{"id":2127,"date":"2012-04-13T18:16:33","date_gmt":"2012-04-13T22:16:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=2127"},"modified":"2012-04-23T09:20:40","modified_gmt":"2012-04-23T13:20:40","slug":"mirko-bonne-glossen-34","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-342012\/mirko-bonne-glossen-34\/","title":{"rendered":"Mirko Bonn\u00e9"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcnf Gedichte<\/strong><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<strong>Nach verlorenen Skizzen<\/strong><br \/>\nWem berichten, Sprache,<br \/>\nin welcher? Wenn mein Vater<br \/>\nmir die Hand ins Gesicht drosch,<br \/>\ngingen die Aufsatzhefte, gef\u00fcllt<br \/>\nmit alten Skizzen und K\u00fcrzeln,<br \/>\nauf dem Heimweg verloren<br \/>\nwie der Heimweg selbst.<\/p>\n<p>Wider besseres Wissen<br \/>\nkonnte so die Sternenkarte<br \/>\nnicht vervollst\u00e4ndigt werden.<br \/>\nUnd die Mundarten des Sturms<br \/>\nbeherrschte einzig der Holunder.<br \/>\nIch wusste nur, meine Ellbogen<br \/>\nentwarfen nicht die Marder.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<strong>November<\/strong><br \/>\nZerr\u00fcttete Geh\u00f6fte<br \/>\naus V\u00f6geln, Vorwinterluft,<br \/>\nund alle Fenster sind beschlagen<br \/>\nmit heulendem Wasserblech.<\/p>\n<p>Nur die Feldwege wechseln<br \/>\nBraunt\u00f6ne und fassen das Laub.<br \/>\nWolken, die zu Wolkendecken werden,<br \/>\nmachen deutlich, was es hei\u00dft,<br \/>\nAugen zu haben. <\/p>\n<p>Einige schlafen, andere<br \/>\nmachen die Betten, l\u00f6schen<br \/>\nunschl\u00fcssig E-Mails oder spielen<br \/>\nSchlagzeug gegen die Stille.<\/p>\n<p>Zwischen heute und morgen<br \/>\nist keine Grenze. November, ein Name.<br \/>\nGeh \u00fcbers Gras. Im Nebel die elf Pappeln,<br \/>\nWegmarken. Meinetwegen als letzter<br \/>\nsei unterwegs zu wem immer.<br \/>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<strong>Spaziergang bei Amherst<\/strong><br \/>\nDie Welt geht nicht verloren,<br \/>\nweil sie noch keiner fand \u2013<br \/>\nSie ging am Fluss entlang.<br \/>\nDas Wasser rauschte.<br \/>\nWen k\u00f6nnte sie so lieben?<\/p>\n<p>Der Sommer gl\u00e4nzte im Geb\u00fcsch,<br \/>\nin Brombeerstr\u00e4uchern, dachte sie,<br \/>\ndie Wellen eines Sommermeers.<br \/>\nSie ging am Fluss entlang \u2013<br \/>\nweil keiner nur verloren ist.<\/p>\n<p>Die Wellen rauschten.<br \/>\nDer gro\u00dfe schwarze Freund, ach du \u2013<br \/>\nihr Hund sprang in den Fluss.<br \/>\nWen k\u00f6nnte ich so lieben?<br \/>\nGeh nicht verloren, bitte, Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;F\u00fcr Sarah Nemtsov<br \/>\n  &nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<strong>Stille Man\u00f6ver<\/strong><br \/>\nNoch einmal: der Nebel,<br \/>\nNebel \u00fcber die Felder ger\u00fcckt.<br \/>\nStell die Gartenst\u00fchle zusammen,<br \/>\nnimm die Dauer der Nacht in Kauf.<\/p>\n<p>Eine Pracht: Orangegelb leuchten<br \/>\nWohlfahrtsmarken im Postamt,<br \/>\nkaum einer deutet auf sie<br \/>\nmit dunklen Kehllauten.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbe die Schrittfolge ein,<br \/>\ndie f\u00fcrs \u00dcberleben notwendig wird:<br \/>\nkommentarloses Entkorken des Rotweins,<br \/>\nFesthalten an Zigaretten, Schweigen.<\/p>\n<p>Schweigen von dieser einen Libelle.<br \/>\nMit kaum durchbluteten Fingern:<br \/>\nWie ihr zeigen, was ich liebe,<br \/>\nnur weil es sie umgibt.<br \/>\n  &nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n<strong>Weberknecht<\/strong><br \/>\nAuf haarfeinen acht Leitern<br \/>\nsteigt ein silbernes Auge<br \/>\ndurch Lichtvierecke, da,<br \/>\ngesehen? \u2013 es blinzelt.<\/p>\n<p>Der Wald. Alles Messer,<br \/>\nNadeln endlos. Worauf<br \/>\nso ein Augendesperado<br \/>\nauf acht Klingen steigt.<\/p>\n<p>Er hat Dornenwimpern.<br \/>\nBebt, wenn im Weiher<br \/>\nForellen trauern, still<br \/>\nweinen unter Wasser,<\/p>\n<p>oder ganz unfassbar<br \/>\nBl\u00e4tter zittern, Pappeln<br \/>\nim erfinderischen Wind \u2013<br \/>\neinmal so erfunden sein.<\/p>\n<p>So kommt er auf dich zu,<br \/>\ndu fahle Karkasse. \u00c4ugt,<br \/>\nnimmt dich in den Blick<br \/>\nund deinen mit sich fort.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;F\u00fcr G\u00fcnter Herburger<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnf Gedichte &nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach verlorenen Skizzen Wem berichten, Sprache, in welcher? Wenn mein Vater mir die Hand ins Gesicht drosch, gingen die Aufsatzhefte, gef\u00fcllt mit alten Skizzen und K\u00fcrzeln, auf dem Heimweg verloren wie der Heimweg selbst. 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