{"id":5054,"date":"2016-08-27T07:42:39","date_gmt":"2016-08-27T11:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=5054"},"modified":"2016-09-26T15:37:02","modified_gmt":"2016-09-26T19:37:02","slug":"the-stars-look-very-different-today","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-41-august-2016\/the-stars-look-very-different-today\/","title":{"rendered":"\u201cThe Stars Look Very Different Today\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Transatlantische Erinnerungen an David Bowie (1947-2016)<\/strong><\/p>\n<p>von <strong>Frederick A. Lubich<\/strong> (Text), <strong>Susan Wansink<\/strong> (Fotografie)<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\u201eI\u2019m floating in a most peculiar way<br \/>\nand the stars look very different today<br \/>\n\u2026<br \/>\nfar above the world \/ planet Earth is blue<br \/>\nand there is nothing I can do.\u201d<br \/>\n<strong>David Bowie, \u201eSpace Oddity\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der kreative Spannungsbogen von David Bowies kometenhafter Karriere findet in der modernen Pop- und Rockgeschichte wohl nicht seinesgleichen. Er hat jedoch in Goethes klassisch-romantischem Weltgedicht \u201eGesang der Geister \u00fcber den Wassern\u201c einen metaphorischen Vorl\u00e4ufer:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eDes Menschen Seele \/ gleicht dem Wasser,<br \/>\nvom Himmel kommt es \/ zum Himmel steigt es<br \/>\nund wieder nieder \/ zur Erde muss es \/ ewig wechselnd.\u201c<\/p>\n<p>So beginnt die episch-poetische Parabel des Weimarer Dichterf\u00fcrsten, die den realen Lebenslauf und die imagin\u00e4re Seelenwanderung des Menschen zwischen Diesseits und Jenseits im Bild des Wassers und seines ewigen Kreislaufs zwischen Himmel und Erde sinnbildhaft veranschaulicht. Goethes Gedicht schlie\u00dft mit den Versen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eSeele des Menschen \/ wie gleichst du dem Wasser,<br \/>\nSchicksal des Menschen \/ wie gleichst du dem Wind.\u201c<\/p>\n<p>Seit meinen fr\u00fchen Lehr- und Wanderjahren durch die Alte und Neue Welt begleitet mich im Geiste dieses wunderbare Gleichnis. Als David Bowie Anfang dieses Jahres starb, erinnerte mich sein Tod und dar\u00fcber hinaus seine musikalische Evolution einmal mehr an Goethes gro\u00dfe, parabolische Weltvision. Und daf\u00fcr gibt es mehrere transatlantische, deutsch-amerikanische Gr\u00fcnde.<br \/>\nAls ich 1972\/1973 als junger Bummelstudent ein Jahr in Newcastle upon Tyne, der alten Hafenstadt im Norden Englands lebte, sah ich David Bowie zum ersten Mal live auf der B\u00fchne. W\u00e4hrend er zu jener Zeit auf dem Kontinent noch eher ein dunkler Geheimtipp war, hatte er in England bereits den Status eines leuchtend aufsteigenden Rockstars erreicht. Dennoch war er auf diesem Konzert zum Greifen nah. Er befand sich damals in seiner Ziggy-Stardust-Phase und ich war von seiner evokativen Stimme, seinen exorbitanten Liedern und seinem extravaganten Schauspiel sofort gebannt und begeistert. Ich kann mich noch gut erinnert, wie er sich w\u00e4hrend des Konzerts auf seinen hohen Plateaustiefeln staksend in sein Mikrofonkabel verhedderte, das ihn langsam aber sicher zu Fall brachte. Er ging jedoch so geschmeidig zu Boden und stand auch ebenso gewandt wieder auf, dass sich mir dieses Bild bald zu einem Sinnbild mit dem entsprechenden Untertitel verdichtete: \u201eLike a fallen angel.\u201c<\/p>\n<p>Ein Vers aus Bowies Liedern, der mir damals besonders nachging, war \u201eafter all\u201c, ein Kehrreim des Liedes \u201eAfter All\u201c aus dem Album <em>The Man Who Sold the World<\/em>. In ihm fanden sich so kryptisch-provokative Verse wie \u201cLive your rebirth and do what you will!\u201c oder auch so exaltiert-ekstatische Visionen wie \u201eWe\u2019re painting our faces and dressing in thoughts from the skies, from paradise!\u201d<\/p>\n<p>\u201cOh no love! You\u2019re not alone\u201c, so beteuerte Bowie bald danach in \u201cRock \u2018n\u2019 Roll Suicide\u201d, dem gro\u00dfen Hit seines nachfolgenden Albums <em>Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars.<\/em> Sp\u00e4testens da wusste ich damals als rebellischer, gr\u00fcndlich abgefallener Katholik aus einem tiefgl\u00e4ubigen Elternhaus, dass auch ich einen Schutzengel hatte, der mich verstehen und auf meinem weiteren Lebensweg begleiten w\u00fcrde. Jedenfalls versprach Ziggy Stardust himmelhoch jauchzend:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eI\u2019ve had my share, I\u2019ll help you with the pain,<br \/>\nyou\u2019re not alone \/ just turn on with me \u2026<br \/>\nlet\u2019s turn on and be not alone, gimme your hands<br \/>\ncause you\u2019re wonderful, oh gimme your hands.\u201d<\/p>\n<p>Das lie\u00df ich mir nicht zweimal sagen! Und \u00fcberhaupt, ganz allgemein betrachtet erwies sich aus objektiver Perspektive Ziggy Stardusts st\u00fcrmische Welt- und Alleroberung als eine Art musikalische Wiedergeburt des klassisch-romantischen Sturm und Drangs in Form eines rockend verlockenden Sph\u00e4rengesangs und war somit Teil jener utopischen Energie, die damals eine ganze Jugendgeneration rund um die Welt erfasste und begeisterte. In anderen Worten:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ziggy Stardust<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">You were our heavenly high,<br \/>\nour bridge over troubled water &#8211; our rainbow in a stormy sky.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201cSch\u00f6ne Fremde\u201d hei\u00dft ein Gedicht von Joseph von Eichendorff, dessen letzte Strophe lautet:<br \/>\n\u201eEs funkeln auf mich alle Sterne<br \/>\nmit gl\u00fchendem Liebesblick,<br \/>\nes redet trunken die Ferne<br \/>\nwie von k\u00fcnftigem, gro\u00dfem Gl\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>So wie sich Eichendorff einst in seiner Studentenzeit in Heidelberg in sein Rohrbacher K\u00e4thchen verliebt hatte, so sollte auch ich mein Herz in Heidelberg verlieren und zwar an ein kalifornisches M\u00e4dchen aus San Diego, das als Austauschstudentin in das alte Lieblingsst\u00e4dtchen der deutschen Romantiker gekommen war. Als Eichendorffs Liebesgeschichte mit seinem Rohrbacher K\u00e4thchen in die Br\u00fcche ging, wollte er als Spielmann in die Welt hinausziehen, wie man von seinem Gedicht und mehrfach vertonten Lied vom \u201eZerbrochenen Ringlein\u201c erahnen kann. Ja er trug sich bekanntlich sogar mit dem Gedanken, nach Amerika auszuwandern \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eWer in die Fremde will wandern,<br \/>\nder muss mit der Liebsten gehen.\u201c<\/p>\n<p>So beginnt sein Gedicht \u201eHeimweh\u201c \u2013 und damit nicht auch mich das Geschick seiner Heidelberger Liebesgeschichte heimsuchte, bin ich denn bald gern seinem romantischen Ratschlag und somit meiner \u201eLiebsten\u201c gefolgt, zumal sie gleich zweimal aus dem sonnigen S\u00fcden kam, da ihr Vater aus der r\u00f6mischen Campagna stammte. Von Eichendorffs Taugenichts und seiner Sehnsucht nach dem sch\u00f6nen Italien ganz zu schweigen, &#8211; diesem wandernden, schlesisch-b\u00f6hmischen \u201eHaderlumpen\u201c, wie man in meiner ehemals m\u00e4hrischen &#8211; und vordem so \u00f6sterreich-ungarischen &#8211; Familie derartig fremdl\u00e4ndische Gestalten fr\u00fcher zu nennen pflegte.<\/p>\n<p>Auch meine Liebste war ein gro\u00dfer Bowie-Fan und zudem eine begabt-begeisterte T\u00e4nzerin und so haben wir beide denn vor unserem Abschied von Heidelberg auch noch eines von Bowies Deutschland-Konzerten im nahen Mannheim besucht. Er war damals in seiner White-Duke-Phase, ein eleganter Eint\u00e4nzer, leichtf\u00fc\u00dfig stepptanzend \u00a0&#8211; einem beschwingten Engel gleich &#8211; \u00a0grad so als ging\u2018s federleicht Stufe f\u00fcr Stufe hinauf ins musikalische Himmelreich.<\/p>\n<p>Bald danach zogen wir in die Neue Welt, wo ich denn in der Tat im Laufe der Jahre nach\u00a0 altem amerikanischem Brauch ein \u201egypsy scholar\u201c, also ein Wandergelehrter werden sollte. Unsere erste Station war Ithaca, upstate New York. Von dort ging es dann einige Monate sp\u00e4ter mit dem Greyhound Bus immer weiter nach Westen Richtung Kalifornien. Im gleichen Zeitraum zog Bowie von Los Angeles in die umgekehrte Richtung zur\u00fcck in die Alte Welt, n\u00e4mlich nach West-Berlin. Und als wir nach fast einem Jahrzehnt von New York City, uptown Manhattan, fortzogen und nach weiteren Zwischenstationen schlie\u00dflich in S\u00fcd-Virginia landeten, zog Bowie nach New York City, downtown Manhattan.<\/p>\n<p>Passend zum \u201egypsy scholar\u201c entpuppte sich meine Liebste &#8211; Neue Welt her und alte Welt hin &#8211; frei nach Carlos Santana mehr und mehr als meine wanderlustige \u201egypsy queen\u201c. And between good-for-nothing and good-for-something we were on the road \u2026 again and again \u2026 easy riders just like way back when! Ergo, gaudeamus \u2026 juvenes dum sumus! Et nota bene! Vivat Musica! Vivat Academia! So zumindest h\u00e4tten es Eichendorffs fahrende Studenten in seiner Taugenichts-Erz\u00e4hlung zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend all dieser Wanderjahre begleiteten uns Bowies Balladen und k\u00fcnstlerische Eskapaden und nat\u00fcrlich nicht nur uns, seine oft so wildromantischen Weisen wurden vielmehr f\u00fcr Millionen unserer Generation zum Soundtrack unserer mehr oder weniger rast- und ruhelosen Lebensreisen. \u201eSchl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen \u2026\u201c, so beginnt wohl Eichendorffs bekanntester Vierzeiler und David Bowie, der irdische Traumt\u00e4nzer und \u00fcberirdische Geisterfahrer par excellence, wusste so manch melodischen Funken aus den schlummernden Dingen dieser wundersamen Welt und ihres so unergr\u00fcndlichen Weltalls zu schlagen. Um hier nur einige seiner bekanntesten Hits zu nennen.<\/p>\n<p>\u201eFame\u201c aus dem Jahre 1975 ist nicht nur bemerkenswert, weil dieses Lied Bowies erste Nummer eins in den Vereinigten Staaten wurde, sondern auch weil es in Kollaboration mit John Lennon entstanden ist, dem anderen legend\u00e4ren \u201eGod of Rock\u201c und zweiten gro\u00dfen Idol meiner Jugend &#8211; der zudem seinen Ruhm mit dem Leben bezahlen musste. Ein M\u00e4rtyrer seiner Musik und Prophet einer besseren, heileren Welt.<\/p>\n<p>\u201eRebel, Rebel\u201c war das subversiv internationale Fanal zur Rebellion gegen die moralische\u00a0 Autorit\u00e4t der \u00e4lteren Generation, eine Parole, die vor allem vielen von uns jungen Deutschen der ersten Nachkriegsgeneration besonders imponierte, die wir uns in den sp\u00e4ten Sechziger und fr\u00fchen Siebziger Jahren in ganz West-Deutschland zur sogenannten \u201eAu\u00dferparlamentarischen Opposition\u201c formierten und A. S. Neills Schriften zur anti-autorit\u00e4ren Erziehung zu einem der Gr\u00fcndertexte des ersehnten New Age deklarierten.<\/p>\n<p>\u201eFashion\u201c, vielleicht das bekannteste Beispiel f\u00fcr Bowies Glam-Rock-Stil, wurde zum Hohen Lied auf unsere diversen Modetorheiten, die radikal mit allen Konventionen samt ihren gesellschaftlichen Geschlechtsdefinitionen brachen. Als zum Beispiel Bowie bei seinem Auftritt in der New Yorker TV-Show \u201eSaturday Night Live\u201c einmal ein Kleid trug, reklamierte er f\u00fcr diesen letzten Modeschrei als Vorbild den deutschen Dadaismus und insbesondere eine Photo-Montage des Weimarer Collage-K\u00fcnstlers John Heartfield. Bowie hat in der Fr\u00fchphase seiner Karriere wie kein anderer Star der Rockmusik mit seiner androgynen Erscheinung und seinen exotischen Verkleidungen die erotische Freiz\u00fcgigkeit und sexuelle Experimentierfreudigkeit unserer Jugend verk\u00f6rpert. So wurde er zur wandelnden Ikone der post-modernen Parole \u201eAnything Goes\u201c.<\/p>\n<p>Und last but not least: \u201eLet\u2019s Dance\u201c. Das war Anfang der Achtziger Jahre die Signature-Serenade der noch jungen Dekade, das war noch einmal der euphorische Aufgesang und &#8211; im Zenit unserer Zeit &#8211; bereits der elegische Abgesang, der wehm\u00fctige Schwanengesang unserer Jugend, die sich mehr und mehr dem Ende zuneigte:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eLet\u2019s dance, put on your red shoes and dance the blues,<br \/>\nLet\u2019s sway, under the moonlight, this serious moonlight \u2026\u201d<\/p>\n<p>\u201cSerious Moonlight\u201d hie\u00df denn auch die \u00fcberaus erfolgreiche, transatlantische Konzerttour, die Bowie im Jahr 1983 durch zahlreiche L\u00e4nder Europas und Amerikas f\u00fchren sollte. Wenn es f\u00fcr die sogenannten Neo-Romantiker der Achtziger Jahre eine Hymne gab, dann dieses herrliche Hohe Lied auf den Tanz und Taumel der Jugendzeit. Und welch inklusives Tanzvergn\u00fcgen obendrein, schlie\u00dft doch der Kehrreim auch noch alle M\u00f6chtegernt\u00e4nzer gro\u00dfherzig mit ein:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eLet\u2019s sway, sway through the crowd to an empty space \u2026<br \/>\nand if you should fall, into my arms<br \/>\nand tremble like a flower,<br \/>\nlet\u2019s dance.\u201c<\/p>\n<p>Yes, let\u2019s dance! Far out! We all have a chance!! Let\u2019s dance with the stars, let\u2019s dance with the \u00a0ever changing moon \u2026 youth is an eternal honeymoon \u2026<\/p>\n<p>Sternstunde, Mondstunde \u2026 so zeitlos ist das Kosmisch-Runde! David Bowie selbst verk\u00f6rperte Glanz und Glamour des Tanzes vielleicht am galantesten, als er zusammen mit Tina Turner das Tanzbein schwang, wie Aufnahmen davon noch heute anschaulich vor Augen f\u00fchren k\u00f6nnen. Wer wei\u00df, vielleicht war ja dieser Pas de deux ein modernes D\u00e9ja-Vu der biblischen Sage von K\u00f6nig Salomon und seiner Hochzeit mit der nubischen K\u00f6nigin von Saba. Was w\u00fcrde wohl Iman, das Super-Model aus \u00c4thiopien zu diesem alttestamentarischen Flashback sagen? Sollte sie doch Bowies letzte Traum- und Ehefrau werden \u2026 his modern-day \u201eQueen of Sheba\u201c\u2026 and he her sparkling Come-Back-King!<\/p>\n<p>The wisdom of Solomon, the world as will \u2026\u201e forget all I\u2019ve said, please bear me no ill\u201c. So Bowie in seinem Song \u201cAfter All\u201d. Bowie hat mehrmals davon gesprochen, dass er bisweilen selbst seine eigenen Texte nicht verst\u00fcnde. Entsprechend hat er vor allem in seiner Fr\u00fchphase zu Zeiten seines exzessiven Kokain-Konsums auch hin- und wieder h\u00f6heren Unsinn von sich gegeben. Zum Gl\u00fcck, denn sonst w\u00e4re er ja tats\u00e4chlich vollkommen gewesen, ein wahrer \u00dcbermensch, wie er in fragw\u00fcrdigen B\u00fcchern steht.<\/p>\n<p>Schon wenige Jahre sp\u00e4ter hat Bowie denn auch seinen politisch problematischsten Kommentar aus jener Zeit explizit dementiert. Jedoch erst in j\u00fcngster Zeit ist auch die Tatsache weiter bekannt geworden, dass er vor allem in seiner Jugend von der schleichenden Bef\u00fcrchtung heimgesucht wurde, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen k\u00f6nnte, dem schon andere Mitglieder seiner Verwandtschaft erlegen waren, n\u00e4mlich dem Familienfluch einer bipolaren Geisteskrankheit. Sein Halbbruder zum Beispiel schien seinen inneren D\u00e4monen nur Herr werden zu k\u00f6nnen, indem er seinem noch so jungen Leben schlie\u00dflich ein gewaltsames Ende setzte. Also auch Bowie einmal mehr &#8211; Engel und D\u00e4monen her oder hin &#8211; eine m\u00f6gliche Fallstudie f\u00fcr die alte Schizo-Formel von Genie und Wahnsinn? Oder vice versa \u2013 per aspera ad astra?!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5065\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5065\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie1-214x300.jpg\" alt=\"Bowie1\" width=\"400\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie1-214x300.jpg 214w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie1.jpg 584w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ausstellung in den Arkaden am Potsdamer Platz,<br \/>\nSommer 2016.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck ins bodenst\u00e4ndige, wenn auch gespaltene Berlin. Die elektronischen Innovationen der Techno-Musik, wie sie deutsche Komponisten wie Karlheinz Stockhausen und vor allem deutsche Bands wie Kraftwerk und Tangerine Dream in den Siebziger Jahren popularisiert hatten, waren mit ein Grund, warum Bowie in jener Zeit nach West-Berlin zog. In kreativer Kollaboration mit Brian Eno von der britischen Band Roxy Music sowie Iggy Pop, dem Pionier des amerikanischen Punk, sollte Bowie in Berlin neue musikalische Bahnen brechen, die vor allem in den drei Alben der sogenannten \u201eBerliner Trilogie\u201c (<em>Low,<\/em> <em>Heroes, Lodger<\/em>) ihren musikalischen Ausdruck fanden. Der bekannteste Song aus jener Periode ist sicherlich \u201eHeroes\u201c, in dem Bowie in einer Refrain-Variation so \u00fcberschw\u00e4nglich singt: \u201eI, I will be king and you, you will be queen.\u201c<\/p>\n<p>Der englische Text unter dem Bild von David Bowie lautet:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">A glance through the window of the Hansa Studio onto the Wall at Potsdamer Platz<br \/>\ninspired David Bowie to write one of his greatest songs, \u201dHeroes\u201d in 1977. In the song,<br \/>\ntwo lovers meet here regularly. He sings: \u201cI, I can remember \/ standing by the wall \/<br \/>\nand the gun shot above our heads \/ And we kissed, as though nothing could fall.\u201d<\/p>\n<p>Bowie hatte dieses Lied zwei Jahre vor dem Mauerfall auf einem Konzert in West-Berlin erneut gesungen und noch Jahre sp\u00e4ter sollte er sich daran erinnern, wie sehr ihn das Schicksal der Menschen in der geteilten Hauptstadt Deutschlands immer wieder ber\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>\u201eHelden\u201c so lautet zuf\u00e4lligerweise auch der Titel einer Reihe von siebzig gro\u00dfformatigen Gem\u00e4lden, die Georg Baselitz als junges Mitglied der neo-expressionistischen Gruppe \u201eNeue Wilde\u201c Mitte der Sechziger Jahre gemalt hatte. Diese \u201eHelden\u201c wurden im Laufe der Zeit zu ikonischen Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst und m\u00f6glicherweise haben sie auch Bowies \u201cHeroes\u201c inspiriert, zumal eine von Baselitz\u2019 Helden-Figuren tats\u00e4chlich den Namen \u201eRebell\u201c tr\u00e4gt. Zudem war Bowie bekanntlich auch sehr an den bildenden K\u00fcnsten interessiert sowie selbst als Maler ambitioniert.<\/p>\n<p>Als Baselitz 1969 in dieser so bewegten Wendezeit der ersten Nachkriegsgeneration seine Gem\u00e4lde auf den Kopf stellte, erregte er damit im damaligen Kulturbetrieb betr\u00e4chtliches Aufsehen. Kulturgeschichtlich betrachtet waren diese verdrehten K\u00f6pfe auch eine ikonische Reverenz an den romantischen Topos der \u201everkehrten Welt\u201c. Heute z\u00e4hlt Baselitz weit \u00fcber Deutschland hinaus zu den bedeutendsten bildenden K\u00fcnstlern seiner Generation, wie auch die diesj\u00e4hrige Wanderausstellung seiner \u201eHelden\u201c-Serie durch verschiedene L\u00e4nder Europas erneut zeigt. Sollten seine verkehrten Helden in der Tat auch Bowie inspiriert haben, dann w\u00e4ren die folgenden Verse aus seinem letzten Album<em> Blackstar<\/em> sicherlich auch eine sp\u00e4te Reverenz an den deutschen Meister des kunstvollen Kopfstands: \u201eWe were born upside down \u2026 born the wrong way \u2018round\u201c. Oder ist es eine parodische, mock-heroische Reminiszenz an seine in seiner Jugendzeit so bef\u00fcrchtete bi-polare Geisteskrankheit? Oder einfach nur Anti-Hero-Vertigo?<\/p>\n<p>Von der Heldenverehrung zur Heldenverkehrung: Vielleicht lie\u00df sich Baselitz in der Umbruchszeit der sp\u00e4ten Sechziger Jahre auf spielerische Art und Weise auch vom antithetischen Prinzip der Hegelschen Geschichtsphilosophie inspirieren. Wenn alle Helden dieser Welt auf dem Kopf stehen, dann macht wohl auch &#8211; ultima ratio &#8211; der Weltgeist einen entsprechend dialektischen Salto. These hin oder her, Tatsache ist jedenfalls, dass viele der 69er Rebellen damals viel lieber Helden der Liebe als Helden des Krieges gewesen waren, ganz in der Nachfolge der jugendlichen Weltanschauung \u201eMake Love Not War\u201c. Dieser verkehrte Schlachtruf ist heute angesichts der Eskalation internationaler Terrorattacken aktueller denn je. W\u00e4hrend sich die einstigen ideologisch-milit\u00e4rischen Konfrontationen zwischen Ostblock und Westblock aufgel\u00f6st haben, beginnen sich nun neue Konflikte zwischen Abendland und Morgenland aufzutun, deren weltweiter Ungeist geradezu gespenstisch immer mehr unserer Gesellschaften diesseits und jenseits des Atlantiks heimzusuchen beginnt.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hatte Bowie auf seinem Berliner Album <em>Lodger<\/em> in seinem Lied \u201eYassassin\u201c, einer t\u00fcrkischen Reggae-Fusion, bereits diesen am Horizont der Jahrtausendwende sich abzeichnenden Kampf der Kulturen vorausgeahnt, diesen millennarischen \u201eClash of Civilizations\u201c, wie ihn Samuel Huntington, der gelehrte Mauerschauer aus der Hochburg von Harvard, wenige Jahre vor dem Sturzflug der selbsternannten Gotteskrieger in New Yorker World Trade Center so bezeichnend und unheilvoll vorausgesehen hatte. In \u201eYassassin\u201c machte sich Bowie zum Sprachrohr der t\u00fcrkischen Einwanderer in West-Berlin, wenn er in arabesk-melismatischen Modulationen singt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eWe came from the farmlands \/ to live in this city,<br \/>\nwe walked proud and lustful \/ in this resonant world.<br \/>\nYou want to fight \/ but I don\u2019t want to leave \/ or drift away\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5074\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5074\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie2-239x300.jpg\" alt=\"Bowie2\" width=\"400\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie2-239x300.jpg 239w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie2.jpg 644w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Berliner Mauerrelikt<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Pegida, Pegida, ein Gespenst geht wieder um in Europa!<br \/>\n\u201eScary monsters \u2026 keep me running \u2026 running scared.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">David Bowie, \u201cScary Monsters\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Menetekel<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">What is the writing on that wall?<br \/>\nBabel, babble, ruins and rubble!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Siehst du den Halbmond \u00fcber Soho,<br \/>\n\u00fcber der Vorstadt von Wien, \u00fcber dem Kreuzberg von Berlin?<br \/>\nSiehst du den Vollmond von Alabama im Schleiertanz der Luna Maya?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Or is it Astarte on a starry night? The Celestial Feminine doing her magic work?<br \/>\nHalf moon to full moon, tripping and stripping across the sky<br \/>\nfrom ancient Babylon to modern Berlin-Babelsberg!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Or think Goethe\u2019s West-Eastern Divan!<br \/>\nJust, imagine, Orient meets Occident:<br \/>\n\u201cAnd the world will live as one. \u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">An impossible dream?<br \/>\nHello John Lennon!<br \/>\nGood Bye Lenin!<\/p>\n<p><em>Station to Station,<\/em> Bowies Album aus seiner zunehmend schwierigen Zeit in Los Angeles beschreibt bereits im Titel den menschlichen Lebensweg als eine Reihe leidvoller Wegstationen. Dieser Vorstellung liegt als wesentliches Vorbild die Passionsgeschichte Christi und ihre Kreuzwegstationen hinauf zum Kalvarienberg zu Grunde. Wohl kein anderer Rockmusiker hat diese so doppeldeutige \u201ePassion\u201c, diesen so widerspr\u00fcchlichen Spannungsbogen zwischen Leid und Leidenschaft, kreativem Selbstentwurf und potentieller Selbstzerst\u00f6rung weiter gespannt und dargestellt als David Bowie.<\/p>\n<p>In seinen permanenten Metamorphosen wurde er zum exemplarischen Protagonisten der postmodernen Welterfahrung, die dem ludischen Moment der spielerischen Selbstinszenierung eine zentrale Bedeutung beimisst. Und in seinen kosmischen Eskapaden von <em>Ziggy Stardust<\/em> bis zu <em>Blackstar<\/em>, ihren himmlischen Irrfahrten und irdischen Heimreisen spielte er auch immer wieder auf jene G\u00f6tter- und Gottesd\u00e4mmerung, jenen zunehmend verlorenen Horizont an, den Georg Luk\u00e1cs einst so denkw\u00fcrdig die \u201etranszendentale Obdachlosigkeit\u201c unserer modernen Westlichen Zivilisation genannt hatte.<\/p>\n<p>In dieser endzeitlichen Wendewelt scheint auch die christliche Passionsgeschichte vollkommen auf den Kopf gestellt. Aus dem irdischen Jammertal ist das irdische Freudental\u00a0 geworden, oder dialektisch genauer formuliert, die Welt als gl\u00fccksverhei\u00dfender Venusberg. Alsdann, Gl\u00fcck auf, ihr M\u00fchseligen und Beladenen, kommet zu Hauf ins Reich von dieser Welt! Und eilt, es bleibt nicht viel Zeit, denn die Endstation Sehnsucht ist die weltliche Gl\u00fcckseligkeit! In anderen Worten, das Spiel ohne Grenzen, die kunterbunte Spassgesellschaft: Paradise Now! Remember \u201cWe\u2019re painting our faces\u201d! So don\u2019t forget it &#8211; the sky is the limit! And life is a cabaret! Entrez, entrez! Welcome! Willkommen!<\/p>\n<p>Ein Leben lang war \u00a0Bowie von der Kunst des Schauspiels fasziniert und so trat er denn auch auf dem New Yorker Broadway auf, wo er als blendender Beau der Rockmusik unter anderem ausgerechnet in der Rolle des verunstalteten \u201eElephant Man\u201c brillierte. Dar\u00fcber hinaus hat er in rund drei\u00dfig Spielfilmen immer wieder andere Seiten seiner mannigfaltigen Schauspielkunst zum Besten gegeben. Im Film <em>Just a Gigolo<\/em> aus dem Jahre 1978 spielte er zum Beispiel einen preu\u00dfischen Offizier, der nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin zur\u00fcckkehrt. Da er keine Arbeit findet, verdingt er sich als Gigolo in einem Bordell unter dem Management einer Baronin, die von \u00a0Marlene Dietrich gespielt wird, dem legend\u00e4ren Blauen Engel des Weimarer Cabarets und der letzten Grande Dame von Hollywoods sagenhaften \u201eSilverscreen Goddesses\u201c. Kurz und gut, Deutschlands einziger Weltstar und Englands einzigartigster Rockstar geben sich ein wunderbares \u00a0Rendezvous.<\/p>\n<p>\u201eBerlin-Babylon\u201c, das war sicherlich der bekannteste K\u00fcnstlername der Weimarer\u00a0 Republik und ihre fulminante Kultur inspirierte auch immer wieder Bowies eigene Projekte. Allen Kunstwerken voran Fritz Langs <em>Metropolis<\/em>, das monumentale Opus Magnum des Weimarer Stummfilms und seiner vielbeschworenen \u201eD\u00e4monischen Leinwand\u201c. Seine expressionistische \u00c4sthetik hatte bereits Bowies Album <em>Diamond Dogs<\/em> aus dem Jahr 1974 nachweislich beeinflusst. <em>Metropolis,<\/em> das war die Matrix der westlichen Moderne, die exemplarische Cross-Cultural Montage, die in ihrem Unterbau das subversiv-revolution\u00e4re Berlin beherbergte und in ihrem \u00dcberbau das triumphal-spektakul\u00e4re Manhattan, das seine ersten, atemberaubenden Wolkenkratzer zur Schau stellte.<\/p>\n<p>Vom zwielichtigen Zauber des Lichtspieltheaters: Wenn man in der deutschen Sprache den Spielfilm auch als Lichtspiel bezeichnet, dann beschreibt diese Wortbildung nicht nur das Licht des gegenw\u00e4rtigen Lebens, sie beschw\u00f6rt auch bereits &#8211; ex negativo &#8211; das Dunkel des kommenden Todes herauf. In diesem Sinne offenbart sich in der Retrospektive Bowies schauspielartiger Lebenswandel als ein \u00fcberaus facettenreiches Kaleidoskop, das sich bis zum Schluss zu einem immer dunkler funkelnden Gesamtkunstwerk verdichtet.<\/p>\n<p>\u201eAt the center of it all\u201c, so erklingt ein enigmatischer Refrain in dem Lied \u201cBlackstar\u201d. Nachdem Bowie, der Exzentriker par excellence, von seinen lebenslangen Konzertreisen und zahlreichen musikalischen Expeditionen heimgekehrt ist, sucht er nun am Ende seines Lebens das sagenhafte Zentrum aller Existenz, geradeso als w\u00e4re er auf den Spuren von Goethes Faust und seiner letzten, gro\u00dfen Frage, n\u00e4mlich was diese Welt \u201eim Innersten zusammenh\u00e4lt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p>Blicke ich heute von <em>Blackstar,<\/em> Bowies letzter, schon sehr verfinsterter Sternenwarte, zur\u00fcck auf mein eigenes Leben, so wird mir auch wieder bewusst, wie sehr er mich vor allem in meiner jugendlichen Erlebniswelt durch seine zauberhafte Lebenskunst immer wieder beeindruckt und beeinflusst hatte. Insbesondere sein Lied \u201eRock\u2018n\u2019Roll Suicide\u201c schien es mir damals sehr angetan zu haben. Es war einer der bekanntesten Songs auf dem Album <em>The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars<\/em> und hatte mich zu Beginn meiner Heidelberger Studentenzeit zu mehreren Texten animiert. So hei\u00dft es zum Beispiel in Bowies Lied:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">The wall-to-wall is calling, it lingers, then you forget \u2026<br \/>\nand the clock waits so patiently on your song \u2026.\u201d<\/p>\n<p>Ich meine, diese Verse kehren mehr oder weniger erkennbar wieder in meinem damaligen Text<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201cTrip Poem\u201c<br \/>\n\u201eSeltsam, wenn die Tage zerbl\u00e4ttern<br \/>\nund Stunden aus deinen Worten tropfen,<br \/>\nGespenster in deinem Geiste klettern<br \/>\nund an deine Ohren klopfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Gedanken lauern in den Ecken<br \/>\nund starren deinen Sch\u00e4del an,<br \/>\ndie Welt sie in den Kopf dir stecken,<br \/>\num dich zu drehen im Weltendrahn.\u201c<\/p>\n<p>Wohin wollte diese innere Reise nur? Von Bodenhaftung keine Spur! Es blieb nur zu hoffen, dass im Hirnkastel dieses jungen Zauberlehrlings nicht alle Schrauben locker waren. Jedenfalls endete dieser poetische Probeflug durch Welt und All mit der Schlussstrophe:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eVom Himmel trieft Unendlichkeit<br \/>\nin silbergrauen Schwaden,<br \/>\nder Erde Allverlorenheit,<br \/>\nsie geht ins Blaue baden.\u201c<\/p>\n<p>So viel zu Ziggy Stardust\u2018s Space Cadet aus \u201eHighdelberg\u201c, wie wir das alte Neckarst\u00e4dtchen zu unserer Zeit auch gern genannt hatten.<\/p>\n<p>Am offenkundigsten scheint mir jedoch die Inspiration durch Bowies \u201eRock \u2018n\u2019 Roll Suicide\u201c gleich zu Beginn seines Liedes, wo es hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eTime takes a cigarette, puts it in your mouth,<br \/>\nyou pull on your finger \u2026 then your cigarette\u201d<\/p>\n<p>Diese Verse kehren in meinem Text unter dem Titel \u201cDuft der gro\u00dfen, weiten Welt\u201c wieder als:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eDas Leben ist wie eine Zigarette,<br \/>\ndie Seele atmet ihr Nikotin<br \/>\nund qualmt in einer ewigen Kette<br \/>\ns\u00fcchtig nach einem tieferen Sinn.\u201c<\/p>\n<p>Diesem Vierzeiler folgt der Kehrreim \u201eWir gehen meilenweit im Stil der neuen Zeit, oh frohen Herzens genie\u00dfen\u201c, wobei es sich offenkundig um eine Parodie damaliger Werbetexte f\u00fcr diverse Zigarettenmarken handelte. Aus literaturhistorischer Retrospektive gibt sich dieses Reklame-Pastiche als weiteres Remake zu erkennen, n\u00e4mlich als eine Art Wiederkehr von Eichendorffs vagantischer Euphorie in Gestalt von Heinrich Heines romantischer Ironie.<\/p>\n<p>Spass muss sein, doch war in meinem Text bald Schluss mit Lustig. Dass es mit meiner fidelen Rauch- und Wanderlust ein fatales Ende nehmen k\u00f6nnte, schien mir schon damals zu d\u00e4mmern, wie die letzte Strophe dieses Textes zu erkennen gibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eDie Gr\u00e4ber sind die Aschenbecher<br \/>\nf\u00fcr die einst abgebrannten Kippen,<br \/>\nins Jenseits eingebrannte L\u00f6cher,<br \/>\nver\u00e4schert die einst roten Lippen.\u201c<\/p>\n<p>Und so ging\u2019s moribund und schwumerant\u00a0 ins sagenhafte Totenland. Mein Heidelberger Freund Gerald Uhlig, der damals im Wiener Max-Reinhardt-Seminar die Schauspielkunst erlernte, hatte jedenfalls bald meine zwei Texte vertonen lassen und sie seinerseits dort auf seiner Schallplatte <em>Der Kinderk<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nig<\/em> mit entsprechend kakanischer Morbidezza zum Besten gegeben. Das dekadente Ambiente hatte er unter anderem von Hugo von Hofmannsthal abgestaubt, in dessen lyrischem Versdrama \u00a0\u201eDer Tod und der Tor\u201c er zu jener Zeit Claudio, den jungen Edelmann, auf einer Wiener B\u00fchne gespielt hatte.<\/p>\n<p>Jahrzehnte sp\u00e4ter sollte Gerald, der \u201eKinderk\u00f6nig\u201c als Mitbegr\u00fcnder und baldiger Alleinbesitzer des Berliner Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden weit \u00fcber Deutschlands vereinte Hauptstadt hinaus immer wieder sensationelle Schlagzeilen machen, nicht zuletzt mit der Desaster-Diagnose, dass er an der t\u00f6dlichen Krankheit Morbus Fabri erkrankt sei. Gefolgt vom Mirakel seiner prek\u00e4ren Rekonvaleszenz.<\/p>\n<p>Und auch ich lie\u00df mich nicht lumpen und hatte auch Grund genug zum Hadern! Fast zur gleichen Zeit, als Geralds Erbkrankheit bekannt wurde, stellt man bei mir Zungenkrebs fest. Dessen Mortalit\u00e4tsrate: F\u00fcnfzig Prozent! Die \u00c4rzte waren sich einig, dass er eine Sp\u00e4tfolge meiner jugendlichen Qualmerei war, der Tribut an unz\u00e4hlige, filterlose, selbstgedrehte Kippen \u2026 Hello, \u201cKinderk\u00f6nig\u201d, if you are king, then I\u2019ll be queen! Or to be more precise, the Drag-Queen of Nicotine!<\/p>\n<p>Oh Fortuna velut Luna: Gerald konnte dem Sensenmann bereits mehrfach in gelungenen Operationen von der Schippe springen und auch ich streckte Dank der modernen Chirurgie dem alten Gevatter auf Tod und Teufel komm raus immer wieder erfolgreich meine widerspenstige Zunge heraus. &#8211; Und David Bowie musste an seinem Krebs sterben. Warum hat er seinen Leiden erliegen m\u00fcssen? Warum k\u00f6nnen wir sie bislang \u00fcberstehen? Warum wandeln die einen frei nach Bertolt Brecht im Dunkeln und die andern im Licht? Und da wir schon beim Thema sind, warum \u00fcberhaupt immer wieder dieser alles vernichtende Todesstreifen?<\/p>\n<p>Deadlines here and deadlines there \u2026 from the universe down to every university \u2026 and everywhere and far beyond \u2026 will we ever be free of death and its timeless, universal bond?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie3.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5078\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5078\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie3-225x300.jpg\" alt=\"Bowie3\" width=\"400\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie3-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie3.jpg 709w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die Fragemauer des Vaterlandes<\/p>\n<p>Why all those walls, always rising and falling? From Jerusalem to Jericho and back to the future of Arizona, Mexico? Why all those joys and fears? Why so much blood and sweat and so many tears? And why time and space and then again all those dark holes? \u2026Why you and not me? &#8230; It all depends for whom the bell tolls! Yes \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">I remember my ding-dong suicide song!<br \/>\nBut why are some of us already dead and some are still alive?<br \/>\nWhy is one of us Mother Teresa and &#8211; vice versa &#8211; the other one is Mack the Knife?<\/p>\n<p>And time takes another cigarette: Wann immer ich in den letzten Jahren in Berlin weilte, wohnte ich in Geralds Berliner Wohnung. Wie oft sa\u00dfen wir dann in seiner K\u00fcche oder in seinem Kaffeehaus zusammen und debattierten und am\u00fcsierten uns wie eh und je. Jedoch wir sp\u00fcrten auch mehr denn je die alte Wiener Weise vom Tod, jenes leise, untergr\u00fcndige Beben &#8211; und wir wollten doch jetzt viel lieber die neue Berliner Weise vom ganz allt\u00e4glichen \u00dcberleben. Galgenfrist und Galgenhumor? Vor dem Tod ist jeder ein trauriger Tor! Oder frei nach Johann Nestroys Figuren-Fundus &#8211; ein armer Lumpazi Moribundus.<sup>2<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p>Vom Mummenschanz zum Totentanz: In seinem letzten Album<em> Blackstar<\/em> hat Bowie seinen kommenden Tod mehrfach in makabren Visionen inszeniert und in gespenstischen Sketchen phantasmagorisch choreographiert. So sind zum Beispiel im Video zu <em>Blackstar<\/em> unheimliche, vogelscheuchenartige Gestalten zu sehen, zerlumpte Galgenv\u00f6gel, die an ihre Ger\u00fcste gebunden auf grimmig-groteske Weise die drei Gekreuzigten auf Golgatha heraufbeschw\u00f6ren, wobei dieses d\u00fcstere Nachtst\u00fcck von einem gregorianisch anmutenden Gesang mit dem monoton-omin\u00f6sen \u00a0Kehrreim begleitet wird: \u201eOn the day of execution.\u201c In diesen \u00a0halluzinatorischen Metamorphosen taucht auch immer wieder ein perlengeschm\u00fcckter Totenkopf auf &#8211; Damien Hirst l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen &#8211; , bis sich schlie\u00dflich diese schauderhaften Schim\u00e4ren zu einer Art allegorischen \u201eDance Macabre\u201c verdichten, in dessen dekadent-moribunden Tingeltangel sich der Tanz des Lebens in einen wankend schwankenden Totentanz verwandelt hat.<\/p>\n<p>Wie kann ich, der ich in meiner Kindheit noch zutiefst im festen Glauben an die Leidensgeschichte Christi erzogen worden war, in meinen dunkleren Stunden dieses kalvarische Martyrium, dieses kryptisch-pand\u00e4monische Welttheater nachempfinden! \u00d6lberg, Sch\u00e4delst\u00e4tte, Heulen, Zittern und Z\u00e4hneklappern \u2026 fr\u00fche, traumatische Kindheitserinnerungen, uralte, kollektive \u00a0R\u00fcckbesinnungen \u00a0\u2026 sie alle starren meinen, sie alle \u201estarren deinen Sch\u00e4del an\u201c. Und eine der spukhaften Vogelscheuchen streckt obendrein dem Betrachter am Ende auch noch die Zunge heraus \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Tongue in cheek? You pick and poke!<br \/>\nDon\u2019t worry, be happy, it\u2019s just another inside joke!<\/p>\n<p>Im Video zu \u201eLazarus\u201c liegt Bowie mit verbundenen Augen auf dem Krankenbett oder er geistert durch unheimliche R\u00e4ume und gespenstische Weiten. Es ist ein schwarzromantisches Nachtst\u00fcck sondergleichen. Eine Szene zeigt seinen todkranken K\u00f6rper in offensichtlicher Levitation, eine andere in scheinbarer Astralprojektion. Im Neuen Testament verk\u00f6rpert Lazarus sowohl den Schwerkranken schlechthin, als auch den Wiederauferstandenen von Gottes Gnaden. Als Symbolfigur dieser christlichen Resurrektion geh\u00f6rt die Lazarus-Gestalt denn auch zu den fr\u00fchesten Darstellungen der ekklesiastischen Ikonographie. Bowie spinnt diesen fr\u00fchkirchlichen Wunderglauben auf seine Weise weiter, wenn er von sich als sterbenskrankem Lazarus sagt: \u201eLook up here, man, I\u2019m in danger, I\u2019ve got nothing left to lose\u201d, um dann das christliche Credo der \u00a0Wiederauferstehung am Ende des Liedes zu verwandeln in das Crescendo eines aufsteigenden Singvogels:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eOh I\u2019ll be free \/ just like that bluebird,<br \/>\nOh I\u2019ll be free \/ ain\u2019t that just like me?\u201d<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Non scholae sed vitae discimus &#8211; oder die Parabel vom modernen Paradigmenwechsel: So wie die vaterrechtliche Weltordnung in der spirituell-transzendenten Dreieinigkeit von Gottvater, Sohn Gottes und Heiligem Geist gipfelt, so gr\u00fcndet die mutterrechtliche Weltvorstellung in der sensuell-immanenten Dreieinigkeit von Gro\u00dfer Mutter, g\u00f6ttlicher Tochter und einem zwischen Diesseits und Jenseits vermittelnden Geist. Diese Triade hatte im antiken Modell der Eleusinischen Mysterien in Demeter, Persephone und Hermes ihre rituell-mystagogische Verk\u00f6rperung gefunden. Die archaische Imago der Magna Mater als symbolische Cornucopia, als \u00fcberquellendes F\u00fcllhorn von Wohlstand und Weisheit, im Sinnbild der Alma Mater als Schutzpatronin unserer Universit\u00e4ten hat dieser matriarchale Mythos bis heute \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Womb and tomb, light and darkness of the moon: In Bowies Blackstar-Panorama mitsamt seinen plakativen Vollmond-Kulissen wird diese muttermythische Matrix unserer pr\u00e4-patriarchalen Kulturgeschichte noch einmal evokativ in einem pantomimischen Frauenreigen heraufbeschworen, in dem der Zauberkreis von Sch\u00f6pfung und Zerst\u00f6rung, Mutterscho\u00df und Erdengrab, in anderen Worten, das fruchtbar-furchtbar Gro\u00dfe Weibliche und sein uraltes Weltgesetz des Ewigen Stirb und Werde seine heimlich-unheimliche Veranschaulichung findet. Orcus, orcus, uterus &#8211; hocus, pocus &#8211;\u00a0 hic est corpus.<\/p>\n<p>\u201eMusic is your only friend, until the end \u2026\u201c so raunte schon Jim Morrison von den Doors aus Los Angeles ehe sein ausschweifendes Leben in Paris sein viel zu fr\u00fches Ende fand. Im Gegensatz zu ihm, dem dunkel befeuerten doch so bald ausgebrannten Rockstar, verk\u00f6rperte David Bowie ein halbes Jahrhundert lang mit seinen verschiedenen Spielfiguren immer wieder den Zeitgeist im Wandel der Zeit, ja, er war wohl sein vielseitigster Ausdruck. Und dies sowohl als Person im antiken Sinne von \u201epersona\u201c, als theatralische Maske, durch die er seine Ideen und Phantasien artikulierte und personifizierte, wie auch als musikalisches Medium, das sich wie wohl kein anderer Interpret der modernen Musik mit ihren diversen Traditionen kreativ auseinandersetzte, angefangen von Jazz, Soul, Lounge, Rhythm and Blues \u00fcber Rock and Roll, Glam Rock und Psychedelic Funk zu Techno, Reggae, Disco, Hip Hop und Post-Punk, um hier nur die wichtigsten aufzuf\u00fchren. Gemeinsamer Nenner seiner Kompositionen und Interpretationen war eine \u00e4u\u00dferst sinnliche Sensibilit\u00e4t, die musikalisch immer wieder changierte zwischen stilistischer Radikalit\u00e4t\u00a0 und melodischer Sentimentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>\u201eWhere Are We Now\u201d, so hei\u00dft Bowies vorletzter Single aus dem Jahr 2013, auf der er bereits sein nahendes Ende zu ahnen scheint. In dieser melancholischen Ballade blickt er auf sein Leben zur\u00fcck und erinnert sich dabei geradezu ausschlie\u00dflich an seine Zeit in Berlin, wo einst auch seine k\u00fcnstlerische Laufbahn\u00a0 &#8211; so der Konsensus seiner Kenner und Kritiker &#8211; ihren kreativ-produktiven H\u00f6hepunkt erreicht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eWhere Are We Now?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eHad to get the train<br \/>\nfrom Potsdamer Platz<br \/>\n\u2026<br \/>\nsitting in the Dschungel<br \/>\non N\u00fcrnberger Stra\u00dfe<br \/>\n\u2026<br \/>\na man lost in time<br \/>\nnear KaDeWe<br \/>\n\u2026<br \/>\ntwenty thousand people<br \/>\ncross B\u00f6sebr\u00fccke.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie4.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5081\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5081\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie4-210x300.jpg\" alt=\"Bowie4\" width=\"400\" height=\"570\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie4-210x300.jpg 210w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie4-718x1024.jpg 718w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie4.jpg 764w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bahnhof am Potsdamer Platz<\/p>\n<p>\u201cSei allem Abschied voraus \u2026\u201d hei\u00dft es in Rilkes \u201cSonette an Orpheus\u201d und Bowie scheint \u00a0auf dieselbe Erfahrung jener hermetisch verschlossenen Unterwelt anzuspielen, wenn er seine wehm\u00fctige Stimme erhebt und eine orphisch-odysseische Unterwelt heraufbeschw\u00f6rt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eYou never knew that \/ that I can do that,<br \/>\njust walking the dead \u00a0\/\u2026 \/ a man lost in time. \u201d<\/p>\n<p>That is the journey\u2019s ultimate part:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Nostos, Nekyia, homerische Heim &#8211; und Totenfahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie5.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5086\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5086\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie5-300x200.jpg\" alt=\"Bowie5\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie5-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie5-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie5.jpg 790w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">N\u00fcrnberger Stra\u00dfe in der N\u00e4he des versunkenen Dschungels<\/p>\n<p>\u201eSitting in the Dschungel\u201c: Die Gegend rund um die N\u00fcrnberger Stra\u00dfe war schon im Wilhelminischen Kaiserreich und mehr noch in der Weimarer Republik ein bekanntes K\u00fcnstler- und Am\u00fcsierviertel. Im Jahr 1978 \u00f6ffnete der Dschungel in der N\u00fcrnberger Stra\u00dfe 53 seine T\u00fcr und war zur Zeit Bowies in West-Berlin der angesagteste Tanz-Club und beliebteste Treffpunkt der kreativen Boh\u00e8me und internationalen Avantgarde. Hier trafen sich von Grace Jones bis zu Frank Zappa alle, die in der Jet-Set-Welt der Rockmusik und des Show-Business Rang und Namen hatten. Bald nach dem Mauerfall, als sich die Hipsterszene Berlins in den \u00f6stlichen Teil der Stadt verschob, ging allerdings das legend\u00e4re Lokal recht schnell sang- und klanglos unter.<\/p>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig wurde im Tresor, der bald danach zum bekanntesten Nachfolgeclub des Dschungels avancierte, Techno zum \u201eSound der Wende\u201c, der sich im Laufe der Jahre zudem mit weiteren Innovationen aus den Musikszenen von Detroit und Chicago angereichert hatte, sodass eine regelrechte transatlantische, deutsch-amerikanische Klangfusion entstanden war.<\/p>\n<p>\u201ePeople cross B\u00f6sebr\u00fccke \u2026\u201c\u00a0 Die B\u00f6sebr\u00fccke hat trotz ihres Namens in der deutschen Geschichte erstaunlich viel Gutes geleistet. Urspr\u00fcnglich als Hindenburgbr\u00fccke bekannt, erreichte sie am Tag des Mauerfalls weltweite Ber\u00fchmtheit als erster \u00dcbergang zwischen Ostberlin und Westberlin. \u201eLeben ist Br\u00fcckenschlagen \u00fcber Str\u00f6me, die vergehen.\u201c\u00a0 So hatte einst Gottfried Benn, der begnadete Dichter des deutschen Expressionismus und unselig Verf\u00fchrte des deutschen Faschismus, das Geheimnis des Lebens im Gleichnis zu fassen versucht. Von Br\u00fcckenkopf zu Br\u00fcckenkopf, was bleibt, glaubt man unseren sinnbildlichen Verfassern, ist der Gesang der Geister \u00fcber den Wassern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie6.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5088\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5088\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie6-300x213.jpg\" alt=\"Bowie6\" width=\"564\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie6-300x213.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie6-768x545.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie6.jpg 827w\" sizes=\"auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die B\u00f6sebr\u00fccke, auch bekannt als Bornholmer Br\u00fccke<\/p>\n<p>\u201eLost in time near the KaDeWe \u2026\u201c Das Kaufhaus des Westens ist seit rund hundert Jahren der gr\u00f6\u00dfte Konsumtempel Europas. Er hat auch den Zweiten Weltkrieg \u00fcberstanden und so steht er bis heute als sprechendes Wahrzeichen unserer westlichen \u00dcberflussgesellschaften oder &#8211; mythisch-symbolisch gewendet &#8211; als steingewordene Cornucopia der Alma Mater.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie7.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5089\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5089\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie7-201x300.jpg\" alt=\"Bowie7\" width=\"400\" height=\"598\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie7-201x300.jpg 201w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie7.jpg 611w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Das KaDeWe am Kurf\u00fcrstendamm<\/p>\n<p>So sehr David Bowie in fr\u00fcheren Zeiten dem Kokain-Konsum fr\u00f6nte, so war er sich gleichzeitig auch schon fr\u00fch der Fl\u00fcchtigkeit allen Rausches, der Verg\u00e4nglichkeit allen mond\u00e4nen Glanzes und glamour\u00f6sen Starkults vollkommen bewusst: \u201eFame puts you where things are hollow\u201c singt er in \u201eFame\u201c, oder ins gebrochene Vagantenlatein gewendet:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Urbi et orbi! Sumus vagabundi!<br \/>\nTempus fugit \u2026 sic transit gloria \u00a0\u2026 et figura huius mundi!<\/p>\n<p>\u201eMemento mori\u201c &#8211; et vice versa\u00a0 &#8211; \u201ecarpe diem\u201c, das waren jedenfalls die zwei zentralen Mottos des barocken Zeitalters, die wesentlichen Leitmotive seines so lebenss\u00fcchtigen wie todesbesessenen Zeitgeistes. Kein Lied David Bowies beschw\u00f6rt letzteres expliziter und emblematischer herauf als<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eAshes to Ashes\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eFunk to funky, we know Major Tom\u2019s a junkie,<br \/>\nstrung out in heaven\u2019s high, hitting an all-time low.\u201d<\/p>\n<p>Das dazu geh\u00f6rige Video zeigt Bowie im Pierrot-Kost\u00fcm am Meeresstrand und eine der Bildsequenzen l\u00e4sst ihn tiefer und tiefer in den Fluten versinken. Das ist der letzte, lustig-traurige Kehraus unserer viel zu schnell verflossenen Jugendzeit und ihres so berauschenden Elixier aus \u201cSex and Drugs and Rock\u2018n\u2019Roll\u201d. Das war die zauberhafte Dreieinigkeit unserer einst so romantisch-rebellischen Burschen- und M\u00e4dchenherrlichkeit. Doch jene Zeit ist endg\u00fcltig hin. Drum noch einmal zur\u00fcck ins etwas dauerhaftere Berlin!<\/p>\n<p>Vom mesopotamischen Turmbau zu Babel bis zu Berlin, der Hochburg des nationalsozialistischen Wahnsinns, wohl keine anderen Gro\u00dfst\u00e4dte der Weltgeschichte in Mythos und Moderne haben solch vergleichbaren Hochmut entfaltet und entsprechende Niederlagen erfahren. Und nach der Zerst\u00f6rung des faschistischen Berlins kam seine weitere Selbstzerst\u00f6rung durch die kommunistische Teilung der Stadt seitens seines Ost-Berliner Regimes. \u201eAuferstanden aus Ruinen\u201c, dieses laute Loblied Ost-Deutschlands auf sich selbst wurde &#8211; entgegen all seinen utopischen, dialektisch-materialistischen Aspirationen &#8211; zum stummen Klagelied \u00fcber all jene, die an der Mauer ihr Leben lassen mussten.<\/p>\n<p>Bowie kannte den Potsdamer Platz, einst der metropolitische Mittelpunkt Berlins, nur als urbane Brache entlang des Eisernen Vorhangs. Auch Wim Wenders Film <em>Der Himmel <\/em><em>\u00fc<\/em><em>ber Berlin<\/em> aus dem Jahr 1987 zeigt diese Sperrzone noch immer als Ground Zero von Deutschlands gefallener und gespaltener Hauptstadt. Als <em>Wings of Desire<\/em> wurde Wenders Fantasy Drama in Amerika und vor allem in New York zum Kultfilm des neuen deutschen Kinos. Ich kann mich noch gut an die langen Schlangen ums Filmtheater am Lincoln Center in Mid-Town Manhattan erinnern.<\/p>\n<p>Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands haben die renommiertesten Baumeister der Welt von Helmut Jahn und Daniel Libeskind \u00fcber Renzo Piano und Norman Foster bis zu Frank Gehry und I. M. Pei das Areal vom Pariser Platz bis zum Potsdamer Platz wieder belebt und zum Teil v\u00f6llig neu aufgebaut. In ihren architektonisch-kosmopolitischen Visionen kristallisierte sich dabei das Baumaterial Glas immer wieder als markanteste Bausubstanz heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie8.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5090\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5090\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie8-205x300.jpg\" alt=\"Bowie8\" width=\"400\" height=\"585\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie8-205x300.jpg 205w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie8-768x1123.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie8-701x1024.jpg 701w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie8.jpg 890w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Sony Center, Potsdamer Platz: Rise and Fall and Fall and Rise<\/p>\n<p>Berlin, Berlin &#8211; New York, New York: In den achtziger Jahren konnte man in Manhattan immer wieder h\u00f6ren, dass sich New Yorker von allen Gro\u00dfst\u00e4dten der Alten Welt dem modernen Berlin am n\u00e4chsten f\u00fchlten. Diese Wahlverwandtschaft k\u00f6nnte auch den damaligen Erfolg von Wenders Berlin-Film in New York miterkl\u00e4ren. Eine weitere, wichtige Rolle spielen sicherlich die zahlreichen kulturellen Parallelen zwischen dem Weimar der Zwanziger Jahre und dem New York der \u201eRoaring Twenties\u201c. Fritz Langs <em>Metropolis <\/em>und George Gershwins <em>Rhapsody in Blue<\/em>, die grandiose Hymne auf das \u201eJazz Age\u201c der Neuen Welt, stellen gewisserma\u00dfen zwei repr\u00e4sentative, musikalisch-cinematographische Manifestationen dieser modernen Sensibilit\u00e4t und ihrer experimentellen Kreativit\u00e4t dar. David Bowie, der in beiden St\u00e4dten lebte und wirkte, spielte in diesem Sinne eine kongeniale Vermittlerrolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie9.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5091\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5091\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie9-212x300.jpg\" alt=\"Bowie9\" width=\"400\" height=\"566\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie9-212x300.jpg 212w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie9-768x1088.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie9-723x1024.jpg 723w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie9.jpg 798w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der Himmel \u00fcber dem Potsdamer Platz: Step dancing into a rhapsody in blue<\/p>\n<p>Und auch den Freiherrn von Eichendorff sollte man bei dieser Gelegenheit nicht ganz vergessen. Jahrelang hatte er sich hier in Berlin einst als Geheimer Regierungsrat in preu\u00dfischen Staatsdiensten n\u00fctzlich gemacht. Eichendorff, ick h\u00f6r dir \u00a0trapsen. N\u00e4chtens heimlich her und hin, \u00a0aber vielleicht bilde ich\u2019s mir ja auch nur wieder mal ein, diese Mondnacht \u00fcber einem ungeteilten Berlin?! Erinnerst du dich? Komm, wir schwelgen zusammen \u2026 doppelt h\u00e4lt besser \u2026 du als Ossi, ich als Wessi \u2026<\/p>\n<p>You test the west, I test the east and together we\u2019ll be fine, half moon, full moon, let it shine! But seriously, you know how we adore that wandering moon, that heavenly body that makes us sway and makes us swoon. Do you remember your \u201cBeautiful Stranger\u201d, shining so bright in that starry Heidelberger night?!<\/p>\n<p>We too could have been two of those heavenly heroes. Perseus and Venus! Or was it Mars and Medusa? In any case, two of those shooting stars, first all love and then nothing but wars! But don\u2019t worry, we\u2019re still a dream team &#8211; although we\u2019re also double trouble \u2013 but at the end of every fight &#8211; guess what &#8211; my inexorable \u201cGypsy Queen\u201d is again my adorable \u201cQueen of the Night\u201d. Because, as you know, sweet dreams are made of magic moments that turn into haunting memories and then into wonderful melodies \u2026 soaring higher and higher until \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201cder Himmel die Erde still gek\u00fcsst \u201c<br \/>\n\u201eunder the moonlight, this serious moonlight\u201d<br \/>\n\u201edass sie im Bl\u00fctenschimmer von ihm nur tr\u00e4umen m\u00fcsst.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eEs funkeln auf mich alle Sterne mit gl\u00fchendem Liebesblick\u201c<br \/>\nand we dream again of those long gone nights,<br \/>\n\u201cwie von k\u00fcnftigem, gro\u00dfen Gl\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p>Liebe, Tod und Liebestod: War in den Siebziger Jahren \u201eMake Love Not War\u201c die internationale Parole, so war die allj\u00e4hrliche Berliner \u201eLove Parade\u201c der Neunziger Jahre ihre konsequente Inszenierung und ultimative Theatralisierung. Auch Hegels Weltgeist h\u00e4tte an diesem Berliner Spektakel sicherlich wieder seine helle Freude gehabt. So wie einst die deutsche Hauptstadt zum s\u00e4belrasselnden Aufmarschplatz zweier Weltkriege herhalten musste, in denen einmal mehr und mehr denn je die S\u00f6hne des Landes in grauer Felduniform f\u00fcr ihr Vaterland in den Krieg ziehen und dort ihr junges Leben lassen mussten, so wurde nun das Berlin um die Jahrtausendwende &#8211; vice versa &#8211; zum gro\u00dfen Schau- und Rummelplatz von Millionen von fr\u00f6hlich feiernden Jugendlichen in kunterbunten Kost\u00fcmen aus allen Herren L\u00e4ndern der Welt.<\/p>\n<p>Anstatt sinnlosem T\u00f6ten in endlosen Materialschlachten war jetzt sinnenberauschender Tanz zu wummernden Techno-Rhythmen angesagt. Die Berliner Love Parade, das war die Gegenwelt zu den preu\u00dfisch soldatischen M\u00e4nnerparaden, das war die erotische Zauberwelt der feschen Lola, und die war ja bekanntlich von Kopf bis Fu\u00df auf Liebe eingestellt. Viva La Diva! Blauer Engel Rediviva! And your drag queens are divine! They just want to have fun as male and female rolled into one!! You guys sure rule, just remember, don\u2019t smoke and don\u2019t coke &#8211; and you will always be cool. The only problem \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201cYou\u2019ve got your mother in a whirl,<br \/>\nshe\u2019s not sure if you\u2019re a boy or a girl.<br \/>\nRebel, Rebel, how could they know,<br \/>\nyou\u2019ve torn your dress \u2026 I love you so.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\u201cRebel, Rebel\u201d (Wouldn\u2019t You Know!)<\/p>\n<p>So let\u2019s dance \u2026 again and again \u2026 until we trance! And should we fall, let\u2019s fall like angels and we will survive! Forget that Death! His face is a mess! But always remember to celebrate Life!!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p>Und auch die Vergangenheit wirft l\u00fcsterne Lichter auf die einst so d\u00fcsteren Schatten von Berlin: Heute mag so manch bekehrter Alt-Stalinist am prunkenden Potsdamer Platz und seinen \u00a0hochragenden Glitzerpal\u00e4sten eine ungeteilte Schadenfreude haben. Der einst so viel verrufene Sp\u00e4tkapitalismus in all seiner permanenten Dekadenz, vielleicht war er ja trotz allem kommunistischen Spott und Hohn die siegreiche Wiederkehr der sagenhaften Hure von Babylon? Sitzt sie nicht pr\u00e4chtig auf ihrem prunkenden Potsdamer Thron?! Metropolis, Matropolis, jede Gro\u00dfstadt ist eine Gro\u00dfe Mutter und \u2013 mutatis mutandis &#8211; eine Dame von Welt und &#8211; Weltmarkt her und Weltmarkt hin &#8211; eine wendige, kosmopolitische Marketenderin.<\/p>\n<p>Schau nur, wie sie herausgeputzt ist vor aller Welt, dort auf dem Potsdamer Platz, so glitzernd und strahlend unter seinem barocken, preu\u00dfischblauen Himmelszelt! Und im Vergleich zu den einstigen F\u00fcnfjahrespl\u00e4nen ostdeutsch-kommunistischer Observanz ist sie ein wahres Super-Model der freien, multinationalen Marktwirtschaft. Was braucht\u2018s da noch altbabylonische Sternendeuter, Sumerer, Chald\u00e4er und all die anderen mesopotamischen Astarte-Versteher! Man kann\u2019s doch mit blo\u00dfem Auge sehen, den sch\u00f6nen Schein von Raum und Zeit, mitsamt all seiner verg\u00e4nglichen Eitelkeit! Vanitas Vanitatum? Quod erat demonstrandum!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie10.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5096\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5096\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie10-210x300.jpg\" alt=\"Bowie10\" width=\"400\" height=\"570\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie10-210x300.jpg 210w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie10.jpg 637w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Das Ellington Hotel in der N\u00fcrnberger Stra\u00dfe<\/p>\n<p>Nach Duke Ellington benannt, steht dieses Hotel genau an jener Stelle, an der einst der Dschungel gestanden hatte. Kein anderer amerikanischer Musiker des Jazz Age verk\u00f6rpert den Geist jener Zeit so wie er und so ist er denn auch der ideale Genius Loci dieses Ortes. Von Duke Ellington, dem \u201eKing of Jazz\u201c zu David Bowie, dem \u201eGod of Rock\u201c &#8211; good vibrations, great sensations &#8211; here are angels rocking around the clock.<\/p>\n<p>The World of \u00a0Music: Was David Bowie betrifft, so war er in der Tat ein Wunderkind der sch\u00f6nen Frau Welt, ein nat\u00fcrlicher Sohn der Gro\u00dfen Mutter. Er f\u00fchrte das Leben eines gro\u00dfen Weltenwanderers wie wenige andere seiner Zunft, da er nicht nur viel auf Konzertreisen ging,\u00a0 sondern auch immer wieder in anderen L\u00e4ndern lebte, mit ihrer Musik experimentierte und sich ganz in ihrer Kultur investierte. Und von der sch\u00f6nen Frau Welt hatte er auch ihre farbenfrohe Tanz- und Schauspiellust geerbt und nicht zuletzt ihre hohe Zauberkunst, die Dinge ihrer Welt immer wieder in neuen Liedern zum Klingen zu bringen. Die Musik ist ein schlummerndes Weib, so wusste es schon Richard Wagner, doch der gute, alte Eichendorff wusste es sogar noch besser: Gesang ist der sch\u00f6nen Frau Welt ihr liebster Zeitvertreib. Vielleicht ist er es ja tats\u00e4chlich, der ihre zauberhafte Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Insgesamt betrachtet kann man sicherlich schlussfolgern: David Bowie war mit seinen vielfachen\u00a0 musikalischen und visuell-vision\u00e4ren Talenten geradezu ein kultureller Archetyp, ein moderner Wiederg\u00e4nger der mythisch-romantischen Seher und S\u00e4nger. Jetzt ist er am Ende einer Lebensreise hier auf Erden angekommen und seine so klare, kristallene Stimme auf immer verstummt. Was von seinen Himmelfahrten und H\u00f6llenst\u00fcrzen bleibt, ist eine Schatztruhe zauberhafter Lieder, wunderbarer Bilder und immer wieder gro\u00dfartiger Einbildungen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">A Black Box<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">of time warps and space oddities that crystallize and unlock<br \/>\nall those down-to-earth-phantasies of a human God of Rock.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie11.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5097\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5097\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie11-217x300.jpg\" alt=\"Bowie11\" width=\"400\" height=\"553\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie11-217x300.jpg 217w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie11.jpg 612w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Hauptstra\u00dfe 155 in Berlin-Sch\u00f6neberg<br \/>\nHier hat David Bowie zusammen mit Iggy Pop gewohnt<\/p>\n<p>Wie kein anderes Dingsymbol veranschaulichen und versinnbildlichen T\u00fcr und Tor das Kommen und Gehen der Menschen, das Abschiednehmen und Willkommenhei\u00dfen, das Weiterziehen von Stadt zu Stadt und von Land zu Land und nicht zuletzt die Quintessenz aller romantischen \u00a0Existenz, das vagantische Fernweh und nostalgische Heimweh. Und oft sind es bedeutsame Augenblicke, erste und letzte Sinneseindr\u00fccke, die mit Ankunft und Abschied verbunden sind, oder wie es in Bowies Song \u201eWhere Are We Now\u201c so eindringlich\u00a0 hei\u00dft: \u201eThe moment you know, you know, you know.\u201d Und als wollte sich der erinnernde S\u00e4nger der ewigen Wiederkehr des Vergangenen im Kommenden versichern, wiederholt er jede der folgenden Zeilen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eAs long as there\u2019s sun<br \/>\n\u2026<br \/>\nAs long as there\u2019s rain<br \/>\n\u2026<br \/>\nAs long as there\u2019s is fire\u201d<\/p>\n<p>um schlie\u00dflich nach der Aufz\u00e4hlung von Licht, Wasser und Feuer, seiner geradezu rituellen Inkantation der irdisch-\u00fcberirdischen Elementargwalten unserer materiellen Welt, mit den folgenden schlicht-sch\u00f6nen Versen zu schlie\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eAs long as there\u2019s me,<br \/>\nas long as there\u2019s you\u201d<\/p>\n<p>Dieser Zweizeiler, der bezeichnenderweise nicht wiederholt wird, ist nicht nur die Beschw\u00f6rung der Einmaligkeit jeglichen irdischen Seins, sondern auch der Erfahrung der Zweisamkeit in lebenslanger Freundschaft und &#8211; non plus ultra &#8211; unsterblicher Liebe, wie einst metaphysisch angehauchte Poeten diese letzte Hoffnung der Liebenden auszudr\u00fccken pflegten.<\/p>\n<p>Der basso ostinato von Bowies \u201eWhere Are We Now\u201c ist freilich das zerbrechende Herz, der zu Tode betr\u00fcbte romantische Weltschmerz. Auch Iggy Pop, musikalischer Weggef\u00e4hrte Bowies aus ihrer gemeinsamen Zeit in Berlin, hat Anfang dieses Jahres nach einer mehr als zehnj\u00e4hrigen Schaffenspause ein neues Album herausgebracht und es\u00a0 in altbew\u00e4hrter Seelenverwandtschaft mit Bowie entsprechend <em>Post Pop Depression<\/em> genannt. Auf ihm findet sich auch der Song \u201eGerman Days\u201c, der Iggy Pop zufolge noch vor Bowies Tod aufgenommen wurde. Im Nachhinein klingt dieses Lied jedoch bereits wie ein insgeheimer Abschied von seinem langj\u00e4hrigen Freund und Berliner Weggef\u00e4hrten, eine orphisch-subterrane Evokation seines bevorstehenden Todes.<\/p>\n<p>\u201cLust of Life\u201d, so lautet der Titel eines Liedes, das Bowie zusammen mit Iggy Pop einst in Berlin geschrieben hatte. So wie das lebensspr\u00fchende \u201eCarpe Diem\u201c die andere Seite des \u201eMemento Mori\u201c bildet, so versinnbildlicht auch das farbenfrohe Graffiti der Berliner Mauer die andere Seite ihrer ehemals so todesdrohenden Allgewalt. Doch irgendwann wird auch dieses letzte Bruchst\u00fcck der Weltgeschichte zerfallen \u2026 and down the road of time the last towers and bridges\u00a0 \u2026 they too will be tumbling and falling \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">History<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Between Right and Wrong<br \/>\n\u201cThe wall-to-wall is calling<br \/>\n\u2026and the clock waits so patiently on your song &#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\u201cRock \u2018n\u2019 Roll Suicide\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie12.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5098\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5098\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie12-300x225.jpg\" alt=\"Bowie12\" width=\"534\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie12-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie12-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie12-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie12.jpg 1051w\" sizes=\"auto, (max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bruchst\u00fcck der Berliner Mauer: In fading dayglow glory<\/p>\n<p>Dieses Bruchst\u00fcck befindet sich direkt an der B\u00f6sebr\u00fccke und die in seiner Mitte \u00a0vermerkte Uhrzeit bezieht sich auf bestimmte Ereignisse w\u00e4hrend des Durchbruchs zum Westen am 9. November 1989. In den Boden eingelassene Platten geben zus\u00e4tzliche Erkl\u00e4rungen \u00fcber weitere Entwicklungen zu verschiedenen Zeitpunkten des Mauerdurchbruchs.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie13.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5099\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5099\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie13-300x225.jpg\" alt=\"Bowie13\" width=\"533\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie13-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie13-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie13-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/08\/Bowie13.jpg 1057w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bodenplatte an der B\u00f6sebr\u00fccke<\/p>\n<p>\u201eThese fragments I have shored against my ruin\u201c, so rekapituliert T.S. Eliots gro\u00dfes, episches Poem \u201cThe Waste Land\u201d die Wechself\u00e4lle der Weltgeschichte und ihrer unz\u00e4hligen Lebensgeschichten \u2026 Ruins and Fragments \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Dust to Dust<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Teardrops to teardrops,<br \/>\nfalling and rising deeper and higher,<br \/>\nand then they\u2019re gone with the wind and the water<br \/>\nand only dreamers can see them as they circle the world on wings of desire.<\/p>\n<p>\u201eHow many times does an angel fall?\u201d So fragte sich Bowie auf seinem letzten Album <em>Blackstar<\/em>. Ich war nicht wenig \u00fcberrascht, als ich diesen Vers zum ersten Mal h\u00f6rte, erinnerte er mich doch sehr an jenes Konzert in Newcastle vor so langer Zeit, als mir Bowie auf der B\u00fchne wie ein Engel zu fallen schien. Ein Augenblick, der mir \u00fcber die Jahre so lebendig im Ged\u00e4chtnis geblieben ist, als w\u00e4re es gestern geschehen. Ich h\u00e4tte diese sinnbildliche Anwandlung von damals im Geist der dichterischen Freiheit f\u00fcr diese heutigen Erinnerungen einfach erfinden k\u00f6nnen, es ist ja nur eine kleine Randgeschicht &#8211; ich hab\u2019s aber nicht.<\/p>\n<p>Ob fallende Engel, ob steigende Engel, in jedem Fall ist die Techno-Musik deutscher Provenienz in Fan- und Fachkreisen auch als \u201ekosmische Musik\u201c bekannt. Folgt man dar\u00fcber hinaus den gnostischen Vorstellungen der j\u00fcdischen Kabbalah, von der bekanntlich auch Bowie fasziniert gewesen war, dann ist die Weltkugel von kosmischen Sph\u00e4renkl\u00e4ngen und seraphisch-cherubinischen Engelsges\u00e4ngen umringt.<\/p>\n<p>Auch Wolf Biermann, der gro\u00dfe Barde des zerrissenen, stachelverdrahteten Berlins, sang in den Siebziger Jahren mit \u201eMarx- und Engelszungen\u201c &#8211; und das so fest \u00fcberzeugt wie verschmitzt\u00a0 augenzwinkernd -, da er ja schon damals mit seinen beiden Vaterl\u00e4ndern mehr oder weniger auf kritischem Kriegsfu\u00df stand. Er war in der Tat ein Held, ein wahrhaft mutiger Drahtseilt\u00e4nzer \u00fcber dem Eisernen Vorhang und einer der letzten, utopisch-dialektischen Luftmenschen zwischen kommunistischem Materialismus und j\u00fcdisch-christlichem Spiritualismus.<\/p>\n<p>Macht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit \u2026 M\u00f6glicherweise ist ja der Himmel \u00fcber Berlin tats\u00e4chlich eine geheime Offenbarung himmlischer Engel. Von Wim Wenders \u00fcber Wolf Biermann bis zu Walter Benjamin und seinem Engel der Geschichte, dem Erzengel aus dem Paradies, der vom Sturmwind des Fortschritts in die Zukunft getragen wird. Oh Angelus Novus, Fragen \u00fcber Fragen\u00a0 \u2026 ad infinitum\u00a0 \u2026 das ganze scholastische Weltenwissen der fahrenden, in alle Winde zerstreuten Gelahrten \u00a0\u2026 Cogito! Cogito, ergo sum \u2026 credo, quia absurdum!<\/p>\n<p><em>Fallen Angels, <\/em>das ist auch der sprechende Titel von Bob Dylans letztem Album, das in diesem Fr\u00fchsommer herauskam und sein letztj\u00e4hriges Konzeptalbum <em>Shadows in the Night<\/em> fortsetzt, n\u00e4mlich in From diverser musikalischer Re-Interpretationen klassisch amerikanischer Liedtraditionen. Vielleicht ist ja doch was dran an der kabbalistischen Kosmogonie und der irdischen Musik als einem fernen Nachklang der \u00fcberirdischen Engelsharmonie? Sch\u00f6n w\u00e4r\u2019s ja, \u00a0all die himmlischen Heerscharen und ihrem so irdischen, sinnlich-\u00fcbersinnlichen Gebaren \u2026 angefangen von Astarte in all ihrer Sternenpracht \u00fcber Mozarts zauberhafte \u201eK\u00f6nigin der Nacht\u201c und hinunter zu Ella Fitzgerald\u2019s \u201eThe Lady is a Tramp\u201c and Frank Sinatra\u2019s \u201eStrangers in the Night\u201c to David Bowie\u2019s \u201eJean Jeanie\u201c, who loves chimney stacks and keeps \u201etalking \u2018bout Monroe \u2026 New York\u2019s a go-go \u2026\u201d where all the towers are so tall, scraping the skies \u2026reaching for paradise \u2026and after its heavenly fall \u2026 way back in the future\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">The World<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">turned into a cosmic disco ball,<br \/>\nand became the glittering galaxies\u2019 most glamorous wonder,<br \/>\nas she is turning us on and tuning us in throughout the deep and dark blue yonder!<\/p>\n<p>Wonder World and Wonder Woman: Maybe her cosmic avatar is that spectral Shekina? Yahwe\u2019s legendary lost better half!\u00a0 Is she the original Superstar? Or the ultimate Diva Divina? And along that long and winding road \u2026 maybe she is also dancing Salome and the gorgeous Queen of Sheba \u2026Isis, Ishtar and Mystical Maya, the original Wo-Man before all those divisions and re-divisions began! God only knows, as the saying goes. But as far as I can see, it is a long, long way from here to his eternity! And if we keep going back to the future \u2026 with all the human wear and tear \u2026 we\u2019ll never get there \u2026 but along the way \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Thank God, we have those rebel songs,<br \/>\nthat teach us how to break the rules!<br \/>\nThank Goddess, we have those siren songs,<br \/>\nfor all those ships of moon-struck fools!<\/p>\n<p>So praise them both, that king in the sky and his queen on the ground.<\/p>\n<p>And how they long for each other \u2026 because they know they belong together! And how they search for each other \u2026 and find one another \u2026 up and down the stairways to heaven and earth \u2026 and what we so unknowingly call death and rebirth! Thank you for all those celestial flashbacks and all those terrestrial soundtracks. And if the two of you in all your glory are just pure phantasy, then thank you for giving us our down-to-earth-reality, our humanity, our temporary creativity and &#8211; last but not least &#8211; the magic and music of David Bowie.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p>Was uns Sterblichen hier auf Erden bleibt, ist das t\u00e4gliche \u201cCarpe Diem\u201d &#8211; allem \u201cMemento Mori\u201d zum Trotz. Und dann wird jeder Tag ein Heldentag! Genau wie in Bowies Berliner Weise, diesem gro\u00dfen Heldengesang von jenem immer wiederkehrenden Sturm und Drang \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eWe can be heroes\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201cWe got the world in our hands \u2026 we could steal time just for one day\u201c!<br \/>\nBut to be honest and heaven knows:<br \/>\n\u201cThe stars look very different today.\u201d<\/p>\n<p>Leb wohl, David Bowie! Gute Reise auf deiner weiteren Seelenwanderung. Im Wandern des Wassers, im Wehen des Windes, im Gesang der Geister \u00fcber den Wassern wirst du f\u00fcr immer weiterleben! \u00a0Dort oben sind deine Lieder am allerbesten aufgehoben, schenkt man den Dichtern und Denkern unserer Geistesgeschichte Glauben, jenen Poeten und Philosophen des Weimarer Klassizismus und ihres dialektischen Idealismus.<\/p>\n<p>From KaDeWe to JotWeDe, it\u2019s all so near and it\u2019s all so far out! So fare well, David Bowie! Be good! After all, that\u2019s what the heavens are all about! And by the way, keep cruisin\u2019 for bruisin\u2019, because the storms of history &#8211; that age-old progress of his and her story &#8211; are never far away. But thank Goodness, now you are our hero for much more than one day!<\/p>\n<p>Now you are free for eternity! No more earth bound, no more rock \u2019n\u2019 roll! No more fancy costume changes, no more ground control! But we will always remember that we had a great ball! Especially if you think that what might come after death \u2026 is nothing \u2026 nothing at all!!<\/p>\n<p>And for right now you are still with us, although you had to go, we still can hear you in all your songs, we still can see you in every rainbow, and we still can feel you in that serious moonlight and its twinkling afterglow. Because, after all, we still believe you now as then &#8211; and spes contra spem &#8211; when you call us through Lazarus \u2026 your final, mortal alter ego \u2026 calling us one more time \u2026 \u00a0as if it were your last and lasting stardust show \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201cLook up here, I\u2019m in heaven,<br \/>\ndropping my cellphone down below.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Transatlantische Erinnerungen an David Bowie (1947-2016) von Frederick A. Lubich (Text), Susan Wansink (Fotografie) \u201eI\u2019m floating in a most peculiar way and the stars look very different today \u2026 far above the world \/ planet Earth is blue and there is nothing I can do.\u201d David Bowie, \u201eSpace Oddity\u201c Der kreative Spannungsbogen von David Bowies [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":0,"parent":4915,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5054","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5054\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}