{"id":6636,"date":"2020-09-11T06:00:33","date_gmt":"2020-09-11T10:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=6636"},"modified":"2020-12-25T06:50:46","modified_gmt":"2020-12-25T11:50:46","slug":"vi-buchbesprechungen-caspar-battegay-naomi-lubrich-judische-schweiz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-45-2020\/vi-buchbesprechungen-caspar-battegay-naomi-lubrich-judische-schweiz\/","title":{"rendered":"VI. Buchbesprechungen: Caspar Battegay, Naomi Lubrich. J\u00fcdische Schweiz"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Caspar Battegay, Naomi Lubrich. <\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong><em>J\u00fcdische Schweiz: <\/em><\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong><em>50 Objekte erz\u00e4hlen Geschichte. <\/em><\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong><em>Jewish Switzerland:<\/em> <\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong><em>50 Objects Tell Their Stories.<\/em><\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Basel: Christian Merian Verlag, 2018, 232 Seiten.<\/h2>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><\/h2>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Frederick A. Lubich, Norfolk, Virginia<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der deutschsprachige Text dieses Bandes wurde von dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Caspar Battegay und der Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Naomi Lubrich verfasst und von Rebecca Schuman (St. Louis, USA) ins Englische \u00fcbertragen. In ihrer Eigenschaft als Direktorin des J\u00fcdischen Museums der Schweiz in Basel stellte Naomi Lubrich auch einen Gro\u00dfteil der in diesem Band abgebildeten Gegenst\u00e4nde zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Herkunft dieser Objekte reicht von seltenen, zum Teil wertvollen Ritualobjekten aus der Antike bis zu Gegenst\u00e4nden aus dem Alltagsleben der Gegenwart. Sie werden jeweils unter stichwortartigen \u00dcberschriften zweispaltig in deutscher und englischer Sprache auf insgesamt durchschnittlich zweieinhalb Seiten vorgestellt und in ihren sozialgeschichtlichen und kulturhistorischen Zusammenh\u00e4ngen weiter ausgedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um hier nur einige der bemerkenswertesten Gegenst\u00e4nde zu nennen, die aus den letzten 2000 Jahren j\u00fcdischer Kulturgeschichte ausgew\u00e4hlt wurden: Eine r\u00f6mische M\u00fcnze (ca. 70 unserer Zeitrechnung), eine r\u00f6mische \u00d6llampe aus Jerusalem (1. Jh.), ein Menora-Ring (4. Jh.) ein Grabstein aus Basel (1222), eine Seite der ber\u00fchmten Schedel\u2018schen Weltchronik (1493) mit der wohl bekanntesten Darstellung einer mittelalterlichen Judenverbrennung, eine sogenannte Miserikordie (Judensau) aus dem Basler M\u00fcnster (1375), eine Thorarolle aus Kairo (13. oder 14. Jh.), eine Beschneidungsbank (18. Jh.), eine Taschenuhr (1901), eine Postkarte von Albert Einstein aus Bern (1902), eine Gitarre aus dem Konzentrationslager Buchenwald (1937-1945), ein Fl\u00fcchtlingskoffer (1938), die Schreibmaschine von Anne Franks Vater Otto Frank (ca. 1960) und last but not least zwei Kippot mit Insignien der Basler Fu\u00dfballklubs FCB und FCZ (2016). Stand der erste Text unter dem ersten Bild unter der bezeichnenden \u00dcberschrift \u201eDas Exil beginnt\u201c, so steht der letzte Text unter diesem letztgenannten Bild unter der sprechenden \u00dcberschrift \u201eDazugeh\u00f6ren\u201c, welches das endg\u00fcltige Ende des Exils und die reale Integration des j\u00fcdischen Volkes in die Schweizer Gesellschaft auf sinnf\u00e4llige Weise unterstreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits der erste Gegenstand, eine r\u00f6mische M\u00fcnze, die ca. 70 unserer Zeitrechnung gepr\u00e4gt wurde und unter der \u00dcberschrift \u201edas Exil beginnt\u201c vorgestellt wird, veranschaulicht das Konzept dieses Bildbandes auf beispielhafte Weise. Es ist eine Gedenkm\u00fcnze aus Lyon, die auf der einen Seite das Haupt des r\u00f6mischen Kaisers Vespasian darstellt, der im Jahr 70 unserer Zeitrechnung mit der Zerst\u00f6rung des j\u00fcdischen Tempels in Jerusalem das j\u00fcdische Volk in die weltweite Zerstreuung getrieben hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Ereignis von so gro\u00dfer geschichtlicher Tragweite findet denn auch auf der R\u00fcckseite der M\u00fcnze seine weitere sinnbildliche Veranschaulichung. Auf der rechten Seite sitzt eine Frauenfigur unter einer Palme. Die Palme symbolisiert den Autoren zufolge Jud\u00e4a und die Frauenfigur personifiziert das trauernde Volk der Juden. Auf der linken Seite steht Kaiser Vespasian in Siegerpose. In der rechten Hand h\u00e4lt er einen Speer und in der linken einen Dolch, die emblematische Waffe der r\u00f6mischen Legion\u00e4re. Der beschreibende Text summiert diese facettenreiche Symbolik: \u201eRom versus Jerusalem; Mann versus Frau; Sieg versus Trauer. Die Kontraste werden im Schriftzug auf der M\u00fcnze zusammengefasst: IVDAEA CAPTA (=Jud\u00e4a ist erobert)\u201c (18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres bedeutungs- und unheilschwangeres Beispiel stellt die sogenannte Miserikordie aus dem Basler M\u00fcnster (1375) dar. Es handelt sich dabei in anderen Worten &#8211; und in schrecklichem Deutsch &#8211; um die als \u201eJudensau\u201c bekannt gewordene antij\u00fcdische Allegorie auf mittelalterlichen Kirchenfassaden, die hier unter dem Titel \u201eMoral und Schande\u201c (46) in ihrem weiteren historischen Kontext interpretiert wird. Derartige Skulpturen spielten in der christlichen Gesellschaft jener Zeit in der Tat eine mehrfache Rolle. So besa\u00dfen sie unter anderem auch eine soziale S\u00fcndenbockfunktion, auf die sich die \u00dcbel und Missst\u00e4nde jener Zeit leicht projizieren lie\u00dfen. Entsprechend war das Resultat f\u00fcr Juden auch immer wieder fatal-katastrophal. So hei\u00dft es etwa im begleitenden Text faktisch-lapidar: \u201eDer Herstellungszeitpunkt war f\u00fcr die j\u00fcdisch-christlichen Beziehungen in Basel ein besonders sensibler. Basel hatte im Zusammenhang mit der Pestepidemie von 1348\/49 die Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde, die nicht bereits geflohen waren, auf der Rheininsel verbrannt.\u201c (49)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wenige Monate nach Erscheinen dieses Bandes sollte die Diskussion um diese schmachvolle \u201eJudensau\u201c erneute Brisanz und Aktualit\u00e4t gewinnen, als sich in Deutschland die Stimmen zu mehren begannen, derartige Schandbilder aus dem Mittelalter endlich von deutschen Kirchenbauten zu entfernen. Dieser \u00f6ffentliche, zeitgen\u00f6ssische Meinungsstreit findet im heutigen S\u00fcden der Vereinigten Staaten in der reihenweisen Demontage von Standbildern konf\u00f6derativer Gener\u00e4le sein fernes Spiegelbild und seine letztendlich folgerichtige Schlichtung und endg\u00fcltige L\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das dritte und letzte Beispiel, das hier etwas ausf\u00fchrlicher zur Sprache kommen soll, ist die Gitarre aus dem Konzentrationslager Buchenwald (1937-1945), die hier unter der \u00dcberschrift \u201eDas Lied vom Leben\u201c (162) vorgestellt und \u2013 zumindest sinnbildlich gesprochen \u2013 erneut zum denkw\u00fcrdigen Klingen gebracht wird. Es handelt sich bei dieser Gitarre um ein Instrument, das von H\u00e4ftlingen in Buchenwald aus einer Zigarrenkiste mit N\u00e4geln, Schrauben und Draht zusammengebaut worden war. Die Autoren erinnern in diesem Zusammenhang noch einmal an die verschiedenen Rollen, welche die Musik in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches zu spielen hatte, angefangen vom erzwungenen Singen der Zwangsarbeiter \u00fcber Konzerte am Appellplatz bis zum heimlich gemeinsamen Singen jiddischer Widerstandslieder osteurop\u00e4ischer Juden, die oft unter besonders schlimmen Bedingungen arbeiten mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autoren gedenken an dieser Stelle auch der in Buchenwald inhaftierten Kabarettisten Fritz L\u00f6hner-Beda und Hermann Leopoldi, die dort gezwungen wurden, das \u201eBuchenwaldlied\u201c zu komponieren, das dann als Marschlied von Arbeiterkolonnen gesungen werden musste. Des Weiteren findet auch der Berliner Jazz-Gittarist Coco Schumann Erw\u00e4hnung, der in Auschwitz-Birkenau aufspielen musste und dort durch seine Kunst das ber\u00fcchtigte Todeslager \u00fcberlebte. Dieser Zauberkraft der Musik verdankte auch die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch ihr \u00dcberleben in Auschwitz. Am 17. Juli 2020 konnte sie in London ihren 95. Geburtstag feiern. Sie ist sicherlich die letzte Zeitzeugin und bekannte Vertreterin dieser musikalischen \u00dcberlebenskunst. (Siehe in dieser Ausgabe Michael Eskins Hommage an die K\u00fcnstlerin.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im weiteren, sinnbildliche Sinne dieser musikalischen Erbauungs- und Unterhaltungskunst l\u00e4sst sich auch f\u00fcr diesen vorliegenden Band abschlie\u00dfend schlussfolgern: Was f\u00fcr ein gelungenes Kunstst\u00fcck, zweitausend Jahre j\u00fcdischer Lebens- und \u00dcberlebensgeschichte so spielerisch an Hand von 50 Gegenst\u00e4nden in konzisen Prosaminiaturen auf informative und illustrative Art und Weise vor Augen zu f\u00fchren. Gegen Ende des Bandes gewinnt zudem die Vorstellung und Ausdeutung der Anschauungsobjekte zunehmend an Humor und Ironie. Grad so, als k\u00f6nnte das \u201etrauernde Volk der Juden\u201c, als das es eingangs auf der R\u00fcckseite der r\u00f6mischen M\u00fcnze dargestellt war, nach zweitausend Jahren systematischer Diskriminierung und Drangsalierung endlich aufatmen und sich mehr und mehr am Leben erfreuen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am anschaulichsten kommt dies sicherlich in dem Bild mit dem dazugeh\u00f6rigen Text zum Ausdruck: \u201eDie Sch\u00f6pfung bestaunen. Benyamin Reich fotografiert seinen Vater auf Skiern\u201c (198) aus dem Jahre 2016. Das Foto zeigt den Vater des Fotografen als wei\u00dfb\u00e4rtigen Mann im Schtreimel und Tallit, also im Pelzhut und Gebetsmantel der orthodoxen Juden, wie er vergn\u00fcgt auf Skiern den Berghang hinabf\u00e4hrt, w\u00e4hrend im Hintergrund das Schweizer Hochgebirge majest\u00e4tisch in den blauen, wolkenlosen Himmel ragt. Diese Szenerie hoch \u00fcber dem Walliser Ferienort Saas-Fee ist f\u00fcr die Autoren der gegebene Anlass, die gro\u00dfe Bedeutung der Schweiz f\u00fcr den j\u00fcdischen Fremdenverkehr darzustellen, der am Ende des 19. Jahrhunderts begann: \u201eReligi\u00f6se J\u00fcdinnen und Juden sind bis heute eine umworbene Touristengruppe in der Schweiz. Allein in St. Moritz verbringen jeden Sommer rund dreitausend religi\u00f6se j\u00fcdische Ferieng\u00e4ste aus aller Welt ihren Urlaub.\u201c (200)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so gipfelt denn auch diese heitere Vignette in einer bezeichnend humorvollen Anekdote, die Samson Raphael Hirsch, dem Begr\u00fcnder der j\u00fcdischen Neo-Orthodoxie zugeschrieben wird, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland wirkte und von dem es hei\u00dft, dass er gesagt haben soll: \u201eWerde er einmal vor Gott dem Sch\u00f6pfer stehen, so werde er ihm Rechenschaft ablegen m\u00fcssen auf die Frage: \u201aHast du meine Alpen gesehen?\u2018\u201c (198) Im R\u00fcckblick gibt sich diese g\u00f6ttliche Frage in der Tat als erhebender H\u00f6hepunkt dieser so leichtf\u00fc\u00dfig daherkommenden, so weitbewanderten und letztlich so lebensweise befl\u00fcgelten <em>tour d\u2019horizon <\/em>zu erkennen. Und vielleicht ist die so g\u00f6ttlich bodenst\u00e4ndige Frage des H\u00f6chsten auch die beste Antwort auf all die irdischen Wahrheitssucher, die seit Menschengedenken Gott im Himmel zu finden hoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Traduttore, traditore \u2013 der \u00dcbersetzer ist ein Verr\u00e4ter, so gibt das italienische Sprichwort allen Lesern \u00fcbersetzter Texte zu bedenken. Obgleich recht \u00fcbertrieben, ist diese berufliche Unterstellung im Grunde genommen durchaus berechtigt in Anbetracht der Tatsache, dass sprachliche Nuancen oft wirklich nicht vollst\u00e4ndig in ein anderes Idiom \u00fcbertragbar sind. Mit dieser Herausforderung sieht sich Rebecca Schuman, die \u00dcbersetzerin dieser zweisprachigen Ausgabe, bereits im Untertitel des Buches konfrontiert. \u201e50 Objekte erz\u00e4hlen Geschichte\u201c ist nicht ganz deckungsgleich mit der englischen \u00dcbertragung \u201c50 Objects Tell Their Stories\u201c. W\u00e4hrend sich in der deutschen Version die erz\u00e4hlten Geschichten zur erlebten Geschichte verdichten, wird im Englischen aus den einzelnen \u201estories\u201c keine zusammenh\u00e4ngende \u201ehistory\u201c. Dieser wortspielerische Bedeutungsverslust ist freilich unvermeidlich auf Grund der deutschen Doppelbedeutung von \u201eGeschichte\u201c, ein Wort, das ja sowohl \u201estory\u201c wie auch \u201ehistory\u201c bezeichnen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re an dieser Stelle eventuell zu \u00fcberlegen gewesen, ob nicht hier eine erkl\u00e4rende Fu\u00dfnote angebracht gewesen w\u00e4re. Des Weiteren w\u00e4re vielleicht auch eine \u00dcbersetzung von deutschen Buchtiteln und Eigennamen ratsam gewesen, wie etwa zu \u201eWeltchronik\u201c, \u201eBabylonische Wandrung\u201c oder \u201eBodensee\u201c, denn nicht jedem englischsprachigen Leser d\u00fcrften die genauen Bedeutungen der deutschen Namen oder wie im Fall des Bodensees die englische Entsprechung \u201eLake Constance\u201c gel\u00e4ufig sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere \u00fcbersetzerische H\u00fcrde stellen die diversen geschlechterdifferenzierenden Gepflogenheiten und Sprachregelungen in den verschiedenen Sprachen dar. W\u00e4hrend etwa der deutsche Titel \u201cDer Mensch ist frei geschaffen\u201c (94) geschlechtsneutral ist, schrumpft er in der englischen \u00dcbersetzung \u201cMan is Created Free\u201c (94) automatisch auf das m\u00e4nnliche Geschlecht zusammen. Hier h\u00e4tte vielleicht im englischen Text eine erkl\u00e4rende Fu\u00dfnote auf dieses linguistische Dilemma aufmerksam machen k\u00f6nnen, zumal sich die wachsende Beliebtheit und Verbreitung des aus dem Deutschen und Jiddischen entlehnten Wortes \u201eMensch\u201c in der amerikanischen Sprache als erkl\u00e4rende Br\u00fccke geradezu angeboten h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Komplex und intrikat ist auch die Problematik der korrekten \u00dcbersetzung von geschlechterdifferenzierenden Sammelbegriffen wie \u201eArbeiterinnen und Arbeiter\u201c oder in der in diesem Band wiederholten Wendung \u201eJ\u00fcdinnen und Juden\u201c, wof\u00fcr die englische Umschreibung \u201eJews and Jewesses\u201c oder \u201emale and female workers\u201c nicht nur umst\u00e4ndlich, sondern zudem in den meisten F\u00e4llen zudem unn\u00f6tig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als abschlie\u00dfende Erg\u00e4nzung der \u00dcbersetzungsproblematik von \u201eGeschichte\u201c zu Beginn des Bandes mag die \u00dcbersetzung von \u201eDazugeh\u00f6ren\u201c als \u201eBelonging\u201c (214) am Ende dieses Bandes dienen. Auch diese \u00dcbersetzung ist nicht vollkommen deckungsgleich, denn \u201ebelong\u201c bezeichnet lediglich \u201egeh\u00f6ren\u201c, w\u00e4hrend es f\u00fcr die deutsche Nuance des Dazugeh\u00f6rens im Sinne von \u201eto be a part of something\u201c, \u201eto be socially integrated\u201c in der englischen Sprache kein entsprechendes \u00c4quivalent gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Kenner und Liebhaber beider Sprachen bietet diese zweisprachige Ausgabe jedenfalls immer wieder aufschlussreiche Beispiele, an denen sich die verschiedenen Herausforderungen und mehr oder weniger gelungenen L\u00f6sungen einer \u00dcbersetzungen unmittelbar auf derselben Seite nachlesen und \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Zu letzteren geh\u00f6ren auch kreative Umschreibungen wie etwa die \u00dcbersetzung von \u201eEin Buch, ein Politikum\u201c als \u201eOne Book, One Political Minefield\u201c (54). Im Fall von \u201eAufstieg und Niedergang\u201c (114) einer j\u00fcdischen Gemeinde w\u00e4re allerdings \u201eRise and Demise\u201c zutreffender gewesen als \u201eRise and Fall\u201c, ein Ausdruck, der freilich in der englischen Sprache eine stehende Redewendung ist, selbst wenn von einem buchst\u00e4blichen Fall &#8211; der ja wortw\u00f6rtlich im Handumdrehen und vor allem pl\u00f6tzlich passiert &#8211; in all den F\u00e4llen, die Aufstiege und Niederg\u00e4nge gr\u00f6\u00dferer Gruppierungen bezeichnen, \u00fcberhaupt keine Rede sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andrerseits stellt die freie \u00dcbersetzung des Titels \u201eWer liebt, hat recht, Salatsch\u00fcssel von Familie Sauter\u201c (186) als \u201eLove is in the Bowl\u201c in seiner dichterischen Freiheit geradezu eine inhaltliche, wenn nicht gar klangliche Bereicherung dar, da f\u00fcr hellh\u00f6rige, englischsprachige Leser in diesem Satz auch noch die romantische Redewendung \u201elove is in the air\u201c mehr oder weniger unterschwellig mitschwingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieht man einmal von so offenkundigen Fehl\u00fcbersetzungen wie zum Beispiel \u201eHandel und H\u00e4ndel\u201c als \u201eTrade and Commerce\u201c (70) ab, dann erweist sich die englischsprachige Version dieses Bandes &#8211; auch nach zahlreichen Stichproben &#8211; insgesamt betrachtet immer wieder als einf\u00fchlsame, eloquent-elegante \u00dcbertragung des deutschsprachigen Originals. Eine Bibliografie, sowie ein Bild- und Objektnachweis beschlie\u00dfen diesen so bild- und bildungsreichen Sammelband, dem man in seiner ansprechenden, zweisprachigen Gelehrsamkeit und Unterhaltsamkeit viele Leser und Betrachter diesseits und jenseits des Atlantiks w\u00fcnscht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Caspar Battegay, Naomi Lubrich. &nbsp; J\u00fcdische Schweiz: &nbsp; 50 Objekte erz\u00e4hlen Geschichte. &nbsp; Jewish Switzerland: &nbsp; 50 Objects Tell Their Stories. &nbsp; Basel: Christian Merian Verlag, 2018, 232 Seiten. Frederick A. 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