{"id":2682,"date":"2012-10-31T12:55:27","date_gmt":"2012-10-31T16:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=2682"},"modified":"2012-10-31T12:55:27","modified_gmt":"2012-10-31T16:55:27","slug":"volker-sielaff-glossen-35","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-352012\/volker-sielaff-glossen-35\/","title":{"rendered":"Volker Sielaff"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Dinge<\/strong><br \/>\nEs ist nur dieser kleine Ausschnitt im Hof<br \/>\nein St\u00fcck Aussicht, die ich habe von meinem<br \/>\nFenster. Wenn der Platz unter der Birke<\/p>\n<p>verwaist ist, k\u00fcnden die herumliegenden Dinge<br \/>\nvon zahllosen, vorl\u00e4ufig aufgek\u00fcndigten<br \/>\nAnwesenheiten, ein alter Kessel ohne<\/p>\n<p>Klang. Dann f\u00fcllt er sich mit Wasser, Stimmen.<br \/>\nDie Kinder kommen in den Hof gelaufen, nehmen<br \/>\nwas geduldig wartete unter der Birke, in Besitz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gullivers Reisen<\/strong><br \/>\nWer bin ich, wenn sie mich fragt<br \/>\nwer ich war als Kind?<br \/>\nDieser, Jener, ein Dritter?<\/p>\n<p>Bin ich der, der mich beschreibt,<br \/>\nvon dem es h\u00f6rt aus meinem Mund,<br \/>\nwenn ich erz\u00e4hle, von wem?<\/p>\n<p>Wachse ich mir<br \/>\nr\u00fcckw\u00e4rts selbst entgegen,<br \/>\nverkleinere ich mich, heute<\/p>\n<p>Zwerg und morgen<br \/>\nwieder Riese neben ihr &#8211;<br \/>\nder bestimmt wann es ins Bett geht,<br \/>\nZ\u00e4hneputzen nicht vergessen?<\/p>\n<p>Nicht mal dieses Foto<br \/>\nkann ich ihr zeigen, irgendwo<br \/>\nmu\u00df es ja geblieben sein<\/p>\n<p>so unbeschadet aller Zweifel<br \/>\nda\u00df der Dargestellte<br \/>\nich gewesen sein werde,<br \/>\nals Kind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selbstportr\u00e4t mit Zwerg<\/strong><br \/>\nUnwahrscheinlich,<br \/>\nda\u00df eine Leine voll bunter W\u00e4sche<br \/>\nzu einem Mythos taugt, oder einem Zwerg<br \/>\nmit ausgeschlagenen Z\u00e4hnen ein Anrecht<br \/>\nauf Ewigkeit g\u00e4be, nur weil er darunter<br \/>\nseinen Rumpelstilzchen-Blues anstimmt,<\/p>\n<p>ebenso unwahrscheinlich,<br \/>\nda\u00df ehrliches L\u00fcgen oder dein l\u00fcgnerisches<br \/>\nSchweigen aus ein und demselben<br \/>\nStamm sprie\u00dfen, da\u00df deine Fragen geradewegs<br \/>\nin die H\u00f6lle f\u00fchren, ins gelobte Land, warum also<br \/>\nnicht darauf antworten; seit Tagen<\/p>\n<p>bringst du mich um das Wichtigste,<br \/>\nmeine Gewi\u00dfheit, dieser oder jener<br \/>\nzu sein, oder doch der, dem die Antworten<br \/>\nwie Pilze aus der Tasche fallen, unwahrscheinlich<br \/>\ndas alles, und zuallererst, da\u00df ich es bin,<br \/>\nder so, von sich selber, spricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeit<\/strong><br \/>\nVon dieser Reise wei\u00df ich mehr als du.<br \/>\nZu klein warst du, um Bilder zu bewahren,<br \/>\ndeine Erinnerung war noch ohne Gef\u00e4\u00df, ganz<br \/>\naufgehoben in einem Unten zwischen Bald<br \/>\nund Noch Nicht. Die G\u00e4nse im Domhof<br \/>\nzeigte ich dir, sp\u00e4ter auf Fotografien, wir<br \/>\nsteckten unsere K\u00f6pfe durch die Gitter,<br \/>\nkeiner war keinem im Weg, obwohl der Platz<br \/>\nvoller Touristen war, die begl\u00fcckt<br \/>\nauf die G\u00e4nse starrten, so als w\u00e4ren<br \/>\nsie ihretwegen gekommen, nicht<br \/>\num die Sarkophage aus Marmor<br \/>\nin Augenschein zu nehmen, vor uns<br \/>\nsprudelte der Brunnen, da war ich<br \/>\nnoch klein, sagst du, wann immer<br \/>\nich dir die Fotografien zeige<br \/>\nvon der Kathedrale La Seu, wie<br \/>\nkam das Licht in den K\u00f6rper (deinen?)<br \/>\ndurch die bemalten Glasfenster des Doms?,<br \/>\nwelche Wege geht Licht, was erz\u00e4hlt es,<br \/>\nwovon wir tr\u00e4umen? Ich trug dich<br \/>\ndie Stra\u00dfen auf und ab, das Licht<br \/>\nschaukelte in uns wie eine Fl\u00fcssigkeit<br \/>\nin einer verschlossenen Flasche, die<br \/>\nerst sp\u00e4ter ge\u00f6ffnet werden wird, beim<br \/>\nBetrachten der Bilder, in einem Sommer,<br \/>\nsp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Aus: <em>Selbstportr\u00e4t mit Zwerg<\/em>, Verlag luxbooks, 2011.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dinge Es ist nur dieser kleine Ausschnitt im Hof ein St\u00fcck Aussicht, die ich habe von meinem Fenster. Wenn der Platz unter der Birke verwaist ist, k\u00fcnden die herumliegenden Dinge von zahllosen, vorl\u00e4ufig aufgek\u00fcndigten Anwesenheiten, ein alter Kessel ohne Klang. Dann f\u00fcllt er sich mit Wasser, Stimmen. 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