{"id":5335,"date":"2016-12-29T18:16:50","date_gmt":"2016-12-29T23:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=5335"},"modified":"2017-10-19T11:01:25","modified_gmt":"2017-10-19T15:01:25","slug":"cafe-einstein-unter-den-linden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-42-dec-2016\/cafe-einstein-unter-den-linden\/","title":{"rendered":"Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein transatlantischer Gedanken- und Erinnerungsaustausch\u00a0<\/strong><strong>mit Gerald Uhlig-Romero, dem \u201cK\u00f6nig der Berliner Kaffeehauskultur\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Frederick A. Lubich<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\u201eDas Leben ist nur ein kurzer Traum\u201c<br \/>\n(altr\u00f6misches Sprichwort)<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>Lieber Gerald, mehr als vier Jahrzehnte sind vergangen, als wir uns Mitte der siebziger Jahre in einer Heidelberger Runde junger Poeten kennenlernten und im Handumdrehen Freundschaft schlossen. Damals h\u00e4tten wir zwei Traumt\u00e4nzer uns sicherlich nicht tr\u00e4umen lassen, dass einer von uns in die Neue Welt auswandern und jahrzehntelang als sogenannter \u201cgypsy scholar\u201c, also als Wandergelehrter von Universit\u00e4t zu Universit\u00e4t ziehen sollte, und dass der andere ebenfalls nach so manchen Wegstationen schlie\u00dflich im Herzen der Alten Welt und im Zentrum der Hauptstadt eines wiedervereinten Deutschlands ein ber\u00fchmtes Kaffeehaus gr\u00fcnden sollte. Im Laufe der Zeit hat dich die bundesrepublikanische Boulevardpresse zum \u201eK\u00f6nig der Berliner Kaffeehauskultur\u201c gekr\u00f6nt. Der Hamburger <em>Spiegel <\/em>sollte deinem Lebenswerk sogar noch einen weiteren Lorbeerkranz winden, indem er vor wenigen Jahren weit \u00fcber Berlin hinaus dein Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden gar zur \u201eHauptbegegnungsst\u00e4tte der Berliner Republik\u201c erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Doch kehren wir noch einmal in unsere traumselige Jugendzeit nach Heidelberg zur\u00fcck, der Traumstadt aller deutschen Romantiker, und somit auch zur\u00fcck zum Beginn deiner immer wieder so wundersam anmutenden Traumkarriere. Und vielleicht trifft ja auch auf deinen Lebenslauf die m\u00e4rchenhafte Weltweisheit aus Hermann Hesses bekanntem Gedicht \u201eStufen\u201c zu: \u201eAllem Anfang wohnt ein Zauber inne\u201c. Alsdann, Vorhang auf, die Welt als B\u00fchne, und du machst zum Weltspiel schon einmal recht gute Miene.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Uhlig70er.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5340\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5340\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Uhlig70er-1024x626.jpg\" alt=\"Uhlig70er\" width=\"600\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Uhlig70er-1024x626.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Uhlig70er-300x183.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Uhlig70er-768x469.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Uhlig70er.jpg 1165w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><br \/>\nIn Fredericks Heidelberger Studentenbude Mitte der siebziger Jahre Im Vordergrund Gerald, der Traumt\u00e4nzer, im Hintergrund Nijinsky, der Gott des Tanzes<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: Ach Freddy, wie naiv und unwissend habe ich damals in die Welt geschaut nichts ahnend, wie viele Trag\u00f6dien noch den weiteren Lebensweg pflastern werden. Auch wenn Goethe einmal in der Pose des literarischen Gro\u00dff\u00fcrsten sagte, dass man sich auch aus lauter Steinen einen Lebensweg bauen kann, so w\u00fcnschte ich mir doch ein paar weniger griechische Trag\u00f6dien in meinem Dasein. Sicher wohnt allem Anfang ein Zauber inne, gerade wenn man so ein neugieriger Hochstapler, Narzisst, Behauptungsmeister, Best\u00e4tigungss\u00fcchtiger und Rebell in einem war wie ich. Ein t\u00e4gliches Ein-Personen-Theater auf der Suche nach einem Selbst, einer Identit\u00e4t oder was auch immer. Wir fahndeten damals in Heidelberg nach etwas, zu dem man verl\u00e4sslich \u201eIch\u201c sagen konnte, Verb\u00fcndete, Freunde, Wohn- und Lebensgemeinschaften, wir wollten unsere uns einengenden Elternh\u00e4user abstreifen, ja mancher wollte diese in die Luft sprengen. Verr\u00fcckte Poeten, Philosophen, romantische Dichter, sie alle wurden zu unseren Souffleuren, ihre S\u00e4tze und Gedanken zu unseren Z\u00fcndschn\u00fcren. Wir waren hin- und hergerissen zwischen Aufbruch und romantizierender Vergangenheit. Auch der Autor Claudio Magris mit seinem Buch <em>Der habsburgische Mythos in der modernen \u00f6sterreichischen Literatur<\/em> faszinierte uns, ein literarischer Gro\u00dfregen auf die Morbidit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Frederick:<\/strong> Wir hatten ja damals das Buch gemeinsam gelesen und ich hab es heute noch mit all meinen und deinen kunterbunten Randbemerkungen und Unterstreichungen. Zudem hatte ich selbst auch noch viele, sch\u00f6ne Erinnerungen an die alte, kaiserlich-k\u00f6nigliche Donau-Monarchie, da meine beiden m\u00e4hrischen Gro\u00dfv\u00e4ter in meiner Kindheit immer wieder recht redselig von ihrer Milit\u00e4rzeit im Wien der Jahrhundertwende geschw\u00e4rmt und schwadroniert hatten. Es war die Welt des sagenhaften, einst so sang- und klanglos versunkenen Kakaniens.<\/p>\n<p>Anfang der siebziger Jahre hast du in Heidelberg dein eigene B\u00fchne, das Kabarett \u201cHoch- und Tiefstapler\u201c gegr\u00fcndet. Ich machte mir bei deinen Rezitationen und Inszenierungen im Kulturhaus B\u00fchl vor allem hinter den Kulissen zu schaffen und war dort unter anderem f\u00fcr die B\u00fchnenbeleuchtung zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Du warst schon damals wie auch heute noch f\u00fcr die Geistesblitze zust\u00e4ndig, wunderbar in\u00a0 deinen Gedichten nachzulesen. Selbst heute zitiere ich noch des \u00d6fteren dein Poem: \u201eIch k\u00fcsse den Morgen \/ eh er erwacht \/ auf seine traumvollen Lippen \/ ehe der Schleier der sanften Nacht \/ zerrei\u00dft \u00fcber des Tages gebeugtem R\u00fccken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Frederick:<\/strong> Solch sp\u00e4tromantische Verse kann man auch nur in Friedenszeiten schreiben, wenn man nicht jeden Tag schon fr\u00fchzeitig aufs Schlachtfeld ziehen muss wie unsere V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter in ihrer Jugendzeit. Da hat das Hoch- und Tiefstapeln selten geholfen.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Der Name Hoch- und Tiefstapler war Programm. Das Buch, welches mich in meinen jungen Jahren am meisten faszinierte, war der Thomas-Manns-Roman vom Hochstapler Felix Krull, in dem ich mich sofort wiedererkannte, selbst seinen Trick, nicht zum Milit\u00e4r zu m\u00fcssen hatte ich \u00fcbernommen, um nicht zur Bundeswehr zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>Mitte der siebziger Jahre warst du einer der wenigen aus einer Vielzahl von Bewerbern, der am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, einer der ber\u00fchmtesten Schauspielschulen Europas, angenommen wurde. Bald bist du auch in der Rolle des kunstverliebten und fr\u00fchgereiften J\u00fcnglings in Hugo von Hofmannsthals Theaterst\u00fcck <em>Der Tor und der Tod <\/em>auf einer Wiener B\u00fchne gestanden. Neurastheniker pur, das <em>fin de si\u00e8cle<\/em> in Reinkultur!<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> \u201eFr\u00fchgereift\u201c! Ich hab ja nicht einmal die mittlere Reife hinbekommen, was, wie ich heute wei\u00df, mit den Symptomen meiner Erbkrankheit zu tun hatte, und ich auch Student und Akademiker wie ihr alle um mich herum sein wollte, hatte ich nur eine Chance, damals ohne Abitur Hochsch\u00fcler zu werden, n\u00e4mlich auf einer staatlichen Schauspielschule. Da ich noch nie gerne Texte auswendig lernte, hatte ich mir wie gefordert zwei klassische Texte eintrainiert, die ich \u00fcbrigens heute noch aufsagen kann. Die beiden modernen Texte habe ich einfach auf der B\u00fchne improvisiert und gespielt. Das musste auf die Lehrer und Professoren so toll gewirkt haben, dass ich von \u00fcber 1000 Bewerbern zu einem der neun Aufgenommenen wurde. Als mich die Lehrer fragten, von wem die St\u00fccke waren, sagte ich einfach, sie seien von mir. Kleine Gaunereien haben mich schon damals sehr interessiert. Als wirklich Gro\u00dfkrimineller fehlten mir leider die Nerven. (eine Zeile aus meinem neuen Rapp: das Leben ist zu kurz, es geht nur mit Betrug).<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>Neben deinem Schauspielunterricht hast du auch die Langspielplatte <em>Der Kinderk\u00f6nig<\/em> \u00a0unter anderem mit vertonten Texten von einigen von uns aus der Heidelberger Dichterrunde aufgenommen.\u00a0 Mein alter Plattenspieler ist schon l\u00e4ngst kaputt aber ich h\u00f6re noch immer deine rauchige, euphorisch-melancholische Stimme, wenn du mein Lied vom \u201eDuft der gro\u00dfen, weiten Welt\u201c singst, das mit den Worten beginnt: \u201eDas Leben ist wie eine Zigarette, die Seele atmet ihr Nikotin \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Der-Kinderkoenig.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5343\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5343\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Der-Kinderkoenig-989x1024.jpg\" alt=\"Der Kinderkoenig\" width=\"500\" height=\"517\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Der-Kinderkoenig-989x1024.jpg 989w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Der-Kinderkoenig-290x300.jpg 290w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Der-Kinderkoenig-768x795.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Der-Kinderkoenig.jpg 1720w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nVom Kinderk\u00f6nig in Wien zum Kaffeehausk\u00f6nig von Berlin:<br \/>\nEin preu\u00dfisch-\u00f6sterreichisches Liederbuch und Maskenspiel<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: Ich war damals in Wien sehr von dem Poeten Andr\u00e9 Heller begeistert und wollte auch\u00a0 so eine vital-sentimentale Schallplatte hinbekommen. W\u00e4hrend Heller die meisten seiner Songtexte von anderen Dichtern geklaut hatte und als die seinen ausgegeben hatte, hatte ich mit dir beides: Dichter und Freund in einem. Ich werde nie vergessen, wie wir, mein damaliger Produzent und ich, viele deiner Lieder in einer einzigen Nacht aufnehmen mussten, da die Wiener Symphoniker engagiert wurden und sehr viel Geld kosteten.<\/p>\n<p><strong>Frederick:<\/strong> \u201eWein, Weib und Gesang\u201c, diese Wiener Weisheit war das lebenslange Leitmotiv meines sangesfreudigen Kuhl\u00e4ndler Gro\u00dfvaters gewesen und es wies auch uns noch den weiteren Lebensweg. Oft war\u2019s freilich zum Heulen, doch noch viel \u00f6fters zum Lachen, und so konnte man sich auf dieses Leben auch immer wieder ein paar traurig-lustige Reime machen. Egal, ob wir durch die Wiener Kaffeeh\u00e4user zogen oder in die blaue Ferne schweiften, immer wieder verwandelte sich der fidele Augenblick in ein spontan kom\u00f6diantisches Stegreifst\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Provence.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5338\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5338\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Provence.jpg\" alt=\"Provence\" width=\"500\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Provence.jpg 359w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Provence-300x207.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nUnterwegs in der sch\u00f6nen franz\u00f6sischen Provence! Und dazu zwei \u201es\u00fc\u00dfe M\u00e4del\u201c<br \/>\nWillkommen! Welcome! Bienvenue! Das ganze Leben ist eine Revue!<\/p>\n<p>Auch mein Vater war in seiner Jugendzeit im sch\u00f6nen Frankreich gewesen &#8211; allerdings als deutscher Soldat. Bis er in franz\u00f6sische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er schlie\u00dflich in die amerikanische Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Lustig war das nicht!<\/p>\n<p>Diesen Erfahrungen entsprechend stellte unsere Generation die Lebenserfahrungen unserer Vorv\u00e4ter denn auch gr\u00fcndlich auf den Kopf: \u201eMake Love not War\u201c, das wurde unsere internationale Parole. Und der gute, alte Freiherr von Eichendorff, das romantische Orakel aller Wanderlust, lieferte dazu die passend vagantischen Verse.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Lynne-and-Lisa.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5349\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5349\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Lynne-and-Lisa.jpg\" alt=\"Lynne and Lisa\" width=\"500\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Lynne-and-Lisa.jpg 567w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Lynne-and-Lisa-300x215.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\n\u201eSch\u00f6ne Fremde\u201c \u2013 Woher, wohin?<br \/>\nLinks Lynne aus Kalifornien und rechts Lisa aus Wien!<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Anstatt die sch\u00f6ne Fremde zu erobern, lie\u00dfen wir uns viel lieber von ihr verf\u00fchren frei nach Eichendorff und seinem wunderbaren Gedicht \u201eSch\u00f6ne Fremde\u201c. \u00a0F\u00fcr uns beide sollte der so doppeldeutige Zauber seiner \u201esch\u00f6nen Fremde(n)\u201c letztendlich geradezu zur schicksalshaften, nord- und s\u00fcdamerikanischen Wirklichkeit werden, und zwar f\u00fcr mich in der Gestalt einer Kalifornierin und f\u00fcr dich Jahre sp\u00e4ter in der Gestalt einer Argentinierin, deren Nachnamen du ja auch noch heute tr\u00e4gst.<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: Alle meine Frauen avancierten schnell zu beratenden M\u00fcttern, ich hatte schon sehr fr\u00fch zu meinem Vater gesagt, ich will, dass mich die Frauen durch das dornige Leben tragen, sie haben mich auch in die Welt hierher gebracht. Die eine, die mich geboren hat, hat mir dabei auch die schlimme genetische Erkrankung (Morbus Fabry) mitgegeben und wenn ich zu starke Schmerzen in den langen N\u00e4chten meiner Kindheit hatte, sagte Mutter zu mir, \u201eMein Sohn, ich wei\u00df, warum du so leiden musst, wie kann ich dir nur helfen, komm ich werde dich einfach noch mal auf die Welt bringen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Die ewig geb\u00e4rende Gro\u00dfe Mutter! Wie du wei\u00dft, hatte ich jahrelang \u00fcber die Magna Mater und ihren mythopoetischen Zauber in der modernen Literatur recherchiert und publiziert. Und so waren wir mal wieder von der gleichen Partie, du warst die existentielle Praxis und ich war die akademische Theorie.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Sp\u00e4ter traf ich eine wundervolle, sch\u00f6ne kluge und intelligente Frau, die mich als Kunstm\u00e4zenin unterst\u00fctzt und meine gro\u00dfen Inszenierungen der Lebensgeschichten von Lautrec, Picasso in verschiedenen Kunsttempeln gef\u00f6rdert hat. Als dann mein K\u00f6rperkrimi mit den Jahren immer schlimmer wurde, hat mir meine damalige s\u00fcdamerikanische Frau Mara eine wundervolle Tochter Geraldina geschenkt und f\u00fcr mein zweites Leben ihre Niere gespendet. Dass Mara dann ein paar Jahre sp\u00e4ter an einem Pankreaskrebs sterben musste, war mit meinem Schicksal nicht verabredet. Aber du kannst mit dem Schweinehund Schicksal nichts verabreden. Das Schicksal macht, was es will. Es spielt das Lied des Zufalls und der Beliebigkeit. Meine Schreie werden auch nicht verl\u00f6schen, wenn ich gestorben bin. Vielleicht kann ich an Hand von Maras Lebens eine Ausstellung realisieren mit dem Titel \u201eDer Boulevard des Lebens\u201c.<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>\u201eWer in die Fremde will wandern, der muss mit der Liebsten gehen\u201c, so hei\u00dft es in Eichendorffs Gedicht \u201eHeimweh\u201c und diesem romantischen Ratschlag bin ich denn meinerseits auch schon bald wortw\u00f6rtlich gefolgt. Sp\u00e4ter sollte ich herausfinden, dass meine wanderlustige Liebste ebenfalls einen Wiener Gro\u00dfvater gehabt hatte, der seinerseits gegen Ende der Habsburger Monarchie ins sagenhafte Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten ausgewandert war.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5346\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5346\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV.jpg\" alt=\"GeraldTV\" width=\"600\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV.jpg 482w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV-300x143.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><br \/>\nGerald in unserer Wohnung in Providence, Rhode Island, USA im Sommer 1984<br \/>\nVom \u00f6sterreichischen Volkstheater zur amerikanischen Sitcom: eine Hoch- und Tiefstaplerposse<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: F\u00fcr Dich gilt das ja ganz bestimmt. Du wurdest von deiner Lynne quasi aus Heidelberg abgeholt und ins Land unserer Tr\u00e4ume entf\u00fchrt. Ich dagegen habe mir die fremde gro\u00dfe Welt nach Berlin geholt.<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>Obwohl uns beide bald ein Weltmeer trennen sollte, haben wir uns nie aus den Augen verloren und uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch immer wieder gegenseitig besucht. Was waren deine ersten Eindr\u00fccke von Amerika? Providence, Rhode\u00a0 \u00a0Island \u2026 North Brunswick, New Jersey \u2026 und vor allem Manhattan, New York, wo wir acht wunderbare Jahre auf der Upper West Side gewohnt haben.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Zum ersten Teil deiner Frage: Zu unserem gro\u00dfen Gl\u00fcck haben wir uns nicht verloren, sondern sind uns gegenseitige Zeugen einer wichtigen Phase in unserem Leben geworden. Das Kostbarste, was es im menschlichen Leben \u00fcberhaupt gibt, ist diese Zeugenschaft: Ob deine Eltern, Geschwister, deine Lebenspartnerin, deine Kinder, Freunde, wir alle sind uns gegenseitig Zeugen und spiegeln unser Dasein.<\/p>\n<p>Meine damalige Amerikareise zu Dir war ein absoluter Flash: zum Beispiel New York. Die vielen verschiedenen Nationen, die hier zusammenleben und das Stadtbild pr\u00e4gen, den ersten\u00a0 Rapp,\u00a0 den\u00a0 ich \u00a0dort\u00a0 geh\u00f6rt\u00a0 habe\u00a0 und\u00a0 der\u00a0 nachts\u00a0 von\u00a0 Harlem\u00a0 her\u00fcberzog zu deiner Wohnung oben am Broadway. Auf der anderen Seite fiel mir die Verwahrlosung extrem auf, etwas, das ich aus unserem Lande damals nicht kannte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5345\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5345\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV-2.jpg\" alt=\"GeraldTV (2)\" width=\"400\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV-2.jpg 279w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/GeraldTV-2-208x300.jpg 208w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><br \/>\nKiste hin und Kasten her,<br \/>\nso f\u00e4llt das Stapeln nicht mehr schwer!<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: \u201eProvidence\u201c bedeutet Voraussicht und Vorsehung und im R\u00fcckblick scheint diese\u00a0 in Providence entstandene Bildstrecke vom angebeteten, leidenschaftlich umarmten, m\u00fchsam gehobenen und schlie\u00dflich spielerisch gestemmten Fernseher in der Tat wie eine sinnbildliche Vorschau auf deine kommende, hart erk\u00e4mpfte Karriere im multi-medialen Kulturbetrieb. Erz\u00e4hl von deinen weiteren Wegstationen.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Das Wichtigste damals war f\u00fcr mich, dass kein Mensch auf dieser Welt je dar\u00fcber bestimmen konnte, zu welcher Zeit ich morgens mein Bett verlasse. Eine Nacht mit zu wenig Schlaf bedeutet einen furchtbaren Tag und daf\u00fcr sind mir die paar Tage, die einem Menschen in diesem Leben so bleiben, zu kostbar. Bis heute ist das so. Das ist meine kleine Freiheit. Die andere gro\u00dfe Freiheit, von welcher der Mensch seit Beginn seiner Zivilisation tr\u00e4umt, ich habe sie nirgendwo getroffen. Es gibt sie nicht. Es kann sie nicht in einer biologischen Art geben, wo einer vom und durch den anderen lebt.<br \/>\nNun weiter zu deiner Frage. Ich war letztlich offen und begabt f\u00fcr alles, was mir Ruhm und Aufmerksamkeit bringen k\u00f6nnte. Ich arbeitete am Theater als Regisseur, als Moderator beim Radio, als Schauspieler beim Film und auch Fernsehen. Ich wollte extrem geliebt werden und suchte Ruhm und Anerkennung. Wie hei\u00dft es noch mal in meinem Roman <em>Stoffwechsel<\/em>: \u201eRuhm war die einzige Hoffnung in den langen N\u00e4chten der Jugend.\u201c F\u00fcr diesen Ego-Mist habe ich eine Menge an Energien geopfert, anstatt in der Zeit locker ein paar Millionen zu machen. Meine Eltern waren ja Gesch\u00e4ftsleute und diesen Anteil habe ich lange bei mir vernachl\u00e4ssigt: Der kam erst mit der Gr\u00fcndung meines Kaffeehauses Einstein Unter den Linden in Berlin, mit dem wir im Jahr \u00fcber drei Millionen Euro einspielten. Ich habe sehr gute Leute engagiert, die sich um die Sisyphos-Arbeit des gastronomischen Alltags k\u00fcmmerten, sodass ich in Ruhe an meiner Kunst und meinen originellen Formaten weiterarbeiten konnte. Zum Beispiel an meinen Ausstellungen in der Galerie im Einstein oder meinen Salongespr\u00e4chen mit prominenten Zeitgenossen im Bereich Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Stolz bin ich auf mein Projekt der Nobelpreistr\u00e4ger in der Kunst, in dem ich immer wieder die Nobels dazu animierte, ihre gro\u00dfartigen Erkenntnisse auch k\u00fcnstlerisch zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Sp\u00e4testens in Hamburg hast du dich auch ernsthaft mit verschiedenen Ausdrucksformen der modernen Malerei auseinandergesetzt &#8211; und bald fand man deine dramatisch-expressiven Tafelbilder in verschiedenen Ausstellungen von Berlin bis nach Brasilien. Was bedeuten dir die bildenden K\u00fcnste?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Ich beantworte die Frage mal wie ein Gedicht. Es gibt viele Arten zu sterben, es w\u00e4re jetzt besser f\u00fcr mich, herauszufinden, wie man lebt. Der Tod ist das Einfachste. Sterben kann jeder Idiot. Sinnvoll leben ist die Kunst. Meine Kunst f\u00fchrt mich immer ins Nirgendwo, ich stehe immer rechts au\u00dfen im Nichts und halb in der Mitte des Irgendwo. Und dann treffe ich einen gro\u00dfen Philosophen. Der erz\u00e4hlt mir eine Geschichte. Zum Beispiel, die Grundfrage des Lebens von Bertrand Russell in einer Metapher vom Truthahn: Das t\u00e4gliche F\u00fcttern festigt in dem Truthahn ein Weltbild, das an Weihnachten pl\u00f6tzlich revidiert werden muss!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Weder-Engel-noch-Tier.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5341\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5341\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Weder-Engel-noch-Tier.jpg\" alt=\"Weder Engel noch Tier\" width=\"700\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Weder-Engel-noch-Tier.jpg 355w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Weder-Engel-noch-Tier-300x152.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Gerald Uhlig-Romero: Weder Engel noch Tier \u2013 Ariadne, Olga und Francoise\u201c<br \/>\nCherchez la femme? Das Ewig Weibliche zieht uns hinan!<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Der Titel deines ersten Gedichtbandes lautet <em>Alphabet der Fische<\/em>. Fische tauchen im Reich deiner Phantasie immer wieder auf. Was versinnbildlichen sie f\u00fcr dich?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Das Lebenselement des Fisches ist das Meer, also das Wasser. Da kommen wir her. Wir Menschen selbst bestehen zu 80% aus Wasser und zu 100% aus Zeit. Deshalb ist das mein Thema, solange ich lebe: Wasser, Fische, sch\u00f6ne Frauen und in sp\u00e4ten Jahren dazugekommen: das Geld.<\/p>\n<p><strong>Frederick:<\/strong> Das ist schon am\u00fcsant, dass meine \u201esch\u00f6ne Fremde\u201c nicht nur mit Nachnamen \u201eDell\u2019Acqua\u201c hei\u00dft, was ja so viel wie \u201evom Wasser\u201c bedeutet, sondern zudem auch noch im Sternzeichen der Fische geboren ist. Welch zuf\u00e4llige F\u00fcgung und launische Verkehrung im Weltenspiel der Sternenwelt. Doch zur\u00fcck zu dir. Du hast in deiner Zeit als Theaterregisseur nicht nur an mehreren renommierten deutschsprachigen Schauspielh\u00e4usern gearbeitet, sondern selbst auch zahlreiche Theaterst\u00fccke geschrieben. Welche waren dir die wichtigsten?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Meine Picasso-Oper im Berliner Kulturforum: Hauptdarsteller waren zwei Jungstiere und dann \u201eDas Lied der Haie\u201c in der neuen Nationalgalerie, wo ich bereits zwei Jahre vor Damien Hirst mit einem 80 kg schweren Makohai als Kunstwerk gearbeitet habe. Auch die Unterwasser-Oper im Aquarium Berlin bleibt f\u00fcr mich unvergesslich, wo ich vier Stunden am Tag mit einem Riesenzackenbarsch zur Kunst-Meditation unter Wasser verbracht habe.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Das Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden wurde schlie\u00dflich dein theatralischer Blockbuster und internationaler Bestseller, in anderen Worten, dein interaktiv-kommunikatives Gesamtkunstwerk.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Cafe-Einstein.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5342\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5342\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Cafe-Einstein.jpg\" alt=\"Cafe Einstein\" width=\"700\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Cafe-Einstein.jpg 830w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Cafe-Einstein-300x199.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Cafe-Einstein-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Das Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden<br \/>\nRastst\u00e4tte f\u00fcr Reisende und M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger, Stelldichein f\u00fcr K\u00fcnstler und Schriftsteller,<br \/>\nVeranstaltungsort f\u00fcr Presseberichte, Modeschauen und den allt\u00e4glichen Jahrmarkt der Eitelkeiten<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Nach dem Vorbild der Wiener Kaffeeh\u00e4user um 1900 wurde dein Berliner Kaffeehaus in Berlin Mitte rund um 2000 zum zentralen Begegnungsort der Kultur und Politik.<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: Das kannst du ja auch sehr gut im<em> Stern<\/em> nachlesen. Auf jeden Fall hat mir mein Kaffeehaus sehr interessante Begegnungen in meinem Leben geschenkt. Da\u00a0 ich\u00a0 mich\u00a0 ungerne\u00a0 selbst\u00a0 lobe,\u00a0 lass\u00a0 ich\u00a0 hier den\u00a0 Journalisten\u00a0 Marcus\u00a0 M\u00fcller\u00a0 mit seinem Stern-Bericht aus dem Jahr 2008 zu Wort kommen:<\/p>\n<p><em>Das Cafe Einstein auf dem Boulevard Unter den Linden ist ein Berliner Promi-Magnet. Hier treffen Polit-Gr\u00f6\u00dfen auf Hollywoodstars und von hier sendet <\/em>stern.de<em> seit Kurzem sein neues Web-TV-Angebot: Ein Besuch im halb\u00f6ffentlichen Wohnzimmer der Republik.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist mal wieder die gro\u00dfe Cafe-Einstein-B\u00fchne, deren Vorhang sich an diesem fr\u00fchen Morgen l\u00fcftet: Das gro\u00dfe Geld sitzt da beim Fr\u00fchst\u00fcck, die Politiker fangen an, sich warm zu reden, Journalisten bl\u00e4ttern in den Zeitungen der Konkurrenz. Umsorgt werden sie von Kellnern in schwarzer Weste und mit Fliege, die in ihren langen wei\u00dfen Sch\u00fcrzen \u00fcber den gl\u00e4nzenden Marmorboden zu gleiten scheinen. Touristen und Normalberliner schauen sich das Schauspiel interessiert an &#8211; oder trinken einfach nur unaufgeregt einen Kaffee, der hier in 23 verschiedenen Zubereitungsarten zu haben ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Solider Ruf als In-Treff: \u00dcber der Szene liegt der klassische Kaffeehaus-Sound. Von der Bar in dunklem Nussholz weht das best\u00e4ndige Klappern der Teller und Tassen durch die in einer Flucht hintereinander liegenden drei R\u00e4ume. Die Espressomaschine zischt schon jetzt, als ginge es um ihr Leben, dabei\u00a0 wird sie die meisten der gut 1000 Tassen Melange noch brauen m\u00fcssen, die hier, verziert mit Blume oder Herz im Schaum, t\u00e4glich getrunken werden. Das gelegentlich scheppernde Besteck setzt einen metallischen Ausrei\u00dfer-Ton in das vielm\u00fcndige Gemurmel. Nach Kaffee riecht es sowieso.<\/em><\/p>\n<p><em>Seit elf Jahren gibt es das Caf\u00e9 Einstein am Berliner Prachtboulevard Unter den Linden und es hat sich in dieser Zeit einen soliden Ruf als In-Treff erworben. Bill Clinton war schon da und spielte Skat, Helmut Kohl a\u00df Saftgulasch. Die Hollywood-Gr\u00f6\u00dfen Dennis Hopper, Jodie Foster, Bruce Willis oder Richard Gere lobten den Kaffee, das Schnitzel oder beides. Joschka Fischer brachte zu seinen aktiven Zeiten einmal einen ganzen Schwung europ\u00e4ischer\u00a0 Au\u00dfenminister mit. Gerhard Schr\u00f6der kam nebst Familie schon, als er noch nicht Altkanzler war &#8211; und Angela Merkel bereits, als sie noch nicht die Republik regierte<\/em>.<\/p>\n<p><em>Mischung aus Politik und Wirtschaft: Die Liste der schon Dagewesenen ist lang. Und als m\u00fcsste dieser Ruf best\u00e4tigt werden, erkl\u00e4rt an diesem fr\u00fchen Morgen ein parlamentarischer Staatssekret\u00e4r an einem der wei\u00df gedeckten Tische des Caf\u00e9s gerade die Politik seines Ministers. Die ersten Zeitungsschreiber f\u00fcllen ihre Bl\u00f6cke mit den Zitaten ihrer Gespr\u00e4chspartner. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann ist schon wieder weg, sagt in der hintersten Ecke des dritten Caf\u00e9-Raumes Gerald Uhlig-Romero.<\/em><\/p>\n<p><em>Er ist der Besitzer dieses offenbar ganz besonders anziehenden Ortes und passend zum t\u00e4glichen Schauspiel auf seinen 450 Quadratmetern Caf\u00e9-B\u00fchne nennt er sich &#8220;Kaffeehausintendant&#8221;. Die Theatersprache w\u00e4hlt er nicht zuf\u00e4llig, denn der aus Heidelberg stammende Uhlig-Romero ist Absolvent des ber\u00fchmten Max-Reinhardt-Seminars in Wien. &#8220;Ich habe damals schon mehr in den Caf\u00e9s gesessen, als auf der Probeb\u00fchne gestanden&#8221;, sagt er \u00fcber seine Zeit an der Schauspiel- und Regieschule. Doch bevor sich der heute 54-J\u00e4hrige &#8211; dessen Vater viel Geld mit der Erfindung der nahtlosen Damenstrumpfhose verdiente &#8211; den Traum des eigenen Caf\u00e9s verwirklichte, stand er als Schauspieler auf\u00a0 vielen der ganz gro\u00dfen B\u00fchnen Deutschlands, inszenierte mit der Hamburger Edelhure Domenica einen kleinen Theaterskandal und schrieb 60 eigene St\u00fccke. Uhlig-Romero ist au\u00dferdem bildender K\u00fcnstler, Radiomoderator, fotografiert, und hat zusammen mit John Lennons Witwe Yoko Ono das Musical &#8220;New York Story&#8221; auf die Beine gestellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Caf\u00e9 als begehbares Kunstwerk: Nach diesem schon recht bewegten Leben sollte das Caf\u00e9 Einstein f\u00fcr Uhlig-Romero 1996 alles Vorherige vereinen. &#8220;Ich hatte von Anfang an die Idee eines begehbaren Kunstwerkes&#8221;, sagt der schmale, d\u00fcnne Mann mit dem sch\u00fctteren grauen Haar. Er nennt sein Caf\u00e9 &#8211; mit dem K\u00fcnstler Joseph Beuys sprechend &#8211; eine &#8220;soziale Skulptur&#8221;, in der die unterschiedlichsten Gruppen aufeinander treffen k\u00f6nnen. Ackermann\u00a0 eben, und die Touristen-Familie mit den drei Kindern am Nebentisch, aber auch die zwei Herren in feinem Zwirn, die sich Gesch\u00e4ftszahlen auf einem Laptop reinziehen, als seien die Zahlenkolonnen ein fesselndes Computerspiel.<\/em><\/p>\n<p><em>So mag Uhlig-Romero sein Caf\u00e9, als kleine B\u00fchne des gro\u00dfen Lebens &#8211; mit Galerie-Anschluss \u00fcbrigens. Seit Er\u00f6ffnung des Einsteins Unter den Linden befindet sich daneben eine 45 Meter lange, schmale Galerie, die keinen Eintritt kostet. Dort pr\u00e4sentiert Uhlig-Romero Fotoarbeiten, etwa von Dennis Hopper, Wim Wenders, Andre Rival oder Helmut Newton. Die Galerie sollte auch Aufmerksamkeit schaffen, denn der Anfang des Caf\u00e9s im Osten der Stadt war schwierig. Erst der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin belebte den Boulevard hinter dem Brandenburger Tor wieder.<\/em><\/p>\n<p><em>Weltpolitik vor der\u00a0 Haust\u00fcr: Auch die Weltpolitik findet hier jetzt praktisch t\u00e4glich vor der Haust\u00fcr statt. Seit den Anschl\u00e4gen vom 11. September ist die Neust\u00e4dtische Kirchstra\u00dfe neben dem Einstein-Caf\u00e9 mit dicken Betonpfeilern verrammelt, die die amerikanische Botschaft abriegeln. Das ist trotzdem gut f\u00fcr das Caf\u00e9, denn vor den Pfeilern k\u00f6nnen jetzt die Staatskarossen parken, wenn ein Minister sich einen Espresso im Einstein genehmigt.<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend drinnen Uhlig-Romero \u00fcber sein Leben, die Kunst, die Politik, das Kaffeehaus als geistigen Ort redet, zeigt er wie viel Energie in seinem gebrechlich wirkenden K\u00f6rper steckt. Wenn er etwa wild gestikuliert, sich weit \u00fcber den Tisch beugt, kurz telefoniert oder schnell einen Freund nach New York verabschiedet. Das alles ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, denn wie es der Zufall wollte, hat sein Caf\u00e9 Uhlig-Romero auch noch tats\u00e4chlich das Leben\u00a0 \u00a0gerettet.<\/em><\/p>\n<p><em>Kaffeehaus als Lebensrettung: Ein sehr seltener, ererbter Gen-Defekt, genannt Morbus Fabry, drohte, seine Niere langsam zu zerst\u00f6ren. Exakt an dem Tag, als das Einstein Unter den Linden zehn Jahre alt wurde, lagen Uhlig-Romero und seine Frau auf dem Operationstisch. Er bekam in einer Lebendspende eine Niere seiner Frau. Kennen gelernt hatte Uhlig-Romero seine Mara in seinem Caf\u00e9: &#8220;Ich bin lieb zu meinem Kaffeehaus gewesen und das Kaffeehaus hat es mir zur\u00fcckgegeben. Es hat mir das Leben gerettet.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>So kann der Kaffeehaus-K\u00fcnstler gl\u00fccklicherweise weiter sein Caf\u00e9 betreiben, das er im Tagesgesch\u00e4ft aber weitestgehend seinem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dieter Wollstein \u00fcberl\u00e4sst. Der kennt hunderte G\u00e4ste mit Namen, begr\u00fc\u00dft die regelm\u00e4\u00dfigen Besucher mit Handschlag und ist selbst ein Politprofi. Der immer sehr h\u00f6fliche, l\u00e4chelnde und \u00fcberaus dezente Herr Wollstein war fr\u00fcher Protokollchef der DDR- Volkskammer, und kennt sich also aus auf dem Parkett der Diplomatie. Er achtet darauf, dass die ber\u00fchmteren G\u00e4ste &#8220;beim Speisen&#8221; nicht von Journalisten, Fotografen oder Autogrammj\u00e4gern bel\u00e4stigt werden. Das Erfolgsrezept des Einsteins Unter den Linden fasst er so zusammen: &#8220;Man muss die Menschen lieben und ihnen das Gef\u00fchl geben, zuhause\u00a0 zu sein.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>St\u00e4ndige Ablenkung durch interessante G\u00e4ste: Klingt alles nach dem perfekten Ort. Selbst das Urteil des Autors Moritz Rinke, der nicht glauben mag, dass sich im Einstein Unter den Linden schon Leute verliebt haben, hat eine Hintert\u00fcr: &#8220;Weil es n\u00e4mlich schwierig ist, sich hier in die Augen zu gucken, weil es so wimmelt von interessanten Menschen.&#8221; Den Gegenbeweis liefert Besitzer Gerald Uhlig-Romero mit seiner Ehefrau, aber der ist ja auch der Intendant des Etablissements.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Reich-Ranickis.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5339\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5339\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Reich-Ranickis-1024x620.jpg\" alt=\"Reich-Ranickis\" width=\"700\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Reich-Ranickis-1024x620.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Reich-Ranickis-300x182.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Reich-Ranickis-768x465.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Reich-Ranickis.jpg 1121w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Marcel und Theofila Reich-Ranicki:<br \/>\nDer Literaturpapst der deutschen Nachkriegsliteratur mit seiner Frau im Caf\u00e9 Einstein<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Grass-und-Rushdie.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5347\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5347\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Grass-und-Rushdie.jpg\" alt=\"Grass und Rushdie\" width=\"700\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Grass-und-Rushdie.jpg 702w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Grass-und-Rushdie-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>G\u00fcnter Grass, Salman Rushdie und Ute Grass: East meets West im Caf\u00e9 Einstein<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Was waren einige deiner denkw\u00fcrdigsten Begegnungen mit Poeten und Literaten im Caf\u00e9 Einstein?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Die Begegnung mit meiner Frau Mara, denn ohne sie w\u00fcrde ich heute nicht mehr leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Hopper.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5348\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5348\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Hopper-1024x705.jpg\" alt=\"Hopper\" width=\"700\" height=\"482\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Hopper-1024x705.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Hopper-300x207.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Hopper-768x529.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Hopper.jpg 1102w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Gerald mit Dennis Hopper: With \u201cEasy Rider\u201d on the road again<br \/>\nZwei Schauspieler und Lebensk\u00fcnstler blicken auf ihren Weltenbummel zur\u00fcck<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Die Traumfabrik von Hollywood, der Kulturbetrieb Amerikas, seine Schriftsteller und Schauspieler, Regisseure und Fotografen, sie alle spielen im Caf\u00e9 Einstein immer wieder eine bedeutende Rolle.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Ich habe mich, wie der Affe Rotpeter in Kafkas Erz\u00e4hlung \u201eBericht f\u00fcr eine Akademie\u201c nicht f\u00fcr den Zoo, den K\u00e4fig entschieden, sondern f\u00fcr das Variet\u00e9 des Lebens. Und alle, die ich durch mein Einstein getroffen habe, waren Variet\u00e9k\u00fcnstler, ob Dennis Hopper, oder der Nobelpreistr\u00e4ger John Nash. Es sind alle Unterhalter, nur mit verschiedenen spannenden Erz\u00e4hlungen. Wir sind Menschen, die durch Ihre merkw\u00fcrdige Hirnchemie raus aus der Mitte, dem Mittelma\u00df gefallen sind. Wir mussten versuchen, unseren Wahnsinn in den Griff zu bekommen, wir waren gl\u00fccklich, wenn wir unsere Marionetten noch selbst f\u00fchren konnten. Wir waren der Traum und Alptraum des B\u00fcrgertums, wir haben verdammt gelitten, aber wer raus aus dem K\u00e4fig seiner \u201eArt\u201c will, bekommt daf\u00fcr ein unvergessliches Leben f\u00fcr sich selbst. Wenn er dann stirbt, ist er in Sekunden vergessen, egal, was er hier auf Erden getrieben und welche Preise er bekommen hat. Wer erinnert sich noch an Dennis Hopper oder John Nash, der erst k\u00fcrzlich mit seiner Frau t\u00f6dlich verungl\u00fcckt ist.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Erster gro\u00dfer H\u00f6hepunkt des transatlantischen Kulturtransfer, der f\u00fcr das Caf\u00e9 Einstein so bezeichnend werden sollte, war sicherlich deine Inszenierung von Yoko Onos Rockoper <em>New York Story. <\/em>John Lennons Witwe war bekanntlich von deinen Berliner Theaterarbeiten so begeistert gewesen, dass sie sich von dir die deutsche Urauff\u00fchrung ihres Musicals gew\u00fcnscht hatte. Und ich hatte daraufhin den Text ins Deutsche \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Ono.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5352\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5352 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Ono.jpg\" alt=\"Ono\" width=\"663\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Ono.jpg 663w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Ono-300x191.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px\" \/><\/a>Gerald mit Yoko Ono auf dem Dach des Dakota am Central Park in New York<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: An Yoko fand ich gut, dass Sie die Gelassenheit mit der Muttermilch getrunken hatte. Sie war sicher die Rettung f\u00fcr den hyperhysterischen John Lennon.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Als wir 1996 im Berliner L\u00f6wenpalais die deutsche Premiere von <em>New York Story <\/em>feierten, waren auch Yoko Ono und Sean Lennon mit von der Partie. Mit Yoko habe ich mich damals l\u00e4nger unterhalten. Mit Sean \u00fcberhaupt nicht. Sein Vater ist f\u00fcr mich einer der G\u00f6tter der Rockmusik und nur wenige Stra\u00dfenz\u00fcge von unserer einstigen Wohnung in Manhattan auf der Upper West Side ist er ermordet worden \u2013 und so hat es mir denn auch noch gegen\u00fcber seinem Sohn vollkommen die Sprache verschlagen. Dir w\u00e4re so was bestimmt nicht passiert \u2026<\/p>\n<p><strong>Gerald<\/strong>: Kein Mensch auf der Welt w\u00fcrde mir die Sprache verschlagen, dazu ist mir der Mensch in all seiner Fehlbarkeit und Widerspr\u00fcchlichkeit viel zu vertraut. Es gibt keine Genies. Es gibt nur den richtigen Augenblick mit der richtigen Idee und den richtigen Leuten, die dabei mitmachen. Alles ist in seinem Entstehen einsichtbar, der Mensch ist nichts Besonderes, eine biochemische Maschine seit Millionen von Jahren recht mangelhaft von der Evolution geformt, ebenso sein Bewusstsein, das milliardenfach hergestellt wird und immer gleich funktioniert. Die einzige Hoffnung ist nicht die Kunst oder die Liebe, sondern die Wissenschaft. Wir werden es in den n\u00e4chsten Jahren schaffen, unsere weitere Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen und unsere DNA selbst zu schreiben.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: \u201eDie Dialektik von Logos und Eros im Werk von Thomas Mann<em>\u201c, <\/em>das war der Titel meiner ersten akademischen Monografie &#8211; Felix Krull l\u00e4sst dich gr\u00fc\u00dfen &#8211; und ich meine, ihr Wechselspiel von Logik und Erotik spiegelt auch noch etwas vom dialektischen Charakter deines Kaffeehauses wider. Anders gewendet, so wie sein Namenspatron Albert Einstein einerseits mit seiner Relativit\u00e4tstheorie einen Teil des Weltgeistes zum Ausdruck bringt, so verk\u00f6rpert andrerseits Marilyn Monroe mit ihrem Sex-Appeal einen wesentlichen Teil unseres hedonistischen Zeitgeistes. Sie war nicht nur die gro\u00dfe G\u00f6ttin der modernen, sexuellen Revolution, sie war auch f\u00fcr lange Zeit der gute Engel vom Caf\u00e9 Einstein, dessen W\u00e4nde sie auf Jahre mit ihren ikonischen Fotografien schm\u00fcckte und dessen G\u00e4ste sie mit ihrem bezaubernden L\u00e4cheln immer wieder von Neuem entz\u00fcckte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Fuentes.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5344\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5344\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Fuentes-1024x768.jpg\" alt=\"Fuentes\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Fuentes-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Fuentes-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Fuentes-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Fuentes.jpg 1272w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Gerald mit dem Schriftsteller Carlos Fuentes und seiner Ehefrau Silvia Lanus<br \/>\nim Caf\u00e9 Einstein im Jahr 2012 kurz vor dem Tod des gro\u00dfen mexikanischen Nationalautors<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Die G\u00e4ste sind fasziniert von den Monroe Fotografien. F\u00fcr mich ist die Dame eine Projektionsfigur, so wie sich Eheleute st\u00e4ndig gegenseitig projizieren. Sie ist fr\u00fch tragisch gestorben, war f\u00fcr ihre weiblichen Formen weltber\u00fchmt und f\u00fcr die amerikanischen Soldaten drau\u00dfen im Krieg eine ideale Onanie-Vorlage, hat damalige gro\u00dfe M\u00e4nnerk\u00f6pfe verr\u00fcckt gemacht, Dichter, Boxer und Politiker, war eine mittelm\u00e4\u00dfige Schauspielerin und der Stoff f\u00fcr Mythenbildungen und Verschw\u00f6rungen.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Das Caf\u00e9 Einstein als \u201eHinterzimmer der Macht\u201c, so charakterisierte es der Verlag \u201eCollection Rolf Heyne\u201c anl\u00e4sslich der Premiere deines zweiten Kaffeehausbandes <em>Berliner Melange. Geschichten und Rezepte aus dem Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden. <\/em>Sind im heutigen Zeitalter des internationalen Terrors solch entspannt-gem\u00fctliche Begegnungen mit den\u00a0 M\u00e4chtigen der Nationen \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Ich denke schon, denn ein R\u00fcckzug w\u00fcrde ja einer Kapitulation der westlichen Zivilisation gegen\u00fcber diesen barbarischen Kr\u00e4ften gleichkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/politicians.png\" rel=\"attachment wp-att-5353\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5353\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/politicians-1024x421.png\" alt=\"politicians\" width=\"700\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/politicians-1024x421.png 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/politicians-300x123.png 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/politicians-768x316.png 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/politicians.png 1043w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Politische Prominenz aus der Alten und Neuen Welt im Caf\u00e9 Einstein<br \/>\nDieter Wollstein mit Helmut Kohl, Bill Clinton zu Besuch der Marilyn-Monroe-<br \/>\nAusstellung in der Galerie des Caf\u00e9 Einstein und Gerhard Schr\u00f6der im Gespr\u00e4ch mit Gerald<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Merkel-und-Westerwelle-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5350\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5406\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Merkel-und-Westerwelle-1-1024x727.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Merkel-und-Westerwelle-1-1024x727.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Merkel-und-Westerwelle-1-300x213.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Merkel-und-Westerwelle-1-768x545.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Merkel-und-Westerwelle-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><br \/>\nAngela Merkel\u00a0und Guido Westerwelle<br \/>\nDie k\u00fcnftige Kanzlerin und ihr k\u00fcnftiger Vizekanzler schmieden politische Pl\u00e4ne im Caf\u00e9 Einstein<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Aus dem vielberufenen \u201eM\u00e4dchen\u201c von Altkanzler Helmut Kohl ist inzwischen nicht nur die sprichw\u00f6rtliche \u201eMutter der Nation\u201c geworden, sondern auch noch \u201ePerson of the Year\u201c, wie <em>Time Magazine, <\/em>eine der traditionsreichsten Zeitschriften Amerikas<em>, <\/em>Ende letzten Jahres titelte. So stieg Angela Merkel zur moralisch vorbildlichen und weltweit m\u00e4chtigsten Politikerin auf, deren gro\u00dfherzige Fl\u00fcchtlingspolitik allerdings inzwischen die gesellschaftspolitische Landschaft weit \u00fcber die deutschen Grenzen hinaus zunehmend zu spalten droht. Schafft Deutschland diese Herausforderung oder schafft es sich dabei mehr und mehr selbst ab? Ist seine nationale Willkommenskultur der Anfang vom Untergang des Abendlandes, wie viele patriotische Mauerschauer und ihre kulturpolitischen Kassandrarufer ihn inzwischen immer omin\u00f6ser heraufbeschw\u00f6ren?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Der Mensch ist auch heute noch ein Wesen, das klare Bezugspunkte in seinem Leben braucht. Und er braucht eine \u00fcbersichtliche Gruppe an Menschen, die sein Umfeld, sein Widererkennen und sein Handeln ausmachen. 1000 Facebook-Freunde sind letztlich wie keine Freunde, das kann ein Mensch an Kommunikation gar nicht bew\u00e4ltigen. Und so wie jeder K\u00f6rper die sch\u00fctzende Haut braucht, die ihn zusammenh\u00e4lt, damit er funktionieren kann, so braucht jedes Land seine klaren Grenzen. Und die Politik ist dazu da, diese Grenzen zu sch\u00fctzen, sowie der Arzt versucht, die Haut gesund zu erhalten, damit der K\u00f6rper \u00fcberlebt. Die Einladungen nach Deutschland f\u00fcr alle war von Merkel eine Aktion ohne Sinn und Verstand. Einwanderung ist wichtig, aber sie muss in vielen Punkten gut \u00fcberlegt sein. Letztlich will die ganze s\u00fcdliche Erdkugel nach Europa und die meisten ins gelobte Land Deutschland, wo in deren Vorstellung alles an den B\u00e4umen w\u00e4chst. Ich pers\u00f6nlich h\u00e4tte auch Probleme mit zu vielen arabischen K\u00f6pfen, es sei denn, viele dieser Menschen fangen mal an, das Mittelalter zu verlassen und Glauben durch Wissen zu ersetzen. Und dabei ist das Wichtigste: Glauben und Politik m\u00fcssen strikt voneinander getrennt sein. Wir in Europa haben lange und hart f\u00fcr unsere Werte gek\u00e4mpft, und wer hier leben will, hat dies zu akzeptieren. Meine Frau war Argentinierin. Unsere Tochter hat ein deutsch- argentinisches Herz und sie ist eine wunderbare T\u00e4nzerin der Kulturen geworden.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: East meets West and North meets South \u2026 <u>Abdulfattah Jandali<\/u> stammte aus Syrien und ohne ihn g\u00e4be es sicherlich nicht die weltweite Erfolgsgeschichte der Apple-Computer-Revolution, denn dieser Einwanderer nach Nord-Amerika war kein anderer als Steve Jobs\u2018 Vater. Triumph und Trag\u00f6die im Tanz und Kampf der Kulturen. Ein schreckliches Beispiel f\u00fcrs Letztere ist sicherlich das Schicksal unseres gemeinsamen Freundes Martin Arker, der ebenfalls im Repertoire der Platte vom \u201eKinderk\u00f6nig\u201c vertreten ist. Im\u00a0 Sp\u00e4therbst 2010 hatte mich der lebenslange Globetrotter noch einmal eine ganze Woche lang hier in Amerika besucht. Und ein Jahr sp\u00e4ter dann die entsetzliche Nachricht, zuerst im franz\u00f6sischen Fernsehen, dann auch in allen deutschen Medien.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Martin war ein Gro\u00dff\u00fcrst der Denkerei und ein leidenschaftlicher Weltenbummler. Bei einer Afrikareise hat er schlie\u00dflich in Timbuktu die Nerven verloren. Bei einer Entf\u00fchrung von Extremisten, die zuf\u00e4llig ihn und ein paar andere traf, raste die Kugel eines Entf\u00fchrers in seinen begabten Kopf. Solange wir noch auf dieser Erde sind, werden wir Martin, unseren Heidelberger Poeten und Philosophen, nicht vergessen.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: In der Weimarer Republik war Berlin die unumstrittene Hochburg von Deutschlands Dichtern und Denkern, K\u00fcnstlern und Wissenschaftlern. Dann folgte deren gro\u00dfe Exodus, ihre massenhafte Auswanderung, Vertreibung und Vernichtung. Nach der Jahrtausendwende gaben sich wiederum Jahr f\u00fcr Jahr mehr und mehr Nobelpreistr\u00e4ger aus aller Welt im Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden ein regelm\u00e4\u00dfiges Stelldichein. Du bist gewisserma\u00dfen der Spiritus Rector dieses umgekehrten Exodus. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Ein Freund von mir, der Fotograph Peter Badge, arbeitet f\u00fcr die Nobelstiftung und da er alle noch lebenden Nobels fotografiert hat, kam er eines Tages zu mir und fragte mich, ob er die Fotoarbeiten in meiner Galerie Einstein ausstellen k\u00f6nnte. So realisierten wir die Ausstellung zum 150. Geburtstag von Albert Einstein mit dem Titel \u201eEinsteins Erben &#8211; Nobelpreistr\u00e4ger im Portrait.\u201c Seit dieser Zeit sind die Nobels, so sie in Berlin sind, auch im Einstein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Nash.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5351\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5351\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Nash-682x1024.jpg\" alt=\"Nash\" width=\"466\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Nash-682x1024.jpg 682w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Nash-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/Nash.jpg 732w\" sizes=\"auto, (max-width: 466px) 100vw, 466px\" \/><\/a><br \/>\nGerald mit John Nash, dem amerikanischen Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Mathematik und Vorbild f\u00fcr Ron Howards<br \/>\nFilm <em>A<\/em> <em>Beautiful Mind<\/em> im Caf\u00e9 Einstein im Jahr 2013. Im Hintergrund Jugendportraits von John Nash<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Genie und Wahnsinn, das ist ein ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigtes Wechselspiel in der deutschen Geistesgeschichte. Wie kam deine au\u00dfergew\u00f6hnliche Freundschaft mit John Nash zustande?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Popstar, Genie und Wahnsinn: Der Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Mathematik John Nash besuchte schon 1996 das Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden. Beim festlichen Diner auf Schloss Mainau im Rahmen der Stiftung Lindauer Nobelpreistr\u00e4ger am Bodensee sa\u00df ich am Tisch des Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4gers\u00a0 Robert\u00a0 Mundell,\u00a0 der\u00a0 fast\u00a0 den\u00a0 ganzen Abend schwieg. Umso gespr\u00e4chiger war sein Sohn, der mir erz\u00e4hlte, dass er seinen Vater bereits im Schachspiel schlage. In einem kleinen B\u00fcchlein arbeitete er an einer Zeichnung, die alle geladenen Nobelpreistr\u00e4ger inklusive seinen Vater als vortragende M\u00e4use abbildete. Nikolaus Turner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung Lindauer Nobelpreistr\u00e4ger, kam an unseren Tisch und berichtete mir, dass ihm John Nash erz\u00e4hlt hatte, dass er bereits 1996 in Berlin gewesen sei und das Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden besucht habe und ob ich nicht Lust h\u00e4tte, an Nashs Tisch zu kommen, er w\u00fcrde mich gerne kennenlernen.<br \/>\n\u201eSie sind also der Kaffeehaus-Einstein. Euer Topfenpalatschinken und die Kunstausstellungen in eurer Galerie, das hat mir sehr geschmeckt.\u201c Ich erwiderte: \u201c1996 waren Sie der erste Nobelpreistr\u00e4ger \u00fcberhaupt, der das Einstein Unter den Linden besucht hat.\u201c Ich setzte mich neben Nash, der sehr zerbrechlich wirkte. Pl\u00f6tzlich ergriff er meine Hand und sagte mit ruhiger, leiser Stimme: \u201cAlle wollen mich st\u00e4ndig fotografieren\u201c. \u201eSie sind eben ein wirklicher Popstar\u201c, antworte ich, Nobelpreis, schizophrene Sch\u00fcbe mit Anstaltsaufenthalten, Hollywood verfilmt ihr Leben und der Film bekommt vier Oscars, das ist eben der Stoff, aus dem der Starkult w\u00e4chst.\u201c Nach einer l\u00e4ngeren Pause sagte Nash: \u201cSeit einiger Zeit nehme einfach meine Kamera und fotografiere zur\u00fcck.\u201c \u201cDas ist ja wunderbar\u201c, sagte ich, \u201cdann machen wir demn\u00e4chst in unserer Galerie eine John Nash-Ausstellung mit dem Titel <em>John F. Nash fotografiert die Menschen, die gerade John F. Nash fotografieren.<\/em> Was halten Sie davon? Nach einer kurzen Bedenkzeit antwortete er: \u201eDar\u00fcber muss ich mal nachdenken. Spieltheoretisch m\u00fcsste das m\u00f6glich sein. Auf jeden Fall g\u00e4be es auf diese Weise einen Grund, mal wieder nach Berlin zu kommen, um einen Topfenpalatschinken im Einstein zu essen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/UhligDaughterandothers.jpg\" rel=\"attachment wp-att-5374\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5374\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/UhligDaughterandothers.jpg\" alt=\"UhligDaughterandothers\" width=\"600\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/UhligDaughterandothers.jpg 581w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2016\/12\/UhligDaughterandothers-300x146.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><br \/>\nVon links nach rechts Frederick mit Gerald und seiner Tochter Geraldina,<br \/>\ndem Maler Michael Schackwitz und dem Fotografen Konrad Rufus M\u00fcller<br \/>\nrund um die Jahrtausendwende im Caf\u00e9 Einstein<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Schackwitz ist ein begabter Maler kunterbunter Phantasien und M\u00fcller ein weltweit gefragter Fotograf, der sich vor allem als Portr\u00e4tist der Gro\u00dfen dieser Welt von Willi Brandt bis Wladimir Putin und dar\u00fcber hinaus einen internationalen Ruf erworben hat.<\/p>\n<p>Doch der Gr\u00f6\u00dfte in dieser Runde ist der allm\u00e4chtige und allgegenw\u00e4rtige Tod. Er kennt schon von allen ihre immer n\u00e4her r\u00fcckende Sterbestunde. Und so summt er selbstherrlich und l\u00e4chelnd stumm<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">unser Lebenslied,<br \/>\ndenn er wei\u00df es nur allzu gut,<br \/>\ner ist der einzige zwischen Gott und Teufel,<br \/>\nvon dem auch wir wissen, dass es ihn wirklich gibt.<\/p>\n<p>Wenige Jahre nach dieser Aufnahme wurden wir beide tats\u00e4chlich fast gleichzeitig mit recht t\u00f6dlichen Krankheiten diagnostiziert. Die barocke Morbidezza aus dem dekadenten Wien unserer kinderk\u00f6niglichen Jugendzeit hatte uns schlie\u00dflich eingeholt. Ich hatte zwar meine jugendliche Raucherei mit selbstgedrehten Zigaretten l\u00e4ngst aufgegeben, dennoch wurde ich mit Zungenkrebs diagnostiziert, wobei angeblich der Tod f\u00fcnfzig Prozent der daran Erkrankten letztendlich mitnimmt. Inzwischen hab ich schon die dritte Operation hinter mir. \u201eUnd die Gr\u00e4ber sind die Aschenbecher \u2026\u201c, so begann die letzte Strophe meiner Wiener Ode auf den \u201eDuft der gro\u00dfen, weiten Welt\u201c.<\/p>\n<p>\u201eUns\u00e4gliches Brennen in den Fingern und Zehenspitzen\u201c, so beschrieb der <em>Spiegel <\/em>eines deiner Symptome in einem ausf\u00fchrlichen Bericht \u00fcber dich in einer Sommernummer aus dem Jahr 2006. Es waren die ersten Erscheinungen der seltenen Krankheit Morbus Fabry, einer Krankheit, bei welcher der Tod alle hundert Prozent der ihm Erlegenen heimsucht. Alles oder nichts! War das nicht schon immer deine Lebensphilosophie gewesen?<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Nichts hat sich uns Menschen je erkl\u00e4rt, warum wir hierher m\u00fcssen, was diese Veranstaltung eigentlich soll. Warum es Krankheiten geben muss? Wir sind chemische Biomaschinen, die durch die Naturgesetze leben. Wir bringen Kinder auf die Welt, um ihnen dann sagen zu m\u00fcssen, dass sie sterben werden. Das Leben besteht aus einer Ansammlung von Zumutungen und diese zu bew\u00e4ltigen, scheint der Sinn dieses Daseins zu sein. Dazu kommt, dass wir als Tiere unserem Bewusstsein einfach nicht gewachsen sind.<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>\u201eDrama um Wirt vom Caf\u00e9 Einstein. Sein Testament hatte er schon geschrieben. Er traf sich mit illegalen Organspendern. Dann spendete seine Frau ihm eine ihrer Nieren\u201c, so die Schlagzeile der <em>Berliner Zeitung <\/em>am 5. Mai, 2006.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Ich habe ja vorhin bereits ausf\u00fchrlich dar\u00fcber erz\u00e4hlt. Gerechtigkeit gibt\u2019s nicht auf Erden. Nicht im Himmel. Nirgendwo.<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>Wie oft habe ich auf meinen j\u00e4hrlichen Vortragsreisen durch alle m\u00f6glichen L\u00e4nder der Alten Welt auch immer wieder in Berlin bei dir Zwischenstation gemacht, mehr denn je ein Wandergelehrter und mehr und mehr auch ein richtig zerstreuter Professor &#8211; der im Herzen gern ein armer Poet und fahrender Hofnarr geblieben ist. Jetzt war ich schon mehr als ein halbes Jahrzehnt nicht mehr in der Alten Welt. Wie gerne w\u00fcrde ich mit dir mal wieder in deinem Einstein gem\u00fctlich Schach spielen, stundenlang Gott und die Welt hinterfragen oder auch nur ganz einfach mal wieder wie fr\u00fcher Eulen nach Athen tragen \u00a0\u2026<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Diese Art von Gespr\u00e4chen macht mir immer noch Spass, die Welt der Poesie, und das andere, das ist das Gebiet der verdammten Wirklichkeit, welche die meisten Menschen so hinnehmen m\u00fcssen, wie ihnen das Leben diese serviert.<\/p>\n<p><strong>Frederick: <\/strong>Im Laufe der letzten Jahre hast Du ja auch viel \u00d6ffentlichkeitsarbeit zur weiteren Aufkl\u00e4rung seltener Krankheiten und ihres oft t\u00f6dlichen Ausgangs betrieben. Im Herbst 2012 haben wir beide uns das letzte Mal gesehen. Freilich nicht mehr \u201elive\u201c sondern nur noch via \u201eskype\u201c. Es war anl\u00e4sslich der \u00dcbertragung der Vorstellung meiner Gedichte auf Postkarten im Caf\u00e9 Borjo, dem lokalen Studentencaf\u00e9 der Old Dominion University, hier in Norfolk, Virginia. Der Erl\u00f6s vom Verkauf dieser Postkarten kommt nun schon seit Jahren der Krebsforschung zugute. Und so trag auch ich mein bescheidenes Scherflein bei zur Krebsbek\u00e4mpfung und r\u00fchre die Werbetrommel gegen den gewaltt\u00e4tigen Tod. Es ist mein poetisches Narrenspiel gegen den allm\u00e4chtigen Herrn des immerw\u00e4hrenden Nichtseins.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Herrliche Parallele. Und ich veranstalte meine Einstein-Salons, wo ich zum Schluss f\u00fcr die Kinder mit seltenen Krankheiten sammle. Man nennt sie auch die Weisenkinder der Medizin.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: \u201eDer Tor und der Tod\u201c! Letzterer ist uns weiterhin auf den Fersen und ich meine, ab und zu klopfe er immer wieder leise an unsere T\u00fcr! Dieser wandernde, ewig ruhelose Poltergeist! Ein Nestroy\u2019scher Lumpazi Vagabundus, der nur allzugern aus einem jeden von uns einen vorzeitigen Moribundus machen m\u00f6chte!! Doch sind wir dem Sensenmann bislang noch immer von der Schippe gesprungen und so wird es uns auch noch weiterhin gelingen. Und zum Gl\u00fcck gibt es ja im barock-pikaresken Welttheater passend zum \u201eMemento Mori\u201c auch noch das \u201eCarpe Diem\u201c! Drum sag ich\u2019s noch einmal: \u201eDas Leben soll leben, soll \u00fcberleben!\u201c Erinnerst du dich noch? So lautete doch der Titel einer der zahlreichen Strophen, die ich damals in meiner jugendlichen Ahnungslosigkeit einfach so zusammengeschrieben hatte, wobei ich expressis verbis ausgerechnet dir diese Zeilen in den Heidelberger \u201eStra\u00dfentexten\u201c widmen sollte.<br \/>\nDenk ich so zur\u00fcck, dann meine ich, dass auch Morbus Fabry diesen Zeilen entsprechend noch lange warten kann! \u00dcberhaupt ist es f\u00fcr die Mortalit\u00e4t im Leben nie zu sp\u00e4t! Und im Zweifelsfall teilen wir uns einfach meine f\u00fcnfzig Prozent! Tod hin und Leben her, lass uns den alten Gevatter nie mehr erw\u00e4hnen! Erz\u00e4hl uns viel lieber von der Zukunft des Einsteins! Und nicht zuletzt auch von deinen eigenen Zukunftspl\u00e4nen!<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Die Sache mit dem Verkauf vom Einstein ist eine lange Geschichte. Nur ganz kurz, ein Immobiliengro\u00dfwildj\u00e4ger, dem fast die ganzen Linden und halb Berlin geh\u00f6ren, wollte noch mehr Miete und ich lag in dieser Zeit wegen einer lebensgef\u00e4hrlichen Herzoperation im Krankenhaus und hatte keine Kraft mehr mich zu wehren. Die Sache \u00a0ist aber noch nicht zu Ende und meine Anw\u00e4ltin wird Anfang n\u00e4chsten Jahres die Klagen starten.<\/p>\n<p><strong>Frederick<\/strong>: Deine lebensgef\u00e4hrliche Herzoperation erinnert mich an Goethes herrliches Gedicht \u201ePrometheus\u201c aus seiner Sturm-und-Drang-Periode, in dem es hei\u00dft: \u201eHast du\u2019s nicht alles selbst vollendet, heilig gl\u00fchend Herz?\u201c Und mir scheint, unsere Herzen sind noch immer alles andere als ausgegl\u00fcht! Ich jedenfalls fabriziere mehr denn je romantische, erotisch-ironische Liebesgedichte \u2013 und das auf Deutsch und Englisch, denn doppelt h\u00e4lt bekanntlich besser \u2013 und auch dein Lebensweg ist ja genau besehen bis heute eine einzige Passionsgeschichte und dies im wahrhaft doppelten Sinne des Wortes, n\u00e4mlich als eine Erfahrung der lebenslangen Leiden und Leidenschaften. Ich meine, auf den Bildern aus unserer gemeinsamen Zeit in Heidelberg, Frankreich und Amerika kommen solche Gegens\u00e4tze zwischen Pathos und Pathologie, zwischen Ekstase und Agonie immer wieder sehr lebendig zum Ausdruck. Erweisen sich diese Stegreifbilder nicht als regelrechte <em>tableaux vivants,<\/em> die derartige Ambivalenzen mehr oder weniger theatralisch inszenieren, in anderen Worten, das ganze menschliche Kontrastprogramm von Freud und Leid, Ungl\u00fcck und Gl\u00fcckseligkeit? Jeder Augenblick ein \u201ehigh\u201c, ein Schauspiel von Highlight zu Highlight, denn du ahntest es wohl schon in deiner Jugendzeit, wo viel Licht, da kommt auch bald viel Dunkelheit.<\/p>\n<p>Und ich denke, diese Licht- und Schattenspiele, diese Lust- und Trauerspiele so gegens\u00e4tzlicher Erfahrungen und allt\u00e4glicher Gef\u00fchle ist im weiteren Sinne auch bezeichnend f\u00fcr unsere ganze Generation. Jedenfalls habe ich im Laufe der Jahre bei so manchen unserer Jugendfreunde und Weggef\u00e4hrten immer wieder beobachtet, wie sich der fr\u00f6hliche Leichtsinn der Jugend in die schleichende Schwermut des Alters verwandelt hat. Himmel hoch jauchzend und umgekehrt zu Tode betr\u00fcbt, diese extremen Stimmungsschwankungen h\u00e4ngen vielleicht auch damit zusammen, dass wir in einer Zeit des Friedens und Wohlstands aufwuchsen. Einerseits bescherte uns diese Zeit Freiheiten und M\u00f6glichkeiten zur pers\u00f6nlichen Selbstentfaltung, wie sie bis dahin keine Jugendgeneration erfahren hatte. Noch nie hatte es so viele jugendliche Narrenfreiheiten gegeben, von der freien Liebe bis zur unbegrenzten Reisefreiheit. Von weiteren Trips mit allen m\u00f6glichen Rauschmitteln hier mal ganz zu schweigen. Man konnte hoch- und tiefstapeln nach Herzenslust und alles schien denkbar und machbar, man musste es sich nur richtig vorstellen k\u00f6nnen, ganz frei nach John Lennons wunderbarem Weltenlied \u201eImagine\u201c!<\/p>\n<p>Andrerseits konnte dieser jugendliche \u00dcbermut nicht ewig dauern, trotz des Versprechens von Bob Dylan, unseres j\u00fcngsten Nobelpreistr\u00e4gers f\u00fcr Literatur, der uns schon vor einem halben Jahrhundert wortw\u00f6rtlich versichert hatte \u201eForever Young\u201c. Kein Wunder, dass \u201eAnti-Aging\u201c nun zum letzten Modeschrei unserer \u201eEwigen Jugend\u201c geworden ist. Und wenn\u2019s dann mit der Anti-Aging-Rebellion, dieser letzten Revolution gegen uns selbst auch nicht mehr so recht klappen will, dann beginnt bei manchen der gro\u00dfe Endzeitjammer. \u201eDon\u2018t trust anybody over thirty\u201c, dieser einstige Schlachtruf gegen die \u00e4ltere Generation schl\u00e4gt jetzt auf einige der Ewiggestrigen unter uns ganz besonders hart zur\u00fcck. Doch was wirklich z\u00e4hlt, das ist die lebendige Vergangenheit in der Gegenwart von Raum und Zeit.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es daf\u00fcr Kaffeeh\u00e4user, in denen die Zeit irgendwie stehen geblieben zu sein scheint. Nirgendwo kann man den Wandel der Generationen, ihr Kommen und Gehen, ihre Illusionen und Desillusionen besser betrachten. Und will man dann auch noch den \u201cDuft der gro\u00dfen, weiten Welt\u201c einatmen, dann tut man das am besten im Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden, dort, wo immer wieder die gro\u00dfe Welt hereinspaziert und sich in den zahlreichen Spiegel vielfach reflektierend immer wieder von neuem verliert. Und vielleicht sitzen ja diejenigen, die hier einmal ein und ausgegangen sind und nun nicht mehr unter uns sind, dennoch im Geiste mit am Tisch.<\/p>\n<p>Ach Gerald, dein Caf\u00e9 Einstein, es ist die Berliner Utopie unserer Wiener Nostalgie. Es ist die kakanische Wehmut Alt\u00f6sterreichs, die romantische Sehnsucht Altheidelbergs, es ist die R\u00fcckbesinnung auf unsere sch\u00f6ne Jugendzeit samt ihrer \u00fcberm\u00fctigen Burschen- und M\u00e4dchenherrlichkeit &#8211; kurzum, es ist das steingewordene Heimweh unserer weltlichen Verg\u00e4nglichkeit. Und wenn ich mich so zur\u00fcckbesinne, dann erinnere ich mich auch mehr und mehr an unser jugendliches Glaubensbekenntnis, unseren Heidelberger Stra\u00dfentext, und zwar Zeile f\u00fcr Zeile, den ganzen Vierzeiler:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eDas Leben soll leben, soll \u00fcberleben,<br \/>\njetzt, nicht irgendwann, irgendwo,<br \/>\nGott hat mir darauf sein Wort gegeben,<br \/>\nnimm mich beim Wort, ich will es so.\u201c<\/p>\n<p>So komm, spiel mir noch einmal das Lied von unserem alten Gevatter, spiel mir wieder die Melodie von seinem dunklen Mysterientheater. Und spiel sie auf Gott und Teufel komm raus und ich strecke dabei dem Gro\u00dfen Schnitter immer wieder mal meine Zunge heraus.<\/p>\n<p><strong>Gerald:<\/strong> Ja, um nun doch noch einmal auf unseren alten Gevatter zur\u00fcckzukommen. Ich habe nichts gegen den Tod, schon allein deshalb nicht, weil ich mein Leben sch\u00e4tze und liebe und aktiv in ihm tanze. Ich bin ein charmanter Nihilist, der gelernt hat, viele Rollen zu spielen, denn nur der spielende Mensch ist laut Schiller der wahre Mensch. Durch meine Tochter Geraldina darf ich immer wieder das Gl\u00fcck erfahren und mit meiner Krankheit Morbus Fabry gehe ich h\u00e4ufig spazieren und rede mit ihr. Und das ist so einer ihrer inneren Monologe:<\/p>\n<p>\u201eSo wie ich in deinem K\u00f6rper gew\u00fctet habe, h\u00e4ttest du schon vor einigen Jahren gehen sollen. Auch wenn deine Mutter letztlich immer ungl\u00fccklich mit deinem Vater war, durch ihn hast du ein mordsstarkes Gen-Paket mit bekommen. Zum anderen war bei dir immer was los. Deine Lebensneugierde und deine Begeisterungsf\u00e4higkeit haben selbst mich angesteckt. Mir gefiel dein Mut, mit dem du deine Projekte durchgezogen und behauptet hast. Du warst auch immer bereit, neue Risiken einzugehen. Mit deinen Feldforschungen und Kunstexpeditionen, hast du deine Zuschauer verst\u00f6rt und gleichzeitig begeistert. Durch die vielen interessanten und unterschiedlichen Berufe, die du ausge\u00fcbt hast, war es mir eben nie langweilig mit dir. Du warst immer ein Motor, obwohl ich dir immer wieder Sand ins Getriebe gestreut habe. Du warst der durchgeknallte, unkonventionelle Junge, der alles aufgemischt hat. Das hat mir gefallen, das will ich bis heute nicht missen. Ich erinnere mich, wie du damals in Hamburg oder in Berlin durch die Kunsttempel gezogen bist und aus den Schmerzen, die ich in dir verursacht habe, Kunst, Poesie und Bilder gemacht hast. Das war gro\u00dfe Klasse. Immer wenn du mit einem neuen Kunstwerk begonnen hast, dann wusstest du nie, wohin es dich f\u00fchrt. So ist es eben auch mit dem Leben. Du hast bis heute nicht aufgegeben und auch deinen Mut nicht verloren. Und du hast nie geklagt und dich keiner Meinungsdiktatur unterworfen. Ich muss schon sagen, du hast mich bestens und auch klug unterhalten, auch wenn ich dich h\u00e4ufig dabei qu\u00e4len musste. Und deshalb, aus ganz egoistischen Gr\u00fcnden, habe ich bis heute keine Lust, dich dem Tod zu \u00fcbergeben. Das w\u00e4re auch mein Ende von der guten Unterhaltung. Und vergiss nicht, mein Freund, du hast f\u00fcr dein Leben das Variet\u00e9 gew\u00e4hlt! Also weiterspielen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Text- und Bildnachweis<\/strong><\/p>\n<p>Der Stern-Bericht von Marcus M\u00fcller stammt vom 10. Februar 2008 unter dem Titel \u201eDie Kaffeehausb\u00fchne der Republik\u201c in STERN.de und wird hier mit einem herzlichen Dankesch\u00f6n an den Verfasser wieder abgedruckt.<\/p>\n<p>Die Fotos dieses Interviews stammen, wenn nicht anders angegeben, aus dem Privatbesitz von Gerald Uhlig-Romero und sind zum Gro\u00dfteil in den folgenden zwei Bildb\u00e4nden abgebildet: Gerald Uhlig,\u00a0 <em>Das Cafe Einstein Unter den Linden<\/em>. Berlin: Nicolai, 2001 und Gerald Uhlig-Romero, <em>Berliner Melange. Geschichten und Rezepte aus dem Caf\u00e9 Einstein Unter den Linden<\/em>. M\u00fcnchen: Collection Rolf Heyne, 2006.<\/p>\n<p>Die Aufnahme vom Plattencover \u201eDer Kinderk\u00f6nig\u201c, die Bilderreihen von der Reise in die Provence und aus der Wohnung in Providence, sowie das einf\u00fchrende Tafelbild aus der Heidelberger Studentenbude und das abschlie\u00dfende Tafelbild aus dem Caf\u00e9 Einstein stammen aus dem Privatbesitz von Frederick A. Lubich.<\/p>\n<p>Die Panorama-Aufnahme vom Interieur des Caf\u00e9 Einsteins Unter den Linden mit seinen zahlreichen G\u00e4sten stammt von der Fotografin Susan Wansink.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein transatlantischer Gedanken- und Erinnerungsaustausch\u00a0mit Gerald Uhlig-Romero, dem \u201cK\u00f6nig der Berliner Kaffeehauskultur\u201d Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Frederick A. Lubich \u201eDas Leben ist nur ein kurzer Traum\u201c (altr\u00f6misches Sprichwort) Frederick: Lieber Gerald, mehr als vier Jahrzehnte sind vergangen, als wir uns Mitte der siebziger Jahre in einer Heidelberger Runde junger Poeten kennenlernten und im Handumdrehen Freundschaft schlossen. 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