{"id":3488,"date":"2013-11-07T15:00:28","date_gmt":"2013-11-07T20:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=3488"},"modified":"2013-11-07T15:08:29","modified_gmt":"2013-11-07T20:08:29","slug":"christine-cosentinoglossen-37-2013","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-372014\/christine-cosentinoglossen-37-2013\/","title":{"rendered":"Christine Cosentino"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Heins Roman <em>Weiskerns Nachlass<\/em> : Angsttraum, Wunschtraum oder beides?<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 2011 ver\u00f6ffentlichte Christoph Hein seinen Gesellschaftsroman \u2013 so der Klappentext \u2013 Weiskerns Nachlass[1], einen Roman \u00fcber einen in eine Sackgasse geratenen Akademiker an der Leipziger Universit\u00e4t. Ein Jahr sp\u00e4ter erhielt er f\u00fcr dieses Werk den Uwe-Johnson-Preis. Die Jury begr\u00fcndete die Verleihung an den Autor mit seinem gesellschaftskritischen Anspruch von Literatur. Der Roman spiele konsequent durch, wie tr\u00fcgerisch soziale Sicherheit in der Gegenwart sein k\u00f6nne. Dabei schildere der Autor den Abstieg nicht in den Grenzbereichen der Gesellschaft, sondern in ihrer Mitte. Wie bei Uwe Johnson werde in diesem Roman offenbar, \u201cauf welche Weise der Einzelne in die gesellschaftlichen Zeitl\u00e4ufe hinein ger\u00e4t und zu ihrem Spielball wird.\u201d[2]\nDer Leser erwartet \u2013 sollte er mit der Einsch\u00e4tzung der Jury vertraut sein \u2013 einen auf negativen Tonlagen konzipierten Gesellschaftsroman. Die Kritik, durchaus berechtigt, sah es entsprechend. Von einem \u201czutiefst pessimistischen Roman\u201d[3] war u.a. die Rede, von \u201cscharfer Gesellschaftskritik\u201d[4], \u201cvon einem hervorragend recherchierten, bitterb\u00f6sen Zustandsbericht\u201d[5], einem \u201czutiefst pessimistischen Portr\u00e4t der Zeit\u201d[6] oder \u201ceinem pessimistischen Buch. Es verschlie\u00dft sich jeder L\u00f6sung.\u201d[7] Allerdings meldeten sich auch Stimmen, die auf die f\u00fcr Hein typische Struktur der Offenheit verwiesen, auf verdeckte Sinnebenen, die dem Leser intensive Bedeutungsprojektionen abverlangen. So hie\u00df es u.a.: \u201cDem Leser ist es \u00fcberlassen, sich auf das offene Ende des Romans seinen Reim zu machen\u201d[8], also einen\/keinen optimistischen Akzent zu setzen.<br \/>\nIn Diskussionen \u00fcber die Vieldimensionalit\u00e4t und Offenheit von Heins Texten bzw. Stil gehen Kritiker vorrangig von dem Gespr\u00e4ch aus, das er im Jahre 1986 mit Krzysztof Jachimszak f\u00fchrte[9]. Hier lehnte er jegliche moralische Instanz ab und hob hervor, \u201cer sei kein Moralist, sondern ein Chronist [\u2026], der ohne Hass und Eifer dar\u00fcber berichtet, was er zu sehen bekommt. [Er erz\u00e4hle immer] sehr distanziert, oft im Protokollton, mit ganz lapidaren S\u00e4tzen, die meistens Feststellungen sind.\u201d(51) Im Jahre 2011, in Bezug auf sein bis dato letztes Werk, <em>Weiskerns Nachlass<\/em>, wiederholte Hein noch einmal, dass sich an seiner Poetik seismographischen Aufzeigens, aber nicht Eingreifens nichts ge\u00e4ndert habe: \u201cIch kann nur registrieren und so genau als m\u00f6glich beschreiben.\u201d[10] Hein distanziert sich vom Text und l\u00e4sst diesen f\u00fcr sich selbst sprechen. Er forderte allerdings emphatisch einen \u201caktiven Leser, der die Dinge, wo ich aufh\u00f6re zu sprechen oder nur wenig mitteile, um ihm einen Freiraum zu lassen, f\u00fcr seine Erfahrungen, auch zu Ende f\u00fchren kann [\u2026] Jeder Leser liest anders [\u2026] Man liest gem\u00e4\u00df seiner Erfahrung.\u201d[11] Die vielen Leerstellen, das Ungesagte, der Untertext, der nicht zu Ende gef\u00fchrte Gedanke sowie umfangreiche wie mehrdeutige Symbole sind die Grundpfeiler einer Poetik des dialogischen Sprechens. Auch f\u00fcr das neue Werk <em>Weiskerns Nachlass<\/em> gilt das dialogische Prinzip. Hierzu der Kommentar eines Kritikers, der die unterschiedlichen Erfahrungsbereiche des Lesers hervorhebt: \u201cEs geh\u00f6rt zu den gro\u00dfen St\u00e4rken des Romans von Christoph Hein, dass man nicht sagen kann, ob das [Ende] eher deprimierend oder tr\u00f6stlich ist.\u201d[12] Aus welchen Assoziationsbereichen sich allerdings diese schwankenden Interpretationsebenen ableiten lassen, wurde nicht n\u00e4her erw\u00e4hnt. Zu untersuchen w\u00e4ren folglich die Textstrategien, in denen Ambivalenzen oder Mehrdeutigkeiten angelegt sind.<br \/>\nDer vorrangig im Pr\u00e4sens geschriebene Roman besteht aus 21 Kapiteln, von denen das erste und das letzte zyklisch ineinandergleiten. Im ersten Kapitel befindet sich der Dozent R\u00fcdiger Stolzenburg im Flugzeug auf einer Reise nach Basel, wo er einen Vortrag halten soll. Aus dem Fenster blickend, ger\u00e4t er in Panik, denn er glaubt zu sehen, dass die Propeller des Flugzeugs ausfallen. Dieselbe Paniksituation wiederholt sich am Ende der Handlung, jedenfalls auf den ersten Blick, bis der Leser beim zweiten Lesen subtile Unterschiede entdeckt. Treffend formuliert es der Kritiker Christian Metz: \u201cWas wie eine unscheinbare Flugzeugepisode wirkt, enth\u00e4lt in Wahrheit, wie durch ein Brennglas geb\u00fcndelt, die gesamte Welt und die Poetik des Romans\u201d (Metz). Warum Angst und Absturzpanik? Stolzenburg ist Dozent mit halber Stelle, und auch ansonsten ist sein Leben nichts Halbes und nichts Ganzes. In den beiden Flugzeugepisoden finden sich Motive und Symbole, die den Roman leitmotivisch durchdringen, die Akzente setzen und auf Gefahrenzonen weisen. Dominierend ist das Motiv des Kreises, das im mythologischen Apparat eine gebrochene Symbolik aufweist. Es ist einmal Sinnbild f\u00fcr eine ideale Ordnung, f\u00fcr Ganzheit, f\u00fcr Gleichgewicht, Harmonie und Ausgewogenheit[13]; zum anderen weist ein Kreis \u201cauf die eint\u00f6nige Wiederkehr derselben Situation [\u2026]\u201d, auf \u201cdie Einkreisung des Menschen durch das gesellschaftliche Milieu [\u2026]\u201d[14], d.h. auf den Verlust der Entscheidungsfreiheit des Handlungstr\u00e4gers. Eingebunden in dieses Bildfeld sind rotierende Fl\u00fcgel, Propeller, Windr\u00e4der, zyklisch immer wieder neu durchgekaute Wiederholungen im Berufsleben. Weiterhin f\u00e4llt neben der Kreissymbolik ein um Halbheiten kreisendes Assoziationsfeld auf, und da Stolzenburg st\u00e4ndig Gefahr l\u00e4uft, in einem scheinbar nie enden wollenden Auf und Ab den festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren, ist die Absturzangst in seinem Leben immer pr\u00e4sent; es fehlt daher nicht an Fall- und Sturzhelmmotivik. Eingebettet in die beiden Schl\u00fcsselkapitel, ins erste und letzte, ist die eigentliche Handlung, d.h. die Reflexionen des R\u00fcdiger Stolzenburg \u00fcber sein verfehltes \u201chalbes Leben\u201d im Prekariat der Universit\u00e4t Leipzig. Zu untersuchen w\u00e4re, ob oder auf welche Weise der gebeutelte Dozent sich in den gesellschaftlichen Zeitl\u00e4ufen verstrickt und zu ihrem Spielball wird, ob er den Verlockungen im Sumpf von Geld und Sex erliegt, Moral und Selbstrespekt verliert und zum verachtungsw\u00fcrdigen \u201ckleinen Dozentenferkel\u201d (W 318) wird.<br \/>\nAn seinem 59. Geburtstag, also nach mehr als der H\u00e4lfte seines Lebens, erf\u00e4hrt R\u00fcdiger Stolzenburg, der seit f\u00fcnfzehn Jahren Dozent mit halber Stelle ist, dass ihm eine Bef\u00f6rderung zum akademischen Rat mit voller Stelle f\u00fcr immer versagt ist. Er hat ein l\u00e4cherlich geringes Gehalt, \u201cdas kein Automechaniker akzeptieren w\u00fcrde,\u201d (W 93) und verdient sich nebenbei mit Vortr\u00e4gen oder Rezensionen noch etwas dazu, um sich \u00fcber Wasser zu halten. Trotzdem hat er anfangs noch Illusionen, und einem ganz auf Profit getrimmten Finanzberater, der jeden Morgen um halb drei die B\u00f6rsen S\u00fcdostasiens pr\u00fcft und damit bereits einen halben Arbeitstag hinter sich hat, erkl\u00e4rt er einmal: \u201cEs macht mir Spa\u00df, und meine Arbeit erscheint mir sinnvoll, gibt meinem Leben einen Sinn [\u2026] Ich w\u00fcrde gern mehr Geld verdienen, aber ich w\u00fcrde nie arbeiten, nur um Geld zu verdienen. Das w\u00e4re f\u00fcr mich die schiere Vergeudung von Lebenszeit\u201d (W 100). Doch die Illusionen schleifen sich ab. Wird er Verf\u00fchrungen gegen\u00fcber anf\u00e4llig, was ihm das Leben an der Universit\u00e4t leichter machen w\u00fcrde? Wird er korrupt? Der Roman beleuchtet die Existenz\u00e4ngste des alternden Mannes, f\u00fcr den mit den entschwindenden sozialen Sicherheiten Frauen und nichts sagende, unverbindliche Verh\u00e4ltnisse immer wichtiger werden. Christoph Hein selbst kommentiert in einem Interview: \u201cAuch in seinem Leben hat er [Stolzenburg] irgendwie nur eine halbe Stelle. Und er ahnt etwas vom Ende\u201d[15], hat eine uneingestandene Angst vor dem Ende. Man kann das Thema auf eine Kurzformel bringen: \u201chalbe Stelle, halbes Leben\u201d; kurz: ein \u201cMann im Halbschatten\u201d[16], oder, wie Christian Metz kommentiert: \u201cStolzenburg lebt in einer Welt des halbvollen Glases, ohne Aussicht auf Besserung\u201d (Metz).<br \/>\nAls Kulturwissenschaftler an der Leipziger Universit\u00e4t wird Stolzenburg nicht gebraucht. Sein Fachgebiet bringt \u2013 so sein Institutsleiter \u2013 \u201ckein Geld, wir haben keine Sponsoren, treiben viel zu wenig Drittmittel auf, wir gelten als Belastung\u201d (W 19) bzw. als \u201cExoten, als ein Orchideenfach\u201d (W 20). Stolzenburg lehrt desinteressierte, mit Halbheiten und Mittelma\u00df durchaus zufriedene Studenten, die nach Vollendung des Studiums selbst in die Arbeitslosigkeit oder ins Prekariat entlassen werden, sollten sie nicht aus bemittelten Familien kommen, die ihren studierenden Kindern weitaus mehr Finanzen zur Verf\u00fcgung stellen, als Stolzenburg je zu tr\u00e4umen wagt. Die Leistungen der Studierenden sind generell miserabel, wie im Falle des reichen Studenten Hollerer, der abschreibt, kopiert, \u201cohne etwas zu begreifen und [\u2026] nur halbwegs passende Bausteine zu einem Thema zusammenstellt\u201d (W 23). Stolzenburg reagiert illusionslos und zynisch, wartet in seinen Vorlesungen nun selbst in zyklenhafter Folge mit Wiederholungen des Immergleichen, mit \u201cunendlich oft durchgekauten Gedanken auf, [\u2026] mit Wiederholungen, den Abklatsch von geistiger Arbeit, [\u2026] Duplikaten des Denkens\u201d (W 31).<br \/>\nDoch Stolzenburg kompensiert. Als er im Wahn im Flugzeug glaubt, dass die kreisenden Propeller ausgesetzt haben, die Maschine aber nicht abst\u00fcrzt, sinniert er: \u201cDie Maschine muss \u00fcber eine unglaubliche Kompensationsf\u00e4higkeit verf\u00fcgen, die den einseitig vollst\u00e4ndigen Ausfall aufzuheben oder auszugleichen vermag\u201d (W 11). Ergo, er nimmt seine Gesundheit sehr ernst und entwickelt im t\u00e4glichen Leben seine eigene \u00dcberlebenstaktik, z.B. immer einen Fahrradhelm zu tragen, da er in einem Alter ist, \u201cin dem man selbst den kleinsten Sturz nicht folgenlos \u00fcbersteht.\u201d (W 15). Und so wird dann der sch\u00fctzende Sturzhelm leitmotivisch zum Zeichen seiner \u00c4ngste im Auf and Ab seines unsteten Lebens. Christian Metz fasst es \u00fcberzeugend: \u201cDer Helm, als Pendant zum Sicherheitsgurt im Flugzeug, avanciert in Heins Roman zum Symbol aller \u00e4ngstlichen Bewahrungsstrategien\u201d (Metz).<br \/>\nWas ihm im akademischen Bereich nicht verg\u00f6nnt ist, kompensiert er im Privatleben au\u00dferhalb der Universit\u00e4t mit der Eroberung von Frauen. Doch Liebe empfindet er nicht, seine Freundinnen sind Sexobjekte, verl\u00e4ssliche Partnerinnen f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung von immer wieder neuem Frust in seiner prek\u00e4ren Lage. Seine Beziehungen sind \u201chalbe\u201d Beziehungen: \u201cEin paar Freundlichkeiten, ein angenehmes Beisammensein, etwas Sex, N\u00e4he auf Verlangen und stets ein Anrecht auf ausreichende Distanz\u201d (W 43-44), oder \u2013 so seine Lebensphilosophie \u2013 \u201ceine Beziehung ist eine Freundschaft mit Bettlaken, nicht mehr, allerdings auch nicht weniger\u201d (W 44). Hier hat er ebenfalls Strategien entwickelt: er genie\u00dft die Befriedigung, sich noch \u201cim Halbschlaf\u201d gleich an den richtigen Namen der Bettpartnerin zu erinnern. Und auch im akademischen Bereich fehlt es nicht an Verlockendem, was den Sex anbetrifft. Die \u201cFleischbeschau\u201d der Studentinnen des ersten Semesters hat es ihm angetan, und es fehlt nicht an verliebten Frauen in seinen Seminaren, auch nicht an kalkulierenden Angeboten, f\u00fcr akademische Hilfe, etwa f\u00fcr die Anfertigung einer Magisterarbeit, als Bezahlung Sex anzubieten, Angebote, die ihm ein Gef\u00fchl moralischer \u00dcberlegenheit geben, weil er sie noch nicht akzeptiert hat. Stolzenburg k\u00f6nnte man \u2013 wie Lothar M\u00fcller es einsch\u00e4tzt \u2013 als eingefleischten Junggesellen, als \u201cHagestolz mit Absturzangst\u201d[17] bezeichnen, w\u00e4re da nicht Henriette, eine Frau mit moralischen Anspr\u00fcchen, die ihn interessiert, die es aber durchaus nicht eilig hat, sich mit ihm zu liieren. Sein \u201chalbes Leben\u201d mit Frauen entspricht nicht ihren Vorstellungen einer sinnvollen Beziehung.<br \/>\nAbsturzangst und Unruhe in seinem prek\u00e4ren Leben sind immer pr\u00e4sent, und es gibt Warnsymbole. Bereits im Flugzeug, will man es so deuten, suggerierten \u201cdie schwirrenden Kreise, die rotierenden Fl\u00fcgel der Propeller \u201d (W 8), die Wiederholung immer wieder neuer Misslichkeiten. Ein schreiendes Kind auf der Stra\u00dfe verliert ein Windrad, und Stolzenburg nimmt diesen symboltr\u00e4chtigen Gegenstand an sich und befestigt ihn auf seinem Balkon: \u201cDas Plastikkreuz mit den bunten Streifen dreht sich langsam im Wind, die Farbstreifen zeichnen sich nun als rotierende, regenbogenfarbene und ineinander verlaufende Kreise ab\u201d (W 74). Das Ungl\u00fcck l\u00e4sst nicht auf sich warten. Er bekommt einen Brief vom Finanzamt mit einer l\u00e4cherlich hohen Steuernachforderung, weil vermutet wird, dass er Zusatzverdienste verschwiegen hat. Wegen eines fr\u00fcheren Berechnungsfehlers von Seiten des Finanzamtes schuldet Stolzenburg nun absurderweise dem Staat 11.440 Euros und 74 Cents. Ein gewiefter Steuerberater hilft ihm, die Steuerschuld zu halbieren. Stolzenburg, der keine R\u00fccklagen hat, muss irgendwie \u201cweiterwursteln\u201d (von Sternburg). Doch die Misslichkeiten enden nicht. Eine Bande etwa zw\u00f6lfj\u00e4hriger M\u00e4dchen greift ihn an. Die Kinder umzingeln ihn, und \u201cals er das Fahrrad aus dem Kreis schiebt\u201d (W 114), schl\u00e4gt ihn die Anf\u00fchrerin mit einer Eisenkette brutal zusammen; er st\u00fcrzt und verletzt sich am Kopf. Das Windrad auf dem Balkon, ein schlechtes Omen, greift \u00fcberschattend erneut in die Handlung, denn die aktuelle Freundin entdeckt es und reagiert mit Eifersucht.<br \/>\nStolzenburgs \u201chalbes\u201d Leben w\u00e4re unertr\u00e4glich, g\u00e4be es nicht eine gro\u00dfe Leidenschaft in seinem Leben: sein Forschungsprojekt \u00fcber den im 18. Jahrhundert in Wien lebenden Kartographen, Schauspieler, Schriftsteller und Librettisten Mozarts, Friedrich Wilhelm Weiskern (1711-1768). Den Nachlass Weiskerns in einer Gesamtausgabe zu ver\u00f6ffentlichen, ist sein Traum, ein hoffnungsloses, aussichtsloses Unterfangen, weil die Universit\u00e4ten und Verlage unter Spardruck leiden. Christoph Hein \u00e4u\u00dfert sich \u00fcber seine Wahl dieser entlegenen literarischen Figur:<\/p>\n<blockquote><p>Als ich an meinem Roman sa\u00df und mir klar wurde, dass<br \/>\nStolzenburg einen Forschungsgegenstand braucht, habe<br \/>\nich eine etwas entlegene Figur gesucht, die zu ihrer Zeit<br \/>\nwichtig war und heute vergessen ist. Ich bin auf drei, vier<br \/>\nNamen gesto\u00dfen, Friedrich Wilhelm Weiskern ist \u00fcbrig<br \/>\ngeblieben [\u2026] Ein s\u00e4chsischer Kom\u00f6diant, der in Wien<br \/>\ndas Burgtheater erfindet, das gefiel mir. Weiskern war zu<br \/>\nseiner Zeit ein sehr erfolgreicher Schauspieler und<br \/>\nStegreifautor, Maria Theresia sch\u00e4tzte seine kleinen,<br \/>\nunterhaltenden Sketche. Er schrieb f\u00fcr den jungen Mozart<br \/>\ndas Libretto zu \u201cBastien und Bastienne\u201d. Die anderen Arbeiten<br \/>\nsind nicht sehr origin\u00e4r (Grossmann und Kasselt).<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiskern und sein Nachlass sind nicht vermarktbar im akademischen Prekariat, er ist kein \u201cLeuchtturm\u201d in der Kulturwissenschaft, f\u00fcr den es sich lohnte, Geld zu investieren. Stolzenburgs Versuche, einen Verleger f\u00fcr sein Forschungsprojekt zu finden, schlagen fehl, und fast geht er einem F\u00e4lscher in die Falle, der bisher unbekanntes Material, unentdeckte Autographen aus dem Nachlass seines verehrten Autors zum Verkauf anbietet. Ein teuflisch verlockendes Angebot wird als Schwindel entlarvt; doch damit ist der Teufel nicht gebannt. Der reiche Onkel eines Studenten, der \u00fcber eine echte Weiskernsche Handschriftensammlung verf\u00fcgt, ist willens, Stolzenburg diese zur Verf\u00fcgung zu stellen, allerdings \u00fcber eine Drittperson, den korrupten Studenten Hollerer, der als Gegenleistung das Anfertigen der Diplomarbeit anfordert. Stolzenburg ist emp\u00f6rt, doch die lockende Autographensammlung, die zu einer Ver\u00f6ffentlichung f\u00fchren k\u00f6nnte, spukt ihm im Kopf. Bestechung und Korruption nun auch in Stolzenburgs eigener Karriere? Er sieht ein Warnsignal: Als er abends nach Hause kommt, liegt \u201cdirekt neben dem Auto der kleine Kunststoffpropeller, der in seinem Blumenkasten steckte, er ist schmutzig und zerrissen\u201d (W 292) wie Stolzenburg selbst, der nicht wei\u00df, ob er den teuflischen Verlockungen widerstehen wird oder zum betrogenen Betr\u00fcger mutiert.<br \/>\nIst Stolzenburg als Opfer einer prek\u00e4ren Situation zu betrachten? Er ist \u2013 so meint Carsten Germis \u2013 \u201cein prototypisches Mitglied des akademischen Prekariats.\u201d[18] Seine erniedrigende Situation macht ihn verbittert, lustlos und illusionslos, doch er emp\u00f6rt sich nicht, ist passiv und sucht unter Kollegen keine Solidarisierung. In seinem unmittelbaren Universit\u00e4tsbereich leben die meisten so. Christoph Hein, befragt, ob das Pr\u00e4kariat ein deutsches Ph\u00e4nomen sei, fasst es lakonisch:<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe es vor drei\u00dfig Jahren zum ersten Mal in den USA<br \/>\nerlebt, ein Fach als \u201cOrchideenkunde\u201d einfach streichen,<br \/>\nweil es nicht gen\u00fcgend Bewerber gibt und kein Geld bringt.<br \/>\nInzwischen sind wir selbst ohne Weiteres bereit, Unverzichtbares<br \/>\nabzuwickeln (Grossmann und Kasselt).<\/p><\/blockquote>\n<p>Statt Stolzenburg einseitig als Opfer darzustellen, geht Hein auf Distanz und pr\u00e4sentiert eine komplexe Figur mit Widerspr\u00fcchen, die er beobachtet, darstellt, aber nicht wertet. Betrug findet nicht nur an Stolzenburg statt, in seiner Sehnsucht nach Sicherheit flirtet er selbst mit unsauberen Machenschaften, T\u00e4uschungen und Betr\u00fcgereien. Ist er ein \u201cAntiheld\u201d (von Alemann), ein \u201cJedermann\u201d (von Sternburg), ein \u201cHeld mit Skrupeln, Scharfsinn und R\u00fcckrat, [der] zur Lichtgestalt im Strudel unserer Zeit\u201d (Schreier) wird, oder ist er gar ein \u201cWiderling\u201d (Metz)? Charakterbildende Elemente aus allen vier Bereichen sind durchweg zu erkennen. Stolzenburg ist, wie Hein selbst definiert, \u201cein gebrochener Held mit sympathischen und unsympathischen Z\u00fcgen\u201d (Grossmann und Kasselt). Die Frage ist, ob sich von den Belastungen seiner existenziellen Situation so v\u00f6llig erdr\u00fcckt f\u00fchlt, dass er in seiner Verzweiflung den finanziellen Versuchungen nicht mehr trotzen kann und von seinen moralischen Prinzipien tats\u00e4chlich abr\u00fcckt. Wie tief kann ein Mensch sinken, der einerseits von Skrupeln und Scham gequ\u00e4lt wird, andererseits jedoch zur \u00dcberheblichkeit und Verachtung neigt? H\u00e4lt er sein moralisches Gleichgewicht? Die Antwort ist dem Leser \u00fcberlassen.<br \/>\nDie die Handlung einrahmenden, kunstvoll miteinander verquickten Flugzeugepisoden k\u00f6nnten Aufschluss geben in diesem \u201cRoman ohne Anfang und Ende, der sich im Kreis dreht wie das Hamsterrad im Leben seines Protagonisten. Oder wie das Windr\u00e4dchen, das ihm \u2013 sinnigerweise \u2013 ein br\u00fcllendes Kleinkind vor die Nase wirft\u201d (von Alemann).<br \/>\nZu erinnern ist an die Bemerkungen, die zu Anfang dieses Artikels \u00fcber die Kreis-Symbolik gemacht wurden. Der Kreis, so hie\u00df es, fungiert einmal im Sinne von unendlich scheinender Wiederholung von Misslichkeiten, andererseits symbolisiert er ein breites Bedeutungsfeld positiver Werte, darunter Gleichgewicht, Harmonie und Ausgewogenheit. Die beiden Flugzeugepisoden sind dieselben, aber sie werden, sieht man genau hin, anders beschrieben und unterscheiden sich in der L\u00e4nge: die erste Episode ist vier und eine halbe Seite lang, die letzte dreizehn Seiten. Am Anfang sitzt Stolzenburg in einem Billigflieger nach Basel, um dort einen schlecht bezahlten Vortrag zu halten. Beim Start sieht er aus dem Fenster und denkt an die Studentin Lilly, dann an Henriette, die noch nicht zu den Eroberungen des routinierten Liebhabers geh\u00f6rt. Er denkt an sein Geldinstitut und einen \u00dcberbr\u00fcckungskredit, dann an den Verleger, der sich bisher geweigert hat, sein Weiskern-Forschungsprojekt zu ver\u00f6ffentlichen. F\u00fcr seine Konfliktsituation scheint es keine L\u00f6sung zu geben. Die Chancen stehen generell schlecht. Er erstarrt. Derealisierungsgef\u00fchle setzen ein: er hat einen Angstanfall und sieht sein eigenes Psychogramm im Stillstand der kreisenden Propeller gespiegelt. Mit wenigen Worten beschreibt Hein die klinischen Symptome einer Panikattacke[19], vorrangig Starre, Atemnot, Disassoziation, Mund- und Halstrockenheit, Todesangst. Stolzenburg hat in diesem Alptraum die Kontrolle \u00fcber sein Leben verloren. Er bleibt in der Bewegungslosigkeit, im Angsttraum stecken. Anders die letzte Szene.<br \/>\nAuch in dieser letzten Flugzeugepisode schaut Stolzenburg aus dem Fenster, denkt an Frauen, dann an Weiskerns Nachlass, sein Lebenswerk. Langsam gleitet er dann in einen angenehmen Wachtraum, in dem es keine un\u00fcberwindlichen H\u00fcrden mehr gibt. Sein Forschungsprojekt ist durchaus vermarktbar, w\u00fcrde auf der Buchmesse und in den Zeitungen Aufsehen erregen. Doch dann erstarrt er, sieht, dass einer der Propeller aussetzt, und sein Wachtraum wird zum Alptraum: \u201cIhn erfasst Panik, Todesangst. Sein Mund ist wie ausgetrocknet. Er atmet heftig, er schwitzt. Das k\u00f6nnte das Ende sein, sagt er sich, das ist das Ende. Er will schreien, er \u00f6ffnet den Mund, aber er bringt keinen Ton heraus\u201d (W 312). Dann erstarrt er erneut, denn beim zweiten Blick auf die Propeller sieht er, dass alles eine optische T\u00e4uschung war, \u201ceine Fantasie seines \u00fcberanspruchten Gehirns\u201d (W 312). Er l\u00e4sst sich ein Glas Wein bringen und seine Gedanken umkreisen, wie in der ersten Episode, die Konfliktzonen in seinem Leben. Doch er reagiert gelassener, n\u00fcchterner, aber auch zynischer als in der ersten Szene; er spekuliert, wie er den verschiedenen Versuchungen in seinem \u201chalben Leben\u201d begegnen k\u00f6nnte. Wird er schmutzige Gesch\u00e4fte mit dem Studenten Hollerer machen, um an die Autographensammlung heranzukommen? \u201cEr hat es bisher geschafft, einigerma\u00dfen sauber durch die Welt zu kommen, er will nicht auf seine alten Tage eine dubiose Geschichte anfangen\u201d (W 317) Und so schwankt er hin und her zwischen den Polen \u201ceinerseits\u201d und \u201candererseits\u201d, erw\u00e4gt Optionen und kommt zu keiner L\u00f6sung. Und doch zielen seine Gedanken in dieser Situation der Haltlosigkeit am Ende der Flugzeugepisode auf einen festen Punkt in einem Bereich des Gleichgewichts, der Ausgewogenheit und der Stabilisierung, einem privaten Bereich, in dem es keine demoralisierenden Konzessionen gibt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Billardrunde wird er nicht aufgeben, mit diesen Freunden<br \/>\nist er bereits eine Ewigkeit zusammen, die Runde hat l\u00e4nger<br \/>\ngehalten als seine Ehe, er geh\u00f6rte dazu, noch bevor er an der<br \/>\nUni anfing, und dort hat er keine halbe Stellung, dort z\u00e4hlt er<br \/>\nzu den alten Hasen, die jeden neuen Bewerber misstrauisch<br \/>\nund genau pr\u00fcfen (W 319).<\/p><\/blockquote>\n<p>Stolzenburgs Lebensperspektive muss letztlich in prek\u00e4rer Offenheit bleiben. Hein pr\u00e4sentiert einen Ausschnitt aus der Gesellschaft, der nicht den Randzonen entnommen ist, trotzdem aber demonstriert, wie tr\u00fcgerisch soziale Sicherheiten in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen generell sind. Die \u00d6konomisierung der Gesellschaft hat l\u00e4ngst auch die Universit\u00e4ten ergriffen. Ob dieser Gesellschaftsausschnitt in der Tat v\u00f6llig der deutschen Wirklichkeit entspricht oder eher als warnender Zerrspiegel zu begreifen ist, bleibt der Meinung des Lesers \u00fcberlassen. Hein selbst bekundet im Zeitalter des Prekariats ged\u00e4mpften Optimismus: \u201cStolzenburg hat einen Angsttraum und einen Wunschtraum. Ich will dem Mann eine Chance geben\u201d (Grossmann und Kasselt). In einem anderen Interview fasst er es vorsichtiger:<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin Humanist und ein bodenloser Optimist. Die Katastrophe,<br \/>\ndie auf Menschen in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen lauert, wenn<br \/>\nsie in die Rente kommen, spare ich aus. Das Leben f\u00fcr Stolzenburg<br \/>\nwird noch viel h\u00e4rter werden. Aber da sehen Sie meinen optimistischen<br \/>\nBlick auf die Welt, dass ich rechtzeitig den Vorhang schlie\u00dfe (Reif).<\/p><\/blockquote>\n<p>Christine Cosentino<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p>1 Christoph Hein, <em>Weiskerns Nachlass. Roman<\/em> (Berlin: Suhrkamp Verlag, 2011). Abgek\u00fcrzt mit der Sigle W f\u00fcr Zitate aus diesem Roman.<br \/>\n2 <em>News vom Freitag<\/em>, 20. Juli 2012; www.3sat.de \u203a Sendungen A-Z<br \/>\n3 Judith von Sternburg, \u201cWir Weiterwurstler. B\u00f6se Aussichten: Christoph Heins Geisteswissenschaftler-Roman \u2018Weiskerns Nachlass\u201d, <em>Frankfurter Rundschau<\/em> 20\/21. August 2011.<br \/>\n4 Christian Metz, \u201cDas Leben ist ein Billigflug\u201d, <em>Frankfurter Allgemeine <\/em>28.August, 2011.<br \/>\n5 Katrin Hillgruber, \u201cDas Verwelken der Nelken\u201d, <em>Tagesspiegel<\/em> 23. August 2011.<br \/>\n6 news.de\/<em>dpa<\/em> 23. August 2011.<br \/>\n7 Adelbert Reif, \u201cHalbe Stelle, halbes Leben. Interview\u201d, <em>der Standard.at<\/em> 19. August 2011.<br \/>\n8 Irmtraud Gutschke, \u201cIn prek\u00e4rer Lage, \u201d <em>Neues Deutschland<\/em> 22. August 2011.<br \/>\n9 Christoph Hein, \u201c\u2019Wir werden es lernen m\u00fcssen, mit unserer Vergangenheit zu leben\u2019. Gespr\u00e4ch mit Krzysztof Jachimczak\u201d, in: <em>Texte, Daten, Bilder<\/em>. Hrsg. v. Lothar Baier (Frankfurt\/M.: Sammlung Luchterhand 1990). Seitenzahlen im Text.<br \/>\n10 Karin Grossmann und Rainer Kasselt: \u201cGespr\u00e4ch mit Christoph Hein. Es ist netter, wenn man h\u00f6rt: Das wird schon wieder.\u201d <em>S\u00e4chsische Zeitung<\/em> 17.\/18. September 2011.<br \/>\n11 Hein, \u201cWir werden es lernen m\u00fcssen\u2026\u201d, 54.<br \/>\n12 \u201cElend und Kompensation\u201d, <em>Freitag<\/em> 12. Oktober 2012.<br \/>\n13 \u201cOnline Magazin Psychologie Pers\u00f6nlich\u201d, http:\/\/www.ppt.dtpnet.de\/mandala\/kreis.htm<br \/>\n14 Horst S. und Ingrid Daemmrich, <em>Themen und Motive in der Literatur<\/em> (T\u00fcbingen: Francke Verlag, 1987). Stichwort \u201cWeg\u201d, S. 343.<br \/>\n15 Adelbert Reif, \u201cHalbe Stelle, halbes Leben. Interview \u201d, <em>Der Standard.at<\/em> 19. August 2011.<br \/>\n16 Wolfgang Schreyer, \u201cHeld im Halbschatten\u201d, <em>Ossietzky Zeitwochenschrift f\u00fcr Politik, Kultur, Wirtschaft<\/em> 5 (3. M\u00e4rz 2012).<br \/>\n17 Lothar M\u00fcller, \u201cHagestolz mit Absturzangst\u201d, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> 25. August 2011.<br \/>\n18 Carsten Germis, \u201cWeisskerns Nachlass. Christoph Hein,\u201d <em>Belletristik-Couch.de <\/em> Oktober 2011.<br \/>\n19 Stichwort \u201cPanikattacke Symptome\u201d, <em>Wikipedia.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Heins Roman Weiskerns Nachlass : Angsttraum, Wunschtraum oder beides? Im Jahre 2011 ver\u00f6ffentlichte Christoph Hein seinen Gesellschaftsroman \u2013 so der Klappentext \u2013 Weiskerns Nachlass[1], einen Roman \u00fcber einen in eine Sackgasse geratenen Akademiker an der Leipziger Universit\u00e4t. Ein Jahr sp\u00e4ter erhielt er f\u00fcr dieses Werk den Uwe-Johnson-Preis. 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