{"id":3777,"date":"2014-06-12T14:42:12","date_gmt":"2014-06-12T18:42:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=3777"},"modified":"2014-06-12T14:46:21","modified_gmt":"2014-06-12T18:46:21","slug":"peter-u-beicken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-382014\/peter-u-beicken\/","title":{"rendered":"Peter U. Beicken"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Memoriam Cornelius Schnauber (1939-2014)<\/strong><\/p>\n<p>Cornelius Schnauber hatte ein bewegtes Leben hinter sich, als er am 21. Februar im Alter von 74 Jahren nach einem Herzanfall starb, zu fr\u00fch und alle ber\u00fchrend, die ihm nahe waren oder nur aus der Ferne kannten. Seit Monaten an einen Rollstuhl gefesselt, glaubte er im Herbst des vergangenen Jahres noch, an der Tagung des Exil-P.E.N.s in Italien teilnehmen zu k\u00f6nnen. Gabrielle Alioth und Frederick Lubich haben auf der Webseite dieses P.E.N.s Schnauber ihre Nachrufe gewidmet.<\/p>\n<p>Unerm\u00fcdlich war Schnauber in seinen T\u00e4tigkeiten und immer zutiefst beteiligt. Das Hollywood der vielen Emigranten wurde seine &#8220;zweite Heimat&#8221;, nachdem er Deutschland verlassen hatte. Vor allem dar\u00fcber hat er publiziert, Wertvolles zug\u00e4nglich gemacht und einsichtig \u00fcbergreifende Zusammenh\u00e4nge dargestellt.<\/p>\n<p>In Freital bei Dresden wurde er geboren als Sohn einer Operns\u00e4ngerin und eines Nazi-Offiziers, der die deutschen Truppen in Turin befehligte. Der F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige floh aus der DDR in den Westen Deutschlands, 1954 zum ersten Mal. Jedoch kehrte er wieder zur\u00fcck und floh erneut im Jahre 1957, um in Hamburg Germanistik und politische Wissenschaften zu studieren. Nach der Promotion (1965) wanderte nach Amerika aus, unterrichtete zuerst in North Dakota (1966-1968) und ging danach an die University of Southern California in Los Angeles, wo er bis zu seiner Emeritierung (2006) als Associate Professor f\u00fcr deutsche Sprache und Literatur t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Als eine rege und leidenschaftlich involvierte Pers\u00f6nlichkeit lenkte Schnauber seinen Blick \u00fcber die engeren Grenzen seines Faches hinaus. Wie kein anderer war er engagiert im kulturellen Austausch zwischen der Alten und der Neuen Welt. Mit dem Gesp\u00fcr f\u00fcr M\u00f6gliches verband er das Geschick im Organisatorischen. So gr\u00fcndete er das <i>Max Kade Institute for Austrian\u2013German\u2013Swiss Studies<\/i>, dem er lange als Direktor vorstand, um in Los Angeles intensiv und weitreichend den Kulturaustausch mit international besetzten Veranstaltungen, Tagungen und Seminaren mit prominenten Schriftstellern, Politikern, Musikern, Filmk\u00fcnstlern aus deutschsprachigen L\u00e4ndern und den USA zu f\u00f6rdern. Besonders widmete er sich den kulturellen Beziehungen zu Berlin, Dresden und Wien.<\/p>\n<p>Zu Schnaubers \u0152uvre geh\u00f6ren zahlreiche B\u00fccher und Essays zur NS-Diktatur, Exilerfahrung und Gegenwartsliteratur. Dar\u00fcber hinaus publizierte er Romane, Erz\u00e4hlungen, Theaterst\u00fccke, Lebenserinnerungen. Seit dem Fall der Berliner Mauer diente er als Berater f\u00fcr Dokumentarfilme in verschiedenen L\u00e4ndern. F\u00fcr seine vielseitigen Verdienste war Schnauber hochdekoriert: zweifacher Tr\u00e4ger des deutschen Bundesverdienstkreuzes, Mitglied des Exil-PEN und Tr\u00e4ger des Goldenen Ehrenzeichens f\u00fcr Verdienste um die Republik \u00d6sterreich; dazu Auszeichnungen von der Stadt Los Angeles und der American Association of Teachers of German.<\/p>\n<p>F\u00fcr Schnauber war das Verh\u00e4ltnis zu Musik, Musiktheorie und Oper ein Familienerbe, das er an seine Kinder, Tom, den Komponisten, und Christina, die Operns\u00e4ngerin weitergab. Er selber sa\u00df oft am Fl\u00fcgel und spielte. Seit 1992 wirkte er als P\u00e4dagoge deutscher Diktion (German Diction Coach) an der Los Angeles Opera, und seiner Freundschaft mit Placido Domingo entstammt seine Biografie des unvergleichlichen S\u00e4ngers.<\/p>\n<p>Schnauber und der Film. Ein Medium, das ihn gepackt hatte. Mit Weltoffenheit, aber auch durch Zufall und gl\u00fcckliche Umst\u00e4nde lernte er viele der in Kalifornien lebenden Emigranten aus Deutschland und \u00d6sterreich pers\u00f6nlich kennen, gewann ihre Freundschaft und war gesch\u00e4tzter Gespr\u00e4chspartner und Vertrauter. Regisseure wie Billy Wilder, Fritz Lang, Fred Zinnemann und der Komponist Eric Zeisl waren unter diesen Freunden.<\/p>\n<p>Ich selber habe Schnauber nicht getroffen. Aber er war mir ein Begriff. Das kam so. Ein Schneetag in Berlin, 1994. Aufw\u00e4rmen im B\u00fccherbogen am Savigny-Platz, wo ich mein Filmbuch Eldorado hatte. Auf dem Tisch im Gemenge der vielen Titel Schnaubers <em>Fritz Lang in Hollywood.<\/em> (1986). Attraktiver Umschlag, Fritz Lang keilf\u00f6rmig im Schwarz. Zugeschwei\u00dft der Band. Ich mache auf, lese auf einem Hocker, vertiefe mich. Nimme es mit, obwohl ich doch ganz andere Titel gesucht hatte. Aber da war ein Einblick in den Menschen Lang, das grantige Genie, der Regisseur als arroganter Koloss und als sentimentaler Watschenmann, der Lotte Eisner, die er liebte und verehrte, durchaus auch als &#8220;dumme Gans&#8221; zu beschimpfen sich herausnahm. Auch Schnauber wird dauernd d\u00fcpiert, beleidigt und dann wieder bes\u00e4nftigt, weil der Maestro wieder lieb wird, wieder freundlich \u2013 bis zum n\u00e4chsten Grantigsein. Schnauber hat diese Achterbahnfahrt der Zumutungen und Gef\u00fchle geduldet, ertragen, ausgehalten. Er hat facettenreich zur Physiognomie des Menschen (und K\u00fcnstlers) Fritz Lang beigetragen und auch den Untergrund des Exils, die ma\u00dflose Ungerechtigkeit und den Frust der verletzten Ehre und die Melancholie geschundener W\u00fcrde durchscheinend gemacht. Zur Gr\u00f6\u00dfe der Kunst geh\u00f6ren nicht nur die Werke, sondern auch die menschlichen Seiten der K\u00fcnstler, besonders das Leiden in schwieriger Zeit. Da bin ich Schnauber dankbar, dass er den Alltag erlittener Schmach eingebracht hat, wo die Kunstwerke kaum diesen Untergrund in ihrer Aura transparent machen.<\/p>\n<p>Als<em> Trans-Lit2<\/em> Beitr\u00e4ger ist uns Schnauber ja auch in Erinnerung. In einem seiner Jugendgedichte, &#8220;Das verlorenen Paradies!&#8221;, \u00a0hat er, emphatisch und epitaphm\u00e4\u00dfig, sich der Extreme des Herzens vergewissert und sie uns nahe gebracht zum Eingedenken:<\/p>\n<p>L\u00e4ngst sind verstummt die empfindlichen Saiten;<br \/>\nWar&#8217;s doch ein Mensch, der die Harfe zerbrach.<br \/>\nDoch aus der Ferne, durch alle unsre Leiden<br \/>\nKlingen die T\u00f6ne der Liebe noch nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Memoriam Cornelius Schnauber (1939-2014) Cornelius Schnauber hatte ein bewegtes Leben hinter sich, als er am 21. 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