{"id":3203,"date":"2013-06-11T14:08:13","date_gmt":"2013-06-11T18:08:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=3203"},"modified":"2013-06-11T14:08:13","modified_gmt":"2013-06-11T18:08:13","slug":"3203-2hans-michael-speier-glossen-36-2013","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/archive-most-recent-issue-glossen-362013\/3203-2hans-michael-speier-glossen-36-2013\/","title":{"rendered":"Michael Speier"},"content":{"rendered":"<h3>fl\u00fcchtige balance<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>LE PAYSAN DE NEW YORK (4)<\/strong><\/p>\n<p>SICHER dass das das jahrhundert der wolken ist?<br \/>\nihre oberfl\u00e4chen so r\u00e4tselhaft<br \/>\nwie ihr taktieren gegen die fliehkr\u00e4fte<br \/>\nlockerer wechsel von zeit und m\u00f6glichkeit<br \/>\ndu siehst sie aus den elendsquartieren<br \/>\nder economy class in vor\u00fcbergleitenden z\u00fcgen<br \/>\nvon der president\u2018s lounge wo man duscht<br \/>\nund drinks nichts kosten denkst wolken<br \/>\n(entstanden, schon verschollen)<br \/>\nin denen du deine depression badest<br \/>\nwenn die himmel schlie\u00dfen wolken<br \/>\nbirnenf\u00f6rmig oder wie mauern<br \/>\nin szene gesetzt fraktal oder gutgelaunt<br \/>\nnicht fixiert aufs fixieren fl\u00fcchtige<br \/>\nbalance zwischen zerst\u00e4uben<br \/>\nund zentrieren (wie das ich) wie dateien<br \/>\ndie man nicht wiederherstellen kann<br \/>\nwie die zeit zwischen copy &amp; past<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DIE EINSCHIFFUNG NACH KYTHERA (1)<\/strong><\/p>\n<p>NUR EINEN g\u00f6nner<br \/>\nf\u00fcr diesen gewaltigen sommer<br \/>\nan dessen ende wir stehn<br \/>\num auf die see zu blicken<br \/>\ndie lichte unruhe kr\u00e4uselt<br \/>\nuns aber kr\u00e4nkt kein bew\u00f6lktsein<br \/>\n(im sinne von \u201everrauscht\u201c)<br \/>\nwir leben in ausgeleuchteten r\u00e4umen<br \/>\naus landschaft, die macchia polstert die h\u00e4nge<br \/>\nrasen mit frischem fassonschnitt<br \/>\ndie halme gezupft mit der zuckerzange<br \/>\nhier nun die frage was willst du betonen<br \/>\nwenn die terrassen unterm sternbild<br \/>\ndes kleeblatts hindurchziehn<br \/>\nund unser leben sei wie wir es uns denken<br \/>\neiner sagt human flourishing<br \/>\nein andrer oxytocin manche<br \/>\nliegen auf sofas h\u00f6ren musik<br \/>\nsingen verstreute b\u00fccher papiere<br \/>\njemand trinkt wein<br \/>\nbald aber m\u00fcssen wir reisen<br \/>\nversorgt mit italienischen brocken die man uns<br \/>\n(den hyperbor\u00e4ischen hunden) hinwirft<br \/>\nw\u00e4hrend auf dem tisch der sprache<br \/>\ndie silbernen l\u00f6ffel ruhn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DIE EINSCHIFFUNG NACH KYTHERA (4)<\/strong><\/p>\n<p>ICH LAUF die serpentinenstra\u00dfe<br \/>\nwas ist und ist nicht<br \/>\nim sinne von bl\u00fchen wachsen<br \/>\nwas ist umsonst, vergebens kostenlos<br \/>\nzunge sei still, schlie\u00dfe dich mund aber<br \/>\n(ah, dieses aber !) la tua bocca<br \/>\nfinden wir uns, finden wir uns ein im sinne von<br \/>\ntreffen wir uns wieder? n\u00e4mlich<br \/>\nvon eintreffen oder an einem bestimmten ort<br \/>\nerscheinen, ist es ein einziges ritroviamo? und<br \/>\n\u201everrauscht\u201c hat es eine nebenbedeutung<br \/>\nim sinne von ged\u00e4mpft oder aber<br \/>\nvergangen, aufgeh\u00f6rt ? (also smorzato) soll es<br \/>\nredewendung sein? ist es ein denkbild?<br \/>\nsind es privilegien, pinien-gleichungen<br \/>\nist es wenig fast nichts, und zwar heftigst?<br \/>\nlehne ich mich ins weite, greife ich tief<br \/>\nbin ich forsch, grammatisch, eifrig<br \/>\nbeim horten von worten lauf ich<br \/>\ndie serpentinenstra\u00dfe<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>IVY LEAGUE<\/strong><\/p>\n<p>unverliebt auf einer bank am green<br \/>\nilluminiert die weite fl\u00e4che vom april<br \/>\nstudenten spielten wie junge hunde<br \/>\nim sonnenlicht mit langen schatten, so<br \/>\nbegriff ich ein muster verliert seine form<br \/>\nl\u00f6st sich auf wie in der w\u00e4rme des fr\u00fchjahrs<br \/>\ndas eis auf den pf\u00fctzen dann wieder, als sollte<br \/>\nalles erst kommen, der alte gauner der andersheiten<br \/>\nauf br\u00e4unlichem gras erschien<br \/>\nder zustand geheimnislos, busse fuhren<br \/>\nnach libanon oder kanaan im kreis ums green<br \/>\nglitten ins gelobte land oder kamen von dort<br \/>\nmit leuchtschriften, stadtpl\u00e4nen, men\u00fc-<br \/>\nkarten, hotelpapieren und p\u00e4psten<br \/>\nan die man sich gew\u00f6hnt wie an den<br \/>\ndunst der gedanken \u00fcber der kopfstadt<br \/>\nan die stimme au\u00dferhalb des bildes<br \/>\ndie f\u00fcr kurze dauer eins wird<br \/>\nmit dem allerh\u00f6chsten geflunker<br \/>\nund dem schrei der spielenden<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SCHLACHT UM BERLIN (1)<\/strong><\/p>\n<p>WARUM EIGENTLICH MAN SCHL\u00c4FT w\u00fcssten wir gern<br \/>\nwarum eigentlich werden daten immer \u00f6fter in wolken abgelegt<br \/>\nund im wattigen vakuum eines warteraums am flughafen wir<br \/>\nwarum eigentlich berlin gerade wieder kippt<br \/>\nam horizont sein ber\u00fcchtigtes grau: prognosen<br \/>\ndarin abend und morgen verschwimmen<br \/>\nwarum aber kurz vor milch dies saugende licht<br \/>\nzwischen berghain und paris bar (das w\u00fcssten wir gern)<br \/>\ndie eleganz des luftwiderstands wenn man hinaustritt<br \/>\nins off-ne zwischen hellsinn und herzschaden<br \/>\nnach den m\u00fchsam verpassten gelegenheiten<br \/>\nzwischen gl\u00e4sern und unsagbar t\u00f6richten augenb\u00e4dern<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich \u2013 kann man entgegnen \u2013 das liegt an den<br \/>\nereignissen die verteilen sich nicht gleichm\u00e4\u00dfig<br \/>\nin raum zeit &amp; musik oder es liegt an den<br \/>\nunbemannten dokumenten mit denen<br \/>\nsie einem die seele rausdrehn<br \/>\nan minier-motten in den kastanienalleen<br \/>\nder ewigen traufh\u00f6he des stimmann<\/p>\n<p>alles ausreden \u2013 ist eigentlich es verboten<br \/>\nvergangenheit zu essen oder an piercings<br \/>\nzu r\u00fctteln oder den erdenkbarkeiten<br \/>\nwo doch die klimakapseln dahinsurrn<br \/>\nim kleinen ball der neben dem eigenen kopf schwebt<br \/>\nund man nicht wei\u00df warum noch richtung mitte<br \/>\nwo einen wei\u00df und leicht das fr\u00fchlicht duzt<\/p>\n<p>warum also zerbrechen um aufzudecken<br \/>\n(frangio ut pare facias) dann lieber heim<br \/>\nins bionaden-biedermeier der b\u00f6tzow<br \/>\noder gro\u00dfspurig die frankfurter durchfegt<br \/>\nund wenn die eingeschlossenen fragen<br \/>\nwo bleibt wenck? sag ihnen im tresor<br \/>\nund anderen bunkern wir liegen hier<br \/>\nerschossen herum in diesem augenwinkel<br \/>\nhaben das wachsein schon vor sieben<br \/>\nmilliarden jahren eingestellt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SCHLACHT UM BERLIN (2)<\/strong><\/p>\n<p>ES GR\u00dcNT SO HERAUS aus dem von morgenlicht durch<br \/>\nsonnten reichstagsrasen zu gleichg\u00fcltig<br \/>\num \u201estrahlend\u201c zu sagen alles einheitlich<br \/>\nund langsam, schmiegsam die fr\u00fchen<br \/>\nbesuchergruppen an den containern<br \/>\ndie rein wolln in die kuppel, gescannt werden<\/p>\n<p>sagt nebenan ein herrenhemd wie durch<br \/>\nes sein fleisch haben m\u00f6chte gr\u00fc\u00dft gel\u00e4ufig<br \/>\nals w\u00e4ren wir alte freunde (kumpel) da noch einen<br \/>\nn\u00fctzlichen beitrag leisten zu wollen ist wie eine arie<br \/>\naus lullys armida gesungen von veronique gens<br \/>\nauf der partymeile in delmenhorst<\/p>\n<p>jeder ist sch\u00f6n oder fast jeder der hier ansteht durch<br \/>\nleuchtet von kategorien des erhabenen<br \/>\nwo hast du nur diese schuhe her, wie geht\u2019s R<br \/>\nwer schl\u00e4ft mit wem im kaufhaus HIER-UND-JETZT<br \/>\nnicht wahr alles gute fragen ohne die wir nichts<br \/>\nsind als ein nichts uns behaupten m\u00fcssen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SCHLACHT UM BERLIN (3)<\/strong><\/p>\n<p>DAS GANZE INVENTAR deutlich da<br \/>\nunter den zehrenden zerrenden winden<br \/>\ndes fr\u00fchjahrs: irre kichern elfen<br \/>\ngnome trippeln im reigen<br \/>\nman riecht sich durch bis in die tiefe der zeit<br \/>\ndie \u00f6ffentlichen wege nach kyto-art<br \/>\nbeharkt von eurojobbern (sie haben das zeug<br \/>\nzu menschen, meint herr s.) vergessen<br \/>\nder blutige ferdinand die kalte sophie<br \/>\nalles bereit zu orgasmischer durchhellung der welt<br \/>\nge\u00f6ffnet die aphroditen-arsenale<br \/>\n(ihr sch\u00f6nen aus prenzlau und treuenbrietzen)<br \/>\ndie stille nur leicht geritzt vom summen kleinster insekten<br \/>\nschon wackelt der erste tourist heran<br \/>\nin jerusalem regnets kr\u00e4ftig karfreitag<br \/>\nden gro\u00dfen stern umbl\u00fcht der gelbe flieder wieder<br \/>\nantike ch\u00f6re treten auf wann<br \/>\ngeht der erste zug nach s\u00fcden<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #999999\">Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus: Michael Speier: <em>Haupt Stadt Studio. Gedichte, mit einem Vorwort von Michael Braun,<\/em> Illustrationen von Hans Wrap und einer Komposition von Wolfgang Seierl, Berlin: Aphaia Verlag, 2012 (ISBN 978-3-926677-84-6).<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>fl\u00fcchtige balance &nbsp; LE PAYSAN DE NEW YORK (4) SICHER dass das das jahrhundert der wolken ist? ihre oberfl\u00e4chen so r\u00e4tselhaft wie ihr taktieren gegen die fliehkr\u00e4fte lockerer wechsel von zeit und m\u00f6glichkeit du siehst sie aus den elendsquartieren der economy class in vor\u00fcbergleitenden z\u00fcgen von der president\u2018s lounge wo man duscht und drinks nichts [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":394,"featured_media":0,"parent":3092,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3203","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/394"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3203\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}