{"id":7620,"date":"2021-11-12T12:00:31","date_gmt":"2021-11-12T17:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7620"},"modified":"2021-11-12T11:25:01","modified_gmt":"2021-11-12T16:25:01","slug":"deutschsprachige-bukowina","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-48\/deutschsprachige-bukowina\/","title":{"rendered":"Deutschsprachige Bukowina"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"TextRun BCX0 SCXW240271107\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun BCX0 SCXW240271107\">Multikulturalismus, Interkulturalit\u00e4t und Kleinliteratur(en). Selma Meerbaum-Eisingers Doppelidentit\u00e4tskonstruktion<\/span><\/span><\/p>\n<p>von <strong>Eriberto Russo<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Das dichterische Werk von Selma Meerbaum-Eisinger, einer deutschsprachigen rum\u00e4nischen Dichterin, die in Czernowitz, dem leuchtenden sogenannten <em>Kleinen Wien<\/em><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> der Bukowina, aufgewachsen ist und 1942 im KZ Michajlowka an Typhus tragisch verstarb<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a>, ist ein wichtiges Zeugnis sowohl der Holocaustliteratur als auch der deutschsprachigen Kleinliteratur in rum\u00e4nischen Gebieten. Meerbaum-Eisingers literarische Erfahrung ist dar\u00fcber hinaus sowohl interkulturell<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> als auch multikulturell<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a>: Sie ist interkulturell, da sie in einer Sprache verfasst ist, die der heutigen Sprache des Herkunftslandes nicht entspricht<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a>, und ist multikulturell, insofern sie sich in einem mehrsprachigen Rahmen<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> entwickelte, der durch multiple Identit\u00e4ten definiert war. Sowohl die Kategorien der Interkulturalit\u00e4t als auch die des Multikulturalismus verdichten sich in der Idee der \u201ekleinen Literatur\u201c, die von den franz\u00f6sischen Denkern Deleuze und Guattari<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> gr\u00fcndlich diskutiert worden ist.<\/p>\n<p>Durch die Darstellung des historisch-geographischen Kontextes, in dem sich Selma Meerbaum-Eisingers literarische T\u00e4tigkeit entwickelt hat, deren sp\u00e4te Rezeption, wie wir sehen werden, von mehreren Abenteuern gepr\u00e4gt ist, soll dieser Beitrag unterstreichen, wie die Konstruktion der Identit\u00e4t der Autorin von einer st\u00e4ndigen Duplizit\u00e4t gepr\u00e4gt ist, die sich zwischen der territorialen Zugeh\u00f6rigkeit zur Bukowina und insbesondere zu Czernowitz und ihrem Zustand als deutschsprachige Autorin in einem nicht-deutschsprachigen Raum bewegt.<\/p>\n<p>Der Vergleich zwischen den zahlreichen Zugeh\u00f6rigkeitsdimensionen wird innerhalb des Beitrags durch die Analyse einiger Gedichte, die f\u00fcr die Spannung der Autorin zur Identit\u00e4tsduplizit\u00e4t und zu einer st\u00e4ndigen inneren Erkundung ihres eigenen Ichs repr\u00e4sentativ sind, gesetzt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bukowina als interkulturelles Land <\/strong><\/p>\n<p>Die interkulturelle und interreligi\u00f6se Identit\u00e4t der Bukowina, eines Gebietes gro\u00dfer Vielfalt<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a>, und die zentrale Stellung von Czernowitz im Rahmen des Habsburgerreiches bilden einen unausweichlichen Ausgangspunkt in einer Diskussion um die Arbeit von Selma Meerbaum-Eisinger. Die Bukowina, die sich heute zwischen den Gebieten der Ukraine, Moldawiens und Rum\u00e4niens befindet, hat einen h\u00e4ufigen Wechsel von Herrschaften und gro\u00dfen geopolitischen Ver\u00e4nderungen erlebt. Fr\u00fcher als <em>Buchenland<\/em> identifiziert, bezeichnete Bukowina im 14. Jahrhundert den n\u00f6rdlichen Teil Moldawiens, da es zum alten F\u00fcrstentum Moldawien geh\u00f6rte: Man denke nur daran, dass es Teil des F\u00fcrstentums von Stefan dem Gro\u00dfen war, der lange Zeit gegen die osmanischen Invasoren k\u00e4mpfte. 1775 wurde Bukowina dem \u00f6sterreichischen Kaiserreich angeschlossen, das ihm den Namen <em>Buvinus im Norden Moldawiens<\/em> gab. 1918, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde Bukowina zusammen mit Bessarabien und Siebenb\u00fcrgen Teil von Gro\u00dfrum\u00e4nien. 1940 annektierte die Sowjetunion Bessarabien nach einem Ultimatum mit Zustimmung Nazi-Deutschlands auf der Grundlage der geheimen Protokolle, die im Ribbentrop-Molotow-Pakt vom 23. August 1939 unterzeichnet wurden. W\u00e4hrend des Vormarsches auf rum\u00e4nisches Territorium hielt sich die Rote Armee nicht an die zwischen den Regierungen von Moskau und Bukarest vereinbarten Zeiten und er\u00f6ffnete das Feuer auf rum\u00e4nische Truppen, die in Richtung der neuen Grenze marschierten. So kam es zu zahlreichen Opfern: Die rum\u00e4nischen Einheiten wurden umzingelt und gr\u00f6\u00dftenteils gefangengenommen. Partisanentruppen, die sich ebenfalls in der Region aufhielten, nahmen auch an diesen Kriegsaktionen gegen die rum\u00e4nische Armee teil. Nachdem die UdSSR den n\u00f6rdlichen Teil Bukowinas angeschlossen hatte, wurden Hunderte von Bauern von der sowjetischen Polizei get\u00f6tet, als sie versuchten, nach Rum\u00e4nien zu fliehen. 1941 schloss sich Rum\u00e4nien Nazi-Deutschland bei der Invasion der Sowjetunion (das sogenannte <em>Unternehmen Barbarossa<\/em>) an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meerbaum-Eisingers Werk aus historischer und sprachlicher Perspektive<\/strong><\/p>\n<p>Das Werk von Selma Meerbaum-Eisinger ist im Zusammenhang mit dem Zerfall des Habsburgerreiches und der Annexion Rum\u00e4niens durch Nazi-Deutschland verbunden. Meerbaum-Eisingers duale rum\u00e4nisch-deutsche Identit\u00e4t f\u00fcgt sich in einen historischen und sprachlichen Rahmen ein, zu dem noch etwas gesagt werden m\u00fcsste. Das \u00f6sterreichische Kaiserreich besetzte die Bukowina im Oktober 1774. Nach der ersten Teilung Polens 1772 behaupteten die \u00d6sterreicher, sie br\u00e4uchten Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber diese Region f\u00fcr eine Stra\u00dfe zwischen Galicien und Siebenb\u00fcrgen, und so wurde sie deshalb im Januar 1775 offiziell annektiert. Bukowina war damals ein geschlossener Milit\u00e4rbezirk (1775-1786), dann wurde der Kreis Czernowitz zum gr\u00f6\u00dften Bezirk des \u00f6sterreichischen K\u00f6nigreichs Galicien und Lodomeria (1787-1849). Im M\u00e4rz 1849 wurde Bukowina unter einem Landespr\u00e4sidenten zu einem eigenst\u00e4ndigen \u00f6sterreichischen Kronland und dann zum Herzogtum Bukowina erkl\u00e4rt. 1860 wurde sie wieder mit Galicien zusammengelegt, aber am 26. Februar 1861 wieder als eigenst\u00e4ndige Provinz wiedereingesetzt (bis 1918). 1867 wurde sie mit der Umgestaltung des \u00d6sterreichischen Reiches zum \u00d6sterreichisch-Ungarischen Reich Teil des cisleithanischen oder \u00f6sterreichischen Territoriums und blieb bis 1918 erhalten. Ein wichtiger Aspekt, der ber\u00fccksichtigt und angef\u00fchrt werden muss, ist, dass Bukowina unter \u00f6sterreichischer Herrschaft ethnisch gemischt blieb: Rum\u00e4nen dominierten im S\u00fcden, Ukrainer (im Kaiserreich allgemein Ruthenen genannt) im Norden, mit einer kleinen Anzahl ungarischer, slowakischer und polnischer Bauern, sowie Deutsche, Polen und Juden in den St\u00e4dten. Die Volksz\u00e4hlung von 1910 z\u00e4hlte 800.198 Personen, davon: Ruthenen 38,88%, Rum\u00e4nen 34,38%, Deutsche 21,24% (Juden 12,86% eingeschlossen), Polen 4,55%, Ungarn 1,31%, Slowaken 0,08%, Slowenen 0,02%, Italiener 0,02% und einige Kroaten, Roma, Serben und T\u00fcrken. Rum\u00e4nen waren noch in allen Siedlungen der Region pr\u00e4sent, aber ihre Zahl ging in den n\u00f6rdlichen D\u00f6rfern zur\u00fcck.<\/p>\n<p>In dieser zusammengesetzten Identit\u00e4tslandschaft spielten auch diejenigen eine f\u00fchrende Rolle, die als Bukowinadeutsche<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> identifiziert wurden. Sie stellten eine ethnische Minderheit dar, in deren Rahmen vier Sprachgruppen<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> anerkannt werden konnten: \u00d6sterreichisches Hochdeutsch; B\u00f6hmisch oder B\u00f6hmerw\u00e4ldisch, Pf\u00e4lzisch (Schw\u00e4bisch) und Zipser-Deutsch (Zipserisch). In Czernowitz, der Heimat von Meerbaum-Eisinger, entsprach die gesprochene Variet\u00e4t des Deutschen dem \u00f6sterreichischen Deutsch, das vor allem in urbanen Zentren gesprochen wurde.<\/p>\n<p>Die deutsche Literatur der Bukowina<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> ist, wie andere Kleinliteraturen, ein entscheidender und nicht immer ausreichend erforschter Knotenpunkt in der Forschung. Unter imposanten Namen wie Rose Ausl\u00e4nder, Paul Celan und Gregor von Rezzori findet auch die literarische Figur der j\u00fcdischen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger einen bedeutenden Platz. Meerbaum-Eisingers Identit\u00e4tsschwingung, bestehend aus territorialer und religi\u00f6ser Zugeh\u00f6rigkeit und der Trennung zwischen mehreren Sprachen (Deutsch, Rum\u00e4nisch und Jiddisch) hallt in beispielhafter Weise innerhalb ihres literarischen Schaffens nach, definiert durch eine einzige Gedichtsammlung mit dem Titel <em>Bl\u00fctenlese<\/em>. In den \u2013 urspr\u00fcnglich in einem handschriftlichen Notizbuch erhaltenen \u2013 57 Gedichten, die zwischen Mai\/Juni 1939 und 24. Dezember 1941 geschrieben wurden, schildert Meerbaum-Eisinger mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit und Tiefe ihre Eindr\u00fccke von der Welt und zeigt dadurch die Erfahrung ihres Alltags und den faszinierenden Umgang mit ihrer vielf\u00e4ltigen Innerlichkeit<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a>. Ihre Gedichte stellen sicherlich einen Weg in die Konstruktion ihrer Identit\u00e4t und auch ein wichtiges Zeugnis der deutschsprachigen Literatur dar, die in den Gebieten der Bukowina geschrieben wurde. Eine wissenschaftliche Diskussion um Meerbaum-Eisingers poetisches Schaffen ist von erheblichem Interesse, weil sie in mehrere Studienrichtungen f\u00e4llt: Sie kann nur als literarisches Testament einer Autorin untersucht werden, die in einem Konzentrationslager ermordet wurde, oder, wie im Falle dieses Aufsatzes, als transversaler Beitrag zu Studien \u00fcber weniger bekannte deutschsprachige AutorInnen, die aus historischen oder anderen Gr\u00fcnden von der Kritik und der \u00d6ffentlichkeit erst sp\u00e4t rezipiert wurden.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Rezeption von <em>Bl\u00fctenlese<\/em> ist in der Tat \u00e4u\u00dferst kompliziert und abenteuerlich<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> und zieht sich ab den 1940er Jahren durch die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts bis zu unserer Zeit<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a>. Als Meerbaum-Eisinger im Juni 1942 ins KZ Michajlovka deportiert wurde, kam ihr Gedichtalbum, das ihrem Freund Lejser Fichman gewidmet war, in die H\u00e4nde von Else Sch\u00e4chtern-Keren, einer engen Freundin der Dichterin. Nach der \u00dcbergabe an Fichman selbst kehrte der Band 1944 zu Sch\u00e4chtern-Keren zur\u00fcck, als Fichman die Flucht aus einem Arbeitslager gelang. Im selben Jahr wurde die Gedichtsammlung einer weiteren engen Freundin Meerbaum-Eisingers, Ren\u00e9e Abramovici-Michaeli, \u00fcbergeben, der in erster Linie die Verbreitung der Gedichte der jungen Freundin zugeschrieben werden muss. Ihr ist es zu verdanken, dass Meerbaum-Eisingers Gedichte von Europa nach Israel gelangten, wo die Sammlung 1976 (400 Exemplare) und dann 1979 dank des Verlags der Universit\u00e4t Tel Aviv erschien. Die Sammlung wurde au\u00dferdem 1980 bei Hoffmann und Campe, 2013 (Reclam und Rimbaud Verlag) und 2014 (zum Klampen Verlag) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die R\u00e4ume der Duplizit\u00e4t: Natur, Innerlichkeit und Bukowina<\/strong><\/p>\n<p>Meerbaum-Eisingers Identit\u00e4tsdualit\u00e4t stellt sich in Form von einer Spannung zwischen den \u00e4u\u00dferen R\u00e4umen, dargestellt durch die Natur und die vielf\u00e4ltigen Formen, die sie annimmt, und den R\u00e4umen der Innerlichkeit vor. W\u00e4hrend sie die Orte ihres Alltags und ihre Eindr\u00fccke von der Natur beschreibt, kollidiert die Dichterin mit der komplexen historischen Realit\u00e4t, die sich um sie herum entwirrt. In diesem Sinne entwickeln sich ihre Gedichte, die zun\u00e4chst von einer gl\u00fccklichen \u00d6ffnung zur Welt und einer inneren Hoffnung, die sich bis in die Zukunft ausdehnt, allm\u00e4hlich in Richtung einer dunkleren und tragischeren Realit\u00e4tsauffassung. Die interkulturelle und interidentit\u00e4re Dimension der Stadt Czernowitz verdichtet sich innerhalb des Schreibens und wird in Form poetischer Worte gefiltert. Im Gegensatz zu anderen aus ihrer Heimat stammenden AutorInnen, u.a. Rose Ausl\u00e4nder, die die Bukowina ausdr\u00fccklich als poetisch zu verdichtendes Objekt betrachtet haben, manifestieren sich Meerbaum-Eisingers Gedichte zwar in der Bukowina, aber die Heimat wird dennoch nie explizit erw\u00e4hnt. Die Gedichte von Ausl\u00e4nder und Meerbaum-Eisinger stellen die Bukowina jedoch als ein multi-gestaltetes Land mit einer komplexen Identit\u00e4tskonfiguration dar, die ihre Daseinsberechtigung auf eine bl\u00fchende und leuchtende Natur zur\u00fcckf\u00fchrt, hinter der sich eine nahe und gef\u00e4hrliche Dekadenz verbirgt. Bei Ausl\u00e4nder erweist sich Bukowina in der Tat als eine verlorene Heimat<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a>, was sich bei Meerbaum-Eisinger offensichtlich nicht realisieren konnte. Im Gedicht <em>Bukowina III<\/em> von Rose Ausl\u00e4nder lassen das tiefe und herzzerrei\u00dfende Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit der Dichterin und die Beschreibung eines lebendigen und aufrichtigen Ortes an die Idee einer Traumlandschaft denken, in der mehrere Sprachen gesprochen werden und Menschen in vollst\u00e4ndigem Frieden zusammenleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gr\u00fcne Mutter<br \/>\nBukowina<br \/>\nSchmetterlinge im Haar<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trink,<br \/>\nsagt die Sonne,<br \/>\nrote Melonenmilch,<br \/>\nwei\u00dfe Kukuruzmilch.<br \/>\nIch machte sie s\u00fc\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Violette F\u00f6hrenzapfen,<br \/>\nLuftfl\u00fcgel V\u00f6gel und Laub.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Karpatenr\u00fccken,<br \/>\nv\u00e4terlich,<br \/>\nl\u00e4dt dich ein,<br \/>\ndich zu tragen [\u2026]<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Fokus der Dichterin auf die Darstellung der Bukowina als eine gr\u00fcne Mutter und damit das Naturmotiv findet sich auch bei Meerbaum-Eisinger als grunds\u00e4tzliches Leitmotiv: Natur offenbart in beiden F\u00e4llen ihre Vielf\u00e4ltigkeit und evoziert dabei andere Denkr\u00e4ume. Die weiteren Dimensionen, die durch das Naturmotiv in Frage gestellt werden, sind das Ergebnis eines kontinuierlichen Dialogs zwischen der Natur und der Innerlichkeit der Dichterin: Die Schnittpunkte zwischen den beiden Instanzen erzeugen eine konzeptionelle Spannung, die sich um den Prozess der Identit\u00e4tskonstruktion Meerbaum-Eisingers dreht<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a>. Und aus diesem Grund wird die Repr\u00e4sentation der Natur mit einer allgegenw\u00e4rtigen Nostalgie untermauert, die im Gegensatz zu einem phantasievollen Sprachgebrauch steht, der die Gedichte dominiert. Als gutes Beispiel f\u00fcr unsere These gelten zwei Gedichte, die\u00a0 die Titel \u201eAbend I\u201c und \u201eAbend II\u201c tragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Himmel ist vom hellsten Blau<br \/>\nund wei\u00dfe Wolken l\u00e4cheln mit ihm.<br \/>\nUnd schlanke B\u00e4ume, dunkel oder gr\u00fcn,<br \/>\nsehen dich an und sagen lautlos: schau!<\/p>\n<p>Alles ist eingeh\u00fcllt in weiche Luft,<br \/>\ndie still ist, so als ob sie einem M\u00e4rchen lausche.<br \/>\nUnd alle V\u00f6gel horchen wie im Rausche \u2013<br \/>\nman h\u00f6rt nur Duft.<\/p>\n<p>Die wei\u00dfen Wolken blinken wie der Schnee,<br \/>\nder auf Vergissmeinnicht gefallen ist.<br \/>\nUnd ganz so blau liegt auch das weiche Weh,<br \/>\ndas sich \u00fcber die B\u00e4ume gie\u00dft.<\/p>\n<p>Und \u2013 sind die B\u00e4ume dunkel oder gr\u00fcn?<br \/>\nSie wissen es wohl selber nicht genau.<br \/>\nIn einem Fenster zittert aus dem Blau<br \/>\nein Tropfen Rot. Sie bl\u00fchn.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Meerbaum-Eisinger dieses Gedicht am 14. Juli 1941 verfasste, war Czernowitz, welches damals zum mit den Nazis verb\u00fcndeten Rum\u00e4nien geh\u00f6rte, vor kurzem von rum\u00e4nischen Truppen und dem Einsatzkommando 10b, das bis wenige Tage zuvor bereits j\u00fcdische Bewohner benachbarter Gebiete verhaftet und get\u00f6tet hatte, belagert worden. Das Gedicht beschreibt eine vorabendliche Landschaft, die auf einen Chromatismus zur\u00fcckgreift, in dem die Anwesenheit der Farben Wei\u00df, Blau und Rot dominiert und sie mit den optischen Dimensionen der Dunkelheit und Helligkeit abwechselt. Der Einsatz chromatischer Symbolik erm\u00f6glicht es der Autorin, die Vielzahl der Eindr\u00fccke in ihrer Innerlichkeit zu manifestieren und so den Grundstein f\u00fcr eine transversale Reflexion \u00fcber die konzeptuelle Kontinuit\u00e4t zwischen ihren \u00e4u\u00dferen und inneren Landschaften zu legen. Wie auch die <em>Farbenlehre<\/em>, Goethes ber\u00fchmte wissenschaftliche Untersuchung des Wesens der Farben, lehrt, kommt man durch die Verwendung einer bestimmten Farbe, um ein angegebenes Konzept auszudr\u00fccken, zu einer Neuformulierung der Bedeutungen des Geschriebenen. Die vier Strophen wechseln Helligkeit mit Dunkelheit ab, unterst\u00fctzt durch die Verwendung eines einfachen, aber direkten Wortschatzes und einer Reihe von Fragen und Annahmen, die die Leichtigkeit und die gro\u00dfen Hoffnungen und Erwartungen betonen, die von der Naivit\u00e4t des Alters der Dichterin augenscheinlich diktiert werden. Diese helligkeitsdunkle Dichotomie wird jedoch von einem nostalgischen und melancholischen Gewahrsein durchzogen, das sich insbesondere durch die Verwendung von W\u00f6rtern wie <em>eingeh\u00fcllt, Luft, still, lauschen <\/em>und<em> rauschen<\/em> bezeichnen l\u00e4sst. Das Blau, das in der Regel repr\u00e4sentativ f\u00fcr Nostalgie und die mit Unendlichkeit verbundenen Empfindungen ist<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a>, tritt zuerst mit der Farbe Wei\u00df in Dialog, um die makellose Unschuld und Sch\u00f6nheit des Himmels und der Wolken zu betonen und um sich dann mit dem Rot eines Tropfens, der direkt vom Blau des Himmels abgeleitet ist, zu verbinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie eine Linie dunkelblauen Schweigens<br \/>\nliegt fern der Horizont, von weichem Rot ums\u00e4umt.<br \/>\nDie Wipfel schaukeln wie im Banne eines Reigens,<br \/>\ndas Licht ist wie im M\u00e4rchen, sanft und blau vertr\u00e4umt.<br \/>\nDer Himmel ist noch hell, noch sieht man kaum die Sterne,<br \/>\ndie Luft ist k\u00fchl und weich wie eine Frauenhand<br \/>\nund s\u00fc\u00dfe Melodie dringt aus der fernsten Ferne:<br \/>\nMusik einer Schalmei, zauberhaft, unbekannt.<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gedicht <em>Abend II<\/em>, das am 12. Dezember 1941 verfasst wurde, dominiert rhetorisch die Figur der Ferne, um die sich das diskursive Schema der Poesie herum\u00a0aufbaut. Der\u00a0poetische Diskurs kreuzt sich wieder mit der Dimension der Farben, die zu einer Aufwertung und Intensivierung der allgegenw\u00e4rtigen Dimension der Sehnsucht nach dem Anderen und dem Unbekannten f\u00fchrt<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a>. Selma Meerbaum-Eisingers Semantisierung der Ferne erfolgt in der Tat durch die Verwendung eines lexikalischen und rhetorischen Universums, das aus Metaphern, Anthropomorphisierungen der Natur und \u00c4hnlichkeiten besteht, die einen syn\u00e4sthetischen Erz\u00e4hlraum bilden. In diesem Sinne ist die Stille in ihrer Blauigkeit gefangen, der Horizont, der auch in einer unerreichbaren Dimension liegt, ist mit rot gef\u00e4rbt. Das vom Gedicht wiedergegebene poetische Bild der Ferne ist also in einen erz\u00e4hlerischen Hintergrund eingef\u00fcgt, in dem sich Blau und Rot abwechseln und damit die innere Trennung der Dichterin zwischen Empfindungen von W\u00e4rme und Leidenschaft und Gef\u00fchlen, die mit Sehnsucht und eben Ferne zusammenh\u00e4ngen, hervorheben. Die visuelle Dimension, die durch die Darstellung der Natur betont wird, trifft auf die akustische Dimension durch das Vorkommen einer aus der unbekannten und unzug\u00e4nglichen Ferne dringenden Melodie: Es geht hier um eine stilistische Entscheidung, die wesentlich zur Schaffung eines syn\u00e4sthetischen Raumes beitr\u00e4gt, in dem mehrere Sinne zusammenarbeiten, um die Pluralit\u00e4t des Ferne-Konzepts<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a> herauszuarbeiten.<\/p>\n<p>Meerbaum-Eisingers weltoffene poetische Kraft und interidentit\u00e4re Schwingung zwischen territorialer, sprachlicher und religi\u00f6ser Identit\u00e4t entstehen in ihren poetischen Kompositionen durch den Einsatz poetischer Figurationen, die durch die Begriffe Ferne und Sehnsucht vermittelt werden. Meerbaum-Eisingers Nostalgie entpuppt sich in diesem Sinne als eine Identit\u00e4tsnostalgie und eine Neigung zum Absoluten, die es ihr erm\u00f6glicht, den historischen Wechself\u00e4llen und Schmerzen, die durch die Abwesenheit ihres Freundes Lejser Fichman erzeugt werden, zu entfliehen.<\/p>\n<p>Um diese Suche nach dem Unendlichen, die durch den Raum der Nostalgie vermittelt wird, entwickelt sich auch das Gedicht <em>Das Gl\u00fcck<\/em> (18. August 1941), in dem das lyrische Ich die Beschaffenheit seiner eigenen Sehnsucht erkundet und dabei auch die Dimension darlegt, in der sie handelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlafen m\u00f6cht\u2019 ich,<br \/>\nDer Wind wiegt mich ein,<br \/>\nUnd die Sehnsucht singt mich zur Ruh\u2019.<br \/>\nWeinen m\u00f6cht\u2019 ich.<br \/>\nSchon die Blumen allein<br \/>\nFl\u00fcstern Tr\u00e4nen mir zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sieh die Bl\u00e4tter:<br \/>\nSie blinken im Wind<br \/>\nUnd gaukeln Tr\u00e4ume mir vor.<br \/>\nJa und sp\u00e4ter \u2013<br \/>\nLacht wo ein Kind,<br \/>\nUnd irgendwo hofft ein Tor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehnsucht hab\u2019 ich<br \/>\nWohl nach dem Gl\u00fcck?<br \/>\nNach dem Gl\u00fcck.<br \/>\nFragen m\u00f6cht\u2019 ich:<br \/>\nKommt es zur\u00fcck?<br \/>\nNie zur\u00fcck.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der innere Dialog beginnt mit der Beschreibung einer Abendlandschaft, in der das lyrische Ich behauptet, schlafen zu wollen. Der Wind und seine Sehnsucht sind an dem Vorgang beteiligt, der es zum Schlafen f\u00fchrt. Dieses poetische Bild hat die Funktion, das unmittelbar folgende Szenario vorwegzunehmen, in dem das Verlangen nach Schlaf durch das Verlangen nach Weinen ersetzt wird, begleitet von Blumen, die sie mit Diskretion einladen, Tr\u00e4nen zu vergie\u00dfen. Bereits in der ersten Strophe wird auf eine innere Bedr\u00e4ngnis hingewiesen: Das lyrische Ich wird zwischen Schlaf und Tr\u00e4nen aufgeteilt, w\u00e4hrend die Natur (der Wind, die Blumen) und seine Empfindungen (Nostalgie, Wille) an seiner Entscheidung teilnehmen und es in die eine oder die andere Richtung ausrichten. Im zweiten Vers beginnt ein f\u00fcr Meerbaum-Eisingers Gedichte typischer Prozess: Natur und Welteindr\u00fccke, zun\u00e4chst getrennt, werden zusammengef\u00fchrt und tragen zur Neubeschreibung des inneren Panoramas des lyrischen Ichs bei: Das lyrische Ich macht daher kein Geheimnis daraus, dass es sich im Gleichgewicht zwischen Innerlichkeit und \u00c4u\u00dferlichkeit befindet, und gibt sowohl der Natur als auch ihren tiefsten und schmerzhaftesten Gef\u00fchlen eine gemeinsame Stimme. Der poetische Raum erweitert sich dadurch, und die Erz\u00e4hlung deutet auf eine chorale Natur hin, in der sich das lyrische Ich als Vermittler zwischen dem, was au\u00dferhalb der Identit\u00e4t liegt, und der Identit\u00e4t selbst erweist.<\/p>\n<p>In diesem Sinne gelangt sogar die Duplizit\u00e4t der Identit\u00e4t des lyrischen Ichs in eine poetische Landschaft, in der sie mit sich selbst in Dialog tritt: Das, was in den letzten Zeilen des Gedichts deutlich wird, ist tats\u00e4chlich eine Problematisierung der Identit\u00e4t. Das lyrische Ich vermittelt somit nach au\u00dfen eine Nostalgie, die sich nicht nur als eine Sehnsucht nach einem verlorenen und unwiederbringlichen Gl\u00fcck, sondern als eine Sehnsucht nach einer unerreichbaren Vollst\u00e4ndigkeit der Identit\u00e4t herausstellt.<\/p>\n<p>Im selben Jahr verfasst (am 23. Dezember 1941), kurz vor ihrer Deportation in das ukrainische Konzentrationslager Michajlowka, in dem sie kurz darauf ihr Leben verlor, unterst\u00fctzt das Gedicht <em>M\u00fcdes Lied<\/em> die Idee, dass Meerbaum-Eisinger in melancholischen, pseudom\u00e4rchenhaften und nostalgischen T\u00f6nen den Ausdruck ihrer eigenen vielf\u00e4ltigen Innerlichkeit gefunden hatte. Man bedenke, dass im August 1941 das Ghetto von Czernowitz errichtet wurde, in dem Meerbaum-Eisinger selbst zusammen mit 50.000 anderen Menschen j\u00fcdischen Glaubens zum Bleiben gezwungen wurde: Das Gedicht, das wir nun analysieren werden, wurde daher vermutlich in einer Zeit maximaler innerer Anspannung geschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte schlafen, denn ich bin so m\u00fcde,<br \/>\nund so m\u00fcd und wund ist mein Gl\u00fcck.<br \/>\nIch bin so allein \u2013 selbst mein liebstes Lied<br \/>\nist fort und will nicht mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Schlaf\u2019 ich einmal, so tr\u00e4ume ich auch,<br \/>\nund Tr\u00e4ume sind so wundersch\u00f6n.<br \/>\nSie zaubern einen l\u00e4chelnden Hauch<br \/>\nauch \u00fcbers schwerste Geschehn.<\/p>\n<p>Tr\u00e4ume tragen Vergessen mit sich<br \/>\nund schillernden bunten Tand.<br \/>\nWer wei\u00df es \u2013 vielleicht auch bannen sie mich<br \/>\nf\u00fcr ewig in ihr Land.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man nimmt in diesem Gedicht die Verwandlung der Nostalgie in eine existenzielle Erm\u00fcdung wahr, die durch die poetische Erfahrung entmystifiziert wird und die in die Territorien des Traums \u00fcbergeht. Fast wie in einem Tagebuch, in dem die innere Stimme Gestalt annimmt und ein Gef\u00fchl starker Niederlage und ewiger Nostalgie ausdr\u00fcckt, beginnt Meerbaum-Eisinger ihre Rede mit dem Bed\u00fcrfnis zu schlafen und zu tr\u00e4umen: Gerade in einer traum\u00e4hnlichen Dimension findet die Dichterin Zuflucht. <em>M\u00fcdes Lied<\/em> stellt in seiner Wesentlichkeit die Synthese der inneren und \u00e4u\u00dferen\/historischen Situation der Dichterin dar, das in der Tat auf eine Reihe von Metaphern zur\u00fcckgreift. Erstens entspricht das fehlende Lieblingslied sowohl der Tatsache, dass ihr Freund Lejser Fichman abwesend ist, als auch den vergangenen Zeiten bzw. den Zeiten vor dem Ausbruch des Krieges und der Errichtung des Ghettos. Das Schlafen und die Tr\u00e4ume beschreiben dagegen die M\u00f6glichkeit, der Realit\u00e4t zu entfliehen, um sich selbst und die Leidenschaft f\u00fcr das Leben zu finden, w\u00e4hrend das lyrische Ich sich nostalgisch mit verzaubertem L\u00e4cheln sogar mit dem h\u00e4rtesten Schicksal konfrontiert. Die innere Idylle ist jedoch dazu bestimmt, zu verblassen, wenn die Dichterin mit der Realit\u00e4t konfrontiert wird, der sie wiederum zu entkommen versucht.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schlussbemerkungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Der vorliegende Aufsatz hat sich zum Ziel gesetzt, die poetische Produktion der in der Stadt Czernowitz (Bukowina) geborenen und aufgewachsenen deutschsprachigen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger zu untersuchen.<\/p>\n<p>Ausgehend von der Pr\u00e4misse der deutschsprachigen Bukowina als multikulturelles und interkulturelles Land aus historischer und kulturwissenschaftlicher Sicht hat sich der Beitrag auf einige Gedichte Meerbaum-Eisingers konzentriert, in denen eine Identit\u00e4tsduplizit\u00e4t und eine kontinuierliche Schwingung zwischen Identit\u00e4tsformen und Repr\u00e4sentationen des Konflikts zwischen Innerlichkeit und dem \u00c4u\u00dferen entsteht. In diesem Sinne lag der Fokus auf der Rolle der Farben, der Thematisierung des Begriffs der Ferne und einer Identit\u00e4tsnostalgie, die mit der dichterischen und sprachlichen Schaffung syn\u00e4sthetischer Erz\u00e4hlr\u00e4ume untermauert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. Gatscher-Riedl, Gregor. <em>Czernowitz &#8211; Klein-Wien am Ostrand der Monarchie<\/em>. Ein k.u.k. Sehnsuchtsort (K.u.k. Sehnsuchtsorte), Berndorf: Kral Verlag, 2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Die Angelegenheiten um Meerbaum-Eisingers Tod sind von dem rum\u00e4nischen Maler Arnold Daghani und seiner Frau angegeben worden. Sie befanden sich im selben Konzentrationslager wie die Dichterin und haben den Verlauf ihrer Krankheit sowie ihren anschlie\u00dfenden Tod miterlebt. Daghani zeichnete auch den Leichnam der jungen Selma, die auf einer Holzfl\u00e4che lag. (Siehe \u201eSelma stirbt\u201c: https:\/\/selma.ws\/bogen\/de, eingesehen am 01.04.2021).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Vgl. Hofmann, Michael \/ Patrut, Iulia-Karin (Hrsg.). <em>Einf\u00fchrung in die interkulturelle Literatur<\/em>. Darmstadt: WBG Verlag, S. 22ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Vgl. Beyersd\u00f6rfer, Frank.\u00a0<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=yW8sutWWW4UC&amp;pg=PA49&amp;q=Multikulturelle+Gesellschaft#v=onepage\"><em>Multikulturelle Gesellschaft: Begriffe, Ph\u00e4nomene, Verhaltensregeln<\/em><\/a>. M\u00fcnster: LIT Verlag, 2004, S. 19-50.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Czernowitz geh\u00f6rt heute zur Ukraine.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Weitere Informationen zu diesem Thema findet man in Schnellbach, Christoph.\u00a0\u201eVielv\u00f6lkerstaat\u201c. In:\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bundesinstitut_f%C3%BCr_Kultur_und_Geschichte_der_Deutschen_im_%C3%B6stlichen_Europa#Publikationen\"><em>Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im \u00f6stlichen Europa<\/em><\/a>, 2016, <a href=\"https:\/\/ome-lexikon.uni-oldenburg.de\">https:\/\/ome-lexikon.uni-oldenburg.de<\/a>, (eingesehen am 8.11.2020); <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pieter_M._Judson\">Judson, Pieter M.<\/a> <em>Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740-1918<\/em>. M\u00fcnchen: C.H. Beck, 2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Vgl. Deleuze, Gilles\/ Guattari, F\u00e9lix. <em>Kafka, pour une litt\u00e9rature mineure<\/em>. Paris: Les \u00c9ditions de Minuit, 1975.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Zur Behandlung der historischen Begebenheiten von Bukowina siehe Scharr, Kurt.\u00a0<em>Die Landschaft Bukowina. Das Werden einer Region an der Peripherie 1774 &#8211; 1918.<\/em>\u00a0Wien\/K\u00f6ln\/Weimar: B\u00f6hlau, 2010; vgl. noch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hannes_Hofbauer\">Hofbauer, Hannes<\/a> \/ Roman, Viorel. <em>Bukowina, Bessarabien, Moldawien: Vergessenes Land zwischen Westeuropa, Ru\u00dfland und der T\u00fcrkei.<\/em>\u00a0Wien: Promedia,1993; vgl. auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rudolf_von_%C3%96sterreich-Ungarn\">Erzherzog, Rudolf<\/a>.\u00a0<em>Die \u00f6sterreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild.\u00a0Band 20:\u00a0Bukowina<\/em>.\u00a0Wien: k.k. Hof- und Staatsdruckerei, 1899.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Zum Verh\u00e4ltnis zwischen Bukowina und deutschsprachigen L\u00e4ndern vgl. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hugo_Weczerka\">Weczerka, Hugo<\/a>. \u201eDie Deutschen im Buchenland\u201c. In: <em>Der\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6ttinger_Arbeitskreis\"><em>G\u00f6ttinger Arbeitskreis<\/em><\/a> 51 (1954); vgl. Freiherr von Kapri, Emanuel.\u00a0<em>Buchenland. Ein \u00f6sterreichisches Kronland verschiedener V\u00f6lkergruppen.<\/em>\u00a0Stuttgart\/M\u00fcnchen: Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, 1974. Zum Verh\u00e4ltnis zwischen Bukowina und Juden siehe Kassner, Salomon. <em>Die Juden in der Bukowina<\/em>. Wien: L\u00f6wit, 1917; vgl. auch Gold, Hugo (Hrsg.). <em>Geschichte der Juden in der Bukowina. Ein Sammelwerk<\/em>. Tel Aviv: Edition Olamenu, 1958-1962 (Band I und Band II); vgl. Shchyhlevska, Natalia. <em>Deutschsprachige Autoren aus der Bukowina<\/em>. Frankfurt u.a.: Lang, 2009, hier S. 13-75.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Vgl. Welisch, Sophie A. The Bukovina-Germans During the Habsburg Period: Settlement, Ethnic Interaction, Contributions\u201d. In: <em>Immigrants &amp; Minorities, <\/em>vol. 5, no. 1 (1986), S. 81-98, hier 82-87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrei_Corbea-Hoi%C8%99ie\">Corbea-Hoi\u0219ie, Andrei<\/a> \/ Astner, Michael (Hrsg.).\u00a0<em>Kulturlandschaft Bukowina. Studien zur deutschsprachigen Literatur des Buchenlandes nach 1918.<\/em>\u00a0Jassy Konstanz: Hartung-Gorre, 1990; Vgl. noch Goltschnigg, Dietmar \/ Schwob, Anton (Hrsg.).\u00a0<em>Die Bukowina. Studien zu einer versunkenen Literaturlandschaft.<\/em>\u00a0T\u00fcbingen: Francke, 1990.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Vgl. Breysach, Barbara. \u201eMeerbaum-Eisinger, Selma\u201c. In: Kilcher, Andreas B. (Hrsg.). <em>Metzler Lexikon der deutsch-j\u00fcdischen Literatur. J\u00fcdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufkl\u00e4rung bis zur Gegenwart<\/em>. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart\/Weimar: Metzler, 2012, S. 365f.; vgl. auch Niethammer, Ortrun. \u201eInnere Differenzierung. Selma Meerbaum-Eisinger: Rezeption ihrer Gedichte nach 1980\u201c. In: Hansen-Schaberg, Inge (Hrsg.). <em>Als Kind verfolgt. Anne Frank und die anderen<\/em>. Berlin: Weidler, 2004, S. 194-210; vgl. auch L\u0103z\u0103rescu, Mariana-Virginia. <em>\u201eSchau, das Leben ist so bunt\u201c. Selma Meerbaum-Eisinger, Karin G\u00fcndisch und Carmen Elisabeth Puchianu: drei repr\u00e4sentative deutsch schreibende Autorinnen aus Rum\u00e4nien<\/em>. Berlin: WVB, 2009, hier S. 11-40; Vgl. auch May, Markus. \u201eWie eine Linie dunkelblauen Schweigens\u201c. Selma Meerbaum-Eisinger im Kontext der Lyrik der Bukowina der 1930er und 1940er Jahre\u201c. In: Busch, Walter \/ Conterno, Chiara (Hrsg.). <em>Weibliche j\u00fcdische Stimmen deutscher Lyrik aus der Zeit von Verfolgung und Exil<\/em>. W\u00fcrzburg: K\u00f6nigshausen &amp; Neumann, 2012, S. 27-44.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Vgl. Stein, Ute. <em>Geschichte der Selma Meerbaum \u2013 Eisinger<\/em>. www.meerbaum-haus.de; vgl. auch Serke, J\u00fcrgen. <em>Geschichte einer Entdeckung<\/em>. In: <em>Selma Meerbaum-Eisinger: Ich bin in Sehnsucht eingeh\u00fcllt<\/em>. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2005, S. 107ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. Emmerich, Wolfgang. \u201eSelma Meerbaums Gedichte als Chronik der laufenden Ereignisse 1939-41\u201c<em>.<\/em> In: Goltschnigg, Dietmar \/ Schwob, Anton (Hrsg.).<em> Die Bukowina. Studien zu einer versunkenen Literaturlandschaft. <\/em>T\u00fcbingen: Francke, 1990, S. 275ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Vgl. Winkler, Markus. \u201eVon der Sprache zum Raum: Heimat als geographische Landschaft in der Lyrik Rose Ausl\u00e4nders\u201c. In: <em>Analele Universit\u0103\u021bii \u201eAlexandru Ioan Cuza\u201d din Ia\u0219i. Sec\u021biunea IIIe. <\/em><em>Lingvistic\u0103, tomul LVII, <\/em>(2011)<em>, <\/em>S. 143-153, hier S. 145ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Ausl\u00e4nder, Rose. <em>Bukowina III<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.lyrikline.org\/en\/poems\/bukowina-i-545\">https:\/\/www.lyrikline.org\/en\/poems\/bukowina-i-545<\/a> (eingesehen am 10.10.2020).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Vgl. Russo, Eriberto. \u201e<a href=\"https:\/\/universitypress.unisob.na.it\/ojs\/index.php\/culturatedesca\/article\/view\/796\">Elaborazioni della Liebessehnsucht nella raccolta poetica <em>Bl\u00fctenlese<\/em> di\u00a0Selma Meerbaum-Eisinger<\/a>\u201c. In <em>Cultura tedesca<\/em> 57 (2020), S. 317-329. Vgl. auch Russo, Eriberto. \u201e\u2018Ich bin der Regen und ich gehe barfu\u00df einher von Land zu Land\u2018. Selma Meerbaum-Eisingers identit\u00e4tsfindende Sehnsuchtsfigurationen\u201c. In: Greif, Stefan \/ Kurultay, Turgay, Ro\u00dfbach, Nikola (Hrsg.). <em>Kein Ende des Ger\u00fcchts. Antisemitismus in Kultur und Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts<\/em>. Kassel: kassel university press, 2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Meerbaum-Eisinger, Selma. <em>Abend I<\/em>, url: <a href=\"https:\/\/www.deutschelyrik.de\/abend-i.html\">https:\/\/www.deutschelyrik.de\/abend-i.html<\/a> (eingesehen am 11.10.2020).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Vgl. Gercke, Hans (Hrsg.). <em>Blau: Farbe der Ferne.<\/em>\u00a0(Ausstellungskatalog). Heidelberg: Das Wunderhorn, 1990.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Meerbaum-Eisinger, Selma. <em>Abend II<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.deutschelyrik.de\/abend-ii.html\">https:\/\/www.deutschelyrik.de\/abend-ii.html<\/a> (eingesehen am 11.10.2020).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Die von Meerbaum-Eisinger dargestellte Natur ist eine syn\u00e4sthetische und metamorphe Natur, die von den Sinnen, die gemeinsam an der poetischen Erfahrung teilhaben, st\u00e4ndig kontaminiert wird. Vgl. dazu Marks, Lawrence E. <em>The Unity of the Senses. Interrelations among the modalities<\/em>. New York: Academic Press, 1978; vgl. auch Cytowic, Richard E. <em>Synesthesia: A Union of the Senses (2nd edition)<\/em>. Cambridge: MIT Press, 2002; vgl. auch Emrich, Hinderk M.\/ Schneider, Udo\/ Zedler, Markus. <em>Welche Farbe hat der Montag? Syn\u00e4sthesie: Das Leben mit verkn\u00fcpften Sinnen.<\/em>\u00a0Stuttgart: Hirzel, 2002.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Vgl. Gotthard, Axel. <em>In der Ferne: die Wahrnehmung des Raums in der Vormoderne<\/em>. Frankfurt\/New York: Campus Verlag, 2007, S. 72-143. Hervorzuheben ist auch, dass das Ferne-Konzept auch aus psychologischer und soziologischer Sicht als grundlegender Bestandteil des Raumes des Andersseins und der Fremdheit zu betrachten ist: vgl. dazu Schneider, Christoph. \u201eDas Ferne, das uns nahe ist: Zur Ph\u00e4nomenologie der Fremdheit\u201c. In: <em>Psyche \u2013 Zeitschrift f\u00fcr Psychoanalyse<\/em>, 70 (9) (2016), S. 923-948.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> Meerbaum-Eisinger, Selma. <em>Das Gl\u00fcck. <\/em><a href=\"https:\/\/www.deutschelyrik.de\/das-glueck.html\">https:\/\/www.deutschelyrik.de\/das-glueck.html<\/a> (eingesehen am 02.04.2021).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Meerbaum-Eisinger, Selma. <em>M\u00fcdes Lied. <\/em><a href=\"https:\/\/www.deutschelyrik.de\/muedes-lied.html\">https:\/\/www.deutschelyrik.de\/muedes-lied.html<\/a> (eingesehen am 25.10.2020).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Multikulturalismus, Interkulturalit\u00e4t und Kleinliteratur(en). Selma Meerbaum-Eisingers Doppelidentit\u00e4tskonstruktion von Eriberto Russo \u00a0 Einleitung Das dichterische Werk von Selma Meerbaum-Eisinger, einer deutschsprachigen rum\u00e4nischen Dichterin, die in Czernowitz, dem leuchtenden sogenannten Kleinen Wien[1] der Bukowina, aufgewachsen ist und 1942 im KZ Michajlowka an Typhus tragisch verstarb[2], ist ein wichtiges Zeugnis sowohl der Holocaustliteratur als auch der deutschsprachigen Kleinliteratur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":0,"parent":7548,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-7620","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7620","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7620"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7620\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7548"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}