{"id":2565,"date":"2012-10-31T12:50:54","date_gmt":"2012-10-31T16:50:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=2565"},"modified":"2012-11-08T17:04:07","modified_gmt":"2012-11-08T21:04:07","slug":"gabriele-eichmanns-glossen-35","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-352012\/gabriele-eichmanns-glossen-35\/","title":{"rendered":"Gabriele Eichmanns"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Ransmayrs <em>Der<\/em>\u00a0<em>Weg nach Surabaya<\/em> \u2013 Auf den Spuren einer unliebsamen deutsch-\u00f6sterreichischen Vergangenheit<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Ransmayr ist wohl einer der profiliertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Ber\u00fchmt geworden durch Werke wie <em>Die Schrecken des Eises und der Finsternis<\/em> (1984), <em>Die letzte Welt<\/em> (1988) oder <em>Morbus Kitahara<\/em> (1995) und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Franz-Kafka-Preis (1995), dem Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg (2004) und dem Heinrich-B\u00f6ll-Preis der Stadt K\u00f6ln (2007), reiht sich Ransmayr ein in die Gruppe von erfolgreichen Schriftstellern, zu denen unter \u00f6sterreichischen Kollegen Elfriede Jelinek, Josef Haslinger, Marlene Streeruwitz oder Norbert Gstrein zu z\u00e4hlen sind. Ransmayrs Werk ist gepr\u00e4gt von der intensiven Besch\u00e4ftigung mit philosophischen sowie ethnologischen Fragen, wobei es in vielen seiner B\u00fccher um Extremsituationen geht, in denen sich Menschen unerwartet wiederfinden oder sich diesen willentlich aussetzen. So untersucht Ransmayr in <em>Die Schrecken des Eises und der Finsternis<\/em> die \u00f6sterreichisch-ungarische Polarexpedition von 1872-74, kreiert in <em>Morbus Kitahara<\/em> eine deindustrialisierte Welt als Folge einer Kriegsniederlage und beschreibt in <em>Der fliegende Berg<\/em> (2006) die Suche nach einem sich im Land Kham in Osttibet befindenden, noch unentdeckten Berg, dessen Besteigung f\u00fcr einen der Beteiligten t\u00f6dlich endet. Die Protagonisten erkunden entfernte Orte, dringen in noch unerforschte Regionen vor und holen dar\u00fcber hinaus vergangene Zeiten in die Gegenwart zur\u00fcck. Denn es ist vor allem die Thematik der Verg\u00e4nglichkeit sowie der Versuch, die Erinnerung an Vergangenes zu bewahren, was viele der Ransmayrschen Werke auszeichnet und sie miteinander verbindet. So auch in dem 1997 publizierten Buch <em>Der Weg nach Surabaya<\/em>, welches im Folgenden Gegenstand der Untersuchung sein soll.<\/p>\n<p><em>Der Weg nach Surabaya<\/em> enth\u00e4lt eine Sammlung von kleinen Prosast\u00fccken sowie kurzen Reisereportagen, die bereits vorab in Zeitschriften wie <em>Merian<\/em> und <em>GEO<\/em> ihre Ver\u00f6ffentlichung fanden. In diesen h\u00e4ufig nur wenige Seiten umfassenden Erz\u00e4hlungen wandelt Ransmayr auf den Spuren der Vergangenheit, besch\u00e4ftigt sich sowohl mit den Erinnerungen seiner oftmals in die Jahre gekommenen, vielfach \u00f6sterreichischen Protagonisten als auch mit der Geschichte ganzer Landstriche und Regionen. Was er vorfindet, ist zun\u00e4chst eine gewisse Gelassenheit, wenn nicht gar Gleichg\u00fcltigkeit dem unerbittlichen Lauf der Zeit gegen\u00fcber, welche von vielen Protagonisten der Erz\u00e4hlungen an den Tag gelegt wird. Das Verdr\u00e4ngen von Altem durch Neues wird keinesfalls als schlecht verdammt, sondern durchaus bef\u00fcrwortet; denn wer k\u00f6nne sich am Ende des 20. Jahrhunderts noch eine Welt ohne Fernseher, flie\u00dfend Wasser oder gar Elektrizit\u00e4t vorstellen. Diese technischen Errungenschaften seien ein Segen f\u00fcr die Menschheit und nicht mehr aus dem heutigen Leben wegzudenken. Dass dabei Traditionshandwerk durch Maschinen ersetzt werde oder ein Meer von Apfelb\u00e4umen dem Bau der \u00f6sterreichischen Autobahn weichen m\u00fcsse, sei zwar eine traurige, jedoch unvermeidbare Tatsache, die scheinbar klaglos hingenommen wird.<\/p>\n<p>Trotz der propagierten Offenheit Neuerungen gegen\u00fcber l\u00e4sst sich gleichzeitig ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis erkennen, das Vergangene zu bewahren. Die Erkenntnis der Unwiederbringlichkeit des einmal Geschehenen sowie das v\u00f6llige Ausgeliefertsein an die sich \u00e4ndernden Zeiten l\u00f6sen melancholische Gef\u00fchle unter den Protagonisten aus und finden desweiteren ihre Widerspiegelung in der unbeugsamen Natur, die aufs Geradewohl zu geben und zu nehmen scheint. In besonderem Ma\u00dfe ist es das von Menschenhand geschaffene Werk, das den Naturgewalten wehrlos ausgesetzt ist und keinen bleibenden Bestand hat. Dies illustriert Ransmayr detailliert in der Geschichte \u201eEin Leben auf Hooge\u201c anhand einer Hallig, einem k\u00fcnstlich aufgesch\u00fctteten Flecken Erde vor der Nordseek\u00fcste, welchem Jahr um Jahr ein Teil seiner Landmasse von den unerbittlichen Wassern der See entrissen wird. Nichts ist von Dauer, alles letztendlich dem Untergang geweiht, so der allgemeine Tenor der Erz\u00e4hlung \u2013 was jedoch die Protagonisten nicht davon abh\u00e4lt, der Verg\u00e4nglichkeit dieser Welt mit vereinten Kr\u00e4ften entgegen zu arbeiten und zu bewahren, was ihnen zu bewahren w\u00fcrdig erscheint, sei es in Form von Bildern, Gedenktafeln, Kunstwerken oder allt\u00e4glichen Artefakten, die sie in Heimatmuseen oder gar ihren eigenen H\u00e4usern dem neugierigen Besucher pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Obwohl Ransmayrs Protagonisten ihre Vergangenheit mit allen Mitteln zu erhalten versuchen und im Zuge dessen diese scheinbar bereitwillig offenlegen, ist es eine Vergangenheit, die sich durch ein bewusst selektives Erinnern auszeichnet.\u00a0 Unliebsames wird besch\u00f6nigt oder gleich dem Vergessen \u00fcberantwortet, da nur Ausgew\u00e4hltes im kollektiven Ged\u00e4chtnis verbleiben soll.\u00a0 Dies trifft sowohl auf die eigene als auch auf die \u00f6sterreichische Vergangenheit zu und dort insbesondere auf den Zweiten Weltkrieg sowie die Zeit der Nationalsozialisten, welche zwiesp\u00e4ltige Reaktionen ausl\u00f6st, wenn sie denn \u00fcberhaupt Erw\u00e4hnung findet. So gerne alte Fotos hervorgekramt und ehemalige Gebrauchsgegenst\u00e4nde, ja gesamte Werksst\u00e4tten musealisiert und dem unbedarften Besucher stolz pr\u00e4sentiert werden, so hartn\u00e4ckig zeichnen sich die Geschehnisse w\u00e4hrend der Zeit des Anschluss \u00d6sterreichs durch ein beredtes Schweigen aus. Zeitzeugnisse werden sorgf\u00e4ltig verborgen gehalten, Hakenkreuze auf Bildern \u00fcbermalt und Kriegsdenkm\u00e4ler vor Touristen versteckt. Es findet demzufolge eine Umschreibung der Vergangenheit statt, die sich nicht an vorgefundenen Fakten orientiert, sondern in erster Linie auf eine vorteilhafte Darstellung der \u00f6sterreichischen Nation bedacht ist. Im Folgenden soll nun der Umgang mit Vergangenem n\u00e4her beleuchtet und vor allem auf das zwiesp\u00e4ltige Verh\u00e4ltnis der \u00d6sterreicher zu ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit n\u00e4her eingegangen werden. Dabei widmet sich meine Analyse zun\u00e4chst ganz allgemein dem Erinnern der Ransmayrschen Protagonisten, um dann auf die selektive Erinnerungsarbeit das Dritte Reich betreffend \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt, steht in <em>Der Weg nach Surabaya<\/em> der Akt des Erinnerns im Vordergrund, welcher nicht selten eine weit entfernte Vergangenheit zum Thema hat. Erinnert wird oftmals eine bereits untergegangene Welt, zu welcher die Erinnernden einstmals geh\u00f6rten, nun jedoch gezwungen sind, ihrem eigenen Ableben hilflos entgegen zu sehen. Besonders deutlich wird dies in den Geschichten von f\u00fcnf Neunzigj\u00e4hrigen, die im 19. Jahrhundert geboren, noch Donaumonarchie und Kaiser Franz Joseph zu ihrem Alltag z\u00e4hlten. Da w\u00e4re einmal Therese S., deren Vater Zimmeraufseher f\u00fcr die Gem\u00e4cher der Wiener Hermesvilla, \u201ein denen sich die legend\u00e4re Kaiserin \u201aSissi\u2018 zeitweise aufhielt\u201c (187)<a title=\"\" href=\"#_edn1\">[i]<\/a> war und die im vermeintlichen Glanze des kaiserlichen Ruhms aufwuchs. Von Wien durch ihren Ehemann in die Provinz versetzt, blickte sie damals sehnsuchtsvoll auf ihre Tage in der Metropole zur\u00fcck, jedoch wohl wissend, dass \u201edas Leben in der \u201aProvinz\u2018 [\u2026] immerhin den Vorteil einer sicheren Ruhe [brachte], die selbst in diesem \u201afurchtbaren zweiten Krieg\u2018 kaum gest\u00f6rt wurde\u201c (187-88). Von den Unw\u00e4gbarkeiten der Geschichte weitestgehend verschont, stellt Therese nun keine Anspr\u00fcche mehr an ihr Leben: Die Fotos der Kinder und Enkelkinder sind sorgsam in Alben verwahrt wie auch die mit Buntstift fabrizierten \u201eMeeres- und Gebirgslandschaften\u201c (188) ihres verstorbenen Mannes. Die vorhandenen Erinnerungen scheinen von nur noch untergeordneter\u00a0 Bedeutung, r\u00fccken immer weiter in die Ferne, was insbesondere an jenen Bildern des Ehemannes deutlich wird, welche Therese hin und wieder \u201e\u2018wie durch ein Fenster\u2018\u201c (188) betrachtet. Die Vergangenheit ist unwiederbringlich verronnen, was auch gut so ist, wie Luise L., eine weitere Neunzigj\u00e4hrige, konstatiert, die nach ihren Erinnerungen \u201ejetzt kein Heimweh mehr\u201c hat (191). \u201eSie ist froh, dass \u201adas vorbei ist\u2018\u201c (191). Ebenso belastet sie die Gegenwart nicht l\u00e4nger, was nicht zuletzt an den nur sp\u00e4rlichen Ger\u00e4uschen liegt, die es verm\u00f6gen, in das Bewusstsein der fast tauben Luise zu dringen. Die Au\u00dfenwelt verst\u00f6rt nicht, h\u00e4lt lediglich durch Fernseher und einige wenige Zeitschriften ihren Einzug in ein Leben, das vor \u00dcberraschungen gefeit ist und sich durch ein unaufgeregtes Warten auf den Tod auszeichnet.<\/p>\n<p>Trotz der scheinbar gelassenen Einstellung der in die Jahre Gekommenen kann sich der Leser einer schwer zu beschreibenden Melancholie nicht erwehren, welche insbesondere durch die den kurzen, anekdotenhaften Erz\u00e4hlungen beigef\u00fcgten Fotos verst\u00e4rkt wird. Diese zeigen die Neunzigj\u00e4hrigen in ihrer vertrauten Umgebung, wobei es jedoch interessanterweise die vorhandenen Einrichtungsgegenst\u00e4nde, Wandbilder und Tapeten sind, welche den meisten Raum einnehmen und die eigentlichen Hauptpersonen an den unteren Rande der Fotographien dr\u00fccken. Vor allem das Wei\u00df der Tapete ist es, das dominant im Vordergrund steht und so den Eindruck einer Leere vermittelt, hinter welcher die Protagonisten zu verschwinden scheinen. \u00dcberhaupt, so scheinen die Fotos zu suggerieren, geht es nicht prim\u00e4r um die abgebildeten Personen, sondern vielmehr um eine Welt, die von den Abgelichteten geschaffen wurde und welche mit deren Tode ebenfalls zu Grabe getragen wird. Daher kann sich der Betrachter nur schwer seiner Gef\u00fchle erwehren, bei den Fotos handele es sich um Zeugnisse des Vergessens und Verschwindens und nicht des Erinnerns und Bewahrens. Nicht Dauerhaftigkeit, sondern die unaufhaltbare Verg\u00e4nglichkeit des Lebens ist es, die Ransmayr hier auf subtile Weise herausstellt und welcher, wie die Neunzigj\u00e4hrigen wohl erkannt haben, kein noch so vehementes Aufbegehren Einhalt gebietet. Oder, wie es Susan Sontag in ihrem viel beachteten Werk <em>On Photography<\/em> beschreibt, sind es <em>Memento Mori<\/em>, die eben gerade jene melancholische Stimmung wiedergeben, welche der Text zu Verleugnen sucht: \u201eAs the fascination that photographs exercise is a reminder of death, it is also an invitation to sentimentality\u201d (71).<\/p>\n<p>Tod und Vergehen finden ferner eine eingehende Betrachtung in der Erz\u00e4hlung \u201eDie ersten Jahre der Ewigkeit\u201c, in welcher weniger das photographische Abbilden als das k\u00fcnstlerische Bemalen von Totensch\u00e4deln im Vordergrund steht. Hier treffen wir auf den Totengr\u00e4ber Friedrich Valentin Idam von Hallstatt, welcher uns im Detail seine Bestattungspflichten und Begr\u00e4bnisrituale sowie seine Affinit\u00e4t zu diesem recht ungew\u00f6hnlichen Beruf erkl\u00e4rt. Selbst noch nicht einmal 25 Jahre alt und gelernter Holzbildhauer ist es Idam ein Anliegen, den Toten das letzte Geleit zu geben, sie in ihrer ewigen Ruhe zu besch\u00fctzen und durch das Bemalen der aus dem zu eng gewordenen Grab entfernten Totensch\u00e4del mit Blumenschmuck dem Prozess des Vergessenwerdens Einhalt zu gebieten. Denn in Hallstatt, welches in einem engen Tal gelegen ist und \u201e wo schon der Platz f\u00fcr die Lebenden so knapp ist, bleibt den Toten nur eine gemauerte Terrasse, ein steinernes, mit Lehmerde gef\u00fclltes Nest im Schatten der katholischen Pfarrkirche\u201c (64). Hier h\u00e4lt die Totenruhe selten l\u00e4nger als zehn Jahre an, bevor die Gebeine aus der Erde entfernt, im Karner aufbewahrt und letztendlich auf Wunsch bemalt werden: \u201eEichenlaub und Efeu auf die Stirnen der M\u00e4nner, Bl\u00fctenzweige und Blumenkr\u00e4nze auf die Stirnen der Frauen\u201c (64). Das Fortsetzen dieses vierhundert Jahre alten Brauches, nur noch selten praktiziert, reiht Idam in eine lange Reihe von Hallst\u00e4tter Totengr\u00e4bern ein und lockt allj\u00e4hrlich 250 000 Touristen an, allesamt mit ihren Kameras bewaffnet, um die verzierten Sch\u00e4del f\u00fcr die Daheimgebliebenen festzuhalten und durch ihre Fotos den zeitlich beschr\u00e4nkten Triumpf \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis der Dokumentation alles Vergangenen findet der Leser wieder und wieder in den Ransmayrschen Erz\u00e4hlungen und durchzieht diese wie ein roter Faden. Obwohl das Alte seinen Dienst geleistet habe und nun Platz f\u00fcr Neues schaffen m\u00fcsse, so der Tenor, st\u00f6\u00dft der Leser auf zahlreiche Versuche, die Vergangenheit auf die ein oder andere Weise dem Vergessen zu entrei\u00dfen und sie f\u00fcr die Nachwelt zu erhalten. So bev\u00f6lkern beispielsweise eine ansehnliche Zahl von Heimatmuseen die Geschichten, deren Ubiquit\u00e4t auf den kollektiv unternommenen Versuch des verzweifelten Bewahrens einer einstmals so vertrauten Kultur schlie\u00dfen l\u00e4sst. Allein in der Erz\u00e4hlung \u201eEin Leben auf Hooge\u201c ist gleich von drei eifrigen Inselchronisten die Rede: dem Hufschmied und Kirchenrechnungsf\u00fchrer Johannes Hansen, welcher neben seinen aus Bernstein geschnitzten Seehunden an Land gesp\u00fclten Hausrat von untergegangenen Warften verwahrt, dem Postschiffer Hans von Holdt, der ein Heimatmuseum eingerichtet hat, \u201ein dem er gegen eine Mark Eintritt zeigt, was ihm an der Geschichte wertvoll erschien\u201c (17) sowie seiner Nachbarin Klara Joachimsmeier, die \u201eihre Wohnung, ihr ganzes Haus zum Museum gemacht\u201c (18) hat und der \u00d6ffentlichkeit ihre Sch\u00e4tze zum Bestaunen zur Verf\u00fcgung stellt. Das eigene Leben wird unter oftmals gr\u00f6\u00dfter Anstrengung archiviert und katalogisiert, die Geschichte der Heimat musealisiert mit der Intention, dem eigenen Leben Signifikanz \u00fcber den Tod hinaus zu geben und dadurch f\u00fcr die Nachwelt lebendig zu bleiben.<\/p>\n<p>Wie Alon Confino in seinem Buch <em>Germany as a Culture of Remembrance. Promises <\/em><em>and Limits of Writing History<\/em> detailliert ausf\u00fchrt, spiegelte das Heimatmuseum nicht nur den Drang nach \u00dcberlieferung und Bewahrung des Vergangenen wider, sondern es erschuf eine Vergangenheit, die es in der vorgestellten Form niemals gegeben hatte. Heimatmuseen entstanden verst\u00e4rkt am Ende des letzten Jahrhunderts, allein 371 in den Jahren von 1890 bis\u00a0 1918, und verfolgten das Ziel \u201ethe uniqueness of the locality\u201c (42), welche nicht selten von der Vorzeit bis zur Gegenwart seine Darstellung fand, zu pr\u00e4sentieren. Es\u00a0 ging keineswegs um eine akademische Aufbereitung nationaler Artefakten, sondern, im Gegenteil, um die Besch\u00e4ftigung mit \u201esmall people instead of elites [\u2026] the locality as the location of the origins of the nation\u201c (43). Das vormals als unbedeutend, allt\u00e4glich Abgewertete sollte der Nachwelt in seiner ganzen Signifikanz, die es f\u00fcr das eigene Leben innehatte, dargeboten werden. Dass es dabei jedoch nicht immer um eine getreue Darstellung der Wahrheit ging, sondern vielmehr um die Erschaffung eines Mythos, welcher der lokalen\u00a0 Kultur einen besonderen Glanz verleihen sollte, wurde verschwiegen. Wie Confino konstatiert, so war \u201e[t]ruth [\u2026] never a goal. Traditions could be invented, providing they conformed to contemporary notions of ancientness, peasant culture, and Swabianness and that they would not stand out awkwardly among real historical traditions\u201c (40-41). Die eigene Geschichte wurde umgeschrieben und den Bed\u00fcrfnissen der Zeit angepasst. Heimatfolklore entstand in Form von vorgeblich traditioneller Bekleidung, Sitten und Gebr\u00e4uchen, denen nicht selten ein antiquierter Anstrich verliehen wurde, um Authentizit\u00e4t zu suggerieren und die eigene Heimat in ihrer vermeintlich urspr\u00fcnglichen Reinheit zu pr\u00e4sentieren. Folglich t\u00e4uschte das Heimatmuseum eine bereinigte Geschichtsversion des Kollektivs vor, die alsbald als einzige offzielle Version der Heimat vermerkt wurde.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang der bewusst vorgenommenen Geschichtsklitterung l\u00e4sst sich auch Maurice Halbwachs anf\u00fchren, der im vergangenen Jahrhundert herausstellte, dass im kollektiven Ged\u00e4chtnis einer jeden Gruppe nicht notwendigerweise verankert wird, was der Wahrheit entspricht, \u201esondern es rekonstruiert [die Vergangenheit] mit Hilfe materieller Spuren, Riten, Texte und Traditionen, die sie hinterlassen hat, aber auch mit Hilfe von neuerlichen psychologischen Gegebenheiten, d.h. mit der Gegenwart\u201c (296). Die Vergangenheit setzt sich demzufolge nicht aus feststehenden, verifizierbaren Tatsachen zusammen, sondern vielmehr aus fortw\u00e4hrenden Neudeutungen dieser, welche den Bed\u00fcrfnissen einer Gruppe immer wieder angepasst werden und so den Zusammenhalt dieser sichern. So auch in der Geschichte \u201eDie vergorene Heimat. Ein St\u00fcck \u00d6sterreich\u201c, in welcher sich eine wehm\u00fctige Beschreibung des Untergangs des ehemals bl\u00fchenden Mostviertels mit seinen zahlreichen Obstb\u00e4umen findet. Von der daniederliegenden Mostwirtschaft ist die Rede, von H\u00f6fen, die sich schon lange nicht mehr rentieren und von der in die Jahre gekommenen Bauernbev\u00f6lkerung, die nun ins Ausgedinge muss. Traditionelle Ger\u00e4te und Werkzeuge landen auf dem M\u00fcllhaufen oder werden in dem Versuch, dem Laufe der Zeit entgegenzuwirken in besagten Heimatmuseen ausgestellt, beispielsweise in jenem von Karl Piaty. Der nun bettl\u00e4gerige B\u00e4ckermeister und Konditor k\u00e4mpfte lange Zeit mit allen Mitteln gegen das Sterben des Mostviertels an, \u201erettete mit wachsender Leidenschaft aus Abbruchh\u00f6fen, Speichern und Scheunen, was vom Fortschritt bedroht war, von fliegenden Altwarenh\u00e4ndlern, dem Moder oder dem Feuer der Kachel\u00f6fen und Herde\u201c (47) und\u00a0 triumphierte zun\u00e4chst \u201e\u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit\u201c (41) in seinen neun Dachkammern, in denen er neben zweitausend ausgedienten Gegenst\u00e4nden achttausendsechshundert Lichtbilder in einhundertsieben Kassetten und achtzehn schwarzen Ordnern verwahrte (43). Piaty machte nicht nur die beklagenswerte Dezimierung der Obstb\u00e4ume in seiner Heimat f\u00fcr die Besucher seiner Dachkammern sichtbar, sondern erreichte \u201ein siebenhundertzweiundvierzig Vortr\u00e4gen in Pfarr- und Gemeindes\u00e4len und einmal sogar im Auditorium Maximum der Wiener Universit\u00e4t\u201c (46-47) ein weitaus gr\u00f6\u00dferes Publikum, in welchen die Heimat in all ihrer Sch\u00f6nheit eine zeitlich begrenzte Wiederbelebung fand. Der Tatsache, dass es sich bei der Darstellung des ehemaligen Mostviertels um eine mystifizierte Version der Vergangenheit handelte, ma\u00df Piaty keine Bedeutung zu.. Es waren die wirtschaftlichen Erfolge, die Gr\u00f6\u00dfe des Hofes, der hervorragende Ruf des eigenen Mosts \u00fcber die Grenzen des Mostviertels hinaus, welche im kollektiven Ged\u00e4chtnis verbleiben sollten, und nicht die \u201earme[n] Zeiten. Auf den H\u00f6fen plagte sich viel Gesinde, in den Wirtsh\u00e4usern fehlte den Tagl\u00f6hnern und Arbeitslosen vor dem Krieg \u2013 und den Kr\u00fcppeln und Heimkehrern nach dem Krieg \u2013 das Geld f\u00fcr Wein und Bier\u201c (46). Negatives wird bewusst ausgeklammert; das Vergangene glorifiziert, um bei den sich zahlreich einfindenden Touristen eine \u201egepflegte Sehnsucht nach der sch\u00f6nen Schlichtheit und Nat\u00fcrlichkeit einer untergegangenen Bauernwelt\u201c (54) zu wecken, aus dieser leicht Profit geschlagen werden kann.<a title=\"\" href=\"#_edn2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Ist die Mythisierung der Vergangenheit im Mostviertel in kleinem Rahmen zu bemerken, so l\u00e4sst sich diese weitaus st\u00e4rker in der Erz\u00e4hlung \u201eAuszug aus dem Hause \u00d6sterreich\u201c ausmachen. In dieser Geschichte wird die einstige Macht der k.u.k. Monarchie von einer getreuen Schar ehemaliger Adeliger sehnsuchtsvoll heraufbeschworen und, wenn auch nur f\u00fcr kurze Zeit, euphorisch wiederbelebt. Anlass dazu ist der 90. Geburtstag der Kaiserin Zita, zu welchem zwei vollbesetzte Reisebusse am 5. April 1982 von Wien nach Chur in der Schweiz aufbrechen, zahlreiche Geschenke im Gep\u00e4ck. Auf der zweit\u00e4gigen Reise wird die Vergangenheit immer mehr zur Gegenwart, \u00fcberlagern Erinnerungen an die l\u00e4ngst verflossene Donaumonarchie sowohl zeitgen\u00f6ssische Geschehnisse als auch die Existenz der \u00f6sterreichischen Republik. Die kaiserliche Nationalhymne \u201eGott erhalte\u201c wird sentimental angestimmt, gegen das Habsburgergesetz gewettert und sich l\u00e4ngst verbotener Adelstitel bedient. Die letztendliche R\u00fcckkehr der Monarchie und ihr Wiedererstarken werden zur Gewissheit, ja zu einer unverzichtbaren Notwendigkeit, wie Herr Feigl, Biograph der Kaiserin Zita, selbstsicher bemerkt: \u201e\u2019Habsburg <em>ist<\/em> das f\u00e4higste und f\u00fchrende Haus Europas und wird, gleichg\u00fcltig in welcher Staatsform, nach einer Kette von schlimmen Erfahrungen\u00a0 mit Empork\u00f6mmlingen wieder an seinen rechtm\u00e4\u00dfigen Platz zur\u00fcckkehren \u2013 den Platz an der Spitze, denn der ist in \u00d6sterreich nach wie vor der Familie Habsburg vorbehalten\u2019\u201c (99).<\/p>\n<p>Eine utopische Zukunftsvision, welche ebenfalls einer fiktiven Vergangenheit bedarf, um verst\u00e4ndlich zu werden: n\u00e4mlich der Glorifizierung des \u00f6sterreichisch-ungarischen Reiches als einem Ort friedlicher Einheit und genuiner Heimat aller \u00d6sterreicher: \u201eDie Kapuzinergruft! Jawohl, dort musste jene <em>Heimat<\/em> liegen, die jedem wahrhaften \u00d6sterreicher in die Kindheit schien\u201c (101). Hier findet sich eine deutliche Anspielung auf den vielzitierten Ausspruch des Philosophen Ernst Blochs, welcher sich in seinem Werk <em>Das Prinzip Hoffnung<\/em> u.a. mit dem Begriff der Heimat auseinandersetzt und diesen als\u00a0 \u201eetwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war\u201c definiert (1628). Wie Peter Blickle in seinem wegweisenden Buch <em>Heimat. A Critical Theory of the German Idea of Homeland<\/em> im Zusammenhang mit Blochs Zitat formuliert, zeichnet sich die Heimatidee durchwegs durch \u201e[a] softly glowing, intermingled aura of innocence and authenticity\u201c (131) aus, wobei f\u00fcr unsere Analyse in erster Linie das Konzept der Unschuld von gro\u00dfer Wichtigkeit ist. Denn, wie aus der Ransmayrschen Erz\u00e4hlung deutlich hervorgeht, ist es wiederum ein idealisiertes Bild der Heimat, welches zweifelsohne in den Vordergrund gestellt wird und bewusst die dunklen Seiten der Regierungszeit des Kaisers Franz Joseph zu ignorieren sucht. Vergessen, wie sein Sohn Rudolf in Mayerling vor seinem Tode ausf\u00fchrte, sind \u201eder Egoismus des Adels\u201c, \u201edie Armuth der V\u00f6lker\u201c, die \u201eHemmung jeder Entwicklung\u201c (104) durch die Herrschenden, dem \u201eFluch f\u00fcr die Menschheit\u201c (104). Vergessen das Unverst\u00e4ndnis des Kaisers seinen \u201egeliebten V\u00f6lker[n]\u201c gegen\u00fcber, das von ihm angerichtete Blutbad in der Schlacht von Solferino (105), die Ablehnung des Kaisers von Fortschritt in jeglicher Form \u2013 \u201ediese[s] unselige[n] Kaiser[s]\u201c, wie Friedrich Heer, der \u201eHistoriker \u00d6sterreichs\u201c, unmissverst\u00e4ndlich ausf\u00fchrt, \u201ediese[s] ungeheuerliche[n] Diktator[s] und in jeder Weise geistig und seelisch impotente[n], kleinw\u00fcchsige[n] und lebensfeige[n] Mensch[en]\u201c, welcher \u201edie durchaus umbauf\u00e4hige Monarchie zugrunde gerichtet hat\u201c (119). Unliebsame Geschichte wird dem Schweigen \u00fcberantwortet; und auch die Weigerung der Kaiserin Zita seit 63 Jahren \u201edie von ihr verlangte Verzichtserkl\u00e4rung zu unterzeichnen\u201c (113) als der heroische Akt einer M\u00e4rtyrerin (113) aufgefasst.<\/p>\n<p>So wenig die Donaumonarchie in ihrem wahren Lichte betrachtet werden will, so ist es auch die problematische Beziehung zu den Deutschen und speziell zu der fatalen Vergangenheit im Dritten Reich, welche immer wieder zugunsten der \u00f6sterreichischen Nation neu verhandelt wird. Die Affinit\u00e4t zu Deutschland wird einerseits als grober Verrat aufgefasst, wie es in Otto von Habsburgs Annahme der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft 1978 deutlich wird \u2013 \u201eDie deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft! Sollte auch <em>Er <\/em>das Haus \u00d6sterreich mit einer blinden Liebe zu Deutschland betrogen haben?\u201c (101) \u2013 andererseits, wie Friedrich Heer klar herausstellt,<\/p>\n<blockquote><p>war bereits der Kaiser geblendet von jenem Deutschlandbild, das in \u00d6sterreich durch die Jahrhunderte gewirkt hat und immer noch wirkt. Eine <em>Imagination<\/em>, verstehen Sie?, ein Bild, das es in der Wirklichkeit nie, nie gegeben hat. Der deutsche B\u00fcndnispartner war doch ebenso irreal wie das Deutschland der Dichter und Denker [\u2026] schon die Offiziere um diese Ungl\u00fccksmenschen Karl und Zita haben an ein \u00e4hnliches Deutschland geglaubt wie Hitler\u2018 (119-20).<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist somit ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis der \u00d6sterreicher zu ihren deutschen Nachbarn und ehemaligen Kriegsverb\u00fcndeten, welches jedoch nur ungen\u00fcgend in seiner Vielschichtigkeit zu Tage tritt. Erinnert wird erneut, was der eigenen Mythenbildung zutr\u00e4glich, und insbesondere f\u00fcr die \u00f6sterreichische Nation von Vorteil ist. So war beispielsweise der Anschluss zun\u00e4chst eine durchaus w\u00fcnschenswerte Ma\u00dfnahme, wie Ransmayr deutlich durch seinen ironischen Erz\u00e4hlton herausstellt, wenn er von der \u201evern\u00fcnftigen, wimpel- und f\u00e4hnchenschwenkenden Menschheit von Waidhofen\u201c spricht, die die Nazis freudig willkommen hie\u00dfen (42). Dass dabei die mongoloiden Brachnerbr\u00fcder, welche ebenfalls einen Teil der Menge bildeten, in sp\u00e4teren Jahren zu den Verschwundenen z\u00e4hlten, findet nur am Rande Erw\u00e4hnung, wird aus der Geschichte herausgeschrieben und damit aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis der \u00d6sterreicher.<\/p>\n<p>Die problematischen deutsch-\u00f6sterreichischen Beziehungen finden desweiteren eine ausf\u00fchrliche Beleuchtung in der Erz\u00e4hlung \u201eKaprun oder die Errichtung einer Mauer\u201c, in welcher es um den Kapruner Talsperrenbau, einem Symbol f\u00fcr die \u00f6sterreichische Nation geht. Auch hier sehen wir deutliche Formen von Geschichtsklitterung, bewusst vorgenommen, um den Mythos der Kapruner Talsperre, der eng mit jenem der Nation \u00d6sterreich verkn\u00fcpft ist, aufrecht zu erhalten.<a title=\"\" href=\"#_edn3\">[iii]<\/a> Wie Benedikt Anderson, \u00e4hnlich wie zuvor Halbwachs, in seinem Klassiker <em>Imagined Communities<\/em> bemerkt, ist die Mythenbildung ein wichtiger Bestandteil von Nationen, um durch gemeinsame Legenden und Heldenepen ein Volk unwiderruflich zusammen zu schwei\u00dfen und infolgedessen ein Fundament f\u00fcr Zusammenhalt und Loyalit\u00e4t zu schaffen. Allerdings beinhalte diese Mythenbildung, laut Anderson, eben nicht nur das Schaffen von Identifikationsobjekten, sondern basiere in gleichem Ma\u00dfe auf der Notwendigkeit des Vergessens und Verdr\u00e4ngens von Geschichte, um so unliebsame Geschehnisse der Vergangenheit eliminieren zu k\u00f6nnen: \u201eHaving to \u2018have already forgotten\u2019 tragedies of which one needs unceasingly to be \u201areminded\u2019 turns out to be a characteristic device in the later construction of national genealogies\u201c (201). So sei es Nationen zwar nur bedingt m\u00f6glich, selbst hervorgerufene Katastrophen, Pogrome oder Kriege zu verheimlichen, jedoch seien diese \u00e4u\u00dferst unangenehmen Ereignisse nur am Rande in der Erinnerung pr\u00e4sent \u2014 sei es die Bartholom\u00e4usnacht in Frankreich oder die Rassenkonflikte in den Vereinigten Staaten \u2014 um durch besagte Verdr\u00e4ngung Einheit und Zusammengeh\u00f6rigkeit eines Volkes vort\u00e4uschen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch in Kaprun l\u00e4sst sich die Notwendigkeit eines bewussten Vergessens von vergangenen Gr\u00e4ueltaten nachweisen. In besagter Erz\u00e4hlung besucht Ransmayr die Kapruner Stauseen, deren gigantische Ausma\u00dfe ihn nicht nur \u00e4sthetisch sehr beeindrucken, sondern deren enormes Zerst\u00f6rungspotential\u00a0 \u2014 die in den Seen gelagerten Wassermassen haben die Macht, ganze T\u00e4ler unter sich zu begraben \u2014 ihn zu philosophischen Diskursen \u00fcber ein Leben in einer fortw\u00e4hrenden Gefahrenzone veranlasst. Kaprun, ein \u00f6sterreichisches Jahrhundertprojekt, welches nur unter dem Aufgebot aller zur Verf\u00fcgung stehenden Kr\u00e4fte, ob freiwillig oder unfreiwillig, und nach etlichen R\u00fcckschl\u00e4gen zu seiner letztendlichen Fertigstellung gelangen konnte, ist nicht nur der ganze Stolz der Kapruner Bev\u00f6lkerung, \u00a0sondern gilt dar\u00fcber hinaus als nationales Symbol f\u00fcr \u00d6sterreich und dessen glanzvolle technische Leistungen. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, wie Ransmayr unumwunden zugibt: Die Stauseen sind imposant in ihrer schier unendlichen Ausdehnung und verleihen der Landschaft eine auf den ersten Blick friedlich-idyllische Atmosph\u00e4re. Wagt man sich allerdings, wie der Autor selbst, zur winterlichen Jahreszeit hinauf in die Berge, bietet sich dem Wanderer ein vollst\u00e4ndig anderes Bild. Unansehnlich liegen sie da, die vom Wasser geleerten Stauseen, auf deren Grund \u201edie w\u00fcsten, grauen Steinhalden, aus deren Bodensatz dann langsam die Ruinen des Arbeiterlagers, der Orglerh\u00fctte und alles Versunkene wieder auftauch[en]\u201c (82). Denn unter der schimmernden Oberfl\u00e4che der blauen Wasser liegt eine Baugeschichte des Schreckens begraben, welche in Kaprun allerdings nicht als Grund f\u00fcr eine intensive Besch\u00e4ftigung und Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit angesehen wird:<\/p>\n<blockquote><p>An die d\u00fcstere erste Bauphase w\u00e4hrend des Krieges erinnert man sich der Genauigkeit halber nicht \u2013 das war schlie\u00dflich eine gro\u00dfdeutsche Zeit und keine \u00f6sterreichische, wei\u00df Gott, und zudem die Zeit der Gefangenen- und Zwangsarbeiterlager am Rande des Dorfes und auf den Almen, die Zeit der namenlosen Toten und des Arbeitermassengrabes an der Salzach. [\u2026] Aber der Krieg habe eben in einem Kapruner Lager nicht anders ausgesehen als in einem russischen oder sonst wo. (79)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Zeit des Nationalsozialismus wird folglich als rein deutsche Zeit betrachtet, wodurch die eigene, \u00f6sterreichische Schuld auf ein Minimum reduziert wird. Nicht die Schandtaten der eigenen Nation, sondern die Gr\u00f6\u00dfe eines Volkes soll im Vordergrund stehen, welches nach den Leiden des Krieges unversehrt wieder auferstanden ist:<\/p>\n<blockquote><p>Erst die Bauchronik der Nachkriegszeit, die stets die eigentliche sein soll, enth\u00e4lt wieder klare bis strahlende Bilder, die hochgehalten, immer wieder ges\u00e4ubert und weiter \u00fcberliefert werden. \u201aKaprun ist ein moderner Mythos f\u00fcr \u00d6sterreich\u2019, hei\u00dft es in einem jener dem Talsperrenbau gewidmeten Heldenromane, die f\u00fcr f\u00fcnf Schilling Entlehngeb\u00fchr pro Band in der kleinen Gemeindeb\u00fccherei von Kaprun nach wie vor bereitliegen; Kaprun \u201a\u2026steht an der Wiege unserer jungen Zweiten Republik. Seine Geburt war gleichzeitig die Wiedergeburt \u00d6sterreichs.\u2019 (79-80)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das von Anderson postulierte Verdr\u00e4ngen von Geschichte zugunsten der glorreichen Mythenbildung einer Nation l\u00e4sst sich in diesen S\u00e4tzen hervorragend wiederfinden, da durch die Kapruner-Talsperre besagter nationaler Mythos geschaffen wird, welcher das \u00f6sterreichische Volk eint und verbindet; eine neue \u00f6sterreichische Identit\u00e4t entsteht, denn \u201eKaprun war \u00d6sterreich\u201c (88) wie der sp\u00e4tere Bauherr Ernst Rotter wehm\u00fctig bemerkt: \u201eich habe gewusst, dass ich so etwas wie Kaprun nie wieder erleben werde\u201c (90). Daher nimmt es nicht Wunder, dass die unz\u00e4hligen Zwangsarbeiter, die w\u00e4hrend des Talsperrenbaus in den Tod st\u00fcrzten, keine \u00f6ffentliche Erw\u00e4hnung finden. Einzig das sogenannte Russendenkmal erinnert an jene 87 Sowjetb\u00fcrger, die bei dem Bau der Talsperre ums Leben kamen. Gegen den Willen der Kapruner Bev\u00f6lkerung errichtet, fristet es nun in einer abgelegenen Sackgasse sein Dasein, nur selten von Touristen entdeckt. Weitere Gedenktafeln existieren nicht.<\/p>\n<p>Diese f\u00fcr den Umgang mit unliebsamen Geschehnissen so charakteristische Amnesie\u00a0 l\u00e4sst sich auch bei Karl Piaty wiederfinden, welcher unter seinen mehr als 8000 Dias bezeichnenderweise nicht ein einziges Lichtbild vorzuweisen vermag, welches Symbole der nationalsozialistischen Zeit tr\u00e4gt: \u201eDie vielen Hakenkreuze, Eichenlaubkr\u00e4nze und Hitlergesichter, die das Mostviertel wie das ganze Land ein tausendj\u00e4hriges Reich lang schm\u00fcckten, haben in den heimatkundlichen Sammlungen unter dem Dach des Konditors Karl Piaty [\u2026] keinen Platz gefunden\u201c (57-58). Denn, so der allgemeine Tenor, \u201e[i]n der <em>Heimat<\/em> war es immer sch\u00f6n: es wurden dort Brautb\u00e4ume und Maib\u00e4ume errichtet, aber keine Galgen. Und auf den H\u00f6fen wurden Senkgruben und Mostkeller ausgehoben, aber keine Massengr\u00e4ber\u201c (58). Heimat und Nationalsozialismus stehen sich diametral gegen\u00fcber, sind gemeinsam undenkbar, was Erinnerungen an das Filmepos <em>Heimat<\/em> von Edgar Reitz weckt, welches scharf f\u00fcr seine nur marginale Erw\u00e4hnung des Holocausts kritisiert wurde. So wirft beispielsweise Getrud Koch Reitz in ihrer Filmbesprechung \u201eHow Much Naivet\u00e9 Can We Afford? The New Heimat Feeling\u201c vor, dass \u201ein order to tell the myth of \u201aHeimat\u2018 the trauma of Auschwitz has to be bracketed from German history. Thus Reitz has to revise history\u201c (13). Auch bei Ransmayr findet eine Verdr\u00e4ngung der Nazischrecken hinsichtlich des Konzentrationslagers Mauthausen statt, \u201edessen Schatten die Heimat nie ber\u00fchrte: Mauthausen lag schon immer jenseits der Mostviertler Zust\u00e4ndigkeit\u201c (58) und folglich jenseits der Notwendigkeit, sich mit den dortigen Geschehnissen kritisch auseinandersetzen zu m\u00fcssen. Die vierzehn H\u00e4ftlinge, die auf ihrem Weg ins Lager damals vor Schw\u00e4che in Wolfsbach zusammenbrachen und dort ihren Tod durch die Pistole eines Aufsehers fanden, wurden in einem Massengrab bestattet, welches mittlerweile jedoch \u201eunter einem hochgewachsenen Dickicht aus Thujen und Wacholder beinah verschwunden\u201c und infolgedessen dem Blickfeld der einheimischen Bev\u00f6lkerung entzogen ist (59). \u00dcberhaupt, so scheint es, fungiert das Nichtsehen oder Nichtwissen als Entschuldigung f\u00fcr die eigene Tatenlosigkeit sowohl nach als auch w\u00e4hrend des Krieges. Die Beantwortung der Frage nach dem schrecklichen Geruch, der aus den Mauthausener Schloten \u00fcber die Felder wehte, erfolgte bewusst nicht:<\/p>\n<blockquote><p>Sie habe, sagt die Altbauerin Maria Grubhofer aus Wegleiten bei Oed, sie habe die<br \/>\nGegend von Mauthausen in der <em>fraglichen Zeit<\/em> sehr gemieden, weil sie \u00fcberzeugt war,<br \/>\ndort etwas zu sehen, was sie ihr Leben lang nicht w\u00fcrde vergessen k\u00f6nnen. Und wer,<br \/>\nsagt Maria Grubhofer, wollte schon mit unausl\u00f6schlichen Bildern im Kopf leben? (59)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Heimat zog niemals Schuld auf sich; es war die Zeit der Nationalsozialisten, \u201eals das [Most]viertel gemeinsam mit dem ganzen Land unter Blechmusik und Hakenkreuzfahnen seinem Heil entgegenzog und in einem tausendj\u00e4hrigen Reich verschwand\u201c (46), eine Zeit demnach, die au\u00dferhalb der \u00f6sterreichischen Zust\u00e4ndigkeit lag und f\u00fcr die zwangsl\u00e4ufig auch keine Verantwortung \u00fcbernommen werden muss.<\/p>\n<p>Der wiederholte Versuch, Vergangenes zu eliminieren und aus dem Ged\u00e4chtnis zu verbannen, kann hingegen nur als bedingt erfolgreich betrachtet werden. Trotz eines kollektiven Verdr\u00e4ngens und dem Wunsch \u201edass dort die Erosion unmerklich Schicht um Schicht von den Steinen schleift und der Wind roten Sand in die W\u00fcste hinaus tr\u00e4gt, bis auch die letzte Wehrmauer eingeebnet und der Ort wieder leer sein wird wie am Anfang der Zeit\u201c (234), wie Ransmayr den Prozess der Geschichtsausl\u00f6schung in seiner Erz\u00e4hlung \u201eFatehpur Oder die Siegesstadt\u201c treffend beschreibt, findet die Vergangenheit immer wieder ihren Weg an die Oberfl\u00e4che:<\/p>\n<blockquote><p>Ein Freund des Konditors, der Maler Reinhold Klaus, verwandelte sich in diesem Jahr vom Heimatliebhaber in einen Professor f\u00fcr Deutsches Brauchtum an der Kunstgewerbeschule in Wien und malte Waidhofen im Fahnenschmuck und ganz so, wie der F\u00fchrer seine St\u00e4dte gern sah. Das Werk h\u00e4ngt immer noch gro\u00df und pr\u00e4chtig im Waidhofener Rathaus; nur die Hakenkreuze wurden, wie so vieles in der Nachkriegsheimat, rot-wei\u00df-rot \u00fcbermalt und mussten seither von einem Restaurator mehrmals abgedeckt werden, weil sie im Lauf der Zeit trotz des kr\u00e4ftigen Auftrags der Nationalfarben wieder und wieder durchschlugen. (60)<\/p><\/blockquote>\n<p>Vergangenes l\u00e4sst sich nicht vollst\u00e4ndig zum Schweigen bringen, sondern verschafft sich Geh\u00f6r, in dem es an die damaligen Schrecknisse erinnert. Es scheint durch die neu aufgetragene Deckfarbe, kommt hinter B\u00fcschen und B\u00e4umen zum Vorschein oder tritt in Form von alten Dokumenten und Lichtbildern zu Tage. Und wie Fatehpur, die Siegesstadt, in all ihrer Pracht auf dem indischen Kontinent noch heute zu bestaunen ist und die Geschichte des gro\u00dfen Allahu Akbars, des Herrschers \u00fcber ein kleines Weltreich, erz\u00e4hlt, so kann auch die nationalsozialistische Vergangenheit \u00d6sterreichs nicht als abgeschlossen gelten. Sie bildet vielmehr einen wichtigen Teil der \u00f6sterreichischen Geschichte, welche die Gegenwart wesentlich beeinflusst. Denn auch wenn alles letztendlich dem Untergang geweiht ist und wir nur bedingt durch Denkm\u00e4ler und Museen oder durch das Bemalen der eigenen Totensch\u00e4del die Erinnerung an uns zu bewahren verm\u00f6gen, so gibt es doch ein Mittel, was uns bleibt, wie Ransmayr in gleich mehreren Erz\u00e4hlungen betont, und welches er als ungeschriebenes Motto seinen Geschichten voranstellt: Es ist die Macht der Sprache, durch welche wir uns und dem Untergegangenen Geh\u00f6r verschaffen k\u00f6nnen und m\u00fcssen: \u201edenn wo immer einer zu sprechen beginnt\u201c so hei\u00dft es wiederum in \u201eFatehpur\u201c \u201eund seine Geschichte mit dem Bild verlassener H\u00e4user, leerer Pl\u00e4tze, leerer Gassen und ausged\u00f6rrter Brunnenbecken er\u00f6ffnet, dort wird gebaut, werden innerhalb eines einzigen Atemzuges Stra\u00dfen gepflastert, wachsen Mauern, T\u00fcrme aus der Tiefe unserer Erinnerung oder der blo\u00dfen Vorstellungskraft\u201c (229).<\/p>\n<p>Es ist letztendlich der Schriftsteller, welchem die Aufgabe des Bewahrens und Erhaltens zuf\u00e4llt, der ausgr\u00e4bt und mitteilt, durch Worte erschafft und kreiert, wie es beispielsweise in \u201eSchnee auf Zuurberg\u201c der Fall ist. In dieser Erz\u00e4hlung ist es die Lekt\u00fcre eines Romans, durch den der Autor der warmen afrikanischen Sp\u00e4tsommernacht enthoben und stattdessen in den kalten Norden, in das heimische \u00d6sterreich versetzt wird. Aus den dichten Insektenwolken auf der Veranda des Zuurberg Hotels werden nach und nach wei\u00dfe, wirbelnde\u00a0 Schneeflocken, die sich auf die s\u00fcdafrikanische Umgebung legen und diese hinter dem Gelesenen verschwinden lassen: \u201eAfrika versank im Schnee, und ich war wieder dort, wo ich herkam, war irgendwo zwischen der K\u00fcste des Indischen Ozeans und dem n\u00e4chtlichen Hochland S\u00fcdafrikas, auf der Passh\u00f6he von Zuurberg, zu Hause.\u201c (218) Die Ferne ger\u00e4t unversehens zur Heimat, die Wirklichkeit tritt hinter der Fiktion zur\u00fcck und verschmilzt mit dieser. Die Vorstellungskraft erschafft eine Realit\u00e4t, welche kaum von der eigentlichen Wirklichkeit zu unterscheiden ist. Und genauso wie der Autor eine neue Welt zu erschaffen vermag, so vermag er auch Vergangenes wieder heraufzubeschw\u00f6ren und seinen Lesern durch seine Worte zug\u00e4nglich zu machen &#8211; Worte, die das eigene Dasein \u00fcberdauern, die auch in ferner Zukunft den Nachgeborenen von einstmals Untergegangenem erz\u00e4hlen, von Vergangenem, welches, so der Wunsch des Autors, in der Geschichte \u00fcberleben werde, lange nachdem der Autor selbst das Zeitliche gesegnet hat. Denn, wie Ransmayr am Ende seiner Kurzgeschichtensammlung hoffnungsvoll verk\u00fcndet, \u201eselbst wenn einer von uns verstummt und verschwindet \u2013 wir vertrauen darauf, dass immer welche zur\u00fcckbleiben, die imstande sind, weiterzuerz\u00e4hlen und sich zu erinnern, an das, was wirklich \u2013 und was blo\u00df m\u00f6glich war\u2026\u201c (235).<\/p>\n<div><\/div>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><strong>\u00a0Endnoten<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[i]<\/a> Wo sie nicht anders gekennzeichnet sind, beziehen sich die Ziffern in Klammern auf Chrisoph Ransmayr, <em>Der Weg nach Surabaya<\/em>\u00a0 (Frankfurt am Main: Fischer, 1999).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[ii]<\/a> Vergleiche hierzu noch einmal Alon Confino, welcher \u00fcber die Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit der \u201eHeimatlers\u201c am Ende des 19. Jahrhunderts schreibt: \u201eSoon the commercialization of <em>Tracht<\/em>, that is, of tradition, was in full swing. Villagers understood that selling at town markets in traditional dress associated freshness and health with their products. Others sold for high prices the old costumes from grandmother\u2019s chest. And photographers sold pictures, taken some weeks before, of authentic <em>Tracht<\/em> from the good old days\u201c (41).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[iii]<\/a> Eine \u00e4hnliche Besch\u00e4ftigung mit dem Thema der Kapruner Talsperre findet sich in Elfriede Jelineks Theaterst\u00fcck <em>Das Werk<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>Anderson, Benedict. <em>Imagined Communities<\/em>. London: Verso, 1991. (orig. 1983).<\/p>\n<p>Blickle, Peter. <em>Heimat \u2013 A Critical Theory of the German Idea of Homeland<\/em>. Rochester:<\/p>\n<p>Camden House, 2002.<\/p>\n<p>Bloch, Ernst. <em>Das Prinzip Hoffnung<\/em>. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985. (orig. 1954-59).<\/p>\n<p>Confino, Alon. <em>Germany as a Culture of Remembrance. Promises and Limits of Writing<\/em><\/p>\n<p><em>History<\/em>. Chapel Hill: The University of North Carolina Press, 2006.<\/p>\n<p>Halbwachs, Maurice. <em>Das Ged\u00e4chtnis und seine sozialen Bedingungen<\/em>. Berlin: Luchterhand,<\/p>\n<p>1966. (orig. 1925).<\/p>\n<p>Jelinek, Elfriede. <em>Das Werk. In den Alpen. Drei Dramen<\/em>. Berlin: Berlin Verlag, 2004 (orig.<\/p>\n<p>2002).<\/p>\n<p>Koch, Gertrud. \u201eHow Much Naivet\u00e9 Can We Afford? The New Heimat Feeling.\u201c <em>New <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 German \u00a0Critique<\/em> 36 (1985): 13-16.<\/p>\n<p>Ransmayr, Christoph. <em>Der Weg nach Surabaya<\/em>. Frankfurt am Main: Fischer, 1999 (orig.<\/p>\n<p>1997).<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Die Schrecken des Eises und der Finsternis<\/em>. Frankfurt am Main: Fischer, 1987 (orig.<\/p>\n<p>1984).<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Morbus Kitahara<\/em>. Frankfurt am Main: Fischer, 1999 (orig. 1995).<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Die letzte Welt<\/em>. Frankfurt am Main: Fischer, 2007 (orig. 1988).<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Der fliegende Berg<\/em>. Frankfurt am Main: Fischer, 2007 (orig. 2006).<\/p>\n<p>Sontag, Susan. <em>On Photography<\/em>. New York: Picador, 2001 (orig. 1977).<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Ransmayrs Der\u00a0Weg nach Surabaya \u2013 Auf den Spuren einer unliebsamen deutsch-\u00f6sterreichischen Vergangenheit Christoph Ransmayr ist wohl einer der profiliertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. 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