{"id":5300,"date":"2016-12-27T20:07:42","date_gmt":"2016-12-28T01:07:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=5300"},"modified":"2017-10-19T11:01:25","modified_gmt":"2017-10-19T15:01:25","slug":"auf-der-suche-robert-schopflocher","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-42-dec-2016\/auf-der-suche-robert-schopflocher\/","title":{"rendered":"Auf der Suche: Robert Schopflocher"},"content":{"rendered":"<p>von <strong>Achim Viereck<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erinnerungen an einen bedeutenden und unvergesslichen Vertreter der deutsch-j\u00fcdischen Kulturgeschichte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Schopflocher.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5301\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5301\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Schopflocher.jpg\" alt=\"Schopflocher\" width=\"500\" height=\"666\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Schopflocher.jpg 572w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Schopflocher-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Robert Schopflocher (1923-2016)<\/p>\n<p>Am 5. M\u00e4rz 2013 hatte ich das Gl\u00fcck, Robert Schopflocher in Buenos Aires kennenzulernen.\u00a0 Aufmerksam war ich auf ihn geworden durch ein Portrait der Deutschen Welle und eine Empfehlung der Leiterin der Bibliothek des Goethe-Institutes, Frau Fuchs. Er lebte nicht weit von der Deutschen Botschaft, meinem damaligen Arbeitsplatz. Wir hatten telefonisch vereinbart, dass ich ihn an seiner Wohnung abholen sollte \u2013 einer Wohnung, die ironischerweise fr\u00fcher dem Friseur Isabelle Perons geh\u00f6rt hatte. Der Weg f\u00fchrte uns in eine kleine, nah gelegene Konditorei in Belgrano. Robert Schopflocher war damals schon nicht mehr gut zu Fu\u00df und benutzte einen Gehstock. Dieser habe den Vorteil, erkl\u00e4rte er mir, dass die ansonsten recht r\u00fccksichtlosen Autofahrer der Stadt ihn stets passieren lie\u00dfen. Was mich an diesem ersten Treffen faszinierte, war sein glasklarer Verstand, seine sanfte, freundliche Art und seine sehr differenzierte Sprache. Beeindruckt hat mich auch stets das Leuchten seiner Augen, das sein Alter L\u00fcgen zu strafen schien.<\/p>\n<p>Wir hatten zwei Gemeinsamkeiten: beide waren wir in Franken geboren und beide hatten wir Agrarwissenschaften studiert. Er h\u00e4tte sich wohl ein anderes Studium gew\u00fcnscht, aber unter dem Druck der Verh\u00e4ltnisse dieses Fach gew\u00e4hlt (erstaunlicherweise sind seine B\u00fccher mit der h\u00f6chsten Auflage bis heute zwei auf Spanisch publizierte Werke zu Themen der Agrarwirtschaft). Bei diesem ersten Treffen signierte er sein von mir hoch gesch\u00e4tztes Buch \u201eFernes Beben\u201c. Ich erinnere mich noch genau an diesen f\u00fcr mich fast magischen Moment: sein fast zeitlupenartig verlangsamter Griff in die Westentasche, das behutsame \u00d6ffnen seines Montblancs und der etwas krakelige Eintrag in das Buch. Weitere Treffen folgten und unsere Bekanntschaft wuchs langsam zu einer Vertrautheit, ja Freundschaft. Sp\u00e4ter lernte ich auch seine Frau Ruth und die beiden S\u00f6hne kennen und sch\u00e4tzen. Seine Familie hatte f\u00fcr ihn einen sehr hohen Stellenwert. Seine Frau und er wirkten auf mich wie Yin und Yang \u2013 ein Paar aus zwei sehr unterschiedlichen H\u00e4lften, die zusammengef\u00fcgt die perfekte Harmonie ergaben. Ruth war stets heiter, humorvoll und optimistisch; Robert doch oft sehr nachdenklich und skeptisch.<\/p>\n<p>In seinem letzten Lebensjahr wurden ihm zwei gro\u00dfe Ehrungen zu Teil. Das Bundesverdienstkreuz und das Goldene Kleeblatt der Stadt F\u00fcrth. Beide wurden ihm an der Botschaft verliehen, das eine erhielt er aus der Hand des Botschafters, das andere vom deutschen Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (ebenfalls aus der F\u00fcrther Region). Robert Schopflocher nahm diese Ehrungen gerne und bewegt an, er empfand sie als Auszeichnungen und zugleich als eine Art Balsam auf seine stets unverheilt gebliebenen Wunden, die ihm ein anderer deutscher Staat zu einer anderen Zeit zugef\u00fcgt hatte. Sein gro\u00dfes Credo war stets \u201eNunca mas\u201c (\u201eNie wieder\u201c) gegen\u00fcber Terror, Unterdr\u00fcckung und Unrecht. Seine B\u00fccher sollten weniger unterhalten als bewegen, sie sollten den Leser wachr\u00fctteln, ihn zum Engagement gegen Intoleranz und Totalitarismus ermuntern. Seine Liebe galt \u2014 neben der Familie \u2014 der deutschen Sprache, die er auch in Argentinien st\u00e4rker gef\u00f6rdert sehen wollte. Er war ein Meister der Differenzierung: Heimat war nicht zwangsl\u00e4ufig das Vaterland, der Auswanderer und der Einwanderer mussten nicht identisch sein. Er, der unfreiwillige Auswanderer hat in Argentinien seine zweite Heimat gefunden, doch seine Muttersprache wie sein Vaterland stets vermisst. Mit ihm haben Deutschland und Argentinien ein wichtiges Bindeglied, einen bedeutenden Vermittler zwischen den Kontinenten und Kulturen verloren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Achim Viereck Erinnerungen an einen bedeutenden und unvergesslichen Vertreter der deutsch-j\u00fcdischen Kulturgeschichte Robert Schopflocher (1923-2016) Am 5. M\u00e4rz 2013 hatte ich das Gl\u00fcck, Robert Schopflocher in Buenos Aires kennenzulernen.\u00a0 Aufmerksam war ich auf ihn geworden durch ein Portrait der Deutschen Welle und eine Empfehlung der Leiterin der Bibliothek des Goethe-Institutes, Frau Fuchs. 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