{"id":5297,"date":"2016-12-27T20:02:20","date_gmt":"2016-12-28T01:02:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=5297"},"modified":"2017-10-19T11:01:26","modified_gmt":"2017-10-19T15:01:26","slug":"rezension-von-alles-wandelt-sich-echos-auf-ovid","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-42-dec-2016\/rezension-von-alles-wandelt-sich-echos-auf-ovid\/","title":{"rendered":"Rezension von <em>Alles wandelt sich. Echos auf Ovid.<\/em>"},"content":{"rendered":"<p><em>Alles wandelt sich. Echos auf Ovid<\/em>. Hrsg. von Gabrielle Alioth und Hans-Christian Oeser. O.O.: P&amp;L Edition, 2016, 207 S.<\/p>\n<p>von <strong>Albrecht Classen<\/strong><\/p>\n<p>So gut es auch vielen Menschen in der westlichen Welt gehen mag, befinden wir uns heute trotzdem global gesehen in Umst\u00e4nden des gr\u00f6\u00dften Leides, wenn wir vor allem an den unabl\u00e4ssigen Strom von Fl\u00fcchtlingen denken \u2013 rette sich wer kann! Die Exilerfahrung breitet sich aus, st\u00f6\u00dft aber zunehmend auf Fremdenhass, getragen von Angst und Unsicherheit. Was haben wir wohl jemals aus unseren eigenen Erlebnissen etwa unter den Nazis gelernt? Die anderen k\u00f6nnen, sollen ruhig selber zusehen, wie sie zurechtkommen. Mein und dein wird zunehmend genau getrennt, und die anderen sollen sch\u00f6n zu Hause bleiben, ob dort Terror herrscht, Krieg tobt oder ein Diktator, von denen es heute immer mehr zu geben scheint, die Menschen brutal unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Schon vor 2000 Jahren hatte man die Politik der Exilierung betrieben, und das wohl ber\u00fchmteste Opfer davon ist Ovid (gest. 17 n. Chr.) gewesen, auf dessen Werke sich die hier versammelten Autoren und Dichter beziehen. Manche nehmen direkt Bezug auf seine Gedanken oder Aussagen, aber die meisten reflektieren in vielerlei Form \u00fcber Flucht, Exil, Vertreibung u.a.<\/p>\n<p>Die 38 Beitr\u00e4ge hier einzeln zu besprechen w\u00e4re ein Ding der Unm\u00f6glichkeit und sicherlich ungerecht gegen\u00fcber einem der Gedichte oder der Kurzerz\u00e4hlungen. Aber das \u00fcberragende Thema macht sich \u00fcberall bemerkbar, insoweit als die Vergangenheit aus spezieller Perspektive neu betrachtet wird und Leiderfahrungen fr\u00fcherer Tage, manchmal aber auch freudige und gl\u00fcckserf\u00fcllte Erlebnisse (Liebe) sprachlich verarbeitet werden. Manchmal handelt es sich um ein M\u00e4rchen, dann um novellistische Erz\u00e4hlungen, oder um autobiographische Reflexe. H\u00e4ufiger gehen die Autoren von konkreten Stellen bei Ovid aus, oder zitieren eine bekannte Zeile, was als Ansporn dazu dient, einen besonderen Aspekt in ihrem Leben daraufhin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Exil als solches kommt aber gar nicht so h\u00e4ufig zur Sprache, vielmehr spielt die Vergangenheit, wie auch immer beurteilt, aus pers\u00f6nlicher Sicht eine recht gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Die Gedichte gefallen mir meistens recht gut (Vera Botterbusch, Gisela Holfter, Rainer Wedler), aber es gibt auch einige, die weniger Tiefgang besitzen und eher oberfl\u00e4chlich \u00fcber historische Ereignisse berichten, ohne die notwendige poetische Ausdruckskraft zu erreichen (Heinrich G. E. Schneeweiss, Michael Starke). Trotzdem liest man sie gerne, weil der Reigen von Texten ein harmonisches Ganze bildet ungeachtet der Vielfalt an Themen. \u201cAlles wandelt sich\u201d, so hei\u00dft es auf dem Titelblatt, aber das menschliche Leiden wiederholt sich immer wieder, schlicht unter anderen Vorzeichen.<\/p>\n<p>Ovid hat uns also weiterhin viel zu sagen. Eine gewisse Wehmut zieht sich durch diese Anthologie, aber nur manchmal werden wir mit ganz aktuellen und harten, ja schmerzhaften Stoffen konfrontiert, so wenn Renate Ahrens (\u201cDurst\u201d) das Grauen von syrischen Fl\u00fcchtlingen in einem Lastwagentransporter schildert. Mit am st\u00e4rksten geht Susanna Piontek auf Ovid ein, indem sie von ihrem Onkel berichtet, der passionierter Klassizist war und diesen Dichter verehrte. Dies spiegelt gut wieder, was dieser Band erreichen will, \u201cEchos auf Ovid\u201d, aber es ist eine fast zu schlichte, harmlose Erz\u00e4hlung im Vergleich zu dem, was Ahrens verfasste. Dass nat\u00fcrlich das Thema \u201cLiebe\u201d bei Ovid (<em>Metamorphosen<\/em>) eine zentrale Rolle spielte, macht sich hier auch in einigen Texten bemerkbar (Frederick Lubich), die dann eher vergn\u00fcgliche Erfahrungen zum Besten geben. Dass Ovid gleicherma\u00dfen die stete Wandelbarkeit aller Existenz zum Ausdruck gebracht hatte, spiegeln besonders sch\u00f6n die Texte von Susanne Fritz und Lutz Rathenow.<\/p>\n<p>Dieser sympathische Band endet mit einer Liste von Kurzbiographien der Beitr\u00e4ger. Man kann gut darin schm\u00f6kern, sich unterhalten lassen, sieht sich aber oft auch mit bitteren oder furchterregenden Motiven konfrontiert. Das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland hat sich hiermit selbst ein w\u00fcrdiges Denkmal literarischer Art geschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles wandelt sich. Echos auf Ovid. Hrsg. von Gabrielle Alioth und Hans-Christian Oeser. 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