{"id":7037,"date":"2020-12-23T08:23:27","date_gmt":"2020-12-23T13:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7037"},"modified":"2023-03-20T23:09:13","modified_gmt":"2023-03-21T03:09:13","slug":"iii-kulturgeschichtliche-analysen-deutsche-hymnen-im-vergleich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/home-2\/glossen-46-2020-current-issue\/iii-kulturgeschichtliche-analysen-deutsche-hymnen-im-vergleich\/","title":{"rendered":"III. Kulturgeschichtliche Analysen: Deutsche Hymnen im Vergleich"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Deutsche Hymnen im Vergleich:<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den interaktiven<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Sprach- und Geschichtsunterricht<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Janine Ludwig, Dickinson College, Bremen, Berlin, Germany<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Genese der deutschen Nationalhymne ist faszinierend und kompliziert. Anhand ihrer wechselvollen Geschichte \u00fcber 180 Jahre hinweg l\u00e4sst sich exemplarisch und \u201ein a nutshell\u201c die dramatische und problematische deutsche Geschichte vom 19. Jahrhundert bis heute nachvollziehen. Deshalb eignet sich dieses Thema hervorragend f\u00fcr den Deutschunterricht \u2013 eine m\u00f6gliche Unterrichtseinheit von 1-4 Stunden wird hier vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie empfiehlt sich f\u00fcr Studenten der Mittelstufe (Europ\u00e4ischer Referenzrahmen B1 und B2); \u00dcbersetzungshilfen f\u00fcr ungew\u00f6hnliche Worte sind beigef\u00fcgt. Passende Bilder, Landkarten und Musikst\u00fccke sind jeweils eingef\u00fcgt. Alle vier Teile k\u00f6nnen im Prinzip getrennt bzw. unabh\u00e4ngig voneinander behandelt werden; der vierte und letzte, auf Europa verweisende Teil empfiehlt sich aufgrund des Schiller\u2019schen Gedichtes eher f\u00fcr B2-\/C1-Niveau. Die Unterrichtseinheit ist interaktiv angelegt, d.h. die Studenten werden zum R\u00e4tseln, Nachschlagen, Interpretieren, Argumentieren aufgefordert. Schlie\u00dflich kann der gesamte Komplex \u201eschwieriges Verh\u00e4ltnis der Deutschen zu ihrer Nation\/Geschichte\/Vergangenheit\/Hymne\/Flagge\u201c im kontrastierenden Vergleich mit der eigenen, US-amerikanischen Hymne\/Flagge\/Geschichte und dem eigenen Verst\u00e4ndnis von Patriotismus als Diskussionsgrundlage dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man erl\u00e4utere den Studenten kurz die Tatsache, dass es in relativ rascher Abfolge die deutsche Kleinstaaterei, das Kaiserreich (1871-1918), die demokratische Weimarer Republik (1918-1933), das faschistische Dritte Reich (1933-1945) und zwei in Ost vs. West geteilte deutsche Staaten (DDR und BRD, 1949-1990) gab sowie seit dem 3.10.1990 das vereinte Deutschland besteht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Teil : Nachkriegszeit und geteiltes Deutschland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann lege man ihnen folgenden Text vor (ohne die Unterstreichungen, die hier zur sp\u00e4teren Interpretation vorgeschlagen sind) und frage, in welchem Land dieser wohl die Nationalhymne (gewesen) sei:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auferstanden aus <u>Ruinen<br \/>\n<\/u>und <u>der Zukunft zugewandt<\/u>,<br \/>\nlass uns dir zum Guten dienen,<br \/>\n<u>Deutschland einig Vaterland<\/u>.<br \/>\n<u>Alte Not<\/u> gilt es zu zwingen,<br \/>\nund wir zwingen sie vereint,<br \/>\ndenn es muss uns doch gelingen,<br \/>\ndass die Sonne sch\u00f6n wie nie<br \/>\n\u00fcber Deutschland scheint,<br \/>\n\u00fcber Deutschland scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fcck und <u>Frieden<\/u> sei beschieden<br \/>\nDeutschland, unserm Vaterland.<br \/>\nAlle Welt sehnt sich nach <u>Frieden<\/u>,<br \/>\nreicht den V\u00f6lkern eure Hand.<br \/>\nWenn wir br\u00fcderlich uns einen,<br \/>\nschlagen wir des <u>Volkes<\/u> Feind.<br \/>\nLasst das Licht des <u>Friedens<\/u> scheinen,<br \/>\ndass nie eine Mutter mehr<br \/>\nihren <u>Sohn beweint<\/u>,<br \/>\nihren Sohn beweint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasst uns <u>pfl\u00fcgen<\/u>, lasst uns <u>bauen<\/u>,<br \/>\nlernt und schafft wie nie zuvor,<br \/>\nund der eignen Kraft vertrauend,<br \/>\n<u>steigt ein frei Geschlecht empor<\/u>.<br \/>\nDeutsche Jugend: bestes Streben<br \/>\nuns\u02bcres <u>Volks<\/u> in dir vereint,<br \/>\nwirst du Deutschlands neues Leben.<br \/>\nUnd die Sonne sch\u00f6n wie nie<br \/>\n\u00fcber Deutschland scheint,<br \/>\n\u00fcber Deutschland scheint.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00dcbersetzungshilfen:<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">auferstehen aus = to rise from; die Ruine (Pl. -en) = ruin(s); sich etwas zuwenden = to turn to; dienen = to serve; einig = one, in unity; die Not = misery, hardship; es gilt etwas zu tun = sth. needs to be done; zwingen = to force; vereinen = to unify; gelingen = to succeed in; jdm. etw. beschieden sein = sth. to be granted to sb.; sich nach etw. (Dativ) sehnen = to yearn for; jdm. die Hand reichen = to extend one\u2019s hand to sb.; schlagen = to beat; das Volk = the people; der Feind = the enemy; beweinen = to beweep, cry over; pfl\u00fcgen = to plow; schaffen = to create, produce; zuvor = before; die Kraft = strength, power; vertrauen = to trust; emporsteigen = to rise up; das Geschlecht = hier: (human) race, elsewhere: gender, species; das Streben = the striving; scheinen = to shine, elsewhere: to seem<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7037-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-1.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-1.mp3\">http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-1.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen der Zeile \u201eDeutschland einig Vaterland\u201c vermuten die Studenten h\u00e4ufig, dass es die Hymne des heutigen, vereinten Landes sei. Tats\u00e4chlich handelt es sich aber um die im Oktober\/November 1949 entstandene Nationalhymne der DDR, verfasst von dem sozialistischen Dichter und ersten DDR-Kulturminister Johannes R. Becher (1891-1958) zu der Musik von Hanns Eisler (1898-1962).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%; height: 448px;\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 448px;\">\n<td style=\"width: 13.3658%; height: 448px;\"><\/td>\n<td style=\"width: 77.6516%; height: 448px;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymnen-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7040\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymnen-2-300x256.png\" alt=\"\" width=\"413\" height=\"352\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymnen-2-300x256.png 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymnen-2-768x655.png 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymnen-2.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Nationalhymne der DDR, Text nach Leben Singen K\u00e4mpfen. <em>Liederbuch der deutschen Jugend<\/em> (1954) (Foto: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auferstanden_aus_Ruinen\">Wikipedia<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 8.98261%; height: 448px;\">&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meist wundern sich die Studenten, dass in dem Land, von dem sie geh\u00f6rt haben, es sei gegen die deutsche Einheit gewesen, eine Formulierung wie \u201eDeutschland einig Vaterland\u201c erlaubt und sogar prominent war. Da haben sie nat\u00fcrlich v\u00f6llig recht, denn dies war nur am Anfang der Fall. Man kann hier kurz die Entstehung der deutschen Zweistaatlichkeit erl\u00e4utern: 1945 wurde das besiegte Dritte Reich entsprechend der Festlegungen der Konferenz von Jalta in vier Besatzungszonen (amerikanisch, britisch, franz\u00f6sisch, sowjetisch) aufgeteilt. Dann vereinigten sich die drei westlichen Zonen sukzessive zur \u201eTrizone\u201c und f\u00fchrten eine gemeinsame W\u00e4hrung, die D-Mark ein, was Stalin w\u00fctend mit der Abriegelung der in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Enklave Westberlin beantwortete, der wiederum die USA mit der Luftbr\u00fccke (Berlin Airlift) widerstanden. Schlie\u00dflich erfolgte am 23. Mai 1949 die Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland (BRD, engl.: Federal Republik of Germany, FRG) und am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR, engl.: German Democratic Republic, GDR).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch wurde diese Zweiteilung von beiden deutschen Staaten anfangs noch nicht als endg\u00fcltig verstanden: Die Bundesrepublik hatte in die Pr\u00e4ambel ihres Grundgesetzes das sogenannte \u201eWiedervereinigungsgebot\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> aufgenommen, also den verfassungsrechtlichen Auftrag, eine Wiedervereinigung anzustreben; da es nach wie vor ein Deutschland als Ganzes gebe. Die DDR wurde nicht als eigenst\u00e4ndiger Staat v\u00f6lkerrechtlich anerkannt, sondern als diktatorisch besetzter Teil gesehen, f\u00fcr den die Bundesrepublik sich nach wie vor zust\u00e4ndig erkl\u00e4rte (\u201eAlleinvertretungsanspruch\u201c f\u00fcr das gesamte deutsche Volk). Auch die DDR bezeichnete in ihrer ersten Verfassung von 1949 im Artikel 1 \u201eDeutschland [als] eine unteilbare demokratische Republik\u201c mit nur einer deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit f\u00fcr das \u201edeutsche[] Volk[] in seiner Gesamtheit\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die zweite Verfassung von 1968<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> benannte zwar bereits die Teilung und avisierte die \u201eHerstellung und Pflege normaler Beziehungen und die Zusammenarbeit der beiden deutschen Staaten\u201c, hielt aber am Ziel einer \u201eAnn\u00e4herung der beiden deutschen Staaten bis zu ihrer Vereinigung\u201c fest (Artikel 8 Abs. 2). Der Artikel 1 beharrte mit seinem ersten Satz \u2013 \u201eDie Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation\u201c \u2013 trotz der Trennung in zwei Staaten auf der sozusagen auf einer h\u00f6heren Ebene stehenden, \u00fcbergreifenden deutschen <em>Nation<\/em>. Dieser Begriff wurde schlie\u00dflich in der dritten und letzten Fassung der Verfassung 1974 getilgt und ersetzt durch: \u201eDie Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern.\u201c Damit hatte die DDR die Zweistaatlichkeit f\u00fcr sich besiegelt, w\u00e4hrend die Bundesrepublik das Wiedervereinigungsgebot bis 1990 in ihrem Grundgesetz behielt, obwohl sich Stimmen mehrten, es aufzugeben. In diesem Zusammenhang wurde bereits seit 1971 \u2013 dem Jahr, in dem Erich Honecker die Macht \u00fcbernommen hatte \u2013 die DDR-Hymne nur noch instrumental, also ohne Text, gespielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7037-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-3.mp3?_=2\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-3.mp3\">http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-3.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kann man mit den Studenten den Text interpretieren, um etwas \u00fcber das Selbstverst\u00e4ndnis der DDR in ihrer Anfangszeit herauszufinden. Fragt man danach, welches Substantiv am h\u00e4ufigsten vorkommt, so findet sich \u2013 neben Deutschland \u2013 das Wort \u201eFrieden\u201c mit dreimaliger Nennung. Dies passt zur Selbstinszenierung der DDR als sogenannte \u201eFriedensmacht\u201c, was auch in einem h\u00e4ufig benutzen Bild der (von Pablo Picasso \u00fcbernommenen) \u201eFriedenstaube\u201c symbolisiert wird. Weiterhin findet sich zweimal \u201eVolk\u201c und einmal \u201eV\u00f6lker\u201c, woran man erl\u00e4utern kann, dass die politische F\u00fchrung stets behauptete, alles f\u00fcr das Volk und in seinem Namen zu tun, und diesen Begriff h\u00e4ufig verwendete (Volkseigentum, Volkspolizei etc.). Darauf bezog sich in der Revolution vom Herbst 1989 der ber\u00fchmte Slogan \u201eWir sind das Volk!\u201c \u2013 was hie\u00df: nicht ihr! \u2013, der die Regierenden daran erinnern sollte, wer der eigentliche Souver\u00e4n des Landes sei. Sucht man schlie\u00dflich im Text nach Spuren des erst k\u00fcrzlich zur\u00fcckliegenden Zweiten Weltkrieges, so findet man diese in der Mutter, die ihren Sohn beweint, der wohl als Soldat im Krieg gefallen ist, und in der ersten Zeile \u201eAuferstanden aus Ruinen\u201c, also aus dem beinahe komplett zerst\u00f6rten und zerbombten Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So erkl\u00e4rt sich auch, dass der Text praktisch keine Verweise auf althergebrachte Traditionen oder \u00fcberlieferte Kultur enth\u00e4lt \u2013 untypisch f\u00fcr eine Hymne \u2013, sondern sich vollst\u00e4ndig \u201eder Zukunft zugewandt\u201c pr\u00e4sentiert. Die Vergangenheit wird nur als \u201ealte Not\u201c bezeichnet, die es zu \u201ezwingen\u201c, das hei\u00dft zu \u00fcberwinden gelte. Dies entsprach dem Selbstverst\u00e4ndnis der DDR als neuer antifaschistischer Staat, der sich nicht f\u00fcr die Verbrechen des untergegangenen Nazireiches verantwortlich sah, w\u00e4hrend die Bundesrepublik die Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches offiziell antrat. Der Aufruf \u201eLasst uns pfl\u00fcgen, lasst uns bauen\u201c verweist in umgekehrter Reihenfolge auf die Selbstbezeichnung als \u201eArbeiter- und Bauernstaat\u201c sowie zugleich auf das Aufbaupathos der jungen DDR, mit dem die politische F\u00fchrung das Volk zum Wiederaufbau des deindustrialisierten Landes anzuhalten versuchte. Dazu spannte sie auch die (durchaus willigen) Intellektuellen und K\u00fcnstler ein, weshalb man eine fr\u00fche Phase der DDR-Literatur insgesamt als \u201eAufbauliteratur\u201c bezeichnet. Die Zeile \u201esteigt ein frei Geschlecht empor\u201c erinnert an die in der DDR zur vorweggenommenen sozialistischen Utopie stilisierte Zukunftsvision aus Goethes <em>Faust I<\/em>, \u201eAuf freiem Grund mit freiem Volke stehn\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Teil: Tradition aus dem 19. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun lege man folgenden Text vor und frage wiederum, welchem der verbleibenden drei Staaten (Kaiserreich, alte Bundesrepublik, vereintes Deutschland) dieser wohl zugeh\u00f6rig ist:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Einigkeit und Recht und Freiheit<br \/>\n<\/u>F\u00fcr das deutsche Vaterland!<br \/>\nDanach lasst uns alle streben<br \/>\nBr\u00fcderlich <u>mit Herz und Hand<\/u>!<br \/>\nEinigkeit und Recht und Freiheit<br \/>\nSind des Gl\u00fcckes Unterpfand \u2013<br \/>\nBl\u00fch im Glanze dieses Gl\u00fcckes,<br \/>\n<u>Bl\u00fche<\/u>, deutsches Vaterland!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00dcbersetzungshilfen:<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">die Einigkeit = unity; das Recht = right, justice, law; die Freiheit = freedom; streben = to strive for; das Unterpfand (antiquated) = here: (pre)requisite, elsewhere: collateral, mortgage; bl\u00fchen = to blossom, bloom; der Glanz = splendor<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche Studenten erkennen hierin vielleicht die Hymne sowohl der alten als auch der heutigen Bundesrepublik. Die Trias \u201eEinigkeit und Recht und Freiheit\u201c, die ein Gegenentwurf zur Parole der Franz\u00f6sischen Revolution von 1789, \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c, ist, stand sowohl auf den fr\u00fcheren 5-DM-M\u00fctzen als auch auf heutigen deutschen 2-Euro-M\u00fcnzen. Das gemeinsame (br\u00fcderliche) Streben nach diesen demokratischen Werten soll die Voraussetzung f\u00fcr das Erbl\u00fchen \u2013 im Sinne des Aufgehens der Bl\u00fcte einer Blume \u2013 des deutschen Vaterlandes schaffen. Der <a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/bluehen\">Duden <\/a>offeriert neben der Blumenbedeutung als Synonyme f\u00fcr \u201ebl\u00fchen\u201c die Formulierungen \u201egedeihen, florieren\u201c; man spricht auch von \u201ein voller Bl\u00fcte stehen\u201c. Auch hier erkennt man vor allem einen Bezug auf die Zukunft, jedoch nicht auf Vergangenheit oder Tradition. Man kann auch fragen, ob diese acht Zeilen nicht recht knapp sind f\u00fcr eine Nationalhymne, und feststellen: Dieser Text ist nur die letzte Strophe eines eigentlich dreistrophigen Gedichts von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) mit dem Titel <em>Das Lied der Deutschen<\/em>, auch <em>Deutschlandlied<\/em> genannt, und wurde 1841 verfasst. Man erg\u00e4nzt die ersten beiden Strophen, die heute nicht zur Nationalhymne geh\u00f6ren, und spielt das Lied ab:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Deutschland, Deutschland \u00fcber alles<\/u>,<br \/>\n<u>\u00dcber alles in der Welt<\/u>,<br \/>\nWenn es stets zu Schutz und Trutze<br \/>\nBr\u00fcderlich zusammenh\u00e4lt,<br \/>\n<u>Von der Maas bis an die Memel,<br \/>\n<\/u><u>Von der Etsch bis an den Belt<\/u> \u2013<br \/>\nDeutschland, Deutschland \u00fcber alles,<br \/>\n\u00dcber alles in der Welt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Deutsche Frauen, deutsche Treue,<br \/>\n<\/u><u>Deutscher Wein und deutscher Sang<br \/>\n<\/u>Sollen in der Welt behalten<br \/>\nIhren alten sch\u00f6nen Klang,<br \/>\nUns zu edler Tat begeistern<br \/>\nUnser ganzes Leben lang \u2013<br \/>\nDeutsche Frauen, deutsche Treue,<br \/>\nDeutscher Wein und deutscher Sang!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00dcbersetzungshilfen:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">stets = continually, all the time; der Schutz = protection; der Trutz (antiquated) = defense; br\u00fcderlich = brotherly; zusammenhalten = to stick together; Maas, Memel, Etsch = rivers in Europe; Belt = a strait in Europe; die Treue = loyalty, faithfulness (in a relationship); der Sang (antiquated, short for \u201cGesang\u201d) = chant, song, singing; behalten = to keep; der Klang = sound; edel = noble; die Tat = deed, action; begeistern = to inspire to, enthrall, enthuse<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7037-3\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-4-1.mp3?_=3\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-4-1.mp3\">http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-4-1.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 17.4242%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 65.6385%; text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7044\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-5-186x300.jpg\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"469\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-5-186x300.jpg 186w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-5.jpg 330w\" sizes=\"auto, (max-width: 291px) 100vw, 291px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Faksimile des Gedichts in Hoffmanns Handschrift (Foto: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Lied_der_Deutschen\">Wikipedia<\/a>)<\/span><\/td>\n<td style=\"width: 16.9372%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, warum die ersten beiden Strophen heute nicht gesungen werden \u2013 dies ist zwar entgegen der weit verbreiteten Annahme nicht verboten, aber \u00f6ffentlich scharf ge\u00e4chtet. Die Studenten d\u00fcrften schnell darauf kommen, dass die Zeilen \u201eDeutschland, Deutschland \u00fcber alles, \/ \u00dcber alles in der Welt\u201c einen inakzeptablen chauvinistischen Klang haben. Es klingt nach aggressivem nationalistischem Gro\u00dfmachtstreben, was gerade bei der Geschichte dieses Landes nicht hinnehmbar ist. Dies gilt, obwohl diese Zeilen vom Autor damals nicht notwendig so gemeint waren: Hoffmann von Fallersleben war einer der engagiertesten Vertreter des Strebens nach einem geeinigten Deutschland, das es ja 1841 noch gar nicht gab. Es herrschte die sogenannte Kleinstaaterei im Deutschen Bund, und das Bestreben, einen deutschen Staat zu errichten, war auch der Versuch, endlich mit anderen lange schon existierenden Nationalstaaten wie etwa Spanien, Frankreich oder Gro\u00dfbritannien aufzuschlie\u00dfen \u2013 Deutschland wurde oft die \u201eversp\u00e4tete Nation\u201c genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich war das sogar schon im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufkl\u00e4rung, schmerzlich bemerkt worden, als Goethe, Schiller und andere versuchten, der franz\u00f6sisch dominierten europ\u00e4ischen Kultur eine deutsche Nationalkultur entgegenzustellen, und Lessing sich in seiner <em>Hamburgischen Dramaturgie<\/em> mokierte \u201e[\u00fc]ber den gutherzigen Einfall, den Deutschen ein Nationaltheater zu verschaffen, da wir Deutsche noch keine Nation sind!\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. So entstand \u2013 in Ermangelung einer politischen Einheit \u2013 die Idee der \u201eKulturnation\u201c, deren Verbundenheit sich aus gemeinsamer Sprache, Literatur und Kultur speisen sollte, und als deren h\u00f6chste Ausformung schlie\u00dflich die Weimarer Klassik galt. Eine Schwundstufe davon findet sich noch heute in der Rede vom \u201eLand der Dichter und Denker\u201c, die mitunter selbst von jenen im Munde gef\u00fchrt wird, welche kein einziges Zitat von Goethe oder Schiller auswendig k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts war zwar teilweise nationalistisch bzw. \u201arechts\u2018, aber auch in gro\u00dfen Teilen eine freiheitliche, b\u00fcrgerliche Idee, die eine Einheit in einem politisch liberalen Staatsgebilde dachte, wie es sich der Vorm\u00e4rz und die Vertreter der gescheiterten b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848 vorstellten.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> So jedenfalls sind wohl die bei Hoffmann von Fallersleben verwendeten Begriffe Schutz (defensiv, nicht aggressiv), Br\u00fcderlichkeit, Einigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu sehen. Und die Formulierung \u201eDeutschland \u00fcber alles\u201c muss also nicht hei\u00dfen, dass dieses noch gar nicht existierende Land \u00fcber anderen L\u00e4ndern st\u00fcnde, sondern dass die <em>Idee<\/em>, ein solches einheitliches Land zu erschaffen, die vordringlichste Aufgabe der deutschsprachigen B\u00fcrger der Zeit sei. Im historischen R\u00fcckblick jedoch k\u00f6nnen Worte ihre Bedeutung \u00e4ndern oder anders wahrgenommen werden, wenn man die sp\u00e4teren negativen Entwicklungen einbezieht und ihnen schlie\u00dflich zurechnet. So war das 1871 entstandene Deutsche Reich (Kaiserreich), das unter dem \u201eEisernen Kanzler\u201c Otto von Bismarck geschmiedet wurde, nicht der beinahe schon demokratische Staat, den sich die 48er-Revolution\u00e4re erhofft hatten, sondern eine Monarchie unter F\u00fchrung der preu\u00dfischen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II., die mit dem Ersten Weltkrieg unterging<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>, und der Nationalsozialismus machte die Formulierung vollends unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine andere heute problematische Formulierung ist: \u201eVon der Maas bis an die Memel, \/ Von der Etsch bis an den Belt\u201c. Wohl kaum werden die Studenten wissen, worum es sich bei diesen vier Begriffen handelt. Sie k\u00f6nnen ergoogeln, dass es drei europ\u00e4ische Fl\u00fcsse und eine Meerenge sind, und auf einer Karte herausfinden, dass diese einst die Grenzen des damaligen Deutschen Bundes bzw. Sprachraums markierten. Zu ihrer Beruhigung sei ihnen berichtet, dass bei einer Umfrage von 1961 in Westdeutschland nur knapp die H\u00e4lfte der Befragten Maas und Memel auf einer Landkarte finden konnte und nicht einmal 20% wussten, wo Etsch und Belt liegen.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Diese Zahlen d\u00fcrften heute noch deutlich weiter zur\u00fcckgegangen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%; height: 193px;\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 193px;\">\n<td style=\"width: 7.52161%; height: 193px;\"><\/td>\n<td style=\"width: 85.119%; height: 193px;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7048\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-6-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"522\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-6-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-6.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Infografik Karte Deutscher Bund und deutsche Sprachraum um 1841 (Foto: <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/einigkeit-und-recht-und-freiheit-175-jahre-lied-der-deutschen\/a-19491800\">DW-Grafik<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 7.35926%; height: 193px;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher k\u00f6nnen die Studenten sofort beantworten, warum das Singen dieser Zeilen heute ausgesprochen revisionistisch w\u00e4re: Denn die \u00f6stlichen Gebiete (damals Ostpreu\u00dfen, Westpreu\u00dfen, Pommern, Posen) liegen heute in Polen; Kaliningrad bzw. K\u00f6nigsberg ist eine russische Enklave; der Kleine Belt war und ist in D\u00e4nemark, also oberhalb der deutschen Nordgrenze, und die Maas (frz. Meuse) flie\u00dft durch Frankreich, Belgien und die Niederlande. Das deutschsprachige S\u00fcdtirol hatte \u00fcber Jahrhunderte den \u00f6sterreichischen Habsburgern geh\u00f6rt und wurde 1920 von Italien annektiert und italienisiert; der Etsch hei\u00dft heute Adige und ist nur deutschen Italienliebhabern bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum die zweite Strophe nicht gesungen wurde und wird, ist weniger offensichtlich. Wahrscheinlich ist Formulierung \u201eDeutsche Frauen, deutsche Treue, \/ Deutscher Wein und deutscher Sang\u201c, die stark an die f\u00fcr wilde Feiern erfundene Redewendung \u201eWein, Weib und Gesang\u201c (das altmodische \u00c4quivalent zu Sex, Drugs and Rock \u2018n\u02bc Roll) erinnert, einfach nicht seri\u00f6s genug f\u00fcr eine offizielle Hymne. Zudem k\u00f6nnte sie heute etwas konservativ und sexistisch klingen, wenngleich das in den 1950er-Jahren in Westdeutschland wohl nicht der ausschlaggebende Grund war.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierzu ein kleiner Exkurs, der sich eher f\u00fcr eine h\u00f6heres Sprachniveau, B2+\/B2.2 oder C1, anbietet: Die Erw\u00e4hnung der \u201edeutschen Frauen\u201c geht auf das sogenannte <em>Preislied<\/em> \u201eIr sult sprechen willekomen\u201c\u2004(um 1200) des mittelalterlichen Minnes\u00e4ngers Walther von der Vogelweide (um 1170 &#8211; um 1228\/30) zur\u00fcck. Bei Walther hei\u00dft es u.a.:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wil tiuschen frouwen sagen<br \/>\nsolhiu m\u00e6re daz si deste baz<br \/>\nal der werlte suln behagen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00f6rtlich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will bzw. werde deutschen Frauen sagen<br \/>\nsolche Erz\u00e4hlung\/Bericht [vgl. M\u00e4rchen] dass sie desto besser<br \/>\nall der Welt sollen\/werden behagen\/gefallen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Wenn man das Mittelhochdeutsch laut liest, kann man es fast verstehen.) Sinngem\u00e4\u00df bedeutet dies etwa: \u201eIch will \u00fcber deutsche Edelfrauen so viel R\u00fchmliches sagen\/dichten\/berichten, dass sie aller Welt umso mehr gefallen werden.\u201c In der vierten Strophe dieses Liedes, das eine ungew\u00f6hnliche Mischung aus Minnesang und Spruchdichtung darstellt, verwendet Walther bereits eine geografische Formulierung, die \u00c4hnlichkeiten mit dem sp\u00e4teren Deutschlandlied aufweist, aber eben wieder auf die Frauen bezogen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Elbe unz an den R\u00een<br \/>\nund her wider unz an Ungerlant<br \/>\nmugen wol die besten s\u00een,<br \/>\ndie ich in der werlte h\u00e2n erkant.<br \/>\nkan ich rehte schouwen<br \/>\nguot gel\u00e2z unt l\u00eep,<br \/>\nsem mir got, s\u00f4 sw\u00fcere ich wol, daz hie diu w\u00eep<br \/>\nbezzer sint danne ander frouwen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Elbe bis an den Rhein<br \/>\nund wieder hierher zur\u00fcck bis an Ungarn [= bis ans Ungarnland]\nm\u00f6gen wohl die besten sein,<br \/>\ndie ich in der ganzen Welt je kennengelernt habe.<br \/>\nWenn ich das richtig sehe [schauen kann],<br \/>\ngutes Benehmen und \u00c4u\u00dferes [Leib bzw. K\u00f6rper] zu beurteilen,<br \/>\nbei Gott, so w\u00fcrde ich wohl schw\u00f6ren, dass hierzulande die Frauen [Weiber]\nbesser sind als anderswo die Damen [Frauen].<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solcher R\u00fcckgriff auf die Tradition des Hochmittelalters und seinen ber\u00fchmtesten S\u00e4nger wird also im<em> Deutschlandlied<\/em> angereichert um den \u201edeutschen Wein und deutschen Gesang\u201c \u2013 und verweist damit auf eine traditionelle deutsche Feierkultur, die sich in den USA unter den Millionen von deutschen Einwanderern in Form von Bierg\u00e4rten und \u201eLiederkr\u00e4nzen\u201c noch sehr lange gehalten hat und heute als Mythos Oktoberfest weiterlebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige der eingangs genannten Gebiete des deutschen Sprachraums fanden sich dann im 1871 gegr\u00fcndeten ersten deutschen Nationalstaat, dem Kaiserreich:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 13.0411%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 74.2424%;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7049\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-7-300x277.jpg\" alt=\"\" width=\"461\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-7-300x277.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-7.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 461px) 100vw, 461px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Karte des Deutschen Reiches 1871-1918 (Foto: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Deutsches_Reich1.png?uselang=en\">Wikimedia<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 12.7164%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Weimarer Republik (1918-1933) wurde das <em>Deutschlandlied<\/em> 1922 vom sozialdemokratischen Reichspr\u00e4sidenten Friedrich Ebert zur offiziellen Nationalhymne erkl\u00e4rt, und zwar mit allen drei Strophen \u2013 was einigerma\u00dfen erstaunlich ist, hatte doch das Deutsche Reich schon nach dem Ersten Weltkrieg gr\u00f6\u00dfere Gebiete abtreten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 13.5281%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 71.158%;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7050\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-8-300x254.jpg\" alt=\"\" width=\"454\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-8-300x254.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-8.jpg 454w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Das Deutsche Reich zur Zeit der Weimarer Republik \u2013 Territoriale Ver\u00e4nderungen nach dem Ersten Weltkrieg. 1918-1933 (Foto: <a href=\"http:\/\/archiv.nationalatlas.de\/?p=3188\">National Atlas<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 15.3138%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chste spannende Frage an die Studenten ist, was sie, mit diesem Wissen, vermuten w\u00fcrden, wie der NS-Staat mit der Hymne umging. Nun, die Nationalsozialisten verboten aus offenkundigen Gr\u00fcnden die zweite und die dritte Strophe, die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit besingt. Sie lie\u00dfen die erste Strophe in Kombination mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Horst-Wessel-Lied\">Horst-Wessel-Lied<\/a>, dem Kampflied der Sturmabteilung SA, singen \u2013 und machten sich daran, Teile der genannten Gebiete und noch viele weitere zu erobern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 15.4762%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 67.9112%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8180\" src=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Second_world_war_europe_1941-1942_map_de-1.png\" alt=\"\" width=\"1090\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Second_world_war_europe_1941-1942_map_de-1.png 1090w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Second_world_war_europe_1941-1942_map_de-1-300x275.png 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Second_world_war_europe_1941-1942_map_de-1-1024x939.png 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Second_world_war_europe_1941-1942_map_de-1-768x705.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1090px) 100vw, 1090px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Zweiter Weltkrieg Europa 1941-1942 (Foto: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Second_world_war_europe_1941-1942_map_de.png\">Wikimedia<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 16.6125%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Teil: Die Hymnenfrage im vereinten Deutschland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei ihrer Gr\u00fcndung 1949 befand sich die Bundesrepublik Deutschland in der misslichen Lage, keine offizielle Hymne zu besitzen, zumal das <em>Deutschlandlied <\/em>vor\u00fcbergehend von den Alliierten verboten worden war. Dies f\u00fchrte zu peinlichen Situationen, wenn zum Beispiel beim Empfang des Bundeskanzlers Konrad Adenauer die Karnevalslieder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=24zmxUw6dcQ\"><em>Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien<\/em><\/a> (eine Anspielung auf die Trizone) oder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kMAHqLIdTqg\"><em>Heidewitzka, Herr Kapit\u00e4n<\/em><\/a> gespielt wurden. So dr\u00e4ngte Adenauer bald den Bundespr\u00e4sidenten Theodor Heuss, die dritte Strophe des <em>Deutschlandlieds<\/em> zur Nationalhymne zu erkl\u00e4ren, was durchaus auf erheblichen Widerstand von vielen Seiten stie\u00df. Nach einem Briefwechsel im Jahre 1952 gab Heuss schlie\u00dflich nach und gestand: \u201eIch habe den Traditionalismus und sein Beharrungsbed\u00fcrfnis untersch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 14.0151%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 72.132%;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7052\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-10-216x300.jpg\" alt=\"\" width=\"377\" height=\"523\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-10-216x300.jpg 216w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-10-739x1024.jpg 739w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-10-768x1065.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-10.jpg 839w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Bulletin der Bundesregierung vom 6. Mai 1952 und die Frage der Nationalhymne (Foto: <a href=\"https:\/\/www.adenauerhaus.de\/downloads\/NOvember.pdf\">Adenauer Haus<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 13.8528%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 stellte sich die Hymnen-Frage erneut: Es hatte bis dato zwei Hymnen gegeben \u2013 f\u00fcr welche sollte man sich nun entscheiden? Als Alternative wurde von bekannten Pers\u00f6nlichkeiten sogar eine dritte M\u00f6glichkeit ins Spiel gebracht, n\u00e4mlich Bertolt Brechts <em>Kinderhymne <\/em>(1949)<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> \u2013 da alle drei Texte im gleichen Metrum (Versma\u00df) verfasst sind, w\u00e4ren sie prinzipiell auf beiden Melodien spielbar.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anmut sparet nicht noch M\u00fche<br \/>\nLeidenschaft nicht noch Verstand<br \/>\nDa\u00df ein gutes Deutschland <u>bl\u00fche<br \/>\n<\/u>Wie ein andres gutes Land<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df die <u>V\u00f6lker<\/u> nicht erbleichen<br \/>\nWie vor einer R\u00e4uberin<br \/>\nSondern ihre H\u00e4nde reichen<br \/>\nUns wie <u>andern V\u00f6lkern<\/u> hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Und nicht \u00fcber und nicht unter<br \/>\n<\/u><u>Andern V\u00f6lkern wolln wir sein<br \/>\n<\/u>Von der See bis zu den Alpen<br \/>\n<u>Von der Oder bis zum Rhein<\/u>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und weil wir dies Land verbessern<br \/>\nLieben und beschirmen wir\u02bcs<br \/>\nUnd das liebste mag\u02bcs uns scheinen<br \/>\n<u>So wie andern V\u00f6lkern ihrs<\/u>.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brecht vermeidet das Wort \u201eVolk\u201c und spricht stattdessen vier Mal von (andern) \u201eV\u00f6lkern\u201c. Besonders die zwei Zeilen \u201eUnd nicht \u00fcber und nicht unter \/ Andern V\u00f6lkern wolln wir sein\u201c, die als direkte Antwort auf \u201eDeutschland \u00fcber alles\u201c zu lesen sind, verwahren sich gegen jedweden Exzeptionalismus. Was den ber\u00fchmten amerikanischen Exzeptionalismus (American Exceptionalism) angeht, so formulierte Barack Obama 2009 einen Kompromiss: \u201eI believe in American exceptionalism, just as I suspect that the Brits believe in British exceptionalism and the Greeks believe in Greek exceptionalism.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brecht geht noch weiter und spricht auch die Angst und den Schrecken an, den Deutsche in der Vergangenheit in ganz Europa ausgel\u00f6st hatten (\u201eDass die V\u00f6lker nicht erbleichen \/ Wie vor einer R\u00e4uberin\u201c) und stellt dieser verbrecherischen Vergangenheit seine Hoffnung auf \u201eein gutes Deutschland\u201c entgegen, dem andere bereit sind, zu verzeihen und die Hand zu reichen. Unter Anspielung auf das <em>Deutschlandlied <\/em>nimmt auch Brecht eine geographische Abgrenzung vor mit den Zeilen: \u201eVon der See bis zu den Alpen \/ Von der Oder bis zum Rhein\u201c. Hier k\u00f6nnen die Studenten wieder beide Fl\u00fcsse suchen und mit den heutigen Landesgrenzen Deutschlands vergleichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 14.0151%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 72.9437%;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7053\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11-256x300.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11-256x300.jpg 256w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11-873x1024.jpg 873w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11-768x901.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11-1309x1536.jpg 1309w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-11.jpg 1387w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Karte der Bundesrepublik Deutschland 2007 (Foto: <a href=\"https:\/\/www.gifex.com\/fullsize-en\/2011-05-20-13710\/Germany_map_2007.html\">Gifex<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 13.0411%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erw\u00e4hnung des Flusses Oder ist von besonderer Bedeutung, da sie teilweise die Grenze nach Polen markiert, die sogenannte Oder-Nei\u00dfe-Grenze, deren Anerkennung eine politisch bedeutsame Entwicklung darstellte. W\u00e4hrend die DDR diese Grenze und damit die Abtretung aller fr\u00fcheren Ostgebiete bereits 1950 anerkannte, konnte sich die Bundesrepublik dazu erst 1970 durchringen, und auch nur unter Vorbehalt. Erst im Zuge der Wiedervereinigung 1990, wof\u00fcr die drei Westm\u00e4chte die Anerkennung der Oder-Nei\u00dfe-Grenze zur Bedingung gemacht hatten, wurde sie endg\u00fcltig im Zwei-plus-Vier-Vertrag und in einem bilateralen Vertrag mit Polen best\u00e4tigt. Damit gab die Bundesrepublik Deutschland ein f\u00fcr alle Mal alle Anspr\u00fcche auf die ehemaligen Ostgebiete des Deutschen Reiches auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kann man die Studenten befragen, welche Hymne sie bevorzugt h\u00e4tten und warum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Ministerpr\u00e4sident der DDR, Lothar de Maizi\u00e8re, machte den Vorschlag, die dritte Strophe des <em>Deutschlandlieds<\/em> mit <em>Auferstanden aus Ruinen<\/em> zu verbinden. Diese Idee hatte eine hohe symbolische Bedeutung, denn sie h\u00e4tte signalisiert, dass sich hier zwei Staaten auf Augenh\u00f6he miteinander vereinigen und nicht der eine dem anderen \u201aangeschlossen\u2018 wird. Tats\u00e4chlich war aber Letzteres der Fall, denn die DDR erkl\u00e4rte ihren \u201eBeitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\u201c, und daf\u00fcr hatten die Ostdeutschen in den ersten freien Wahlen am 18. M\u00e4rz 1990 mehrheitlich gestimmt. Dennoch regte sich im Osten zunehmend Unmut \u00fcber die vollst\u00e4ndige \u00dcbernahme aller Gegebenheiten und Regeln der Bundesrepublik, so auch der Hymne. Wiederum in einem Briefwechsel zwischen Bundeskanzler und Bundespr\u00e4sident, diesmal Helmut Kohl und Richard von Weizs\u00e4cker, wurde schlie\u00dflich 1991 die dritte Strophe des Deutschlandlieds zur offiziellen Nationalhymne erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie stehen nun die Deutschen heute zu ihrer Hymne? F\u00fcr amerikanische Studenten ist es bisweilen schwer nachzuvollziehen, welche erheblichen, auf die Geschichte gegr\u00fcndeten Vorbehalte gro\u00dfe Teile der Deutschen, vor allem der Linken, bis heute gegen staatliche Symbole im Allgemeinen und Flagge oder Hymne im Besonderen hegen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Gut beobachten l\u00e4sst sich dies am deutschen Volkssport Fu\u00dfball. In der alten Bundesrepublik war es relativ un\u00fcblich, dass Fu\u00dfballer vor einem internationalen Spiel beim Abspielen der Nationalhymne mitsangen. Das Aufh\u00e4ngen oder Schwenken der deutschen Flagge kam wenig vor und konnte negativ interpretiert werden. Dies \u00e4nderte sich sichtbar bei der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land (Motto: \u201eDie Welt zu Gast bei Freunden\u201c), bei der eine junge und geschichtlich weitaus weniger belastete Generation erstmals begeistert Flaggen schwenkte und beim \u00f6ffentlichen Fu\u00dfballschauen (Public Viewing) die Nationalhymne sang, ebenso wie viele Spieler. 12 Jahre und drei WMs sp\u00e4ter hatte sich das Mitsingen durch Fu\u00dfballer bereits so etabliert, dass es nun wiederum auffiel, wenn manche Spieler der Nationalmannschaft, vor allem solche mit Migrationshintergrund, eben nicht mitsangen und daf\u00fcr kritisiert wurden. Die Debatten werden wohl weiter gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier bietet sich ein kontrastiver Vergleich mit der gro\u00dfen Bedeutung der Nationalhymne und der Flagge in den USA an; dabei k\u00f6nnen die Studenten das Verbot, die Flagge zu beschmutzen, diskutieren, vielleicht auch fr\u00fchere Skandale wie die Flaggenverbrennung durch Abbie Hoffman. Auch ein textlicher Vergleich zum <em>Star Spangled Banner<\/em> kann interessant sein, bei dem vor allem auffallen d\u00fcrfte, dass es bei der amerikanischen Hymne zwar auch um die Schrecken des Krieges geht, jedoch mit siegreichem Ende f\u00fcr die Tapferen, w\u00e4hrend die beiden ostdeutschen Varianten die schlimme und berechtigte Niederlage zum Ausgangspunkt nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Teil: Melodie und Europahymne<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Melodie der deutschen Hymne: Sie wurde 1797 komponiert von dem \u00f6sterreichischen Komponisten Franz Joseph Haydn (1732-1809) und geh\u00f6rt zum <em>Streichquartett C-Dur op. 76\/3<\/em>, dem Kaiserquartett. So klingt sie in ihrer urspr\u00fcnglichen Verwendung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7037-4\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-12.mp3?_=4\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-12.mp3\">http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-12.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 50%;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Kaiser-Franz-II.-und-I.-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7076\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Kaiser-Franz-II.-und-I.-1-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Kaiser-Franz-II.-und-I.-1-206x300.jpg 206w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Kaiser-Franz-II.-und-I.-1.jpg 330w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Franz II., Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches von Friedrich von Amerling (Foto: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Francis_II,_Holy_Roman_Emperor_by_Friedrich_von_Amerling_003.jpg\">Wikimedia<\/a>)<\/span><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50%;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott erhalte Franz, den Kaiser,<br \/>\nUnsern guten Kaiser Franz!<br \/>\nLange lebe Franz, der Kaiser,<br \/>\nIn des Gl\u00fcckes hellstem Glanz!<br \/>\nIhm erbl\u00fchen Lorbeerreiser,<br \/>\nWo er geht, zum Ehrenkranz!<br \/>\nGott erhalte Franz, den Kaiser,<br \/>\nUnsern guten Kaiser Franz!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Text: Lorenz Leopold Haschka)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie aus diesen Zeilen unmissverst\u00e4ndlich hervorgeht, war die Melodie einst dem Habsburger Monarchen Franz Joseph Karl bzw. Franz II.\/I. (1768-1835) gewidmet. Dessen doppelte Z\u00e4hlung ergibt aus einem historisch einmaligen Umstand: Zun\u00e4chst war er Kaiser des losen Staatenbundes Heiliges R\u00f6misches Reich Deutscher Nation (800-1806) und als solcher der zweite Franz in dieser Position. Als sich jedoch abzeichnete, dass dieses Reich im Zuge der napoleonischen Eroberungskriege aufgel\u00f6st werden w\u00fcrde, gr\u00fcndete er 1804 noch rasch das Kaisertum \u00d6sterreich bzw. Kaisertum der Rudolfskrone (1804-1867 bzw. bis 1918), und in diesem war er der erste regierende Franz. Es existierte im Verbund mit dem ebenfalls den habsburgischen Kaisern unterstellten K\u00f6nigreich Ungarn bis 1918 und wurde in den letzten 50 Jahren als Doppelmonarchie \u00d6sterreich-Ungarn bezeichnet. Zun\u00e4chst etablierte sich das Adjektiv \u201ekaiserlich-k\u00f6niglich\u201c (abgek\u00fcrzt k. k.), was bis 1867\/68 galt und verwirrenderweise staatsrechtlich nicht dasselbe bezeichnet wie das hernach verwendete \u201ekaiserlich und k\u00f6niglich\u201c (k. u. k.). So ganz unkompliziert ist die Geschichte \u00d6sterreichs also auch nicht\u2026 Jedenfalls k\u00f6nnte man diesen letzten Twist f\u00fcr eine kr\u00f6nende Ironie der gewundenen deutschen Geschichte einer Hymne halten, dass das Lied dazu einst f\u00fcr den \u201afalschen\u2018 Kaiser geschrieben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir nun in die Jetztzeit, ins Jahr 30 der deutschen Einheit, springen und den Blick auf das seitdem weiter zusammengewachsene Europa und dessen offizielles Lied weiten, so sto\u00dfen wir wieder auf zwei Deutsche. Ob die Studenten die Europahymne kennen, ob sie wissen, wer sie komponiert hat? 1972 w\u00e4hlte die Europ\u00e4ische Union (EU) den letzten Satz der <em>9. Sinfonie in d-Moll op. 125<\/em> (1824), der letzten vollendeten Sinfonie von Ludwig van Beethoven, zu ihrer Hymne und nannte sie \u201eSong of Joy\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-7037-5\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-13-1.mp3?_=5\" \/><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-13-1.mp3\">http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-13-1.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Geschichte dieser Sinfonie, besonders ihre Rezeptionsgeschichte, ist kompliziert. Wie Christina Stahl ausf\u00fchrt, wurde die Originalpartitur w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs auseinandergeschnitten und an verschiedenen Orten in Deutschland gesichert aufbewahrt. Das Ziel, sie nach dem Krieg wieder zusammenzuf\u00fchren, erf\u00fcllte sich jedoch nicht, weil ein Teil des letzten Satzes in der DDR lag. Genaugenommen lagen Manuskriptteile in der Staatsbibliothek Unter den Linden in Ostberlin und in der Staatsbibliothek in der Potsdamer Stra\u00dfe in Westberlin \u2013 nur zwei Kilometer voneinander entfernt. Obwohl bei den Olympischen Winterspielen 1952 Beethovens <em>Neunte <\/em>als Nationalhymne f\u00fcr beide deutschen Staaten gespielt wurde, entzweite sie doch die rivalisierenden Staaten: Beide sprachen dem jeweils anderen das Recht ab, Beethoven f\u00fcr sich in Anspruch nehmen zu d\u00fcrfen. Somit wurde eines der ber\u00fchmtesten Musikst\u00fccke der Welt, das vom gemeinsamen Zusammenstehen der Menschen handelt, eben erst mit der Deutschen Einheit wieder zu einer Einheit zusammengef\u00fchrt.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Seit 2003 ist es Teil des Unesco-Dokumentenerbes \u201eGed\u00e4chtnis der Welt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beethoven \u2013 der \u00fcbrigens lange in Wien gelebt hat und dort auf dem Zentralfriedhof begraben ist \u2013 hatte selbst als Text f\u00fcr den 4. Satz seiner <em>Neunten<\/em> Ausz\u00fcge aus der neunstrophigen Ode <em>An die Freude<\/em> (1785-1808) von Friedrich Schiller gew\u00e4hlt, die er zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahrzehnten kannte und sch\u00e4tzte (schon 1812 hatte er erste Notenzeilen und eine Notiz in sein Skizzenbuch geschrieben). Um keine Sprache zu bevorzugen, wurde dies nicht der offizielle Text der Europahymne, die meist instrumental gespielt wird. Manchmal jedoch wird sie mit Gesang pr\u00e4sentiert. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KLIEx6aQrDw\">Hier findet sich eine moderne Rockversion im Medley<\/a>.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Freude, sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken<\/u>,<br \/>\nTochter aus Elysium,<br \/>\nWir betreten feuertrunken,<br \/>\nHimmlische, dein Heiligthum!<br \/>\nDeine Zauber <u>binden wieder<br \/>\n<\/u>Was die <u>Mode streng geteilt<\/u>;<br \/>\n<u>Alle Menschen werden Br\u00fcder<\/u>,<br \/>\nWo dein sanfter Fl\u00fcgel weilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chor<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seid umschlungen, Millionen!<br \/>\nDiesen <u>Ku\u00df der ganzen Welt<\/u>!<br \/>\nBr\u00fcder \u2013 \u00fcberm Sternenzelt<br \/>\nMu\u00df ein lieber Vater wohnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wem der gro\u00dfe Wurf gelungen,<br \/>\nEines Freundes Freund zu sein;<br \/>\nWer ein holdes Weib errungen,<br \/>\nMische seinen Jubel ein!<br \/>\nJa, wer auch nur <em>eine<\/em> Seele<br \/>\n<em>Sein<\/em> nennt auf dem Erdenrund!<br \/>\nUnd wer\u2019s nie gekonnt, der stehle<br \/>\nWeinend sich aus diesem Bund!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[\u2026]\n<p style=\"text-align: justify;\">Chor<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seid umschlungen, Millionen!<br \/>\nDiesen Ku\u00df der ganzen Welt!<br \/>\nBr\u00fcder, \u00fcberm Sternenzelt<br \/>\nmu\u00df ein lieber Vater wohnen.<br \/>\nSeid umschlungen, Millionen!<br \/>\nDiesen Ku\u00df der ganzen Welt!<br \/>\nFreude, sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken<br \/>\nTochter aus Elysium,<br \/>\nFreude, sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken, G\u00f6tterfunken.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00dcbersetzungshilfen:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">die Freude = joy; der Funke = spark; das Elysium = in Greek mythology island of the blessed, paradise; betreten = to enter; trunken (antiquated) = drunk, but here in an antique positive sense of \u201eberauscht\u201c as exhilerated or ecstatic; Himmlische = the heavenly one; das Heiligtum = sacred place; der Zauber = magic, spell; die Mode = hier: Zeigeist, elsewhere: fashion; streng = strict, stern; sanft = soft, tender; der Fl\u00fcgel = wing; weilen (antiquated) = linger, stay; der Wurf = here: design (short for \u201eEntwurf\u201d), elsewhere: throw; gelingen = to succeed; hold = lovely, das Weib (antiquated) = woman, wife; erringen = win; (sich) einmischen = to join in; der Jubel = cheers, jubilation; die Seele = soul; das Erdenrund (antiquated) = world; der Bund = union, association; umschlingen = embrace; der Kuss = kiss; der Stern = star; das Zelt = canopy, tent<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft ist schmunzelnd angemerkt worden, dass es sich bei Schillers Gedicht eigentlich um ein Trinklied handele, denn an mehreren Stellen, etwa in einer hier ausgelassenen, weil nicht zum Singen der Sinfonie\/Hymne verwendeten Strophe wird ausf\u00fchrlich dem Weingenuss gehuldigt \u2013 womit wir wieder bei \u201eWein, Weib und Gesang\u201c w\u00e4ren:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Freude<\/em> sprudelt in <u>Pokalen<\/u>,<br \/>\nin der <u>Traube goldnem Blut<br \/>\n<\/u>trinken Sanftmut Kannibalen,<br \/>\nDie Verzweiflung Heldenmut \u2013<br \/>\nBr\u00fcder fliegt von euren Sitzen,<br \/>\nwenn der volle <u>R\u00f6mer krai\u00dft<\/u>,<br \/>\nLa\u00dft den Schaum zum Himmel spr\u00fctzen:<br \/>\nDieses Glas dem guten Geist<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00dcbersetzungshilfen:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">der Pokal = here: chalice; der volle R\u00f6mer = Roman-style chalice filled with wine; krai\u00dfen (antiquated orthography for \u201ekreisen\u201c) = to let\/pass (the drinking vessel) around; not to be confused with \u201ekrei\u00dfen\u201c (antiquated) = geb\u00e4ren; Schaum = foam; spr\u00fctzen (antiquated orthography for \u201espritzen\u201c) = splash, slosh<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings stellt schon die Klassifikation als \u201eOde\u201c klar, dass hier ein feierlicher und pathetischer Tonfall angeschlagen wird. Tats\u00e4chlich ist es in erster Linie ein Lobgesang auf die Freundschaft (ein wichtiges Thema in der Kultur des 18. Jahrhunderts) und h\u00e4tte daher ebenso gut \u201eAn die Freunde\u201c hei\u00dfen k\u00f6nnen. Denn Schiller schrieb es w\u00e4hrend und nach dem Besuch eines Freundeskreises um Christian Gottfried K\u00f6rner und dessen Verlobte Minna Stock in Leipzig-Gohlis im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1785. Nach harten, schwierigen Jahren wurde er dort ungemein herzlich aufgenommen und verehrt (sowie finanziell unterst\u00fctzt), sodass er ein paar wunderbar gl\u00fcckliche Wochen unter Freunden erlebte. Davon war er inspiriert, als er auf die Bitte K\u00f6rners hin f\u00fcr die Tafel der Dresdner Freimaurerloge \u201eZu den drei Schwertern\u201c das Gedicht zu schreiben begann. Im September desselben Jahres zog Schiller nach Loschwitz bei Dresden um, wo K\u00f6rner einen Weinberg besa\u00df, und pr\u00e4sentierte ihm und Minna dort die ersten Strophen des Gedichts, das er bis November fertigstellte. Die Erw\u00e4hnung von Wein und Reben (mitten in der Weinlese) war also schlicht naheliegend, zumal f\u00fcr den Schreibanlass. Allerdings schien Schiller selbst das Gedicht nicht f\u00fcr besonders literarisch hochwertig gehalten zu haben \u2013 er arbeitete es mehrfach um und wollte es zwischenzeitlich nicht in seinem Werkkanon vertreten wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige der bisher anhand der anderen Hymnen besprochenen Werte werden auch von Schiller hier hochgehalten, zuv\u00f6rderst nat\u00fcrlich die Br\u00fcderlichkeit, besonders in der Zeile \u201ealle Menschen werden Br\u00fcder\u201c, wenn sie Freude teilen. Von feministischer Seite wird mitunter beklagt, dass Schwestern keine Erw\u00e4hnung finden, doch das ignoriert den Kontext, denn das Lied war ja f\u00fcr Freimaurer geschrieben, die bekannterma\u00dfen keine Frauen zugelassen haben. Dem Freundeskreis allerdings, der Sch\u00fcler so inspiriert hatte, geh\u00f6rten nat\u00fcrlich auch Frauen an. In den Reimen wechseln sich weibliche und m\u00e4nnliche Kadenzen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichheit und Einheit sind ebenfalls vertreten, wenn es hei\u00dft: \u201eDeine Zauber binden wieder \/ Was die Mode streng geteilt\u201c. Das bedeutet, dass die Unterteilung von Menschen in verschiedene Gruppen, Klassen oder Schichten nach der \u201eMode\u201c, also dem Zeitgeist oder wechselnden Regeln, aufgehoben wird und dass in der von Gott geschenkten Freude, im gemeinsamen Jubel alle gleich sind; \u201eBettler werden F\u00fcrstenbr\u00fcder\u201c hatte es in der ersten Fassung gehei\u00dfen. Humanistische Ideale wie die Befreiung von Unterdr\u00fcckung durch Tyrannen, Gro\u00dfherzigkeit, Hoffnung und Vergebung finden sich unter anderem in folgender originaler Strophe:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rettung von <u>Tirannenketten,<br \/>\n<\/u><u>Gro\u00dfmut<\/u> auch dem B\u00f6sewicht,<br \/>\n<u>Hoffnung <\/u>auf den Sterbebetten,<br \/>\n<u>Gnade<\/u> auf dem Hochgericht!<br \/>\nAuch die Toden [Toten] sollen leben!<br \/>\nBr\u00fcder trinkt und stimmet ein,<br \/>\nAllen S\u00fcndern soll <u>vergeben<\/u>,<br \/>\n<u>und die H\u00f6lle nicht mehr seyn<\/u>.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich stark ist das Pl\u00e4doyer f\u00fcr Vers\u00f6hnung und die \u00dcberwindung von Feindschaft, die einer Evokation der Utopie vom Weltfrieden nahekommt: \u201eGroll und Rache sei vergessen, \/ unserm Todfeind sei verziehn. [\u2026] \/ Unser Schuldbuch sei vernichtet! \/ ausges\u00f6hnt die ganze Welt!\u201c Vor allem ist Schillers Gedicht mit seinem hoffnungsfrohen Bezug auf die \u201eganze Welt\u201c frei von jedem Nationalismus \u2013 und insofern angemessen f\u00fcr eine europ\u00e4ische Hymne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/einigkeit-und-recht-und-freiheit-175-jahre-lied-der-deutschen\/a-19491800\">https:\/\/www.dw.com\/de\/einigkeit-und-recht-und-freiheit-175-jahre-lied-der-deutschen\/a-19491800<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Nationalhymne\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Nationalhymne<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Lied_der_Deutschen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Lied_der_Deutschen<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fgeschichte%2Fgruendungswehen-der-bundesrepublik-a-947308.html&amp;ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F\">https:\/\/www.spiegel.de\/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fgeschichte%2Fgruendungswehen-der-bundesrepublik-a-947308.html&amp;ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/ode-an-die-freude-wie-ein-trinklied-zur-europahymne-wurde.976.de.html?dram:article_id=448810\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/ode-an-die-freude-wie-ein-trinklied-zur-europahymne-wurde.976.de.html?dram:article_id=448810<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.friedrich-schiller-archiv.de\/inhaltsangaben\/an-die-freude-schiller-interpretation-inhaltsangabe\/\">https:\/\/www.friedrich-schiller-archiv.de\/inhaltsangaben\/an-die-freude-schiller-interpretation-inhaltsangabe\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ress, Georg: \u201eGrundlagen und Entwicklung der innerdeutschen Beziehungen\u201c. In: Isensee, Josef; Kirchhof, Paul (Hg.): <em>Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland<\/em>, Bd. I, Heidelberg: C.F. M\u00fcller, 1987, S. 449-546.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.verfassungen.de\/ddr\/index.htm\">http:\/\/www.verfassungen.de\/ddr\/index.htm<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u201e16.4. DDR: Die Verfassung von 1968\u201c. In: <em>bpb Deutschlandchronik<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/geschichte\/zeitgeschichte\/deutschland-chronik\/131554\/6-april-1968\">https:\/\/www.bpb.de\/geschichte\/zeitgeschichte\/deutschland-chronik\/131554\/6-april-1968<\/a>. Vollst\u00e4ndiger Text bei der Konrad-Adenauer-Stiftung KAS: <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwj2t5351p7tAhUqi8MKHcheDJwQFjAEegQIARAC&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.kas.de%2Fupload%2Fdokumente%2FDDRMythen%2Fverfassung.pdf&amp;usg=AOvVaw2TECSN0ucBvXWM0h3X-S3m\">https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwj2t5351p7tAhUqi8MKHcheDJwQFjAEegQIARAC&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.kas.de%2Fupload%2Fdokumente%2FDDRMythen%2Fverfassung.pdf&amp;usg=AOvVaw2TECSN0ucBvXWM0h3X-S3m<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.deutschestextarchiv.de\/book\/view\/goethe_faust02_1832?p=333\">http:\/\/www.deutschestextarchiv.de\/book\/view\/goethe_faust02_1832?p=333<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Lessing, Gotthold Ephraim. \u201cHundert und erstes, zweites, drittes und viertes St\u00fcck\u201c. In: <em>Hamburgische Dramaturgie<\/em>. 19. April 1768. <a href=\"https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/lessing\/hamburg\/hamb101.html\">https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/lessing\/hamburg\/hamb101.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Wenn man diese Ereignisse weiter ausf\u00fchren will, kann man auch \u00fcber die damals so genannte \u201ekleindeutsche\u201c und \u201egro\u00dfdeutsche L\u00f6sung\u201c, mithin das \u00fcber 100 Jahre lang diffizile Verh\u00e4ltnis zu \u00d6sterreich sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Diese preu\u00dfische Vorherrschaft, der sich auch die stolzen K\u00f6nigreiche Bayern und Sachsen beugen mussten, haben bis heute Spuren von Animosit\u00e4ten, etwa zwischen M\u00fcnchen und Berlin, hinterlassen \u2013 noch sichtbar in den scherzhaften Schimpfworten \u201eSauprei\u00dfn\u201c und \u201eLederhosentr\u00e4ger\u201c. Die Bewertung des Kaiserreiches hingegen wird weniger humorvoll betrieben, sondern war Anlass sehr kritischer Debatten. Mit dem Friedensvertrag von Versailles wurde dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges zugewiesen. Dies wurde von dem Historiker Fritz Fischer in seinem Buch <em>Griff nach der Weltmacht<\/em> 1961 ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt; diese sogenannte Fischer-These setzte sich in einer 10-25 Jahre andauernden Kontroverse durch und wurde zum Gemeinplatz. Dementgegen haben j\u00fcngere und internationale Historiker in den letzten Jahren das Urteil \u00fcber das Deutsche Reich deutlich abgemildert, am prominentesten Christopher Clark mit seinem ber\u00fchmten Buch <em>The Sleepwalkers\/Die Schlafwandler<\/em> (2012\/2013), das ein komplexes Bild der miteinander verflochtenen europ\u00e4ischen M\u00e4chte zeichnet und den Kriegsausbruch eher als &#8220;Trag\u00f6die&#8221; denn als &#8220;Verbrechen&#8221; liest. Dennoch ist die Fischer-These in Deutschland weiterhin dominant. Ebenso, und tw. damit zusammenh\u00e4ngend, wird der Charakter des Kaiserreiches als Gesellschaft sehr verschieden wahrgenommen: Die einen sehen nur preu\u00dfische Disziplin und Pickelhauben, d.h. Militarismus und Nationalchauvinismus, einen autorit\u00e4tsh\u00f6rigen Obrigkeitsstaat (der sozusagen logisch zum 1. und sogar 2. WK f\u00fchren musste), die anderen betonen eine durchaus stattgefundene Liberalisierung, ein Erstarken des B\u00fcrgertums, sensationelle Leistungen in Wissenschaft, Technik, Kultur und Wirtschaft, die das Reich in k\u00fcrzester Zeit auf Augenh\u00f6he mit den USA brachte. Manche sprechen von &#8220;Janusk\u00f6pfigkeit&#8221;. Eine ausgewogene und originelle Darstellung bietet: Nonn, Christoph: <em>12 Tage und ein halbes Jahrhundert: Eine Geschichte des deutschen Kaiserreichs 1871-1918.<\/em> M\u00fcnchen: C. H. Beck, 2020. Wie sehr die Deutschen mit ihrer Geschichte, auch vor 1933, hadern, zeigte sich an der stark zur\u00fcckgenommenen Art, in der im Januar 2021 das 150-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des deutschen Nationalstaats begangen, nicht gefeiert, wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u201eVon der Maas bis an die Memel?\u201c In: <em>Die Zeit<\/em> Nr. 37 8. Sept. 1961.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u00dcbersetzung angelehnt an diejenige aus Wikipedia (und um w\u00f6rtliche Verweise erg\u00e4nzt): <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ir_sult_sprechen_willekomen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ir_sult_sprechen_willekomen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> M\u00fcller, Gerhard. \u201eLieder der Deutschen. Brechts \u201aKinderhymne\u2018 als Gegenentwurf zum \u201aDeutschlandlied\u2018 und zur \u201aBecher-Hymne\u2018. In: <em>Dreigroschenheft<\/em>. 17. Jg., Heft 1. Augsburg: Wi\u00dfner-Verlag, 2010, S. 18-29, hier S. 28f. <a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Dreigroschenheft-Kinderhymne.pdf\">Dreigroschenheft Kinderhymne<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Kirchick, James. \u201eSquanderer in chief.\u201c In: <em>Los Angeles Times<\/em> April 28, 2009.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Als ein Beispiel kann die Bundestagsvizepr\u00e4sidentin Claudia Roth (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) gelten, die bei der WM 2018 ihre Landsleute aufforderte, beim Jubeln \u201eZur\u00fcckhaltung walten [zu] lassen\u201c. Eubel, Cordula; Haselberger, Stephan. \u201eGr\u00fcnen-Politikerin Claudia Roth: \u201aFeiern ja, Nationalismus nein!\u2018\u201c In: <em>Der Tagesspiegel<\/em> 17. Juni 2018. <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/gruenen-politikerin-claudia-roth-feiern-ja-nationalismus-nein\/22699354.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/gruenen-politikerin-claudia-roth-feiern-ja-nationalismus-nein\/22699354.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Stahl, Christina M. <em>Was die Mode streng geteilt? Beethovens Neunte w\u00e4hrend der deutschen Teilung.<\/em> Mainz: Schott Music, 2009.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Materialien:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Hymne-Briefwechsel-Adenauer-Heuss.pdf\">Hymne Briefwechsel Adenauer Heuss<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-Fu\u00dfnote-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-7060\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-Fu\u00dfnote-1-300x280.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-Fu\u00dfnote-1-300x280.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-Fu\u00dfnote-1-1024x955.jpg 1024w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-Fu\u00dfnote-1-768x716.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/12\/Ludwig-Hymne-Fu\u00dfnote-1.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Die Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches 1866 &#8211; 1871 (Foto: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/izpb\/das-deutsche-kaiserreich-1871-1918-329\/276739\/karten\/\">bpb<\/a>)<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8182 aligncenter\" src=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final.jpg 2035w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final-278x300.jpg 278w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final-948x1024.jpg 948w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final-768x829.jpg 768w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final-1423x1536.jpg 1423w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2023\/03\/Map_1_German_for_pdf_bh-final-1897x2048.jpg 1897w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Territorial Changes, 1935-1939 (Foto: <a href=\"https:\/\/ghdi.ghi-dc.org\/map.cfm?map_id=2884&amp;language=german\">GHDI<\/a>)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Hymnen im Vergleich: &nbsp; Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den interaktiven &nbsp; Sprach- und Geschichtsunterricht &nbsp; Janine Ludwig, Dickinson College, Bremen, Berlin, Germany &nbsp; Die Genese der deutschen Nationalhymne ist faszinierend und kompliziert. 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