{"id":4594,"date":"2015-06-05T17:37:46","date_gmt":"2015-06-05T21:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=4594"},"modified":"2015-07-06T16:23:00","modified_gmt":"2015-07-06T20:23:00","slug":"axel-reitel-glossen40-2015","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/most-recent-issue-glossen-402015\/axel-reitel-glossen40-2015\/","title":{"rendered":"Axel Reitel"},"content":{"rendered":"<h2>Sommerofferte<\/h2>\n<p><strong>Amour Anarchiste<\/strong><\/p>\n<p>Weil wir mit Blut gen\u00e4hrt und Lichtangst aus dem Weibe m\u00fcssen<br \/>\nUnd dann nur gl\u00fccklich sind bei Lichtgewinn in Finsternissen<br \/>\nWeil schon im Wegsehen Urteil ist und Trauerdinge nicht besaitet<br \/>\nUnd wer anderen Verlust zuf\u00fcgt nur selbst Verlust erleidet<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil wir das Babeln seit dem Turmbau nie verlernt<br \/>\nUnd uns des Rufers W\u00fcstenweisheit nur verh\u00e4rmt<br \/>\nWeil nur die Rose uns ein offenes Geheimnis ist<br \/>\nUnd unser Wissen in der Zeit liegt wie ein Ungewicht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil Nichtstun nicht die Hoffnung in den Schatten stellt<br \/>\nUnd Macht in unerf\u00fcllten H\u00e4nden Turm und Zaun um unsre T\u00fcren stellt<br \/>\nWeil es grau und krank macht: Haste \u2019mal \u2019paar Cent zu ville?<br \/>\nUnd man vor Neuralgien kaum n\u00fcchtert zwischen Joint und Pille<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00f6glich sind allein die Liebenden f\u00fcr das Mordengehen blind<br \/>\nIm Herzen Chaos weniger als Staaten Tr\u00e4ume sind<\/p>\n<p><em>\u00a01996 (Durchgesehen 12. Mai 2015)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einer Namenlosen, die mich ein St\u00fcck Weg begleitete und vier S\u00e4tze sprach<\/strong><\/p>\n<p>B\u00f6hmischer Altweibersommer<br \/>\nentlang die Strasse von Brezan nach Osek<br \/>\nV\u00f6gel \u00fcber den Feldern<br \/>\nGes\u00e4nge gefiederter Engel sagtest du<br \/>\nan den Weggrenzen Vogelbeerb\u00e4ume<br \/>\nGeh\u00e4ngte Gekreuzigte<br \/>\nZeichen sagtest du:<br \/>\nDie Fr\u00fcchte der knochigen Erde<br \/>\nNahrung jenen sagtest du die nicht s\u00e4en<br \/>\nnicht ernten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute ich sehe dich,<br \/>\nda jeder in seine Richtung weiter zog,<br \/>\ndie Bl\u00e4tter der B\u00e4ume betr\u00e4ufelt sehe ich,<br \/>\nbegleitet von den heiter- klagenden Liedern der V\u00f6gel \u2013<br \/>\nbogenschlagend im Sprung<br \/>\nin die Unschuld des Himmels<\/p>\n<p><em>1996 \/ 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine Ruderpartie auf der Moldau in Prag<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em> f\u00fcr Kerstin H\u00e4berlein<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Schwierig ist das Sch\u00f6ne.<\/em><br \/>\nPlaton<\/p>\n<p>Was trieb uns an der Wegwarte<br \/>\nzur Ruderpartie auf die Moldau?<br \/>\nAurawogen ziehen am Kahn<br \/>\nmit dem Kieferlaut deiner Klarinette<br \/>\nund ein Geheimnis wird gesprochen,<br \/>\ndas lautlos bleibt auf dem Flu\u00df:<br \/>\nNeunzehn sind wir, undienstbar und zwanglos<br \/>\nund kennen doch au\u00dfer unsrem kein anderes Land.<br \/>\nStadt und Land h\u00e4ngen an goldenen Seilen,<br \/>\nso eifers\u00fcchtig wacht kein Gott,<br \/>\nwie unser gegenseitiger Staatenverband.<br \/>\nUnd es teilen-teilen sich, unter den Windweiden,<br \/>\nunsere Wege auch, die wir noch gehen.<br \/>\nHerzschwingungen in der Luft,<br \/>\nSchiffssirene aus gro\u00dfer Entfernung.<br \/>\nDie Zeit ist ein fliehendes Pferd.<br \/>\nin der H\u00e4lfte des Lebens kommen wir zueinander,<br \/>\ndazwischen lautlose Jahre,<br \/>\neine Liebe im vergessenen Jahrhundert,<br \/>\nimmerhin nach \u00fcberall jetzt,<br \/>\nReisende auf eigene Bestellung.<\/p>\n<p><em>August &#8211; 01. September 2014 \/ 12. Mai 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ungestrafte Vorg\u00e4nge[1]<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>La barbarie nous vaut mieux que la platitude.<\/em><br \/>\nTheophile Gautier[2]\n<p>Sommerofferte, nach uns schnappende<br \/>\nUnheilige in St. Hope [3], wir brachten alle um: mit wedelnder Rute<br \/>\nund triefender Schnauze, verschlangen<br \/>\nsie den Sachsenspeck (Blut-und Leberw\u00fcrste, drin<br \/>\ndie \u00dcberdosis Schlaftabletten)[4], womit<br \/>\ndie D\u00e4monend\u00e4mmerung begann.<br \/>\nEs blieben ungestrafte Vorg\u00e4nge. Zum Schutz<br \/>\nihrer Handelsware, da waren wir ihre heiligen K\u00fche,<br \/>\nschwieg die Immmanenz. Unser Wert an D-Mark,<br \/>\npro Mann hunderttausend, vergoldete<br \/>\nihren Glauben an das Gesetz,<br \/>\ndemnach ihre Welt noch in Form kommt.<br \/>\nDazu fehlte es nicht an Brot.<br \/>\nUnd eines Tages wurden die R\u00fcden,<br \/>\ndie \u00fcberlebten, aus dem Zwinger, innen,<br \/>\nl\u00e4ngsseits der Mauer, von den W\u00e4rtern<br \/>\nW\u00fcrger (in SS &#8211; Design gebrachte Dienstm\u00fctze),<br \/>\nRehr\u00fccken (d\u00fcnne wie boshafte Erscheinung),<br \/>\nOnane (sichtbare Freude am Leid)<br \/>\nund Texaner (teuflisch schiefes Grinsen),<br \/>\nin namenloser Wut vor die Mauer<br \/>\ndes gr\u00f6\u00dften Menschenhandelsknastes<br \/>\nauf Erden gef\u00fchrt. Und da huckten [5]sie.<\/p>\n<p><em>3.- 17. Juli 2014 \/ 14. Mai 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>George Tabori <\/strong>[6]\n<p>Ich sehe mich noch da [7], wohl als <em>Epiphanie <\/em>&#8211;<\/p>\n<p>Ich bin ihm ein einziges Mal begegnet.<br \/>\nZuerst dachte ich an die Schaub\u00fchne.<br \/>\nAber da probte Andrzej Waida in der Wrangelstra\u00dfe [8]\ndie Mordgeschichte um <em>Rodion Raskolnikow.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Heideggerjargon die Helmholtzstra\u00dfe<br \/>\nzur TU und abends im Overall unter B\u00fchnentechnikern<br \/>\nals Treidler am Lehniner Platz [9]: hier<br \/>\nwar es Stein statt Tabori gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Death Destruction Detroit <\/em>machte Wilson.<br \/>\nDer Schauspieler als Seilt\u00e4nzer ruft und ruft<br \/>\ndiesen einen Satz im beeindruckenden Bild:<br \/>\n<em>Heute fr\u00fch kam ein Brie-ief mit der zweiten Poo-oost!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Verliebte und Verr\u00fcckte<\/em>, vor Gl\u00fcck verr\u00fcckt,<br \/>\nzum Verr\u00fccktwerden sch\u00f6n der Tag, die Nacht an der Mauer<br \/>\nund das halbe Jahr noch danach, die gro\u00dfe Anarchie<br \/>\nder Herzen, diese Zeit habe ich geliebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Massenm\u00f6rder und ihre Freunde<\/em><br \/>\ndominierten bald die Szene: Solingen [10]\nnicht vergessen und in Russland Wladimir Listjew [11]\nIch sah, h\u00f6rte George Tabori oft im Fernsehen (Radio),<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>aber das war noch nicht die Begegnung: die war<br \/>\nvor dem Berliner Ensemble. Das Leben, das<br \/>\nbeweist, dass man von Berlin nach Kadmos weist,<br \/>\ninszenierte selbst: Tabori, umgeben von einem Chor,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>tritt auf, im Mantel, ganz klar das goldene Vlies,<br \/>\ngrad vom<em> Purgatorium<\/em>, blickt auf, erstaunt \u00fcber diesen<br \/>\nRadfahrer am Weg, geht vorbei und h\u00e4lt den Blick,<br \/>\nals s\u00e4he er eine Erinnerung, vielleicht einen Engel.<br \/>\nTro\u00df ab, ich da, wei\u00df nicht, ob ich ein andrer war &#8211;<\/p>\n<p><em>2009\/6. Juli 2014<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verse VIII<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Wer eine Frau umarmt, ist Adam.<br \/>\nDie Frau ist Eva.<\/em><br \/>\nJorge Luis Borges<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Umarme mich noch einmal im Bildersturm von Amsterdam<br \/>\nDie H\u00e4user sind Schiffe dort die Fl\u00fcsse Wolken<br \/>\nDie Namen der Grachten sind Prinsengracht Keizersgracht Herengracht<br \/>\nDer schwarze Kaspar geht hier so frei einher wie der wei\u00dfe Balthasar<br \/>\nUmarme mich noch einmal unter den Augen Rembrandts, Van Goghs<br \/>\nUnd vergiss nicht den Namen Anne Franks Prinsengracht Nr. 263<br \/>\nUnd was unsere V\u00e4ter hier oder zur gleichen Zeit in Paris<br \/>\nWarschau<br \/>\noder Riga zu tun hatten<br \/>\nNimm mich an deine Haut in diesem Hotelzimmer Harlemstraat<br \/>\nUnd ber\u00fchre mich wie sie einander in Babylon ber\u00fchrten<br \/>\nDich blendet das Rotlicht meiner blonden Haare in der Vielfalt der Menge<br \/>\nUnd ich h\u00f6re den Ruf der Taube ihre Stimme klingt wie aus weinendem Rohr<br \/>\n<em>Lilith, Lilith<\/em><br \/>\nnimm mich unter deine Augen bevor die H\u00e4user nur noch H\u00e4user sind &#8211;<br \/>\nIch vermisse den Geruch deiner H\u00e4nde<\/p>\n<p><em>1996 (Durchgesehen 12. Mai 2015)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verse XXII<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin so m\u00fcd und hab genug<br \/>\nDer rabenschwarzen tauben Liebe<br \/>\nIn der das Herz pocht wie Rattennest<br \/>\nUnd h\u00e4lt sich an Verlusten fest<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin so m\u00fcd und hoffnungswach<br \/>\nUnd gehe langsam meiner Sehnsucht nach \u2013<br \/>\nIch seh in allen Augen Schlachthausfreuden<br \/>\nUnd h\u00f6r im Dunkel Hochzeitsl\u00e4uten<\/p>\n<p><em>1996 (Durchgesehen 12. Mai 2015)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Magnolien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>meiner Christa<\/em><\/p>\n<p>Magnolienbl\u00fcten im Blau, April<br \/>\ntreibt die Wochen jahrw\u00e4rts landauf<br \/>\ndie frisch Verliebten gehen vom Schlaf ein letztes St\u00fcck<br \/>\nund dein Atem l\u00e4chelt immerfort<br \/>\naus der Welt das Un-Stimmbare,<br \/>\nvom Schlaf die Beweinfiguren der Schierlingspflanze<br \/>\nund die gro\u00dfe Liebe, herb-harsch ihr Counter-Part.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was kann ich sagen: wir waren am Meer<br \/>\nder Rabe rauschte \u00fcber unsere K\u00f6pfe. Am Abend<br \/>\nam Strand lagen zwei Steine nie-nie-gesehen,<br \/>\ndu warfst sie zur\u00fcck in den Abgrund.<br \/>\nAm Morgen zur\u00fcck kehrte der Rabe<br \/>\nund drehte \u00fcber uns flatternd ab<br \/>\nsanft im Blau. Du darfst das Leben nicht verpassen.<\/p>\n<p><em>Berlin-Amsterdam-Egmont-Berlin<br \/>\nApril &#8211; 12. Mai 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_4592\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2015\/05\/chrixa-klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4592\" class=\"size-full wp-image-4592\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2015\/05\/chrixa-klein.jpg\" alt=\"Axel Reitel mit seiner Freundin Christa Speidel am Strand von Egmont, Mai 2015. \" width=\"230\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2015\/05\/chrixa-klein.jpg 230w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2015\/05\/chrixa-klein-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4592\" class=\"wp-caption-text\">Axel Reitel mit seiner Freundin Christa Speidel am Strand von Egmont, Mai 2015.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Tod von Nicole, Berlin 2012<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>I pity the poor immigrant<br \/>\nwho wishes he would&#8217;ve stayed home<br \/>\nwho uses all his power to do evil<br \/>\nbut in the end is always left so alone<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right\">Bob Dylan, &#8220;I pity the poor immigrant&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie suchte. Sie war noch jung.<br \/>\nUm die zwanzig. \u00dcber der T\u00fcr<br \/>\nder Lavendelstrauch. Auf ihren<br \/>\nKleidern waren immer Ornamente.<br \/>\nSie trug Amulette und glaubte<br \/>\nan den Onyxstein [12]. Oft mit in unsrer<br \/>\nRunde von Freunden, war sie<br \/>\nder orientierungslose Irrstern.<br \/>\nAn einem sch\u00f6nen Wochentag,<br \/>\nriss sie ihren Mitbewohnern &#8211;<br \/>\nvierzig wei\u00dfen stubenreinen Ratten -,<br \/>\ndie K\u00f6pfe ab. Und so Hals-\u00fcber Kopf<br \/>\nim Rattenblut, kam sie in die Psychiatrie,<br \/>\nworauf von uns Jeanette ihr<br \/>\ndie anwesende Mutter wurde. Sie nahm sie<br \/>\nbei sich auf und half ihr weiter suchen.<br \/>\nDas sah erst einmal gut aus, dann gab<br \/>\nNicole auf, sie wurde gefunden.<br \/>\nIhr Ehemann war j\u00fcnger noch,<br \/>\nmit einer wenig vorteilhaften Vergangenheit,<br \/>\nlebte er auf Duldung, leistete<br \/>\nArbeitsstunden f\u00fcr sein Bleiberecht<br \/>\nund schickte Ihr die sch\u00f6nsten Liebes-SMS<br \/>\naus jenem Heim bei Rottweil.<br \/>\nDas Hochzeitsfoto stammt<br \/>\naus einem Restaurant mit Bl\u00fcmchentapete<br \/>\nund klebte noch nicht im Album,<br \/>\nals Nicole beerdigt wurde. Er sagte aus \u2013<br \/>\nund lie\u00df sich dabei theatralisch von Verwandten st\u00fctzen-,<br \/>\nsie sei vom Fenster einfach runter auf die Stra\u00dfe.<br \/>\nDoch von uns Jeanette z\u00e4hlte dagegen die<br \/>\nSchl\u00e4ge und Drohungen von ihm<br \/>\nauch gegen sie, ewig<br \/>\ndiese ganze dauernde kurze-kurze Zeit.<\/p>\n<p><em>Juli 2014 \u2013 14. Mai 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In Memoriam W.K.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>f\u00fcr Christa Speidel<\/em><\/p>\n<p>Wir kauften<br \/>\nZauberschnee und Gauklerblume<br \/>\nf\u00fcr das Grab des Schauspielers K.<br \/>\nStimme des K\u00f6nigs der L\u00f6wen.<br \/>\nHoch gewachsen,<br \/>\nnaturwissenschaftliches Abitur,<br \/>\nSchauspielschule Rostock,<br \/>\nfiel in Ungnade in der Armee,<br \/>\nging schlie\u00dflich von Ost nach West.<br \/>\nSchwedt aber<br \/>\nschwedtete [13] schwer im Gem\u00fct.<br \/>\nDer Erfolg ist ein Meister im Vergessen.<br \/>\nDas Vergangene trieb ihn<br \/>\nins bi-polare Land [14].<\/p>\n<p><em>Mai 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr width=\"20%\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n[1] \u00a0Authentischer Vorgang aus dem Jahr 1982 in der Strafvollzugsanstalt Cottbus. Erz\u00e4hlt im September 2014 in der heutigen Gedenkst\u00e4tte \u201eZuchthaus Cottbus\u201c. Der Autor befand sich zur Zeit des Vorgangs bereits in der Bundesrepublik.<\/p>\n[2] \u00a0Unsere Barbarei muss die\/ihre Gemeinpl\u00e4tze \u00fcbersteigen. Zitiert von Ernst J\u00fcnger in seinem Roman <em>Afrikanische Spiele<\/em>, Einmalige Ausgabe Deutsche Hausb\u00fccherei Hamburg, Band 7 der 21. Jahresreihe, S. 224.<\/p>\n[3] St. Hope ist eine vom Autor gew\u00e4hlte romanhafte Bezeichnung f\u00fcr den Freikauf-Knast Cottbus, da dieser irrationale Ort (ein Gef\u00e4ngnis!) den Begriff auf tief-ambivalente Weise den Begriff der Freiheit sowohl f\u00fcr die politischen Gefangenen (die Hoffnung auf Freiheit) als auch f\u00fcr den SED-Staat (die Hoffnung auf Devisen) verk\u00f6rpert hat.<\/p>\n[4] \u00a0Diese mit Schlaftabletten versehenen W\u00fcrste wurden von den H\u00e4ftlingen Preu\u00dfenspeck genannt, obschon sich das Zuchthaus Cottbus in der Lausitz befindet. Von diesen Aktionen wurde dem Autor erz\u00e4hlt, er selbst war zu dieser Zeit bereits freigekauft.<\/p>\n[5] \u00a0hucken \u2013 umgangssprachlich f\u00fcr kauern, zusammengekr\u00fcmmt hocken.<\/p>\n[6] \u00a0Taboris Blick im Gedicht erkl\u00e4rte die Witwe mir, demnach l\u00e4ge eine \u00c4hnlichkeit vor mit einem Oheim, der in einem Konzentrationslager umgebracht wurde. Das Gespr\u00e4ch fand auf dem Dorotheenst\u00e4dtischen Friedhof statt. Ich besuchte das Grab meines Bruders Ralf, wenige Schritte von Taboris Grab entfernt.<\/p>\n[7] \u00a0Vor dem Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm.<\/p>\n[8] \u00a0Nebenb\u00fchne der Berliner Schaub\u00fchne im Stadtbezirk Kreuzberg.<\/p>\n[9] \u00a0Als Treidler am Lehniner Platz: Beim Umbau des von Peter Stein inszenierten St\u00fcckes \u201eEin haariger Affe\u201c (Eugene O&#8217;Neill) musste der gro\u00dfe Schiffsbau des ersten Aktes von der B\u00fchne weggezogen werden. Der Autor arbeitete von 1986-1990 als studentische Hilfskraft (Kulissenschieber) an der Berliner Schaub\u00fchne.<\/p>\n[10] \u00a0In Solingen wurde im Jahr 1994 ein von t\u00fcrkischen Familien bewohntes Mehrfamilienhaus von vermutlich einer rechtsextremistischen Gruppierung in Brand gesteckt. Bei diesem Brand kamen mehrere t\u00fcrkische Familienangeh\u00f6rige ums Leben.<\/p>\n[11] \u00a0Wladimir Listjew war ein russischer zeitkritischer Journalist und wurde wegen seiner Berichterstattung 1994 in Moskau ermordet. Er gilt als der erste der seit der Gr\u00fcndung Russlands (1991) ermordeten russischen Journalisten.<\/p>\n[12] \u00a0Onyx ist\u00a0undurchsichtiger, schwarz-wei\u00df geschichteter Quarz.<\/p>\n[13] \u00a0Das DDR-Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis der Nationalen Volksarmee in Schwedt war als besonders schweres Straflager um so mehr ber\u00fcchtigt, da die Mehrzahl der Verurteilten bis heute \u00fcber die traumatischen Erfahrungen vor Ort schweigt.<\/p>\n[14] \u00a0 \u201eMit Bipolaren St\u00f6rungen bezeichnet man eine Gruppe krankhafter Stimmungsschwankungen bzw. -ver\u00e4nderungen, die sich zwischen himmelhoch jauchzend (manisch) und zu Tode betr\u00fcbt (depressiv) bewegen und durchaus sehr verschiedene und individuelle Auspr\u00e4gungen sowie Verl\u00e4ufe haben k\u00f6nnen. Es handelt sich um keine klar umschriebene Erkrankung wie man es etwa vom Bluthochdruck oder Diabetes mellitus kennt, sondern um eine in Episoden oder Phasen verlaufende psychische Erkrankung, die das ganze Spektrum der menschlichen Stimmungszust\u00e4nde widerspiegeln kann.\u201c Quelle: http:\/\/dgbs.de\/bipolare-stoerung\/ (Stand 14. Mai 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sommerofferte Amour Anarchiste Weil wir mit Blut gen\u00e4hrt und Lichtangst aus dem Weibe m\u00fcssen Und dann nur gl\u00fccklich sind bei Lichtgewinn in Finsternissen Weil schon im Wegsehen Urteil ist und Trauerdinge nicht besaitet Und wer anderen Verlust zuf\u00fcgt nur selbst Verlust erleidet &nbsp; Weil wir das Babeln seit dem Turmbau nie verlernt Und uns des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":394,"featured_media":0,"parent":4372,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4594","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/394"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4594"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4594\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}