{"id":4958,"date":"2016-08-17T08:23:31","date_gmt":"2016-08-17T12:23:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=4958"},"modified":"2016-09-18T17:29:25","modified_gmt":"2016-09-18T21:29:25","slug":"interview-mit-tobias-hulswitt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-41-august-2016\/interview-mit-tobias-hulswitt\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Schriftstellerdasein im 21. Jahrhundert \u2013 Interview mit Tobias H\u00fclswitt, Autor des Romans <em>Dinge bei Licht<\/em>, Blogger, und Performance-Intellektueller"},"content":{"rendered":"<p>von <strong>Rachel J. Halverson<\/strong><sup><a href=\"#notes\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Tobias H\u00fclswitt, a 2001 graduate of the Deutsches Literaturinstitut in Leipzig, is a prolific younger generation writer whom Sigrid L\u00f6ffler described as a \u201cQuereinsteiger\u201d and one of the \u201curw\u00fcchsigeren Autoren-Gestalten\u201d that contemporary German literature urgently needs (12).<sup><a href=\"#notes\">2<\/a><\/sup> Surviving and thriving in Germany\u2019s competitive publishing industry today, however, is easier said than done. Devoted to exploring the conditions for success in the writing profession, <em>Schreiben jetzt. Wie Autoren auf dem Markt \u00fcberleben<\/em>, a special issue of <em>Literaturen. Das Journal f\u00fcr B\u00fccher und Themen<\/em>, describes the marketing mayhem governing German literary production in the twenty-first century. Publishing houses are releasing new publications at a higher rate, bookstores and online sellers are following suit by showcasing potential bestsellers in correspondingly shorter marketing cycles, and authors are seeing their literary achievements relegated to the bargain bin after six weeks if they do not rapidly ascend the bestseller lists to top the charts (L\u00f6ffler 7). As Marlen Schachinger asserts in her <em>Werdegang. Varianten der Aus- und Weiterbildung von Autor\/innen<\/em>, the classic image of the impoverished, bespectacled author huddled at his writing desk in the attic is no longer valid (18). She describes the profession for today\u2019s nascent author as: \u201cSchreibend Sein, als Existenzform, als Notwendigkeit, und dies mit dem Anspruch nach einem das Sein erm\u00f6glichenden finanziellen Auskommen aufgrund des eigenen Tuns, . . . \u201d (18).To survive, young Germans embarking on literary careers in the new millennium must be able to write in a wide range of genres and to publish in a diverse array of venues, extending beyond the traditional print novel and collections of short stories and poetry (Biendarra 26; Gerstenberger and Herminghouse 1, L\u00f6ffler 12). They must also be capable of earning supplementary income preferably in areas related to literature, such as teaching or editing (Schachinger 20).<\/p>\n<p>Similar to several of his contemporaries, H\u00fclswitt has successfully mastered the multi-tasking strategies that are essential for professional survival in the 21st century.<sup><a href=\"#notes\">3<\/a><\/sup> In the thirteen years since his graduation from the Deutsches Literaturinstitut Leipzig, he has published four novels with Kiepenheuer &amp; Witsch (<em>Saga: Ein Roman<\/em> [2000], <em>Ich kann dir eine Wunde schminken<\/em> [2004], <em>Der kleine Herr Mister<\/em> [2006], and <em>Dinge bei Licht<\/em> [2008]), as well as blogs, numerous essays and short stories. His work in developing and performing interactive video shows has resulted in the publication of <em>Handbuch des Nonlinearen Erz\u00e4hlens<\/em> (2011), a book on narrative theory, and <em>Werden wir ewig leben? Gespr\u00e4che \u00fcber die Zukunft von Mensch und Technologie<\/em> (2010), a co-edited volume of interviews published by Suhrkamp.<\/p>\n<p>In the following interview, H\u00fclswitt reflects on becoming and living as an author, pursuing sources of supplementary income, creating narratives in interactive video shows, writing in the Digital Age, his career trajectory, and literary influences.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> 1993 bis 1996 hast du eine Lehre als Steinmetz\/Steinbildhauer an der Meisterschule f\u00fcr Handwerker in Kaiserslautern gemacht und anschlie\u00dfend ein Jahr als Steinmetzgeselle gearbeitet. Wie kam es dazu, dass du dich um einen Studiumplatz am Deutschen Literaturinstitut Leipzig beworben hast und dich letztendlich f\u00fcr die Literatur entschieden hast?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ich hatte keine Lust mehr, als Steinmetz zu arbeiten, weil ich, dadurch dass das so physisch anstrengend war, abends keine Kraft mehr hatte zu lesen, geschweige denn zu schreiben, und das war auf Dauer dann eben nach dem halben Jahr so unbefriedigend geworden. Dann kam noch dazu, dass mein Altgeselle bei einem Unfall ums Leben kam und ich mich mit meinem Meister danach nicht mehr so gut verstand. Und das beides zusammen hat dann dazu gef\u00fchrt, dass ich nach der Weihnachtspause meinen Chef angerufen habe und ihm gesagt habe, ich glaube, ich komme nicht mehr. Und dann habe ich mich \u00fcber das K\u00fcnstlerhaus Edenkoben beworben und habe im K\u00fcnstlerhaus Sch\u00f6ppingen ein Stipendium bekommen. Dann habe ich zwei Monate Ferien gemacht und bin dann nach Sch\u00f6ppingen gezogen und habe dort geschrieben und habe dann geguckt, was ich studieren k\u00f6nnte, und habe zun\u00e4chst an Jura gedacht und Germanistik und habe dann gesucht, wo ich was studieren k\u00f6nnte. Wobei Germanistik nicht erste Wahl war, ich glaube, ich habe wahrscheinlich gar nicht viel nach Germanistik geguckt, wirklich eher nach Jura und habe dann in Leipzig im Vorlesungsverzeichnis diese Fu\u00dfnote gesehen bei der Germanistik dann doch dass es da dieses Literaturinstitut gibt, und die eine Schreibausbildung anbieten, dann habe ich mich da beworben, habe mich nirgendwo anders beworben und bin genommen worden.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Am 19. Oktober 2000 kurz vor dem Abschlu\u00df deines Studiums am Deutschen Literaturinstitut erschien ein Artikel von dir in Die Zeit \u2013 \u201cDie Dekonstruktion des Dichters. Krisen als Geschenk des Himmels. Erfahrungen mit dem Schreibstudium.\u201d<sup><a href=\"#notes\">4<\/a><\/sup> In dem Artikel \u00e4u\u00dferst du schon Bedenken, die du hast, dich dem Schreiben v\u00f6llig zu widmen. Schon zu der Zeit hast du eingesehen, dass das Leben als Schriftsteller ein ganz Isoliertes sein kann. Siehst du diesen Beruf aus heutiger Sicht anders? Hast du je die Entscheidung bereut, Schriftsteller zu werden?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ich sehe es ganz genau wie damals. Ich glaube, das hat sich alles genau bewahrheitet, was ich damals gesehen hab\u2019. Ummm . . . und das Lustige war, dass ich die Ausbildung unter anderem gemacht hab\u2019 und dann nach dem Jurastudium geguckt habe, zum Beispiel, weil ich, als ich gemerkt habe, dass ich schreiben will, auch den Gedanken gleich hatte, ich muss mich irgendwie versorgen k\u00f6nnen. Man hatte mir immer inzwischen erz\u00e4hlt, dass Max Frisch Architekt gewesen war. Es ist mir ganz wichtig, dass ein Schriftsteller einen b\u00fcrgerlichen Beruf ausgelernt hat, in den er immer zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte, falls er scheitert oder so. Aber dann hat dieser Wunsch, oder Zwang zu schreiben, es dann aber einfach weggesp\u00fclt. Und zwar f\u00fcr viele, viele, viele Jahre eigentlich, weil dieser Wunsch eben so stark ist und ich beobachtete das nicht nur bei mir. Ich glaube, dass es f\u00fcr einen bestimmten Typus vom Schreibenden zutrifft, dass dieses Schreiben wie \u2019n . . . man kann es jetzt ein Talent oder eine Begabung oder eine Berufung nennen, auch eine Orientierung, um die andere einem beneiden, die es nicht haben. Man kann es aber als Fluch sehen oder als Deformation, weil man muss das wirklich machen, ob man es mag oder nicht, und das ist schon eine ganz besondere psychische Architektur, mit der man dann noch umgehen muss. Man muss dann lernen, wenn man eben nicht sofort davon leben kann, wie man das kombiniert mit anderen Arbeiten, die es aber einem erlauben, die Zeit aufzubringen zum Schreiben, weil man sonst nicht unbedingt gl\u00fccklich wird, wie es eben mir beim Steinemetzen gegangen ist, das ging dann nicht mehr. Da hatte ich \u00fcberhaupt keine Freir\u00e4ume, keine Kraft mehr. Deswegen konnte ich einfach nicht weiter machen.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Im Laufe deiner Karriere warst du und bist du immer noch in anderen Bereichen t\u00e4tig. Du arbeitest schon \u00f6fters an Kulturprojekten f\u00fcr das Goethe-Institut, du arbeitest gelegentlich als DaF-Lehrer, und du hast als Gastdozent an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Universit\u00e4t Hildesheim gewirkt. Nat\u00fcrlich spielt die finanzielle Not hier eine Rolle. Abgesehen aber davon, was bringen dir und deinem Schreiben diese Nebent\u00e4tigkeiten?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Na ganz unterschiedlich also. Es ist nicht nur das Finanzielle. Es hilft, oder es tut ja auch gut sozusagen, gebraucht zu werden oder was tun zu k\u00f6nnen. Beim Schreibenlehren bin ich mir nicht so ganz sicher, ob das einem viel bringt, h\u00f6chstens dass man sich \u00fcber seine eigenen Ideen noch mal klar wird oder so, klarer wird. Aber irgendwann muss man dann auch einfach schreiben und die Vermittlung ist eigentlich gar nicht so wahnsinnig spannend. Bei mir ist es ja so, dass die Theorie des Nonlinearen Erz\u00e4hlens mir viel gebracht hat, aber ich habe jetzt gerade nicht das Bed\u00fcrfnis sozusagen, daraus meinen Lebensinhalt zu machen. Lieber wieder zum Schreiben zur\u00fcckzukehren, weil ich habe das Gef\u00fchl, ich beherrsche das und wei\u00df, was ich da tue. Aber die anderen Nebent\u00e4tigkeiten, wie das Unterrichten in Schulen, also das bringt einen gewissen Rhythmus, eine gewisse Best\u00e4ndigkeit, einen Austausch mit Leuten, . . . sehr interessante Erfahrungen, vor allem im Bereich der Integrationskurse. Was ich jetzt mache, einfach so Wohlhabenden, Kindern wohlhabender Eltern Deutsch beizubringen, das ist wiederum weniger interessant, aber die Integrationskurse hier in Kreuzberg, wo Menschen aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Hintergr\u00fcnden zusammen kamen, das war super spannend. Das war richtig, richtig super.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Das sind die Erfahrungen, die man dann halt in dieser Kurzgeschichte \u201cEngelbecken\u201d auch sieht. Du hast die dann literarisch verarbeitet.<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ja, und es gibt diesen Ausspruch von Bohumil Hrabal<sup><a href=\"#notes\">5<\/a><\/sup>. Der sagt, der hat ganz sp\u00e4t in seinem Leben angefangen, richtig produktiv zu werden als Schriftsteller. Der hat es ein bi\u00dfchen bl\u00f6d ausgedr\u00fcckt. Er hat vorher gesagt, er will sich noch, bevor er anf\u00e4ngt zu schreiben, er will sich mit Menschen besudeln. Das ist nat\u00fcrlich ein bi\u00dfchen disrespektierlich ausgedr\u00fcckt, aber ich verstehe dieses Gef\u00fchl, dass man sagt, man will \u00fcberhaupt unter Menschen sein und einfach noch mehr sehen und h\u00f6ren von denen und mit dabei sein, bevor man sich wiederum in diese sehr einsame T\u00e4tigkeit des Schreibens begibt.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Als du 2002 Stadtschreiber in Cairo warst, hast du am Goethe-Institut Florian Thalhofer kennengelernt. Darauf folgten acht Jahre Zusammenarbeit, darunter die Begr\u00fcndung des Korsakow-Instituts f\u00fcr Nonlineare Erz\u00e4hlkultur 2008 mit Matt Soar (Montreal) und eine Reihe von interaktiven Shows nicht nur in Deutschland, sondern auch in Venezuela und Prag. Im Nachhinein wie siehst du diese Arbeit mit dem nonlinearen Erz\u00e4hlen, was eigentlich aus dem literarischen Bereich stammt, und den interaktiven Shows, die eher zum Bereich \u00f6ffentlicher Diskussion geh\u00f6ren? Das hei\u00dft Literaturtheorie in einem nicht literarischen Kontext.<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Das ist f\u00fcr mich als Schreibenden spannend aber nicht so befriedigend und auch nicht so aufw\u00fchlend wie wenn ich selber schreibe. Diese gro\u00dfe Gratifikation des Schreibens, dieser Gl\u00fccksmoment, der fehlt da, ist da nicht so stark, und gleichzeitig ich habe diese Instabilit\u00e4ten, die das Schreiben mit sich bringt, diese mentalen, kritischen Zust\u00e4nde sage ich mal, die bleiben auch aus. Die H\u00f6hen und Tiefen, die Amplitude ist kleiner. Aber gerade vor dem Hintergrund der Theorie des Nichtlinearen Erz\u00e4hlens ist es, finde ich, perfekt so was zu machen, weil das in meinen Augen ein offenes Kunstwerk ist oder ein Kunstwerk in Bewegung, wie Umberto Eco das beschrieben hat, wo nicht nur die Reihenfolge offen ist, oder es \u2019ne sehr gro\u00dfe Anzahl von gleichberechtigten, m\u00f6glichen Anordnungen des Materials gibt, sondern weil das Publikum sogar tats\u00e4chlich die physische Anordnung des Materials mit bestimmt und noch selber ganz spontan sozusagen sein eigenes Material in Form von Beitr\u00e4gen, SMS oder Redebeitr\u00e4gen mit einbringt, und dadurch dass es den Verlauf bestimmt, eben sozusagen das physische Arrangement des Materials bestimmt, und das steht eins zu eins so darin im offenen Kunstwerk von Umberto Eco. Deshalb finde ich es hochspannend.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Haben deine Erfahrungen in diesem Bereich deine Meinung dazu gepr\u00e4gt, welche Rolle die Literatur in der deutschen Gesellschaft spielen sollte? Und Schriftsteller?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Das finde ich schwierig, weil ich eigentlich grunds\u00e4tzlich davon ausgehe, dass Literatur keinen Auftrag haben sollte. Jedenfalls nicht von au\u00dfen. Also keinen, den sich der Autor nicht selber gibt. Ich m\u00f6chte eigentlich nicht, dass die in irgendeiner Form instrumentalisiert wird, weil das ein Bereich ist, der Wichtiges, Unplanbares hervorbringen kann, was die Gesellschaft auch ganz dringend braucht. Es muss also einen Bereich geben, in dem Leute sich mit v\u00f6llig randst\u00e4ndigen Themen besch\u00e4ftigen, die aber vielleicht sp\u00e4ter eine gro\u00dfe Bedeutung bekommen, oder die einfach wichtig sind, damit es so eine Diversit\u00e4t von Ideen und Gedanken und Themen gibt, mit denen Leute sich besch\u00e4ftigen. Deshalb finde ich es fast gef\u00e4hrlich, wenn man sagt, der Schriftsteller soll dies oder das tun. Ich bin immer ein bi\u00dfchen skeptisch, wenn Schriftsteller sich gesellschaftlich engagieren und es sehr stark mit ihrer Schriftstellerrolle in Verbindung bringen. Ich kann es eher verstehen, wenn jemand sagt: Als Schriftsteller bin ich vollkommen autonom, vollkommen autark. Oder wie Katja M\u00fcller-Lange mal gesagt hat: \u201cIch bin meine eigene Nation, ich bin mein eigener Staat, mich interessiert der deutsche Staat nicht.\u201d<br \/>\n<strong>R.J.H.:<\/strong> 2008 hast du Roman Brinzanik, der Physiker und Bioinformatiker ist und am Max-Planck-Institut f\u00fcr molekulare Genetik in Berlin arbeitet, kennengelernt. Inzwischen habt ihr s\u00e4mtliche interaktive Shows zusammen aufgef\u00fchrt und eine Anthologie <em>Werden wir ewig leben? Gespr\u00e4che \u00fcber die Zukunft von Mensch und Technologie<\/em> (2010) ver\u00f6ffentlicht. Was bedeutet dir diese Zusammenarbeit mit einem Naturwissenschaftler? Hat sich dein Verst\u00e4ndnis vom Beruf Schriftsteller dadurch ge\u00e4ndert?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ne, hat sich gar nicht ge\u00e4ndert. Also, die Arbeit hat mir Horizonterweiterung gebracht, und das hat mir viele Themen erschlossen, auch naturwissenschaftliche Themen, gesellschaftsrelevante, gesellschaftspolitische Themen, die ich vorher nicht so auf dem Schirm hatte. Also, irgendwie bin ich dadurch, glaube ich, in der Gesellschaft erst so richtig angekommen. Vorher war ich einfach viel mehr bei mir, und jetzt habe ich einfach eine ganz andere Perspektive von Dingen und Zusammenh\u00e4ngen . . . habe auch viel gelernt, und es war wichtig mit Roman zu arbeiten. Erstmal, es w\u00e4re mir viel schwerer gefallen, die richtigen naturwissenschaftlichen Interviewpartner zu finden, weil er einfach viel besser beurteilen kann, wer ist jetzt wirklich hier cr\u00e8me de la cr\u00e8me und was sind die wichtigen Themen, die zu so einem Themenkomplex geh\u00f6ren, und so weiter, und das konnte er besser beurteilen als ich, und auch in den Interviews selbst hat er immer die naturwissenschaftliche Perspektive reingebracht. Das h\u00e4tte ich selber so eigentlich nicht gekonnt. Also, es w\u00e4re einfach die H\u00e4lfte dessen, was wir da produziert haben, ohne ihn gar nicht m\u00f6glich gewesen. Von daher brauchte das Projekt das einfach auch. Aber meine Rolle als Schriftsteller oder meine Vorstellung von Literatur oder mein Schreiben ver\u00e4nderte das eigentlich nicht.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Wie haben das Internet und das damit verbundene digitale Zeitalter dich und dein Schreiben beeinflusst? Die Literatur und den Leser? Wie es ist, als Schriftsteller im digitalen Zeitalter zu schreiben? Anders<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ich glaube eigentlich gar nicht unbedingt anders. Vielleicht ist tats\u00e4chlich der gr\u00f6\u00dfte Einflu\u00df, den das Internet auf das Schreiben hat, wahrscheinlich der des Onlines, Onlineseins, was einen aus dem Schreiben rei\u00dfen kann. Also, wenn man nicht aufpasst und man schreibt und dann checkt man einmal Emails, und die Zeit ist vorbei. Also, man muss halt entweder sehr selbstdiszipliniert sein und Offline bleiben, oder wirklich das ausschalten, w\u00e4hrend man schreibt, oder man sagt, ich habe diese vier Stunden morgens und da mache ich nichts anderes. Ob das mental sozusagen irgendwie das Schreiben gro\u00df ver\u00e4ndert, wei\u00df ich gar nicht. Das hat das Leben ver\u00e4ndert, und wir merken vielleicht gar nicht mehr diese gro\u00dfe Ver\u00e4nderung, weil wir uns mit ver\u00e4ndert haben, mit dem Medium, und unser Denken sich mit ver\u00e4ndert hat. Was ich merke, wie ich eben schon mal gesagt habe, dass ganz viele Leute so partizipative Formate entwickeln und nicht linear denken, nicht mehr in so einfachen Bahnen denken, und Leute, die niemals wirklich was mit Literatur zu tun hatten, die nicht geschrieben haben, nicht gelesen haben. Das kommt sicherlich durch das Internet mit, glaube ich, diese Art von vernetztem Denken und nichtlinearem Denken. Und vielleicht beeinflusst uns das auch. Aber der Roman, glaube ich, ist im Vergleich zum Film ohnehin schon immer viel freier gewesen und hat sehr viele, sehr viele nichtlineare, wilde, anarchische Formen hervorgebracht. Das, was wir heute sehen, was das Internet kann und macht \u2013 die Verkn\u00fcpfung, Verbindung, die Spr\u00fcnge, diese v\u00f6llig unvermittelten Schnitte, wenn du von YouTube von einem Video zum anderen springst oder eben das Fernsehen selbst, was man da produziert an Schnitten sozusagen. Wenn man gute Autoren liest, Saul Bellow, <em>Herzog<\/em> zum Beispiel, da sieht man, das sind ja praktisch fast so cut-up Techniken, die da verwendet werden, die ganze Zeit schon. Also, der Roman war zum Gl\u00fcck eh nie so klassisch streng, oder nur selten, fast nur in Ausnahmeform linear, aristotelisch. Oder wie der Sigmund Haupt das mal gesagt hat, dieser Wahn, alles mit allem in Verbindung zu setzen. Das macht diese Technik ja sozusagen, potenziell, setzt alles mit allem in Verbindung, und das haben Schreibende, glaube ich, sowieso oft gemacht.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Fern\u00f6stliche Religionen kommen oft in Deinen Texten vor. Warum? Was bringen sie deiner Meinung den Europ\u00e4ern, den Abendl\u00e4ndern?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Na ja, also . . . sagen wir mal, bei den Abendl\u00e4ndern herrscht eben dieser Komplex . . . man k\u00f6nnte ja fast sagen . . . der industrielle, milit\u00e4re narrative Komplex. So nenne ich das. Das ist ein teleologisches System sozusagen. Man muss immer gegen Widerst\u00e4nde etwas erreichen, und die Narration, die diese Gesellschaft hervorbringt, ohne Auftrag witzigerweise, w\u00e4hrend eine Propagandamaschine wie Hollywood permanent produziert. Das ist total verr\u00fcckt. Das System belohnt aber sozusagen die Produzenten dieser Propaganda finanziell, oder durch Starkult und so weiter, so dass sie st\u00e4ndig diese teleologische Erz\u00e4hlung wiederholen und st\u00e4ndig in alle K\u00f6pfe verpflanzen. Das Wesentliche daran ist, dass das v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Inhalt passiert, glaube ich, dass diese linearen Erz\u00e4hlungen immer eben uns vier Botschaften mehr oder weniger vermitteln. Das hei\u00dft:<\/p>\n<p>\u2022 Die Zeit l\u00e4uft ab.<br \/>\n\u2022 Wir befinden uns in einer Arena und im st\u00e4ndigen Konflikt. Man muss k\u00e4mpfen, um seine W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Und es ist m\u00f6glich, die Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>\u2022 Ja, genau, auch ein Irrsinn schon fast. Dazu muss man auch wahnsinnig viel opfern, und so weiter.<br \/>\n\u2022 Man muss effizient sein, es muss effizient sein, weil die Erz\u00e4hlung, Hollywood oder die aristotelische Erz\u00e4hlung ist wahnsinnig effizient. Das ist eine Effizienzideologie, weil jeder Erz\u00e4hler, der halt darin nicht dem Fortgang der Handlung dient, muss eigentlich eliminiert werden.<br \/>\n\u2022 Und das ist ein metaphysisches Konzept, weil man hat immer die \u00fcbergeordnete Dramaturgie, die einem sagt, alles, was in dieser Erz\u00e4hlung passiert, hat seinen h\u00f6heren Sinn auf dieser \u00fcbergeordneten Ebene.<\/p>\n<p>Und so laufen wir durchs Leben dann und denken eben, meine Zeit l\u00e4uft ab, ich muss gegen Widerst\u00e4nde meine W\u00fcnsche erf\u00fcllen, ich muss effizient sein dabei, m\u00f6glichst keine Zeit verschwenden, keine Energie verschwenden, und irgendwie hat alles, was ich mache, was hier passiert und so, irgendwie hat das da oben irgendwo einen Sinn, in so einer h\u00f6heren Welt. Ja, selbst wenn es sie nicht gibt, man sagt dann immer, irgendeinen Sinn wird es gehabt haben. Irgend jemand hat\u2019s daoben, irgendwas hat sich was dabei gedacht oder so, ja? Egal was in so einer Erz\u00e4hlung an Schrecklichem passiert \u2013 das Kind stirbt auf tragische Weise, f\u00e4llt aus dem Fenster \u2013 es hat aber in der h\u00f6heren, in der Dramaturgie der Handlung seinen Sinn, weil das zum Fortlauf der Handlung beitr\u00e4gt. Es ist eine perverse Erz\u00e4hltechnik.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Und du bietest das in deinen Werken als Gegenbild an.<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Irgendwie ist es immer ein bi\u00dfchen da, in [partizipativen] Shows<sup><a href=\"#notes\">6<\/a><\/sup> ja auch. Das hat mich auch so fasziniert, weil es eben dieses Gegenbild auch ist, weil du auch nicht raus gehst und sagst, jetzt wei\u00df ich es, die eine gro\u00dfe Erleuchtung habe ich gehabt. Oder die eine gro\u00dfe Weisheit habe ich mitgenommen. In Hollywood Filmen gibt es immer eine bescheuerte Weisheit, oder? Selbst wenn der Film ein absoluter M\u00fcll ist, am Ende muss irgend so was da sein. Das gibt\u2019s bei der Show nicht, das gibt\u2019s in Zen eben auch nicht. Die Zen Geschichten funktionieren v\u00f6llig anders. Ja, man kann das in den aristotelischen Begriffen einfach auch nicht richtig beschreiben, glaube ich. Ja, den Geist leeren von Inhalten, oder diese Inhalte nur beobachten. Beoabachtung ist schon fast zu viel. Du stehst nicht, du kannst nochmal durchblicken, von oben bis unten, die Zeit, die Zeit steht oder es spielt keine Rolle, dass sie l\u00e4uft. Du befindest dich nicht im Konflikt mit nichts. Es gibt \u00fcberhaupt nichts zu k\u00e4mpfen. Witzlos. Du musst auch nicht effizient sein, weil du ja auch nicht k\u00e4mpfen musst, weil du auch deine W\u00fcnsche abgeschnitten hast, wenn es dir gelungen ist, oder sie wenigstens erkannt hast in ihrem Wesen. Und es gibt nat\u00fcrlich auch keinen \u00fcbergeordneten Sinn.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Was sind Deine literarischen Vorbilder?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Gute Frage. Vorbilder, ja eben, ich glaube, das sind schon die Leute, die \u00fcber die Jahre gehalten haben, aber ich kann die nicht wirklich Vorbilder nennen, weil ich das auch nicht kann, was die k\u00f6nnen. Das sind Leute eben wie der Zygmunt Haupt, das war ein polnischer Schriftsteller Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Er hat mich sehr beeindruckt. Ich lese es auch immer wieder. Es ist wirklich eine ganz gro\u00dfartige Art von Literatur, eben auch vollkommen nichtlinear, vollkommen . . . die Dinge reihen sich so an einander aus einer inneren Notwendigkeit und haben so eine starke innere Strahlkraft, dass jede Handlung vollkommen schnuppe dabei ist. Das ist wirklich fantastisch, und dann kommt man wieder zum Fern\u00f6stlichen, also weil die Anschauung an sich dann so stark ist, dass mir pers\u00f6nlich das vollkommen reicht. Das ist auch bitte nicht metaphysisch. Das erf\u00fcllt all diese Dinge nicht; es ist nicht effizient, alles, was da drinne steht, darf um unseren Selbstwillen existieren. Das ist eben an dieser Effizienzideologie so gef\u00e4hrlich. Wenn man das auf eine Gesellschaft \u00fcbertr\u00e4gt, darf jede Einheit nur existieren, wenn sie einen bestimmten Fortgang, eine bestimmte Idee dieser Gesellschaft beitr\u00e4gt, und wenn das eine Rassenideologie ist und die Juden passen nicht rein in diesen Effizienzgedanken sozusagen, dann m\u00fcssen sie verschwinden so. Und das sind eben auch politische Dimensionen von Erz\u00e4hlung, so finde ich. Und das ist bei ihm ganz, ganz toll gel\u00f6st. Ich wei\u00df nicht, ob er jemals dar\u00fcber nachgedacht hat, aber er war eigentlich Maler. Vielleicht kommt es daher, dass er stark anschauend auch geschrieben hat. Andrzej Stasiuk . . . der mit manchen seiner B\u00fccher in der Nachfolge von Zygmund Haupt steht, finde ich auch ganz toll. Von den Amerikanern hat mich Richard Ford auch stark beeindruckt, Philip Roth nat\u00fcrlich, jetzt j\u00fcngst eben Saul Bellow. Aber ich kann nicht sagen, dass die Vorbilder sind. Sie inspirieren mich auf jeden Fall stark, und irgendwie flie\u00dft das auch in das ein, was ich mache. Man versucht ihnen nachzueifern, vielleicht ohne den Anspruch, ihnen das genau so gut zu machen. Wenn wir das unter Vorbildern verstehen, dann w\u00e4ren das schon Vorbilder. Weil ich wei\u00df, dass ich nie wie Andrzej Stasiuk<sup><a href=\"#notes\">7<\/a><\/sup> oder Zygmunt Haupt<sup><a href=\"#notes\">8<\/a><\/sup> schreiben kann, oder auch nicht wie Philipp Roth.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Aber das nimmst du dir auch nicht vor.<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Genau, ich wei\u00df aber auch, das ist nicht das, was ich kann. Ich kann irgendwas, aber das ist nicht das, was die machen. Aber trotzdem inspiriert\u2019s mich auf eine Weise in dem, was ich mache.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.:<\/strong> Wenn du auf deine bisherige Karriere zur\u00fcckblickst, wie verstehst du sie? Empfindest du sie als eine Reihe von Entwicklungs- und Schaffensphasen, Kontinuit\u00e4ten, oder wild aneinander gereihte Ereignisse?<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ja, es gibt irgendwie so eine seltsame Wechselwirkung, wenn du das so beschreibst, dass ich diese Lebensphasen immer so abarbeite, das stimmt. Insofern gibt\u2019s, glaube ich, im Schreiben da schon gewisse Kontinuit\u00e4ten, obwohl ich ja . . . genau obwohl ich finde, dass ich mit <em>Saga<\/em> und <em>Dinge bei Licht<\/em> n\u00e4her an dem bin, was so meine eigene Art des Schreibens ist als in <em>Ich kann dir eine Wunde schminken<\/em> und in <em>Der kleine Herr Mister<\/em>. Das waren Versuche. Ja, und gleichzeitig steht nat\u00fcrlich eben, wie ich am Anfang beschrieben habe, das Schreiben dann sozusagen der pers\u00f6nlichen Entwicklung, der Entfaltung des pers\u00f6nlichen Lebens irgendwie im Weg, weil man einfach so viel Zeit und Energie und Gedanken darauf verwendet, diese B\u00fccher zu schreiben. Und dann endet man am Ende so, dass das Scheitern im b\u00fcrgerlichen, privaten Leben dann eben wieder der Stoff f\u00fcr das n\u00e4chste Buch wird, und so weiter. Das ist irgendwie das Feedbackloop an dem Ganzen. Es ist wirklich nicht so, dass man sich mit dem Schreiben irgendwie das Leben rettet oder sich heilt oder so was. Das findet \u00fcberhaupt gar nicht statt.<\/p>\n<p><strong>R.J.H.: :<\/strong> Das ist aber, was mit deinen fr\u00fcheren Sachen, mit den Kurzerz\u00e4hlungen, tats\u00e4chlich gesagt wird. Dass das Schreiben einem das Leben retten kann, alles heilen kann.<\/p>\n<p><strong>Tobias H\u00fclswitt:<\/strong> Ja, und teilweise hat\u2019s auch funktioniert. Saga zum Beispiel . . . das hatte wirklich eine therapeutische Wirkung auf mich gehabt, weil ich all die Dinge, die sich vorher so wirklich permanent immer in meinem Kopf bewegt haben. . . wirklich so Tag und Nacht . . . immer diese Themen, die in Saga drinne stehen, und das war auf einmal still, still und weg, fertig, aufgeschrieben, rausgegeben, ich konnte v\u00f6llig neu, v\u00f6llig neu anfangen zu denken. Vielleicht passiert es jetzt auch wieder. Ich glaube, wenn man schreibt, lernt man nicht daraus. Also, ein guter Satz macht keinen besseren Menschen. Das ist eben das Problem. Anstatt eine Erfahrung in sich zu nehmen und zu fragen \u2013 Was habe ich erlebt? War das gut? Will ich das nochmal? Was muss ich \u00e4ndern, damit es nicht nochmal passiert? Das findet nicht statt, w\u00e4hrend man schreibt. W\u00e4hrend dem Schreiben nimmt man diese Erfahrung und denkt, okay, wie kann ich die gut darstellen. Das macht man dann. Und die Zeit, die man dazu braucht, um das zu tun, die hat man nicht mehr, oder man macht es wie beschrieben eben nicht mehr, weil man es pseudo bew\u00e4ltigt hat. Dabei entwickelt man sich pers\u00f6nlich eigentlich gar nicht wahnsinnig viel . . . durch das Schreiben. Das ist meine Theorie, ich glaube, viele w\u00fcrden mir widersprechen, aber mir scheint es so zu sein. Und da f\u00e4llt mir auch noch ein. Das hat wiederum mit der Theorie des Nonlinearen Erz\u00e4hlens zu tun, dass dieses Schreiben auch ein Versuch ist, das was ich als das Irritierende an der Komplexit\u00e4t meiner Person erlebe und da muss ich immer noch dazu sagen, dass ich nicht deshalb so sehr viel \u00fcber mich schreibe als Person, weil ich mich so wahnsinnig interessant finde oder besonders finde, sondern weil ich sozusagen meine beste Informationsquelle bin, weil ich mich am besten beobachten kann, weil ich einfach am n\u00e4chsten an mir daran bin. Weil ich \u00fcber mich sehr gut berichten kann, weil ich es sehr nah beobachten kann, n\u00e4her als bei jedem anderen und deshalb schreibe ich auch \u00fcber meine N\u00e4chsten so viel, weil ich an denen auch so gut beobachten kann. Und die Theorie des Nichtlinearen Erz\u00e4hlens ist wahrscheinlich auch der gleiche Versuch, ein Ger\u00fcst zu schaffen innerhalb dessen die Widerspr\u00fcchlichkeit und Komplexit\u00e4t auch von einer Person und meiner Pers\u00f6nlichkeit vielleicht pl\u00f6tzlich eine St\u00e4rke statt eine Schw\u00e4che wird. Wenn man sagt, ich will das gar nicht reduzieren und niedrigkomplex darstellen, sondern ich will es so komplex darzustellen, das ist eben sozusagen eine Not und eine Tugend dann gleichzeitig, weil die Irritation durch die Komplexit\u00e4t der eigenen Person relativ gro\u00df ist, bei mir zum Beispiel, immer versuchen auch im Leben wie kann ich das alles mit einander in Bilanz bringen und so. Und das gleiche f\u00fcr den Schreibenden findet eben auch statt. Das kann auch wiederum Teil des Sichnichtentwickeltseins. Also, wenn man versucht, an sich zu arbeiten, kann es sehr hilfreich sein, linear zu denken. In diesem Zusammenspiel von Leben und Literatur spielt das auch eine Rolle.<\/p>\n<p><a name=\"notes\"><\/a><\/p>\n<h3>Notes<\/h3>\n<p><sup>1<\/sup> H\u00fclswitt, Tobias. Personal Interview. 22 May 2013. This interview was made possible by generous funding from the Marianna Merritt and Donald S. Matteson Professorship in Foreign Languages &amp; Cultures and has been edited for length.<br \/>\n<sup>2<\/sup> In addition to H\u00fclswitt, L\u00f6ffler lists Johann Trupp, Josef Winkler, Ilija Trojanow, Raoul Schrott, Christoph Ransmayr and Alex Capus as examples of the type of authors of which German literature is in dire need (12).<br \/>\n<sup>3<\/sup> For an examination of H\u00fclswitt\u2019s early work in both traditional publications and online, see Halverson.<br \/>\n<sup>4<\/sup> \u201cDie Dekonstruktion des Dichters. Krisen als Geschenk des Himmels. Erfahrungen mit dem Schreibstudium.\u201d <em>Die Zeit<\/em> 19 Oct. 2000: n. pag.<br \/>\n<sup>5<\/sup> Bohumil Hrabal (1914-1997) gilt als einer der bedeutendsten tschechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.<br \/>\n<sup>6<\/sup> Aus juristischen Gr\u00fcnden wird die Erw\u00e4hnung von Korsakow Shows an dieser Stelle aus der Transkription gestrichen.<br \/>\n<sup>7<\/sup> Andrzej Stasiuk (geb. am 25 September 1960) ist ein polnischer Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker.<br \/>\n<sup>8<\/sup> Zygmunt Haupt (1907-1975) war ein polnischer Schriftsteller und Maler.<\/p>\n<h3>Works Cited<\/h3>\n<p>Biendarra, Anke S. <em>Germans Going Global: Contemporary Literature and Cultural Globalization<\/em>. Berlin: Walter de Gruyter, 2012.<\/p>\n<p>Gerstenberger, Katharina, and Patricia Herminghouse. Introduction. <em>German Literature in a New Century: Trends, Traditions, Transitions, Transformations<\/em>, edited by Katharina Gerstenberger and Patricia Herminghouse. New York: Berghahn Books, 2008, pp. 1-11.<\/p>\n<p>Halverson, Rachel. \u201cThe Deutsches Literaturinstitut Leipzig and the Making of an Author.\u201d<br \/>\n<em>German Literature in a New Century: Trends, Traditions, Transitions, Transformations<\/em>, edited by Katharina Gerstenberger and Patricia Herminghouse. New York: Berghahn Books, 2008, pp. 56-72.<\/p>\n<p>H\u00fclswitt, Tobias. <em>Dinge bei Licht<\/em>. Erz\u00e4hlung. Cologne: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2008.<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Handbuch des Nonlinearen Erz\u00e4hlens<\/em>. Hildesheim: Edition P\u00e4chterhaus, 2011.<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Ich kann dir eine Wunde schminken<\/em>. Cologne: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2004.<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Der kleine Herr Mister<\/em>. Cologne: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2006.<\/p>\n<p>&#8212;. <em>Saga<\/em>. Roman. Cologne: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2000.<\/p>\n<p>H\u00fclswitt, Tobias, and Roman Brinzanik, ed. <em>Werden wir ewig leben? Gespr\u00e4che \u00fcber die Zukunft von Mensch und Technologie<\/em>. Berlin: Suhrkamp, 2010.<\/p>\n<p>L\u00f6ffler, Sigrid. \u201cIm Sog der Stromlinie: Der deutsche Literaturmarkt zwischen Moden und Trends.\u201d <em>Schreiben jetzt. Wie Autoren auf dem Markt \u00fcberleben<\/em>. Spec. issue of Literaturen. Das Journal f\u00fcr B\u00fccher und Themen, vol. 1, no. 2, 2008, pp. 6-13.<\/p>\n<p>Schachinger, Marlen. <em>Werdegang. Varianten der Aus- und Weiterbildung von Autor\/innen<\/em>. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2013. Europ\u00e4ische Hochschulschriften 2040.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Rachel J. Halverson1 Tobias H\u00fclswitt, a 2001 graduate of the Deutsches Literaturinstitut in Leipzig, is a prolific younger generation writer whom Sigrid L\u00f6ffler described as a \u201cQuereinsteiger\u201d and one of the \u201curw\u00fcchsigeren Autoren-Gestalten\u201d that contemporary German literature urgently needs (12).2 Surviving and thriving in Germany\u2019s competitive publishing industry today, however, is easier said than [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":0,"parent":4915,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4958","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4958\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}