{"id":4103,"date":"2014-12-07T09:16:32","date_gmt":"2014-12-07T14:16:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=4103"},"modified":"2014-12-07T09:16:49","modified_gmt":"2014-12-07T14:16:49","slug":"gerald-uhlig-romero","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-392014\/gerald-uhlig-romero\/","title":{"rendered":"Gerald Uhlig-Romero"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Mauer ist gefallen<br \/>\n <\/strong><br \/>\nHey Baby, die Mauer ist gefallen, vor 25 Jahren. Jeden Tag fallen Mauern und jeden Tag werden neue Mauern aus Angst, Entt\u00e4uschung und  unseren verfluchten Erwartungen errichtet. Bei diesem Spiel w\u00e4re ich gerne ein eiskalter Killer, mit philosophischem Abschluss, der mittags gegen 12 Uhr unseren hysterischen Gef\u00fchlen zwischen die Augen schie\u00dft. Aber ich bin einer, der den sch\u00f6nen S\u00e4tzen und den jungen M\u00e4dchen hinterher rennt. Ich bin ein lernendes, vergessendes, geiles, zwanghaftes, erinnerndes, festhaltendes System.  Wer einen Traum verwirklichen will, muss erst einmal von ihm erwachen, wie die Glut aus der Tiefe des Erdkerns. Mit meinem Magma habe ich einige Mauern in mir, in dir  zum Brennen gebracht, in Berlin und ein paar anderen Orten, w\u00e4hrend die meisten Leute immer nur Absicherungsinteressen verfolgen und von Gleichheit faseln. Gleichheit ist Tod, Stillstand, Stromlosigkeit, Blut ohne Fluss. Was Mut angeht, sitzen die meisten von uns in der Dunkelkammer der Feigheit. Haben sie bemerkt, dass sie in ihrem Leben immer nur Erf\u00fcllungsgehilfen der Anderen waren? Unser scheinbares Ich rennt und hetzt immer noch von einem Termin zum anderen, von einem Trend zum anderen, von einer geglaubten Unverwechselbarkeit zur anderen. Wenn man einige Zeit gelebt hat bemerkt man doch, welche Ansammlung von Vollidioten sich unter dem Pseudonym Erwachsenen verbergen.<\/p>\n<p>Die gutverdienende deutsche Mittelschicht treibt auf einem Floss, von Informationen \u00fcbers\u00e4ttigt, gehetzt, st\u00e4ndig in Angst und  Zukunftspanik. Sie wollen Alles und das sofort, denn der verdr\u00e4ngte Tod r\u00fcckt unaufh\u00f6rlich n\u00e4her. Keiner h\u00e4lt sich selbst mehr aus, man ist \u00fcberall und nirgends zugleich. Der Schlaf ist abgeschafft. Keiner will etwas verpassen. Schwimme mit oder gegen den Fluss, es ist v\u00f6llig egal! Aber vielleicht sieht dein Therapeut das ja ganz anders. Nichts ist planbar, alles ist Zufall. Wobei der eine Zufall ins Gl\u00fcck w\u00e4chst, der andere ins Ungl\u00fcck. Der eiskalte Killer, der ich leider nicht bin, w\u00fcnscht sich manchmal, er w\u00e4re ein K\u00e4nguru und k\u00f6nnte vom Beutel seiner Mutter aus die Welt betrachten. Von hier sieht er es genau: Es gibt keinen guten oder schlechten Menschen. Alle wollen wir nur eines: \u00fcberleben und geliebt werden! Du musst versuchen, mit allen Mitteln deines Schauspiels das zu werden, was die Leute von dir Erwarten!! Sonst hast du keine Chance. Es sei denn, dass du manchmal Milliard\u00e4r bist. Nimm also dein Anpassungsalphabet zur Hand und werde ein Cham\u00e4leon im Zeitgeist, in dem jeder gefangen ist. Nachts allein an der Bar, im Bett, wirst du sehen, was dein Gehirn f\u00fcr deine Tr\u00e4ume \u00fcbrig gelassen hat. Jede Art von Gemeinschaften, religi\u00f6s, politisch, wirtschaftlich wird sich mit der Zeit zu R\u00e4uberbanden entwickeln. Wenn du da raus willst, werden sie dich rausschmei\u00dfen. Allein aber wirst du elende verrecken.<\/p>\n<p>Wir alle wollen jemand sein, gesehen werden, alle wollen Talkg\u00e4ste im Leben sein, betrunken von sich selbst.( Eitelkeit ist Eigenliebe, die sich zeigt, Bescheidenheit ist Eigenliebe, die sich versteckt.  Es geht um die Kunst des Dabeiseins. Dabei ist jeder nur da als Gespr\u00e4chsstoff f\u00fcr die anderen. Die wenige Lebenszeit, die uns bleibt, zieht uns die Ruhe aus dem Leib. Gott verteilt keine Identit\u00e4ten an die Menschen, wir m\u00fcssen unser Gehirnmilieu so lange ver\u00e4ndern, bis wir das endlich verstehen. Ich wusste doch auch nicht, welche Frau mich ins Leben werfen w\u00fcrde. Ich musste diese Mutter erst kennenlernen, sagte ich der jungen blonden Nutte, die ich am Tag des Mauerfalls vor 25 Jahren zum Essen eingeladen hatte.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mauer ist gefallen Hey Baby, die Mauer ist gefallen, vor 25 Jahren. Jeden Tag fallen Mauern und jeden Tag werden neue Mauern aus Angst, Entt\u00e4uschung und unseren verfluchten Erwartungen errichtet. Bei diesem Spiel w\u00e4re ich gerne ein eiskalter Killer, mit philosophischem Abschluss, der mittags gegen 12 Uhr unseren hysterischen Gef\u00fchlen zwischen die Augen schie\u00dft. 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