{"id":2291,"date":"2012-04-20T09:17:59","date_gmt":"2012-04-20T13:17:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=2291"},"modified":"2022-02-13T19:02:48","modified_gmt":"2022-02-14T00:02:48","slug":"billy-badger-glossen-34","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-342012\/billy-badger-glossen-34\/","title":{"rendered":"Billy Badger"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u00bbZur Ware gibt\u2019s Werbung\u00ab<\/em><\/strong><strong> Lyrische Werbung und ko-pr\u00e4sente Kommunikation bei Bas B\u00f6ttcher.<\/strong><\/p>\n<p>Werben und umworben werden<\/p>\n<p>Ein altes beliebtes Spiel.<\/p>\n<p>\u2013Bas B\u00f6ttcher.<a title=\"\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit nahezu 15 Jahren genie\u00dft der vielreisende Sprechdichter Bas B\u00f6ttcher sowohl popul\u00e4ren als auch kritischen Erfolg. Gleich am Anfang seiner b\u00fchnenliterarischen Karriere vermochte B\u00f6ttcher mit ausgefeilten sprachlichen Tricks das Publikum auf zwei Fronten von seiner poetischen Vorherrschaft zu \u00fcberzeugen, denn er wurde nicht nur bei bundesweiten Poetry-Slam-Wettbewerben mehrmals zum Sieger gek\u00fcrt, sondern auch als Teil der Hiphopformation Zentrifugal fast zum Superstar der deutschen Musikszene, dessen Texte weit \u00fcber die herk\u00f6mmlichen Rap-Floskeln hinausgingen. Inzwischen ist sein popul\u00e4rer Erfolg so angestiegen, dass er weltweit rund 110-mal im Jahr auftritt.<a title=\"\" href=\"#_edn2\">[2]<\/a> Analog zum popul\u00e4ren Erfolg des B\u00fchnendichters f\u00e4llt die kritische Rezeption seiner performten Lyrik vorwiegend positiv aus. In der kritischen Auseinandersetzung mit seinen multimedialen Texten und Performances bezieht man sich generell an erster Stelle auf formale Eigenschaften seiner Lyrik. Schon 1999 schw\u00e4rmte z.B. Ingrid B\u00f6ck von B\u00f6ttchers Wortgewandtheit:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Eingeh\u00fcllt in poppige und swingende Beats und verschiedenste Soundteilchen, kommen B\u00f6ttchers Wortspiele, Alliterationen und doppeldeutige Szenenbeschreibungen leicht wie Fische im Aquarium daher.<a title=\"\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrem Beitrag f\u00fcr die <em>Hannoversche Allgemeine Zeitung <\/em>findet Kersten Flentner B\u00f6ttchers \u201eTracks\u201c f\u00fcr Zentrifugal ebenfalls \u201eformbewusst [und] handwerklich gekonnt.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a> Anhand einer breiten Palette formaler Techniken wie z.B. Assonanz, Alliteration, Doppel- und Stabreim erreiche er, so Flentner, einen bemerkenswerten Sprachfluss, den er rhythmisch \u00fcber den stets pr\u00e4senten Viervierteltakt lege. Im neuen Jahrtausend spielt das Formale weiterhin eine nicht mindere Rolle in der Rezeption von B\u00f6ttchers Lyrik. Zehn Jahre sp\u00e4ter schreibt z.B. Sophie L\u00fcbbert in ihrer Rezension der 2009 erschienenen B\u00e4nde <em>Die Poetry-Slam-Expedition<\/em> und <em>Neonomade<\/em> von einem Poeten mit \u201eenorme[m] Sprachtalent, [der] mit Klang, Doppeldeutigkeit und Rhythmus [spielt].\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Hinter der formalen Kulisse von B\u00f6ttchers Texten finden Rezensenten h\u00e4ufig eine poetische Auseinandersetzung mit den Widerspr\u00fcchen und Strukturen der Konsumgesellschaft vor. Ein anonymer Korrespondent f\u00fcr die <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> erkennt an den Texten von <em>Neonomade<\/em> eine ausgepr\u00e4gte Konsumkritik, sowie auch einen \u201eKommentar zur medialen Sprachverwirrung&#8221;, und einen kritischen Hinweis auf \u201edie Hypertrophie des Marketing-\u00abDrumherums\u00bb.<a title=\"\" href=\"#_edn6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>In ihrem kritischen Urteil bringen zwar viele Rezensenten B\u00f6ttchers Lyrik auf die gleichen formalen und inhaltlichen Nenner, doch das Wechselspiel zwischen Form und Inhalt, das grundlegende Verh\u00e4ltnis zwischen B\u00f6ttchers thematischen Anliegen und seinem formalen Programm bleibt weitgehend unkommentiert.<a title=\"\" href=\"#_edn7\">[7]<\/a> Im Folgenden zeige ich anhand von zwei ineinander verstrickten Beispielen, wie B\u00f6ttchers Texte inhaltlich-kodierte Hinweise auf sein literarisches Programm und vor allem sein Verst\u00e4ndnis vom Kommunikationspotenzial des Gedichts bieten. Zum einen deutet B\u00f6ttchers lyrische Auseinandersetzung mit den Strukturen und Widerspr\u00fcchen der Konsumwelt auf den Warencharakter des Gedichts, das wiederum den gleichen Marktbedingungen unterliegt, wie jedes andere Konsumgut. Als Ware muss das lyrische Produkt anhand gezielter Werbetechniken um sein Publikum buhlen: Diese Werbung soll das Publikum beeinflussen, sich n\u00e4her mit dem textlichen Inhalt zu besch\u00e4ftigen, wobei sie eine Reihe von Kommunikationsfunktionen erf\u00fcllt. Zum anderen zeigt B\u00f6ttchers Thematisierung der Liebe in der zeitgen\u00f6ssischen Mobilit\u00e4tsgesellschaft, dass jene Kommunikation dann die besten Aussichten auf ein Gelingen genie\u00dft, wenn sie ohne zeitliche Verz\u00f6gerung in ko-pr\u00e4senten Begegnungen zwischen KommunikationspartnerInnen erfolgt.<\/p>\n<p>In seinem Aufsatz \u201eMal eben \u00fcberschlagen\u201c (2001) \u00e4u\u00dfert sich B\u00f6ttcher zu seinen literarischen Einfl\u00fcssen. Anstatt gro\u00dfe Literaten wie \u201eG\u00fcnter Grass\u201c zu nennen, bezieht er sich auf unbekannte \u201eWerbestrategen\u201c und die eing\u00e4ngigen sprachlichen Strukturen, mit denen die Werbeindustrie so wirkungsvoll hantiert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Viele Personen, die mich gepr\u00e4gt haben, k\u00f6nnte ich gar nicht kennen [&#8230;]. Sie sitzen nachts am Macintosh in Firmen, die Namen tragen wie \u201ePartner und Partner,\u201c und br\u00fcten \u00fcber der n\u00e4chsten Kampagne. Spr\u00fcche wie \u201eT\u00fcftel den BigMac!,\u201c \u201eBlack und Decker, Black und Decker, Black und Decker, &#8230;\u201c oder \u201eJaffa, Jaffa! Ja, phantastisch!\u201c brannten sich im fr\u00fchen Alter in meine Gehirnwindungen ein.<a title=\"\" href=\"#_edn8\">[8]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass die Werbung, jene dienende Magd des Kommerzes, ihren Einfluss auf die erhabenste der literarischen K\u00fcnste geltend machen d\u00fcrfte, k\u00f6nnte beinahe ketzerisch wirken, doch Poesie und Werbung haben, so Samuel Hayakawa, viel gemeinsam. Wie die Dichtung bedient sich auch die Werbung einer Reihe bekannter rhetorischer und lyrischer Stilmittel wie z. B. Alliteration, Assonanz, Metrik und Reim in seinen verschiedenen Auspr\u00e4gungen. Zudem bevorzugen beide \u201eliterarische Formen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn9\">[9]<\/a> eine eher konnotative als denotative Sprache, wobei mehrdeutige Formulierungen ein differenziertes Geflecht semantischer Ebenen entstehen lassen.<a title=\"\" href=\"#_edn10\">[10]<\/a> Vor allem teilen Werbung und Dichtung den Wunsch, den \u201eData of everyday experience\u201c Bedeutung zu verleihen,<a title=\"\" href=\"#_edn11\">[11]<\/a> und inzwischen ist die Werbung eindeutig zum allt\u00e4glichen Ph\u00e4nomen geworden. Bietet B\u00f6ttcher dann mit seinen Texten \u201eeinen frischen Blick auf Alltagssituationen,\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn12\">[12]<\/a> so ist es kaum verwunderlich, dass in sein poetisches Programm Werbetechniken Eingang finden. Zudem ist es verst\u00e4ndlich, dass er das wohl allt\u00e4glichste Merkmal der heutigen Wohlstandsgesellschaft in seiner Lyrik thematisiert, und zwar das Ph\u00e4nomen des Konsums, dessen zentralen Impuls er kurz und b\u00fcndig im wiederkehrenden Imperativ des Refrains von \u201eDran glauben\u201c schildert: \u201eKram kaufen!\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn13\">[13]<\/a> Wie in alttestamentarischen Zeiten wird das Kaufmittel beinahe verg\u00f6ttert: \u201eSo wie in Babel in der Bibel lieben People die Piepen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn14\">[14]<\/a> In \u201eDran glauben\u201c wird die Wechselbeziehung zwischen Wohlstand und Konsum mit der mehrdeutigen Zeile \u201eZum Reichtum gibt\u2019s Sch\u00e4tze\u201c treffend erfasst:<a title=\"\" href=\"#_edn15\">[15]<\/a>\u00a0 Zum einen wird Wohlstand durch den Erwerb von \u201eSch\u00e4tzen\u201c erm\u00f6glicht, zum anderen bedarf der Konsum eines gewissen Wohlstands. Versteht man unter \u201eSch\u00e4tzen\u201c Luxuswaren, Produkte, die nicht lebensnotwendig sind, so liest sich diese Zeile als eine poetische Umschreibung des Engelschen Gesetzes, das besagt, dass der Anteil an den Haushaltsausgaben, der mit zunehmendem Einkommen (Reichtum) f\u00fcr lebensnotwendige G\u00fcter ausgegeben wird, sinke.<a title=\"\" href=\"#_edn16\">[16]<\/a><\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DaTe84wJhn8\">Bas B\u00f6ttcher: Dran glauben\/Bekommbar<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Bewegt sich der Konsum zwischen Notwendigkeit und \u00dcberfluss bzw. Luxus, so verschwimmen aber auch die Grenzen jener Bereiche, denn besonders in der letzten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts haben zahlreiche Produkte eine Metamorphose vom Luxusgut zum Massengut erfahren.<a title=\"\" href=\"#_edn17\">[17]<\/a> Analog dazu erfolgte auch in jenen Jahren eine deutliche Erweiterung und Ausdifferenzierung der Produktpalette, so wie die Erschlie\u00dfung neuer Zielgruppen.<a title=\"\" href=\"#_edn18\">[18]<\/a> Wie aus vielen Texten von B\u00f6ttchers j\u00fcngstem Gedichtband <em>Neonomade <\/em>hervorgeht, finden sich im heutigen Warenangebot nicht nur materielle G\u00fcter wie z.B. \u201eein Plastikschwein made in Taiwan\u201c (S. 8, Z. 1), \u201eandern Kleinkram\u201c (S. 8, Z. 2), oder Markenprodukte von Microsoft (S. 8, Z. 12), Pok\u00e9mon (S. 9, Z. 24), Langnese (S. 27, Z. 25), und Coca-Cola (S. 27, Z. 15, 33), sondern auch Dienstleistungen wie z.B eine \u201eBr\u00e4unung,\u201c die die \u201eSch\u00f6nheit\u201c gew\u00e4hrleisten soll (S. 8, Z. 5), oder Telekommunikationsprodukte von \u201eProSieben\u201c (S. 8, Z. 34) und \u201eTelekom\u201c (S. 8, Z. 23). Heutzutage ist, so B\u00f6ttcher, eben alles \u201eBekommbar:\u201c Ob \u201eauf den Grabbeltischen der Gro\u00dfstadt, \/ [&#8230;] von der Stange der Stra\u00dfenst\u00e4nde, \/ [oder] \u201ein den Restposten der Grossisten\u201c (S. 10, Z. 1-3), \u201ewerden wagenweise Waren vertrieben\u201c (S. 7, Z. 10). Hiermit weist B\u00f6ttcher indirekt auf die R\u00fcckseite der \u201eKonsumm\u00fcnze,\u201c und zwar auf die Verk\u00e4ufer und ihre Marketing-Branche, die darauf angelegt sind, den Konsumenten beim Kaufentscheidungsakt m\u00f6glichst zu beeinflussen. In \u201eDran glauben\u201c bringt B\u00f6ttcher es lapidar auf den Punkt: \u201eZur Ware gibt\u2019s Werbung.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Dass es heutzutage nicht mehr nur um das Produkt selbst geht, sondern um das, was B\u00f6ttcher als das \u201eDrumherum\u201c bezeichnet, ist l\u00e4ngst ein Faktum unserer Konsumkultur.<a title=\"\" href=\"#_edn20\">[20]<\/a> Der popul\u00e4re und kommerzielle Erfolg jedes Produkts in der konsumbetonten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts beruht in erster Linie auf erfolgreicher Verpackung, Werbung und Vermarktung, wobei alles zum Produkt wird. In der Musikindustrie erfolgt, so B\u00f6ttcher, kein Durchbruch ohne aggressive Mitwirkung der Marketingabteilung, denn \u201ezum Popstar [geh\u00f6rt] das Image.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn21\">[21]<\/a> Auch Sch\u00f6nheit ist heutzutage ohne die Imagemanipulation von Br\u00e4unungsstudios und Photoshop undenkbar.<a title=\"\" href=\"#_edn22\">[22]<\/a> Sogar Literatur verdankt ihren Erfolg immer mehr der Marketingabteilung des jeweiligen Verlags:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann steht der Text im Zentrum<\/p>\n<p>und wieder dreht sich alles um<\/p>\n<p>Das Drumherum<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n[&#8230;]\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Promo Kampagnen Skandale Presse<\/p>\n<p>Interview Info Journale Messe.<a title=\"\" href=\"#_edn23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erfolgreiches Marketing ist allerdings ein dynamischer Vorgang. Um den fortlaufenden Erfolg ihres Produkts zu sichern, m\u00fcssen Firmen mit den wechselnden Marktbedingungen Schritt halten. Das mehrb\u00e4ndige Nachschlagewerk <em>Encyclopaedia Britannica <\/em>bietet hiervon ein gutes Beispiel. W\u00e4hrend <em>Britannica <\/em>den Markttrend der fr\u00fchen 90er Jahre ignorierte, reagierte der neue Konkurrent <em>Microsoft<\/em> hingegen rechtzeitig auf die Marktbedingungen und hatte mit <em>Encarta<\/em>, einem Lexikon im CD-ROM-Format, einen Verkaufsrenner, der neue profitable Zielgruppen erschlie\u00dfen konnte. <em>Britannica<\/em>, dessen Marktanteil ab Anfang des Internet-Zeitalters unter einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Nachfrage litt, musste sich erst \u2013 jedoch beinahe zu sp\u00e4t \u2013 an die informationstechnischen \u00c4nderungen des Internet-Zeitalters anpassen, sich gewisserma\u00dfen umetikettieren und das Online-Format begr\u00fc\u00dfen, um den Abschwung zu stoppen.<a title=\"\" href=\"#_edn24\">[24]<\/a> Eine \u00e4hnliche Flaute wurde in jenen Jahren in der Poesie-Sparte der Literatur-Branche verzeichnet. Schon 1988 ging Joseph Epstein in seinem Aufsatz f\u00fcr <em>Commentary <\/em>der Frage \u201eWho killed Poetry?\u201c nach.<a title=\"\" href=\"#_edn25\">[25]<\/a><em> <\/em>Doch nicht Poesie starb, so Epstein, sondern scheinbar nur deren Kommunikationspotenzial: Es wurden immer mehr Gedichte geschrieben, ver\u00f6ffentlicht, gelesen und kritisiert, jedoch lediglich innerhalb eines immer enger werdenden, vornehm akademischen Kreises.<a title=\"\" href=\"#_edn26\">[26]<\/a><strong> <\/strong>In einer elit\u00e4ren Leere entstand und vermarktete sich eine Dichtung, die sich einem breiteren Publikum allm\u00e4hlich entfremdet hatte: \u201ehowever much contemporary poetry may be honored, it is, outside a very small circle, scarcely read.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>Schon Jahrzehnte zuvor erkannte der englische Dichter Philip Larkin, dass Poesie ihren einstigen Marktanteil verloren hatte, als sie unter das Seziermesser der Akademie vom Unterhaltungsobjekt zum Forschungsgegenstand umgemodelt wurde.<a title=\"\" href=\"#_edn28\">[28]<\/a> Zum gleichen Schluss kam der in Chicago als Bauarbeiter t\u00e4tige Freizeit-Dichter Marc Smith, der regelm\u00e4\u00dfig die Literaturlesungen besuchte, die in kulturellen Einrichtungen, Universit\u00e4ten und Buchhandlungen stattfanden. Zwar interessierte Smith der \u201eunterschiedliche Umgang mit Sprache,\u201c doch er konnte nicht nachvollziehen,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>[wie] jemand etwas, was ihm offensichtlich wichtig erschien, derart schlecht vortragen [konnte], und dieses dann auch noch in einer derart sterilen Atmosph\u00e4re eines n\u00fcchternen wei\u00dfen Raums mit Stuhlreihen von derselben Farbe, ohne Bar, ohne flairerzeugende Beleuchtung, und ohne die M\u00f6glichkeit, den Rest des Abends angenehm miteinander verbringen zu k\u00f6nnen.<a title=\"\" href=\"#_edn29\">[29]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Folglich nahm er sich vor, die Verbindung zwischen dem amerikanischen Volk und \u201epoetry, <em>any<\/em> poetry\u201c wieder herzustellen, denn er erkannte \u201ethe need to rescue poetry from its lowly status in the nation\u2019s cultural life.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn30\">[30]<\/a> Somit rettete er die Poesie aus dem luftlosen Raum der Akademie, befreite sie von den Fesseln ihrer elit\u00e4ren Zwangsjacke, und machte sie einem breiteren Publikum zug\u00e4nglich, indem er ihr freien Lauf in den Jazzclubs des Chicagoer Arbeiterviertels lie\u00df. Der demokratische Wettkampfcharakter des \u201eOriginal Uptown Poetry Slam\u201c zog, und binnen k\u00fcrzester Zeit entstanden Ablegerslams in Nordamerika und sogar Europa. Im Marketingsinne hatte Smith mit dem neuen Poesieformat die Versteinerung seines Produkts durch einen inspirierten Produktrelaunch verhindert, und der Poetryszene neues Leben eingehaucht. Ihm gelang es, die Poesie \u00fcber die Grenzen des Literaturmarktes hinaus umzupositionieren, und durch die Demokratisierung und Heterogenisierung des Marktes neue Zielgruppen f\u00fcr die Poesie zu erschlie\u00dfen. Dank jener Umpositionierung sicherte sich die Dichtung einen legitimen Platz in der heutigen Erlebniskultur. Live-Lyrik wird zur beliebten Allt\u00e4glichkeit, nicht nur in den Clubs und Kneipen, sondern auch zu Hause im Fernsehen, denn seit mehreren Jahren genie\u00dft die WDR-Sendung <em>Poetry Slam <\/em>\u201everbl\u00fcffend gut[e]\u201c Einschaltquoten.<a title=\"\" href=\"#_edn31\">[31]<\/a><\/p>\n<p>Doch die Wiedererweckung des popul\u00e4ren Interesses an Lyrik liegt nicht nur an deren Umsiedlung in die Unterhaltungssph\u00e4re, sondern auch an einer \u201emassive cultural revolution,\u201c in der, wie oben schon angedeutet, die Schrift ihre Vorherrschung als Hauptkommunikationsmittel verloren hat.<a title=\"\" href=\"#_edn32\">[32]<\/a> Dieser grunds\u00e4tzliche Paradigmenwechsel ist in jeder Lebenssph\u00e4re zu erkennen, und zeigt sich im Literaturbereich u.a. durch die \u201eneu[e] Rolle des Auditiven in der Lyrik:\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn33\">[33]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Poets of every school now reach more people through oral performance \u2013 in person, by broadcast, through video or audio recording \u2013 than they generally do through print. Books remain the basic medium for literary poetry, but paradoxically an author\u2019s print readership now heavily depends on attracting an audience initially through oral performance.<a title=\"\" href=\"#_edn34\">[34]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Konsumprodukt hatte sich zwar die Lyrik einem breiteren Publikum entfremdet, doch mit der erneuten Hinwendung zur urspr\u00fcnglichen Oralit\u00e4t der Poesie vermag das Gedicht wieder \u201eoffensiv auf sein Publikum hin[zu]wirken.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn35\">[35]<\/a> Zum gleichen Schluss kommt auch Medi\u00e4vist Paul Zumthor: \u201eSprache ohne Stimme [hat] eine gewisse Impotenz.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn36\">[36]<\/a> Gleichsam wie ein Werbeplakat die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auf sich und vor allem das daf\u00fcr geworbene Produkt einfordert, wirbt das Akustische f\u00fcr das Gedicht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Die sensationellen Erfolge von Lesungen der neuen Spoken-Word-Bewegung zeigen, da\u00df aktiv und lebendig gesprochene Lyrik ganz selbstverst\u00e4ndlich in der Lage ist, Zuspruch von einem gro\u00dfen Publikum zu bekommen.<a title=\"\" href=\"#_edn37\">[37]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insbesondere bewirkt die auditive \u201eWerbekampagne\u201c die Erschlie\u00dfung der Dichtung einem \u201eunbelesenen Publikum.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn38\">[38]<\/a> Das hei\u00dft allerdings nicht, dass im heutigen Literaturmarkt der Dichter sich gezwungen f\u00fchlen muss, auf \u201esimplistic poems\u201c zur\u00fcckzugreifen,<a title=\"\" href=\"#_edn39\">[39]<\/a> die lediglich unter R\u00fccksichtnahme auf deren Unterhaltungswert entstanden sind. Der zeitgen\u00f6ssische Spoken-Word-Text muss wie jedes andere Konsumgut konzipiert sein, das sich unter den Bedingungen der Marktwirtschaft durchsetzen soll.<a title=\"\" href=\"#_edn40\">[40]<\/a> Zwar m\u00fcssen Werbung, Marketing, Produktpackung und Image zum Kauf anregen, doch die Qualit\u00e4t und Funktion des gekauften Produkts m\u00fcssen letztendlich auch \u00fcberzeugen. Daher gelingen vor allem Texte, denen ein \u201edoppelkodierter\u201c Charakter zugrunde liegt. Urspr\u00fcnglich von Charles Jencks auf die postmoderne Architektur angewandt, weist dieser Begriff auf jene designspezifischen Eigenschaften, die das postmoderne Geb\u00e4ude gleichzeitig zumindest zwei Bev\u00f6lkerungsschichten ansprechen lassen: \u201eArchitekten und eine engagierte Minderheit\u201c sowie auch \u201edie breite \u00d6ffentlichkeit oder die Bewohner am Ort, die sich mit Fragen des Komforts, der traditionellen Bauweise und ihrer Art zu leben befassen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn41\">[41]<\/a><\/p>\n<p>Mit seinen Texten stellt sich\u00a0 B\u00f6ttcher \u00e4hnliche Anspr\u00fcche, die bei der schreibtechnischen Umsetzung seiner poetisch-kommunikatorischen Zielsetzung Pate stehen. Wie Shakespeare, den B\u00f6ttcher als seinen \u201eSuper-Held[en] in Sachen performter popul\u00e4rer Poesie\u201c mehrfach erkl\u00e4rt hat, m\u00f6chte er \u201evielschichtig[e] Geschichten f\u00fcrs vielschichtige Publikum\u201d schreiben und auff\u00fchren.<a title=\"\" href=\"#_edn42\">[42]<\/a> Seine Texte sollen sowohl ein \u201eeinfaches Publikum [&#8230;] erreichen, was bei Shakespeare die Groundlings\u201c waren, als auch \u201edie kulturell anspruchsvollen [&#8230;] auf einer anderen Ebene des Textes.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn43\">[43]<\/a><\/p>\n<p>B\u00f6ttcher m\u00f6chte jedoch nicht nur ein vielschichtiges Publikum ansprechen, vielmehr ist er bem\u00fcht, die vielschichtigen Anspr\u00fcche jedes <em>einzelnen<\/em> Zuh\u00f6rers zu befriedigen, also dem \u201edoppelten Anspruch\u201c des Publikums Gen\u00fcge zu tun, und \u201ezwar den Anspruch auf Anspruch und den Anspruch auf Spa\u00df.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn44\">[44]<\/a> In einem Interview mit Marcus Weber f\u00fcr <em>Deutschlandradio<\/em> geht B\u00f6ttcher explizit auf die Doppelkodiertheit seiner Texte ein:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Ein Gedicht hat eine \u00e4u\u00dfere H\u00fclle und einen inneren Kern. Und zun\u00e4chst, von au\u00dfen, muss es glitzern und funkeln und Energie verspr\u00fchen. Nur dann kann es einen Zuh\u00f6rer verf\u00fchren, auch sein Inneres zu entdecken.<a title=\"\" href=\"#_edn45\">[45]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daraus geht hervor, dass die \u00e4u\u00dfere H\u00fclle des Gedichts paradoxerweise ein wichtiger Bestandteil des poetischen Produkts und zugleich die Werbung daf\u00fcr ist. Als Werkzeug der Werbung erf\u00fcllt die lyrische Form zwei Hauptfunktionen: Beeinflussung und Kommunikation.<a title=\"\" href=\"#_edn46\">[46]<\/a> Als Kommunikation hat die Werbung weitere (sich oft \u00fcberschneidende) Teilfunktionen: Abgesehen von einer reinen Unterhaltungsfunktion erf\u00fclle, so Golonka, die Werbung eine Bekanntmachungs-, eine Informations-, eine Suggestions-, eine Image-, und eine Erinnerungsfunktion.<a title=\"\" href=\"#_edn47\">[47]<\/a> Als Bekanntmachungsmittel macht die Werbung auf das poetische Ganze aufmerksam: Lauthals soll sie die Ankunft des Texts am literarischen Markt melden. Doch in einer informationsges\u00e4ttigten Gesellschaft droht jede (selbst lauthals proklamierte) neue poetische Bekanntmachung in einer \u201eproliferation of competing voices and messages,\u201c\u00a0 die sich gegenseitig \u00fcbert\u00f6nen, verzerren oder aufheben, unterzugehen.<a title=\"\" href=\"#_edn48\">[48]<\/a> Direkt erfahrbar ist dieses Merkmal der heutigen Generation im Wirrwarr der Literaturmesse, auf der Autorenstimmen miteinander um die Aufmerksamkeit des Publikums konkurrieren. Der problembehafteten Aufgabe, im Trubel der Messe die Lyrik \u201ean den Mann oder an die Frau\u201c zu bringen, steht B\u00f6ttcher mit seinem Textbox-Projekt direkt gegen\u00fcber:<a title=\"\" href=\"#_edn49\">[49]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Die Textbox erinnert optisch an eine DJ-Box. Der Dichter steht hinter Plexiglas. Per Kopfh\u00f6rer kann das au\u00dfenstehende Publikum der Lyrik in Studioqualit\u00e4t lauschen. Selbst im lauten und hektischen Umfeld k\u00f6nnen sich die Zuschauer auf jede Silbe einlassen. [&#8230;] Da funktioniert die Textbox als universeller Adapter f\u00fcr Poesie in einer \u201apoesiefeindlichen\u2019 Umgebung.<a title=\"\" href=\"#_edn50\">[50]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Marktschreier, der die Aufmerksamkeit des Publikums durch Lautst\u00e4rke zu erregen versucht, bietet der Textbox-Dichter seine Texte nicht lautstark feil, sondern durch eine umgekehrte Werbetechnik versucht er vielmehr, sich optisch und auditiv von der Konkurrenz abzuheben und so einen \u201eSog\u201c zu erzeugen.<a title=\"\" href=\"#_edn51\">[51]<\/a> Somit wirkt die Textbox mitgestaltend an der \u201eglitzern[den], funkeln[den] und Energie verspr\u00fchen[den]\u201c \u00e4sthetischen \u201eH\u00fclle\u201c des Gedichts,<a title=\"\" href=\"#_edn52\">[52]<\/a> die nicht nur f\u00fcr den poetischen Text wirbt, sondern auch als ihr r\u00e4umlicher Austragungsort einen grunds\u00e4tzlichen Bestandteil des poetischen \u201eGesamtkunstwerkes\u201c ausmacht, das aus sowohl \u201egesprochen[em] Wort\u201c als auch \u201eSzene, Raum und Klangwirkung\u201c besteht.<a title=\"\" href=\"#_edn53\">[53]<\/a><\/p>\n<p>Als Informationsvermittler weist die Werbung auf weitere \u201eProdukteigenschaften.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn54\">[54]<\/a> Hierf\u00fcr sorgen u.a. visuelle und akustische Aspekte des Gesamtkunstwerks, die die formal-strukturelle Gestalt des \u201emitgelieferten\u201c Texts zutage treten lassen, und inhaltliche Botschaften verst\u00e4rken. F\u00fcr sein \u201eText-, H\u00f6r- und Filmbuch,\u201c <em>Die Poetry-Slam-Expedition<\/em>, inszenierte B\u00f6ttcher z.B. zwei seiner j\u00fcngsten Texte als so genannte \u201ePoetry-Clips.\u201c Besonders auff\u00e4llig an der Inszenierung von \u201eDran glauben\u201c ist der Beitrag von sich regelm\u00e4\u00dfig wiederholenden szenischen bzw. filmischen Elementen zum formalen (Werbe-)Charakter des Werkes und folglich auch zur dessen Rezeption. Indem dem Publikum hier der R\u00fcckgriff auf einen strukturgebenden Schrifttext fehlt, bieten derartige filmische Mittel hilfreiche Hinweise zur Gliederung und zum mnemonischen Festhalten der poetischen Informationen. W\u00e4hrend auf der Makroebene die Aufteilung des Texts in Strophe und Refrain durch Schnitte, Soundeffekte, Perspektive, Farbe und Tonqualit\u00e4t unterstrichen wird, sorgt auf der Mikroebene eine Reihe ausgefeilter filmischer Mittel f\u00fcr die sinnliche \u00dcbertragung der texteigenen Struktur. Schnitte (in untenstehender Wiedergabe der dritten Strophe durch das Zeichen | markiert) heben nicht nur die Gliederung formaler Elemente hervor, sondern sie dienen auch zur Unterstreichung und folglich auch zur Rezeption der mehrdeutigen inhaltlichen Gegen\u00fcberstellungen, die die zweite H\u00e4lfte jeder Strophe ausmachen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Ware | gibt\u2019s Werbung. |<\/p>\n<p>zum Blondieren | die F\u00e4rbung, |<\/p>\n<p>zum Traum | gibt\u2019s die Deutung, |<\/p>\n<p>zum Gl\u00fcck gibt\u2019s | die T\u00e4uschung |.<a title=\"\" href=\"#_edn55\">[55]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Live-Performances spielen visuell- und akustisch-formale Elemente wie\u00a0 Handgestik, Lautst\u00e4rke, Betonung und Vortragstempo ebenfalls wichtige Rollen als Vermittler von formalen und inhaltlichen Informationen des Texts. Somit \u00fcberschneidet sich die Informationsfunktion der Werbung mit deren Suggestionsfunktion, denn anhand dieser vermag die Werbung \u201emit Sprache, Bildern, Farben, [und] Musik [&#8230;] emotionale Kr\u00e4fte frei[zusetzen],\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn56\">[56]<\/a> die zur Entstehung einer Stimmung beitragen, die wiederum den inhaltlichen \u201einneren Kern\u201c des Texts unterst\u00fctzt und ihm einen semantischen Mehrwert verleiht. Dass besonders im nicht deutschsprachigen Ausland B\u00f6ttcher bem\u00fcht ist, jeglichen potenziellen semantischen Verlust mit einer breiten Palette an \u201eWerbetechniken\u201c wettzumachen, die eine eindeutige Suggestionsfunktion erf\u00fcllen, geht z.B. aus der Pressemitteilung des \u201eStockholmer Poesifestival\u201c(2007) deutlich hervor:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>[B\u00f6ttcher\u2019s] aesthetics can be described as a fusion of genres, the performances are illustrated by video projections [\u2026]. Bas B\u00f6ttcher regards his texts as \u201csensuous occurrences. They occur at discotheques, libraries, stages, in literature and at festivals\u201d. The performance on stage has a central place in his poetry making and he emphasizes tone, rhythmic and lingual dynamics as essential elements to create an atmosphere and frame of mind. We will see him in a performance accompanied by picture projections and sound art.<a title=\"\" href=\"#_edn57\">[57]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Interview mit Maike Lipczinsky deutet B\u00f6ttcher selber auf die stimmungschaffende Funktion der Sprache:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>wenn ich mehr sanfte W\u00f6rter w\u00e4hle, die nicht so persekutiv sind, dann erziele ich auch eine geschmeidige Stimmung, genauso wie wenn ich dann Passagen habe wie \u201eplus pausenlosen Basspuls ins Publikum pumpen;\u201c das ist mehr eine persekutive Sprache, da hat man pointierte W\u00f6rter und vermittelt auch wieder eine Stimmung, gleichzeitig sprechen sie auch wieder f\u00fcr sich.<a title=\"\" href=\"#_edn58\">[58]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders jene Art von \u201everschachtelten und \u00fcberaus am\u00fcsanten Satzkaskaden voller Assonanzen und Stabreime\u201c schafft B\u00f6ttcher seinen nachhaltigen Ruf als \u201eSprachakrobaten.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn59\">[59]<\/a> Diese image-sch\u00f6pfende Funktion der Werbung sorgt des Weiteren daf\u00fcr, dass das daf\u00fcr geworbene lyrische Produkt sich von seinen Konkurrenten am heutigen Konsummarkt abhebt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hat die Werbung eine Erinnerungsfunktion, indem sie sich so gestaltet, dass sie der Zielgruppe durch das mehrfache Wiederholen von und innerhalb der Werbebotschaft m\u00f6glichst in Erinnerung bleibt. Hier wirkt die vielfache, format\u00fcbergreifende Ver\u00f6ffentlichung seiner Texte besonders effektiv. Texte wie z.B. \u201eNach dem Loop: Leben;\u201c \u201eLiebeserkl\u00e4rung an eine Chinesin;\u201c und \u201eDran glauben\u201c u.v.a. werden weltweit auf B\u00fchnen, in Schulen und bei Literaturveranstaltungen live performt. Als <em>Youtube<\/em>-clips werden sie jeweils bis zu 15 000 mal im Jahr aufgerufen. Sie kommen ins Fernsehen, werden in Lyriksammlungen und Gedichtb\u00e4nden abgedruckt, und erscheinen auf CDs und DVDs. Als Mp3-Dateien sind sie stets unterwegs: Sie werden heruntergeladen, auf Festplatten gespeichert und per MP3 von einem iPod, iPad, oder Smartphone zum n\u00e4chsten weitergegeben. Somit genie\u00dfen B\u00f6ttchers Texte eine ausgesprochen hohe Marktpr\u00e4senz. Innerhalb der poetischen Werke an sich erf\u00fcllen texteigene, formale Strukturen der \u00e4sthetischen \u00e4u\u00dferen H\u00fclle eine weitere Erinnerungsfunktion. Da B\u00f6ttchers Lyrik \u201edefinitiv f\u00fcr die B\u00fchne\u201c geschrieben wird<a title=\"\" href=\"#_edn60\">[60]<\/a> und sich der m\u00fcndlich vorgetragene Text im Performance-Raum leicht verfl\u00fcchtigen kann, findet B\u00f6ttcher es \u201esinnvoll, wiederholende Elemente einzubauen, weil die Zuh\u00f6rer nicht [&#8230;] noch mal zur\u00fcckspringen k\u00f6nnen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn61\">[61]<\/a> Somit bedient sich B\u00f6ttcher einer breiten Palette an Stilmitteln, die im Grunde auf Wiederholungen von unterschiedlich langen Laut- und Wortelementen basieren.<\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dftes iteratives Element seiner Texte z\u00e4hlt der Refrain, den er aus dem Popbereich entlehnt. Wie in rund der H\u00e4lfte der Texte in <em>Neonomade <\/em>wechseln sich auch in \u201eMerktext\u201c \u00e4hnlich aufgebaute Strophen mit einem gleich bleibenden Refrain ab:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man merkt nichts mehr!<\/p>\n<p>Nichts merkt man mehr!<\/p>\n<p>Und keiner merkt, dass man nichts merkt,<\/p>\n<p>denn keiner merkt mehr, dass da was bemerkenswert w\u00e4r.<a title=\"\" href=\"#_edn62\">[62]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Parallelismen pr\u00e4gen den Charakter vieler seiner Texte. In \u201eDran glauben\u201c z.B. bestehen die Strophen aus 2 Parallelismen: einem 2-zeiligen, in dem nicht nur die ersten f\u00fcnf W\u00f6rter beider Zeilen miteinander \u00fcbereinstimmen, sondern beinahe alle Lauteinheiten (siehe unten); und einem 4-zeiligen, in dem Zeile f\u00fcr Zeile die Form erhalten bleibt und nur die jeweiligen Substantive ausgewechselt werden. Die letzte Zeile jeder Strophe bildet ein wiederkehrendes Element, das den darauf folgenden Refrain vorwegnimmt, und dabei wie ein dazu geh\u00f6render Auftakt wirkt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">H\u00e4ng deine Hoffnung an ein Plasti<\/span>k<span style=\"text-decoration: underline\">sch<\/span>w<span style=\"text-decoration: underline\">ein <\/span>m<span style=\"text-decoration: underline\">ade in<\/span> T<span style=\"text-decoration: underline\">ai<\/span>w<span style=\"text-decoration: underline\">an,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">h\u00e4ng deine Hoffnung an ein P<\/span>f<span style=\"text-decoration: underline\">lasters<\/span>t<span style=\"text-decoration: underline\">ein<\/span> und <span style=\"text-decoration: underline\">a<\/span>n<span style=\"text-decoration: underline\">dern<\/span> Kl<span style=\"text-decoration: underline\">ein<\/span>kr<span style=\"text-decoration: underline\">am.<\/span><\/p>\n<p>Zur Show gibt es Kitsch,<\/p>\n<p>zum Popstar das Image,<\/p>\n<p>zur Sch\u00f6nheit die Br\u00e4unung,<\/p>\n<p>zum Gl\u00fcck gibt\u2019s die T\u00e4uschung.<a title=\"\" href=\"#_edn63\">[63]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere auf Wiederholung beruhende Stilmittel sind hier ebenfalls vorhanden: Binnenreim, Endreim, Assonanz und Alliteration tragen alle zur berechenbaren Regelm\u00e4\u00dfigkeit der Strophe bei. Derartige Wiederholungen dienen, so Ruth Crosby, der Rezeption einer solchen inh\u00e4rent fl\u00fcchtigen literarischen Kommunikationsform, indem sie der Sprache Struktur und Koh\u00e4renz verleihen.<a title=\"\" href=\"#_edn64\">[64]<\/a> Leicht begreifliche auditive Muster spielen seit jeher eine rezeptions- und folglich reflektionsf\u00f6rdernde Rolle in der oralen Dichtung, indem sie, so Dana Gioia, eine erh\u00f6hte Zuh\u00f6reraufmerksamkeit erzielen und zur mnemonischen Speicherung der aufgenommenen Informationen beitragen.<a title=\"\" href=\"#_edn65\">[65]<\/a> Walter Ong betont ebenfalls die mnemonische Rolle metrischer Muster in der oralen Dichtung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>to solve effectively the problem of retaining and retrieving carefully articulated thought, you have to do your thinking in mnemonic patterns, shaped for ready oral recurrence. Your thought must come into being in heavily rhythmic, balanced patterns, in repetitions or antitheses, in alliterations and assonances, in epithetic and other formulary expressions, in standard thematic settings [\u2026], in proverbs which are constantly heard by everyone so that they come to mind readily and which themselves are patterned for retention and ready recall, or in other mnemonic form. Serious thought is intertwined with memory systems.<a title=\"\" href=\"#_edn66\">[66]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erfolgt die formale \u201eEigenwerbung\u201c eines m\u00fcndlich vorgetragenen Gedichts, indem sie die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Anwesenheit des lyrischen Produkts am poetischen Markt erweckt, so kann sie \u201eeinen Zuh\u00f6rer verf\u00fchren, auch [das Innere des Gedichts] zu entdecken.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn67\">[67]<\/a> Dieses fundamentale Prinzip der Werbung ist im Grunde auch jene Funktion der Form, die, nach Kirk Pillow, aus Kants <em>Kritik der Urteilskraft<\/em> hervorgehe: \u201ebeautiful form renders reflection upon content possible. [&#8230;] beauty induces reflection.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn68\">[68]<\/a> L\u00e4sst man sich jedoch von der \u201esch\u00f6nen\u201c lyrischen Werbung \u201everf\u00fchren,\u201c so muss auch die Qualit\u00e4t des daf\u00fcr geworbenen Produkts \u00fcberzeugen. Folglich darf das Gedicht nicht nur \u201eappetitlich\u201c ausschauen: Vielmehr muss der K\u00e4ufer nahrhafte Inhalte im \u201einneren Kern\u201c des poetischen Produkts vorfinden, die ihm \u2013 in den Worten von Jan Wagner \u2013 nicht \u201emit knurrendem Magen nach Hause geh[en]\u201c lassen.<a title=\"\" href=\"#_edn69\">[69]<\/a><\/p>\n<p>An dieser Stelle kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zur\u00fcck, und zwar zur Frage nach der \u00dcbereinstimmung von Form und Inhalt in den Texten von Bas B\u00f6ttcher. Inhaltlich befassen sich seine Texte nicht selten mit den formalen Eigenschaften des Konsummarkts und dessen Produkten. In \u201eReklame\u201c wird z.B. das Verh\u00e4ltnis zwischen Werber, Werbung und Umworbenem thematisiert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Werben und umworben werden<\/p>\n<p>Ein altes beliebtes Spiel<\/p>\n<p>Komm her zu mir, mein Sonnenschein<\/p>\n<p>Persil, Persil, Persil.<a title=\"\" href=\"#_edn70\">[70]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das \u00dcberschreiben des Texts mit \u201eReklame\u201c liefert nicht nur einen Hinweis auf das thematische Anliegen des Gedichts, sondern es legt auch zugleich eine intendierte Bezeichnung des gesamten darauf folgenden, lyrischen Gegenstands nahe, und zwar die Gleichsetzung von Gedicht und Reklame. Denn formal gestalten sich Gedichte wie jedes andere daf\u00fcr geworbene Konsumprodukt am heutigen Markt: Sie sind \u201eattraktiv im Sinne von anziehend\u201c verpackt, so dass ihre \u00c4sthetik ihnen einen effektiven Marktzutritt versichert.<a title=\"\" href=\"#_edn71\">[71]<\/a> Somit dient die \u00e4u\u00dfere \u00e4sthetische \u201eH\u00fclle\u201c des zeitgen\u00f6ssischen Sprechgedichts als Transportmittel f\u00fcr den \u201einneren [lyrischen] Kern.\u201c Insofern wird das poetische Werk als Einheit aus Beh\u00e4lter und Inhalt, sowie Transportierendem und Transportiertem konzeptualisiert, was wiederum die Struktur einer weiteren, poesie-theoretischen Metapher entspricht. Mit der Flaschenpostmetapher, einer der g\u00e4ngigsten Tropen einer weit zur\u00fcckreichenden literarischen Tradition, geht oft das Bild eines Schiffbr\u00fcchigen einher, der \u201eseine versiegelte Flasche den Wellen \u00fcbergibt, da\u00df sie sie f\u00fchren zu denen, die den Inhalt vernehmen k\u00f6nnen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn72\">[72]<\/a><\/p>\n<p>So unterschiedlich die Dichter, Schriftsteller und Philosophen sind, die die Flaschenpost-Trope literarisch verwerten, so unterschiedlich sch\u00e4tzen sie auch das Kommunikationspotenzial des Gedichts ein. W\u00e4hrend die einen mit verzweifelter Hoffnung ihre Flaschenpost der Willk\u00fcr eines sturmgepeitschten Ozeans \u00fcbergeben, hegen wiederum andere eine unersch\u00fctterliche Zuversicht, dass ihre poetische Botschaft empfangen wird.<a title=\"\" href=\"#_edn73\">[73]<\/a> Wie dem auch sei, muss der herk\u00f6mmliche Flaschenpostdichter mit der Nachtr\u00e4glichkeit seiner Sendung rechnen, die weder ihren Weg, noch die Dauer bis zu ihrer Auffindung kennt.<a title=\"\" href=\"#_edn74\">[74]<\/a> Milo Dor wie auch seinerzeit Bertolt Brecht nimmt die verz\u00f6gerte Ankunft seiner Flaschenpostsendung in Kauf und richtet sie an k\u00fcnftige Generationen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Es gen\u00fcgte vollkommen, da\u00df irgendein junger Mensch, vielleicht meine Enkelin oder mein Enkel, eines Tages eines meiner Hefte in die Hand nimmt, meine Schrift zu entr\u00e4tseln versucht und dabei nachzudenken beginnt. Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, werde ich alles auf dem Computer abschreiben und eine saubere Diskette hinterlassen. Heutzutage ersetzen Disketten die Flaschenpost.<a title=\"\" href=\"#_edn75\">[75]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Bild eines sesshaften Schriftdichters, der \u201esich in den Elfenbeinturm zur\u00fcckzieh[t],\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn76\">[76]<\/a> und schon in der Brandung seiner sturmumtosten Insel sich von seiner lyrischen Kommunikation trennt, die dann zeitliche und r\u00e4umliche Distanz \u00fcberbr\u00fccken muss, um in die H\u00e4nde eines unbekannten Adressanten zu gelangen, ist der Sprechdichter, der seine poetische Nachricht auditiv-performativ \u00fcbertr\u00e4gt, zur Mitreise verpflichtet. Erst am fremden Ufer trennt sich dieser von der Botschaft. Anstatt nachts vom einsamen Weg seiner Flaschenpost durch einen windgefegten Ozean zu tr\u00e4umen, vermag der zeitgen\u00f6ssische Sprechdichter zuzuschauen, wie seine lyrische Botschaft beim Rezipienten ankommt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>man [setzt] Texte in die Welt [&#8230;], die dann ihre eigenen Wege gehen, [&#8230;] man setzt etwas in die Welt [&#8230;]\u00a0 &#8211; wie so eine kleine Flaschenpost, die man ins Meer wirft und <em>guckt, wo<\/em> sie dann eben ankommt.<a title=\"\" href=\"#_edn77\">[77]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Somit erfolgt der Versand der poetischen Flaschenpost im Hier und Jetzt: Eine Echtzeit-\u00dcbertragung, die vor allem ein intimeres Dichter-Publikum-Verh\u00e4ltnis durch effektive Kommunikation anstrebt. Live vorgetragen, ist der Text, so B\u00f6ttcher, viel direkter und unmittelbarer:<a title=\"\" href=\"#_edn78\">[78]<\/a> Nicht nur die <em>zeitliche<\/em> Distanz zwischen Dichter und Publikum wird auf ein Minimum reduziert, sondern auch der <em>r\u00e4umliche<\/em> Abstand schwindet, so dass die poetische Interaktion in einer \u201eko-pr\u00e4senten Begegnung\u201c erfolgt.<\/p>\n<p>Nach John Urry ist derartige \u201eKo-pr\u00e4senz\u201c notwendig f\u00fcr eine erfolgreiche Kommunikation, denn \u201eFace-to-face conversations are produced, topics can come and go, misunderstandings can be quickly corrected; commitment and sincerity can be directly assessed.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn79\">[79]<\/a> Direkt erfahrbar wird die kommunikative Wirksamkeit der Ko-pr\u00e4senz am Beispiel von B\u00f6ttchers Textbox:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Es entsteht eine Intimit\u00e4t. Der Zuh\u00f6rer ist nur 2-3 Zentimeter vom Sprecher entfernt, alles dazwischen ist elektronisch. Man hat das Mikrofon, und dann eben den Klang der Stimme direkt auf dem Ohr und auf diese Weise kann man eben dem Messe-Besucher auf einmal ins Ohr fl\u00fcstern und da ganz sch\u00f6ne Effekte erzielen und die Poesie eigentlich unter ganz idealen Bedingungen zu Wirkung kommen lassen.<a title=\"\" href=\"#_edn80\">[80]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Stellenwert ko-pr\u00e4senter Begegnungen in B\u00f6ttchers poesietheoretischen Schriften spiegelt sich inhaltlich in vielen seiner literarischen Texte wider. Wie Andrea Bartl in ihrer Einf\u00fchrung zu <em>Transittr\u00e4ume: Beitr\u00e4ge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur<\/em> ausf\u00fchrt, machen viele zeitgen\u00f6ssische Gedichte \u2013 insbesondere Liebesgedichte \u2013 Mobilit\u00e4t und Transitorisches zum Gegenstand.<a title=\"\" href=\"#_edn81\">[81]<\/a> Am Beispiel von Albert Ostermeiers Gedicht \u201ecome together\u201c zeigt Bartl, wie Mobilit\u00e4t \u201ezum Motor der Ausgrenzung und zur M\u00f6glichkeit der Integration\u201c wird.<a title=\"\" href=\"#_edn82\">[82]<\/a> Ebenso wird in B\u00f6ttchers lapidarem Gedicht \u201eIn Bahnen\u201c das Liebesverh\u00e4ltnis durch ein Pendeln zwischen N\u00e4he und Distanz gepr\u00e4gt.<a title=\"\" href=\"#_edn83\">[83]<\/a> Vor allem zeichnet sich die Beziehung zwischen dem Protagonisten und einer Du-Figur durch fehlende Ko-Pr\u00e4senz und ausbleibende Kommunikation aus. Der nomadische Lebensstil des Protagonisten treibt einen trennenden Keil zwischen jenem Berufsreisenden und seiner eher sesshaften, zur\u00fcckbleibenden Geliebten. Kommunikation wird erschwert: Allein f\u00e4hrt der Protagonist \u201eleise nach Hause,\u201c und wenn nach einem kurzen Aufenthalt \u201edie Wagen [&#8230;] nach Pl\u00e4nen aus Bahnh\u00f6fen raus[rollen],\u201c kann auch die Du-Figur nur schweigen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBitte zur\u00fcckbleiben!\u201c<\/p>\n<p>Du schweigend am Gleis<\/p>\n<p>Im riesigen Bahnhof.<a title=\"\" href=\"#_edn84\">[84]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was B\u00f6ttcher hier in den pr\u00e4gnanten Zeilen von \u201eIn Bahnen\u201c skizziert, wird in B\u00f6ttchers Erstlingsroman <em>Megaherz <\/em>(2004), einem Prosatext mit \u201eRap-Poetry-Eruptionen,\u201c genauer ausgearbeitet.<a title=\"\" href=\"#_edn85\">[85]<\/a> Der Klappentext schildert die Protagonisten, Linus und Ariane:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>[Sie] sind Vielflieger im siebten Himmel. Er ist international gebuchter DJ, sie Stewardess mit besonderen Aufgaben. Sie treffen sich, so oft es geht, in verschiedenen Metropolen der Welt. Doch die Sehnsucht nach einander wird durch die h\u00e4ufigen Trennungen zu gro\u00df.<a title=\"\" href=\"#_edn86\">[86]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Roman beginnt mit einem allzu kurzen Augenblick der ersehnten physischen Ko-Pr\u00e4senz des DJs Linus Th\u00fcrmer und der Flugbegleiterin Ariane Szygety. Doch derartige Begegnungen erfolgen nur selten, so dass die Protagonisten die fehlende physische Ko-Pr\u00e4senz durch \u201eTeleliebe\u201c <em>virtuell <\/em>erg\u00e4nzen m\u00fcssen (S. 19). Anhand der modernen Mobiltelekommunikation verschaffen sie sich \u201ene LiveSchaltung\u201c zueinander, wobei Linus \u201eim Elektronenfluss mit HyperPulsFrequenz \/ unbegrenzt und ungebremst in [Arianes] H\u00f6rmuschel zum Telekuscheln\u201c kommt (S. 19). Obwohl sich \u201eoffensichtlich zich Lichtjahre Luftlinie trenn,\u201c bleiben sie \u201ebeide tight wie Barbie und Ken\u201c (S. 19). Doch diese anf\u00e4ngliche Zuversicht m\u00fcndet im Laufe des Romans in Zweifel und Frust: \u201eDie st\u00e4ndige Distanz zwischen mir und Ariane ging mir auf die Nerven. [&#8230;] Es musste im Zeitalter der Echtzeit\u00fcbertragungen doch irgendwie m\u00f6glich sein, \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernungen hinweg absolut eng zusammenzubleiben\u201c (S. 45). Auf Dauer erweist sich jene virtuelle Kommunikation als kein zuverl\u00e4ssiger Ersatz f\u00fcr die physische Ko-Pr\u00e4senz, denn nicht immer gelingt es Linus, eine Live-Verbindung zu seiner Geliebten herzustellen. Hebt Ariane z.B. nicht ab, so muss sich Linus \u201edamit zufrieden [geben], [s]einen poetischen Erguss auf ihrer Voice-Mailbox zu entladen,\u201c und somit seine lyrische Liebesbotschaft verz\u00f6gert zu \u00fcbermitteln (S. 18). Charakteristisch f\u00fcr derartige soziale Interaktionen, denen eine <em>face-to-face<\/em> Kommunikation fehlt und folglich auch der \u201eaccess to the eyes of the other\u201d ist der allm\u00e4hliche Abbau von Intimit\u00e4t und vor allem Vertrauen.<a title=\"\" href=\"#_edn87\">[87]<\/a> Dies zeigt sich in der Entscheidung des Protagonisten, sich in Arianes Mailbox \u201ereinzuhacken,\u201c um \u201csie einfach von ner anderen Seiten kennen [zu lernen]\u201c (S. 35).<\/p>\n<p>Gegen Ende des Romans bem\u00fchen sich die Protagonisten um eine R\u00fcckgewinnung der N\u00e4he: Sie tauschen\u00a0 eine voneinander unabh\u00e4ngige, und daher distanzschaffende Mobilit\u00e4t, die ihre Beziehung bislang pr\u00e4gte, gegen einen gemeinsamen, distanz<em>\u00fcberbr\u00fcckenden<\/em> und kommunikationsf\u00f6rdernden Nomadismus ein. Die gleiche Motivation pr\u00e4gt B\u00f6ttchers Versuch, performte Lyrik unter \u201eidealen Bedingungen\u201c zu Wirkung kommen zu lassen.<a title=\"\" href=\"#_edn88\">[88]<\/a> In ko-pr\u00e4senten Begegnungen kann er an das Publikum eine Lyrik direkt \u00fcbermitteln, die er als Konsumgut vermarktet. Als Einheit aus Werbung und daf\u00fcr geworbener Ware dient das lyrische Werk nicht nur als \u00e4sthetisches Mittel zur Beeinflussung der \u201eKaufentscheidung,\u201c sondern auch als vielseitiges Produkt, das die Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche der lyrischen Verbraucher nachhaltig befriedigen kann.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. <em>Dies ist kein Konzert<\/em>. Dresden &amp; Leipzig: Voland &amp; Quist, 2006. S. 18. Print &amp; Audio CD.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Alexander, Constantin. \u201eMassenerfolg Poetry Slam: Dichter dran am Kommerz<em>.<\/em>\u201c <em>Spiegel Online<\/em> 8. April 2009. Web. 4. August 2010.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> B\u00f6ck, Ingrid. \u201eDie Freuden des jungen B.\u201c <em>Focus Magazin<\/em> 38 (1999) 20. September 1999. Web. 3. Februar 2011.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Flentner, Kersten. \u201eDie laute Lyrik.\u201c <em>Hannoversche Allgemeine Zeitung<\/em> 22. Aug. 2000: Feuilleton. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> L\u00fcbbert, Sophie. \u201eShakespeare war gut.\u201c <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> 24. Apr. 2009. Web. 27. Mai 2011.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> \u201eBas B\u00f6ttcher: Pop-Poetry-Pioniere.\u201c <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> 9. Dezember 2009. Web. 11. Mai 201.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Anders, Petra. \u201eLyrik des Augenblicks \u2013 der Live-Poet Bas B\u00f6ttcher.\u201c <em>Deutschunterricht <\/em>6 (2007): 46-51. S. 47. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. \u201eMal eben \u00fcberschlagen.\u201c <em>Bas B\u00f6ttcher.<\/em> <em>Poetry Slam Expedition<\/em>.<em> <\/em>Hrsg. Peter Bekes und Volker Frederking. Braunschweig: schroedel, 2009. 60-65. Print, Video-DVD, Audio-CD.<\/p>\n<p>S. 60-63. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Nach Aldous Huxley ist \u201eAdvertising [&#8230;] one of the most interesting and difficult of modern literary forms.\u201c Zitiert nach Hayakawa, Samuel Ichiye. \u201eAds, like poetry, use rhythm, ambiguity to sway us: Hayakawa.\u201c <em>Advertising Age<\/em> 19. Aug. 1974: 36. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Hayakawa. \u201eAds, like poetry, use rhythm, ambiguity to sway us.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> Hayakawa, Samuel Ichiye. <em>Language in Thought and Action<\/em>. 4th ed. New York: Harcourt Brace Jovanovich, 1978. S. 238. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> L\u00fcbbert. \u201eShakespeare war gut.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. <em>Neonomade.<\/em> Dresden &amp; Leipzig: Voland &amp; Quist, 2009. S. 8. Print &amp; Audio-CD.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 7.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 8.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> Reith, Reinhold. \u201eEinleitung.\u201c <em>Luxus und Konsum: Eine historische Ann\u00e4herung<\/em>. Hrsg. Reinhold Reith, und Torsten Meyer. M\u00fcnster: Waxmann, 2003. 9-27. S. 11. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Reith. \u201eEinleitung.\u201c S. 10.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> Reith. \u201eEinleitung.\u201c S. 12.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 8.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade. <\/em>S. 22. Vgl. Lamb, Charles W., Joseph F. Hair Jr., und Carl McDaniel. <em>Essentials of Marketing<\/em>. Mason, OH: Cengage, 2009. S. 288. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 8, Z. 4.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em> S. 8. Z. 5; S. 11, Z. 14.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\">[23]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em> 22. Z.\u00a0 6-15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Lamb, Hair und McDaniel. <em>Essentials of Marketing. <\/em>S. 12.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Epstein, Joseph. \u201eWho killed Poetry?\u201c <em>Commentary <\/em>86.2 (1988): 13-20. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> Gioia, Dana. \u201eCan Poetry Matter?\u201c <em>Atlantic Monthly<\/em> (Mai 1991): 94-106. S. 94. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Epstein. \u201eWho killed Poetry?\u201c S. 15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Larkin, Philip. <em>Required Writing: <\/em><em>miscellaneous pieces, 1955-1982.<\/em> London: Faber &amp; Faber, 1983. S. 81. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\">[29]<\/a> Patzak, Rayl. \u201eDer Siegeszug der lebenden Gedichte. Die Entwicklung des Poetry Slams in den USA und dem Rest der Welt.\u201c <em>Poetry Slam: Was die Mikrofone halten<\/em>.<em> <\/em>Hrsg. Ko Bylanzky und Rayl Patzak. Riedstadt: Ariel, 2000. S. 135. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Conniff, Richard. \u201cPlease audience, do not applaud a mediocre poem.\u201d <em>Smithsonian Journal<\/em> 23.6 (1992): 77-86. S. 78. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. \u201eWeil du gemeint bist, Oma \u2013 Interview mit dem WDR-Poetry-Slam-Moderator J\u00f6rg Thadeusz\u201c 26. April 2007. Web. 9. M\u00e4rz 2011. Vgl. Sherry, John F., und John W. Schouten. \u201eA Role for Poetry in Consumer Research.\u201c <em>Journal of Consumer Research<\/em> 29 (2002): 218-234. S. 218. Print: \u201eAfter languishing through the 1970s and 1980s as a neglected genre, poetry is reemerging as a voice of the people in places as diverse as caf\u00e9s, personal Web sites, public buses and subways, state fairs, and presidential inaugurations.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Gioia, Dana. <em>Disappearing Ink: Poetry at the End of Print Culture<\/em>. Saint Paul: Graywolf Press, 2004. S. 3. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Korte, Hermann. <em>Deutschsprachige Lyrik seit 1945.<\/em> Stuttgart: J.B. Metzler, 2004. S. 257-258. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\">[34]<\/a> Gioia. <em>Disappearing Ink<\/em> 20.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\">[35]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. \u201eAusgesprochen wirksam! Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Wiederentdeckung der akustischen Dimension von Dichtung.\u201c <em>Jahrbuch der Lyrik 2005.<\/em> Hrsg. Christoph Buchwald und Michael Lentz. M\u00fcnchen: Beck, 2004. 159-164. S. 163. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\">[36]<\/a> Zumthor, Paul. <em>Oral Poetry: An Introduction<\/em>. Minneapolis: UMP, 1990. S. 4. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\">[37]<\/a> B\u00f6ttcher. \u201eAusgesprochen wirksam!\u201c 163-4.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\">[38]<\/a> B\u00f6ttcher. \u201eAusgesprochen wirksam!\u201c 164.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\">[39]<\/a> Middleton, Peter. <em>Distant Reading: Performance, Readership, and Consumption in Contemporary Poetry.<\/em> Tuscaloosa, Alabama: University of Alabama, 2005. S. 27. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\">[40]<\/a> Stewart, Bill. <em>Packaging as an Effective Marketing Tool.<\/em> Leatherhead, UK: CRC, 1996. S. 79. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\">[41]<\/a> Jencks, Charles. \u201eDie Sprache der postmodernen Architektur.\u201c <em>Wege aus der Moderne<\/em>. Hrsg. W. Welsch. Weinheim: VCH Acta humaniora, 1988. 85-94. S. 85. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\">[42]<\/a> B\u00f6ttcher. \u201eMal eben \u00fcberschlagen;\u201c vgl. Badger, Billy. \u201e\u00bbDer Anspruch auf Anspruch und der Anspruch auf Spa\u00df\u00ab Postmoderne Z\u00fcge in Bas B\u00f6ttchers literarischem Programm.\u201c <em>Neophilologus<\/em> 94 (2010): 317-332. S. 322. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\">[43]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview. \u201eDen Versen auf den Fersen: Poesie ist machbar, Herr Nachbar! Welttag der Poesie.\u201d <em>Deutschlandradio Kultur<\/em> 21. M\u00e4rz 2007. Web. 2. Nov. 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\">[44]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. \u201eNeugier gen\u00fcgt\u201c 1. Feb. 2007. Web. 26. Apr. 2007; vgl. Badger. \u201eDer Anspruch auf Anspruch und der Anspruch auf Spa\u00df.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\">[45]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Marcus Weber. \u201eVom Rapper zum Poeten\u201c 2006. Web. 1. Nov. 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\">[46]<\/a> Golonka, Joanna. <em>Werbung und Werte: Mittel ihrer Versprachlichung im Deutschen und im Polnischen.<\/em> Wiesbaden: VS, 2009. S. 23. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\">[47]<\/a> Golonka. <em>Werbung und Werte.<\/em> S. 23.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\">[48]<\/a> Leeder, Karen. \u201eThe Address of German Poetry.\u201c <em>German Life and Letters <\/em>60.3 (2007): 277-293. S. 292. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\">[49]<\/a> Brunke, Timo. Interview mit Arte TV. \u201eInterview mit dem Performance-Poeten Timo Brunke. Der Dichter im Terrarium\u201c 23. M\u00e4rz 2007. Bekes und Frederking. <em>Poetry Slam Expedition<\/em> S. 78.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref50\">[50]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Axel Krommer und Petra Anders. \u201eInterview mit Bas B\u00f6ttcher.\u201c <em>Deutschunterricht<\/em> 6 (2007): 49. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref51\">[51]<\/a> Brunke. Interview mit Arte TV. Bekes und Frederking. <em>Poetry Slam Expedition.<\/em> S. 78.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref52\">[52]<\/a> B\u00f6ttcher. Interview mit Marcus Weber.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref53\">[53]<\/a> Bertschi, Stefan, und Ingo Starz, Hrsg. Einlageheft. <em>Anna Blume trifft Zuckmayer: 60 legend\u00e4re Dichter in Originalaufnahmen.<\/em> M\u00fcnchen: H\u00f6rverlag, 2004. S. 72. Print. Vgl. Zumthor 60.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref54\">[54]<\/a> Golonka. <em>Werbung und Werte. <\/em>S. 23.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref55\">[55]<\/a> Bekes und Frederking. <em>Poetry Slam Expedition. DVD<\/em>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref56\">[56]<\/a> Golonka. <em>Werbung und Werte<\/em>. S. 23.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref57\">[57]<\/a> \u201eBas B\u00f6ttcher.\u201d Pressemitteilung f\u00fcr das 2007 <a href=\"http:\/\/www.00tal.com\/poesi\/index.html\">Stockholms Poesifestival<\/a>. Kein Datum. Web. 9. Mai 2008.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref58\">[58]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Maike Lipczinsky. \u201eDer Blick aufs Allt\u00e4gliche, aber aus einer etwas anderen Perspektive.\u201c <em>Verbaltr\u00e4ume: Beitr\u00e4ge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur<\/em>. Hrsg. Andrea Bartl. Augsburg: Wi\u00dfner, 2005. 285-299. S. 289. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref59\">[59]<\/a> \u201eBerliner Rap-Poet Bas B\u00f6ttcher in Saarbr\u00fccken. Offizieller Botschafter f\u00fcr das Jahr der Geisteswissenschaften 5. Juli, 14.00 Uhr, B\u00fchne am St. Johanner Markt\u201c kein Datum. Web. 9. Mai 2008.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref60\">[60]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Klaus Thies. \u201eLyrik-Akrobat\u201c 2006. Web. 21. Sept. 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref61\">[61]<\/a> B\u00f6ttcher. Interview mit Maike Lipczinsky. S. 292.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref62\">[62]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 11.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref63\">[63]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 8; Unterstrichen sind hier die Laut\u00fcbereinstimmungen der ersten beiden Zeilen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref64\">[64]<\/a> Crosby, Ruth. \u201cOral delivery in the Middle Ages.\u201d <em>Speculum<\/em> 11 (1936): 88-110. S. 107. Print; Finnegan, Ruth. <em>Oral Poetry<\/em>. Bloomington: Indiana University, 1992. S. 103. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref65\">[65]<\/a> Gioia. <em>Disappearing Ink<\/em>. S. 13.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[66]<\/a> Ong, Walter. <em>Orality and Literacy: The Technologizing of the Word<\/em>. London: Methuen, 1982. S. 34. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref67\">[67]<\/a> B\u00f6ttcher. Interview mit Marcus Weber.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref68\">[68]<\/a> Pillow, Kirk. \u201eForm and Content in Kant\u2019s Aesthetics: Locating Beauty and the Sublime in the Work of Art.\u201c <em>Journal of the History of Philosophy<\/em> 32.3 (1994): 443-459. S. 457. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref69\">[69]<\/a> Wagner, Jan. \u201eVom Pudding: Formen junger Lyrik.\u201c <em>Text + Kritik <\/em>7 (2006): 52-67. S. 64. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref70\">[70]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Dies ist kein Konzert<\/em>. 18.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref71\">[71]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Armin Kratzert. <em>Lesezeichen<\/em>. 6. Juli 2009. Web. 30. Mai 2010.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref72\">[72]<\/a> Arthur Schopenhauer zitiert nach Marwedel, Rainer. \u201eIch warf eine Flaschenpost ins Eismeer der Geschichte.\u201c <em>\u00bbIch warf eine Flaschenpost ins Eismeer der Geschichte\u00ab Essays und Feuilletons (1923-1933). <\/em>Hrsg. Theodor Lessing. Darmstadt: Luchterhand, 1986. 9-51. S. 9. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref73\">[73]<\/a> Badger, Billy. \u201e\u00bbWie so eine kleine Flaschenpost\u00ab: die Flaschenpost-Metapher bei Bas B\u00f6ttcher.\u201c <em>German Studies Review<\/em> 33.1 (2010): 73-92. S. 73. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref74\">[74]<\/a> K\u00f6rte, Mona. \u201eFlaschenpost. Vom \u201aEigenleben\u2019 j\u00fcdischer Erinnerungsarchive.\u201c <em>J\u00fcdische Intellektuelle im 20. Jahrhundert<\/em>. Hrsg. Ariane Huml und Monika Rappenecker. W\u00fcrzburg: K\u00f6nigshausen &amp; Neumann, 2003. 275-296. S. 275. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref75\">[75]<\/a> Dor, Milo. <em>Wien<\/em>, <em>Juli 1999. <\/em>Wien: Zsolnay, 1997. S. 56-57. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref76\">[76]<\/a> Brecht, Bertolt. <em>Bertolt Brecht. <\/em><em>Arbeitsjournal<\/em> 1.<em> <\/em>Frankfurt\/M: Suhrkamp, 1973. S. 406. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref77\">[77]<\/a> B\u00f6ttcher. \u201eNeugier gen\u00fcgt.\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref78\">[78]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Rolf S. Wolkenstein und Ann Kathrin Weldy. <em>ARTE-TV<\/em> 14. Okt. 2007. Web. 27. Mai 2011.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref79\">[79]<\/a> Urry, John. \u201eSocial Networks, Travel and Talk.\u201c <em>British Journal of Sociology<\/em> 54.2 (2003): 155-175. S. 164. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref80\">[80]<\/a> B\u00f6ttcher. \u201eNeugier gen\u00fcgt.\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref81\">[81]<\/a> Bartl, Andrea. \u201eTransitliebe, Transitkunst: Das Thema der Mobilit\u00e4t in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur am Beispiel von Albert Ostermaiers Gedicht <em>come together<\/em>. Zur Einf\u00fchrung in diesen Band.\u201c <em>Transittr\u00e4ume. Beitr\u00e4ge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.<\/em> Hrsg. Andrea Bartl. Augsburg: Wi\u00dfner, 2009. 9-22. S. 12. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref82\">[82]<\/a> Bartl. <em>Transittr\u00e4ume<\/em>. 20; Ostermaier, Albert. <em>Autokino<\/em>. Frankfurt\/Main: Suhrkamp, 2001. S. 14. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref83\">[83]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 23<em>.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref84\">[84]<\/a> B\u00f6ttcher. <em>Neonomade<\/em>. S. 23<em>. <\/em>Z. 13-15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref85\">[85]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. Interview mit Maike Lipczinsky. S. 287.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref86\">[86]<\/a> B\u00f6ttcher, Bas. <em>Megaherz<\/em>. Hamburg: Rotbuch, 2004. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref87\">[87]<\/a> Urry. \u201eSocial Networks, Travel and Talk.\u201c S. 164; vgl. Tully, Claus, J., und Dirk Baier. <em>Mobiler Alltag: Mobilit\u00e4t zwischen Option und Zwang \u2013 Vom Zusammenspiel biographischer Motive und sozialer Vorgaben<\/em>. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, 2006. S. 76. Print.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref88\">[88]<\/a> B\u00f6ttcher. \u201eNeugier gen\u00fcgt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbZur Ware gibt\u2019s Werbung\u00ab Lyrische Werbung und ko-pr\u00e4sente Kommunikation bei Bas B\u00f6ttcher. Werben und umworben werden Ein altes beliebtes Spiel. \u2013Bas B\u00f6ttcher.[1] &nbsp; Seit nahezu 15 Jahren genie\u00dft der vielreisende Sprechdichter Bas B\u00f6ttcher sowohl popul\u00e4ren als auch kritischen Erfolg. 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