{"id":7394,"date":"2021-05-16T13:31:17","date_gmt":"2021-05-16T17:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7394"},"modified":"2021-05-16T14:54:45","modified_gmt":"2021-05-16T18:54:45","slug":"iv-essays-und-autobiografische-texte-bury-me-in-australia","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-47-2021-current-issue\/iv-essays-und-autobiografische-texte-bury-me-in-australia\/","title":{"rendered":"IV. Essays und autobiografische Texte: Bury me in Australia"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: justify;\"><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong><em>Bury me in Australia<\/em><\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Peter Arnds, Dublin<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Doppelseele, jene seltsame Verwirrung meiner anglo-germanischen Identit\u00e4t, entstand schon fr\u00fch, wie alles Seelische \u00fcberhaupt immer fr\u00fch angelegt ist. Schuld daran war zum Teil die Schule, sie legte mir geschickt die Last der deutschen Vergangenheit auf meine Schultern, aber auch das allgemeine Unwohlsein in meiner heimlichtuerischen Heimatstadt Bad Norndorf, wo wir alle lebten, hielt mich jahrelang fest im Griff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann war da noch das Schl\u00fcsselerlebnis bei den Gro\u00dfeltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Festgeld-Ilse wurde sie genannt im ganzen Ort, meine Oma, weil sie, klein und drahtig, doch mit der Energie einer Lokomotive und in hohem Alter immer noch ohne Stock, jeden Tag zur Volksbank stiefelte, um ihren Kontostand zu pr\u00fcfen. Als Kinder besuchten wir sie oft in ihrer Wohnung, wo die ekligen Gummibez\u00fcge an den T\u00fcrgriffen klebten. Wie Bankr\u00e4ubermasken sahen die aus, doch die Oma behauptete, sie seien wichtig, weil messingschonend. Einwegglasbez\u00fcge, sagte sie, doch heute denke ich manchmal, es waren die Kondome von Opa Friederich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort, in ihrer Wohnung, roch es immer nach seinen Zigarren, auch noch lang nach seinem Tod. Ich erinnere mich noch gut, habe den Geruch noch irgendwie in der Nase. Sehe sein Humpeln, h\u00f6re noch sein Schweigen. Auch erinnere ich mich an seine Lebensphilosophien und sein Lieblingsgericht: Kartoffeln mit brauner So\u00dfe. Er manschte solange auf dem Teller herum, bis aus den Kartoffeln Kartoffelbrei entstand und bis die So\u00dfe vollst\u00e4ndig im Brei verteilt war und dieser \u00fcberall auf dem Teller dieselbe hellbraune Konsistenz aufwies. Erst dann machte er sich gen\u00fcsslich daran, das Kleingemachte zu verspeisen. Immer wieder warnte er uns Kinder vor den zu gro\u00dfen Happen und den zu gro\u00dfen Schlucken vom kalten Apfelsaft: \u201eNehmt nicht so viel auf einmal in den Mund. Kleine Bisse, kleine Schlucke, damit ihr euch den Magen nicht verderbt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oma Ilse hatte keine Sp\u00fclmaschine, die brauchte sie auch nicht, denn der Opa a\u00df seinen Teller immer blitzblank leer. Danach hielt er ihn dann dicht vors Gesicht und leckte kreuz und quer und immer wieder dr\u00fcber, bis er wie ganz neu aussah. Oma Ilse wischte ihn dann einmal schnell mit dem K\u00fcchenhandtuch ab, bevor sie den Teller in den K\u00fcchenschrank stellte, wo er auf das n\u00e4chste Kartoffel-mit-So\u00dfe-Gericht wartete. Zum Nachtisch gab es dann Zitronenpudding, auf den wir uns immer kindisch freuten, denn am Grunde der kleinen Porzellansch\u00e4lchen verbarg sich eine \u00dcberraschung, ein buntfarbiges Blumenornament, das von Sch\u00e4lchen zu Sch\u00e4lchen leicht verschiedene Farbt\u00f6ne annahm. Welches Blumenornament man erwischt hatte, wurde erst dann sichtbar, wenn man sich bis zu den letzten L\u00f6ffeln Zitronenpudding durchgegessen hatte. Doch wohlgemerkt, mit kleinen H\u00e4ppchen, und auch die Sch\u00e4lchen mussten dann v\u00f6llig saubergeleckt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDa ist noch was drin\u201c, h\u00f6re ich Opa Friederich sagen. \u201eDer Teller ist noch nicht blitzblank. Da musst du noch mal ran.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild \u00fcber ihrem Sofa ist immer noch da, eine Meereslandschaft, in der man au\u00dfer der wildbewegten See und einem st\u00fcrmischen Himmel noch einen schwarzen Fleck auf einer Wattewolke sieht. \u201eEin Bild von meiner Heimat\u201c, sagte die Oma, das Meer vor Rostock. Bei genauerem Hinsehen wurde deutlich, dass der schwarze Fleck nicht gemalt, sondern aufgesteckt war. Es war ein kleiner Vogel aus Metall, eine M\u00f6we vielleicht. Als Kinder wollten wir nat\u00fcrlich wissen, warum der Vogel dort hingesteckt worden war. \u201eEin Einschussloch\u201c, so der Opa, ohne dass uns klar war, was er damit meinte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sa\u00df den ganzen Tag auf der gr\u00fcnen Holztruhe in der K\u00fcche, rauchte Zigarre und las die Hannoversche Allgemeine. Immer schweigsam, nur wenn wir Kinder zu laut wurden, knurrte er zuweilen: \u201eJetzt aber Ruhe.\u201c Wenn es ihm zu viel wurde, stand er auf und stie\u00df mit dem Kopf fast an die Decke. Dann griff er nach dem Bambusstock, der auf dem K\u00fcchenschrank lag, und, waren wir immer noch nicht still, schlug er damit kurz, aber heftig und dabei die Luft scharf durchschneidend auf den Tisch, an dem wir sa\u00dfen, worauf wir vor\u00fcbergehend verstummten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur selten ging Opa Friederich aus dem Haus, h\u00f6chstens einmal in den Garten hinunter, um sich an seinen Lieblingsplatz zu setzen, zwischen der Laube, in der es immer nach feuchter Erde roch, und dem Kirschbaum, der sp\u00e4ter abges\u00e4gt wurde, weil seine \u00c4ste so lang wurden, dass sie zum Nachbarn \u00fcber den Zaun ragten. Kurz nach dem Krieg gab es hier neben dem Kirschbaum einen tiefen Bombentrichter, in dem unsere Mutter als Kind gern spielte. Davon zeugt noch ein Foto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal sprach er von den Franzm\u00e4nnern. Denen hatte er es n\u00e4mlich zu verdanken, dass er seit seinem achtzehnten Lebensjahr nicht mehr richtig gehen konnte. Sein Leben lang musste er humpeln, weil die Franzm\u00e4nner ihm seine Beine im ersten Weltkrieg zerfetzt hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In wenigen S\u00e4tzen und etwas widerwillig erz\u00e4hlte er uns die Geschichte, wie er und seine Kumpane im Kreis standen und eine Handgranate in ihrer Mitte einschlug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer Opa Friederich \u00fcberlebte niemand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er kam mit von Schrappnellsplittern zerrissenen Beinen ins Krankenhaus, wo er sich in seine Krankenschwester verliebte. \u201eDavon wollen wir mal nicht sprechen\u201c, sagte er. \u201eDas will die Oma nicht h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal, da fand ich auch sein Tagebuch. Es lag versteckt im B\u00fccherschrank zwischen der Pappschachtel mit den Hakenkreuzorden und Hitlers Bestseller, den Opa Friederich am Ende des Zweiten Weltkriegs im Bombentrichter unter dem Kirschbaum vergraben hatte und erst in den f\u00fcnfziger Jahren wieder ausgebuddelt hat. Des Opas Schrift war kaum zu entziffern, doch einige der Eintragungen sind mir in Erinnerung geblieben. Vor allem die vom 16. September 1916. Da stand:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Heute war ein guter Tag \u2013 eine Flasche Rotwein getrunken und zwei Franzm\u00e4nner um die Ecke gebracht.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Satz wollte mir nicht aus dem Kopf gehen, und ich fragte mich: Hatte Opa Friederich zuerst die Flasche Rotwein getrunken und dann die Franzm\u00e4nner erledigt, oder war es umgekehrt gewesen? Hatte er den Rotwein etwa benutzt, um sich vor dem T\u00f6ten Mut anzutrinken, um danach zu feiern oder um das T\u00f6ten zu vergessen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Tagebuch enthielt auch Eintragungen aus dem Zweiten Weltkrieg, obwohl der Opa da aufgrund seines Beinleidens nicht mehr an die Front gelassen wurde. Vor allem erinnere ich mich noch an seine Notizen aus den mittleren Kriegsjahren \u00fcber das Schicksal der j\u00fcdischen \u00c4rztin Alice Singer. Sie lebte damals in der Wohnung unter den Gro\u00dfeltern. Eines Tages verschwand sie, und keiner wusste wohin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gern soll Alice Singer unter dem Kirschbaum gesessen haben. Immer wieder erw\u00e4hnt er ihn in seinem Tagebuch. So habe er sich eines Tages, so schreibt er, mit der Singer sogar gestritten, nachdem sie sich am Kirschbaum, an seinem Kirschbaum in seinem Garten, bereichert habe, ohne ihn zu fragen, ob er ihr dies auch genehmige. Der Opa, der im Alter kaum noch sprach, war allem Anschein nach als j\u00fcngerer Mensch ein rechthaberischer Pedant gewesen, doch war sein Kirschgeiz eine Folge der zwei Weltkriege?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe jedenfalls den Opa Friederich damals, als er noch lebte, nie nach seinem Tagebuch gefragt. Auch nach den Nazis und Alice Singer wollte ich ihn nicht fragen, denn es war mir klar, dass der Opa von der alten Zeit nicht sprechen wollte. Oft jedoch habe ich mir als Teenager versucht vorzustellen, was wohl mit Alice Singer in den letzten Kriegsjahren passiert war, ob sie schwer gelitten hat und ob sie am Ende \u00fcberleben konnte. Ich h\u00e4tte damals jedenfalls nie gedacht, dass ich eines Tages tats\u00e4chlich herausfinden sollte, was aus ihr geworden ist, doch musste ich erst ans Ende der Welt, nach Australien, reisen, um es zu erfahren.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Ist es nicht seltsam, dass wir zuweilen erst dann f\u00fcndig werden, wenn wir damit aufh\u00f6ren, im eigenen Umfeld zu suchen. So offenbarte mir das, was sich Jahre sp\u00e4ter in Australien zutrug, Einblicke in die Vergangenheit meiner eigenen Familie, die sich, w\u00e4re ich daheim geblieben, niemals ergeben h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Jahre bevor Opa Friederich starb, lag er die meiste Zeit im Bett und d\u00f6ste. Die Augen waren zu schwach geworden, um die Hannoversche Allgemeine zu lesen, au\u00dferdem war sein Gr\u00fctzbeutel jetzt so gro\u00df, dass er das rechte Auge fast ganz abdeckte, und die F\u00fc\u00dfe taten ihm selbst beim Sitzen auf der K\u00fcchentruhe weh. Oma Ilse, vor der er sich stets in Acht nehmen musste, weil sie erpicht darauf war, ihm den Gr\u00fctzbeutel aufzuschneiden, sorgte sich wegen seiner nachlassenden Sehkraft und hegte au\u00dferdem den Verdacht, dass er sich wegen zunehmender Senilit\u00e4t an niemanden mehr erinnern konnte. Nicht einmal an die n\u00e4chsten Verwandten. Sie stellte ihn deshalb gern auf die Probe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eFriedel, h\u00f6r zu. Wer ist das hier?\u201c fragte sie ihn, als mein Vater zur T\u00fcr hereinkam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Opa \u00f6ffnete seine m\u00fcden Augen und blickte seinen Schwiegersohn verloren an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAdolf\u201c, sagte er und schloss die Augen wieder. Es war das einzige Mal, dass ich ihn vom F\u00fchrer habe sprechen h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Oma lief verzweifelt aus dem Schlafzimmer und rief:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUm Gottes Willen. Jetzt wird er den Arsch bald zukneifen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie verschwunden war, zwinkerte Opa Friederich unserem Vater aus seinem gesunden Auge zu und sagte: \u201eDie spinnt doch. Ich wei\u00df doch, dass du es bist, Ulli.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich anfing, die Klassiker der Weltliteratur zu lesen, erkannte ich, dass meine eigene Doppelseele eng mit der seinigen verbunden war. Ein wenig erinnerte mich unser stiller Opa, in dem sich ein Killer verbarg, an Jekyll und Hyde. Er trug sicherlich dazu bei, dass ich schon fr\u00fch im Leben das Gef\u00fchl hatte, im falschen Land geboren worden zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rettung kam jedoch zun\u00e4chst mit der englischen Sprache. Es war gegen Ende der Siebziger, alle fingen sie an, von den Nazis zu reden und wie wir denen die Teilung und die Mauer zu verdanken hatten. Ich hatte sie bald voll, die Nase von den Nazis, und st\u00fcrzte mich gierig, der Schule dankbar, auf die englische Sprache. Einsam im Dachzimmer, I was making love to her, jahrelang und jede freie Minute, abgetaucht im British Forces Broadcasting Service, damals, lange vor dem Internet, der einzige Zugang zur englischen Sprache. Und lernte das ganze W\u00f6rterbuch auswendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kannst du mich Vokabeln abfragen? Doch der Papa wollte nicht mehr, da bot ich ihm f\u00fcr jedes Wort einen Pfennig an. Er schmunzelte nur, lehnte das Geld ab und griff gleich wieder nach dem Diktion\u00e4r.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einigen Jahren war es dann soweit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Gregor Samsa sich in ein ungeheueres Ungeziefer verwandelt hatte, so war aus mir ganz pl\u00f6tzlich \u00fcber Nacht ein australischer Schmetterling geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich am n\u00e4chsten Morgen meine merkw\u00fcrdige Metamorphose bemerkte, kramte ich gleich das Schweizer Taschenmesser aus der Schublade und ritzte<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">BURY ME IN AUSTRALIA<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">in den Kopfteil des Bettes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Fall, dass ich nicht mehr lange leben w\u00fcrde. Das Gef\u00fchl kam mir manchmal w\u00e4hrend der Kindheit. Bald, so dachte ich zuweilen, wird es wohl aus sein mit dem Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Australien dachte ich viel in jenen fr\u00fchen Jahren. Dort sprachen sie meine Lieblingssprache, und es war wunderbar weit weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eltern verstanden die Welt nicht mehr. Warum hat er das sch\u00f6ne Bett ruiniert? Noch weniger verstanden sie mich, als ich ihnen auf Englisch antwortete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bury me down under. I ask for nothing else.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wird schon wieder vergehen, so der Papa. Aber da irrte er sich. Jahrelang tr\u00e4umte ich vom Ausb\u00fcchsen nach Australien. Irgendeine Fernsehserie mit <em>Davy\u02bcs on the Road<\/em> <em>again<\/em> im Titelsong verst\u00e4rkte die Idee, nach Australien auszuwandern. Blo\u00df weg, dachte ich, aus diesem Kaff, meinem ber\u00fcchtigten Heimatort, Bad Norndorf im \u00f6dflachen Niedersachsen, wo so viele Dinge, die im und auch noch nach dem Krieg passierten, verheimlicht wurden. Dabei lebten wir dort alle in der Stra\u00dfe, die benannt war nach einem der gro\u00dfen Klassiker, dem mit der Gedankenfreiheit, eine Reihe unter zehn, allesamt H\u00fctten wie aus der Pl\u00e4tzchenform. Cookiecutter style. Die Gedankenfreiheit war es schlie\u00dflich auch, die mich eines Morgens dazu bewog aufzubrechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus einem Roman, den Peter Arnds unter dem Titel \u201eAufbruch\u201c ver\u00f6ffentlichen wird. Wir danken f\u00fcr die Erlaubnis zum Vorabdruck.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Nachdem der Protagonist Alex im australischen Outback den Mauerfall verpasst und ihn zwei Ingolst\u00e4dter vorm Verdursten retten, beginnt eine <em>romance on the road<\/em> mit der Amerikanerin Jessica, w\u00e4hrend der sich <em>peu \u00e0 peu<\/em> die Geschichte von Alice Singer enth\u00fcllt. Sie ist die Gro\u00dfmutter von Jessica und hat einst das Dritte Reich nur \u00fcberlebt, weil sie als Tuberkulosespezialistin in Theresienstadt gebraucht wurde. Ihr Schicksal ist mit der Familiengeschichte des Protagonisten eng verbunden. Als Jessica erf\u00e4hrt, dass Grandma Alice schwer erkrankt ist, beschlie\u00dft sie, nach Deutschland zu reisen, und bittet Alex, sie zu begleiten. Mit Bummelz\u00fcgen durch China und der Transsib durch die Sowjetunion gelangen die beiden schlie\u00dflich zur\u00fcck ins gerade vereinigte Deutschland. Obwohl der pers\u00f6nliche Aufbruch jenen der Nation widerspiegelt, entpuppt sich Alex\u02bc Weltwandern schon bald als Illusion, und seine vermeintliche neu gewonnene Freiheit sowie die Liebe zu Jessica \u2013 die Poesie seines Herzens also, wie Hegel es \u00fcber den Helden des Bildungsromans einst formulierte \u2013 zerbrechen an der Prosa der Verh\u00e4ltnisse sowie dem die beiden stets begleitenden Schatten der Vergangenheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bury me in Australia &nbsp; Peter Arnds, Dublin &nbsp; &nbsp; Meine Doppelseele, jene seltsame Verwirrung meiner anglo-germanischen Identit\u00e4t, entstand schon fr\u00fch, wie alles Seelische \u00fcberhaupt immer fr\u00fch angelegt ist. 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