{"id":2310,"date":"2012-04-23T09:19:11","date_gmt":"2012-04-23T13:19:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=2310"},"modified":"2021-12-30T14:39:25","modified_gmt":"2021-12-30T19:39:25","slug":"julian-reidy-glossen-34","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-342012\/julian-reidy-glossen-34\/","title":{"rendered":"Julian Reidy"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\"><strong>Mehr als ein \u201aunendlicher Spa\u00df\u2019: Figurationen von David Foster Wallace in Clemens Setz\u2019 Erz\u00e4hlung <em>Kleine braune Tiere<\/em>. Von Interauktorialit\u00e4t, Intertextualit\u00e4t und Selbstmorden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eThe truth is that the hours before a suicide are usually an interval of enormous conceit and self-involvement.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left\" align=\"right\">&#8211; David Foster Wallace<\/p>\n<p align=\"right\"><em>\u201eThis was not an ending anyone would have wanted for him, but it was the ending he chose.\u201c<\/em><\/p>\n<p align=\"right\"><em>&#8211; <\/em>D. T. Max<\/p>\n<p style=\"text-align: left\" align=\"right\">\u00a0Schon bevor sein Erz\u00e4hlband <em>Die Liebe zur Zeit des Mahlst\u00e4dter Kindes<\/em> 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, galt der 1982 geborene \u00f6sterreichische Autor Clemens Setz als \u201ej\u00fcngste Hoffnung der deutschen [sic] Gegenwartsliteratur\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a> oder sogar als deren \u201eHoffnungskind\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn2\">[2]<\/a>. Im gleichen Atemzug wird Setz oft als \u201eNachfolger\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a> des amerikanischen Kultautors David Foster Wallace gehandelt, der sein \u201eVorbild[]\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a> sei<a title=\"\" href=\"#_edn5\">[5]<\/a>. Der vorliegende Aufsatz soll Clemens Setz\u2019 literarische Bezugnahme auf David Foster Wallace anhand einer Erz\u00e4hlung aus <em>Die Liebe zur Zeit des Mahlst\u00e4dter Kindes<\/em> beleuchten, n\u00e4mlich <em>Kleine braune Tiere<\/em>. Zu zeigen ist zum einen, dass und in welcher Weise die Erz\u00e4hlung auf Wallace anspielt. Zum andern soll untersucht werden, wie in <em>Kleine braune Tiere<\/em> der Suizid \u2013 nat\u00fcrlich spezifisch der Suizid des David Foster Wallace, der in Setz\u2019 Erz\u00e4hlung in vielfacher Weise figuriert \u2013 konzeptualisiert wird, und zwar sowohl im Spiegel medialer Reaktionen auf Wallaces Tod als auch anhand von Positionsbez\u00fcgen zweier Personen, die Wallace nahe standen: seines Freundes Jonathan Franzen und seiner Witwe Karen Green. Ausgegangen wird von der Arbeitshypothese, dass Wallaces Freitod in <em>Kleine braune Tiere<\/em> in vielschichtiger, ambivalenter und, wie im Zuge einer sehr kurzen kulturgeschichtlichen Kontextualisierung der Selbstmordproblematik offenbar wird, eben gerade nicht stereotyper Weise reflektiert wird.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung <em>Kleine braune Tiere<\/em>, welche der Rezensent Franz Haas nicht zu Unrecht als \u201ewirkliche[s] Herzst\u00fcck\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn6\">[6]<\/a> des Erz\u00e4hlbands betrachtet,<em> <\/em>handelt vom \u201eGenie\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn7\">[7]<\/a> Marc David Regan. Dieser wurde \u201e1986 in Manchester geboren\u201c und ist ein \u201ebegnadete[r] Universalpoet unter den Spieleprogrammierern\u201c; schon als Kind wollte er \u201eSchriftsteller\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn8\">[8]<\/a> werden, war im vorpubert\u00e4ren Alter bereits literarisch produktiv und studierte dann \u201eMathematik\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn9\">[9]<\/a>. Vor seinem Selbstmord nahm er, im Liebeskummer, \u201evoller Verzweiflung und Selbstmitleid\u201c, die Arbeit an einem \u201eComputerspiel\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn10\">[10]<\/a> namens \u201e<em>Figures in a Landscape<\/em>\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn11\">[11]<\/a><em> <\/em>auf. Das Spiel, \u201esurreal[]\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn12\">[12]<\/a> und grotesk, ist originell und schwierig. Es l\u00f6st schon \u201ekurz nach Erscheinen\u201c im Jahr 2007 \u201einterdisziplin\u00e4re Begeisterungsst\u00fcrme\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn13\">[13]<\/a> aus, und erlangt \u201eungeheuren Einfluss [&#8230;] auf die k\u00fcnstlerischen und intellektuellen Sph\u00e4ren des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn14\">[14]<\/a>. Einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Faszination, welche <em>Figures in a Landscape<\/em> innewohnt, ist laut dem Erz\u00e4hler das mysteri\u00f6se \u201eletzte Level\u201c des Spiels: \u201eBis heute wei\u00df niemand, wie man das letzte Level von <em>Figures in a Landscape<\/em> direkt im Gameplay erreicht. Man bleibt bestenfalls im vorletzten Level stecken [&#8230;]\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn15\">[15]<\/a>. Regan nimmt das Geheimnis des letzten Levels mit ins Grab: Er begeht 2008<a title=\"\" href=\"#_edn16\">[16]<\/a> Selbstmord. Die Erz\u00e4hlung endet mit einem Symposion zu Regan, in dessen Verlauf es zur Kontroverse um das letzte Level kommt. Konrad Lauffer, ein etablierter Regan-Forscher, der gem\u00e4\u00df dem Erz\u00e4hler schon 2007 ein \u201eStandardwerk\u201c mit dem Titel \u201e<em>Kafka, Lynch, Regan<\/em>\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn17\">[17]<\/a> ver\u00f6ffentlicht hatte, glaubt das Mysterium entschl\u00fcsselt zu haben: Im Quellcode von <em>Figures in a Landscape<\/em> verstecke sich ein bislang unentdeckter Abschnitt, der nach der Kompilierung ein neues Level \u2013 vermutlich das sagenumwobene letzte Level \u2013 ergebe, n\u00e4mlich\u00a0einen schmalen Raum mit blauen W\u00e4nden. Der Spieler, erkennbar an den am unteren Rand des Bildschirms schwebenden H\u00e4nden, konnte nicht mehr viel tun, als sich vor und zur\u00fcck zu bewegen. Zu erledigen gab es in dem Raum nichts [&#8230;]. Die Lebensenergie des Spielers in diesem letzten Level war [&#8230;] zu einem grauen Balken erstarrt, der niemals, auch nicht mit der Zeit, abnahm. Es war eine Welt ohne Tod, ein Jenseits, vergleichbar mit dem wei\u00dfen Raum am Ende von Stanley Kubricks Film <em>2001: A Space Odyssey<\/em>, in dem einer der Astronauten wohnt, isst, altert, sich zum Sterben hinlegt und dann wieder aufsteht.<a title=\"\" href=\"#_edn18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Diese Entdeckung wird zun\u00e4chst als Sensation gefeiert. Nach Lauffer aber h\u00e4lt eine amerikanische Musikwissenschaftlerin namens Maggie Phillips, Autorin einer Regan-Biographie, einen Vortrag, in welchem sie eine laut dem Erz\u00e4hler \u201egewagter[e]\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn19\">[19]<\/a> Erkl\u00e4rung f\u00fcr das letzte Level vorbringt: Der \u201eblaue Raum aus dem Programmcode sei zwar ganz interessant, aber es gebe doch eigentlich keinen Beweis daf\u00fcr, dass es sich dabei tats\u00e4chlich um das <em>letzte<\/em> Level handle. Wahrscheinlich sei es lediglich ein Rest, ein fr\u00fches Experiment\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn20\">[20]<\/a>. Phillips liest einen Brief aus der Feder von Regans Freundin vor, die den Toten entdeckt hatte. Der Brief schildert die letzten Stunden des K\u00fcnstlers und seinen Selbstmord:<\/p>\n<blockquote><p>Und da ist er gelegen, alles voller Blut, die sch\u00f6nen neuen blauen Fliesen [im Badezimmer, Anm. v. J. R.], alles voll. Es war furchtbar. [&#8230;] Ich sage Ihnen, Ms. Phillips, alles war voller Blut, sogar der Rattenk\u00e4fig, der offen stand, und die verwirrten Tiere waren am Boden, ganz durcheinander und mit klebrigen Pfoten, denn das Badezimmer, m\u00fcssen Sie wissen, ist ein ganz schmaler Raum, wo die W\u00e4nde einem immer ganz nah sind, egal wo man steht. Nachdem ich begriffen habe, was geschehen ist, ist mir schlecht geworden, und dann bin ich sofort aus der Wohnung gefl\u00fcchtet [&#8230;]. Um auf Ihre Frage zur\u00fcckzukommen: Ja, ich bin immer noch b\u00f6se auf ihn. Er h\u00e4tte das nicht tun sollen, nicht so, auf diese Art. Und wenn ich daran denke, dass er in seiner letzten Stunde lieber seine beschissenen Nager um sich gehabt als mich \u2013 ich sage Ihnen, dann wird mir heute noch schlecht.<a title=\"\" href=\"#_edn21\">[21]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der bislang unbekannte Brief wird auf dem Symposion als \u201e\u201aEntdeckung\u2019\u201c gefeiert, Lauffer ist blamiert und zertr\u00fcmmert vor seiner Abreise \u201eeinige Gegenst\u00e4nde in seinem Hotelzimmer [&#8230;], das \u00fcbliche Programm eben, wie es bei Paradigmenwechseln h\u00e4ufig zu beobachten ist\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn22\">[22]<\/a> \u2013 wobei nicht ganz klar wird, inwiefern diese Schilderung von Regans Todesumst\u00e4nden die Frage nach dem letzten Level beantwortet, beziehungsweise Konrad Lauffers Hypothese vollumf\u00e4nglich entkr\u00e4ftet. \u00dcberhaupt entsteht nicht der Eindruck, dass Maggie Phillips vertrauensw\u00fcrdiger ist als Lauffer. In ihrer Regan-Biographie zitiert sie einmal eine Notiz Regans, die laut dem Erz\u00e4hler in den gesammelten <em>Letters and Journals<\/em> nicht zu finden sei<a title=\"\" href=\"#_edn23\">[23]<\/a>, und der erw\u00e4hnte Brief von Regans Freundin k\u00f6nnte, so argumentieren \u201eZweifler\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn24\">[24]<\/a>, von Phillips fingiert worden sein \u2013 diese Zweifel werden in der Erz\u00e4hlung in der Tat nicht entkr\u00e4ftet. Zudem exzerpiert der Erz\u00e4hler aus dem in Fn. 16 erw\u00e4hnten Sammelband ein Chat-Protokoll, in welchem ein User namens Edgar11 behauptet, einen \u201enarrow blue room filled with little brown animals\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn25\">[25]<\/a> entdeckt zu haben, nachdem er in die Flammen seines brennenden Hauses gesprungen sei \u2013 nur wer den von Phillips zitierten Brief kennt, kann vom \u201enarrow blue room\u201c mit den \u201elittle brown animals\u201c (Regans Ratten) wissen; es ist also nicht ausgeschlossen, dass Phillips unter einem Pseudonym online ihre Thesen zu Regans Tod verbreitete.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: In dieser grotesken und komplexen Erz\u00e4hlung ist David Foster Wallace mehrfach repr\u00e4sentiert. Zun\u00e4chst tritt er in derselben Funktion auf wie in den Rezensionen zu Clemens Setz\u2019 Werk, und zwar als Vorbild. Marc David Regans \u201eMeisterwerk[]\u201c sei, so der Erz\u00e4hler gleich zu Beginn von <em>Kleine braune Tiere<\/em>, f\u00fcr \u201eunsere[] Epoche\u201c ebenso paradigmatisch wie \u201e<em>Ulysses <\/em>f\u00fcr den modernen, <em>Gravity\u2019s Rainbow<\/em> f\u00fcr den postmodernen, <em>Infinite Jest <\/em>f\u00fcr den postpostmodernen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn26\">[26]<\/a> Roman. Ab diesem Punkt aber kommt es zu einer Art Doppelung: Der \u201aechte\u2019 David Foster Wallace mag in der Erz\u00e4hlung als Autor des Romans <em>Infinite Jest<\/em> pr\u00e4sent sein, aber in der Figur des Marc David Regan tritt er auf noch pr\u00e4gnantere Weise in Erscheinung, allerdings in verklausulierter Form. Die Parallelen sind sehr zahlreich. Mit Wallace teilt Regan einen Vornamen. Wie Wallace galt auch Regan schon als Kind als \u201eGenie\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn27\">[27]<\/a> mit vielseitiger Begabung: Der junge Regan wirkt als Dichter und Mathematiker und schlie\u00dflich als Programmierer eines Computerspiels; der junge Wallace war ein begabter Tennisspieler, studierte sp\u00e4ter Englisch und Philosophie, wobei er sich auch mit mathematischen Arbeiten einen Namen machte<a title=\"\" href=\"#_edn28\">[28]<\/a>, und erhielt 1997 ein MacArthur Fellowship. Regan hegt ein gro\u00dfes \u201eMitgef\u00fchl f\u00fcr Tiere\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn29\">[29]<\/a> und stirbt in der Gesellschaft seiner geliebten Ratten (also \u201akleiner brauner Tiere\u2019); Wallace war ein fast schon fanatischer Hundefreund und nahm sich das Leben, w\u00e4hrend er allein mit seinen Hunden zu Hause war<a title=\"\" href=\"#_edn30\">[30]<\/a>. Die Hauptfigur in <em>Figures in a Landscape<\/em> hei\u00dft \u201eJohn Brel\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn31\">[31]<\/a>, \u201e[m]\u00f6glicherweise\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn32\">[32]<\/a>, so der Erz\u00e4hler, in Anspielung auf den S\u00e4nger Jacques Brel, den Regan mochte \u2013 in <em>Infinite Jest<\/em> gibt es einen Charakter namens Michael Pemulis, dessen Namen Wallace h\u00f6chstwahrscheinlich ebenfalls einem Musiker entlehnte<a title=\"\" href=\"#_edn33\">[33]<\/a>. Konrad Lauffers \u201eStandardwerk\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn34\">[34]<\/a> \u00fcber Regan tr\u00e4gt den Titel <em>Kafka, Lynch, Regan<\/em> \u2013 sowohl \u00fcber Franz Kafka als auch \u00fcber David Lynch schrieb Wallace vielbeachtete Aufs\u00e4tze<a title=\"\" href=\"#_edn35\">[35]<\/a>. Zudem stirbt Regan wie Wallace im Jahr 2008 durch Suizid, wobei wie im Falle von Wallace die Leiche von der Lebensgef\u00e4hrtin gefunden wird. Sogar auf einer Meta-Ebene figuriert Wallace im Text: Der Titel von Setz\u2019 Erz\u00e4hlung l\u00e4sst sich n\u00e4mlich nicht nur als Anspielung auf die dem Suizid beiwohnenden Ratten lesen, sondern evoziert auch Wallaces Verlagshaus Little, Brown Books<a title=\"\" href=\"#_edn36\">[36]<\/a>. Das Erbe beider K\u00fcnstler umfasst schlie\u00dflich jeweils ein gigantisches und \u201aschwieriges\u2019 Hauptwerk von \u201eungeheure[m] Einfluss\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn37\">[37]<\/a> \u2013 <em>Figures in a Landscape<\/em>, respektive den in der Erz\u00e4hlung erw\u00e4hnten Roman <em>Infinite Jest<\/em> \u2013, das in der Fachwelt hitzig und kontrovers diskutiert wird. Alles in allem figuriert David Foster Wallace in Setz\u2019 <em>Kleine braune Tiere<\/em> gleichsam als biographisches Subjekt, und zwar in so vielschichtiger und fast schon penetranter Weise, dass man der Erz\u00e4hlung ein hohes Ma\u00df an \u201eInterauktorialit\u00e4t\u201c im Sinne Ina Schaberts attestieren muss: Hier wird in der Tat geradezu eine \u201emenschliche Begegnung zwischen dem in einem gelesenen Text wahrgenommenen Autor und dem Autor eines nachzeitigen Werks\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn38\">[38]<\/a> gestaltet.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein starker intertextueller Konnex zwischen <em>Kleine braune Tiere<\/em> und <em>Infinite Jest<\/em>. Dass die titelgebenden \u201akleinen braunen Tiere\u2019 wom\u00f6glich mit Wallaces Verlag assoziiert sind, wurde bereits erw\u00e4hnt. Mit Wallace \u2013 und spezifisch <em>Infinite Jest<\/em> \u2013 ist aber vielleicht auch die wichtige Rolle der Farbe Blau in Setz\u2019 Erz\u00e4hlung zu erkl\u00e4ren. Denn wie oben erw\u00e4hnt besteht nicht nur das von Konrad Lauffer angeblich entdeckte letzte Level von <em>Figures in a Landscape<\/em> aus einem \u201eschmalen Raum mit blauen W\u00e4nden\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn39\">[39]<\/a>, auch das Badezimmer, in dem sich Regan das Leben nimmt, ist mit \u201esch\u00f6nen neuen blauen Fliesen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn40\">[40]<\/a> ausgestattet. <em>Infinite Jest<\/em> k\u00f6nnte hier als Pr\u00e4text gedient haben: Nicht genug, dass die Farbe Blau in Wallaces Roman geradezu leitmotivisch verwendet wird und dabei konsistent negativ konnotiert ist<a title=\"\" href=\"#_edn41\">[41]<\/a>, auch ein Selbstmordversuch in \u2013 ausgerechnet \u2013 einem blauen Badezimmer wird bei Wallace geschildert. In der betreffenden Szene zieht sich die drogens\u00fcchtige Joelle in Molly Notkins Badezimmer zur\u00fcck, \u201egetting ready to have Too Much\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn42\">[42]<\/a> (und zwar Kokain). Der Fluss au\u00dferhalb des Badezimmers ist dabei \u201evividly blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn43\">[43]<\/a>; \u201epale blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn44\">[44]<\/a> und \u201ebaby-blanket blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn45\">[45]<\/a> ist der Rauch, welcher den \u201echunks\u201c der Droge in der Alufolie entsteigt, und blau ist auch das Badezimmer: Das \u201eintricately grimed electrical outlet\u201c hat den \u201elight sharp tint of a heated sky\u2019s blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn46\">[46]<\/a>, und die Badewanne ist \u201elacquer[ed] in blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn47\">[47]<\/a>. Auch im weiteren Verlauf des Romans ist Blaues negativ besetzt. So wird beispielsweise die grotesk-tragische Geschichte einer Familie erz\u00e4hlt, deren Sohn versehentlich ein Glas \u201eNestl\u00e9[] Quik laced with the sodium cyanide his Dad kept around for ink for drafting\u201c trinkt und sogleich, \u201eblue-faced\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn48\">[48]<\/a>, stirbt. Der Vater findet den Jungen, versucht Mund-zu-Mund-Beatmung, und stirbt seinerseits an den Giftspuren im Mund seines Sohns, ebenfalls \u201ebright blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn49\">[49]<\/a> im Gesicht. So geht das weiter, bis alle anderen Familienmitglieder \u201ekeeled over and blue\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn50\">[50]<\/a> sind. Auch in einem Flashback des zur erz\u00e4hlten Zeit schon toten James Orin Incandenza Jr. spielt die Farbe Blau eine wichtige Rolle: Incandenza erinnert sich daran, wie er 1963 seinem Vater helfen musste, die Gr\u00fcnde f\u00fcr das entnervende Quietschen des elterlichen Ehebetts zu eruieren. Im bemerkenswert blauen Schlafzimmer der Eltern \u2013 \u201eblue carpet\u201c, \u201eblue pillowcases\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn51\">[51]<\/a> \u2013 erleidet der Vater aufgrund seiner nicht n\u00e4her spezifizierten \u201eillness\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn52\">[52]<\/a> einen Schw\u00e4cheanfall. Auch hier ist die Farbe Blau mit Krankheit und Tod assoziiert. Wenig sp\u00e4ter im Roman begegnet ein veritabler \u00dcberfluss von Blauem:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>The following things in the room were blue. The blue checks in the blue-and-black-checked shag carpet. Two of the room\u2019s six institutional-plush chairs [&#8230;]. [&#8230;] [T]wo of the [&#8230;] lamps [&#8230;] were blue [&#8230;]. [&#8230;] The premie violets in an asymmetrical sprig in a tennis-ball-shaped vase on the coffee-table were arguably in the blue family. And also the overenhanced blue of the wallpaper\u2019s sky [&#8230;].<a title=\"\" href=\"#_edn53\">[53]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der beschriebene Raum ist das Wartezimmer vor dem B\u00fcro von Charles Tavis, dem Direktor der Tennisakademie, in welcher gro\u00dfe Teile von <em>Infinite Jest<\/em> spielen. Die Wartenden \u2013 Michael Pemulis und Hal Incandenza \u2013 wurden zum Direktor gebeten, um f\u00fcr bestimmte Missetaten bestraft zu werden. Dieser blaue Raum ist somit ebenfalls der Schauplatz negativer und bedrohlicher Ereignisse. Schlie\u00dflich erlebt Don Gately auf einem Drogentrip \u2013 verursacht durch blaue Pillen<a title=\"\" href=\"#_edn54\">[54]<\/a> \u2013 eine \u00e4u\u00dferst unangenehme Vision: \u201eOne dream consists only of the color blue, too vivid, like the blue of a pool\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn55\">[55]<\/a>.<\/p>\n<p>Schon eine kursorische Durchsicht von <em>Infinite Jest <\/em>(denn es g\u00e4be noch mehr \u201ablaue\u2019 Stellen) zeigt also, dass die Farbe Blau in Wallaces Text oft und jeweils in mehr oder weniger stark negativ konnotierter Weise aktualisiert wird. Die Selbstmordszene in <em>Kleine braune Tiere<\/em> wird so als doppelter Verweis auf Wallace (den Autor) und <em>Infinite Jest<\/em> (sein Werk) begreifbar: Auf der Ebene der Interauktorialit\u00e4t ist es gleichsam David Foster Wallace selbst, der sich in Setz\u2019 Erz\u00e4hlung das Leben nimmt (da Regan mit Wallace assoziiert ist und die Parameter seines Suizids, abgesehen von der Todesart, mit denjenigen von Wallaces Suizid \u00fcbereinstimmen). Auf der Ebene der Intertextualit\u00e4t ist die Suizidszene gem\u00e4\u00df der Wallaceschen \u201aFarbenlehre\u2019 in <em>Infinite Jest <\/em>gestaltet, also im bei Wallace negativ besetzten Blau gehalten \u2013 und zudem ist sie eng an der Schilderung von Joelles Suizidversuch in <em>Infinite Jest<\/em> entlanggef\u00fchrt, der sich ja ebenfalls in einem blauen Badezimmer abspielt.<\/p>\n<p>Die vielf\u00e4ltigen Bez\u00fcge zwischen David Foster Wallace, <em>Infinite Jest<\/em> und <em>Kleine braune Tiere<\/em> sind damit zumindest ansatzweise erkl\u00e4rt. Begriffe man die Erz\u00e4hlung des \u00d6sterreichers als simple verspielte Hommage an das amerikanische Vorbild, so k\u00f6nnte man die Analyse an diesem Punkt denn auch beenden. Aber Setz\u2019 Auseinandersetzung mit Wallace ist vielschichtig, und <em>Kleine braune Tiere<\/em> ist wie \u00fcberhaupt <em>Die Liebe zur Zeit des Mahlst\u00e4dter Kindes<\/em> mehr als nur ein \u201eAbenteuerspielplatz f\u00fcr Germanisten\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn56\">[56]<\/a>. Neben Interauktorialit\u00e4t und Intertextualit\u00e4t ist n\u00e4mlich noch eine weitere Facette von <em>Kleine braune Tiere<\/em> zu untersuchen, und zwar die Art, wie der Suizid von Regan \/ Wallace inszeniert und durch die Erz\u00e4hlinstanz bewertet wird. An dieser Stelle ist daher ein kurzer Exkurs \u00fcber David Foster Wallaces Selbstmord und einige Reaktionen auf diese Tat angebracht. Diese sollen in der Folge mit der Konzeptualisierung des Freitods in <em>Kleine braune Tiere <\/em>verglichen werden.<\/p>\n<p>Nach Wallaces Suizid am 12. September 2008 verliehen Kollegen und Leser zun\u00e4chst ihrem profunden \u201eshock\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn57\">[57]<\/a> Ausdruck, denn der Schriftsteller hatte sich nie \u00f6ffentlich \u00fcber seine schweren Depressionen ge\u00e4u\u00dfert. Erg\u00e4nzt wurde der unmittelbare \u201eshock\u201c zumeist durch Ausf\u00fchrungen \u00fcber Wallaces Genialit\u00e4t und Einzigartigkeit \u2013 die Welt hatte einen besonders wichtigen K\u00fcnstler vor der Zeit verloren, und so trauerte eine Redakteurin, mit der Wallace zusammengearbeitet hatte, den \u201ebooks we\u2019re not going to get to read\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn58\">[58]<\/a> nach, und die Autorin Laura Miller fragte gar ganz grunds\u00e4tzlich: \u201eWhat will we do without him?\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn59\">[59]<\/a> Diese \u00c4u\u00dferungen \u2013 \u201eshock\u201c und Trauer \u00fcber das radikal vernichtete Potenzial des Selbstm\u00f6rders \u2013 entsprechen ungef\u00e4hr dem Reaktionsmuster, das Ursula Baumann in ihrer Studie \u00fcber den Suizid herausarbeitet: Selbstmorde, so Baumann, lassen grunds\u00e4tzlich \u201eviele Fragen offen\u201c und wirken f\u00fcr die Hinterbliebenen immer auch existenziell \u201everst\u00f6rend\u201c (\u201eWhat will we do without him?\u201c), da der Suizidant die \u201eFrage, ob das Leben lebenswert sei, [&#8230;] f\u00fcr sich selbst negativ entschieden\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn60\">[60]<\/a> hat. Topisch an den Reaktionen ist zudem der implizite oder explizite Wunsch, der Suizidant h\u00e4tte noch ein wenig l\u00e4nger durchhalten m\u00f6gen, gekoppelt an die Hoffnung, dass sich dadurch seine Situation ver\u00e4ndert h\u00e4tte: Die erw\u00e4hnte Redakteurin h\u00e4tte sich von Wallace noch weitere B\u00fccher erhofft, und auch der Wunsch von Wallaces Schwester Amy \u2013 \u201eif only he could have held on a little bit longer\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn61\">[61]<\/a> \u2013 f\u00e4llt in dieses Paradigma (allerdings zieht sie diesen Wunsch noch im gleichen Zitat verst\u00e4ndnisvoll zur\u00fcck). Man f\u00fchlt sich an Madame de Sta\u00ebls Diktum erinnert, wonach \u201eder Tugend sich entzieh[t]\u201c, wer \u201esich das Leben [nimmt] im Ungl\u00fcck\u201c, denn diese Handlung hei\u00dft \u201eden Freuden sich entziehen, die diese Tugend uns w\u00fcrde gegeben haben, wenn wir durch ihre H\u00fclfe \u00fcber unsere M\u00fchen gesiegt h\u00e4tten\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn62\">[62]<\/a>. Mit \u00e4hnlichem Duktus kommentierte Bettina Brentano die Selbstt\u00f6tung Karoline von G\u00fcnderrodes:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Nein, es kr\u00e4nkt mich und ich mache ihr Vorw\u00fcrfe [&#8230;], da\u00df sie die sch\u00f6ne Erde verlassen hat; sie h\u00e4tt noch lernen m\u00fcssen, da\u00df die Natur Geist und Seele hat und mit dem Menschen verkehrt und sich seiner und seines Geschicks annimmt und da\u00df Lebensverhei\u00dfungen in den L\u00fcften uns umwehen; ja, sie hat\u2019s b\u00f6s mit mir gemacht, sie ist mir gefl\u00fcchtet, grade wie ich mit ihr teilen wollte alle Gen\u00fcsse.<a title=\"\" href=\"#_edn63\">[63]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr das Bedauern verpasster Chancen und verschwendeten Potenzials angesichts der \u201eharten Faktizit\u00e4t\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn64\">[64]<\/a> des Suizids finden sich also geistes- und literaturgeschichtlich pr\u00e4gnante Beispiele. Stereotyp an den Reaktionen auf Wallaces Selbstmord ist aber auch die Tendenz, den Toten zu verkl\u00e4ren und zu \u00fcberh\u00f6hen. Miller beschw\u00f6rt Wallaces \u201ekindness and generosity\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn65\">[65]<\/a>, auch Ito lobt die \u201ekindness\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn66\">[66]<\/a> des Autors, die Schwester Amy schildert ihn als kinderlieb<a title=\"\" href=\"#_edn67\">[67]<\/a>, Wallaces Agentin Bonnie Nadell bezeichnet ihn als \u201esweet\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn68\">[68]<\/a>, und sie alle betonen, dass diese guten Eigenschaften selbst durch Wallaces schwere psychische Krankheit kaum beeintr\u00e4chtigt worden seien, wodurch der Tote in der Retrospektive nat\u00fcrlich um so \u201akinder\u2019 und \u201asweeter\u2019 erscheinen muss. Wenn man wollte, k\u00f6nnte man hier wiederum auf Madame de Sta\u00ebl verweisen, die schrieb, dass \u201edie gr\u00f6\u00dften Eigenschaften der Seele [&#8230;] durch das Leiden enth\u00fcllt\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn69\">[69]<\/a> werden \u2013 Wallaces Tat, dies implizieren die zitierten Reaktionen, war durchaus vereinbar mit seinen \u201egr\u00f6\u00dften Eigenschaften\u201c, namentlich seinem guten Charakter und seinen herausragenden sch\u00f6pferischen F\u00e4higkeiten. In ihrer Extremform k\u00f6nnte diese wiederum topisch-romantische Sichtweise gar besagen, dass Wallace \u201azu gut\u2019 f\u00fcr dieses Leben und f\u00fcr sein Leiden war und dass noch seine letzte Handlung gleichsam als eine Art Kunstwerk begreifbar sei: Als \u201eTat\u201c, um es mit Alber Camus auszudr\u00fccken, die sich vorbereitet \u201ewie ein bedeutendes Werk\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn70\">[70]<\/a>.<\/p>\n<p>Von mindestens zwei Personen, die Wallace nahestanden, gab es allerdings auch andere Positionsbez\u00fcge. Gegen Romantisierung und Heroisierung, gegen \u201e[a]dulatory public narratives of David\u201c, die eben immer auch mit einem gewissen Pathos implizieren, dass \u201ethis world was never meant for one as beautiful as you\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn71\">[71]<\/a>, wendet sich zun\u00e4chst Wallaces langj\u00e4hriger Freund Jonathan Franzen. Ihm geht es um Differenzierung: Wallace sei nicht homogen, \u201eunitary\u201c, gewesen, nicht einfach nur ein \u201ebeautiful and supremely gifted human being\u201c, sondern<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>[f]lickering beneath his beautiful and moral intelligence and his lovable human weakness was the old addict\u2019s consciousness, the secret self, [&#8230;] an entire secret life devoted to suicide. [&#8230;] [T]he David whom I knew less well, but still well enough to have always disliked and distrusted, was methodically plotting his own destruction and his revenge on those who loved him.<a title=\"\" href=\"#_edn72\">[72]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Franzen unterstellt Wallace, dass er in seinen schw\u00e4chsten Momenten den Selbstmord wohl nicht nur als Erl\u00f6sung vom Leiden, sondern auch als \u201ecareer move\u201c begriffen habe: Das sei \u201ethe kind of adulation-craving calculation that he loathed in himself and would deny [&#8230;] that he was conscious of making, and would then [&#8230;] laughingly or wincingly admit that, yeah, O. K., he was indeed capable of making\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn73\">[73]<\/a>. Auch diese Beobachtung l\u00e4sst sich kulturtheoretisch untermauern, und zwar mit einem Verweis auf Jean Am\u00e9rys bekannten Essay \u00fcber den Freitod, in welchem er den Begriff der \u201etrans-suizid\u00e4ren Intentionen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn74\">[74]<\/a> pr\u00e4gte: Eine Bezeichnung f\u00fcr mit dem Suizid verfolgte Absichten, die \u00fcber die Selbstt\u00f6tung hinausgehen, also eben beispielsweise Suizid als \u201ecareer move\u201c. Diese Deutung von Wallaces Freitod erinnert an Emile Durkheims bekannte Suizidtypologie, besonders an den von Durkheim so genannten \u201eegoistische[n] Selbstmord\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn75\">[75]<\/a>. Bei diesem Suizidtyp f\u00fchrt \u201e[e]xzessiver Individualismus [&#8230;] nicht nur\u201c zum \u201eWunsch, dem Leben ein Ende zu machen, sondern er formt diesen Wunsch aus tausend Bausteinen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn76\">[76]<\/a> \u2013 zu denen auch Am\u00e9rys \u201etrans-suizid\u00e4re[] Intentionen\u201c geh\u00f6ren k\u00f6nnen.\u00a0 Franzen selbst analysiert in seinem Aufsatz anhand von Daniel Defoes <em>Robinson Crusoe<\/em> \u201ehow sick and crazy radical individualism really is\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn77\">[77]<\/a>, und krankhafter Individualismus war es denn in seiner Deutung auch, der Wallace den Suizid als \u201ecareer move\u201c erw\u00e4gen lie\u00df. \u201eDavid\u201c, so res\u00fcmiert Franzen, habe sich durch seinen Freitod in einem noch n\u00e4her zu erl\u00e4uternden gleichsam diskursiven Sinn seinen Freunden und seiner Familie entzogen und sich der Welt der Leser und Kritiker \u00fcberantwortet: Er habe \u201echosen to leave the people who loved him and give himself to the world of the novel and its readers, and I was ready to wish him well in it\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn78\">[78]<\/a>. In \u00e4hnlicher Weise \u00e4u\u00dfert sich Wallaces Witwe, die K\u00fcnstlerin Karen Green:<\/p>\n<blockquote><p>The only other time she has talked to a newspaper was at the opening of her last art show when she spoke to a journalist from the <em>New York Times<\/em>. \u2018I did it on the basis that her story would not include the words \u2018hanging\u2019 or \u2018discovered body,\u2019 she says now. \u2018I&#8217;m an idiot, of course they did all that. I know journalism is journalism and maybe people want to read that I discovered the body over and over again, but that doesn&#8217;t define David or his work. It all turns him into a celebrity writer dude, which I think would have made him wince, the good part of him. It has defined me too, and I&#8217;m really struggling with that.\u2019<a title=\"\" href=\"#_edn79\">[79]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Stellungnahmen von Franzen und Green haben eine andere Qualit\u00e4t als die oben diskutierten topischen Reaktionen auf Selbstmorde. Sie suggerieren n\u00e4mlich, dass der Tod des Suizidanten f\u00fcr die ihm am n\u00e4chsten Stehenden nicht nur eine verst\u00f6rende Verlusterfahrung darstellt, sondern dass ihr Verh\u00e4ltnis zu ihm durch den Suizid auch transformiert wird. Franzen deutet die Krankheit seines Freundes als eine Art inneren D\u00e4mon, der Wallace den Suizid als \u201ecareer move\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn80\">[80]<\/a> nahelegte und ihn so auf immer den Freunden entfremdet habe; er sei jetzt Teil der \u201eworld of the novel and its readers\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn81\">[81]<\/a> oder, in Greens Worten, ein \u201ecelebrity writer dude\u201c, was es sehr schwer mache \u201eto remember tender things tenderly\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn82\">[82]<\/a>. Diese Beobachtungen zeigen, um auch an dieser Stelle den Konnex zur relevanten Theorie herzustellen, dass eine zentrale Feststellung von Jean Am\u00e9ry in <em>Hand an sich legen<\/em> wom\u00f6glich zu pr\u00e4zisieren ist: Am\u00e9ry spricht von der \u201eGrundtatsache, da\u00df <em>der Mensch wesentlich sich selbst geh\u00f6rt<\/em> \u2013 und dies au\u00dferhalb des Netzes gesellschaftlicher Verstrickungen, [&#8230;] das ihn zum Leben verurteilt\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn83\">[83]<\/a>. Dass es selbstbestimmte Suizide gibt und dass dem Menschen die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das eigene Leben zusteht, ist unbestritten. Die Schilderungen von Franzen und Green zeigen aber, dass der Suizidant \u2013 in diesem Falle einer mit hohem Bekanntheitsgrad \u2013 zumindest nach der vollzogenen Tat eben nicht mehr \u201esich selbst geh\u00f6rt\u201c: Ein Selbstmord wie derjenige von David Foster Wallace wird gedeutet, kritisiert und interpretiert, und das hat signifikante und noch zu spezifizierende Konsequenzen f\u00fcr die Hinterbliebenen.<\/p>\n<p>Wir konnten zeigen, dass David Foster Wallaces Freitod einerseits eher stereotype Reaktionen zeitigte \u2013 Verst\u00f6rung, Verkl\u00e4rung des Toten, den Wunsch, er h\u00e4tte noch durchhalten und zuwarten m\u00f6gen \u2013, dass andererseits aber Jonathan Franzen und Karen Green eine Problematik artikulierten, die in der einschl\u00e4gigen Literatur (so beispielsweise bei Am\u00e9ry) kaum reflektiert wird: Der Suizid eines bekannten K\u00fcnstlers wie Wallace, so Franzens und Greens Beobachtung, erschwert den Trauerprozess der Hinterbliebenen stark, da er die Qualit\u00e4t ihrer Beziehung zum Suizidanten ver\u00e4ndert. Der Tote wird gerade durch die Art seines Todes gleichsam zum Diskursobjekt \u2013 Franzen spricht von den verzerrenden \u201eadulatory public narratives\u201c \u00fcber Wallace \u2013, und die Rede \u00fcber ihn schafft Interferenzen, die den Erinnerungsprozess st\u00f6ren, welcher f\u00fcr die Trauerarbeit gem\u00e4\u00df Freud essenziell ist:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Worin besteht nun die Arbeit, welche die Trauer leistet? [&#8230;] Die Realit\u00e4tspr\u00fcfung hat gezeigt, dass das geliebte Objekt nicht mehr besteht, und erl\u00e4\u00dft nun die Aufforderung, alle Libido aus ihren Verkn\u00fcpfungen mit diesem Objekt abzuziehen. Dagegen erhebt sich ein begreifliches Str\u00e4uben [&#8230;]. Dies Str\u00e4uben kann so intensiv sein, dass eine Abwendung von der Realit\u00e4t und ein Festhalten des Objekts durch eine halluzinatorische Wunschpsychose [&#8230;] zustande kommt. Das Normale ist, dass der Respekt vor der Realit\u00e4t den Sieg beh\u00e4lt. Doch kann ihr Auftrag nicht sofort erf\u00fcllt werden. Er wird nun im einzelnen unter gro\u00dfem Aufwand von Zeit und Besetzungsenergie durchgef\u00fchrt und unterdes die Existenz des verlorenen Objekts psychisch fortgesetzt. Jede einzelne der Erinnerungen und Erwartungen, in denen die Libido an das Objekt gekn\u00fcpft war, wird eingestellt, \u00fcberbesetzt und an ihr die L\u00f6sung der Libido vollzogen.<a title=\"\" href=\"#_edn84\">[84]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Aufarbeitung der \u201eeinzelne[n] [&#8230;] Erinnerungen und Erwartungen\u201c an den Toten gestaltet sich f\u00fcr Franzen und Green schwierig, weil die Erinnerungen selber im Zuge der \u00f6ffentlichen Reaktion auf Wallaces Tod unzuverl\u00e4ssig geworden sind \u2013 die Situation wird mithin noch komplexer als sie ohnehin ist, denn qu\u00e4lend ist nicht mehr \u201anur\u2019 der Verlust des geliebten Menschen, sondern auch der \u00f6ffentlich gef\u00fchrte Diskurs \u00fcber diesen Verlust, sowie nat\u00fcrlich das Wissen um die Tatsache, dass der geliebte Mensch diesen Diskurs durch den Suizid bewusst in Kauf genommen hat. In Karen Greens Worten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>\u2018I think I&#8217;m supposed to buck up and be the professional widow,\u2019 she says, with another quick laugh, \u2018and I have found that very hard. Very hard. I mean one day you are a couple living in a little house and watching <em>The Wire<\/em> box-set for the third time, and letting the dogs do their antic stuff, and then suddenly you are supposed to be functioning as the great writer&#8217;s widow. That wasn&#8217;t how we lived when David was alive. I felt about him like I would if I had been married to a sweet school teacher. So I ignored everything for a long time. Until now, really.\u2019<a title=\"\" href=\"#_edn85\">[85]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Verdienst der Erz\u00e4hlung von Clemens Setz \u2013 um nach diesem langen Exkurs wieder auf unseren eigentlichen Gegenstand zu sprechen zu kommen \u2013 besteht nun vielleicht darin, dass sie diese verschiedenen Facetten der Selbstmordproblematik ihrerseits reflektiert. Regans Freundin, die einzige betroffene Angeh\u00f6rige, die zu Wort kommt, ist \u201eb\u00f6se\u201c auf den Suizidanten, ist aus der gemeinsamen Wohnung \u201egefl\u00fcchtet\u201c und \u201em\u00f6chte auch nie wieder dorthin zur\u00fcck\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn86\">[86]<\/a>. Diese wiederum eher stereotype Reaktion \u2013 die Freundin empfindet Regans Selbstmord im Wesentlichen als Zur\u00fccksetzung ihrer Person, auch weil Regan \u201ein seiner letzten Stunde lieber seine beschissenen Nager um sich gehabt hat als mich\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn87\">[87]<\/a> \u2013 wird erg\u00e4nzt durch die Schilderung des durch und durch grotesken Symposions \u00fcber Regan. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Tagung widerf\u00e4hrt n\u00e4mlich Marc David Regan dasselbe wie David Foster Wallace: Er wird zum puren Diskursobjekt; die \u201aprivate\u2019 Dimension seines Todes verschwindet mit der Freundin aus der Erz\u00e4hlung und wird ersetzt durch die nie enden wollende Befragung seines Lebens und seines Werks durch Wissenschaftler wie Lauffer und Phillips.<\/p>\n<p>Das von Lauffer angeblich entdeckte letzte Level von <em>Figures in a Landscape<\/em> steht metaphorisch f\u00fcr diesen Zustand: Der Spieler befindet sich, wie gesagt, in einem \u201eschmalen Raum mit blauen W\u00e4nden\u201c, der offenkundig mit Regans Suizid im blauen Badezimmer assoziierbar ist, und kann \u201enicht viel mehr tun, als sich vor und zur\u00fcck zu bewegen\u201c \u2013 \u201e[e]s war eine Welt ohne Tod, ein Jenseits, vergleichbar mit dem wei\u00dfen Raum am Ende von Stanley Kubricks Film <em>2001: A Space Odyssey<\/em>, in dem einer der Astronauten wohnt, isst, altert, sich zum Sterben hinlegt und dann wieder aufsteht\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn88\">[88]<\/a>. Und obwohl Maggie Phillips Lauffer mit ihrem Vortrag sogleich blamiert, ist, wie bereits erw\u00e4hnt, auch der Wahrheitswert ihrer Thesen strittig: Selbst die Authentizit\u00e4t des von ihr zitierten Briefs kann sie laut dem Erz\u00e4hler nicht belegen, sondern eben nur \u201ebehaupte[n]\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn89\">[89]<\/a> \u2013 das Symposion f\u00fchrt nicht zu befriedigenden Einsichten in Regans Kunst und die Umst\u00e4nde seines Todes. Am Ende der erz\u00e4hlten Zeit, die auf das Ende des Symposions f\u00e4llt, ist Regans \u201aDiskurswerdung\u2019 perfekt, und paradoxerweise weiss man weniger \u00fcber den \u201aechten\u2019 Regan als zu Beginn: Er ist gleichsam verschwommen und eingegangen in den todeslosen \u201ablauen\u2019 Raum (pseudo-)wissenschaftlicher Debatten und Spekulationen, an Symposien und nat\u00fcrlich \u201e[i]m Internet\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn90\">[90]<\/a>. Davon zeugen auch die vom Erz\u00e4hler laufend zitierten (und gut erfundenen) Titel wissenschaftlicher Publikationen zu Regan<a title=\"\" href=\"#_edn91\">[91]<\/a>. Setz zeichnet hier den Prozess der \u201aRezeption\u2019 und Interpretation von David Foster Wallaces Suizid in sehr luzider Weise nach: Der Freitod einer ohnehin \u00f6ffentlichen Person wie Wallace oder eben Regan verursacht nicht nur den typischen privaten Schmerz, sondern kann einen Diskurs \u00fcber den Toten und die Motive des Suizids in Gang setzen, dem eine gro\u00dfe Eigendynamik innewohnt. So entstehen, um Franzens treffenden Begriff zu \u00fcbernehmen, \u201enarratives\u201c, welche dem Toten wom\u00f6glich keineswegs gerecht werden (man denke an Karen Greens Bedauern \u00fcber Wallaces Transformation zu einem \u201ehip dead writer dude\u201c) und den Hinterbliebenen die Trauerarbeit erschweren. Interessant ist aber auch, dass Setz\u2019 Erz\u00e4hler Regans Selbstmord abschlie\u00dfend ganz \u00e4hnlich interpretiert wie Franzen den Suizid von David Foster Wallace: Als eine Art \u201ecareer move\u201c n\u00e4mlich. Angesichts der Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber Regans Ableben und das letzte Level von <em>Figures in a Landscape<\/em> sinniert der Erz\u00e4hler, \u201edass es zu [Regan] gepasst h\u00e4tte\u201c, sogar noch den eigenen Tod zu fingieren, denn \u201e[w]enn er schon seinen echten Tod nicht \u00fcberleben konnte, wollte er wenigstens sehen, wie eine m\u00f6gliche <em>Nachwelt<\/em> aussehen w\u00fcrde\u201c \u2013 auch Regan, dies die Implikation, ging wohl nicht ohne \u201etrans-suizid\u00e4re[] Intentionen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn92\">[92]<\/a> in den Tod.<\/p>\n<p>Im Zuge unserer Ausf\u00fchrungen sollte deutlich geworden sein, dass es sich bei Clemens Setz\u2019 Erz\u00e4hlung <em>Kleine braune Tiere<\/em> im Grunde um eine enorm facettenreiche und komplexe Auseinandersetzung mit der Person, dem Werk und dem Suizid des David Foster Wallace handelt. Der Amerikaner figuriert so prominent und vielgestaltig in der Erz\u00e4hlung, dass man geradezu mit Goethe von \u201ewiederholten Spiegelungen\u201c sprechen k\u00f6nnte, die \u201edas Vergangene nicht allein lebendig erhalten, sondern sogar zu einem h\u00f6heren Leben empor steigern\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn93\">[93]<\/a>. Wallace firmiert in der Erz\u00e4hlung n\u00e4mlich nicht nur als Teil einer Referenzstruktur \u2013 wodurch er \u201elebendig erhalten\u201c w\u00fcrde \u2013, sondern sein Leben und Schaffen wird auf mehreren Ebenen reflektiert, sodass es eben gleichsam zur von Goethe postulierten \u201aSteigerung\u2019 kommt: Wallace ist zum einen, wie wir anhand von Ina Schaberts Begriff der Interauktorialit\u00e4t zeigen konnten, als biographische Entit\u00e4t, als realer Autor in Setzens Text pr\u00e4sent \u2013 \u00fcber Daten, biographische Parallelen zwischen Regan und Wallace, Anspielungen, aber auch ganz explizit \u00fcber die Erw\u00e4hnung von <em>Infinite Jest<\/em> zu Beginn von <em>Kleine braune Tiere<\/em>. Zum andern weist Setz\u2019 Erz\u00e4hlung starke intertextuelle Bez\u00fcge zu <em>Infinite Jest <\/em>auf, die wir am blauen Farbmotiv festmachen konnten, welches in beiden Werken eine tragende Rolle spielt. Als besonders ergiebig erwies sich aber die Beobachtung, dass <em>Kleine braune Tiere <\/em>nicht zuletzt eine Art Meta-Reflexion (oder \u201awiederholte Spiegelung\u2019) \u00fcber Wallaces Selbstmord zur Darstellung bringt. Wir konnten zun\u00e4chst aufzeigen, dass der Tod des amerikanischen Autors nicht nur kulturgeschichtlich stereotype Reaktionen von Lesern, Kritikern und Angeh\u00f6rigen zeitigte: Hinterbliebene wie Wallaces Witwe Karen Green und sein Freund Jonathan Franzen konstatierten au\u00dferdem eine Art Verlust zweiter Ordnung, als Resultat der medialen Verarbeitung oder \u201aDiskursivierung\u2019 von David Foster Wallace. Ein kurzer Rekurs auf Freuds Begriff der Trauerarbeit demonstrierte, wie verheerend sich solche retrospektive Stilisierungen oder \u201enarratives\u201c auf die Trauer- und Erinnerungsarbeit von Freunden und Angeh\u00f6rigen eines (prominenten) Suizidanten auswirken k\u00f6nnen. Clemens Setz, so der Befund am Ende dieses Aufsatzes, antizipierte Greens und Franzens Gedankeng\u00e4nge (denn <em>Kleine braune Tiere<\/em> ist vor Franzens Aufsatz und dem Artikel \u00fcber Karen Green erschienen): Er zeichnete am Beispiel von Marc David Regan \u2013 erwiesenerma\u00dfen eine an Wallace geschulte Figur \u2013 die Eigendynamik nach, die ein derart vielbeachteter Freitod zu entwickeln vermag.<\/p>\n<p><em>Kleine braune Tiere <\/em>mag ein verspielter, vielleicht gar etwas manieristischer Text sein, dessen penetrante Autoreferenzialit\u00e4t und verschachtelte Anspielungsstruktur den Leser schwindeln lassen \u2013 er ist aber definitiv nicht nur eine Attraktion, ein \u201aunendlicher Spa\u00df\u2019, auf einem \u201eAbenteuerspielplatz f\u00fcr Germanisten\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn94\">[94]<\/a>, sondern insgesamt eine sehr hellsichtige Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten und tragischsten K\u00fcnstler unserer Zeit, und zwar eingedenk der Ambivalenz dieses K\u00fcnstlers, und unber\u00fchrt von jeglichen verf\u00e4lschenden \u201enarratives\u201c.<\/p>\n<p>In seinem Aufsatz \u00fcber Wallace nimmt Jonathan Franzen von seinem Freund Abschied, indem er dessen Asche auf der Alejandro-Selkirk-Insel verstreut und nach seiner oben geschilderten kritischen Bearbeitung von Wallaces Selbstmord seinen Frieden mit dem Freund macht: \u201eI felt done with anger, merely bereft\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn95\">[95]<\/a>. Das erste Werk, das Karen Green, die K\u00fcnstlerin, nach dem Tod ihres Ehemannes schuf, war eine \u201eforgiveness machine\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn96\">[96]<\/a> (die sie allerdings selbst nicht benutzte). <em>Kleine braune Tiere <\/em>ist vielleicht nichts anderes als Clemens Setz\u2019 eigene kleine Abschiedsgeste, die sich neben diejenigen von Franzen und Green einreiht. Auch bei Green, Franzen und Setz wird Wallace also letzten Endes zum Diskursobjekt, zum Anlass, Inhalt und Thema von Kunstwerken \u2013 aber eben nicht in stereotyper oder verf\u00e4lschender Weise, sondern stets im Kontext kritischer Reflexion; die drei K\u00fcnstler erheben Wallace nicht auf ein Podest und machen ihn auch nicht zu einer Karikatur, sondern zum Gegenstand facettenreicher Denkfiguren \u2013 \u201awiederholter Spiegelungen\u2019. In diesem Zusammenhang wirkt Setz\u2019 literarischer Abgesang auf Wallace umso ber\u00fchrender, weil Setz Wallace ja gar nicht kannte. Aber er kannte ihn eben doch, kannte ihn, wie Laura Miller, \u201eas a reader knows a writer\u201c, und vielleicht erging es Setz wie ihr: \u201eI thought I could <em>see<\/em> [Wallace], even if he couldn\u2019t see me, even if he couldn\u2019t (clearly) see himself\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn97\">[97]<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Radisch, Iris. 2011, \u201eEinsam sind die Hochbegabten\u201c, <em>DIE ZEIT<\/em>, 10. M\u00e4rz.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Kegel, Sandra. 2011, \u201eAm Riesenrad des Lebens gedreht\u201c, <em>FAZ<\/em>, 17. M\u00e4rz. Es sind aber auch gut begr\u00fcndete kritische Voten zu Setz zu vernehmen, die mit Recht auf die durchaus vorhandenen sprachlichen M\u00e4ngel seiner Texte verweisen. So beispielsweise Wilke, Insa. 2011, \u201eUnter Holzpuppen\u201c, <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, 14. M\u00e4rz.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Radisch: keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> Aus seiner Bewunderung f\u00fcr Wallace macht Setz kein Hehl, was besonders aus seinen Beitr\u00e4gen f\u00fcr den Blog <a href=\"http:\/\/www.unendlicherspass.de\">www.unendlicherspass.de<\/a> deutlich wird. Setz\u2019 gesammelte Postings finden sich unter diesem Link: <a href=\"http:\/\/www.unendlicherspass.de\/author\/clemens-setz\/\">http:\/\/www.unendlicherspass.de\/author\/clemens-setz\/<\/a> (3.6.2011).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Haas, Franz. 2011, \u201eSeelenabgr\u00fcnde aus dem Erz\u00e4hlbaukasten\u201c, <em>NZZ<\/em>, 29. M\u00e4rz.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Setz, Clemens J. 2011, <em>Die Liebe zur Zeit des Mahlst\u00e4dter Kindes<\/em>, Suhrkamp, Berlin. Hier: S. 257.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Ebd.: S. 258.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Ebd.: S. 259.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Ebd.: S. 261.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> Ebd.: S. 256.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Ebd.: S. 269.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Ebd.: S. 271.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Ebd.: S. 277.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Ebd.: S. 278.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> Das geht in der Erz\u00e4hlung aus dem Publikationsdatum eines Sammelbands zu Regan: \u201eVor zwei Jahren\u201c, heisst es, \u201ekurz nach Regans Tod, wurden Ausz\u00fcge aus Diskussionen auf Foren und Fan-Webseiten zum ersten Mal in Buchform ver\u00f6ffentlicht (<em>In Search of Lost Levels<\/em>, Oxford University Press, 2008)\u201c (ebd: S. 278f.).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Ebd.: S. 271, Anm. 13.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> Ebd.: S. 280f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> Ebd.: S. 282.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> Ebd.; Hervorhebung im Original.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> Ebd.: S. 284f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> Ebd.: S. 286.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\">[23]<\/a> Ebd.: S. 276, Anm. 17.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Ebd.: S. 283.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Ebd.: S. 279.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> Ebd.: S. 256.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Ebd.: S. 257.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Im Essay \u201eDerivative Sport in Tornado Alley\u201c beschreibt Wallace, wie er \u201eall of a sudden a jones for mathematics\u201c entwickelte als er sein Studium an \u201emy dad\u2019s alma mater\u201c aufnahm (Wallace, David Foster. 1998, \u201eDerivative Sport in Tornado Alley\u201c in <em>A Supposedly Fun Thing I\u2019ll Never Do Again<\/em>, Abacus, London.<\/p>\n<p>Hier: S. 3).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\">[29]<\/a> Setz: S. 263.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Wallaces Schwester Amy ist \u00fcberzeugt, dass Wallace seinen Hunden Bella und Werner einen Kuss gab und sich bei ihnen entschuldigte, bevor er sich erh\u00e4ngte, siehe Lipsky, David. 2010, <em>Although of Course You End up Becoming Yourself. A Road Trip With David Foster Wallace<\/em>, Broadway Books, New York. Hier: S. xix.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> Setz: S. 263.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Ebd., Anm. 6.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Siehe <a href=\"http:\/\/www.nplusonemag.com\/posthumous-gratitude\">http:\/\/www.nplusonemag.com\/posthumous-gratitude<\/a> (3.6.2011).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\">[34]<\/a> Setz: S. 271, Anm. 13.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\">[35]<\/a> Siehe Wallace, David Foster. 1998, \u201eDavid Lynch Keeps His Head\u201c in <em>A Supposedly Fun Thing I\u2019ll Never Do Again<\/em>, Abacus, London; Ders. 2005, \u201eSome Remarks on Kafka\u2019s Funniness from Which Probably Not Enough Has Been Removed\u201c in <em>Consider The Lobster<\/em>, Abacus, London.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\">[36]<\/a> Ich bedanke mich bei Julia Strebelow f\u00fcr den freundlichen Hinweis.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\">[37]<\/a> Setz: S. 277.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\">[38]<\/a> Schabert, Ina. 1983, \u201eInterauktorialit\u00e4t\u201c, <em>Deutsche Vierteljahrsschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte<\/em>, vol. 57, no. 4, S. 679-701. Hier: S. 679.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\">[39]<\/a> Setz: S. 280.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\">[40]<\/a> Ebd.: S. 284.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\">[41]<\/a> Das mag nat\u00fcrlich auch mit der idiomatischen Bedeutung von \u201ablue\u2019 im Englischen zusammenh\u00e4ngen, viz. \u201ato feel blue\u2019. Verschiedene Fundstellen der Farbe Blau arbeitet auch Greg Carlisle in seiner Arbeit zu <em>Infinite Jest<\/em> heraus, allerdings ohne die Farbe als Leitmotiv zu benennen und ihre negative Konnotation zu konstatieren (siehe Carlisle, Greg. 2007, <em>elegant complexity. A Study of David Foster Wallace\u2019s <\/em>Infinite Jest, Sideshow Media Group, Los Angeles &amp; Austin. Hier beispielsweise S. 154; 449).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\">[42]<\/a> Wallace, David Foster. <sup>10<\/sup>2006, <em>Infinite Jest<\/em>, Back Bay Books, Little, Brown and Company, New York et al. Hier: S. 238.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\">[43]<\/a> Ebd.: S. 236.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\">[44]<\/a> Ebd.: S. 239.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\">[45]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\">[46]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\">[47]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\">[48]<\/a> Ebd.: S. 436. Als Laie w\u00fcrde ich \u00fcberdies annehmen, dass eine mit Cyanid gemischte Tinte <em>blau<\/em>, beziehungsweise cyanblau oder preussischblau ist.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\">[49]<\/a> Ebd.: S. 437.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref50\">[50]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref51\">[51]<\/a> Ebd.: S. 493.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref52\">[52]<\/a> Ebd.: S. 500.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref53\">[53]<\/a> Ebd.: S. 508f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref54\">[54]<\/a> \u201e[They] began truly binging on Blues, flirting with an O. D.\u201c (Ebd.: S. 934).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref55\">[55]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref56\">[56]<\/a> Kegel: keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref57\">[57]<\/a> Ito, Robert. 2008, \u201eThe Last Days of David Foster Wallace\u201c, <em>Salon<\/em>, 26. Sept.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref58\">[58]<\/a> Zit. n. ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref59\">[59]<\/a> Miller, Laura. 2008, \u201eIn Memory of David Foster Wallace 1962-2008\u201c, <em>Salon<\/em>, 14. Sept.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref60\">[60]<\/a> Baumann, Ursula. 2001, <em>Vom Recht auf den eigenen Tod. Die Geschichte des Suizids vom 18. bis zum 20. Jahrhundert<\/em>, Verlag Hermann B\u00f6hlaus Nachfolger, Weimar. Hier: S. 276.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref61\">[61]<\/a> Zit. n. Ito: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref62\">[62]<\/a> De Sta\u00ebl, Anne-Louise Germaine. 2007, \u201eBetrachtungen \u00fcber den Selbstmord\u201c in <em>Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, literarische Texte<\/em>, Hrsg. Roger Willemsen, Fischer, Frankfurt am Main. Hier: S. 85.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref63\">[63]<\/a> Ebd.: S. 245.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref64\">[64]<\/a> Baumann: S. 276.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref65\">[65]<\/a> Miller: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\">[66]<\/a> Ito: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref67\">[67]<\/a> Siehe ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref68\">[68]<\/a> Zit. n. ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref69\">[69]<\/a> De Sta\u00ebl: S. 85.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref70\">[70]<\/a> Camus, Albert.<sup> 6<\/sup>2004, <em>Der Mythos des Sisyphos<\/em>, Rowohlt, Reinbek. Hier: S. 12.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref71\">[71]<\/a> Franzen, Jonathan. 2011, \u201eFarther Away. <em>Robinson Crusoe<\/em>, David Foster Wallace, and the Island of Solitude\u201c, <em>New Yorker<\/em>, 18 Apr., S. 80. Hier: S. 92.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref72\">[72]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref73\">[73]<\/a> Ebd.: S. 91.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref74\">[74]<\/a> Am\u00e9ry, Jean. 1976, <em>Hand an sich legen. Diskurs \u00fcber den Freitod<\/em>, Klett-Cotta, Stuttgart. Hier: S. 17. Das pr\u00e4gnanteste Beispiel, das Am\u00e9ry f\u00fcr die \u201etrans-suizid\u00e4ren Intentionen\u201c nennt, ist ein literarisches: Das von Schnitzlers Leutnant Gustl, an dem eben nicht prim\u00e4r die Bereitschaft interessant ist, in den Tod zu gehen \u2013 also gleichsam die \u201asuizid\u00e4re Intention\u2019 \u2013, sondern gerade die \u201etrans-suizid\u00e4re[] Intention\u201c, in diesem Falle die psychische Deformation, die ihm einen schwammigen Ehrbegriff und die kaiserliche Uniform zur \u201eunerl\u00e4\u00dfliche[n] Voraussetzung allen Daseins\u201c werden und ihn an \u201eandere[] Gesetze[] eines w\u00fcrdigen Lebens glauben liess\u201c (ebd.: S. 19).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref75\">[75]<\/a> Durkheim, Emile. 1973, <em>Der Selbstmord<\/em>, Suhrkamp, Frankfurt am Main. Hier: S. 162.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref76\">[76]<\/a> Ebd.: S. 233.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref77\">[77]<\/a> Franzen: S. 94.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref78\">[78]<\/a> Ebd.: S. 93.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref79\">[79]<\/a> Zit. n. Adams, Tim. 2011, \u201eKaren Green. \u201aDavid Foster Wallace\u2019s Suicide Turned Him Into a \u201aCelebrity Writer Dude\u2019, Which Would Have Made Him Wince\u201c. <em>The Observer<\/em>,<em> <\/em>10. Apr.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref80\">[80]<\/a> Franzen: S. 91.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref81\">[81]<\/a> Ebd.: S. 93.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref82\">[82]<\/a> Zit. n. Adams: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref83\">[83]<\/a> Am\u00e9ry: S. 105; Hervorhebung im Original.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref84\">[84]<\/a> Freud, Sigmund. 1975, \u201eTrauer und Melancholie\u201c in <em>Psychologie des Unbewussten<\/em>, Hrsg. Alexander Mitscherlich et al., S. Fischer, Frankfurt am Main. Hier: S. 198f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref85\">[85]<\/a> Zit. n. Adams: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref86\">[86]<\/a> Setz: S. 285.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref87\">[87]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref88\">[88]<\/a> Ebd.: S. 280f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref89\">[89]<\/a> Ebd.: S. 285.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref90\">[90]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref91\">[91]<\/a> Beispielsweise: <em>\u201eDon\u2019t speak to me, or I\u2019ll fucking answer\u201c: Logic and Fuzzy Logic in <\/em>Figures in a Landscape; <em>Das Nash-Equilibrium im Werk von Marc David Regan<\/em>; <em>Marc D. Regan:<\/em> <em>Absurdes Zeitalter im Digitalen Theater<\/em>; <em>\u201eMister, we are here to amuse your corpse\u201c \u2013 Eine feministische Studie zu den Frauengestalten in \u201eFigures in a Landscape\u201c<\/em>; <em>Violence is the Music of the Spheres \u2013 A deconstructivist Speedrun Through M. D. Regan\u2019s <\/em>Figures in a Landscape (Setz: S. 277).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref92\">[92]<\/a> Am\u00e9ry: S. 17.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref93\">[93]<\/a> Goethe, Johann Wolfgang. 2006, \u201eWiederholte Spiegelungen\u201c in <em>S\u00e4mtliche Werke 14. Autobiographische Schriften der fr\u00fchen Zwanzigerjahre<\/em>, Hrsg. Reiner Wild, Carl Hanser, M\u00fcnchen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref94\">[94]<\/a> Kegel: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref95\">[95]<\/a> Franzen: 93.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref96\">[96]<\/a> Adams: Keine Paginierung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref97\">[97]<\/a> Miller: Keine Paginierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>BIBLIOGRAPHIE:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">Prim\u00e4rtexte:<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Goethe, Johann Wolfgang. 2006, \u201eWiederholte Spiegelungen\u201c in <em>S\u00e4mtliche Werke 14. Autobiographische Schriften der fr\u00fchen Zwanzigerjahre<\/em>, Hrsg. Reiner Wild, Carl Hanser, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lipsky, David. 2010, <em>Although of Course You End up Becoming Yourself. A Road Trip With David Foster Wallace<\/em>, Broadway Books, New York.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Setz, Clemens J. 2011, <em>Die Liebe zur Zeit des Mahlst\u00e4dter Kindes<\/em>, Suhrkamp, Berlin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wallace, David Foster. 1998, \u201eDavid Lynch Keeps His Head\u201c in <em>A Supposedly Fun Thing I\u2019ll Never Do Again<\/em>, Abacus, London.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ders. 1998, \u201eDerivative Sport in Tornado Alley\u201c in <em>A Supposedly Fun Thing I\u2019ll Never Do Again<\/em>, Abacus, London.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ders. <sup>10<\/sup>2006, <em>Infinite Jest<\/em>, Back Bay Books, Little, Brown and Company, New York et al.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ders. 2005, \u201eSome Remarks on Kafka\u2019s Funniness from Which Probably Not Enough Has Been Removed\u201c in <em>Consider The Lobster<\/em>, Abacus, London.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">Sekund\u00e4rtexte und Rezensionen:<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Adams, Tim. 2011, \u201eKaren Green. \u201aDavid Foster Wallace\u2019s Suicide Turned Him Into a \u201aCelebrity Writer Dude\u2019, Which Would Have Made Him Wince\u201c. <em>The Observer<\/em>,<em> <\/em>10. Apr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am\u00e9ry, Jean. 1976, <em>Hand an sich legen. Diskurs \u00fcber den Freitod<\/em>, Klett-Cotta, Stuttgart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Baumann, Ursula. 2001, <em>Vom Recht auf den eigenen Tod. Die Geschichte des Suizids vom 18. bis zum 20. Jahrhundert<\/em>, Verlag Hermann B\u00f6hlaus Nachfolger, Weimar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Camus, Albert.<sup> 6<\/sup>2004, <em>Der Mythos des Sisyphos<\/em>, Rowohlt, Reinbek.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Carlisle, Greg. 2007, <em>elegant complexity. A Study of David Foster Wallace\u2019s <\/em>Infinite Jest, Sideshow Media Group, Los Angeles &amp; Austin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durkheim, Emile. 1973, <em>Der Selbstmord<\/em>, Suhrkamp, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Franzen, Jonathan. 2011, \u201eFarther Away. <em>Robinson Crusoe<\/em>, David Foster Wallace, and the Island of Solitude\u201c, <em>New Yorker<\/em>, 18 Apr., S. 80.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud, Sigmund. 1975, \u201eTrauer und Melancholie\u201c in <em>Psychologie des Unbewussten<\/em>, Hrsg. Alexander Mitscherlich et al., S. Fischer, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Haas, Franz. 2011, \u201eSeelenabgr\u00fcnde aus dem Erz\u00e4hlbaukasten\u201c, <em>NZZ<\/em>, 29. M\u00e4rz.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ito, Robert. 2008, \u201eThe Last Days of David Foster Wallace\u201c, <em>Salon<\/em>, 26. Sept.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kegel, Sandra. 2011, \u201eAm Riesenrad des Lebens gedreht\u201c, <em>FAZ<\/em>, 17. M\u00e4rz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Miller, Laura. 2008, \u201eIn Memory of David Foster Wallace 1962-2008\u201c, <em>Salon<\/em>, 14. Sept.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Radisch, Iris. 2011, \u201eEinsam sind die Hochbegabten\u201c, <em>DIE ZEIT<\/em>, 10. M\u00e4rz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schabert, Ina. 1983, \u201eInterauktorialit\u00e4t\u201c, <em>Deutsche Vierteljahrsschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte<\/em>, vol. 57, no. 4, S. 679-701.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>De Sta\u00ebl, Anne-Louise Germaine. 2007, \u201eBetrachtungen \u00fcber den Selbstmord\u201c in <em>Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, literarische Texte<\/em>, Hrsg. Roger Willemsen, Fischer, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wilke, Insa. 2011, \u201eUnter Holzpuppen\u201c, <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, 14. M\u00e4rz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">Internetquellen:<\/span><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.unendlicherspass.de\/author\/clemens-setz\/\">http:\/\/www.unendlicherspass.de\/author\/clemens-setz\/<\/a> (3.6.2011).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nplusonemag.com\/posthumous-gratitude\">http:\/\/www.nplusonemag.com\/posthumous-gratitude<\/a> (3.6.2011).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als ein \u201aunendlicher Spa\u00df\u2019: Figurationen von David Foster Wallace in Clemens Setz\u2019 Erz\u00e4hlung Kleine braune Tiere. 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