201c (40) Gregor selbst macht im St\u00fcck eine Wandlung durch: angesichts der Zust\u00e4nde unter der britischen Besatzung ab 1945 (die K\u00e4rntner Slowenen wurden wieder bzw. noch diskriminiert) verk\u00fcndet er: \u201eDas Neue Jugoslawien die einzige M\u00f6glichkeit\u201c. Er f\u00e4hrt aber gleich darauf fort:<\/p>\n<blockquote>[&#8230;] zu meinem Kummer, zu meinem Leidwesen! Denn ich geh\u00f6re hierher, und hierher zieht es mich seit jeher, nur hier bin ich gl\u00fccklich gewesen, wenn je. Mein Herz ist im Jaunfeld. Das Neue Jugoslawien, es ist blo\u00df der letzte Ausweg. Ist es einer? Nein, denn w\u00fcrde ich das Jaunfeld verlassen, w\u00e4re es um unser Anwesen, unsere Liegenschaft, unsere Wirtschaft geschehen. (144)<\/p><\/blockquote>\n<p>Etwas pr\u00e4ziser: \u201e[&#8230;] hier sind wir zuhause, nicht jenseits der Karawanken, nicht in Slowenien, nicht in Jugoslawien [&#8230;] Zuhause sind wir hier, allhier, im Jaunfeld, zwischen Saualpe und Petzen, in unserem K\u00e4rnten, v na\u0161i Koro\u0161ki.\u201c (145) Mit Bezug auf die eigentliche Heimat wird der slowenische Ausdruck mehr als einmal gebraucht: \u201elepa Koro\u0161ka\u201c [das sch\u00f6ne K\u00e4rnten] bzw. \u201ena\u0161a lepa Koro\u0161ka\u201c [unser sch\u00f6nes K\u00e4rnten]. Die Heimat ist die Sprache \u2013 oder umgekehrt.<\/p>\n<p>Da wird es aber schwierig, denn das \u201eIch\u201c im St\u00fcck beherrscht die slowenische Sprache in ihrer Jauntaler Auspr\u00e4gung (<em>Podjuna,<\/em>\u00a038) nicht, was ihm \u00fcbelgenommen wird.[39] Die einzige Figur, die kein Freund des Slowenischen ist, ist der Onkel Valentin, der sich auch von den Partisanen distanziert. Sein Nachkriegswohlstand (hier nimmt er wohl den Platz des \u201aFP\u00d6-Onkels\u2019 ein) verdanke er der Tatsache, dass er sich \u201evon unserer Haus- und Sippensprache, der vermaledeiten, losgesagt\u201c hat. \u201eJa, verdammt soll sie sein, diese Sprache [&#8230;]\u201c. (14) Das \u201eIch\u201c muss dagegen zusehen, wie es in der Kindheit als \u201eBankert\u201c beschimpft wird, weil der abwesende Vater ein Deutscher ist, etwa so: \u201e[&#8230;] \u00fcbersetz das deinem Bankert, Schwester\u201c (so Gregor auf S. 34). Dieser \u201eWindelschei\u00dfer\u201c (79) werde \u201ein alle Ewigkeit nie ein Laut in unserer heiligen Muttersprache\u201c von sich geben (80). Warum ist das so wichtig? Die Mutter erkl\u00e4rt es gleich am Anfang: \u201eKeiner in der Gegend hat so gesprochen wie wir. Keiner im ganzen Land spricht so wie wir, wird so gesprochen haben wie wir\u201c (14). Wer also anders spricht, geh\u00f6rt nicht dazu, hat folglich keine Heimat \u2013 oder auf jeden Fall nicht diese Heimat, was vom Gro\u00dfvater unmissverst\u00e4ndlich klargemacht wird: \u201eMit eurer Fremdsprache [d.h. Hochdeutsch, JR] habt ihr unsere heilige Heimatluft entheiligt!\u201c (22) Eine typische Verw\u00fcnschung (wiederum gegen das \u201eIch\u201c als Kind lanciert) stammt von Gregor: \u201eW\u00e4rst du doch in Wilhelmshaven oder Osnabr\u00fcck geblieben. Zur\u00fcck mit dir nach Reinbek, Wandsbek, L\u00fcbeck, Gott mit dir!\u201c (135) Das \u201eIch\u201c (als Erwachsener) will aber unbedingt dazugeh\u00f6ren, also begr\u00fc\u00dft es alle Verwandten gleich zu Beginn zweisprachig, z.B. so: \u201eGuten Tag, Gro\u00dfmutter, stara mati, dober dan.\u201c (11) Die Kenntnisse des \u201eIch\u201c sind aber noch beschr\u00e4nkt[40]: Als Gregor aus seinem legend\u00e4rem \u201eObstbaumbuch\u201c vorliest, muss die Mutter \u00fcbersetzen (24f.). Diese besondere regionale Sprache wird als eine Friedensmacht hingestellt, denn: \u201eJenseits der Sprache bricht die Gewalt los. H\u00f6chste Gewalt t\u00f6tet die Sprache, und mit ihr den Einzelnen, dich und mich. In der Sprache bleiben. Auf ihr beharren!\u201c (140) Was hier nat\u00fcrlich mitschwingt, ist Handkes Vorstellung der Literatursprache als Mittel gegen die Schrecken der Geschichte.<\/p>\n<p>Ein Art und Weise, eine untergehende oder bedrohte Kultur zu retten, ist das Benennen und Beschreiben von Gegenst\u00e4nden, Menschen und Schaupl\u00e4tzen. Dies ist ein Vorgehen, das fast alle Handke-Werke pr\u00e4gt (der rastlose Wanderer merkt sich eben alle Details, was nicht jede[r] k\u00f6nnte), und es pr\u00e4gt auch <em>Immer noch Sturm<\/em>, obwohl dieser Text nicht episch, sondern dramatisch sein soll. Handkes Akribie ist bewundernswert, aber sie strapaziert den Leser\/Zuschauer sehr \u2013 manchmal zu sehr. Da gibt es z.B. eine Liste von charakteristischen Hausnamen auf dem Jaunfeld: \u201e\u2019Beim Schoi\u00dfwohl\u2019, \u201aBeim Faulhaber\u2019, \u201aBeim Pruntzer\u2019 [&#8230;]\u201c (137) Es folgen dann weitere dreizehn Namen. Bei Naturbeschreibungen erf\u00e4hrt man manchmal auch mehr als genug, z.B. so:<\/p>\n<blockquote>[&#8230;] Und das Glimmerflimmern auf dem Grund der B\u00e4che hier. Und auf dem Grund der B\u00e4che, wo diese langsamer flie\u00dfen, die Schatten der Wasserl\u00e4ufer oben. Und auf dem Grund der B\u00e4che, wo diese schneller flie\u00dfen, die Schatten der oben dahinflitzenden abgefallenen Bl\u00e4tter zusammen mit den in der Tiefe dahinrollenden Kieselsteinen [&#8230;] (138)[41]<\/blockquote>\n<p>Auch die sch\u00f6nen \u201eOrts- und Flurnamen\u201c werden gew\u00fcrdigt, und das Bemerkenswerte dabei ist, dass sowohl die slowenischen als auch die \u201adeutschen\u2019 vorkommen ([&#8230;] ob Pliberk oder Bleiburg, ob Saualpe oder Svinjska planina, ob Diex oder Djekse, ob Altendorf oder Stara vas [&#8230;]\u201c \u2013 137f.). Als Handke diese Doppelnamen anf\u00fchrte, war der nach z\u00e4hen Verhandlungen erreichte K\u00e4rntner \u201aOrtstafelkompromiss\u2019 noch nicht \u201afix\u2019, wie die \u00d6sterreicher sagen. Es ist durchaus im Sinne Handkes, dass die beiden Formen der Ortsnamen \u2013 bei allem Einsatz fur das Slowenische \u2013 friedlich nebeneinander stehen.<\/p>\n<p>Wie steht es am Ende mit der \u201akleinen Utopie\u2019 des Zusammenlebens im Kreis der Jaunfelder Familie? Bereits in der ersten Szene hat die Mutter das \u201eIch\u201c belehrt, dass sein Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist: Die Verwandten w\u00fcrden zwar bei ihm bleiben, sagt sie, aber \u201e[&#8230;] du, Sohn: bist du bei uns geblieben? Wirst du bei uns bleiben? Hast du uns nicht immer wieder abtun wollen? Uns loswerden?\u201c Er sei ein \u201eVaterloser\u201c[42], der bei seinen Vorfahren \u201eErsatz, Halt und Licht\u201c suche.(12) Obwohl Handke das b\u00e4uerliche Leben in der Provinz idealisiert, war seine Entscheidung, Schriftsteller (und auch Weltreisender) zu werden, nicht dazu angetan, einen Verbleib in dieser Provinz zu erm\u00f6glichen. Es ist der j\u00fcngste Onkel Benjamin \u2013 derjenige, der aus einer \u201eh\u00f6heren Schule\u201c flieht, \u201egleich heim in den Stall zu seinen seichenden, furzenden, schei\u00dfenden Tieren, nichts wie heim in den heimischen Dialekt\u201c (31) \u2013 der vielleicht als Handkes Sprachrohr dient: \u201eEkel vor meiner ewigen Sehnsucht. Und Ekel vor meinem, unserem ewigen Heimweh\u201c (28). Peter Handke ist nicht aus der \u201ah\u00f6heren Schule\u2019 geflohen (obgleich er vom Priesterseminar auf ein humanistisches Gymnasium \u00fcberwechselte), aber in der Ferne ist es ihm, dem Gebildeten, nicht gelungen, eine zweite Heimat zu entdecken. Er schaut zwar heimw\u00e4rts[43], findet aber das, wonach er sich sehnt, nur im Traum bzw. in der Beschreibung seines Traums. Das erkl\u00e4rt vielleicht seine Unterst\u00fctzung derjenigen, die ihre eigene Heimat verloren haben, aber es erkl\u00e4rt nicht, warum er nicht alle Heimatlosen bzw. Vertriebenen auf eine Stufe stellt. Diesbez\u00fcglich ist ein allm\u00e4hlicher Wandel allerdings nicht zu \u00fcbersehen.<br \/>\nAls <em>Immer noch Sturm<\/em> im Herbst 2010 in Buchform erschien, wurde die Rezeption bis zu einem gewissen Grad verzerrt, weil Handkes einstiger Besuch bei Karad\u017ei\u0107 in den Medien wieder thematisiert wurde. Dieser Besuch war zwar l\u00e4nger bekannt,[44] aber in der neuen Handke-Biografie von Malte Herwig [45], woraus Exzerpte im Herbst 2010 erschienen, gab es mehr Details dazu. In der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> wiederholte man die Behauptung von Norbert Gstrein, Handke h\u00e4tte anl\u00e4sslich des Besuchs in Pale den \u201eh\u00f6chsten oder jedenfalls einen hohen Orden der unseligen Republika Srpska bekommen\u201c.[46] Ein solcher Orden kommt in Herwigs Biografie nicht vor, und Handke sagte 2010 im Gespr\u00e4ch mit Ulrich Greiner: \u201eDas hat es nie gegeben, ebenso wenig wie die Rose, die ich auf den Sarg von Milo\u0161evi\u0107 gelegt haben soll.\u201c[47] Herwig berichtet, was ihm Karad\u017ei\u0107 vom Treffen mit Handke erz\u00e4hlte: \u201eEr befragte mich \u00fcber den Krieg, die Ereignisse im Vorjahr in Srebrenica, die Hintergrunde des Konflikts und die Leiden der bosnischen Bev\u00f6lkerungsgruppen.\u201c[48] Die meisten Journalisten erw\u00e4hnen, dass Handke f\u00fcr Salzburger Freunde (bosnische Muslime) den Auftrag ausf\u00fchrte, eine Liste von vermissten Verwandten mit der Bitte um Nachforschungen zu \u00fcbergeben, aber sie sagen entweder nichts dazu oder tun es als naiv ab. (Bald nach Handkes Besuch verschwand Karad\u017ei\u0107 von der Bildfl\u00e4che, und \u00fcber die Vermissten war nichts zu erfahren.) Die bittersten Worte zu dieser ganzen Aff\u00e4re fand Thomas Assheuer in der <em>ZEIT<\/em>. Nachdem er Handke \u201aLob\u2019 gezollt hatte (\u201eder empfindsamste Schriftsteller deutscher Zunge\u201c; einer, \u201eder in seinen B\u00fcchern die Steine weinen h\u00f6rt\u201c \u2013 d.h. einer, der das Weinen der Menschen nicht h\u00f6rt), wetterte er gegen den Suhrkamp-Verlag, der einen Mitarbeiter als \u201eEskorte\u201c beigesteuert und damit seine \u201ePrinzipien\u201c verraten habe.[49] Eine solche Doppelattacke ist wohl ein Unikum im Feuilleton der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>Ein Kritiker hat behauptet, die gedruckte Ausgabe von <em>Immer noch Sturm<\/em> sei \u201e\u00fcberall freundlich besprochen\u201c worden.[50] Es kommt aber darauf an, was man unter \u201efreundlich\u201c versteht. F\u00fcr Hubert Spiegel handelt es sich um \u201eein mal leichth\u00e4ndiges, mal schwerbl\u00fctiges Alterswerk\u201c, ein Traumspiel \u00e0 la K\u00f6nig Lear, im \u201efotzelnden Familiensound\u201c vorgetragen.[51] In seiner Besprechung wird der historische Rahmen des Partisanenkampfs kaum beachtet. Dagegen versucht Thomas Steinfeld, die privaten und historischen Aspekte zu w\u00fcrdigen: das Werk sei einerseits \u201eein luftiges Denkmal der N\u00e4he wider die Zeit\u201c, andererseits: \u201eEine Figur zieht sich durch das gesamte Werk: Es ist der Partisan.\u201c[52] Wie in den letzten Jahren ist es immer noch m\u00f6glich, von \u201azwei verschiedenen Handkes\u2019 zu reden, wie das in der <em>Welt<\/em> geschah: <em>Immer noch Sturm<\/em> beweise zwar die \u201eungebrochene poetische Kraft\u201c des Autors, doch \u201esp\u00e4testens mit seiner &#8211; mindestens geschmacklosen &#8211; Teilnahme am Begr\u00e4bnis von Milo\u0161evi\u0107 2006 hatte Handkes Selbstdemontage als Intellektueller einen H\u00f6hepunkt erreicht\u201c.[53] Eine solche Kritik klingt aber recht harmlos, wenn man die Einsch\u00e4tzung des nachgeborenen (Jg. 1968) Germanisten Jurgen Brokhoff liest. Dieser sieht bei Handke eher eine Einheit: \u201eSeine auf vermeintliche Nebens\u00e4chlichkeiten ausweichende, literarische Mittel einsetzende Ideologie geh\u00f6rt, gerade weil sie so subtil verf\u00e4hrt, zu den problematischsten Entgleisungen eines deutschsprachigen Autors nach dem Zweiten Weltkrieg.\u201c Mit anderen Worten: Handke sei keineswegs naiv, sondern auf b\u00f6swillige Art berechnend; von einem Autor \u201esolchen Ranges\u201c k\u00f6nne \u201eeine Gefahr\u201c ausgehen.[54] Dies ist sicher die kolossalste \u00dcberbewertung der Macht der Literatur seit geraumer Zeit. Dar\u00fcber hinaus nimmt Brokoff \u00fcberhaupt nicht wahr, dass Handke in puncto Jugoslawienkonflikt l\u00e4ngst nicht mehr der vorbehaltslose \u201aSerbenfreund\u2019 von 1996 ist. Sigrid L\u00f6ffler, die Handkes Laufbahn seit langem begleitet und den Autor auch \u00f6ffentlich verteidigt hat,[55] erblickt in <em>Immer noch Sturm<\/em> ein \u201eprivates Mysterienspiel\u201c im Rahmen eines \u201eMenschheitsdramas\u201c. Es sei \u201eHandkes pers\u00f6nlichster und autobiografisch aufgeladenster Text \u2013 jenes Werk, auf das die zahllosen Slowenien-Verweise in seinem \u0152uvre von Anbeginn an abzielten.\u201c[56] Zusammenfassend muss man sagen, dass sich die kritische Auseinandersetzung mit \u2013 nicht die beweihr\u00e4uchernde Bewunderung von \u2013 Peter Handke auf jeden Fall lohnt. Von denjenigen aber, die diese Auseinandersetzung aus der Welt schaffen wollen (wie etwa der Wiener Kolumnist Hans Rauscher, der sich daf\u00fcr einsetzte, das Publizieren von Handkes politischen Stellungsnahmen zu verbieten &#8212; [57]), geht tats\u00e4chlich eine Gefahr aus.<\/p>\n<p><strong>Postskriptum<\/strong><\/p>\n<p>Am 12. August 2011 wurde <em>Immer noch Sturm<\/em> im Rahmen der Salzburger Festspiele auf der Perner-Insel in Hallein uraufgef\u00fchrt. (Urspr\u00fcnglich war eine Premiere am Wiener Burgtheater unter der Regie von Claus Peymann geplant.) Regisseur war der Bulgare Dimiter Gotscheff, und das Ensemble stammte vom Hamburger Thalia Theater. Als Begleitprogramm boten die Festspiele und das Stefan Zweig Centre Veranstaltungen zum Thema Slowenen\/Slowenisch in \u00d6sterreich. Jens Harzer, der die Rolle des \u201eIch\u201c im Drama spielte, las in der Edmundsburg aus dem <em>Buch der Namen<\/em>, das u.a. das Schicksal der K\u00e4rntner Slowenen im antifaschistischen Partisanenkampf dokumentiert.[58] Dies sollte offensichtlich viel mehr als ein Theaterereignis sein: Anvisiert war eher eine Verquickung von Geschichte, Kultur und Politik, und zwar erst wenige Monate nach der Einigung im K\u00e4rntner Ortstafelstreit, der \u00fcber f\u00fcnfzig Jahre dauerte. (Die ersten Ortstafeln wurden vier Tage nach der Urauffuhrung aufgestellt.) In einem Kommentar des <em>Wiener Standard<\/em> wurden Poesie und Politik direkt miteinander in Verbindung gebracht: \u201eIn K\u00e4rnten wird die Ortstafell\u00f6sung gefeiert, bei den Salzburger Festspielen Peter Handkes St\u00fcck <em>Immer noch Sturm<\/em>. Bei beiden Inszenierungen geht es um die Bedeutung der slowenischen Minderheit in \u00d6sterreich.\u201c[59]\n<p>An dieser Stelle kann auf die Einsch\u00e4tzung von Gotscheffs Inszenierung nicht eingegangen werden, obwohl man anmerken kann, dass es sowohl Lob (\u201eGro\u00dfes Gegenwartstheater auf der H\u00f6he von Max Reinhardts Tr\u00e4umen\u201c[60]; \u201eWelttheater &#8211; in vielerlei Bedeutung des Wortes\u201c[61]) als auch Tadel (\u201eEin ambitioniert scheiternder Abend\u201c[62]; \u201eEine Salzburger Urverhunzung\u201c[63]) gab. Im Rahmen dieser Arbeit ist wichtiger, wie man Handkes Umgang mit der Geschichte beurteilte. Einerseits konnte man die Symbiose von \u201eGeschichtsbeschreibung und Geschichtsertr\u00e4umung\u201c goutieren[64] oder sogar \u201edie klugen geschichtspolitischen Gedanken Handkes\u201c[65] preisen. (Eine solche Formulierung w\u00e4re in den 90er Jahren und lange danach schwerlich aufgetaucht.) Andererseits h\u00f6rte man auch wohlbekannte T\u00f6ne: \u201eUm Aufkl\u00e4rung [&#8230;] geht es nicht, sondern um den Vorrang poetischer Weltaneignung vor der Vernunft. [&#8230;] Zweifel sind angesagt an der M\u00f6glichkeit zum Dichterf\u00fcrstentum.\u201c[66] Insgesamt gab es kaum Stimmen gegen Handkes Versuch, den K\u00e4rntner Slowenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Handke habe die Slowenen \u201ezum Sprechen gebracht\u201c[67], er richte unseren Blick zu Recht \u201eauf einen blinden Fleck. Einen Fleck mitten in Europa\u201c.[68] Woher diese Einhelligkeit? Wie oben geschildert wurde, geh\u00f6rten die Slowenen fast immer \u2013 ob s\u00fcdlich oder n\u00f6rdlich der Karawanken \u2013 zu den Opfern der Geschichte. Ihre einzige \u201aAktion\u2019 war der Kampf gegen die Nazis, etwas, was nur Ewiggestrige kritisieren w\u00fcrden. Man kann sich also reinen Gewissens f\u00fcr sie einsetzen. (Dass dieser Einsatz eine scharfe Kritik am \u00d6sterreich der Nachkriegszeit einschlie\u00dfen muss, ist f\u00fcr manche Beobachter ein zus\u00e4tzlicher Reiz.) Anders steht es um die Serben, die sich zwar auch \u2013 mit mehr Erfolg \u2013 gegen Hitler auflehnten, daf\u00fcr aber in den Kriegen zur Zeit der Aufl\u00f6sung Jugoslawiens ihren \u201aguten Ruf\u2019 verspielten. Als sich Handke f\u00fcr sie einsetzte \u2013 zuletzt im Kosovo, wo die (wenn auch allm\u00e4hliche) \u201eVernichtung einer Kultur\u201c[69] auch zu registrieren ist, erntete er eher Unverst\u00e4ndnis, wenn nicht Verleumdungen. Die Serben (wie \u00fcbrigens auch die Deutschen und \u00d6sterreicher) sind eben Opfer und T\u00e4ter, und das macht den Umgang mit ihnen und ihrer Geschichte au\u00dferordentlich schwierig.<\/p>\n<p>Nach der Urauff\u00fchrung von <em>Immer noch Sturm<\/em> gab es Applaus, Begeisterung und gar Jubel, zumindest nach den Berichten der anwesenden Theaterkritiker. (Der Verfasser war leider nicht dabei.) Auch Peter Handke erschien auf der B\u00fchne, und es ist faszinierend, wie sein Auftritt beschrieben wurde: Es war, \u201eals w\u00e4re er befreit von schwerer Last\u201c.[70] F\u00fcr das Publikum sei Handke \u201ewie der heimgekehrte verlorene Sohn\u201c.[71] Er habe \u201eruhig, ja: heiter\u201c gewirkt.[72] Angesichts der zum Teil heftigen Kontroversen der letzten Jahre kommt das einem Wunder gleich. Ob sich die momentane Vers\u00f6hnung zwischen Autor, Lesern\/Zuschauern und Kritikern anhalten wird, l\u00e4sst sich keinesfalls vorhersagen. Eines l\u00e4sst sich jedoch feststellen: Wer das Wort \u201eHeimat\u201c nur mit Glac\u00e9handschuhen (wenn \u00fcberhaupt) anfasst, wird wachsam auf Handkes n\u00e4chsten Fehltritt warten.[73]\n[Nach der Fertigstellung der vorliegenden Arbeit erschien ein\u00a0weiteres Handke-Werk zu dieser Thematik, das leider nicht mehr\u00a0ber\u00fccksichtigt werden konnte:\u00a0<em>Die Geschichte des Dragoljub Milanovic<\/em>.\u00a0Salzburg:\u00a0Jung und Jung Verlag, 2011].<\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p>1 Peter Handke, <em>Die Kuckucke von Velika Ho\u010da. Eine Nachschrift<\/em> (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2009), 90. Weitere Seitenangaben im Text der Arbeit.<\/p>\n<p>2 Peter Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>. (Berlin: Suhrkamp, 2010), 104. Weitere Seitenangaben im Text der Arbeit.<\/p>\n<p>3 Peter Handke, <em>Unter Tr\u00e4nen fragend. Nachtr\u00e4gliche Aufzeichnungen von zwei Jugoslawien-Durchquerungen im Krieg, M\u00e4rz und April 1999<\/em>. (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2000).<\/p>\n<p>4 Peter Handke, <em>Rund um das gro\u00dfe Tribunal<\/em> (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003). Vgl. dazu Jay Rosellini, \u201e\u2019Das Handwerk des Berichtens\u2019: Die Medienkritiker Handke und Gstrein als Balkan-Kundschafter\u201c, <em>Glossen<\/em> 21 (2005). [http:\/\/www2.dickinson.edu\/glossen\/heft21\/rosellini.html]\n<p>5 Peter Handke, <em>Die Tablas von Daimiel: ein Umwegzeugenbericht zum Prozess gegen Slobodan Milo\u0161evi\u0107<\/em> (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006).<\/p>\n<p>6 Peter Handke, <em>Die Morawische Nacht. Erz\u00e4hlung<\/em> (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008). Vgl. dazu Jay Rosellini, \u201eDie Literaten und die Aufl\u00f6sung Jugoslawiens: Noch einmal zu Handke und Gstrein\u201d <em>Glossen<\/em> 29 (2009). [http:\/\/www2.dickinson.edu\/glossen\/Heft29\/Artikel29\/Rosellini-Handke-Gstrein.html]\n<p>7 Zu diesem Ereignis vgl. u.a. folgende Berichte und Kommentare: Caroline Fetscher, \u201eRatko Mladi\u0107: Der<br \/>\nM\u00f6rdergeneral\u201c, <em>Der Tagesspiegel<\/em>, 27. Mai 2011; Andrej Ivanji, \u201eDas Ende einer jahrelangen Flucht\u201c, <em>Der Standard<\/em>, 27. Mai 2011; Thomas Mayer, \u201eWandel durch Ann\u00e4herung\u201c, <em>Der Standard<\/em>, 28.\/29 Mai 2011; das Dossier \u201eINTERNATIONALE STRAFGEREICHTSBARKEIT\u201c, <em>Der Standard<\/em>, 4. Juli 2011; \u201eMladi\u0107 weist alle Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck\u201c, <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, 3. Juni 2011; \u201eWir haben nichts zu verbergen\u201c [Gespr\u00e4ch mit dem serbischen Pr\u00e4sidenten Boris Tadi\u0107], <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em>, 3. Juni 2011; Michael Martens, \u201eDie bosnische Banalit\u00e4t des B\u00f6sen\u201c, <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em>, 27. Mai 2011.<br \/>\nNach der Festnahme Mladi\u0107s konnte auch der angeblich letzte gesuchte Serbe, Goran Had\u017ei\u0107, verhaftet und nach Den Haag gebracht werden. Vgl. Adelheid W\u00f6lfl, \u201eSerbien stellt Den Haag zufrieden\u201c, <em>Der Standard<\/em>,<br \/>\n21. Juli 2011. Pr\u00e4sident Tadi\u0107 betonte, Serbien habe nun seine \u201emoralischen Pflichten\u201c erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>8 Vgl. \u201cBeitrittsverhandlungen mit Serbien ab M\u00e4rz 2012\u201c, <em>Der Standard<\/em>, 2.\/3. Juli 2011.<\/p>\n<p>9 Vgl. Thomas Roser, \u201cKosovo-Serbien: Ende der Eiszeit\u201c, Die <em>Presse,<\/em> 3. Juli 2011.<\/p>\n<p>10 Ein Video findet sich auf Djokovi\u0107s eigener Webseite (http:\/\/www.novakdjokovic.rs)<\/p>\n<p>11 Thomas Roser, \u201cSerben feiern ihren Sieger: \u201aDjokovi\u0107 for president\u2019\u201c, <em>Die Presse<\/em>, 4. Juli 2011. In der Politik ist alles freilich etwas komplizierter als auf dem Tennisplatz: Als ein kanadischer Tournee-Sprecher den Serben als \u201eKroaten\u201c vorstellte, regte er sich nicht auf (vgl. \u201eNovak Djokovi\u0107: \u201aCroate or Serb \u2013 it\u2019s the same thing\u201c &#8211; http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pHxsHShCb5w&amp;feature=related), aber er hat vor heimischem Publikum betont, dass Kosovo ein Teil Serbiens ist (vgl. \u201eNovak Djokovi\u0107 \u2013 Kosovo is Serbia\u201c &#8211; http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5oBg9FyX00k&amp;feature=related). Djokovi\u0107s Vater stammt aus dem Kosovo, nahe Kosovska Mitrovica \u2013 einer Gegend, die Handke gut kennt.<\/p>\n<p>12 Vgl. Olivier Guez, \u201eWachtraum vom Vielv\u00f6lkerstaat. Eine Reise in die Jugosph\u00e4re\u201c, <em>FAZ<\/em>, 7. Juli 2011. Eine solche Sehnsucht w\u00e4re durchaus im Sinne Handkes, aber ihn d\u00fcrfte betr\u00fcben, dass die Literatur seit der Aufl\u00f6sung Jugoslawiens eher ein Nebenschauplatz geworden ist. Vgl. Norbert Mappes-Niediek, \u201eLiteratur in Ex-Jugoslawien. Der Geist weht frei, aber schwach\u201c, <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, 24. Juni 2011. Mappes-Niediek berichtet auch von den gescheiterten Versuchen, Sprachbarrieren aufzubauen.<\/p>\n<p>13 Die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen im August 2011 an der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo veranschaulichen, wie sehr alles noch im Fluss ist. Vgl. Andrea M\u00fchlberger, \u201eAusschreitungen im Kosovo. H\u00fcrden auf dem Weg zum friedlichen Zusammenleben,\u201c ARD-Bericht vom 29. Juli 2011. http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/kosovo492.html; Andrej Ivanji, \u201cSerbien kritisiert NATO und EU\u201d,<br \/>\n<em>Der Standard<\/em>, 1. August 2011; Karl-Peter Schwarz, \u201cKosovo-Krise. Altbekanntes einmal anders\u201d, <em>FAZ<\/em>, 31. Juli 2011.<\/p>\n<p>14 Vgl. Erich Wiedemann und Renate Flottau, \u201eBack to the Balkans. Serbia\u2019s Darkest Year\u201c, <em>Spiegel Online<\/em>, 13, Juli 2006. (&gt;http:\/\/www.spiegel.de\/international\/spiegel\/0,1518,426518,00.html&lt;). Der Titel des deutschen Originals klang noch d\u00fcsterer: \u201cSerbien: Absturz in die H\u00f6lle\u201c, <em>Der Spiegel<\/em> 28\/2006.<\/p>\n<p>15 Man vergesse aber nicht, dass Handke einst zwar gegen die \u201cRotten der Fernfuchtler\u201d wetterte, gleichzeitig jedoch beteuerte: \u201cNichts gegen so manchen \u2013 mehr als aufdeckerischen \u2013 entdeckerischen Journalisten, vor Ort (oder besser noch: in den Ort und die Menschen des Orts verwickelt), hoch diese anderen Feldforscher!\u201d Aus: Peter Handke, <em>Eine winterliche Reise zu den Fl\u00fcssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit f\u00fcr Serbien<\/em> (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996), 122. Der \u2018Journalist\u2019 Handke rechnet sich zweifellos zu Letzteren.<\/p>\n<p>16 \u201e[&#8230;] ein einziges Wundern, da\u00df das nicht auch schon in der Zeit vorher so h\u00e4tte sein konnen [&#8230;]\u201c. (26)<br \/>\nHier erlaubt es sich der Dichter Handke, Politik und Geschichte auszuklammern. Das darf man sicherlich beklagen oder als Naivit\u00e4t abtun, aber den Dichtern \u2013 anders als den politischen Kommentatoren \u2013 sollte solches Tr\u00e4umen geg\u00f6nnt sein, zumindest in der Literatur.<\/p>\n<p>17 Im <em>Spiegel<\/em> war von \u201egewaltsamen \u00dcbergriffen von Kosovo-Albanern\u201c die Rede (vgl. \u201eUnruhen im Kosovo\u201c, <em>Spiegel Online<\/em>, 26. Juli 2004 [&gt;http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,310541,00.html&lt;]).<br \/>\nJenseits von Geschichte und Politik erw\u00e4hnt Handke \u2013 kaum zuf\u00e4llig \u2013 die \u201eS\u00fc\u00dfigkeiten [&#8230;], f\u00fcr welche die albanischen Zuckerb\u00e4cker einmal \u00fcber die Grenzen Jugoslawiens hinaus bekannt gewesen waren\u201c (57).<br \/>\nEr vers\u00e4umt es auch nicht, das albanische Wort f\u00fcr Kuckuck (\u201eqyqe\u201c) anzugeben (55). Als einer, der sich f\u00fcr die Sprache von Minderheiten einsetzt (Paradebeispiel: das K\u00e4rntner Slowenisch) ist schon die blo\u00dfe Erw\u00e4hnung eines albanischen Wortes ein Zeichen von Respekt vor der albanischen Kultur.<\/p>\n<p>18 Vgl. \u201cNach schweren Unruhen im Kosovo: \u201aWir r\u00e4umen mit denen auf\u2019\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 18. M\u00e4rz 2004. In diesem Artikel steht auch, dass serbische Extremisten in Belgrad und Ni\u0161 \u201edie letzten Moscheen\u201c demoliert h\u00e4tten.<\/p>\n<p>19 Vielleicht ist es aber auch so, dass Handke das heikle Thema &#8220;Gro\u00dfserbien\u201d nicht anfassen wollte.<\/p>\n<p>20 Noch ein Beweis daf\u00fcr ist die Tatsache, dass serbische Wahlplakate ohne Kommentar beschrieben werden \u2013 vielleicht deshalb, weil die eine Variante, n\u00e4mlich \u201eSerbien zuerst!\u201c [34], Erinnerungen an den verstorbenen \u00f6sterreichischen Politiker J\u00f6rg Haider wachrufen m\u00fcsste, dessen Spruch \u201e\u00d6sterreich zuerst\u201c lautete. (Es braucht kaum hinzugef\u00fcgt zu werden, dass Handke kein Haider-Freund war.)<\/p>\n<p>21 Nebenbei erw\u00e4hnt Handke, \u201ejemand\u201c habe ihm erz\u00e4hlt, dass das Fehlen der Kuckucke in n\u00f6rdlicheren Regionen mit dem Klimawandel (er sagt \u201eKlimaerw\u00e4rmung\u201c) zusammenh\u00e4nge. (89) Dies sei noch eine Hypothese, betont der Nabu-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Vgl. Hanno Charisius, \u201eDer Kuckuck kommt zu sp\u00e4t\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 10. April 2008.<\/p>\n<p>22 Handke postuliert, einem Journalisten w\u00fcrden die Albaner sagen, sie w\u00fcrden \u201edas befeindete Volk des benachbarten Enklavendorfs [&#8230;] im Rahmen des Beieinander in einem gro\u00dfen Europa\u201c gelten lassen. (57)<br \/>\nDer Traum von EU-Geldern deutet darauf hin, dass die Konflikte weniger auf ethnische Unterschiede als auf Armut zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<p>23 Dieses Detail w\u00e4re ein guter Gegenstand f\u00fcr die Rezeptionsforschung: US-amerikanische Leser, die fast nur noch Brotfabriken kennen, w\u00fcrden sich fragen, warum es \u00fcberhaupt erw\u00e4hnt wurde.<\/p>\n<p>24 Im Juli 2011 wurde der niederl\u00e4ndische Staat zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. Vgl. Helmut Hetzel, \u201eSrebrenica: Niederlande verurteilt\u201c, <em>Die Presse<\/em>, 5. Juli 2011.<\/p>\n<p>25 Handke wirft den Journalisten vor, jedes gegen Serben ver\u00fcbte Unrecht durch den Gebrauch des Wortes \u201cangeblich\u201d in Zweifel zu stellen. Vgl. <em>Die Kuckucke<\/em> \u2026, S. 10.<\/p>\n<p>26 Es ist auch nicht Handke, der dieses Wort in den Mund nimmt, sondern einer der \u201ejungen Freiwilligen aus Mitteleuropa\u201c (95).<\/p>\n<p>27 Lothar M\u00fcller, \u201cDie Kino-Klappsitze im Container \u201aRambouillet\u2019\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 11. M\u00e4rz 2009.<\/p>\n<p>28 Michael Martens, \u201cZum Balkan mit dem Kuckuck\u201c, <em>FAZ<\/em>, 16. M\u00e4rz 2009.<\/p>\n<p>29 Helmut B\u00f6ttiger, \u201eSehnsucht nach dem mythischen Kindheitsland\u201c, &gt;http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/kritik\/946200\/&lt;.<\/p>\n<p>30 \u201cDie Kuckucke von Velika Hoca. Zwiegespr\u00e4ch mit den Bewohnern\u201c, ORF-Rundfunksendung vom 3.Mai 2009. &gt;http:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/214859&lt;<\/p>\n<p>31 Der Satz bezieht sich auf eine trickreiche <em>SPIEGEL<\/em>-Reporterin, die sich als \u201echristlich-albanische Sympathisantin\u201c in die Enklave einschlich und Fotos machte, um dann von einem \u201cHort von Kriegsverbrechern\u201d zu berichten. (92)<\/p>\n<p>32 Helke Sander (Reg.), <em>REDUPERS. Die allseitig reduzierte Pers\u00f6nlichkeit<\/em>, Spielfilm, BR Deutschland, 1977.<\/p>\n<p>33 Dies w\u00fcnscht er sich freilich nicht zum ersten Mal. Handke betont das selbst: \u201e&#8221;Aber das habe ich im Roman ,Die Wiederholung&#8217; doch l\u00e4ngst getan. Und im St\u00fcck ,\u00dcber die D\u00f6rfer&#8217; nat\u00fcrlich auch. Unter-schwellig schwingt meine Familiengeschichte immer schon mit&#8230;&#8221; Aus: \u201eTreffen im Traumreich der Sprache. Peter Stephan Jungk spricht mit Peter Handke \u00fcber Obst, Familie und \u00fcber Handkes gro\u00dfes neues St\u00fcck <em>Immer noch Sturm<\/em>\u201c, <em>Die Welt<\/em>, 23. Oktober 2010. Online unter &gt;http:\/\/www.zeitzug.com\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=890&amp;Itemid=267&lt;<\/p>\n<p>34 Der heutige Kinog\u00e4nger kann nicht umhin, bei dieser Beschreibung an die \u201cHobbits\u201d aus der <em>Herr-der-Ringe-Trilogie<\/em> zu denken.<\/p>\n<p>35 Der Gro\u00dfvater bringt es auf den Punkt: \u201eIn unserem Haus keine Geschichte!\u201c (108) Er war im Ersten Weltkrieg an der Isonzo-Front im Einsatz, und das hat ihm \u2013 verst\u00e4ndlicherweise \u2013 gereicht.<\/p>\n<p>36 Vor ihrem Tod gesteht Ursula, dass Sie nicht zum K\u00e4mpfen geeignet ist (\u201c[\u2026] dort, wo get\u00f6tet wird, gleichwie, geh\u00f6re ich nicht hin. Das ist nicht meine Welt.\u201c \u2013 112), obwohl sie fr\u00fcher beteuert hat, als<br \/>\nPartisanin habe sie einen Platz bei der \u201eVorhut\u201c der Geschichte (96). Als \u201afromme Partisanin\u2019 (\u201eWenn ich unsere Partisanenlieder singe, habe ich zugleich einen Rosenkranz zwischen den Fingern.\u201c \u2013 114) erinnert sie einen an Wolf Biermanns Oma Meume, die einst f\u00fcr den Sieg des Kommunismus betete. Ihr Bruder Valentin will mit den Partisanen nichts zu tun haben (\u201e[&#8230;] Undeutsche Umtriebe? Im Handumdrehen ausgetrieben [&#8230;]\u201c \u2013 82), und die \u201eMutter\u201c bleibt auch skeptisch (vgl. S. 89). Es kann also nicht behauptet werden, Handke h\u00e4tte seine ganze Familie als \u201aHeldengeschlecht\u2019 glorifiziert.<\/p>\n<p>37 Vgl. dazu Georg Pichler, <em>Die Beschreibung des Gl\u00fccks: Peter Handke; Eine Biographie<\/em> (Wien: Ueberreuter, 2002), 16. In <em>Immer noch Sturm<\/em> \u00fcberlebt Gregor den Krieg, Ursula nicht. Eigentlich \u00fcberlebte Ursula, nicht ihr Bruder.<\/p>\n<p>38 Im St\u00fcck wird eine potentielle neue Heimat k\u00e4rntnerisch-slowenischer Aussiedler als \u201eNeujaunfeld\u201c oder \u201eNova Podjuna\u201c bezeichnet (88).<\/p>\n<p>39 Zu seiner Sonderstellung in der Jugend hat Handke Folgendes erz\u00e4hlt: \u201eDie slowenischen Jungen schlossen sich zusammen und sprachen untereinander slowenisch, und ich kam auch aus einer slowenischen Familie, beherrschte die Sprache aber nicht.\u201c Aus: Thomas Steinfeld, \u201eIm Gespr\u00e4ch \u2013 Peter Handke: Du mit deinem Jugoslawien\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 27. November 2010.<\/p>\n<p>40 Handke will aber schon vorf\u00fchren, was er kann. Gregor\/Jonatan erinnert seinen Vater daran, dass er und die anderen Kinder nicht \u201eich\u201c sagen sollten. Das \u201eIch\u201c sei \u201ein der Endung des Zeitworts\u201c versteckt. (105f.)<br \/>\nIm Slowenischen werden die Personalpronomen im Pr\u00e4sens normalerweise ausgelassen. Das gilt f\u00fcr alle Pronomen, aber das Verschwinden des \u201eIch\u201c soll wohl andeuten, dass die Gemeinschaft in dieser Kultur (und auch noch bei den Partisanen) wichtiger als das Individuum war bzw. ist,<\/p>\n<p>41 Am Ende der <em>Winterlichen Reise<\/em> wird der Sinn dieser Methode er\u00f6rtert: Der Autor glaubt, \u201eda\u00df gerade auf dem Umweg \u00fcber das Festhalten bestimmter Nebensachen, jedenfalls weit nachhaltiger als \u00fcber ein Einh\u00e4mmern der Hauptfakten, jenes gemeinsame Sich-Erinnern, jene zweite, gemeinsame Kindheit wach wird.\u201c (134) Damals regten sich viele Kritiker dar\u00fcber auf, dass Handke zu Kriegszeiten Details wie die \u201eandersgelben Nudelneste[r]\u201c (71) in Serbien erw\u00e4hnte.<\/p>\n<p>42 Das \u201cIch\u201d behauptet zwar, er k\u00f6nne \u201cdie Vaterlosigkeit nur empfehlen\u201c (156), aber das klingt \u2013 trotz des Vergleichs mit Parzival, der ohne seinen Vater Gahmuret aufwachsen musste \u2013 nicht sehr \u00fcberzeugend bzw. \u00fcberzeugt. Gahmurets Abenteuer als Ritter waren auch eine andere Erbschaft als die Teilnahme von Handkes Vater am Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>43 In deutscher \u00dcbersetzung hei\u00dft der Titel von Thomas Wolfes erstem Roman <em>Look Homeward, Angel<\/em> (1929) <em>Schau heimw\u00e4rts, Engel<\/em>. In <em>Wunschloses Ungl\u00fcck<\/em> erw\u00e4hnt Handke, er habe mit der Mutter zusammen Wolfe gelesen. Vgl. Peter Handke, <em>Wunschloses Ungl\u00fcck<\/em> (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1974), 67.<\/p>\n<p>44 Der \u00f6sterreichische Schriftsteller Norbert Gstrein hatte bereits 2008 in einem Interview davon geredet. Vgl. \u201eEine Figur, die sich verrannt hat\u201c [Gunther Nickel interviewt Norbert Gstrein], 21. August 2008.<br \/>\nOnline: &gt; http:\/\/volltext.net\/magazin\/magazindetail\/article\/4492\/&lt; Gestrein sprach damals von einer \u201eDon-Quichotterei von einem der ganz gro\u00dfen deutschsprachigen Schriftsteller\u201c. Vgl. dazu auch Harald Klauhs, \u201eDie toten Augen auf dem Tisch\u201c, <em>Die Presse<\/em>, 15. August 2008. Darin sagt Gstrein: \u201eHandke, das meine ich nicht denunziatorisch, hat etwas von einem M\u00e4rchenerz\u00e4hler gehabt, Jugoslawien ist f\u00fcr ihn ein Sehnsuchtsland gewesen, und er hat den Jugoslawen nicht verziehen, dass sie ihm dieses Sehnsuchtsland in der Realit\u00e4t zerschlagen haben.\u201c<\/p>\n<p>45 Malte Herwig, <em>Meister der D\u00e4mmerung. Peter Handke: Eine Biographie <\/em>(M\u00fcnchen: Deutsche Verlags-Anstalt, 2011), 280ff. Vgl. den Auszug \u201ePeter Handkes Besuch bei Radovan Karadzic. Die Gedichte des Dr. K.\u201c, <em>FAZ<\/em>, 29. Oktober 2010.<\/p>\n<p>46 Lothar M\u00fcller, \u201cPeter Handke. Neue Biographie. Winterliche Reise zum Tyrannen\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 30. Oktober 2010.<\/p>\n<p>47 Ulrich Greiner, \u201cEine herbstliche Reise zu Peter Handke nach Paris\u201c, <em>Die Zeit<\/em>, 48\/2010 (1. Dezember).<\/p>\n<p>48 Malte Herwig, <em>Meister der D\u00e4mmerung<\/em>, a.a.O., 282. Es handelt sich um einen Brief aus dem Gef\u00e4ngnis von Den Haag vom 30. November 2009. (Vgl. Herwigs Anmerkung 123, S. 353.)<\/p>\n<p>49 Thomas Assheuer, \u201cBesuch bei Karadzic. Eskort-Service. Warum besucht ein Suhrkamp-Lektor einen Massenm\u00f6rder?\u201c, <em>Die Zeit<\/em>, 45\/2010 (4. November). Der \u201eH\u00f6hepunkt des konspirativen Treffens\u201c war laut Assheuer die Verleihung des Ordens.<\/p>\n<p>50 Thomas Steinfeld, \u201eDu mit deinem Jugoslawien\u201c (s. Anm. 39).<\/p>\n<p>51 Hubert Spiegel, \u201eEnkel Lear auf der Wunschtraumheide\u201d, <em>FAZ<\/em>, 5. November 2010.<\/p>\n<p>52 Thomas Steinfeld, \u201cEin luftiges Denkmal der N\u00e4he wider die Zeit. Poetischer Partisan gegen den Teufel der Geschichte\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 18. November 2010.<\/p>\n<p>53 anon., \u201cHandke und die Reise zu dem Kriegsverbrecher Karadzic\u201d, <em>Die Welt<\/em>, 31. Oktober 2010. Dem Artikel sind zahlreiche Fotos vom Massaker in Srebrenica beigef\u00fcgt.<\/p>\n<p>54 J\u00fcrgen Brokoff, \u201cPeter Handke als serbischer Nationalist \u2013 Ich sehe, was ihr nicht fasst\u201c, 15. Juli 2010. Dieser Artikel erschien vor der Ver\u00f6ffentlichung von <em>Vor dem Sturm<\/em>. Die wohl sch\u00e4rftse Replik auf Brokoffs Urteil stammt von Hans-Dieter Sch\u00fctt: \u201eJa, von diesem Dichter geht Gefahr aus. Die <em>FAZ<\/em> warnt vor Peter Handke\u201c, <em>Neues Deutschland<\/em>, 14. Juli 2010. Sch\u00fctt kann \u201eUnmut unter diensthabenden Moralisten\u201c nicht ertragen, und \u201eder einseitige westliche Blick auf die serbisch-kroatischen Spannungen, das zweierlei Ma\u00df im Umgang mit etwa Milo\u0161evi\u0107 und Tudjman\u201c ist ihm (und Handke) zuwider.<\/p>\n<p>55 Vgl. z.B. ihre Stellungnahme zur Kontroverse um die Aberkennung des Heine-Preises: Jean-Pierre Lef\u00e8bvre und Sigrid L\u00f6ffler, \u201eHandke und kein Ende. Warum wir aus der Jury des Heinrich-Heine-Preises austreten\u201c, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 2. Juni 2006. Darin hei\u00dft es: \u201ePeter Handke ist einer der bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Das Programm seines Lebens ist zugleich das Gesetz seines Schreibens: die Arbeit an einer bewussten Blick\u00e4nderung auf die Welt. In seinen Balkan-Texten prallt dieser Anspruch des Andersdenkens und Andersschreibens seit jeher auf den formierten journalistischen Konsens dar\u00fcber, wie die jugoslawischen Sezessionskriege zu sehen und zu beurteilen seien. Entgegen diesem Konsens h\u00e4lt Handke daran fest, dass die Aufl\u00f6sung Jugoslawiens nicht die L\u00f6sung des Problems ist, dass darin vielmehr ein Verlust liegt, der auch benannt werden darf. Aber eben diese hartn\u00e4ckige Abweichung eines einzelnen Schriftstellers will man nicht dulden.\u201c<\/p>\n<p>56 Sigrid L\u00f6ffler, \u201cPeter Handke \u2013 Immer noch Sturm\u201c, Sendung im Kulturradio rbb vom 11, Oktober 2010.<br \/>\nOnline: &gt;http:\/\/www.kulturradio.de\/rezensionen\/buch\/2010\/peter_handke___immer.listall.on.printView.true.html&lt;<br \/>\nAuch Malte Herwig spricht von einer gewissen Kulmination: \u201eDas Werk hat lange Wurzeln. Den Titel hat Handke sich bereits vor 20 Jahren in seinem Tagebuch vorgemerkt.\u201c Aus: \u201ePeter Handke. Stille Post vom toten Paten\u201c, <em>Die Zeit<\/em> 39, 2010 (23. September).<\/p>\n<p>57 Vgl. Hans Rauscher, \u201cVerbotsgesetz f\u00fcr Peter Handke?\u201d, <em>Der Standard<\/em>, 14. Juli 2005. Darin vergleicht er Handke mit den \u201enicht wenigen westeurop\u00e4ischen Autoren [&#8230;], die Stalin und (in viel geringerem Ausma\u00df) Hitler auf den Leim gegangen sind\u201c. Die <em>Standard<\/em>-Leser, die Rauschers Artikel kommentierten, trugen zu einer notwendigen Diskussion bei, die von einem Verbot abgew\u00fcrgt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>58 <em>Das Buch der Namen. Die K\u00e4rntner Opfer des Nationalsozialismus<\/em>, hrsg. von Wilhelm Baum, Peter Gstettner, Hans Haider, Vinzenz Jobst und Peter Pirker (Klagenfurt: Kitab, 2010). Das Lesen von Namen ist eine bekannte Praxis bei Holocaust-Gedenkveranstaltungen. Zur Salzburger Reihe \u201eJenseits der Grenze\u201c vgl. Norbert Mayer, \u201eSalzburger Festspiele: Peter Handkes tiefe Wurzeln\u201c, <em>Die Presse<\/em>, 15. August 2011 und Christian Weingartner, \u201eWider das Vergessen\u201c, <em>Der Standard<\/em>, 16. August 2011.<\/p>\n<p>59 Alexandra F\u00f6derl-Schmid, \u201cAngekommen im eigenen Land\u201d, <em>Der Standard<\/em>, 17. August 2011.<br \/>\nInteressanterweise erschien ein paar Wochen vor der Urauff\u00fchrung ein Buch \u00fcber die Legende um den Wehrmachtssoldaten Josef Schulz, der sich geweigert haben soll, jugoslawische Partisanen zu erschie\u00dfen. Vgl. Michael Martens, <em>Heldensuche. Die Geschichte des Soldaten, der nicht t\u00f6ten wollte<\/em> (Wien: Paul Zsolnay, 2011). In einem Interview sagte Martens dazu: \u201eDer Balkan ist in der Erinnerung der Deutschen an den Zweiten Weltkrieg ein Nebenkriegsschauplatz.\u201c Die Erinnerung der \u00d6sterreicher sieht sicher anders aus. Vgl. R\u00fcdiger Rossig, \u201eWehrmachtslegende in Serbien\u201c [Interview mit Michael Martens], <em>TAZ<\/em>, 27. Juli 2011.<\/p>\n<p>60 Ronald Pohl, \u201cHandkes gro\u00dfe B\u00fchnenpoesie\u201d, <em>Der Standard<\/em>, 13. August 2011.<\/p>\n<p>61 \u201cNachtkritik: Immer noch Sturm\u201d, <em>Salzburger Nachrichten<\/em>, 13. August 2011.<br \/>\nOnline: &gt;http:\/\/www.salzburg.com\/online\/thema\/schauspiel\/Nachtkritik-Immer-noch-Sturm.html?article=eGMmOI8V66bEjr19ORYrPkwDWHQDiklsxPh5nug&amp;img=&amp;text=&amp;mode=&amp;&lt;<\/p>\n<p>62 Hartmut Krug, \u201cWichtigtuer auf dem Schnipselteppich\u201c <em>Deutchlandradio Kultur<\/em>, Sendung vom 12. August 2011, 23.05 Uhr. Online: &gt; http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/fazit\/1529728\/&lt;<\/p>\n<p>63 Ulrich Weinzierl, \u201cGerechtigkeit f\u00fcr Peter Handke!\u201d, <em>Die Welt<\/em>, 15. August 2011.<\/p>\n<p>64 \u201cNachtkritik\u201d, a,a,O. (s. Anm. 61).<\/p>\n<p>65 Karin Fischer, \u201cSelbsterforschung im B\u00fchnenformat\u201d, <em>Deutschlandradio Kultur<\/em>, 13. August 2011.<br \/>\nOnline: &gt; http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/kulturheute\/1528685\/&lt;<\/p>\n<p>66 Uwe Mattheiss, \u201cWahrheit liegt im Schmerz\u201d, <em>TAZ<\/em>, 15. August 2011.<br \/>\nAuf dem gleichen Gel\u00e4nde bewegt sich Gerhard Stadelmeier: \u201eHandke hat in seinen B\u00fcchern und Theaterst\u00fccken der Welt bisher immer seine heilende Weihe-Hand aufgelegt, wobei dann aus dem v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Jugoslawien schon mal die allerheiligste Nation werden konnte.\u201c Vgl. G.S., \u201eVorfahrtsregelung fur Vorfahren\u201c, <em>FAZ<\/em>, 16. August 2011.<\/p>\n<p>67 Hans Haider, \u201cDie Slowenen zum Sprechen gebracht\u201d, <em>Wiener Zeitung<\/em>, 15. August 2011.<\/p>\n<p>68 Peter von Becker, \u201cSeine Toten leben l\u00e4nger\u201d, <em>Der Tagesspiegel<\/em>, 15. August 2011.<\/p>\n<p>69 Diese Worte benutzte Regisseur Gotscheff im Hinblick auf <em>Immer noch Sturm<\/em>. Vgl. \u201eHalb Traumspiel, halb Autobiografie\u201c, <em>Kulturzeit heute<\/em>, Sendung von 3sat, 12. August 2011. Online: &gt;http:\/\/www.die-sch\u00f6nsten-opern-aller-zeiten.de\/page\/?source=\/kulturzeit\/specials\/156053\/index.html. Das Video \u2013 bei dem auch Handke auftritt \u2013 findet man unter &gt;http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?mode=play&amp;obj=26354&lt;.<\/p>\n<p>70 Norbert Mayer, \u201c\u2019Immer noch Sturm\u2019: Handkes poetische Familiensage\u201d, <em>Die Presse<\/em>, 14. August 2011.<\/p>\n<p>71 Dirk Pilz, \u201cEs f\u00e4llt kein Apfel weit vom Stamm\u201d, <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em>, 15. August 2011.<\/p>\n<p>72 Ronald Pohl, \u201cDer rasende Sippen-Kaspar\u201d [!], <em>Der Standard<\/em>, 16. August 2011.<\/p>\n<p>73 Zwei Vertreter dieser Spezies sind unter den Theaterkritikern zu finden: \u201e\u2019Immer noch Sturm\u2019 ist, wieder einmal, ein hyperpers\u00f6nliches Handke-Heimatst\u00fcck.\u201c Aus: Dirk Pilz, \u201eKein Vorw\u00e4rts, kein besser.\u201c <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, 15. August 2011. Oder so: \u201e[&#8230;] die &#8211; darf man das so sagen? &#8211; Heimaterde im K\u00e4rntner Jaunfeld [&#8230;]\u201c Aus: Uwe Mattheis, \u201eWahrheit liegt im Schmerz\u201c, a.a.O. (s. Anm. 66). Ja, das Wort Heimat darf (d.h.: sollte) man verwenden \u2013 gerade als eine(r) mit einem \u201aprogressiven\u2019 Weltbild. Dass Heimatliebe nicht mit Fremdenfeindlichkeit einhergehen muss, versteht sich von selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues Serbien? \u2013 Neuer Handke? \u201eDer Rakija der Gegend war naturrein &#8230;\u201c [1] \u201eKdo si? Wer bist du?\u201c[2] Die vorliegende Arbeit ist der dritte und voraussichtlich letzte von drei Beitr\u00e4gen zu Peter Handke und seinem poetischen sowie politischen Verh\u00e4ltnis zum ehemaligen Jugoslawien. 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