{"id":7649,"date":"2021-11-12T12:00:29","date_gmt":"2021-11-12T17:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7649"},"modified":"2021-11-12T11:25:01","modified_gmt":"2021-11-12T16:25:01","slug":"zwei-seelen-ein-blick-auf-die-polnische-germanistin-elida-maria-szarota","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-48\/zwei-seelen-ein-blick-auf-die-polnische-germanistin-elida-maria-szarota\/","title":{"rendered":"Zwei Seelen? Ein Blick auf die polnische Germanistin Elida Maria Szarota"},"content":{"rendered":"<p>von <strong>Karol Sauerland<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Eine Frau mit f\u00fcnfzig<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt wohl nur wenig Beispiele daf\u00fcr, dass eine Frau mit fast f\u00fcnfzig Jahren sich entscheidet, eine akademische Karriere einzuschlagen und schnell zu einer bekannten Gelehrtin wird. Ein solches Beispiel stellt der Fall Elida Maria Szarota dar. Im M\u00e4rz 1957 habilitierte sie sich im Alter von 53 Jahren als Polin an der Ostberliner Humboldt-Universit\u00e4t \u00fcber Lessings Laokoon. Sie war im Herbst 1956 in die DDR gefahren, da ihr ein \u00e4lterer polnischer Professor f\u00fcr Germanistik Steine in den Weg gelegt hatte, nicht als Gutachter figurieren wollte.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Es war die Zeit des sogenannten Tauwetters, das in Polen zu dem von der Bev\u00f6lkerung erzwungenen Machtwechsel an der Spitze der kommunistischen Partei f\u00fchrte. Pl\u00f6tzlich konnte man auch nach Berlin fahren, obwohl es dort freien Zugang zum Westen gab. So mancher Pole nutzte dies und kehrte nicht wieder in sein Heimatland zur\u00fcck.<\/p>\n<p>1960 wurde endlich die Studienrichtung Germanistik an der Warschauer Universit\u00e4t er\u00f6ffnet. Vier Dozenten wurden eingestellt, unter ihnen befand sich auch Elida Maria Szarota. Sie erwies sich als die bedeutendste. Ein Jahr zuvor war ihre Habilarbeit unter dem Titel, der nicht der ihrige war, <em>Lessings Laokoon.<\/em> <em>Eine Kampfschrift f\u00fcr eine realistische Kunst und Poesie<\/em> im Weimarer Arion-Verlag erschienen. Viele marxistisch klingende Formulierungen hatte der Philosoph Wolfgang Heise ihr hineingeschrieben. Sie hatte es zugelassen, um sich habilitieren zu k\u00f6nnen. Sie bedauerte es sp\u00e4ter, sich nicht gen\u00fcgend gewehrt zu haben.<\/p>\n<p>\u00dcberaus interessant sind jene Partien des Buches, in denen Szarota auf die Grenzen der Lessingschen Argumentation verweist, die bereits von Herder, Goethe und anderen aufgezeigt worden waren. Innerhalb dessen, was in jener Zeit in der DDR zu germanistischen Problemen erschien, zeichnete sich die Arbeit durch die Kenntnis des europ\u00e4ischen Kontextes und der internationalen Sekund\u00e4rliteratur aus, deren Thesen Szarota in einem sehr sachlichen Ton akzeptiert oder ablehnt.<\/p>\n<p>Wie sie in ihren Memoiren berichtet, spielte bei der m\u00fcndlichen Verteidigung ihr Habilitationsvortrag \u00fcber \u201eDie Wandlungen der Klopstockschen lyrischen Kunst, aufgewiesen an der <em>Wingolf<\/em>-Ode\u201c eine wichtige Rolle. Der Vortrag konnte allerdings nicht in der DDR erscheinen, dagegen druckten ihn die <em>Etudes Germaniques<\/em><a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> bereitwillig. Er fand breite Beachtung, und vor allem schickte Bruno Breitbach der Verfasserin einen begeisterten Brief, woraus sich ein intensiver Kontakt zwischen ihnen ergeben sollte. Breitbach unterst\u00fctzte sie in der Folge durch zahlreiche B\u00fcchergeschenke. Das \u00dcberraschende an ihrem Aufsatz ist, dass sie aufzeigen konnte, wie Klopstocks Ode <em>Wingolf<\/em>\u00a0 von 1767 \u201ehorazischer\u201c klingt als die fast gleichlautende, um zwanzig Jahre fr\u00fcher entstandene Ode \u201eAn meine Freunde\u201c, in der die Figuren aus dem antiken und nicht germanischen Mythos stammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die franz\u00f6sische Seele<\/strong><\/p>\n<p>Szarota betonte gern, dass sie in Paris geboren sei. Sie sprach mit Leidenschaft Franz\u00f6sisch, gab sich in Gesellschaft als die <em>Grande Dame<\/em>, was oft, besonders in Deutschland, auf Befremden stie\u00df. Man lachte \u00fcber sie, zumal nur wenige des Franz\u00f6sischen m\u00e4chtig waren, und meinte, dass dies eine alte polnische Adelsmanier sei.<\/p>\n<p>Wissenschaftlich schlug sich ihre Kenntnis des Franz\u00f6sischen und der franz\u00f6sischen Literatur in so gut wie all ihren Schriften nieder. So nimmt in dem Lakoonbuch Lessings Polemik mit den Franzosen einen gro\u00dfen Raum ein. Innerlich stand Szarota auf Seiten von Racine und Corneille, weniger auf der von Lessing. Es k\u00fcndigte sich bereits ihre Hinwendung zum Barock an. Ihre erste Vorlesung an der Warschauer Germanistik war zum\u00a0 Leidwesen der Mehrzahl der Studenten und Studentinnen der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts gewidmet.<\/p>\n<p>Ihre Studien f\u00fchrten schlie\u00dflich zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <em>K\u00fcnstler, Gr\u00fcbler und Rebellen. Studien zum europ\u00e4ischen M\u00e4r\u00adtyrerdrama des 17. Jahrhunderts<\/em>, das 1967 im Franke-Bern-Verlag erschien. Hier erwies sie sich als eine gelehrte Europ\u00e4erin. Dramen von Lope de Vega und Calder\u00f3n, Corneille und Rotrou, Gryphius und Lohenstein sowie Vondel, um nur die gro\u00dfen Namen zu nennen, interpretierte sie aufgrund des Originals, wobei sie beim Spanischen und Holl\u00e4ndischen gewisse Hindernisse zu \u00fcberwinden hatte, wie sie bekannte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Europ\u00e4erinnen<\/strong><\/p>\n<p>Im Mai 1973 kam Ingeborg Bachmann auf Einladung des \u00d6sterreichischen Kulturinstituts, wohl noch Lesehalle genannt, zu einer Rundreise nach Polen. In Warschau las sie <em>Das Gebell<\/em>. Den Gro\u00dfteil der Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer bildete die Studentengruppe von Frau Szarota. In dem folgenden Gespr\u00e4ch fragte sie die Autorin, ob sie nicht bei der Niederschrift ihrer Erz\u00e4hlung Tiecks <em>Blonden Eckbert<\/em> vor Augen gehabt habe. Im <em>Gebell<\/em> spreche die alte Frau Jordan zwar selber den Hundenamen aus, der \u00fcbrigens wie bei Tieck mit \u201ei\u201c ende (hier Nuri, dort Strohmi), aber auch in dieser Erz\u00e4hlung erinnere der Hund mit seinem Bellen an Verdr\u00e4ngtes, Unbew\u00e4ltigtes. Die alte Frau Jordan habe \u00e4hnlich wie Berta dem Hund gegen\u00fcber ein schlechtes Gewissen, wenngleich die eine ihn nur weggegeben, w\u00e4hrend die andere ihn dem Hungertod ausgesetzt hatte. Bachmann reagierte auf diesen Vergleich mit Irritation. Sie kenne den <em>Blonden Eckbert <\/em>nicht. Sie sagte es in einer Weise, als habe sie nie von ihm geh\u00f6rt, so dass man annahm, sie kenne ihn nur zu gut. Als sich dann Szarota und Bachmann bei einem Nachtessen bei Dr. Johann Marte, dem damaligen Leiter des \u00d6sterreichischen Kulturinstituts, begegneten, war zu erwarten, dass beide miteinander rivalisieren werden. Und tats\u00e4chlich kam es zu einer Art Duell. Es war spannend und am\u00fcsant zugleich. Bachmann war durch den guten Wodka aufgelebt und wurde immer witziger. Als Szarota ins Italienische \u00fcberwechselte, bemerkte Bachmann spitz, Frau Professor spreche ja mit einem franz\u00f6sischen Akzent, was Szarota geistesgegenw\u00e4rtig mit einem \u201eUnd wenn schon\u201c quittierte. Aber nach einer gewissen Zeit begannen sie, sich zu m\u00f6gen. Als Bachmann von ihrem \u00fcber eine Stunde w\u00e4hrenden Telefongespr\u00e4ch mit Kanzler Kreisky nach dem Attentat auf der M\u00fcnchner Olympiade berichtete &#8211; sie war f\u00fcr die Abberufung der Olympischen Spiele -, war das Eis gebrochen. Es kam zu einer tiefsch\u00fcrfenden Debatte.<\/p>\n<p>Hier erlebte man ein St\u00fcck altes Europa, als Mehrsprachigkeit in gebildeten Kreisen, das Wechseln von einer Sprache in die andere etwas Selbstverst\u00e4ndliches erschien. Das Franz\u00f6sische dominierte, aber es stellte nicht eine ausschlie\u00dfliche Sprache dar wie heute das Englische oder wie einst das Lateinische.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Protestantisch, Katholisch, A-gl\u00e4ubig<\/strong><\/p>\n<p>Ihr katholisches Herz fand bei ihren Studien zum M\u00e4rtyrer- und Jesuitendrama Satisfaktion,<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> obgleich sie protestantisch aufgewachsen war. Als junges M\u00e4del verliebte sie sich in einen deutschen Pfarrer. 1938 trat sie jedoch zum Katholizismus \u00fcber, was mit der Heirat des im polnischen Geistesleben bekannten Kritikers und Essayisten Rafa\u0142 Bl\u00fcth (Jg. 1891) verbunden war.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> Er geh\u00f6rte zu den Herausgebern der reformorientierten katholischen Zeitschrift <em>Verbum<\/em>.<\/p>\n<p>Obwohl Elida Maria Szarota-Bl\u00fcth nur kurz mit ihrem Mann zusammenleben konnte \u2013 er wurde als einer der ersten im November 1939 in einer von dem deutschen Besatzer veranstalteten Massenexekution in Warschau erschossen \u2013, blieb sie dem Katholizismus verhaftet. Insbesondere lobte sie dessen Marien- und auch Bilderkult. Aber eine wirklich Gl\u00e4ubige war sie nie. Der Kampf der kommunistischen Nachkriegsmachthaber gegen die Kirche und den Glauben \u00fcberhaupt scheint sie beeindruckt zu haben. Drei Seelen schienen in ihrer Brust gelebt zu haben, die jedoch nicht in Konflikt miteinander gerieten, zumal sie sich f\u00fcr dogmatische Fragen nur oberfl\u00e4chlich interessierte. Sie war in einer eher naiven Art gl\u00e4ubig, wodurch sie auf mich im Grunde a-gl\u00e4ubig wirkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Deutsch-Polnisch<\/strong><\/p>\n<p>Konfliktreicher war ihr Verh\u00e4ltnis zu Deutschland und Polen. Ihre sch\u00f6nste Zeit scheint sie Ende der 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre erlebt zu haben, als sie an der Odenwaldschule die Abiturklasse absolvierte und sp\u00e4ter in Frankfurt am Main studierte. Sie sprach immer wieder begeistert von Paul Geheeb und auch von ihrem Deutschlehrer Werner Kirchner<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> sowie von Erika und Klaus Mann, die eine Zeitlang die Odenwaldschule besucht hatten. Zu ihren Mitsch\u00fclern geh\u00f6rte Raymond Klibansky, mit dem sie mich in Wien bekannt machen konnte. Ich sehe dessen zierliche Gestalt vor mir. Wir unterhielten uns \u00fcber Gundolf, den er sehr verehrte, und vor allem \u00fcber Dilthey. Er schrieb mir sp\u00e4ter einen Brief voll des Lobes ob meines Diltheybuchs.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> An der Odenwaldschule lernte Szarota im Wesen nur Latein und deutsche Literatur. Deutsch war das einzige obligatorische Fach. Hier las man mit Begeisterung Gundolfs Goethebuch. Man durfte nicht, nicht enthusiasmiert sein, bemerkte sie mehrmals. Der Deutschlehrer Kirchner war im \u00fcbrigen Gundolfsch\u00fcler.<\/p>\n<p>Nach dem Abitur w\u00e4hlte sie als Studienfach Romanistik. Ihr Vater wollte, dass sie in Lemberg studiere, sie ging jedoch an die Sorbonne. Schnell war sie \u00fcber den dortigen altert\u00fcmlichen, wie sie sagte, Lehrbetrieb entt\u00e4uscht. Sie begab sich nach Genf, wahrscheinlich auch aus finanziellen Gr\u00fcnden, denn dort konnte sie aus verschiedenen Sprachen beim V\u00f6lkerbund dolmetschen und somit ihren Unterhalt bestreiten. Sie setzte jedoch schnell ihr Studium an der Frankfurter Universit\u00e4t fort.<\/p>\n<p>Dort machte Erhard Lommatzsch, den sie als ihren ersten Lehrer bezeichnete, nicht nur mit franz\u00f6sischer Literatur bekannt, sondern auch mit provenzalischer und italienischer Dichtung (Dante, Petrarca, Boccaccio sowie mit den Dichtern des 19. Jahrhunderts: Manzoni, Leopardi, Carducci, Pascoli). Im Seminar spielten vom Methodologischen her gesehen die Stilstudien Spitzers stets eine grundlegende Rolle. Da Szarota Latein als die Grundlage ihres Bildungswegs ansah (\u201eOhne meine lateinischen Studien w\u00e4re nichts aus mir geworden\u201c, erkl\u00e4rt sie in ihren Memoiren), nahm sie an den Seminaren und Vorlesungen Walter F. Ottos besonders aktiv teil. Sein Buch <em>Die G\u00f6tter Griechenlands <\/em>war f\u00fcr sie grundlegend. \u201eIch kannte dieses Buch fast auswendig, und ich dachte in den Kategorien der griechischen G\u00f6tter, die ich bei Otto gelernt hatte. So hatte ich mir Pallas Athene zu meiner eigenen G\u00f6ttin erkoren, die Kameradin und Gef\u00e4hrtin des Mannes, die dem Geiste verschworene G\u00f6ttin. In einer Nacht dichtete ich den \u201aAmphitrion\u2019 von Kleist um und zwar so, dass Alkmene kein Weib war, sondern ein Mann, Pallas Athene \u2013 nicht Jupiter \u2013 ihn (d.h. Alkmenus) in einer Nacht besucht [\u2026] So lebte ich in antiken Vorstellungen und Wertkategorien, in der Welt des Mythos [\u2026]\u201c.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Bei Otto schrieb sie ihre Staatsexamensarbeit \u00fcber den <em>Amphitruo<\/em> des Plautus, den sie mit Moli\u00e8res Kom\u00f6die verglich. Die Arbeit wurde von Otto hoch gelobt. Ihre Dissertation verfasste sie bei Lommatsch, auf dessen Vorschlag sie ein mittelalterliches Thema bearbeitete: die Marienlyrik von Gautier de Coincy (1177-1236).<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> Der Tag der Verteidigung war f\u00fcr Szarota ein gro\u00dfer Augenblick, denn sie geh\u00f6rte zu den Besten und nahm von ihren Lehrern sch\u00f6nste Gratulationen entgegen. Doch im Prinzip ging alles zu Ende. Die Verteidigung hatte am 27. Februar 1933 stattgefunden. Am n\u00e4chsten Tag war sie gerade bei den Horkheimers, wo sie Frau Horkheimer Franz\u00f6sisch lehrte. Entgegen allen Gepflogenheiten \u00f6ffnete Herr Horkheimer die Fl\u00fcgelt\u00fcr und trat mit den Worten ins Zimmer: Das ist das Ende. Das Ehepaar verlie\u00df im M\u00e4rz Deutschland, \u201enachdem das Institut wegen staatsfeindlicher Tendenzen geschlossen, das Geb\u00e4ude und die 60000 B\u00e4nde z\u00e4hlende Bibliothek beschlagnahmt\u201c worden war.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Das neue Regime sagte ihr nicht zu, zumal ihre Mutter, die Schriftstellerin Eleonore Kalkowska,<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> 1933 von den Nazis verhaftet worden war und nur dank der Intervention der polnischen Botschaft wieder freikam und \u00fcber Paris nach England emigrieren konnte. Sie verstarb nach einer Schilddr\u00fcsenoperation 1937 in Bern. Szarota kehrte nach Polen zur\u00fcck. Als die Wehrmacht Polen \u00fcberfiel, wollte sie so wie die polnische Regierung Warschau verlassen, aber ihr Mann meinte, so schlimm seien die Deutschen als Okkupanten nicht, er habe sie schlie\u00dflich in dieser Rolle w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs erlebt. Sie sah ihn skeptisch an, war aber als hochschwangere Frau auf ihn angewiesen. Er fand, wie gesagt, bereits im November den Tod durch Erschie\u00dfen. Sie war dank ihrer Schwangerschaft nicht verhaftet worden. Doch sollte ihr das Gef\u00e4ngnis nicht erspart bleiben. Am 15.9.1940 wurde sie inhaftiert. Durch einen Gl\u00fccksfall und durch ihr perfektes Deutsch kam sie ein Jahr sp\u00e4ter frei.<\/p>\n<p>Im Gef\u00e4ngnis muss sie sich ganz und gar als Polin gef\u00fchlt haben. Von nun an war sie zwischen beiden Kulturen, beiden V\u00f6lkern hin und her gerissen. Ihre kritischen Bemerkungen \u00fcber die Deutschen und Deutschland, konnten ihre deutschen Gespr\u00e4chspartner nur schwer verknusen, wenngleich sie es rational verstanden. Aber niemand von ihnen wusste, was sie zwischen 1933 und 1945 erleben musste. Dazu sprach sie zu gut Deutsch. Man ist wohl nur Pole oder Polin, wenn man die andere Sprache heraush\u00f6rt. Sie war nun einmal bei ihren Gro\u00dfeltern in Breslau aufgewachsen, w\u00e4hrend ihre Mutter in dieser Zeit bei Max Reinhart in die Schauspiellehre gegangen war.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Posener Germanistik, die die antipolnischen Akzente in der deutschen Literatur des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts in zahlreichen Studien herausarbeitete,<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> war Szarota in ihrer Forschung bem\u00fcht, auf das positive Polenbild in der deutschen, aber auch europ\u00e4ischen Literatur zu verweisen. Sie beschr\u00e4nkte sich hierbei vor allem auf das Barockzeitalter. So erschien im <em>Neophilologus<\/em> die kleine Studie \u00fcber \u201eDichter des 17. Jahrhunderts \u00fcber Polen. (Opitz, Dach, Vondel, La Fontaine und Filicaia) und in einer Sammelpublikation der polnische Artikel \u201ePiastowie w literaturze niemieckiej XVII wieku\u201c (Die Piasten in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts).<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> In diesem Artikel gibt Szarota auch einen \u00dcberblick \u00fcber die Chroniken, die den deutschen Autoren eine M\u00f6glichkeit verschafften, sich \u00fcber die Geschichte Polens und auch Schlesiens zu informieren. Szarota bespricht hier eingehend die Chroniken von Joachim Cureus (1532-1573) und Jacob Schickfuss (1574-1636). Die zentralen Ereignisse, welche die von ihr besprochenen Autoren ber\u00fchrten, waren der Sturmdorfer Waffenstillstand von 1635 zwischen Polen und Schweden, die \u00fcberraschende Wahl des Polen Micha\u0142 Tomasz Korybut Wi\u015bniowiecki 1669 zum K\u00f6nig, sowie der Sieg \u00fcber die T\u00fcrken 1683 bei Wien, bei dem das Heer des polnischen K\u00f6nigs Jan Sobieski eine entscheidende Rolle spielte. Zu diesen Ereignissen entstanden in unterschiedlichen Sprachen die verschiedenartigsten literarischen Werke, die Szarota eingehend zu analysieren suchte.<\/p>\n<p>Und 1972 brachte sie die umfangreiche Sammlung <em>Die gelehrte Welt des 17. Jahrhunderts \u00fcber Polen. Zeitgen\u00f6ssische Texte<\/em> im Europa-Verlag heraus.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> Sie hat hier in einer \u00fcber fast neunhundertseitigen Ausgabe lateinische, franz\u00f6sische, italienische, englische und deutsche Berichte \u00fcber das Polen des 17. Jahrhunderts zusammengestellt und alle nicht deutschsprachigen Texte selber ins Deutsche \u00fcbersetzt. Wir bekommen auf diese Weise einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber das Polenbild, das solche Gelehrte wie Germanico Malaspina, Giovanni Francesco Olmo, Christoph Hartknoch, Martin Opitz, Joost van den Vondel, Gottfried Wilhelm Leibniz, Samuel von Pufendorf, Bernard O\u2019Conner<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> und andere in ihren Schriften \u00fcberliefert haben. Viele Berichte sind noch heute interessant, denn sie zeigen, wie verwundert die Poleninteressierten damals waren, als sie sich mit dem komplizierten Aufbau dieses Staates, einer ausgebauten Adelsdemokratie, in der etwa 200000 Personen Stimmrecht hatten, bekannt machten.<\/p>\n<p>Diese Texte, die ich bei der Manuskriptgestaltung mitlas und kommentieren sollte, veranlassten uns zu endlosen Diskussionen \u00fcber Polen und Deutschland, \u00fcber die gegenseitigen Beziehungen bzw. mangelnden Beziehungen. Szarota war voller Skepsis, eigentlich voller Unlust beiden Gebilden gegen\u00fcber. Sie hatte zu viel von dem, was man unmenschlich nennt, erlebt. Da war ihr Gef\u00e4ngnisaufenthalt, bei dem sie immerhin \u00fcber ihre Mitinsassinnen, einfache Frauen, Polinnen, kein b\u00f6ses Wort verlor; da waren die Erschie\u00dfungen von Polinnen und Polen; da war aber auch das Warschau der Okkupationszeit, wo Schlitzohren, Betr\u00fcger, Gauner, mit einem Wort der Abschaum (Szarota gebrauchte das Wort swo\u0142ocz) das Sagen hatte,<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> und schlie\u00dflich das Warschau der Nachkriegszeit, als weitestgehend Ungebildete, frische Mitglieder der neu gegr\u00fcndeten kommunistischen Partei, mit Hilfe der Sowjets die Macht an sich rei\u00dfen konnten. Szarota versuchte als alleinstehende Frau, sich in der neuen Ordnung bzw. Unordnung mit ihrem Sohn zurechtzufinden.<\/p>\n<p>Dass es Polen war, welches ihr erm\u00f6glichte, noch im sp\u00e4ten Alter eine akademische Karriere erfolgreich einzuschlagen, wollte sie nie so recht einsehen. In Deutschland, was ich mehrmals ihr gegen\u00fcber betonte, w\u00e4re dies undenkbar gewesen, zumal sie eine Frau war. Professorinnen gab es in den 1950er und 1960er Jahren in der Bundesrepublik kaum. Ich verglich ihr Schicksal immer wieder mit dem von K\u00e4the Hamburger, die es 1957 nur zu einer au\u00dferplanm\u00e4\u00dfigen <strong>unbesoldeten<\/strong> Professorin an der Technischen Hochschule Stuttgart bringen konnte, obwohl sie durch ihre Publikationen eine bekannte Literaturwissenschaftlerin war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wie stand es mit ihrer Seele? War sie gespalten?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man von ihrer Freude am Leiblichen absieht, war Szarota ganz und gar ihren geistigen Interessen zugetan. Sie lebte im Grunde genommen nicht im Zwiespalt zwischen nationalen Identit\u00e4ten, indem sie meinte, sich mit einer ganz identifizieren zu m\u00fcssen. Bei den Nationen, deren Sprachen sie mehr oder weniger gut beherrschte, interessierte sie sich f\u00fcr deren kulturellen H\u00f6henfl\u00fcge, lebte f\u00f6rmlich in ihnen. Diese zu erkunden, erfreute sie bis in ihr hohes Alter: Mit dreiundachtzig gab sie ihr letztes \u00fcber vierhundertseitiges Buch <em>St\u00e4rke, dein Name sei Weib. B\u00fchnenfiguren des 17. Jahrhunderts<\/em> heraus. Bei aller Freude am Gl\u00e4nzen in Gesellschaft, bei aller scheinbaren (manchmal unausstehlichen Eitelkeit) war ihr geistiges Schaffen ein und alles.<\/p>\n<p>Sie geh\u00f6rte noch einer Generation an, in der Bildung an oberster Stelle stand. F\u00fcr die Ungebildeten, d.h. diejenigen, die nicht in den \u201eGenu\u00df\u201c von Bildung kommen konnten \u2013 in erster Linie Frauen \u2013, verk\u00f6rperten die Gebildeten etwas Au\u00dferordentliches, etwas, was Sehns\u00fcchte erweckte, aber auch frustrierend wirkte \u2013 beiderseitig, denn die Gebildeten waren sich in gro\u00dfer Zahl ihrer Privilegien bewusst. Das traf besonders auf Frau Szarota zu, die mit Leidenschaft unterrichtete und selbst diejenigen zu f\u00f6rdern suchte, bei denen es unseres Erachtens verlorene Liebesm\u00fche war, f\u00fcr sie eigene wertvolle Zeit zu verschwenden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wagner und Faust. Leben und Geist<\/strong><\/p>\n<p>Faust spricht von den beiden Seelen in Antwort auf Wagners Missachtung des lebendigen Lebens, der nur \u201evon Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!\u201c seinen Geist befruchten lassen will. Von der Handlung aus sind Wagners Worte, er habe nie solch \u201egrillenhafte Stunden\u201c gehabt, f\u00fcr die Erkl\u00e4rung vonn\u00f6ten, warum Faust zu einem Pakt mit dem Teufel bereit ist. W\u00fcrde man an die Stelle Wagners einen \u201eUngebildeten\u201c oder eine \u201eUngebildete\u201c setzen, w\u00fcrde die Antwort anders klingen.<\/p>\n<p>Szarota, die \u201evon Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!\u201c<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> eilte, um nach Habilitation auch noch die Professur, die von einer n\u00e4chsten Schrift abh\u00e4ngig war,<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> zu erlangen, h\u00e4tte trotzdem dem \u201eUngebildeten\u201c gegen\u00fcber Schuldgef\u00fchle versp\u00fcrt, in der Jugendzeit \u00fcber das Privileg des Sich-Bilden-K\u00f6nnens verf\u00fcgt zu haben, obwohl sie aus bescheidenen Verh\u00e4ltnissen stammte und gr\u00f6\u00dftenteils f\u00fcr ihren Unterhalt selber aufkommen m\u00fcsste, aber die Idee, als Frau studieren zu wollen, war ihr schon dadurch eingegeben, dass sowohl ihr Vater Marceli Szarota, Diplomat und Chefredakteur der <em>Gazeta Lwowska<\/em> (Lemberger Zeitung), als auch ihre Mutter studiert und \u00fcberaus gebildet waren. Eine akademische Laufbahn konnte sie allerdings erst nach Kriegsende ins Auge fassen. Sie wollte sie anf\u00e4nglich als Romanistin einschlagen, aber die Konkurrenz lie\u00df es nicht zu und an die Germanistik war in den ersten Nachkriegsjahren nicht zu denken. Im entsprechenden Ministerium hie\u00df es, dass in Polens Hauptstadt nie wieder die deutsche Kultur gepflegt werde. Nach dem polnischen Oktober 1956 sollte sich die Einstellung \u00e4ndern und Szarota nahm die Gelegenheit wahr. An Leben hatte es ihr \u2013 im Gegensatz zu Faust \u2013 nicht gefehlt, eher an Freude. Der Geist war zu kurz gekommen. Die letzten drei Jahrzehnte sollten von ihm erf\u00fcllt werden. Das letzte konnte sie dank der Unterst\u00fctzung von Richard von Weizs\u00e4cker und Paul Raabe in Wolfenb\u00fcttel, dem Zentrum der deutschen Barockforschung, verbringen. Der Seelenpein ward ein Ende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Siehe hierzu: Karol Sauerland, Mein Jahr 1956, in: <em>Erinnern f\u00fcr die Zukunft. Griechenland, Polen und Deutschland im Gespr\u00e4ch<\/em>, hg. zusammen mit Sieghild Bogumil-Notz, Aglaia Blioumi, Berlin 2016, S. 21-38.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> <em>Etudes Germaniques<\/em>, 14, 1959, S. 106-127.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> In ihrem Buch <em>Geschichte, Politik und Gesellschaft im Drama des 17. Jahrhunderts<\/em> stellte sie u.a. die These auf, dass man das protestantische Schuldrama als eine Reaktion auf das Jesuitendrama sehen m\u00fcsse. So sei der <em>Leo Armenius<\/em> von Gryphius eine Antwort auf das gleichnamige Drama von Joseph Simon. Gryphius umgehe jedoch die Problematik des Bilderstreites, die Simon in den Mittelpunkt ger\u00fcckt hatte. Anstelle des konfessionellen Konflikts gestalte er einen politischen. Die <em>Catharina von Georgien<\/em> stelle ebenfalls eine Antwort auf das Jesuitendrama dar. Szarota f\u00fchrt hier vor allem Nicolas Caussin (1583\u20131651) an, dessen lateinische St\u00fccke sie im ersten Teil ihres Buches \u00fcber der Geschichte des Jesuitendramas behandelt hatte. Die sp\u00e4teren Trauerspiele von Gryphius zeigen dagegen einen geringeren Zusammenhang mit dem Jesuitendrama, obwohl die Opposition zu ihm nach wie vor bestehen bleibt. Auch die St\u00fccke von Johann Christian Hallmann, denen Szarota ein umfassendes Kapitel widmete, seien im Umfeld des Jesuitendramas zu sehen. Zwischen 1979 und 1982 gab sie <em>Das Jesuitendrama. Eine Periochen-Edition <\/em>in drei Teilen mit je zwei volumin\u00f6sen B\u00e4nden heraus. Es handelt sich um die umfassendste Sammlung dieser Art. Eines der Ziele Szarotas war es, die unerh\u00f6rte Wirkung des Jesuitendramas auf die Massen zu dokumentieren. In der Einleitung erkl\u00e4rt sie: \u201eDie Jesuitendramatik war eine literarische Bewegung, von der Tausende erfa\u00dft wurden. Organisatoren und Mitspieler, deren Familien, Nachbarn und Freunde, der Hof, der Adel, die Gebildeten als Zuschauer, die zahlreichen B\u00fcrger, die bei Massenszenen als Statisten mitwirkten und in gewissen F\u00e4llen die gesamte Stadtbev\u00f6lkerung [\u2026] Bei der M\u00fcnchner Auff\u00fchrung der <em>Hester<\/em> (1577) \u201azogen gegen 1700 Kost\u00fcmierte zu Fu\u00df, auf Triumphwagen, zu Pferd durch die Stra\u00dfen von M\u00fcnchen; und zwischen ihnen Riesen, Teufel, Menschen mit L\u00f6wenk\u00f6pfen, Tiger, Elefanten, auf denen Neger sa\u00dfen, Delphine, W\u00f6lfe, Henker, Liktoren, Zauberer, Janitscharen\u2019. In Graz wurde Ferdinand II. 1617 bei seiner R\u00fcckkehr von der Kr\u00f6nung zum K\u00f6nig von B\u00f6hmen mit einem Aufzug der Jesuitenschauspieler empfangen, in denen Vertreter aller Erdteile, nebst Elefanten, Seekrebsen, Erzengeln aufr\u00fcckten und gro\u00dfe Wagen zu sehen waren, von denen herunter die jugendlichen Darsteller Reden an das prachttrunkene Volk hielten\u2019. Die Festauff\u00fchrungen fanden zumeist im Freien statt [\u2026] Hingegen wurde der <em>Godefridus Bullionius<\/em> (1596), an dem 152 Schauspieler beteiligt waren, in der \u201aaula Gymnasii\u2019 vor einer \u201aunnumera turba\u2019 gegeben\u201c. Szarota erkennt im Jesuitendrama mit seinen Auff\u00fchrungspraktiken einen Vorl\u00e4ufer der modernen Massenmedien. Nach einer gewissen Zeit stellten die Jesuiten fest, da\u00df es gut w\u00e4re, zu den lateinischen St\u00fccken Programmzettel, d.h. Periochen, zu verfassen und zu verteilen. In ihnen wurde der Inhalt der einzelnen St\u00fccke zusammengefa\u00dft, es wurden wichtige lateinische S\u00e4tze angef\u00fchrt und ins Deutsche \u00fcbersetzt sowie das Dargestellte, der Stoff und die Themen erl\u00e4utert. Szarota hat \u00fcber sechshundert solcher Periochen zusammengestellt und sie mit gr\u00fcndlichen, manchmal mehrseitigen Kommentaren versehen. Vielfach musste sie die deutschen Texte anhand der lateinischen erkl\u00e4ren, denn die deutschen waren oft nicht verst\u00e4ndlich. Man hat den Eindruck, dass die Jesuiten nicht immer des Deutschen m\u00e4chtig gewesen sind. Eine Reihe von Periochen hat Szarota in Bibliotheken und Archiven entdeckt und in ihrer Edition zum ersten Mal abgedruckt, andere waren zwar schon einmal erschienen, sind aber heute schwer zug\u00e4nglich und waren vor allem nicht kommentiert worden. In der Einleitung gibt die Autorin einen ausf\u00fchrlichen \u00dcberblick \u00fcber die zweihundertj\u00e4hrige Geschichte des Jesuitendramas.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Er war ein bekannter Kritiker der polnischen und russischen Literatur. In mehreren Schriften verurteilte er das Sowjetsystem. Sie erschienen 2016 gesammelt (Rafa\u0142 Marceli Bl\u00fcth, <em>\u201eLikwidacja leninowskiej elity\u201d oraz inne pisma sowietologiczne 1933-1938<\/em> \/\u201cDie Liquidierung der Leninschen Elite\u201c und andere sowjetologische Schriften\/).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Werner Kirchner (1895-1961) war von 1922 bis 1930 an der Odenwaldschule t\u00e4tig (siehe hierzu Alfred Kelletat, \u201eWerner Kirchner zum Ged\u00e4chtnis\u201c in: <em>H\u00f6lderlin-Jahrbuch<\/em> 1961\/62, S. 268-272, insb. S. 269).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> <em>Diltheys Erlebnisbegriff. Entstehung, Glanzzeit und Verk\u00fcmmerung eines literaturhistorischen Begriffs<\/em>,\u00a0 Quellen und Forschungen Bd. 45 (169), Walter de Gruyter,\u00a0 Berlin, New York 1972.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Das Manuskript der Memoiren befindet sich im Marbacher Literaturarchiv. Es ist in deutscher Sprache abgefasst. Hier zitiert S. 49.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Der genaue Titel der Dissertation lautet: <em>Studien zu Gautier de Coincy<\/em>. Sie erschien in Limburg an der Lahn, 1934.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Helmut Guminior, Rudolf Ringguth, <em>Max Horkheimer<\/em>, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 54.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Eleonore Kalkowska (1883-1937) schrieb ihre ersten Erz\u00e4hlungen auf Polnisch, um dann ins Deutsche \u00fcberzuwechseln. Bekannt wurde sie durch ihre Dramen<em> Josef<\/em>, das im M\u00e4rz 1929 im Dortmunder Stadttheater und einen Monat sp\u00e4ter in der Berliner Volksb\u00fchne aufgef\u00fchrt wurde, und die <em>Zeitungsnotizen<\/em>, die das Berliner Schillertheater Ende 1932\u00a0 auf seine Bretter brachte. In beiden St\u00fccken zeigt sich die Autorin sozial engagiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Jan Berger, \u201eZwiastun grozy hitlerowskiej. Henryk Kleist\u201c (Ein Vorbote des Hitlerschreckens. Heinrich Kleist), in: <em>Przegl\u0105d Zachodni<\/em>, Pozna\u0144 1948, S. 384-421; Jan Chodera, <em>Literatura niemiecka o Polsce<\/em> (Die deutsche Literatur \u00fcber Polen), Katowice 1969; Hubert Or\u0142owski, <em>\u201ePolnische Wirtschaft\u201c. Zum deutschen Polendiskurs der Neuzeit<\/em>, Wiesbaden 1996.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> erschienen in: <em>Europejskie zwi\u0105zki literatury <\/em>(Festschrift f\u00fcr Zofia Szmidtowa), Warszawa 1969, S. 155-186.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Verlagsorte: Wien, M\u00fcnchen, Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Er war der Leibarzt von Jan Sobieski.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Ich habe in meinem Buch <em>Polen und Juden zwischen 1939 und 1968<\/em> (Berlin 2004) versucht darzustellen, wie der polnische Widerstand die Stra\u00dfe zur\u00fcckeroberte. Den H\u00f6hepunkt bildete der Warschauer Aufstand.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> <em>Faust 1<\/em>, Vers 1105.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> In der Volksrepublik Polen war die Universit\u00e4tskarriere in keiner Weise von Berufsverfahren abh\u00e4ngig. Man wurde auf Empfehlung des Professors bzw. Professorin mit Einverst\u00e4ndnis einer Kommission Assistent\/Assistentin und musste dann in einem bestimmten Zeitraum seine Dissertation verfassen, um \u201eAdiunkt\u201c werden zu k\u00f6nnen. Die n\u00e4chste Qualifikationsschrift war die Habilitation, die zum Dozententitel berechtigte. Danach erfolgte die au\u00dferordentliche Professur, die mit einem komplizierten Verfahren verbunden war: wenn die Fakult\u00e4t der Meinung war, dass es Zeit sei, eine Professur zu beantragen, wandte sie sich mit einem entsprechenden Antrag an den Senat, der diesen an eine Zentrale Kommission f\u00fcr die Verleihung von Professorentiteln weiterleitete. Wenn sie das als begr\u00fcndet ansah, bat sie den Vorsitzenden des Staatsrates, dem Kandidaten (der Kandidatin) das Diplom f\u00fcr diesen Titel auszuh\u00e4ndigen. Gleiches betraf die ordentliche Professur. Frau Szarota erlangte die au\u00dferordentliche Professur nach der Ver\u00f6ffentlichung des Buchs <em>K\u00fcnstler, Gr\u00fcbler und Rebellen<\/em> und die ordentliche gleich zu Beginn der 1970er Jahre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karol Sauerland &nbsp; Eine Frau mit f\u00fcnfzig Es gibt wohl nur wenig Beispiele daf\u00fcr, dass eine Frau mit fast f\u00fcnfzig Jahren sich entscheidet, eine akademische Karriere einzuschlagen und schnell zu einer bekannten Gelehrtin wird. Ein solches Beispiel stellt der Fall Elida Maria Szarota dar. 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