{"id":6460,"date":"2020-09-10T02:10:25","date_gmt":"2020-09-10T06:10:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=6460"},"modified":"2021-02-02T18:24:20","modified_gmt":"2021-02-02T23:24:20","slug":"ii-kulturgeschichtliche-aanalysen-der-kalte-krieg-der-kulturen-wie-die-ddr-den-kampf-gegen-die-rockmusik-verlor","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-45-2020\/ii-kulturgeschichtliche-aanalysen-der-kalte-krieg-der-kulturen-wie-die-ddr-den-kampf-gegen-die-rockmusik-verlor\/","title":{"rendered":"II. Kulturgeschichtliche Analysen: Der Kalte Krieg der Kulturen"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Der Kalte Krieg der Kulturen: <\/strong><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Wie die DDR den Kampf gegen <\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>die Rockmusik verlor<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Janine Ludwig, Dickinson College, Carlisle, Pennsylvania, Universit\u00e4t Bremen<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMy only deep sorrow,\u201c he said, \u201eis the unrelenting insistence of recording and motion picture companies upon purveying the most brutal, ugly, degenerate, vicious form of expression it has been my displeasure to hear \u2013 naturally I refer to the bulk of rock \u2018n\u2019 roll. [\u2026] It fosters almost totally negative and destructive reactions in young people. It smells phony and false. It is sung, played and written for the most part by cretinous goons and by means of its almost imbecilic reiterations and sly, lewd \u2013 in plain fact dirty \u2013 lyrics, and as I said before, it manages to be the martial music of every sideburned delinquent on the face of the earth.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Zitat aus dem Jahr 1957 stammt nicht etwa von einer der F\u00fchrungsfiguren des Ostblocks, wie etwa Walter Ulbricht oder Nikita Chruschtschow, sondern von der amerikanischen Legende Frank Sinatra. Es verdeutlicht, dass der Aufstieg des Rock \u2018n\u2019 Roll zun\u00e4chst auf geh\u00f6rigen Widerstand auch in seinem Herkunftsland und der westlichen Welt allgemein stie\u00df und Teil eines Generationenkonfliktes war. Seine besondere Wirkung speiste sich vor allem aus zwei Faktoren: Erstens setzte diese neue Art von Musik sexuelle Energien frei \u2013 nicht umsonst wurde Elvis Presley mit seinem ber\u00fchmten H\u00fcftschwung \u201eElvis the pelvis\u201c genannt \u2013 was im pr\u00fcden Amerika der 1950er-Jahre schieres Entsetzen ausl\u00f6ste. Zweitens standen Rock \u2018n\u2019 Roll und die sp\u00e4ter sich daraus entwickelnden Formen von Rockmusik (von Hard Rock bis Heavy Metal) f\u00fcr eine Form von Freiheit und Rebellion: Das Freisetzen von Energie, Aggression, Lautst\u00e4rke, Exzess, Chaos, mithin ein Aufbegehren gegen die b\u00fcrgerlichen Konventionen der beschaulich-braven Nachkriegszeit. Sp\u00e4ter verband sich dieser rebellische Impetus auch mit sozialkritischen T\u00f6nen und Anklagen gegen das System als solches (woran die Tatsache, dass die Rockmusiker selbst innerhalb dieses Systems steinreich werden konnten, nichts \u00e4nderte).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in der alten Bundesrepublik verbreitete sich die amerikanische Popkultur im Allgemeinen und ihre Musik im Besonderen im Zuge der alliierten Besatzung Westdeutschlands ab den 1950er-Jahren in einem Ausma\u00dfe, dass Manche heute von einem \u201eSonderfall der Amerikanisierung in Europa\u201c sprechen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dabei wurde dieser Siegeszug noch durch zwei weitere Aspekte verkompliziert: Zum einen traf die neuartige Popul\u00e4rkultur hier auf ein Land, dessen \u00e4ltere, traditionsbewusste oder bildungsb\u00fcrgerliche Schichten noch an einem sehr spezifischen Ideal von deutscher Hochkultur festhielten (neben dem vielleicht gerade noch die heimelige Volksmusik geduldet wurde), der gegen\u00fcber sie f\u00fcr amerikanische (Massen-)Kultur allgemein (und das hatte eine beinahe 100 Jahre lange Tradition) nur Verachtung \u00fcbrig hatten. Dem versuchten die Amerikaner im Zuge ihrer \u201eReeducation\u201c-Bem\u00fchungen entgegenzukommen, indem sie laut ihrem \u201eOperational Plan for Germany\u201c den \u201ebattle for the minds\u201c mit Hilfe amerikanischer Hochkultur zu gewinnen suchten: In sogenannten Amerika-H\u00e4usern konnten Westdeutsche B\u00fccher amerikanischer Schriftsteller wie Ernest Hemingway, Mark Twain, William Falkner, Norman Mailer, Irwin Shaw lesen oder Theaterst\u00fccke von Thornton Wilder und Filme von Billy Wilder sehen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend diese \u201eAmerikanisierung von oben\u201c mehr schlecht als recht funktionierte, setzte sich beinahe ohne Zutun der Besatzer die \u201eAmerikanisierung von unten\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, das hei\u00dft die Selbstamerikanisierung der westdeutschen Jugend durch. Den Anfang machte in den 1950er-Jahren die Arbeiterjugend, die sogenannten Halbstarken, die mit Moped, Jeans und Lederjacke sowie gegeltem Haar ihrem Idol James Dean nacheiferten. Bald sprang die Amerikabegeisterung auch auf die Mittelschicht \u00fcber; die M\u00e4dels trugen Petticoat und Pferdeschwanz, tranken Milchshakes und Coca Cola; man tanzte Rock \u2018n\u2019 Roll und sah Hollywood-Filme.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> In den 60er-Jahren wurde Beat-Musik popul\u00e4r, und bald teilten die Jungs sich im Kampf um die ultimative Coolness in zwei beinahe verfeindete Lager: Beatles- und Stones-Fans. (Dass beide britische, nicht amerikanische Bands waren, spielte dabei keine Rolle.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst die 68er in Westdeutschland, die \u2013 wiederum in einer Generationenrevolte \u2013 ihre V\u00e4tergeneration aburteilten und die USA wegen ihrer Au\u00dfenpolitik (Vietnamkrieg) heftig kritisierten, \u00fcbernahmen doch deren Protestkultur mit Teach-ins, Sit-Ins, Happenings und Singer-Songwriter-Musik. Auch in den Siebzigern und folgenden Jahrzehnten dominierte anglo-amerikanische Musik, und allen Trends von Disco bis Hardrock, Punk oder Heavy Metal, Rap, Techno oder R \u2018n\u2019 B folgten die Deutschen bis zur heutigen Zeit. Dies alles wurde von Anfang an von \u00e4lteren Generationen kritisch be\u00e4ugt, auch weil sie \u2013 dies der zweite wichtige Aspekt \u2013 in jenem Aneignungsprozess, der allgemein als \u201eAmerikanisierung\u201c \u2013 heute alternativ eher als \u201eWesternisierung\u201c, \u201eModernisierung\u201c oder \u201eGlobalisierung\u201c \u2013 bezeichnet wird,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> eine kulturelle \u00dcberfremdung oder eine Gefahr des Verschwindens deutscher Kulturtraditionen als Mittel der Unterwerfung durch die Besatzer sahen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Musik des \u201eKlassenfeinds\u201c in der DDR<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All die bisher genannten Aspekte hatten auch in den sozialistischen L\u00e4ndern G\u00fcltigkeit, nur kam hier noch ein entscheidender und die Angelegenheit um einiges versch\u00e4rfender politischer Faktor hinzu: die Tatsache n\u00e4mlich, dass die sozialistischen Regierungen den Kampf der Systeme auch als Kulturkampf zwischen zwei Lebensarten und Rockmusik als eine scharfe Waffe in diesem Kampf verstanden. Die DDR-Nomenklatura w\u00fctete besonders geifernd, denn sie konnte auf Versatzst\u00fccke aus einer 100 Jahre lang gewachsenen deutschen Verachtung f\u00fcr die so genannte amerikanische \u201aUnkultur\u2018 zur\u00fcckgreifen,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> die schon die Nazis kultiviert hatten \u2013 deren Sprache wiederum sie sich nicht sch\u00e4mten nachzuahmen, wie Thomas Haury zusammenfasst:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Aufzwingung der \u201ekulturlosen sogenannten amerikanischen Lebensweise\u201c wolle der \u201eamerikanische Weltherrschaftstrust\u201c weltweit \u201edie Seele der V\u00f6lker [\u2026] t\u00f6ten, um die Menschen in den Schmelztiegel eines neuen V\u00f6lkermordens werfen zu k\u00f6nnen.\u201c Auch das \u201ejahrhundertealte, hochentwickelte deutsche Kulturerbe\u201c wollten die \u201eWallstreet-Kosmopolitiker\u201c mittels der \u201ekulturlosen Erzeugnisse\u201c der amerikanischen \u201ePseudokultur\u201c \u201ein den Schmutz treten\u201c, um so \u201edem deutschen Volk moralisch das R\u00fcckgrat zu brechen, indem er unser Nationalbewu\u00dftsein abt\u00f6tet und unseren Nationalcharakter vernichtet\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Gysi, ehemaliger Kulturminister der DDR und Vater von Gregor Gysi, formulierte es 1967 nur wenig moderater:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Vordringen amerikanischer Kulturbarbarei hat gemeinsam mit der traditionellen und sich st\u00e4ndig steigernden Kulturfeindlichkeit des westdeutschen Imperialismus in einem ungeheuerlichen, hochorganisierten System der Manipulation mit geistigen \u2013 besser ungeistigen \u2013 und antikulturellen Mitteln in einem Frontalangriff auf humanistisches Denken, auf Kultur und humanistische Tradition einen H\u00f6hepunkt erreicht, der Goebbels\u2019 Versuche weit hinter sich l\u00e4\u00dft. Diese Manipulation dient einem militanten Antikommunismus und zieht alle Register systematischer Verdummung und Verhetzung, mi\u00dfbraucht Gef\u00fchle, unterdr\u00fcckt das Denken. Sie ist wesentlichster ideologischer Ausdruck der wachsenden Aggressivit\u00e4t des westdeutschen Imperialismus. [\u2026] Die Manipulation gegenstandsloser Gef\u00fchle \u2013 rohe Brutalisierung, Lust am Exze\u00df, unnennbares Grauen, aber auch die sch\u00f6ne Euphorie des Rauschzustandes \u2013 ist ein Hauptmittel imperialistischer Manipulation. Musik ist eines ihrer Hauptinstrumente.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die Musik ganz konkret zur Gefahr werden k\u00f6nne, beschrieb der f\u00fchrende DDR-Musikwissenschaftler und Gr\u00fcnder sowie Rektor der Deutschen Hochschule f\u00fcr Musik Berlin (heute: Hochschule f\u00fcr Musik \u201eHanns Eisler\u201c Berlin), Georg Knepler, schon 1951 in Bezug auf den Jazz\/Bebop: \u201eDas ist eine Musik, die das Chaos darstellt, die das Chaos ist, die nicht nur Kriegsvorbereitung, sondern der Krieg ist. Das ist ein Versuch, den Krieg in die Hirne der Menschen einzuschmuggeln.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> \u00c4hnlich martialisch argumentierte der angesehene Komponist, Musikwissenschaftler und -soziologe Ernst H. Meyer, der zwar den urspr\u00fcnglichen Jazz eigentlich sch\u00e4tzte, jedoch bevor dieser durch den Kapitalismus verdorben worden sei:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der heutige \u201eBoogie Woogie\u201c ist ein Kanal, durch den das barbarisierende Gift des Amerikanismus eindringt und die Gehirne der Werkt\u00e4tigen zu bet\u00e4uben droht. Diese Bedrohung ist ebenso gef\u00e4hrlich wie ein milit\u00e4rischer Angriff mit Giftgasen \u2013 wer wollte sich nicht gegen eine Lewisitattacke sch\u00fctzen?<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Jahrzehnt sp\u00e4ter, 1961, wurde in einer internen Parteimitteilung dieses Verdikt auf die neueste Musik \u201aupgedated\u2018 und auf den deutlich n\u00e4heren und somit konkret gef\u00e4hrlicheren Klassenfeind, die BRD, bezogen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir grenzen uns entschieden von der sogenannten westlichen Lebensweise ab, die die Jugendlichen moralisch verseucht und das Ziel verfolgt, die menschlichen Gef\u00fchle in ihnen abzut\u00f6ten und willf\u00e4hrige Werkzeuge der Kriegspolitik aus ihnen zu machen. [\u2026] Bei der Propagierung dieser [\u2026] Lebensweise spielt die Schlagermusik im Bonner Staat neben Schund- und Schmutzliteratur und entsprechenden Filmen eine wesentliche Rolle. [\u2026] Durch die Verfassung der DDR, die Chauvinismus und Kriegspropaganda untersagt, ist die Grundlage f\u00fcr das Verbot der Verbreitung revanchistischer und antihumanistischer Ideologie durch westliche Tanzmusik bereits gegeben.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch war beispielsweise Rock \u2018n\u2019 Roll in der DDR nie offiziell verboten<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> \u2013 genauso wie es laut Verfassung angeblich keine Zensur gab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Umgang der DDR mit Rock \u2018n\u2019 Roll und sp\u00e4terer Rockmusik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So absurd die eben ge\u00e4u\u00dferten Verlautbarungen aus heutiger Sicht erscheinen, so enthielten sie doch einen wahren Kern. Denn das SED-Regime erkannte durchaus korrekt, welche Gefahr von der westlichen Musik aufgrund der eben beschriebenen Elemente des Freiheitsdrangs und der Rebellion gegen das herrschende System ausging. Doug Yeager, einer der Produzenten des Films <a href=\"https:\/\/www.freetorockmovie.com\/\"><em>Free to Rock: How Rock &amp; Roll Helped End the Cold War<\/em><\/a><a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>, berichtete in einem Gespr\u00e4ch<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>, dass ein ehemaliger KGB-Mitarbeiter ihm einmal mitgeteilt habe, man habe vermutet, dass die CIA den Rock \u2018n\u2019 Roll erfunden habe. Das kann getrost als unrealistisch abgetan werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Realistisch hingegen ist die Annahme, dass die amerikanische (Kultur-)Politik durchaus das Potential des im eigenen Land zun\u00e4chst umstrittenen Rock \u2018n\u2019 Roll erkannte, auf die ostdeutsche und auf die sozialistische Jugend insgesamt einzuwirken und sie mittels Musik f\u00fcr den westlichen Lebensstil zu gewinnen. Schlie\u00dflich hatten die Alliierten in Westberlin und anderswo die Radiosender RIAS (Radio in the American Sector) und AFN (American Forces Network) installiert, in dem Wissen, dass sie in Ostdeutschland empfangen werden konnten. Und sie erkannten auch bald, dass neben politischen Informationen auch das Abspielen neuester Musik einen f\u00fcr sie g\u00fcnstigen Einfluss auf die sozialistische Jugend haben konnte, da dies den westlichen Lebensstil und die amerikanische Kultur f\u00fcr diese jungen Menschen attraktiv machte, wie eine NATO-Publikation 1958 verriet:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Musik ist ein allen Menschen verst\u00e4ndliches Mittel, und die sowjetische Jugend versteht mehr als jede andere diese Art des Sich-Entziehens. Diese Ablenkung kann m\u00fchelos von einigen in der N\u00e4he der Grenze zu den kommunistischen L\u00e4ndern gelegenen Radiostationen \u00fcbernommen werden [\u2026]. Mehr noch, eine gewisse ideologische Entgiftung k\u00f6nnte sich durchsetzen, wenn sie mit musikalischer Faszination einherginge. Die sowjetischen F\u00fchrer haben diese Gefahr so gut erkannt, dass sie alle Formen barbarischer Musik auf ihrem Territorium verbieten [\u2026]. JedesmaI, wenn sich ein Rock and Roll oder ein Calypso in ein kommunistisches Bewu\u00dftsein pr\u00e4gt, dient er dazu, etwas Anderes auszul\u00f6schen, und dieses Andere wird immer etwas Ideologisches sein.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich hatte schon der NATO-Feldmarschalls Montgomery sinngem\u00e4\u00df prophezeit: \u201eWenn wir den kommunistischen Osten nicht mit der Waffe erobern k\u00f6nnen, dann mit der Jazztrompete.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> 1950 wurde der Sender Radio Free Europe gegr\u00fcndet, der den ganzen Ostblock mit westlicher Musik versorgte und der insgeheim von der CIA finanziert und gesteuert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doug Yeager vermutet auch<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>, dass es kein Zufall war, dass Elvis Presley, der damals ber\u00fchmteste S\u00e4nger der Welt, nicht nur in den USA zur Armee eingezogen wurde, sondern auch am 1. Oktober 1958 ausgerechnet in Westdeutschland stationiert wurde, genauer gesagt in der N\u00e4he von Frankfurt, nahe der Grenze zur DDR (von der er als \u201ePublic Enemy No. One\u201c bezeichnet worden sein soll). Er l\u00f6ste Begeisterung unter der Jugend aus, auch in Ostdeutschland, was diese jedoch teuer zu stehen kam: Bereits im Mai 1958 hatten ca. 100 Mitglieder eines illegalen \u201eRock and Roll-Klubs\u201c aus dem s\u00e4chsischen Schm\u00f6lln demonstriert und den Spruch \u201eElvis Presley \u2013 das Idol! \/ Wir wollen nur noch Rock and Roll!\u201c auf ein Transparent geschrieben: Acht von ihnen wurden wegen Landfriedensbruchs zu Gef\u00e4ngnisstrafen von acht Monaten bis zu zwei Jahren verurteilt. Im April 1959, als eine Jugendclique namens \u201eWahrener Meute\u201c in einem \u201eAufkl\u00e4rungsmarsch\u201c durch Leipzig zog, skandierten sie: \u201eEs lebe Elvis Presley\u201c oder: \u201eWir wollen keinen Lipsi und keinen Alo Koll, \/ wir wollen Elvis Presley mit seinem Rock \u2018n\u2019 Roll!\u201c Dass die Westmedien \u00fcber die Leipziger \u201ePresley-Demo\u201c berichtete, d\u00fcrfte sich zum Nachteil der 25 der Jugendlichen ausgewirkt haben, die schlie\u00dflich wegen Staatsverleumdung, Landfriedensbruchs, Sachbesch\u00e4digung, aber auch wegen sexuellen Missbrauchs und Einbruchs zu Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu viereinhalb Jahren verurteilt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch sonst gab es damals \u00c4hnlichkeiten zwischen der Jugend in Ost und West, zu einer Zeit, als die Mauer noch nicht gebaut und die Grenze noch nicht abgeriegelt war: Der ber\u00fchmte DEFA-Film <em>Berlin \u2013 Ecke Sch\u00f6nhauser<\/em> (Regie: Gerhard Klein, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase), entstanden im Sommer 1956, reagierte auf westdeutsche Filme wie <em>Die Halbstarken<\/em> (1955; Regie: Georg Tressler), mit dem Horst Buchholz zum sogenannten \u201edeutschen James Dean\u201c avancierte. Die Hauptrolle in dem DDR-Film spielte Ekkehard Schall in einem Outfit, das dem von Buchholz sehr nahekam. Der Film kam trotz Kritik 1957 in die DDR-Kinos<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>, wurde jedoch in der Bundesrepublik verboten, weil er \u201ein seiner kommunistischen Tendenz Institutionen der Bundesrepublik (z.B. die Notaufnahmelager) ver\u00e4chtlich macht und die Verh\u00e4ltnisse nicht wahrheitsgetreu schildert\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz aller Ma\u00dfnahmen und trotz des Mauerbaus 1961 konnte sich die DDR-F\u00fchrung dem kulturellen Wettbewerb um die Gunst der Jugend nicht entziehen und die, wenn auch eingeschr\u00e4nkt, weitergehende Rezeption westlicher Popkultur und Musik nicht unterbinden. Geradezu verzweifelt klingt aus heutiger Sicht die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q55mQpAGNMc\">Rede<\/a> des damaligen Regierungschefs der DDR, Walter Ulbricht, auf dem ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Kahlschlag-Plenum (11. Plenum des Zentralkomitees der SED) im Dezember 1965, in der er die Genossen ermahnte, sich doch auf eigene musikalische Traditionen zu besinnen, anstatt den Beatles nachzueifern:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Freunde! Sind wir denn wirklich nur angewiesen auf die monotonen westlichen T\u00e4nze? Haben wir in den sozialistischen L\u00e4ndern nicht gen\u00fcgend herrliche und temperamentvolle T\u00e4nze, die vollst\u00e4ndig ausreichen, da\u00df sich die Jugend dabei gen\u00fcgend austoben k\u00f6nnte. Haben wir nicht genug? [allgemeine Zustimmung] Wir haben interessante und k\u00fcnstlerisch wertvolle T\u00e4nze. Aber statt dessen blicken einige Kunstschaffende nur nach dem Westen und sind der Meinung, da\u00df die Deutsche Demokratische Republik in kultureller Beziehung vor allem von Texas lernen kann. Ich bin der Meinung, Genossen, mit der Monotonie des Jay, Jeh, yeh [sic!], und wie das alles hei\u00dft, sollte man doch Schlu\u00df machen&#8230; [\u2026] Es geht darum, da\u00df der Einflu\u00df der amerikanischen Lebensweise, der amerikanischen Unkultur, des Lebensstils aus Texas, den man versucht zu importieren, und da\u00df die Beat-Gruppen das Mittel waren, diese Texas-Kultur einzuf\u00fchren.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Kolitsch beschreibt in einem instruktiven Artikel<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> vier sukzessive Phasen mit verschiedenen Strategien der DDR im Umgang mit amerikanisch gepr\u00e4gter Rock- und Popkultur: \u201eprohibition\u201c (Unterbindung), \u201eredefinition\u201c (Neudefinition\/Umdeutung), \u201esubstitution\u201c (Ersetzung) und \u201eintegration\u201c (Einbindung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfangs versuchte die DDR-F\u00fchrung noch das Unm\u00f6gliche, n\u00e4mlich die Ausbreitung westlicher Popul\u00e4rkultur in ihrem Land zu unterbinden. Die Verbreitung von Tontr\u00e4gern (damals haupts\u00e4chlich Schallplatten) konnte ab 1961 relativ leicht reguliert werden, da es nur eine staatliche Plattenfirma (Amiga) gab. Jedoch entwickelte sich ein Schwarzmarkt, auf dem westliche Schmuggelware zu astronomischen Preisen gehandelt wurde.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Die Musikszene wurde reguliert, indem nur Bands auftreten durften, die eine sogenannte \u201eSpielerlaubnis\u201c erlangt hatten, welche unter dem Deckmantel fachlicher Qualit\u00e4tskontrolle selbstverst\u00e4ndlich eine ideologische Kontrolle beinhaltete. Was in den Kinos lief, konnte man steuern, und f\u00fcr das DDR-Radio wurde 1958 eine Quote von 60:40 zugunsten sozialistischer vs. westlicher Musik eingerichtet. Machtlos war man letztlich jedoch gegen die grenz\u00fcberschreitenden Medien Fernsehen und Radio, obwohl wirklich alles versucht wurde: Die Staatsmacht installierte St\u00f6rsender und schickte im September 1961 in der gro\u00dfangelegten \u201eAktion Ochsenkopf\u201c<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> sogar Truppen ihrer Jugendorganisation Freie deutsche Jugend (FDJ) um die H\u00e4user, damit sie Antennen, die in Richtung Westen ausgerichtet waren, abmontierten \u2013 was sich die Bev\u00f6lkerung jedoch nicht bieten lie\u00df. In den sp\u00e4ten 70er-Jahren hat man das Unterfangen schlie\u00dflich aufgegeben, und die Arbeiter des staatlichen Wohnungsbaukombinats WBK richteten die Antennen beim Bau der H\u00e4user schon von selbst in die \u201arichtige\u2018 Richtung aus. Westdeutsches Fernsehen und Radio waren in der DDR nie offiziell verboten (nur f\u00fcr Staatsorgane), aber dennoch war es f\u00fcr Kinder in der Schule nicht opportun, vom Westfernsehen zu reden, das sie eigentlich nicht geschaut haben sollten; doch die diesbez\u00fcglichen Ma\u00dfnahmen wurden sp\u00e4testens in den 80ern immer lascher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNeudefinition\u201c meint, dass die Staatsideologen versuchten, die westliche Musik und Kultur dahingehend umzudeuten, dass sie das \u201eandere Amerika\u201c repr\u00e4sentiere, also die sozialkritische Gegenkultur des Westens. Ausgew\u00e4hlte Vertreter (des Standpunkts) der Arbeiterklasse oder der schwarzen Minderheit wurden goutiert oder gar hofiert, wie etwa die Black-Panther-Aktivistin Angela Davis, die anl\u00e4sslich der \u201eX. Weltfestspiele der Jugend\u201c im September 1973 Ostberlin besuchte, oder Jane Fonda, deren Filme erlaubt waren, seit sie gegen den Vietnamkrieg protestiert hatte. Ein Verschw\u00f6rungstheorie-Film wie <em>The Parallax View<\/em> (deutsch: \u201eZeuge einer Verschw\u00f6rung\u201c, 1974, Regie: Alan J. Pakula) wurde erlaubt, da er politische T\u00f6tungen, Betrug und Korruption als Teil des Kapitalismus darstellte. Als \u201eSubstitution\u201c bezeichnet Kolitsch den Versuch der DDR, westliche Produkte durch ostdeutsche zu ersetzen, wof\u00fcr der Tanz \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0Qbc9VUBy_8\">Lipsi<\/a>\u201c (nach Lipsiae, dem lateinischen Namen der Stadt Leipzig) als Alternative zum Rock \u2018n\u2019 Roll das grotesk-r\u00fchrendste Beispiel ist. Man hatte ihn extra patentieren lassen, doch er war zu kompliziert und \u201auncool\u2018, um zu re\u00fcssieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So blieb der DDR-F\u00fchrung schlussendlich nichts weiter \u00fcbrig, als mit Anbruch der 80er-Jahre die kontrollierte Integration der westlichen Popkultur in den sozialistischen Lebensstil zuzulassen. 1978 gab es die ersten Blue Jeans, wenn auch immer zu wenige; ein begehrtes Produkt, f\u00fcr das die B\u00fcrger Schlange standen. Man fand sich auch mit dem westlichen Musikgeschmack der jeweiligen Jugend ab und versuchte sogar, ihn zu befriedigen. Neben dem Tauschen und Kopieren von (geschmuggelten) Kassetten war die meistverbreitete Methode, sich westliche Musik zu beschaffen, das Aufnehmen vom West-Radio-Sender: Man musste also, wenn der Moderator ein Lied ansagte, im rechten Moment auf \u201eRecord\u201c dr\u00fccken und im rechten Moment wieder loslassen \u2013 und fluchte jedes Mal wie der Teufel, wenn der wirklich unwissende Moderator in den Anfang oder in das Ende des Songs hineinquatschte. Einzelne amerikanische Platten wurden von der Amiga in Lizenz vertrieben, wof\u00fcr jedoch der Mangel an harter W\u00e4hrung f\u00fcr die Tantiemen ein echtes Hindernis darstellte. Die Tatsache, dass f\u00fcr Michael Jacksons Album <em>Thriller<\/em> 1983 beim amerikanischen Medienkonzern CBS die Matrize einer Aufnahme von Beethovens <em>5. Sinfonie<\/em>, dirigiert vom weltber\u00fchmten Kurt Masur, eingetauscht wurde, darf wohl als Sinnbild der Kapitulation deutscher Hochkultur vor der siegreichen amerikanischen Massenkultur angesehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Durchbruch ereignete sich 1983 im innerdeutschen musikalischen Austausch: Udo Lindenberg, der viele Fans in der DDR hatte, wollte schon lange dort auftreten, und da es ihm stets verweigert wurde, entschloss er sich zum rockigen Frontalangriff: Er ver\u00f6ffentlichte in diesem Jahr den provokanten Song \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZbEUjgp9zxM\">Sonderzug nach Pankow<\/a>\u201c, der auf der Melodie des amerikanischen Klassikers \u201eChattanooga Choo Choo\u201c basierte. Der Titel bezieht sich auf den Berliner Bezirk Pankow, in dem zun\u00e4chst der Staatsrat der DDR residiert und viele Regierungsmitglieder gewohnt hatten, weshalb der Westen anfangs oft vom \u201ePankower Regime\u201c gesprochen hatte. Am Ende des Liedes ert\u00f6nt eine Durchsage auf Russisch, die behauptet, der Oberste Sowjet erteile seine Erlaubnis f\u00fcr das Gastspiel. In dem Song bezeichnet Lindenberg den Staatschef Erich Honecker als \u201eOberindianer\u201c, redet ihn direkt mit \u201eey, Honni\u201c an und bittet ihn, in der DDR spielen zu d\u00fcrfen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich hab \u2018n Fl\u00e4schchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker,<br \/>\nDas schl\u00fcrf\u2019 ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker,<br \/>\nUnd ich sach, ey, Honni, ich sing\u2019 f\u00fcr wenig Money<br \/>\nIm Republik-Palast, wenn ihr mich lasst.<br \/>\nAll die ganzen Schlageraffen d\u00fcrfen da singen,<br \/>\nD\u00fcrfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen,<br \/>\nNur der kleine Udo, nur der kleine Udo,<br \/>\nDer darf das nich, und das verstehen wir nich.<br \/>\nHonni, ich glaub\u2019, du bist doch eig\u2019ntlich auch ganz locker.<br \/>\nIch wei\u00df, tief in dir drin, bist du doch eig\u2019ntlich auch\u2019n Rocker.<br \/>\nDu ziehst dir doch heimlich auch gern einmal die Lederjacke an<br \/>\nUnd schlie\u00dft dich ein auf\u2019m Klo und h\u00f6rst West-Radio.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstaunlicherweise hatte die rotzfreche Masche Erfolg, nicht nur kommerziell (es wurde Lindenbergs bis dahin beste Chartplatzierung), sondern auch politisch: Obwohl Honecker emp\u00f6rt gewesen sein soll, durfte der Rockmusiker am 25. Oktober desselben Jahres auf Einladung von FDJ-Chef Egon Krenz tats\u00e4chlich einmalig vor ausgew\u00e4hltem Publikum im Palast der Republik spielen \u2013 die geplante Tournee im darauffolgenden Jahr wurde jedoch wiederum abgesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kalter Krieg der Konzerte<\/strong><a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><strong>[25]<\/strong><\/a><strong> im Sommer 1988<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So fehlte der Jugend in den sozialistischen L\u00e4ndern doch noch eines zur wirklichen Teilhabe an der internationalen Jugendkultur: n\u00e4mlich ihre Idole einmal live bei einem Konzert erleben zu k\u00f6nnen. Dass dies in der Endphase der DDR pl\u00f6tzlich m\u00f6glich wurde, verdankte sich wieder einer geschickten Provokation aus Westdeutschland: Zu Pfingsten 1987 war dort jemand auf die Idee gekommen, im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin Konzerte der Superstars David Bowie, Eurythmics und Genesis vor dem Reichstag, also auf der Westseite des Brandenburger Tors, zu veranstalten, in einer Lautst\u00e4rke, dass die Ostberliner Jugend auf dem Pariser Platz es mith\u00f6ren konnte \u2013 und wollte. Dies f\u00fchrte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Mith\u00f6rern und den ostdeutschen Ordnungskr\u00e4ften. Die FDJ, die schon lange gemerkt hatte, dass ihnen die rebellierende Jugend entglitt, reagierte darauf, indem sie selbst als Konzertveranstalter auftrat und westliche Musiker einlud: im Juli 1987 Barclay James Harvest und im September 1987 Bob Dylan im Treptower Park (100.000 Besucher), der sich leider reichlich lustlos pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 1988 spitzte sich der Wettkampf dann auf nie dagewesene Weise zu: W\u00e4hrend am 16.6. Pink Floyd und am 19.6. Michael Jackson (der damals gr\u00f6\u00dfte Popstar der Welt) vor dem Reichstag in Westberlin spielten (und diesmal die ostdeutsche Polizei bei den Tausenden Ostzuh\u00f6rern nur moderat eingriff, obwohl die Stasi das Schlimmste, n\u00e4mlich einen Sturm auf die Mauer, bef\u00fcrchtete), bot die FDJ ebenfalls Gro\u00dfes auf: die in der DDR \u00fcberaus beliebte Band Depeche Mode (7.3.) in der Werner-Seelenbinder-Halle, wof\u00fcr manche Fans Mopeds und Autos im Tausch f\u00fcr Tickets anboten, am 1.6. Joe Cocker in der Radrennbahn Wei\u00dfensee (100.000 Besucher), und vom 16.-19. Juni im Rahmen des gr\u00f6\u00dften Rockfestivals der DDR unter dem Namen \u201eFriedenswoche der Berliner Jugend\u201c u.a. James Brown, Bryan Adams, Marillion und die Rainbirds.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der unbestrittene H\u00f6hepunkt war jedoch das vierst\u00fcndige <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7sSe9-Z3pnE\">Konzert von Bruce Springsteen and the E Street Band<\/a> im Velodrom Wei\u00dfensee (Ostberlin) im Rahmen seiner <em>Tunnel-of-Love<\/em>-Tour am 19.7.1988, Springsteens gr\u00f6\u00dfter Live-Auftritt, der zugleich als gr\u00f6\u00dftes Rockkonzert der DDR in die Geschichte einging. 160.000 Tickets wurden verkauft, aber da Viele ohne Karten hinzukamen, geht man von gesch\u00e4tzt bis zu 250.000 oder gar 300.000 Menschen aus \u2013 eine beeindruckende Zahl, die beinahe einem Viertel der Bev\u00f6lkerung der Stadt (und 1,5% des gesamten Landes) entsprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bruce Springsteen war ohnehin als \u201eWorking Class Hero\u201c aus New Jersey f\u00fcr die Ideologen akzeptabel, aber in der Tradition der \u201eNeudefinition\u201c entschloss man sich zur Sicherheit noch, das Ganze als Solidarit\u00e4tskonzert f\u00fcr die Sandinisten in Nicaragua (es war der Tag der sandinistischen Revolution) zu annoncieren, was mit dem \u201eBoss\u201c nicht abgesprochen war. Er lie\u00df sein Team die entsprechenden Transparente an der B\u00fchne abnehmen und versicherte dem Publikum (ausgerechnet als Intro zu dem Song \u201eChimes of Freedom\u201c) auf Deutsch: \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WBIcfPBVxxQ\">Es ist sch\u00f6n, in Ostberlin zu sein. Ich m\u00f6chte euch sagen: Ich bin nicht hier f\u00fcr oder gegen irgendeine Regierung. Ich bin gekommen, um Rock \u2018n\u2019 Roll zu spielen, f\u00fcr euch Ostberliner, in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden.<\/a>\u201c Urspr\u00fcnglich hatte der letzte Teilsatz lauten sollen: \u201e\u2026dass eines Tages alle Mauern abgerissen werden\u201c, aber sein Mitarbeiter Marcel Avram geriet berechtigterweise in Panik, da das Tabuwort \u201eMauer\u201c in der DDR nicht ausgesprochen werden dufte, und so wurde es in letzter Minute durch das umst\u00e4ndliche \u201eBarrieren\u201c ersetzt. Hunderttausende Besucher verstanden es trotzdem und brachen in Jubel aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte, was 16 Monate sp\u00e4ter passieren w\u00fcrde, kann dieses Konzert r\u00fcckblickend doch als eine Art Vorbote der friedlichen Revolution gedeutet werden. Denn zum einen nahmen viel mehr Besucher teil, als Eintrittskarten zur Verf\u00fcgung gestanden hatten, und die Ordnungskr\u00e4fte sahen sich au\u00dferstande, die Menge davon abzuhalten, die Sicherheitsbarrieren zu \u00fcberwinden und ungehindert auf das weitr\u00e4umige Wiesengel\u00e4nde zu str\u00f6men. Dies darf schon als ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ereignis in einem ansonsten recht kontrollierten Land gelten und nahm in gewisser Weise vorweg, was sich am 9. November 1989 an den Grenz\u00fcberg\u00e4ngen der Berliner Mauer wiederholen sollte: \u00dcberforderte Ordnungskr\u00e4fte kapitulierten vor der schieren Masse der Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen waren die FDJ-Ordner nicht bereit oder in der Lage, das gelegentliche ostentative Zurschaustellen amerikanischer Symbole zu unterbinden: Einige DDR-B\u00fcrger hatten sich amerikanische Flaggen selbst zusammengen\u00e4ht, und der Moment, in dem aus hunderttausenden Kehlen der Refrain des Songs \u201eBorn in the USA\u201c mitgeschmettert wurde, musste den anwesenden Stasileute \u00e4u\u00dferst unangenehm sein. (Dass Springsteen in diesem Lied sein Heimatland durchaus kritisierte, d\u00fcrfte den Besuchern nicht bewusst gewesen sein.) So zeigte sich, dass die jahrzehntelange Propaganda, die USA als den \u201eKlassenfeind\u201c, als das wesensm\u00e4\u00dfige B\u00f6se darzustellen, nicht verfangen hatte und dass die Chiffre \u201eAmerika\u201c, die stets f\u00fcr Freiheit gestanden hatte, unter den Ostdeutschen noch oder gerade eine besondere Bedeutung als Sehnsuchtsort bewahrt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rockmusik im Ostblock<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film <em>Free to Rock: How Rock &amp; Roll Helped End the Cold War <\/em>zeichnet die Geschichte der Rockmusik in der Sowjetunion nach und pr\u00e4sentiert Rock-Pioniere aus diversen Sowjetstaaten wie Andrej V. Makarewitsch, (mit der Band Maschina Wremeni\/Zeitmaschine), den lettischen Nationalhelden Pete Anderson, Boris Grebenschtschikow, Juri Schewtschuk u.a. Der Film berichtet von brutaler Unterdr\u00fcckung der Rockmusik(er), inklusive Pr\u00fcgelattacken und Verbannung nach Sibirien, aber auch von dem unb\u00e4ndigen Drang der Jugend, an diesem westlichen Kulturph\u00e4nomen teilzuhaben. So unterlief Valery \u201eSeisky\u201c Saifudinov, Gr\u00fcnder der ersten sowjetischen Rockband, The Revengers, welche typisch amerikanische Rockmusik auf Englisch sang, den Versuch, elektrische Gitarren zu verbieten, indem er nach Vorlagen, die ein Seemann eingeschmuggelt hatte, eine Fender Stratocaster nachbaute. Etliche junge Russen taten es ihm gleich, und weil ein bestimmter Magnet aus \u00f6ffentlichen Telefonzellen daf\u00fcr verwendet werden konnte, sollen binnen Kurzem die meisten Telefonzellen Moskaus unbrauchbar gewesen sein, so die Legende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sodann gab es auch in der Sowjetunion Versuche der \u201eSubstitution\u201c, indem nur den sogenannten Vokal- und Instrumentalensembles (Vocal Instrumental Ensembles, VIEs) der Gebrauch elektrischer Gitarren gestattet wurde, die dann staatlich kontrollierte Rockmusik auf Russisch vortrugen. Die sowjetische Regierung rekrutierte sogar den amerikanischen Sozialisten Dean Reed, genannt der \u201erote Elvis\u201c, um als offizieller Vertreter US-amerikanischer Rockmusik und Unterst\u00fctzer des Sozialismus in der Sowjetunion zu leben und zu spielen. Sechs Wochen, nachdem er in der amerikanischen CBS-Fernsehsendung \u201e60 Minutes\u201c angek\u00fcndigt hatte, in die Vereinigten Staaten zur\u00fcckkehren zu wollen, wurde er tot in einem See gefunden; die offizielle Auskunft lautete: Selbstmord.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u201aechte\u2018 russische Rocker wie Stas Namin mit seiner Band Flowers, die mit ihrem Softrock zun\u00e4chst ungef\u00e4hrlich schienen und sogar \u00fcber das einzige staatliche Plattenlabel \u201eMelodia\u201c vertrieben wurden, zu erfolgreich wurden (5 Millionen verkaufte Platten des ersten Albums, 7 Millionen des zweiten Albums), wurden sie 1974 kurzerhand verboten und als Propagandisten f\u00fcr das verachtete Hippietum diffamiert. Im Folgenden wurden sogenannte \u201einoffizielle Bands\u201c zwar geduldet, aber lediglich in speziellen \u201eUntergrund-Locations\u201c wie dem Leningrad Rock Club, wo sie unter Kontrolle und \u00dcberwachung durch den KGB standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film gibt auch ungew\u00f6hnliche Einblicke in einige weitere Ostblockstaaten, etwa Lettland, wo die russischen Besatzer 2.500 St\u00f6rsender aufstellten, um die Radiowellen aus Finnland und Schweden zu blocken. Als 1966 in Riga die Melody Makers das erste offizielle Rockkonzert geben sollten und es abgesagt wurde, demonstrierten 2.000 Jugendliche mit dem Slogan \u201eFree the guitar\u201c. Oder in die \u010cSSR, wo die Beach Boys 1969 als erste amerikanische Band eine Tour machen durften und ihren Song \u201eBreak away\u201c Alexander Dub\u010dek, der Leitfigur des Prager Fr\u00fchlings, widmeten. Im selben Land wurde 1976 die Band Plastic People of the Universe ins Gef\u00e4ngnis verbracht, was von dem jungen Dramatiker V\u00e1clav Havel publik gemacht wurde, der eine internationale Protestaktion initiierte. Nachdem derselbe Havel am 29. Dezember 1989 zum Pr\u00e4sidenten der \u010cSSR gew\u00e4hlt worden war, lud er pers\u00f6nlich kurz darauf die Rolling Stones ein, im Sommer 1990 in Prag zu spielen, unter dem Motto: \u201ePanzer rollen hinaus, die Stones rollen herein\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch gegen\u00fcber der Sowjetunion war der Westen durchaus politisch aktiv: Mit Unterst\u00fctzung Jimmy Carters fragte das Ausw\u00e4rtige Amt der USA (State Department) die Country-Musiker der Nitty Gritty Dirt Band an, ob sie in der UdSSR spielen wollten und argumentierte gegen\u00fcber der russischen Kulturpolitik, dass es sich schlie\u00dflich um (unpolitische) Volksmusik\/Folk Music handele. So wurden sie 1977 die erste amerikanische Band, die durch Russland und seine Satellitenstaaten tourte, mit 28 ausverkauften Konzerten in Sowjetrepubliken wie Georgien, Armenien oder Lettland, schlie\u00dflich mit einem Fernsehkonzert in Moskau, das von 140 Millionen Zuschauern gesehen wurde. Andere westliche Musiker folgten, etwa 1979 der Brite Elton John. E-Gitarren blieben verboten, bis Michail Gorbatschow 1985 an die Macht kam und sie erstmals erlaubte sowie allgemein die Regeln gegen\u00fcber Rockmusik abschaffte. Als dann Billy Joel 1987 vor 20.000 Besuchern in Moskau mit E-Gitarre spielte, durften die Fans endlich, wie in einem \u201arichtigen\u2018 Konzert, stehen, tanzen und h\u00fcpfen. In einer sowjetischen Fernsehshow sang Joel ausgerechnet und mit voller Absicht den Dylan-Song \u201eThe Times They Are A Changing\u201c. Und das taten sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gorbatschow klarstellte, dass alles erlaubt sei, was nicht gesetzlich verboten war, (und Rock \u2018n\u2019 Roll war nicht offiziell verboten), reagierte Stas Namin sofort und gr\u00fcndete ein Aufnahmestudio, das Stas Namin Center im Gr\u00fcnen Theater im Gorki-Park in Moskau, eine Plattenfirma, sowie die erste freie Radiostation und Fernsehstation des Landes. Er organisierte am 12.\/13. August 1989 im Olympia-Stadion das Moscow Peace and Music Festival, das erste Rock-\u2018n\u2019-Roll-Festival Russlands, auf dem vor einer Viertelmillion Zuschauer einige der gr\u00f6\u00dften Hardrock- und Heavy-Metal-Bands der Welt spielten (Bon Jovi, M\u00f6tley Cr\u00fce, Scorpions, Skid Row, Ozzy Ozbourne). Dieses Konzert und die Begegnung mit Stas Namin inspirierten Klaus Meine, den S\u00e4nger der Scorpions, zu dem Song \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ohOtDA3dTAA\">Wind of Change<\/a>\u201c, der sp\u00e4ter so etwas wie die Hymne der friedlichen Revolution wurde und mit Zeilen beginnt: \u201eI follow the Moskva \/ Down to Gorky Park \/ Listening to the wind of change \/ An August summer night\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion fand am 28. September 1991 eines der gr\u00f6\u00dften Rockkonzerte der Welt, das \u201eMonsters-of-Rock\u201c-Konzert, auf dem Flugplatz Tuschino vor Moskau statt, mit Bands wie Pantera, Black Crows, Metallica und AC\/DC. Offiziell hatte es 500.000 Zuschauer; inoffiziellen Sch\u00e4tzungen zufolge durchaus das Dreifache. Noch weit in die 1990er- und 2000er-Jahre hinein konnten westliche Bands der Achtziger, die mittlerweile im Westen an Strahlkraft eingeb\u00fc\u00dft hatten, in den L\u00e4ndern des ehemaligen Ostblocks riesige Konzerte abhalten und Erfolge feiern, in Erinnerung an die Jugend und die Sehnsucht, die sie einst f\u00fcr die Menschen dieser L\u00e4nder verk\u00f6rperten. Doug Yeager, der 14 Jahre lang an dem Film <em>Free to Rock<\/em> gearbeitet hat, zeigt sich \u00fcberzeugt, dass im heutigen historischen R\u00fcckblick auf den Kalten Krieg und in der Analyse der Ursachen, warum das Sowjetimperium diesen letztlich verlor, die kulturellen Aspekte und der Einfluss der Rockmusik noch immer unterbewertet sind und weiterer Analyse harren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Footnotes:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Associated Press: Dateline Paris. \u201eSinatra Blasts At Rock \u2018n\u2019 Roll.\u201c Abgedruckt u.a. in: Trenton Evening Times. Oct 28, 1957, Page 6, Column 1 and 2, Trenton, New Jersey.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Stephan, Alexander. \u201eCulture Clash? Die Amerikanisierung in der Bundesrepublik Deutschland.\u201c In: <em>America on my mind. Zur Amerikanisierung der deutschen Kultur seit 1945<\/em>. Hg. von Alexander Stephan, Jochen Vogt, M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag, 2006, S. 29-50, hier S. 29.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd., S. 31-37.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Schildt, Axel. \u201eZur sogenannten Amerikanisierung in der fr\u00fchen Bundesrepublik \u2013 einige Differenzierungen.\u201c In: <em>Modernisierung als Amerikanisierung? Entwicklungslinien der westdeutschen Kultur 1945-1960<\/em>. Hg. von Lars Koch, Bielefeld: transcript 2007, S. 23-44, hier S. 37.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Siehe auch die Fernsehfilmtrilogie: <em>Ku\u2019damm 56<\/em> (Regie Sven Bohse. ZDF 2016, mit Sonja Gerhardt, Claudia Michelsen und Sabin Tambrea), <em>Ku\u2019damm 59<\/em> (ZDF 2018) und <em>Ku\u2019damm 63<\/em> (ZDF, tbd.).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Becker, Frank. \u201eWirklichkeit oder Phantasma? Die \u201aAmerikanisierung\u2018 von Politik und Gesellschaft in der Bundesrepublik.\u201c In: <em>America on my mind. Zur Amerikanisierung der deutschen Kultur seit 1945<\/em>. Hg. von Alexander Stephan, Jochen Vogt. M\u00fcnchen: Fink, 2006, S. 51-73, hier S. 63-67.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl.: Ludwig, Janine. \u201eBericht vom Klassenfeind USA \u2013 G\u00fcnter Kunerts <em>Der andere Planet. Ansichten von Amerika<\/em>.\u201c In: <em>Reiseliteratur der DDR \u2013 Bestandsaufnahmen und Modellanalysen.<\/em> Hg. von Bernd Blaschke, Axel Dunker, Michael Hofmann. Paderborn: Wilhelm Fink, 2016, S. 75-96.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Heinz Kamnitzer 1952 und Wilhelm Girnus 1951, zitiert nach: Haury, Thomas. \u201eDie \u201aDollark\u00f6nige.\u2018 Der Antiamerikanismus der DDR.\u201c In: <em>Amerika und Europa. Mars und Venus? Das Bild Amerikas in Europa.<\/em> Hg. von Rudolf von Thadden, Alexandre Escudier. G\u00f6ttingen: Wallstein Verlag, 2004, S. 65-85, hier S 76f.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Zitiert nach: Wicke, Peter. \u201eRock \u2018n\u2019 Roll im Stadtpark. The German Dimension of American History. Von einer unerlaubten Vision in den Grenzen des Erlaubten.\u201c In: <em>Jeans, Rock &amp; Vietnam. Amerikanische Kultur in der DDR.<\/em> Hg. von Therese H\u00f6rnigk, Alexander Stephan, Berlin: Theater der Zeit, 2002, S. 61-79, hier S. 73.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Knepler, Georg. \u201eMusik, ein Instrument der Kriegsvorbereitung.\u201c In: <em>Musik und Gesellschaft<\/em> 2 (1951), S. 25.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Meyer, Ernst H. <em>Musik im Zeitgeschehen.<\/em> Berlin: Verlag Bruno Henschel und Sohn, 1952, S. 162.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Zitiert nach: Rauhut, Michael. <em>Beat in der Grauzone. DDR-Rock 1964-1972 \u2013 Politik und Alltag<\/em>. Berlin: BasisDruck, 1993, S. 23.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Wicke, S. 63.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <em>Free to Rock: How Rock &amp; Roll Helped End the Cold War.<\/em> Dokumentarfilm. Regie: Jim Brown, Produzenten: Nick Binkley, Stas Namin, Jim Brown, Doug Yeager. PSB Records Inc., 2017. Original Story by Nick Binkley, Valery Saifudinov, Doug Yeager. <a href=\"https:\/\/www.freetorockmovie.com\/\">https:\/\/www.freetorockmovie.com\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Yeager, Doug und Ludwig, Janine. \u201eGespr\u00e4ch nach der Vorf\u00fchrung des Films <em>Free to Rock<\/em>\u201c am 13.11.2019 an der Universit\u00e4t Bremen. Eine Veranstaltung des William G. and Elke Durden Dickinson Bremen Program in Kooperation mit dem U.S. Consulate General Hamburg, dem Carl Schurz Deutsch-Amerikanischen Club, der Universit\u00e4t Bremen, Studiengang English Speaking Cultures, und dem Institut f\u00fcr kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien (ifkud). <a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/bremen\/2019\/11\/\">http:\/\/blogs.dickinson.edu\/bremen\/2019\/11\/<\/a> Eine Aufzeichnung des Gespr\u00e4chs befindet sich im Besitz von Janine Ludwig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Montirian, Charles. \u201eLa paix r\u00e9volutionnaire. Tension psychologique.\u201c In: <em>Allgemeine Milit\u00e4rrundschau\/ Revue Militaire G\u00e9n\u00e9rale<\/em> 8 (1958), S. 387-405, hier 404, 405 und 400. Zitiert nach: Rauhut, Michael. \u201eSchwarz-wei\u00dfe Netze: Afroamerikanische Musik als politisches Medium in der DDR.\u201c In: <em>Globaler Gesang vom Garten der Freiheit. Anglo-amerikanische Popul\u00e4rmusik und ihre Bedeutung f\u00fcr die US-Au\u00dfenpolitik.<\/em> Hg. von Werner Kremp, David Sirakov. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier, 2008, S. 231-249. <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjj4d6bj9_qAhVKQEEAHRTsCssQFjAAegQIBxAB&amp;url=https%3A%2F%2Fcore.ac.uk%2Fdownload%2Fpdf%2F225894717.pdf&amp;usg=AOvVaw19BzByX35TpKAN12xdZHp_\">https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjj4d6bj9_qAhVKQEEAHRTsCssQFjAAegQIBxAB&amp;url=https%3A%2F%2Fcore.ac.uk%2Fdownload%2Fpdf%2F225894717.pdf&amp;usg=AOvVaw19BzByX35TpKAN12xdZHp_<\/a>, S. 3.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebd. Zum Einfluss der CIA im Kulturkampf vgl. auch: Stonor Saunders, Frances. <em>Who Paid the Piper?: The CIA and the Cultural Cold War<\/em>. London: Granta Books, 1999 und New York: New Press, 2000. Sowie spezieller: Hochgeschwender, Michael. <em>Freiheit in der Offensive? Der Kongre\u00df f\u00fcr kulturelle Freiheit und die Deutschen.<\/em> M\u00fcnchen: R. Oldenbourg Verlag, 1998.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> \u2026in dem o.g. Gespr\u00e4ch mit Janine Ludwig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> F\u00fcr alle Infos und Zitate vgl.: Lindner, Bernd. \u201eJugendkultur in der DDR zwischen Staatsgr\u00fcndung und Mauerbau.\u201c In: <em>bpb Deutschlandarchiv<\/em> vom 12. Mai 2011, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/geschichte\/zeitgeschichte\/deutschlandarchiv\/53890\/jugendkultur-in-der-ddr?p=all\">https:\/\/www.bpb.de\/geschichte\/zeitgeschichte\/deutschlandarchiv\/53890\/jugendkultur-in-der-ddr?p=all<\/a> (eingesehen am 21. Jul. 2020).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> K\u00f6tzing, Andreas. \u201eZensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik. \u201aBerlin \u2013 Ecke Sch\u00f6nhauser.\u2018\u201c In: <em>bpb Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 1-2\/2009). Politische Kultur im Kalten Krieg.<\/em> 18. Dez. 2008, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/32270\/zensur-von-defa-filmen-in-der-bundesrepublik?p=3\">https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/32270\/zensur-von-defa-filmen-in-der-bundesrepublik?p=3<\/a> (eingesehen am 7. Aug. 2020).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Hier zitiert nach: Rauhut, S. 162.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Kolitsch, Thomas. \u201eThe Monotony of the Yeah, Yeah, Yeah \u2013 Official Ways of Dealing with Western Popular Music in the GDR.\u201c In: <em>Ambivalent Americanizations: Popular and Consumer Culture in Central and Eastern Europe.<\/em> Ed. Sebastian M. Herrmann et al, Heidelberg: Universit\u00e4tsverlag Winter, 2008, pp. 51-62.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Dies wird anschaulich dargestellt in der Kom\u00f6die <em>Sonnenallee. <\/em>Regie: Leander Hau\u00dfmann, Boje Buck Produktion, 1999, die das Lebensgef\u00fchl der Ostberliner Jugend in den 1970er-Jahren einf\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> \u201eAktion Ochsenkopf.\u201c In: <em>Der Spiegel<\/em>, Nr. 37, 1961, S. 23.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Der Zwischentitel ist folgender Doku entnommen: <em>Kalter Krieg der Konzerte: Wie Bruce Springsteen den Osten rockte.<\/em> Regie: Carsten Fiebeler, Dokumentation, arte, 2013. (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nRJc-bcv4es\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nRJc-bcv4es<\/a>, eingesehen am 21. Jul. 2020). Vgl.: \u201eMein Sommer &#8217;88\u00a0\u2013 Wie die Stars die DDR rockten.\u201c Ein Film von Carsten Fiebeler und Daniel Remsperger. Spielfilm, DOKfilm Fernsehproduktion GmbH, 2013. (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GCcAK2MZFeA\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GCcAK2MZFeA<\/a>, eingesehen am 21. Jul. 2020).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kalte Krieg der Kulturen: &nbsp; Wie die DDR den Kampf gegen &nbsp; die Rockmusik verlor &nbsp; Janine Ludwig, Dickinson College, Carlisle, Pennsylvania, Universit\u00e4t Bremen &nbsp; \u201eMy only deep sorrow,\u201c he said, \u201eis the unrelenting insistence of recording and motion picture companies upon purveying the most brutal, ugly, degenerate, vicious form of expression it has [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4340,"featured_media":0,"parent":6396,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6460","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4340"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6460\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}