{"id":6420,"date":"2020-09-09T13:12:59","date_gmt":"2020-09-09T17:12:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=6420"},"modified":"2020-09-10T01:44:49","modified_gmt":"2020-09-10T05:44:49","slug":"wind-of-change-transatlantic-soundtracks-after-1945-part-i","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-45-2020\/wind-of-change-transatlantic-soundtracks-after-1945-part-i\/","title":{"rendered":"I. Einf\u00fchrung: Wind of Change: Transatlantic Soundtracks after 1945, Part I"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Einf\u00fchrung: Wind of Change: <\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Transatlantic Soundtracks after 1945, Part I<\/strong><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Frederick A. Lubich, Norfolk, Virginia<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a0\u201eThe future is in the air,<br \/>\nI can feel it everywhere.\u201c<br \/>\nScorpions, \u201eWind of Change\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Kunstform ist so mannigfaltig und facettenreich, einerseits so erotisch-emotional und andrerseits so spirituell-transzendental, kurzum, so sinnlich-\u00fcbersinnlich wie das Wesen und die Wirkung der Musik. Um hier nur einige sinnbildliche Beispiele aus der Alten und Neuen Welt zu nennen: Sie quillt aus dem sumpfigen Untergrund, wie man es gewissen wasserreichen Regionen entlang des Mississippi-Deltas nachsagt, dem sagenhaften Geburtsort des afro-amerikanischen Rhythm \u2018n\u2019 Blues, sie verwandelt sich in die entz\u00fcckt ber\u00fcckenden Tanzbewegungen des Tangos und Flamencos iberisch-argentinischer Herkunft und steigert sich schlie\u00dflich \u00fcber die gregorianischen M\u00f6nchsges\u00e4nge des christlich-abendl\u00e4ndischen Mittelalters bis hinauf in die weltentr\u00fcckten Sph\u00e4renkl\u00e4nge der Cherubim und Seraphim morgenl\u00e4ndischer Provenienz und j\u00fcdisch-alttestamentarischer Observanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Will man die so permanent ephemerische Kunst der Musik auch metaphorisch noch etwas weiter interpretieren und charakterisieren, so lie\u00dfe sich sicherlich argumentieren, sie sei sowohl die evokative Verdichtung der fr\u00fcher so oft beschworenen Volksseele, als auch des heute noch so vielzitierten Zeitgeistes. Und damit ist die Musik nicht zuletzt \u2013 mehr oder weniger frei nach Georg Wilhelm Friedrich Hegel \u2013 die klangliche Verk\u00f6rperung des geschichtsschwangeren Weltgeistes par excellence. Und dergestalt erlebt sie denn auch in jeder folgenden Generation immer wieder von Neuem ihre ethnische Wiedergeburt und zeitgen\u00f6ssische Renaissance.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was immer man von derartigen Vergleichen und Gleichnissen halten mag, in jedem Falle kann die Musik heute auf komplex-kommunikative Art und Weise mehr denn je die Herzen der Menschen im sprichw\u00f6rtlichen Sturm erobern und dies zudem immer leichter und schneller auf Grund der sich rapide ausbreitenden Vernetzung der elektronischen Medien rund um die Welt. Von der Schallplatte zum Tonband und vom Walkman zum Smartphone, dieser technisch-systematische Fortschritt ist jedenfalls bezeichnend f\u00fcr die heutige Musikindustrie und ihre multimediale Marketing-Strategie ganz nach den g\u00e4ngigen Mottos und Mantras wie \u201emusic to go\u201c, \u201emusic is in the air\u201c, in anderen Worten, \u201emusic is everywhere\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eFirst we take Manhattan, then we take Berlin\u201d, so lautet der Refrain eines Leonard-Cohen-Songs aus dem Jahr 1987 \u2013 also zwei Jahre vor dem Berliner Mauerfall \u2013 in dem es weiter hei\u00dft, \u201eI\u2019m guided by a signal in the heavens [\u2026] I\u2019m guided by the beauty of our weapons.\u201c Genauer betrachtet, entpuppt sich diese so esoterisch, ja geradezu chiliastisch-millenarisch anmutende Eroberung von Berlin und Manhattan als eine ruminierende Rhapsodie auf das Wunderwerk der Musik und ihrer so irdisch-\u00fcberirdischen Macht und Magie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war vor allem in Berlin und New York, zwei der bedeutendsten Metropolen der Hochmoderne, in deren Glanzzeiten sich die moderne Musik voll entfalten konnte, sei es in der Cabaret-Kultur im Berlin der Weimarer Republik oder in den neuen Tanzformen und Musikstilen im New York des Jazz Age und seiner legend\u00e4ren Harlem Renaissance. Die kreative, innovative Energie dieser transatlantischen Roaring Twenties sollte zwei Generationen sp\u00e4ter vor allem in der Rockmusik der weltweiten Woodstock-Nation ihr gro\u00dfes, internationales Comeback feiern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr letztere wurden Songs wie \u201eBorn to Be Wild\u201c von Steppenwolf, \u201eHeroes\u201c von David Bowie oder \u201eImagine\u201c von John Lennon zu romantisch-rebellischen und letztlich utopisch-futuristischen Hymnen, die w\u00e4hrend des Kalten Krieges Jugendliche diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs in ihrer Sehnsucht nach der gro\u00dfen, grenzenlosen Freiheit und einer neuen, besseren Welt mehr und mehr befl\u00fcgelte, grad so, als w\u00e4re in der Tat nur noch der Himmel die Grenze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch kein Lied fing diesen ruhelosen Zeitgeist, diesen Sturm und Drang einer weltweit bewegten Jugendgeneration besser ein als \u201eWind of Change\u201c der deutschen Rockband Scorpions. Diese rockende Power-Ballade aus dem Jahr 1990 wurde zum epochalen Blockbuster, der die gro\u00dfe geschichtliche Wende des zwanzigsten Jahrhunderts, den Fall der Berliner Mauer und den Zusammenbruch des gesamten Ost-Block-Imperiums besang und beschwor und bald auch noch als Soundtrack in mehreren Filmen \u00fcberall mehr und mehr zum Klingen brachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWind of Change\u201c war das globale Fanal f\u00fcr das internationale Finale der Ost-West-Konfrontation, die eine ganze Welt seit Ende des Zweiten Weltkrieges jahrzehntelang in Atem gehalten hatte. Das Lied der Scorpions f\u00fchrte zu jener Zeit lange die Musik-Charts zahlreicher L\u00e4nder diesseits und jenseits des Atlantiks an, erreichte Platz 4 in Amerika, Platz 2 in England und Platz 1 in L\u00e4ndern kreuz und quer durch ein mehr und mehr vereinigungsfreudiges Europa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum zehnj\u00e4hrigen Jahrestag des Mauerfalls spielten die Scorpions zur Feier des Tages dieses Lied direkt am Brandenburger Tor, um den gro\u00dfartigen Zauber jenes geschichtlich so einzigartigen Augenblicks \u2013 \u201ethe magic of the moment\u201c, wie es in diesem Song so zutreffend hei\u00dft \u2013 noch einmal f\u00fcr alle erneut zum Leben zu erwecken. Und einige Zeit sp\u00e4ter, im Jahr 2005, sollten die Zuschauer des Zweiten Deutschen Fernsehens in der Tat wortw\u00f6rtlich weit in die Ferne sehen, um schlie\u00dflich im R\u00fcckblick auf die Geschichte \u201eWind of Change\u201c zum \u201eLied des Jahrhunderts\u201c zu ernennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir hatten als Herausgeber von <em>Glossen <\/em>gehofft, mit unserem Aufruf zu Beitr\u00e4gen f\u00fcr diese Ausgabe die musikalischen Evolutionen mitsamt den politischen und kulturellen Revolutionen der modernen Musikgeschichte etwas genauer konturieren und illuminieren zu k\u00f6nnen. Und wir wurden nicht entt\u00e4uscht, ganz im Gegenteil, wir bekamen so viele Zusendungen, dass wir die ausgew\u00e4hlten Beitr\u00e4ge schlie\u00dflich auf zwei Ausgaben verteilten mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glossen #46, die Folgenummer zu diesem Thema, ist f\u00fcr Ende 2020 vorgesehen und einmal mehr \u201ethe Magic of the Moment\u201c, wie es in \u201eWind of Change\u201c hei\u00dft, also der Magie der Musik und dem Zauber ihres Augenblicks gewidmet, und der bezeichnet in diesem Falle nicht nur den Augenblick des musikalischen Erlebnisses, sondern auch den Augenblick der historischen Zeiterfahrung und bildet auf diese Weise gewisserma\u00dfen eine h\u00f6here Einheit, eine Art unio mystica, wie sie wohl auch Leonard Cohen in seinen oft so enigmatisch wirkenden, mystisch-orphisch aufsteigenden Ges\u00e4ngen immer wieder vorgeschwebt haben mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wir als Herausgeber soweit wie m\u00f6glich die gesamte Bandbreite und Reichweite der musikalischen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg zumindest im weiteren \u00dcberblick zur Darstellung bringen wollten, also das gesamte komplement\u00e4re Spektrum, das man fr\u00fcher als Ernste Musik und Unterhaltungsmusik zu bezeichnen pflegte, wurden deshalb auch mehrere Beitr\u00e4ge zu klassischen und klassisch-modernen Musiktraditionen in diese beiden Ausgaben mit aufgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gro\u00dfteil der Beitr\u00e4ge besch\u00e4ftigt sich jedoch mit der modernen Popul\u00e4rmusik und ihrer wechselseitigen, transatlantischen Rezeptionsgeschichte und dabei vor allem mit ihrer Rolle hinter dem Eisernen Vorhang. Und im Geiste \u2013 im Einklang mit dem gegenw\u00e4rtigen Zeitgeist \u2013 der musikalischen Regeneration, schlie\u00dfen denn auch mehrere Erlebnisberichte von Beitr\u00e4gern aus der j\u00fcngsten Generation, die ebenfalls dem Zauber der Musik verfallen sind, den thematischen Teil diese vorliegende Ausgabe ab. Letztlich sind sie die vielberufenen Millennials, denen die millenarische Herausforderung zukommt, die Zukunft unserer heutigen Gesellschaft und ihre weitere Gestaltung so gut wie m\u00f6glich zu meistern. Oder in den Worten von \u201eWind of Change\u201c: \u201eWhere the children of tomorrow share their dreams\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung: Wind of Change: &nbsp; Transatlantic Soundtracks after 1945, Part I &nbsp; Frederick A. 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