{"id":7671,"date":"2021-11-12T12:00:29","date_gmt":"2021-11-12T17:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7671"},"modified":"2022-08-08T05:56:47","modified_gmt":"2022-08-08T09:56:47","slug":"heim-in-den-fremden-krieg-mehrsprachigkeit-und-alpine-identitatsdiskurse-vor-dem-hintergrund-der-weltkriege","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-48\/heim-in-den-fremden-krieg-mehrsprachigkeit-und-alpine-identitatsdiskurse-vor-dem-hintergrund-der-weltkriege\/","title":{"rendered":"\u201eHeim in den fremden Krieg\u2026\u201c \u2013 Mehrsprachigkeit und alpine Identit\u00e4tsdiskurse vor dem Hintergrund der Weltkriege"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">von <strong>Sophia Mehrbrey<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ma\u00dfgeblich von regionalen Identit\u00e4tsdiskursen dominiert, sind die Alpen gleichzeitig ein Raum, der von nationalen Grenzlinien und deren Verschiebungen strukturiert wird,<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> welche in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts wiederholt neu verhandelt wurden. Obschon die inneralpinen Grenzen seit 1945 weitgehend stabil blieben, lie\u00dfen die jahrzehntelangen Konflikte tausende Menschen mit einer zwischen nationaler und ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit zerrissenen Identit\u00e4t zur\u00fcck.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Wurde dieser Multikulturalismus zun\u00e4chst verdr\u00e4ngt, brechen die unterdr\u00fcckten Fragestellungen seit dem Jahrtausendwechsel wieder vermehrt hervor. So gilt es zu untersuchen, wie zeitgen\u00f6ssische Autor:innen, die die Weltkriege selbst nicht erlebt haben, die fragmentierten Selbsterfahrungsprozesse fiktiver oder (auto-)biographischer Figuren vor dem Hintergrund der alpinen Kriegsvergangenheit thematisieren. Das Motiv der Doppelidentit\u00e4t soll dabei vor allem anhand des Sprachgebrauchs untersucht werden, da die linguistische Zugeh\u00f6rigkeit entscheidend ist f\u00fcr die Selbstwahrnehmung von Individuen und das Abstimmen subjektiver, regionaler und nationaler Identit\u00e4ten.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Dies ist besonders zutreffend f\u00fcr die von den Grenzverschiebungen der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts betroffenen Bev\u00f6lkerungsgruppen in den Alpenregionen. Sprachgrenzen lassen sich weniger leicht verschieben als Landesgrenzen, und das aggressive Eingreifen in die Sprachlandschaft einer Region, das von totalit\u00e4ren Regimen wie den Nationalsozialisten oder den italienischen Faschisten besonders propagiert wurde,<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> lie\u00df regelm\u00e4\u00dfig tiefe Narben zur\u00fcck.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Deutsch sowie deutsche Dialekte und Idiome spielen innerhalb Europas f\u00fcr die daraus resultierenden (Sprach-)konflikte eine wichtige, ambivalente Rolle, da deutsche Sprachen sowohl als Sprache der Unterdr\u00fccker als auch als Sprache der Vertriebenen oder Unterdr\u00fcckten auftreten. Anhand dreier ausgew\u00e4hlter Werke \u2013 <em>Immer noch Sturm <\/em>von Peter Handke, <em>Sonnenschein <\/em>von Da\u0161a Drndi\u0107 und <em>Eva dorme <\/em>von Francesca Melandri \u2013 soll untersucht werden, wie Mehrsprachigkeit<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> in diesem Kontext inszeniert wird und die Zerrissenheit betroffener Protagonist:innen zum Ausdruck bringt. Hierf\u00fcr habe ich bewusst sowohl ein deutschsprachiges Werk mit slowenischen Elementen als auch einen kroatischen und einen italienischen Text mit deutschen Fragmenten ausgew\u00e4hlt. Die Herausarbeitung einer mehrsprachigen, bin\u00e4ren Identit\u00e4t soll auf vier Ebenen untersucht werden: Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich mich der Frage widmen, wie Orts- und Eigennamen in den Texten zu einer Poetik der Mehrsprachigkeit<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> beitragen. In einem zweiten Schritt soll anhand ihres Sprachgebrauchs die kulturelle und innere Zerrissenheit der Protagonist:innen untersucht werden. Anschlie\u00dfend m\u00f6chte ich aufzeigen, inwiefern das Buch selbst als zweisprachiges Artefakt die Idee von Doppelidentit\u00e4t transportiert, bevor schlie\u00dflich die Rolle der Rezipient:in und deren Sprachkapazit\u00e4ten untersucht werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor ich mit der Analyse im eigentlichen Sinn beginne, erscheint es mir sinnvoll, die drei behandelten Werke und den entsprechenden historischen Kontext kurz zu skizzieren. Das Theaterst\u00fcck <em>Immer noch Sturm <\/em>(2010) von Peter Handke hat eine starke autobiographische Dimension.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> In einem traumartigen Zustand begegnet der Ich-Erz\u00e4hler seinen Vorfahren:<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> der Mutter, seiner Tante Ursula, den Onkeln Gregor, Valentin und Benjamin sowie Gro\u00dfvater und Gro\u00dfmutter. Das St\u00fcck wechselt zwischen Dialogen und Erz\u00e4hltext. Zur\u00fcckversetzt in die Zeit um den Zweiten Weltkrieg, diskutieren die Familienmitglieder das Schicksal ihrer Familie als K\u00e4rntner Slowenen.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Die Familie geh\u00f6rt somit zu einer sprachlichen Minderheit \u00d6sterreichs, die nach 1920 und bis zur Annexion \u00d6sterreichs durch Hitler im Zuge seiner ,Heim-ins-Reich\u2018-Politik \u00fcber weitgehende Minderheitenrechte verf\u00fcgte. Unter der nationalsozialistischen Besatzung f\u00fcrchten vielen K\u00e4rntner Slowenen Diskriminierung und Verfolgung. W\u00e4hrend die slowenischen M\u00e4nner als deutsche Reichsb\u00fcrger in die Armee eingezogen werden, schlie\u00dfen sich gegen Ende des Krieges vermehrt M\u00e4nner und Frauen (wie Ursula und sp\u00e4ter Gregor) den Partisanen an.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Die Vorfahren des Ich-Erz\u00e4hlers verteidigen ihre Muttersprache vehement,<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> wohin gehend er selbst feststellen muss, dass er den Bezug zu dieser Sprache und damit auch einen Teil seiner Identit\u00e4t verloren hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eva dorme<\/em> (2010) von Francesca Melandri beschreibt die Fahrt einer jungen Frau \u00fcber S\u00fcdtirol nach Kalabrien, wo sie ihren im Sterben liegenden Ziehvater noch einmal besucht. Auf der langen Fahrt reist sie in ihren Gedanken zur\u00fcck in ihre Jugend und dar\u00fcber hinaus. Sie konfrontiert die Leser:in mit der Chronik ihrer Familie und dem Lebensweg ihrer Mutter Gerda Huber, beide stark verwoben mit der Geschichte S\u00fcdtirols: von der Zwangsitalianisierung unter den Faschisten nach dem Ersten Weltkrieg \u00fcber die Besetzung durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg bis hin zu den Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen der sechziger und siebziger Jahre<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a>. In dem auf Italienisch verfassten Roman finden sich regelm\u00e4\u00dfig Fragmente auf Deutsch, oder genauer gesagt S\u00fcdtirolerisch \u2013 der Muttersprache der beiden Protagonistinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sonnenschein. Dokumentarni Roman <\/em>(2007) von Da\u0161a Drndi\u0107 ist, wie der Titel vermuten l\u00e4sst, vom Leben historischer Personen inspiriert. Der Roman beschreibt das Warten der in Gorizia lebenden Haya Tedeschi auf ihren vor 60 Jahren von den Nazis entf\u00fchrten Sohn, der aus ihrer Beziehung mit dem SS-Offizier Kurt Franz gezeugt wurde. W\u00e4hrend sie wartet, l\u00e4sst sie, \u00e4hnlich wie die beiden anderen Erz\u00e4hler:innen, die Geschichte ihrer Familie vor ihrem inneren Auge Revue passieren.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Die Familie stammt aus G\u00f6rz\/Gorizia, einer Stadt an der heutigen Grenze zwischen Italien und Slowenien, die jedoch bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu \u00d6sterreich-Ungarn geh\u00f6rte.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> Im Zweiten Weltkrieg wurde sie vor\u00fcbergehend von den Deutschen besetzt. Im Rhythmus dieser Grenzverschiebungen ergreift die j\u00fcdische Familie von Hayas Mutter Ada, sp\u00e4ter von Haya immer wieder die Flucht: Von Albanien verschl\u00e4gt es sie nach S\u00fcditalien, eine Generation sp\u00e4ter von Italien in die Schweiz. Durch diese stetigen Wechsel ist es schwierig, der Familie \u00fcberhaupt eine klare Muttersprache zuzuschreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Namensgebung: Identit\u00e4t, Ideologie, Poetik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch bevor der tats\u00e4chliche Gebrauch einer zweiten Sprache auf die Doppelidentit\u00e4t der Protagonist:innen verweist, wird der Namensgebung von Orten und Personen in allen drei Werken eine zentrale Rolle beigemessen. In Handkes <em>Immer noch Sturm <\/em>scheint die Namensfindung der Figuren auf den ersten Blick wenig entscheidend, schon allein deswegen, weil gro\u00dfe Teile des Textes in Form eines oneirischen Zwiegespr\u00e4chs zwischen dem Erz\u00e4hler und seinen Vorfahren gehalten sind. Doch auch wenn die Vornamen der verschiedenen Familienmitglieder im Text selten genannt werden und nicht explizit einer bestimmten Ethnie oder Kulturgruppe zugeordnet werden k\u00f6nnen, wird die gro\u00dfe Bedeutung von Eigennamen f\u00fcr den sprachlich dominierten Identifikationsprozess des Individuums herausgestellt. \u201eWarum habt ihr mich blo\u00df Benjamin genannt?\u201c, fragt einer der Onkel des Erz\u00e4hlers seine Eltern. \u201eEwig muss ich der j\u00fcngste sein.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> Warum nicht Hans? Lukas? Absalom? Mein Name, mein Gef\u00e4ngnis.\u201c<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> Der letzte Ausspruch bringt nicht nur den hier w\u00f6rtlich verstandenen Einfluss des Namens auf die Identit\u00e4t des Tr\u00e4gers zum Ausdruck. Der Verweis auf die Position des J\u00fcngsten schl\u00e4gt auch eine direkte Br\u00fccke zum Erz\u00e4hler, welcher, der n\u00e4chstj\u00fcngeren Generation zugeh\u00f6rig, darunter leidet, durch diesen Altersunterschied den Zugang zu Sprache und Herkunft zu einem gewissen Teil verloren zu haben. Denn der Verlust der slowenischen Wurzeln beg\u00fcnstigt in keinem Fall, wie sich im Laufe des Werks herausstellt, eine solidere, da nur einer Nationalit\u00e4t und Sprache zugeh\u00f6rige, Identit\u00e4t \u2013 im Gegenteil, dieser linguistischen wie kulturellen Wurzeln beraubt, f\u00fchlt sich der Ich-Erz\u00e4hler und Protagonist halt- und heimatlos.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Diese (verlorene) Heimat wird im Text meist zweisprachig erw\u00e4hnt:<\/p>\n<blockquote><p>Doch das hier ist unsere Gegend. Es ist das Jaunfeld, im Land K\u00e4rnten, slowenisch Koro\u0161ka [\u2026] Und <em>da <\/em>hinten irgendwo mu\u00dft [sic] oder kannst du dir unsere Saualpe oder die Svinjska planina vorstellen, die, obwohl sie ja nach au\u00dfenhin daliegt wie eine Riesen-Sau, in Wirklichkeit nach dem Blei, in unserer Haussprache svinec, hei\u00dft, dem Blei oder svinec innen im Berg [\u2026].<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Heimat l\u00e4sst sich in immer kleinere geographische Einheiten auff\u00e4chern: von K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka, dem Bundesland, \u00fcber die Saualpe oder Svinjska planina<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a>, bis hin zum Jaunfeld. Die Betrachtung der Heimatregion folgt dabei einer kamera\u00e4hnlichen Bewegung: Je n\u00e4her an die Region herangezoomt wird, desto st\u00e4rker wird auch das Heimatgef\u00fchl. Die starke Bindung der Familie zur Heimat kommt dabei \u00fcber das Slowenische zum Ausdruck, denn das Wort \u201esvinec\u201c gibt nicht nur dem Alpenzug seinen slowenischen Namen, sondern ist gleichzeitig der Nachname der Stammfamilie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in <em>Sonnenschein <\/em>wird die Symbolkraft der Namen explizit herausgestellt. \u201e<em>Vor seinem Namen kann man nicht davonrennen. Hinter jedem Namen versteckt sich eine Geschichte<\/em>\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a>, erkl\u00e4rt die Erz\u00e4hlerin von <em>Sonnenschein<\/em> relativ zu Beginn des Romans. In der Tat holt der j\u00fcdische Nachname ,Tedeschi\u2018 die Familie immer wieder ein. Die Vornamen der vier Kinder wiederum spiegeln die rastlose Geschichte einer sich st\u00e4ndig auf der Flucht befindlichen Familie wider: W\u00e4hrend Haya, der Name der \u00e4ltesten Tochter und Protagonistin des Romans, hebr\u00e4ischen Ursprungs ist, tr\u00e4gt der j\u00fcngste, in Neapel geborene Sohn Oreste einen eindeutig italienischen Namen. Schon die Namenswahl verweist somit auf die cham\u00e4leonartigen Anpassungsversuche dieser j\u00fcdischen Familie. Am eindr\u00fccklichsten jedoch zeigt sich die Zerrissenheit der Familie und insbesondere der Protagonistin am sich wandelnden Namen ihrer Geburtsstadt. \u201eIhr Gro\u00dfvater ist in G\u00f6rz geboren. Ihre Mutter [Ada] ist in G\u00f6rz geboren. Sie selbst ist in Gorizia\/Gorica geboren\u201c<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a>, beginnt die Erz\u00e4hlerin die Lebensgeschichte der Haya Tedeschi. Wenige Zeilen weiter erg\u00e4nzt sie:<\/p>\n<blockquote><p>Ihr Gro\u00dfvater, ihre Gro\u00dfmutter [Marisa] und Mutter [Ada] sind als Untertanen der Habsburger Monarchie geboren [\u2026]. Sie kommt in Italien zur Welt. In der Familie sprechen sie Deutsch, Italienisch und Slowenisch, haupts\u00e4chlich Italienisch. Oma Marisa war ebenso wie Urgro\u00dfmutter Maria Slowenin [\u2026]. Heute ist die ganze Familie vermischt, unentwirrbar.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl alle hier genannten Familienmitglieder aus derselben (oder sollte man sagen der gleichen?) Stadt stammen, geh\u00f6ren sie verschiedenen Nationalit\u00e4ten an, und der wechselnde Sprachgebrauch deutet auch auf unterschiedliche kulturelle und nationale Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchle und Selbstwahrnehmungen hin.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a> Der je nach Sprache der Machthaber wechselnde Name f\u00fcr den geographischen Anker der Familie reflektiert in diesem Sinne deren gespaltene Identit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu den Protagonist:innen von<em> Immer noch Sturm <\/em>und <em>Sonnenschein<\/em> tragen die Hauptfiguren von <em>Eva dorme <\/em>explizit ethno-linguistisch konnotierte Namen, die auf den ersten Blick fast stereotyp wirken, in Wirklichkeit jedoch lediglich die Gespaltenheit der italienischen Nation, bzw. die deutsche Vergangenheit S\u00fcdtirols zum Ausdruck bringen. So tragen die in S\u00fcdtirol stationierten Carabinieri aus dem italienischen S\u00fcden Namen wie Vito Anania oder Giorgio Almirante, w\u00e4hrend wir unter der autochthonen Bev\u00f6lkerung vorrangig Namen wie Hermann Huber und Joseph Schwingshackl finden, die besonders in ihren abgek\u00fcrzten Formen wie Sepp oder Wastl einer deutsch gepr\u00e4gten Regionalidentit\u00e4t zugeschrieben werden k\u00f6nnen. Ortsnamen hingegen spielen in <em>Eva dorme <\/em>eine \u00fcberraschend geringe Rolle: Bisweilen spiegelt sich in Verkehrsschildern wie \u201e<em>S\u00fcdtirol\/<\/em>Alto Adige\u201c oder politischen Slogans wie \u201e<em>Los von Trient! \u2013 <\/em>Via da Trento\u201c<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a> die Mehrsprachigkeit der Region. W\u00e4hrend der Text von deutschen Begriffen f\u00fcr traditionelle, regionale Kulturg\u00fcter durchzogen ist, bleibt die Erz\u00e4hlerin bewusst verhalten, was die Benennung von Ortsnamen betrifft. Von einigen urbanen Zentren abgesehen, spielt die Handlung sich in einem unbenannten, geographisch nur vage verorteten, l\u00e4ndlich-alpinen Kontext ab. Das Fehlen pr\u00e4ziser Ortsnamen verleiht der Erz\u00e4hlung in diesem Sinne eine gewisse Allgemeing\u00fcltigkeit: Sie erz\u00e4hlt weniger die Geschichte eines bestimmten Dorfes als vielmehr der S\u00fcdtiroler Alpenbev\u00f6lkerung an sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mehrsprachigkeit als Spiegel kultureller und pers\u00f6nlicher Zerrissenheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Namensgebung findet man in allen drei Texten Spuren der Zweitsprache, die dazu beitragen, eine Sprachpoetik herauszuarbeiten, in welcher sich die Dichotomie des Selbst spiegelt, da es immer darum geht, einzelne regionalsprachliche Begriffe von der dominanten Nationalsprache abzuheben oder mit dieser in direkten Vergleich zu stellen.<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a> So unterstreichen die Autor:innen den Konflikt zwischen einer aufgezwungenen Nationalsprache und einer als Herzens- oder Heimatsprache empfundenen Muttersprache. Dabei k\u00f6nnen sich die Protagonist:innen nicht selbstverst\u00e4ndlich mit der Muttersprache identifizieren, sondern sind von diesem, immer auch politisierten<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a> Sprachkonflikt innerlich zerrissen. Hierbei zeigt sich die besondere Bedeutung des Alpenraums als Transit- und Migrationsraum, der in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zudem von wiederholten Grenzverschiebungen gepr\u00e4gt ist. Genau diese stetigen Ver\u00e4nderungen sind n\u00e4mlich f\u00fcr die gespaltene Sprachidentit\u00e4t der Protagonist:innen verantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <em>Immer noch Sturm <\/em>ist dieser Konflikt von einer starken ideologischen Dimension gepr\u00e4gt: Im nationalsozialistisch besetzten K\u00e4rnten verfolgen die Nazis eine kompromisslose Sprachpolitik, die ein generelles Verbot des Slowenischen zur Folge hat.<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a> Neben der Eindeutschung des \u00f6sterreichischen Dialekts, auf den ich noch zur\u00fcckkommen werde, verfolgen sie eine Linie der radikalen Umbenennung, die selbst vor den Eigennamen der Menschen nicht Halt macht: \u201eGregor Svinec\u201c, stellt sich der Onkel des Erz\u00e4hlers vor, \u201eoder Gregor Bleier \u2013 wie unser Name, wie du wei\u00dft, oder nicht wei\u00dft, dann zwangseingedeutscht wurde.\u201c<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[29]<\/a> Doch so einfach lassen sich die Familienmitglieder dies nicht gefallen. Die Mutter des Ich-Erz\u00e4hlers imitiert die patriotische Einstellung ihres Bruders Gregor, indem sie ihre widerst\u00e4ndige Treue zur Muttersprache erkl\u00e4rt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNas ne bodo odvadili sloven\u0161\u010dine. Sie werden uns die slowenische Sprache nicht abgew\u00f6hnen. Weit mehr als fr\u00fcher werden wir nun unsere Muttersprache ehren. Was uns die Mutter gegeben hat, wird uns niemand entrei\u00dfen. Was wir sind, das sind wir, und niemand kann uns vorschreiben: Du bist ein Deutscher. Kar smo, to smo, nih\u010de nem ne more predpisati: ti si Nemec.\u201d<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[30]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut ihrer zweisprachig vorgebrachten Definition bestimmt die durch die Muttermilch aufgesogene Wiegensprache die Identit\u00e4t der Familie weit mehr als die von \u00e4u\u00dferen Autorit\u00e4ten erzwungenen Grenzverschiebungen. Denn Sprache gibt offensichtlich Halt, definiert, wie man denkt und f\u00fchlt. In <em>Immer noch Sturm <\/em>hat sie einen geradezu organischen Charakter. F\u00fcr diese Sprache schlie\u00dft sich Gregor den Partisanen an, um nach Kriegsende frei zu sein, \u201efrei vor allem, um unsere Sprache zu sprechen\u201c<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[31]<\/a>, eine Sprache, die tief mit der Region verbunden scheint:<\/p>\n<blockquote><p>Und auch im Krieg, sooft ich jenseits der Karawanken<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[32]<\/a> war, konnte ich es nicht erwarten, heimzukommen, hierher zur Svinjska planina, an unsere Sprachgrenze. Heimweh, ewigliches, domoto\u017eje, od vekomaj do vekomaj. Heimweh nach dem sch\u00f6nen K\u00e4rnten, nach der lepa Koro\u0161ka, weiblich in unserer Sprache\u2026<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[33]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Einmarsch der Deutschen den Heimatboden nicht neu definieren kann, scheint die dort gesprochene Sprache die Region abzustecken und zu formen. Diese Sprache ist nicht einfach Slowenisch, es ist, so ihre Sprecher:innen, ein ihnen eigener Dialekt, eine \u201eSprache, die nirgendwo sonst gesprochen wird, [ein] Tonfall, der oft etwas ganz anderes sagt als die W\u00f6rter, und an dem [die Sprecher] einander erkennen\u201c<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[34]<\/a> \u2013 kurz, ein K\u00e4rntner Slowenisch, oder vielleicht sogar das Slowenisch der Svinjska planina, der Saualpe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch eben diese Sprache, die Gregor und sein Vater verehren, wird f\u00fcr andere Familienmitglieder zum Gef\u00e4ngnis.<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[35]<\/a> \u201eVerdammt soll sie sein, diese Sprache\u201c<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[36]<\/a>, entr\u00fcstet sich Valentin, denn die Liebe zur \u201eHaus- und Sippensprache\u201c<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[37]<\/a> sei zum Zwang geworden, zur Obsession. Im Gegensatz zu Gregor und Ursula k\u00e4mpft er bereitwillig auf der deutschen Seite, nicht weil er sich mit deren Ideologie identifizieren kann, sondern weil er nur jenseits der Heimat und der Muttersprache die Freiheit findet, nach der er sich sehnt: \u201eUnd meine Entscheidung hei\u00dft: Westen. Westwelt. Heraus aus der Eingeschlossenheit in die Berge und in die verstockte berglerische Sprache. Ins Offene. Weltb\u00fcrger werden.\u201c<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\">[38]<\/a> Auf der Suche nach Freiheit, dem Streben nach Befreiung von der Begrenztheit der Bergwelt, zieht es Valentin \u201eheim in den fremden Krieg\u201c<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\">[39]<\/a>. Doch auf welcher Seite dieser Krieg gefochten wird, im Dienst der Besetzer oder f\u00fcr die Partisanen, spaltet die Familie, genauso wie die Frage, welchen Wert sie ihrer Muttersprache zugestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ist die Haltung der Familie zur Muttersprache wirklich so radikal? Bei n\u00e4herer Betrachtung stellt man fest, dass in ihren Gespr\u00e4chen eine fast nat\u00fcrliche Vermischung der beiden Sprachen stattfindet.<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\">[40]<\/a> Obwohl der Familienvater die slowenische Sprache propagiert, haben offenbar viele \u00f6sterreichische Alltagsbegriffe so weit in die Lebenswelt der slowenischst\u00e4mmigen Familie Einzug gehalten, dass derselbe Vater diese gegen ihre vom neuen Besatzer aufoktroyierten deutschen Varianten verteidigt: \u201eWer ,Schrank\u2018 sagt statt ,Kasten\u2018, ,Jacke\u2018 statt ,Rock\u2018, und ,K\u00e1ffe\u2018 statt ,Kaffee\u2018, der hat schon die Heimat verloren.\u201c<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\">[41]<\/a> Auf der anderen Seite wird implizit die von Valentin kritisierte Beschr\u00e4nktheit der Muttersprache auch von Ursula und Gregor best\u00e4tigt. \u201eIch habe bei der Osvobilna fronta einen neuen Namen\u201c, erkl\u00e4rt Ursula, bzw. Sne\u017eena. Ihr Bruder antwortet darauf: \u201e,O-svo-bo-dil-na fron-ta, was hei\u00dft das?\u2018 \u2013 Sie: ,Befreiungsfront\u2018.<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[42]<\/a> Verstehst du denn deine eigene Sprache nicht mehr?\u2018 \u2013 Er: ,Doch. Aber nur, wenn sie ausdr\u00fcckt, was man sehen, h\u00f6ren und riechen kann.\u2018\u201c<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[43]<\/a> Gregor ist ohnehin ein einfacher Mann, und abstraktes Denken liegt ihm fern. Seine Gedanken sind im Jaunfeld verankert, im Apfelanbau, in der slowenischen Muttersprache. Dennoch bringt dieser kurze Dialog ein Paradox hervor: Das Konzept der Befreiungsfront, der sich Gregor selbst bald anschlie\u00dfen wird, versteht er nur auf Deutsch, der Sprache seiner zuk\u00fcnftigen Gegner, gegen die er das Slowenische ein f\u00fcr alle Mal in ,seinem\u2018 Jaunfeld durchsetzen m\u00f6chte. Erneut zeigt sich hier, wie sehr die Familie im Strudel der Zweisprachigkeit verworren ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die innere Zerrissenheit des Ich-Erz\u00e4hlers hingegen resultiert nicht aus einem geographischen oder politischen, sondern aus einem diachronen Konflikt. Spielt man das auto-biographische Spiel bis zum Ende, wei\u00df man, dass f\u00fcr den Erz\u00e4hler Slowenisch nicht die Wiegen- und Muttersprache ist. Denn Peter Handke ist mit Deutsch aufgewachsen, Slowenisch hat er lediglich in der Schule gelernt und lange Jahre abgelehnt.<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[44]<\/a> Der Text bringt dieses Ungleichgewicht deutlich zum Ausdruck: Er ist auf Deutsch verfasst, nur wenige Brocken des Erz\u00e4hltexts sind auf Slowenisch. Im Gespr\u00e4ch mit den Familienmitgliedern m\u00fcssen diese die slowenischen S\u00e4tze immer wieder f\u00fcr ihn \u00fcbersetzen, z.B. als sie gemeinsam Ausz\u00fcge aus Gregors Buch \u00fcber Apfelanbau lesen. Mit \u201eAlle (bis auf mich)\u201c<a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[45]<\/a> leitet der Erz\u00e4hler mehrmals die \u00dcbersetzung der slowenischen S\u00e4tze ein. Ganz offensichtlich f\u00fchren die schlechten Kenntnisse der \u201eHeim- und Sippensprache\u201c zumindest zum teilweisen Ausschluss aus der Familiengemeinschaft. Die Folge ist eine innere Heimatlosigkeit, die den Erz\u00e4hler im Traum auf die Suche nach seinen Urspr\u00fcngen dr\u00e4ngt.<a href=\"#_edn46\" name=\"_ednref46\">[46]<\/a> Slowenisch wird zu einer Sprache, nach der er sehnsuchtsvoll die Hand austreckt, obwohl er diese nicht l\u00fcckenlos beherrscht. Das Verh\u00e4ltnis der beiden Sprachen hat sich somit gewandelt, und der Konflikt der Zweisprachigkeit eine v\u00f6llig neue Dimension angenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in <em>Eva dorme <\/em>ist der Sprachkonflikt ma\u00dfgeblich durch die diskriminierende Politik der Faschisten bestimmt. Der Streit um die offizielle Sprache in S\u00fcdtirol zieht sich durch die gesamte Erz\u00e4hlung (von 1919 bis 1992). Unter den italienischen Faschisten kann Deutsch nur noch heimlich in den sogenannten Katakombenschulen unterrichtet werden. Nach Hitlers Macht\u00fcbernahme werden die S\u00fcdtiroler dann vor eine skurrile Wahl gestellt: Die <em>Dableiber <\/em>stellen die geographische Heimat \u00fcber die sprachliche Identit\u00e4t, w\u00e4hrend die <em>Optanten<\/em> f\u00fcr diese Sprachzugeh\u00f6rigkeit bereit sind, ihre Heimat anderorts wiederaufzubauen. Die Erz\u00e4hlerin kommentiert dies mit Ironie: \u201eChi amava l\u2019<em>Heimat<\/em> era certo pronto ad abbandorla per ricostruirla altrove, tale e quale, in seno al Reich millenario. Restare, invece, era inequivocabile segno di tradimento.\u201c<a href=\"#_edn47\" name=\"_ednref47\">[47]<\/a> Doch nicht nur nach Ansicht der Nationalsozialisten bestimmt die Sprachzugeh\u00f6rigkeit auch ma\u00dfgebend die eigene Identit\u00e4t. Es handelt sich vielmehr um eine Idee, die sich durch den ganzen Roman zieht. Und diese Zugeh\u00f6rigkeit, sie hat nach institutioneller Auffassung einheitlich zu sein. Man kann schlie\u00dflich \u201e<em>nicht Kn\u00f6del mit Spaghetti mischen<\/em>\u201c<a href=\"#_edn48\" name=\"_ednref48\">[48]<\/a>, weswegen 1981 auch die <em>Sprachgruppenzugeh\u00f6rigkeitserkl\u00e4rung <\/em>eingef\u00fchrt wird, die auf b\u00fcrokratische Weise den Konflikt beilegen soll, auch wenn viele S\u00fcdtiroler sich inzwischen ihren ganz pers\u00f6nlichen, zweisprachigen Ausweg gesucht haben. So ist Gerda Huber, Evas Mutter, der italienischen Kultur durchaus zugetan, h\u00f6rt italienische Schlager, da diese mehr dem Zeitgeist und ihrem Selbstbild einer modernen Frau entsprechen, w\u00e4hrend sie als ledige Mutter unter der von Konservatismus gepr\u00e4gten S\u00fcdtiroler Mentalit\u00e4t leidet.<a href=\"#_edn49\" name=\"_ednref49\">[49]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gerda ihren italienischen Liebhaber der Familie vorstellt, beeindruckt dieser durch eine Geste der Verst\u00e4ndigung:<\/p>\n<blockquote><p>Quando Gerda lo present\u00f2 a Maria, Sepp et tutta la loro vasta famiglia, Vito entrando nella <em>Stube <\/em>disse:<\/p>\n<p>\u201e<em>Griastenk!<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Era pi\u00f9 di mezzo secolo che soldati, impiegati, funzionari e insegnanti si rivolgevano ai due anziani contadini in italiano, che pretendevano che rispondessero in italiano, che ridevano del loro pessimo italiano.<a href=\"#_edn50\" name=\"_ednref50\">[50]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl Vito als Carabinieri, als Vertreter der italienischen Staatsmacht also, das Vorrecht h\u00e4tte, seine Muttersprache auch in der ihm fremden Gegend durchzusetzen, w\u00e4hlt er den S\u00fcdtiroler Dialekt zur Begr\u00fc\u00dfung.<a href=\"#_edn51\" name=\"_ednref51\">[51]<\/a> Dem Dialekt kommt damit eine besonders identit\u00e4tsstiftende Rolle zu, die die Erz\u00e4hlerin nicht ohne Ironie thematisiert:<a href=\"#_edn52\" name=\"_ednref52\">[52]<\/a> Als 1957 der S\u00fcdtiroler Politiker Silvius Magnago<a href=\"#_edn53\" name=\"_ednref53\">[53]<\/a> in Bozen spricht, kommen \u00fcber drei\u00dfigtausend S\u00fcdtiroler aus verschiedenen Gemeinden zusammen, \u201edai posti dove in dialetto si conta <em>oasn<\/em>, <em>zwoa<\/em>\u2026, et da quelli dove invece si dice <em>aans<\/em>, <em>zwa<\/em>\u2026\u201c<a href=\"#_edn54\" name=\"_ednref54\">[54]<\/a>. Die Erz\u00e4hlerin verdeutlicht so die kategorisierende, grenzziehende und definierende Dimension von Sprache. Gleichzeitig verweist die Trennung bestimmter Regionen nur auf Grundlage kleiner Ausspracheunterschiede auch auf die Absurdit\u00e4t des Konzepts der <em>Sprachgruppenzugeh\u00f6rigkeit <\/em>als alleiniges und exklusives Merkmal kultureller und ethnischer Identit\u00e4t. Dennoch zeigt sich die essentielle Wichtigkeit des Mutterdialekts in den vielen un\u00fcbersetzbaren Begriffen, die den Roman best\u00fccken. So der Begriff <em>Heimat<\/em>, den die Ich-Erz\u00e4hlerin jedoch nicht anbringt, um sich von Italien abzugrenzen, sondern vielmehr, um ihre verworrene Doppelidentit\u00e4t besser zu fassen:<\/p>\n<blockquote><p>Improvisamente, un sillogismo semplice:<\/p>\n<p>l\u2019Alto Adige \u00e8 la mia <em>Heimat-<\/em><\/p>\n<p>l\u2019Alto Adige \u00e8 in Italia-<\/p>\n<p>Ergo<\/p>\n<p>l\u2019Italia \u00e8 il mio\u2026<\/p>\n<p>Come si dice <em>Heimat <\/em>in italiano? E una parola che con l\u2019Italia non centra niente, sa troppo di pane al cumino, di <em>Stube <\/em>tiepida quando fa freddo, di <em>Adventskalender. <\/em>Neanche \u201cpatria\u201d va bene, questa invece sa di monumenti in granito, di linee di confine tracciate da cancellieri distratti, di ragazzi mal equipaggiati spediti a morir da generali anziani. \u201cPaese\u201d? Ecco, si:<\/p>\n<p>l\u2019Italia \u00e8 il mio Paese.<a href=\"#_edn55\" name=\"_ednref55\">[55]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">S\u00fcdtirol ist demnach Evas Heimat, Italien ihr Land, beide Sprachen, beide Kulturen sind ihr vertraut, und doch besch\u00e4ftigt sie die konfliktgeladene Vergangenheit S\u00fcdtirols, die auch ihre eigene Lebensgeschichte bestimmt hat, ganze 1397 km lang. Die im ganzen Text verteilten Avatare des S\u00fcdtiroler Dialekts durchziehen alles Sprechen und Denken: Manchmal sind es abstrakte Ideen, \u00f6fter ganz konkrete kulturelle Artefakte, vermehrt kulinarischer Natur: \u201e<em>Kn\u00f6del\u201c, \u201eWiener Schnitzel\u201c<\/em>, \u201e<em>Linzertorte\u201c<\/em>, <em>\u201eSpitzbuben<\/em>\u201c<a href=\"#_edn56\" name=\"_ednref56\">[56]<\/a>, etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die essentielle Bedeutung der Sprache f\u00fcr die kulinarische Identit\u00e4t einer Gruppe zeigt sich auch in <em>Sonnenschein<\/em>, wo im italienischen Gorizia zum Beispiel nach wie vor \u201eKaiserfleisch\u201c<a href=\"#_edn57\" name=\"_ednref57\">[57]<\/a> serviert wird. Die Frage nach der Muttersprache scheint in <em>Sonnenschein <\/em>jedoch wesentlich komplexer. Im kaiserlich-habsburgischen G\u00f6rz geboren, st\u00f6hnt Adas Mutter, Marisa Baar, 1918 ihre letzten Worte auf Slowenisch: \u201e<em>otroci moji, otroci moji<\/em>\u201c<a href=\"#_edn58\" name=\"_ednref58\">[58]<\/a>; ihr j\u00fcngster Sohn hingegen \u00e4u\u00dfert seine Verunsicherung ob der Ereignisse des Ersten Weltkriegs, der Vater und Kinder ohne die Mutter zur Flucht zwingt, auf Deutsch.<a href=\"#_edn59\" name=\"_ednref59\">[59]<\/a> Seine Frage \u201e<em>Wo ist Mama?<\/em>\u201c klingt wie das Echo der klagenden, slowenischen Rufe der Mutter nach ihren Kindern. \u201e<em>Wann werden die Deutschen kommen?<\/em>\u201c<a href=\"#_edn60\" name=\"_ednref60\">[60]<\/a>, fragt er auf der Flucht durch Italien, ganz so, als wolle er sich mit den deutschen Soldaten solidarisieren, um sich vom italienischen Fluchtort abzugrenzen.<a href=\"#_edn61\" name=\"_ednref61\">[61]<\/a> Niemand wei\u00df eine Antwort, doch ein alter Mann verl\u00e4ngert diesen kurzen Moment, in dem die gemeinsame Sprache eine N\u00e4he erlaubt, die rein emotional ist und sich der geographischen Distanz zwischen Heimat- und Fluchtort trotzig entgegenstellt: \u201e<em>Dies ist mein Haus. Wenn ich weggehe, werde ich alles verlieren. Aber bleiben kann ich nicht\u2026<\/em>\u201c<a href=\"#_edn62\" name=\"_ednref62\">[62]<\/a> Genau wie diesen alten Mann lassen die zwei Weltkriege und besonders die stetigen Verschiebungen der sprachlichen und kulturellen Zugeh\u00f6rigkeit Haya Tedeschis Familie orientierungslos zur\u00fcck. Eine Landesgrenze teilt das italienische Gorizia, in dem sich Haya nach Kriegsende wieder niederl\u00e4sst, vom slowenischen Nova Gorica. Ob Haya deswegen nun Italienerin ist, oder doch mehr \u00d6sterreicherin oder Slowenin, scheint f\u00fcr ihre Geschichte fast unbedeutend, zu oft haben die nationalen Zugeh\u00f6rigkeiten gewechselt, zu viel hat es sie auf ihrem Lebensweg von einer Nation in die andere verschlagen. Dass die willk\u00fcrlich gezogenen Grenzen dennoch ihren Preis fordern, macht die Erz\u00e4hlerin eindeutig klar:<\/p>\n<blockquote><p>Die Geschichte [\u2026] ersinnt heimlich immer neue Grenzwelten. Und die Grenze ist, wie jede lange und tiefe Wunde, selbst wenn sie verheilt und sich nicht in einen eitrigen Herd verwandelt, eine einzige Narbe aus wucherndem Fleisch, die die Toten von den Lebenden trennt.<a href=\"#_edn63\" name=\"_ednref63\">[63]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grenze, von der die Erz\u00e4hlerin spricht, ist nicht nur geographischer Natur, sie trennt nicht nur Slowenien von Italien und \u00d6sterreich, sie trennt auch die Lebenden von den Toten, die Schrecken der Vergangenheit von der schattenhaften Existenz, die die Protagonistin in der Gegenwart f\u00fchrt: Die Narben ziehen sich durch ihr gesamtes Dasein und entstellen ihr Leben, nun, da sie es r\u00fcckblickend betrachtet. Ein Konflikt sticht dabei besonders hervor, gerade auch, wenn man die sprachliche Dimension ber\u00fccksichtigt: Die Familie Tedeschi ist j\u00fcdisch, und doch schafft sie es durch Zur\u00fcckhaltung und Opportunismus, den Zweiten Weltkrieg unbeschadet zu \u00fcberstehen, w\u00e4hrend der Roman gleichzeitig das Leid thematisiert, das Millionen von Juden \u2013 auch aus Gorizia \u2013 erfahren mussten, unter anderem durch die grausamen Taten von Kurt Franz, Hayas Liebhaber und Vater ihres Sohnes. Die Ambiguit\u00e4t, die dem Namen Tedeschi innewohnt, wird im Roman eindr\u00fccklich hervorgehoben und geradezu symbolisch aufgeladen. 1943 bem\u00fcht Ada sich im deutsch besetzten Albanien um die Freilassung eines festgesetzten Bekannten und versucht dabei mittels ihres Nachnamens eine Br\u00fccke zwischen sich und ihrem deutschen Gegen\u00fcber zu schlagen: \u201e<em>Slu\u0161ajte<\/em>, ka\u017ee Ada, <em>Sandro je <\/em><em>\u010destit \u010dovjek<\/em><em>, to vam ka\u017eem ja koja se prezivam Tedeschi [\u2026]<\/em>.<em> Tedesco na taljinaskom zna\u010di Nijemac<\/em>\u201c<a href=\"#_edn64\" name=\"_ednref64\">[64]<\/a>, erkl\u00e4rt Ada, als w\u00fcrde die ihrem Nachnamen \u00e4hnliche italienische \u00dcbersetzung f\u00fcr \u201edeutsch\u201c ihre arische Rassenzugeh\u00f6rigkeit und damit auch ihre Glaubw\u00fcrdigkeit begr\u00fcnden. Der SS-Offizier zeigt sich unber\u00fchrt und antwortet nur \u201e<em>Ja, Tedeschi [\u2026] ein j\u00fcdischer Name<\/em>\u201c<a href=\"#_edn65\" name=\"_ednref65\">[65]<\/a>. Die Stigmatisierung des Namens als j\u00fcdisch kehrt an zwei Stellen wieder, jedes Mal auf Deutsch. Auf unangenehme Weise scheint die j\u00fcdische Herkunft der Familie mit der deutschen Sprache verbunden: Wie ein dr\u00fcckender Stein im Schuh l\u00e4sst sie die Familie nicht mehr los, fl\u00fcstert auf der Ebene der Narration die Frage, die das ganze Buch durchzieht \u2013 die Frage nach der Schuld der Familie Tedeschi, einer j\u00fcdischen Familie, einer deutschen Familie? Zu Teilen zumindest einer deutschsprachigen Familie, deren Wandelbarkeit so gro\u00df scheint, dass sie sie letztendlich zerrei\u00dft \u2013 ganz so wie Haya und ihr von den Nazis entf\u00fchrter Sohn auseinandergerissen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass alle drei Werke sich weit \u00fcber die Poetik der Namensgebung hinaus durch eine gewisse Zweisprachigkeit auszeichnen. Hierbei ist bemerkenswert, dass den jeweiligen Sprachen nicht die gleiche Bedeutung zugestanden wird. Quantitativ gibt es ein entscheidendes Gef\u00e4lle zwischen einer dominanten Erz\u00e4hlsprache, in die Fragmente der jeweils anderen Sprache eingewebt sind: Slowenisch in <em>Immer noch Sturm<\/em>, Deutsch in <em>Sonnenschein <\/em>und <em>Eva dorme.<\/em> Betrachtet man jedoch die qualitative Dimension der in der Zweitsprache verfassten S\u00e4tze bzw. deren strategischen Gebrauch im Gesamttext, stellt sich heraus, dass der Zweitsprache (egal, ob Muttersprache oder nicht) eine besonders intensive Bedeutung f\u00fcr die Inszenierung der bin\u00e4ren Identit\u00e4t zukommt. Die Sprache wird zum \u201aAusdruck der Seele\u2018, zur Familien- und Heimatsprache, oder zum Ausdrucksmittel der innigsten Gef\u00fchle. Das Schwanken zwischen zwei Sprachen zeugt so auch immer von einer inneren Zerrissenheit und begr\u00fcndet diese gleichzeitig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Buch als Artefakt regional bedingter Doppelidentit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprache ist jedoch niemals rein subjektiv, und auch die in den behandelten Werken auftretenden Ph\u00e4nomene der Mehrsprachigkeit sind keine rein pers\u00f6nliche Angelegenheit. In allen drei Texten ist die Zweisprachigkeit das Schicksal einer ganzen Familie, das sie gleicherma\u00dfen eint und entzweit. Doch auch \u00fcber die famili\u00e4re Sph\u00e4re hinaus, so suggerieren es die drei Autor:innen, zeugen die sozio-kulturellen Sprachkonflikte von der Gespaltenheit einer ganzen Bev\u00f6lkerungsgruppe. Dass das Motiv der Doppelidentit\u00e4t somit als eine strukturelle Problematik wahrgenommen wird, zeigt sich in den drei Werken dadurch, dass unabh\u00e4ngig von der binnenfiktionalen Handlung danach gestrebt wird, dem Buch als kulturellem Artefakt eine sichtbare zweisprachige Struktur zu verleihen. Auch ohne in die Lekt\u00fcre einzutauchen, vermittelt bereits das Objekt \u201aBuch\u2018, dass es sich in einer linguistischen Grenzzone ansiedelt. Der Einsatz der Zweitsprache geschieht in diesem Sinne sehr bewusst und wird durch verschiedene Strategien markiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle drei Autor:innen finden Wege, die Pr\u00e4senz der Zweitsprache schon beim blo\u00dfen \u00dcberfliegen der Seiten ins Auge stechen zu lassen. Peter Handke setzt vorrangig auf den visuellen Wiedererkennungswert der slowenischen Akzente im deutschen Text. S\u00e4tze wie \u201eKo\u017ea gladka, zelena, pozneje rumena na son\u010dni strani \u017eivorde\u010de barvana\u201c<a href=\"#_edn66\" name=\"_ednref66\">[66]<\/a> stechen so direkt ins Auge, aber auch einzelne W\u00f6rter wie \u201eo\u010de\u201c, \u201esloven\u0161\u010dine\u201c, \u201er\u00f3\u017ea\u201c oder \u201esre\u010dno\u201c<a href=\"#_edn67\" name=\"_ednref67\">[67]<\/a> heben sich gut sichtbar vom deutschen Text ab und durchwirken diesen so mit einem slowenischen Substrat, das schon auf den, im wahrsten Sinne des Wortes, ersten Blick erkennbar ist. Auf der textuellen Ebene kann man ferner ein subtiles Spiel mit der Schreibweise deutscher W\u00f6rter feststellen: \u201edie Feindeserde sei ihm leicht\u2026 l\u00e1iht\u2026 l\u00e1iht\u2026 l\u00e1iht\u201c<a href=\"#_edn68\" name=\"_ednref68\">[68]<\/a>, erklingt es beispielsweise aus den M\u00fcndern der Familie. Das Adjektiv \u201aleicht\u2018 wird hier nicht ins Slowenische \u00fcbersetzt, in der echo\u00e4hnlichen Wiederholung wird das Wort lediglich nach slowenischen Regeln transkribiert. In einem einzigen Wort werden so Elemente des Deutschen und des Slowenischen vereint. Dieses Verschwimmen der beiden Sprachen wird jedoch im gesprochenen Dialog weniger offenbar als im gedruckten Text.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <em>Eva dorme <\/em>und <em>Sonnenschein <\/em>werden die Zweitsprachen ma\u00dfgeblich durch die Kursivierung der deutschen (und in <em>Sonnenschein <\/em>auch der italienischen) W\u00f6rter und S\u00e4tze hervorgehoben. Regelm\u00e4\u00dfig stechen aus Melandris italienischem Text S\u00e4tze wie \u201e<em>Des madl will i net weggian lossn<\/em>\u201c<a href=\"#_edn69\" name=\"_ednref69\">[69]<\/a> oder \u201e<em>Gerda gibs lai oane<\/em>\u201c<a href=\"#_edn70\" name=\"_ednref70\">[70]<\/a> hervor. Schon beim Durchbl\u00e4ttern f\u00e4llt somit auf, dass der S\u00fcdtiroler Dialekt nicht nur in der binnenfiktionalen Handlung gesprochen wird, sondern auch auf der Textebene reproduziert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u0161a Drndi\u0107 setzt die Kursivierung auf besonders subtile Weise ein. Die in den Text eingespeisten Zeitzeugenberichte, die die Erz\u00e4hlung der Geschichte der Familie Tedeschi unterbrechen, sind meist kursiv gedruckt. Im Fall der Erz\u00e4hlung von Elvira Weiner, einer Schweizerin, die von den Judentransporten durch den Gotthardtunnel berichtet, bringt dies erneut den deutschen Namen mit der Frage nach der T\u00e4terschaft in Bezug: Elvira Weiner beschreibt, wie Schweizer:innen j\u00fcdische Deportierte mit Suppe und Decken versorgen, w\u00e4hrend die Schweiz sich gleichzeitig durch die Durchfuhrerlaubnis der Transporte zur Mitschuldigen macht. Weiners Name, nicht kursiviert, ragt dabei prominent aus dem kursiv gedruckten Text hervor, jedes Mal, wenn die Autorin ohne augenscheinlichen Grund die Erz\u00e4hlung durch ein \u201epri\u010da [erz\u00e4hlt] Elvira Weiner\u201c<a href=\"#_edn71\" name=\"_ednref71\">[71]<\/a> unterbricht. Elvira Weiner, eine Schweizerin mit deutschem Namen, berichtet von der fragw\u00fcrdigen Position der Schweiz im Zweiten Weltkrieg: Ihr Name symbolisiert auf typographischer Ebene die Verantwortung der Schweizer an den Verbrechen gegen\u00fcber der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. So wird die Leser:in schon beim \u00dcberfliegen des Textes auf eine deutsche Pr\u00e4senz in Zusammenhang mit der NS-Vergangenheit aufmerksam gemacht, die sich jedoch bei eingehender Lekt\u00fcre als kein rein deutsches Problem entpuppt und zudem an die Zerrissenheit der Protagonistin ankn\u00fcpft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Kommunikation mit der Rezipient:in<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Text in mehreren Sprachen zu verfassen, bringt zwangsweise die Frage nach der Verst\u00e4ndlichkeit und der Wahl, beziehungsweise Konstituierung einer Modell-Leserschaft mit sich. W\u00e4hrend ein einsprachiges Werk sich selbstredend an eine der entsprechenden Sprache m\u00e4chtige Leserschaft richtet, scheinen sich die drei Autor:innen der hier behandelten Werke dar\u00fcber bewusst, dass die im Text auftauchenden Zweitsprachen den Lesenden nur bedingt zug\u00e4nglich sind. Auf den ersten Blick wirkt es, als erwarten sie von ihren Leser:innen zwar ein gewisses Interesse an der zweiten Sprache \u2013 so wird die kroatische Leser:in den deutschen Titel von Da\u0161a Drndi\u0107s Roman im Lexikon nachschlagen m\u00fcssen \u2013, w\u00e4hrend Francesca Melandri die Bereitschaft erwartet, einen Roman mit regelm\u00e4\u00dfigen Fu\u00dfnoten zu lesen, ohne dabei jedoch Vorkenntnisse zu implizieren oder sich gar an ein zweisprachiges Publikum zu richten. Um der Leserschaft die in der Zweitsprache verfassten Fragmente zug\u00e4nglich zu machen, bedienen sich die drei Autor:innen unterschiedlicher Methoden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Handke entwickelt den Wechsel zwischen Deutsch und Slowenisch zu einer eigenen Poetik, die zum Eintauchen in die Zweisprachigkeit einl\u00e4dt, jedoch in ihrer ganzen Subtilit\u00e4t einer rein deutschsprachigen Leserschaft verschlossen bleibt.<a href=\"#_edn72\" name=\"_ednref72\">[72]<\/a> Gerade die Meta-\u00dcberlegungen zum Thema Sprache und ihrer Bedeutung f\u00fcr das Selbst basieren auf dem sich erg\u00e4nzenden Gebrauch des Deutschen und Slowenischen.<a href=\"#_edn73\" name=\"_ednref73\">[73]<\/a> Hierbei pflegt Handke eine chiasmatische \u00c4sthetik, d.h. er \u00fcbersetzt bestimmte Satzsegmente, beh\u00e4lt es sich jedoch vor, diese neu anzuordnen. So zum Beispiel in der Begr\u00fc\u00dfungsformel \u201eGuten Tag, Gro\u00dfmutter, stara mati, dober dan\u201c<a href=\"#_edn74\" name=\"_ednref74\">[74]<\/a>: Die \u00dcbersetzung enth\u00e4lt zwar alle Bausteine der urspr\u00fcnglichen Aussage, gibt diese jedoch in umgekehrter Reihenfolge wieder \u2013 ein Detail, welches nur von zumindest in begrenztem Ma\u00df zweisprachigen Leser:innen sofort bemerkt wird. Durch dieses wiederholt eingesetzte Verfahren entwickelt sich im Text ein fast schon rhythmischer Wechsel der beiden die Identit\u00e4t des Sprechers pr\u00e4genden Sprachen. Ein besonders pr\u00e4gnantes Beispiel ist die erste Erw\u00e4hnung der Heimatregion der Familie: \u201eEs ist das Jaunfeld, im Land K\u00e4rnten, slowenisch Koro\u0161ka, lepa Koro\u0161ka, sch\u00f6nes K\u00e4rnten.\u201c<a href=\"#_edn75\" name=\"_ednref75\">[75]<\/a> Durch den stetigen, fast schon organischen Sprachwechsel gewinnt die Region an Plastizit\u00e4t, w\u00e4hrend der Erz\u00e4hler gleichzeitig eine Art Melodie der Mehrsprachigkeit komponiert. Diese schlie\u00dft die Leser:in, ungeachtet ihrer Sprachkenntnisse, auf besonders behutsame Weise in das Klima der Zweisprachigkeit ein, das die Stimmung innerhalb der Familie und die Zerrissenheit der einzelnen Familienangeh\u00f6rigen, insbesondere des Ich-Erz\u00e4hlers, definiert. Dennoch bleiben der ausschlie\u00dflich deutschsprachigen Leser:in bestimmte Nuancen verschlossen. Beispielsweise als die Mutter des Erz\u00e4hlers einen Frontbrief des Bruders Valentin vorliest: \u201eAber ich wei\u00df eh, dass Ihr Euch keine Sorgen um mich macht [\u2026] Eine Sorge, in unserer Stallsprache ein hart in den Ohren klingendes Wort: <em>skrb, otrok ga skrbi<\/em>, er sorgt sich ums Kind.\u201c<a href=\"#_edn76\" name=\"_ednref76\">[76]<\/a> Auch hier finden wir eine chiasmatisch strukturierte Symmetrie, die sich jedoch von der eingespielten \u00dcbersetzungspraxis entfernt, da sie sich auf semantischer Ebene vollzieht. Denn \u201eoktrok ga skrbi\u201c bedeutet \u00fcbersetzt \u201edas Kind sorgt sich um ihn\u201c. In wieder anderen Beispielen kann man von der Leser:in erwarten, dass sie die Verst\u00e4ndnisl\u00fccke durch den Kontext zu schlie\u00dfen vermag. In einem Feldbrief von Gregor liest man: \u201eTages- und Nachtm\u00e4rsche von f\u00fcnfzig Kilometern: nema problema, umgerechnet in Werst sind es entschieden weniger.\u201c<a href=\"#_edn77\" name=\"_ednref77\">[77]<\/a> Dass \u201enema problema\u201c kein Problem bedeutet, l\u00e4sst sich relativ leicht erschlie\u00dfen, ebenso wie die Tatsache, dass Werst eine slawische Ma\u00dfeinheit ist. Gleichzeitig greift der Autor hier mit Ironie die Idee auf, nach der Sprache unsere Realit\u00e4t formt.<a href=\"#_edn78\" name=\"_ednref78\">[78]<\/a> Ein wiederkehrendes Dilemma scheint in diesem Zusammenhang die \u00dcbersetzung des deutschen Heimatbegriffs. Gregor bezeichnet die durch den Horizont begrenzte Lebenswelt als \u201eunsere Heimst\u00e4tte\u201c und \u00fcbersetzt diese mit \u201ena\u0161a hi\u0161a, na\u0161a domovina\u201c<a href=\"#_edn79\" name=\"_ednref79\">[79]<\/a> \u2013 also \u201eunser Haus, unsere Heimat\u201c, einer Doppel\u00fcbersetzung, die dem deutschen Begriff nicht vollends gerecht wird, in der Kombination mit diesem den Heimatbegriff aber noch vertieft bzw. ausweitet. Zusammenfassend kann man sagen, dass nur die zweisprachige Leser:in alle Nuancen von Handkes poetischem Verweben der beiden Sprachen erfasst. Nur der zweisprachigen Leser:in f\u00e4llt auch ein kleiner \u00dcbersetzungsfehler auf: Der \u201edevet in dvajesetega februara\u201c wird von den Familienangeh\u00f6rigen nicht mit dem neunundzwanzigsten, sondern mit dem \u201esiebenundzwanzigsten Februar\u201c<a href=\"#_edn80\" name=\"_ednref80\">[80]<\/a> \u00fcbersetzt. Ein weiterer, ebenso subtiler wie r\u00fchrender Verweis darauf, dass die Erz\u00e4hlerfigur, die in vielerlei Hinsicht dem biographischen Autor \u00e4hnelt, den Zugang zur \u201eHaus- und Sippensprache\u201c der Familie mehr und mehr verliert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Francesca Melandri hingegen w\u00e4hlt, wie bereits erw\u00e4hnt, oft die recht erudierte Variante der Fu\u00dfnoten: Auf Deutsch oder im S\u00fcdtiroler Dialekt verfasste Begriffe und S\u00e4tze versieht sie mit Fu\u00dfnoten, die die italienische \u00dcbersetzung oder Paraphrasierung enthalten. So \u00fcbersetzt sie <em>Mohnstrudl <\/em>mit \u201eStrudel di semi di papavero\u201c<a href=\"#_edn81\" name=\"_ednref81\">[81]<\/a>, <em>Schweinerei <\/em>mit \u201ePorcilaia. Macello\u201c<a href=\"#_edn82\" name=\"_ednref82\">[82]<\/a> und den Ausruf \u201e<em>Vofluicht no amol<\/em>\u201c mit \u201eMaledizione\u201c<a href=\"#_edn83\" name=\"_ednref83\">[83]<\/a>. Das <em>Dirndl<\/em> beschreibt sie als \u201cAbito tradizionale femminile\u201c<a href=\"#_edn84\" name=\"_ednref84\">[84]<\/a>, und f\u00fcr die <em>Stube <\/em>gibt sie gar die etymologische Entwicklung wieder: \u201eStufa. Il termine indica per estensione la stanza rivestita di legno cuore delle case tradizionali tirolesi, con al centro la stufa a legna.\u201d<a href=\"#_edn85\" name=\"_ednref85\">[85]<\/a> Nicht ausschlie\u00dflich jedoch greift Melandri auf diese \u00dcbersetzungstechnik zur\u00fcck. Mitunter, wenn auch seltener, \u00fcbersetzt sie deutsche oder S\u00fcdtiroler Fragmente im Flie\u00dftext selbst, ganz so, als l\u00e4ge ihr in diesen Momenten an der Vermittlung einer zweisprachigen Ausdrucksform, die beide Sprachen auf dasselbe Niveau stellt. So zum Beispiel anl\u00e4sslich der Beerdigung eines S\u00fcdtiroler Freiheitsk\u00e4mpfers. Die am Blumenkranz angebrachte Aufschrift integriert die Erz\u00e4hlerin in beiden Sprachen in den Text: \u201eNiente scariche di fucile, quindi, solo una corona di fiori con il cartiglio a caratteri gotici: <em>Im Scho\u00df der Heimaterde<\/em>, nel grembo del patrio suolo.\u201c<a href=\"#_edn86\" name=\"_ednref86\">[86]<\/a> Was bei Melandri ins Auge sticht, ist das Bem\u00fchen, bei der Rezipient:in im Laufe der Lekt\u00fcre ein erweitertes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr spezifische S\u00fcdtiroler Begriffe und die damit verbundene Lebenswelt zu schaffen und sie so in das zweisprachige Universum einzuf\u00fchren.<a href=\"#_edn87\" name=\"_ednref87\">[87]<\/a> Sie erwartet dabei, dass W\u00f6rter, die sie einmal per Fu\u00dfnote \u00fcbersetzt oder erkl\u00e4rt hat, in den Wortschatz der Lesenden \u00fcbernommen werden \u2013 sie sind insbesondere nicht in einem Glossar nachzuschlagen. Begriffe wie <em>Knecht<\/em>, <em>Katakombenschulen <\/em>oder <em>Stube <\/em>werden so wie selbstverst\u00e4ndlich in das italienische Narrativ integriert. In ihrem Text \u201ela scrittura assume un ruolo di comunicazione biculturale\u201c<a href=\"#_edn88\" name=\"_ednref88\">[88]<\/a>: zwischen S\u00fcdtirolern und Italienern, zwischen deutschsprachigen S\u00fcdtirolern und italienischsprachigen <em>Altoatesini<\/em>, zwischen S\u00fcdtiroler Dialekt und Italienisch<em>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich in <em>Sonnenschein<\/em> die dokumentarische Dimension eine nochmals gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt als in <em>Eva dorme<\/em>, pflegt Da\u0161a Drndi\u010d einen freieren Umgang mit den deutschen Begriffen und S\u00e4tzen, der zu einer Verdichtung der Botschaft \u00fcber das reine Signifikat hinausf\u00fchrt. In der Tat bietet die Autorin ihrer Leserschaft nur \u00e4u\u00dferst selten eine explizite \u00dcbersetzung deutscher Textstellen an. In diesen F\u00e4llen stellt sie, anders als Melandri, die kroatische Variante voran und liefert die deutsche \u00dcbersetzung, gewisserma\u00dfen als Erg\u00e4nzung f\u00fcr besonders wissbegierige Leser:innen, hinten nach. So spricht sie von \u201edva lutkara \u2013 dva <em>Tockenmachera<\/em>\u201c<a href=\"#_edn89\" name=\"_ednref89\">[89]<\/a>, ein veralteter Ausdruck f\u00fcr Puppenmacher, der durch das grammatikalische Angleichen enger mit dem kroatischen Text zusammenw\u00e4chst. Viel h\u00e4ufiger jedoch m\u00fcssen die deutschen Begriffe f\u00fcr sich stehen. Dies gilt vorrangig f\u00fcr das NS-Vokabular (z.B. Sturmf\u00fchrer, Scharf\u00fchrer, Einsatzkommando Reinhard) aber auch f\u00fcr Werkstitel sowie deutsche Bezeichnungen, die durchaus \u00fcbersetzbar w\u00e4ren, wie \u201eM\u00e4dchenpensionat\u201c oder \u201eKinderheim\u201c.<a href=\"#_edn90\" name=\"_ednref90\">[90]<\/a> Besonders auff\u00e4llig sind jedoch die fehlenden \u00dcbersetzungen ganzer Dialoge. So zum Beispiel Adas Unterhaltungen mit einem deutschen Soldaten:<\/p>\n<blockquote><p>Komandant njema\u010dkih snaga u Gorizii, pukovnik Scharenberg, do\u010dekuje Adu s osmijehom, zavla\u010di ruku u ko\u0161aricu prekrivenu salvetom kao da se sprema na zavo\u0111enje, trpa dva ro\u0161\u010di\u0107a u usta i \u017eva\u010du\u0107i ka\u017ee <em>danke<\/em>. Po brkovima mu ple\u0161u slatke pahuljice, nesta\u0161no, Ada na njih pokazuje prstom i ka\u017ee <em>Staubzucker<\/em>. Tako zvati put.<a href=\"#_edn91\" name=\"_ednref91\">[91]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ideologische Flexibilit\u00e4t der Familie, deren Verhalten sich vor allem durch ihren Opportunismus auszeichnet, wird hier durch die Bereitschaft, Deutsch zu sprechen, im Text besonders deutlich, da die Intimit\u00e4t der Unterhaltung nur einer zweisprachigen Leser:in zug\u00e4nglich ist \u2013 der Text spiegelt so die privilegierte Situation der polyglotten Ada wider. Einigen der nicht \u00fcbersetzten deutschen S\u00e4tze kommt dar\u00fcber hinaus, wie weiter oben bereits angef\u00fchrt, eine besonders tiefgreifende Bedeutung f\u00fcr die Konstituierung des Selbst zu. Marisa Baar, Adas Mutter, ist vor ihrem Tod der Sprachbarriere hilflos ausgeliefert. Als sie von ihrer Familie im deutsch besetzten Laibach in einem Hospiz zur\u00fcckgelassen wird, fragt sie wiederholt auf Slowenisch nach ihren Kindern. Die Antwort der deutschen Schwestern \u2013 \u201e<em>Hier spricht man Deutsch<\/em>\u201c<a href=\"#_edn92\" name=\"_ednref92\">[92]<\/a> \u2013 schl\u00e4gt der Sterbenden, wie auch der nicht-deutschsprachigen Leser:in mit unverst\u00e4ndlicher H\u00e4rte entgegen. Wiederholt werden S\u00e4tze, die das Individuum besonders pr\u00e4gen, sei es wie hier durch den Ausdruck innerster Herzensangelegenheiten oder durch die Brandmarkung des \u00e4u\u00dferen Blicks (wie z.B. der dreimal wiederholte Satz \u201eTedeschi, ein j\u00fcdischer Name\u201c), ausschlie\u00dflich auf Deutsch formuliert und bleiben einer relativ gro\u00dfen Gruppe der Lesenden verschlossen. Einerseits kann man argumentieren, dass die Autorin sich offenbar bewusst an eine mehrsprachige Leserschaft richtet. Dar\u00fcber hinaus regt sie aber auch insbesondere Leser:innen, die nicht alle im Buch vertretenen Sprachen von vornherein verstehen, zum Nachdenken \u00fcber das Dilemma der Zweisprachigkeit an: <em>Sonnenschein <\/em>f\u00fchrt eindringlich vor Augen, wie die Koexistenz verschiedener Sprachen als v\u00f6llig nat\u00fcrlich wahrgenommen werden oder aber die Kommunikation g\u00e4nzlich unm\u00f6glich machen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich sagen, dass alle drei behandelten Werke die Zweisprachigkeit ihrer Protagonist:innen gezielt im Text sichtbar machen und einsetzen, um deren Doppelidentit\u00e4t zum Ausdruck zu bringen. Diese linguistisch fundierte Doppelidentit\u00e4t steht zugleich immer in engem Zusammenhang mit der Identit\u00e4t einer Familie oder gar einer ganzen ethnischen Gruppe, wie es in <em>Immer noch Sturm <\/em>und mehr noch in <em>Eva dorme <\/em>herausgestellt wird. Dennoch zeigen alle drei Texte, dass der Umgang mit der Zweisprachigkeit sehr subjektiv ist und so die Selbstwahrnehmung und die Konstituierung der eigenen Identit\u00e4t entscheidend mitbestimmt. Noch Jahrzehnte nach der Beilegung der politischen Konflikte in den Alpenregionen stellen die gebliebenen Narben Grenzen dar, die in der Frage der Sprachzugeh\u00f6rigkeit besonders sp\u00fcrbar sind. Denn obwohl Sprache die Identit\u00e4t von Einzelpersonen wie von Gruppen ma\u00dfgeblich beeinflusst, ist der Spracherwerb und -erhalt einem zeitlichen Vektor unterworfen, Sprache damit ein besonders fl\u00fcchtiges kulturelles Gut. Alle drei Werke, besonders jedoch <em>Immer noch Sturm <\/em>und <em>Sonnenschein<\/em>, zeigen, wie schnell der Bezug zu einer Sprache verloren gehen kann. Der Identit\u00e4tskonflikt, der sich daraus ergibt, ist daher auch doppelt: Er zieht sich einerseits durch die Familien, bringt die Mitglieder gegeneinander auf, andererseits scheint er einzelne Personen innerlich zu zerrei\u00dfen. Doch, und auch dies machen alle drei Autor:innen klar, die sprachliche Doppelidentit\u00e4t f\u00fchrt nicht ausschlie\u00dflich zu Zerrissenheit, Halt- und Orientierungslosigkeit. Im Gegenteil liegt in der Zweisprachigkeit auch eine Chance, ein Potential der Verst\u00e4ndigung und der Bereicherung des Selbst. Gerade diese Dimension tragen die Autor:innen nach au\u00dfen, wenn sie Mehrsprachigkeit nicht nur zu einer binnenfiktionalen Problematik machen, sondern sie auch \u00fcber das kulturelle Artefakt \u201aBuch\u2018 an ihre Leserschaft weitergeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. Lughofer, Johann (Hg.). <em>Das Erschreiben der Berge. Die Alpen in der deutschsprachigen Literatur<\/em>. Innsbruck: Universit\u00e4t Innsbruck, 2014; Weigel, Sigrid. \u201eZum ,topographical turn\u2018. Kartographie, Topographie und Raumkonzepte in den Kulturwissenschaften\u201c. In: KulturPoetik 2 (2002), S.\u00a0151-165.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Wille, Christian (Hg.). <em>R\u00e4ume und Identit\u00e4ten in Grenzregionen: Politiken \u2013 Medien \u2013 Subjekte<\/em>. Bielefeld: transcript, 2014.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Zur Konstituierung von Identit\u00e4t durch Sprache und Sprechen vgl. Czegl\u00e9dy, Anita. <em>\u201eSein in der Sprache\u201c. Poetische Identit\u00e4tskonstruktionen im multikulturellen mitteleurop\u00e4ischen Raum<\/em>. Wien: Praesens Verlag, 2019, S.\u00a025-26; Kresic, Marijana. <em>Sprache, Sprechen und Identit\u00e4t. Studien zur sprachlich-medialen Konstruktion des Selbst<\/em>. M\u00fcnchen: Iudicium, 2006, S. 185ff. Nach Kresic sind \u201eIdentit\u00e4ten zu einem wesentlichen Teil sprachlich-medial hervorgebrachte Konstrukte\u201c. Vgl. au\u00dferdem Millner, Alexandra; Teller, Katalin (Hg.). <em>Transdifferenz u. Transkulturalit\u00e4t: Migration und Alterit\u00e4t in den Literaturen und Kulturen<\/em>. Bielefeld: transcript, 2018, insb. S. 155-211.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Vgl. Scholten, Dirk. <em>Sprachverbreitungspolitik des nationalsozialistischen Deutschlands<\/em>. Frankfurt a.M. [u.a.]: Peter Lang, 2000, S. 22f.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Wie entscheidend Sprache f\u00fcr die Identit\u00e4tsbildung gerade in Grenzlandschaften ist, zeigen Dominic Watt und Carmen Llamas in ihrer Einf\u00fchrung zu Llamas, Carmen; Watt, Dominic (Hg.). <em>Language, Borders and Identity<\/em>. Edinburgh: Edinburgh University Press, 2014.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Zur Definition von Zwei- und Mehrsprachigkeit, vgl. Czernilofsky, Barbara. <em>Regionale Sprachenpolitik in Europa. S\u00fcdtirol und Languedoc-Roussillon: zwei Eckpunkte?<\/em> Wien: Praesens Verlag, 2000, S. 16-17 und Riehl, Claudia Maria: <em>Schreiben, Text und Mehrsprachigkeit. Zur Textproduktion in mehrsprachigen Gesellschaften am Beispiel der deutschsprachigen Minderheiten in S\u00fcdtirol und Ostbelgien<\/em>. T\u00fcbingen: Stauffenburg Verlag, 2001, S. 49-58. Es soll an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass aus sprachgeschichtlicher oder -politischer Perspektive die Zweitsprache in der Regel die zus\u00e4tzlich zur Muttersprache erlernte Sprache bezeichnet. Im Folgenden werde ich als Zweitsprache jedoch die Sprachen bezeichnen, die in den jeweiligen Werken sekund\u00e4r verwendet werden, also Slowenisch bei Handke, Deutsch bei Melandri und Slowenisch, Italienisch und Deutsch bei Drndi\u010d.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> In allen drei Werken ist die Grenze zwischen Zwei- und Mehrsprachigkeit flie\u00dfend. Zum einen, weil die offiziellen Nationalsprachen oft um regionale Idiome und Dialekte erg\u00e4nzt werden. Zum anderen auch, weil mitunter weitere Sprachen eine Rolle spielen. W\u00e4hrend man in <em>Immer noch Sturm <\/em>vor allem einen gewissen kosmopolitisch bedingten Polyglottismus beobachtet, ist die Handlung von <em>Sonnenschein <\/em>auf der linguistischen Kreuzung zwischen Slowenisch, Italienisch und Deutsch angesiedelt (w\u00e4hrend der Erz\u00e4hltext auf Kroatisch verfasst ist).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Vgl. Hannesschl\u00e4ger, Vanessa.\u00a0\u201e<em>Immer noch Sturm<\/em>. Entstehungskontext\u201c. In: <em>Handke online. Forschungsplattform Peter Handke<\/em>, <a href=\"https:\/\/handkeonline.onb.ac.at\/node\/623\">https:\/\/handkeonline.onb.ac.at\/node\/623<\/a> (eingesehen am 12. November 2020).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Vgl. H\u00f6fer, Kristina. \u201e<em>Immer noch Sturm<\/em> (Peter Handke)\u201c. In: <em>Lexikon Traumkultur. Ein Wiki des Graduiertenkollegs \u201eEurop\u00e4ische Traumkulturen\u201c<\/em>, 2016.\u00a0<a href=\"http:\/\/traumkulturen.uni-saarland.de\/Lexikon-Traumkultur\/index.php\/%22Immer_noch_Sturm%22_(Peter_Handke)\">http:\/\/traumkulturen.uni-saarland.de\/Lexikon-Traumkultur\/index.php\/%22Immer_noch_Sturm%22_(Peter_Handke)<\/a> (eingesehen am 10. November 2020).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Vgl. Amann, Klaus: \u201eEin Traum von Geschichte\u201c. Zu einigen Voraussetzungen von Peter Handkes\u00a0<em>Immer noch Sturm<\/em>. In: Estermann, Anna ; \u00a0H\u00f6ller, Hans (Hg.). <em>Schreiben als Weltentdeckung. Neue Perspektiven der Handke-Forschung<\/em>. Wien: Passagen, 2014, S. 17-46; Leskovec, Andrea. \u201ePeter Handkes\u00a0<em>Immer noch Sturm<\/em>\u00a0oder zur Hintergehbarkeit der Festschreibung\u201c. In: <em>Zagreber Germanistische Beitr\u00e4ge<\/em> 22 (2013), S. 31-51.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Valentin Hellwig: Der Sonderfall. K\u00e4rntner Zeitgeschichte 1918-2004. Klagenfurt\/Ljubljana\/Wien: Hermagoras\/Mohorjeva, 2005.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Zur identit\u00e4tsstiftenden Rolle der Muttersprache, vgl. Wetenkamp, Lena. <em>Europa erz\u00e4hlt, verortet, erinnert. Europa-Diskurse in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur<\/em>. W\u00fcrzburg: K\u00f6nigshausen &amp; Neumann, 2017, S.\u00a0323.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Vgl. Czernilofsky. <em>Regionale Sprachpolitik in Europa<\/em>, S. 37-42; Manuela Zappe: Das ethnische Zusammenleben in S\u00fcdtirol. Frankfurt a.M.: Peter Lang, 1995, S. 67-83.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. Giergiel, Sabina. \u201eThe Saving Narratives of Da\u0161a Drndi\u0107\u201d. In: <em>Studia Judaica<\/em> 21, 1\/41 (2018), S. 97-116; Jambre\u0161i\u0107 Kirin, Renata. \u201eSur l\u2019histoire, l&#8217;amour et la douleur dans les romans f\u00e9minins croates\u201d. In: <em>Ethnologie fran\u00e7aise<\/em> 43\/2 (2013), S. 243-254.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Vgl. Goebl, Hans. \u201eKonflikte in pluriethnischen Staatswesen. Ausgew\u00e4hlte Fallstudien aus \u00d6sterreich-Ungarn (1848-1918)\u201c. In: Vogel, Friedemann; Luth, Janine; Ptashnyk, Stefaniya (Hg.). <em>Linguistische Zug\u00e4nge zu Konflikten in europ\u00e4ischen Sprachr\u00e4umen. Korpus \u2013 Pragmatik \u2013 kontrovers<\/em>. Heidelberg: Winter, 2016, S. 203-233, hier S. 211-214.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Diese Bedeutung leitet sich aus dem biblischen Vorbild ab, da Benjamin der j\u00fcngste der zw\u00f6lf S\u00f6hne Jakobs war (Gen. 35,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Handke, Peter. <em>Immer noch Sturm<\/em>. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2010, S. 29.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Vgl. Czegl\u00e9dy, <em>\u201eSein-in-der-Sprache\u201c<\/em>, S. 67. Czegl\u00e9dy unterstreicht \u201edie Identit\u00e4tsprobleme und die Heimatslosigkeit des ,K\u00e4rntner slowenischen D\u00f6rflers, zugleich Deutschbastards\u2018, wie sich Peter Handke nennt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 12.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Die Svinjska planina oder Saualpe ist ein Gebirgszug der Zentralalpen, der in der Region K\u00e4rnten liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Drndi\u0107, Da\u0161a. <em>Sonnenschein. Roman<\/em>. \u00dcbers. Brigitte D\u00f6bert u. Blanka Stipeti\u0107. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2015, S. 67. Deutsche Kursivschreibung im Folgenden stets im Original. (\u201e<em>ne mo<\/em><em>\u017e<\/em><em>e<\/em><em>\u0161<\/em><em> pobje<\/em><em>\u0107<\/em><em>i od svog imena. Iza svakog imena krije se pri<\/em><em>\u010da.<\/em>\u201c Drndi\u0107, Da\u0161a. <em>Sonnenschein. Dokumentarni Roman<\/em>. Novi Sad: Akademska Knjiga, 2018 (2007), S. 67).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein. <\/em>2015, S. 11. (\u201eDjed joj se rodio u G\u00f6rzu. Majka joj se rodila u G\u00f6rzu. Ona se rodila u Gorizii\/Gorici.\u201d Drndi\u0107. <em>Sonnenschein.<\/em> 2018, S. 13).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein. <\/em>2015, S. 12. (\u201eNjeni djed, baka i majka ra\u0111aju se kao podanici Habsbur\u0161ke Monarhije [\u2026] Ona se ra\u0111a u Italiji. U obitelji govore njema\u010dki, talijanski i slovenski, najvi\u0161e talijanski [\u2026] Danas su svi njeni preci posve pomije\u0161ani, nerazmrsivo.\u201d Drndi\u0107, <em>Sonnenschein.<\/em> 2018, S. 13-14).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Czegl\u00e9dy verweist darauf, dass \u201edas aktuelle ,Sprechen\u2018 als <em>der <\/em>Modus der Identit\u00e4tskonstruktion aufgefasst\u201c werden kann, mehr noch als die Sprache an sich. Czegl\u00e9dy, <em>\u201eSein-in-der-Sprache\u201c<\/em>. S. 36.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Melandri, Francesca. <em>Eva dorme<\/em>. Milano: Arnoldo Mondadori Editore S.p.A, 2010, S. 18 und 53.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> Zur Frage der zweisprachigen Literatur vgl. Leben, Andreas; Koron, Alenka. \u201eAuf dem Weg zu literarischer Mehrsprachigkeit\u201c. In: Dies. (Hg.). <em>Literarische Mehrsprachigkeit im \u00f6sterreichischen und slowenischen Kontext<\/em>. T\u00fcbingen: Narr Francke Attempto, 2019, S. 11-29.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> Vgl. Kleinert: \u201eIl problema identitario nell\u2019Alto Adige: discorso politico e letteratura a confronto (Joseph Zoderer, Francesca Melandri)\u201c. In: Cazal\u00e9, Claude (Hg.). <em>Noires ambivalences: \u00e0 la m\u00e9moire d\u2019Alain Sarrabayrouse<\/em>. Nanterre: Presses universitaires de Paris Ouest, 2012, S. 63-85, hier S. 63.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> Vgl. Knight, Robert: Slavs in Post-Nazi Austria. Carinthian Slovenes and the Politics of Assimilation. 1945-1960. London: Bloomsbury Press, 2010, 5-26.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 23.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[30]<\/a> Ebd., S. 51-52.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[31]<\/a> Ebd., S. 125.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[32]<\/a> Die Karawanken sind ein Gebirgsstock der Alpen, der seit 1919\/20 die Grenze zwischen dem \u00f6sterreichischen K\u00e4rnten und dem slowenischen Gorenjska markiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[33]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 126.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[34]<\/a> Ebd., S. 52.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[35]<\/a> Vgl. Abbott, Scott: \u201eStorm still. Klartext und Poesie in Peter Handkes <em>Immer noch Sturm<\/em>\u201c<em>. <\/em>In Handke online. Forschungsplattform Peter Handke, 2015, <a href=\"https:\/\/handkeonline.onb.ac.at\/forschung\/pdf\/abbott-2015.pdf\">https:\/\/handkeonline.onb.ac.at\/forschung\/pdf\/abbott-2015.pdf<\/a> (eingesehen am 10. November 2020), S. 1.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\">[36]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 14.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[37]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\">[38]<\/a> Ebd., S. 82.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\">[39]<\/a> Ebd., S. 99.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\">[40]<\/a> Aus theoretischer Perspektive stellt sich zudem die Frage nach der klaren Unterscheidung und Abgrenzung der Sprachen voneinander. Vgl. hierzu: Gramling, David. \u201eEinsprachigkeit, Mehrsprachigkeit, Sprachigkeit\u201c. In: Dembeck, Till; Parr, Rolf (Hg.). <em>Literatur und Mehrsprachigkeit: Ein Handbuch<\/em>. T\u00fcbingen: Narr Francke Attempto, 2017, S. 35-44; Hannesschl\u00e4ger, Vanessa. \u201e,Wahrheit des Klangs\u2018: Die vielen Sprachen und ihre Funktion(en) im dramatischen Werk Peter Handkes\u201c. In: Leben\/Koron, <em>Literarische Mehrsprachigkeit<\/em>, S. 141-157, hier S. 142-144.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\">[41]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 23.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\">[42]<\/a> Die Osvobodilna Fronta oder Befreiungsfront war von 1941-1945 die politische Widerstandsbewegung im slowenischen Teil Jugoslawiens, der sich auch K\u00e4rntner Slowen:innen anschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\">[43]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 92.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\">[44]<\/a> Vgl. Handke, Peter u. Hamm, Peter. <em>Es leben die Illusionen. Gespr\u00e4che in Chaville und anderswo<\/em>. G\u00f6ttingen: Wallstein, 2006, S. 121.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\">[45]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm, <\/em>S. 25.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref46\" name=\"_edn46\">[46]<\/a> Zur Frage des Sprachverlusts und der Heimatlosigkeit in anderen Werken von P.\u00a0Handke vgl.: Grabow-Ax, Dorit. <em>Geschichte schreiben. Geschichtsvermittlung in fiktiven (Auto-) Biographien<\/em>. Marburg: Tectum Verlag, 2007, S. 165; Czegl\u00e9dy, Anita. \u201eHeimkehr in das Schreiben. Peter Handkes Prosa zwischen der Heimkehr-Tetralogie und <em>Mein Jahr in der Niemandsbucht<\/em>\u201c. In: Bombitz, Attila (Hg.). <em>Br\u00fcchige Welten. Von Doderer bis Kehlmann<\/em>. Szeged\/Wien: Praesens\/JATE Press, 2008, S. 117-129.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref47\" name=\"_edn47\">[47]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme<\/em>, S. 32. (\u201eWer seine Heimat liebe, m\u00fcsse bereit sein, sie zu verlassen, um sie anderswo im Tausendj\u00e4hrigen Reich identisch wieder aufzubauen. Zu bleiben aber sei ein untr\u00fcgliches Zeichen von Verrat\u201c Melandri, Francesca. <em>Eva schl\u00e4ft<\/em>. \u00dcbers. Bruno Genzler. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 2018, S. 37).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref48\" name=\"_edn48\">[48]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme, <\/em>S. 262.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref49\" name=\"_edn49\">[49]<\/a> Vgl. Kleinert, Susanne. \u201cIl problema identitario nell\u2019Alto Adige\u201d, S. 81.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref50\" name=\"_edn50\">[50]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme<\/em>, S. 280. Kursivschreibung im Original. (\u201eAls Gerda ihn Maria, Sepp und der ganzen vielk\u00f6pfigen Familie vorstellte, sagte Vito, der die Stube betrat: \u201a<em>Griastenk!\u2018<\/em> Seit mehr als einem halben Jahrhundert waren es die beiden alten Leute gewohnt, dass Soldaten, Beamte, Funktion\u00e4re oder Lehrer sie auf Italienisch ansprachen, dass man italienische Antworten von ihnen erwartete und dass man sich \u00fcber ihr schlechtes Italienisch lustig machte.\u201c Melandri, <em>Eva schl\u00e4ft<\/em>, S. 350).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\">[51]<\/a> Zum Verh\u00e4ltnis von dominanter und dominierter Sprache, bzw. Sprachgruppe, vgl. Czernilofsky, <em>Regionale Sprachenpolitik in Europa<\/em>, S. 17.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[52]<\/a> Vgl. Kleinert, \u201eIl problema identitario nell\u2019Alto Adige\u201c, S. 83.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref53\" name=\"_edn53\">[53]<\/a> Silvius Magnago (1914-2010) war ein S\u00fcdtiroler Politiker, der einer zweisprachigen Familie entstammte. Von 1960 bis 1989 war er S\u00fcdtiroler Landeshauptmann und trug ma\u00dfgeblich zur Erlangung des Autonomiestatuts bei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\">[54]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme, <\/em>S. 52.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref55\" name=\"_edn55\">[55]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme<\/em>, S. 188. Kursivschreibungen im Original. (\u201ePl\u00f6tzlich f\u00e4llt mir ein einfacher Syllogismus ein: S\u00fcdtirol ist meine Heimat. S\u00fcdtirol geh\u00f6rt zu Italien \u2013 ergo Italien ist meine \u2026 Was hei\u00dft <em>Heimat <\/em>auf Italienisch? Heimat, ein Wort, das nicht zu Italien passt \u2013 zu viel hat es von K\u00fcmmelbrot und Adventskalender, von warmer Stube, wenn es drau\u00dfen friert. <em>Patria <\/em>(Vaterland) jedenfalls trifft es nicht, das schmeckt zu stark nach granitenen Denkm\u00e4lern, nach von kurzsichtigen Politikern gezogenen Grenzen, nach schlecht ausger\u00fcsteten jungen Burschen, die von alten Gener\u00e4len zum Sterben hinausgeschickt werden. <em>Paese <\/em>(Land), ja das ist es: Italien ist mein Land.\u201c Melandri, <em>Eva schl\u00e4ft<\/em>, S. 232-233).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref56\" name=\"_edn56\">[56]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme<\/em>, S. 59 u. 82.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref57\" name=\"_edn57\">[57]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2018, S.\u00a0410. Diese kulinarische Tradition stammt aus der Zeit, als Gorizia, damals G\u00f6rz, Teil der \u00f6sterreich-ungarischen Monarchie war.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref58\" name=\"_edn58\">[58]<\/a> Ebd., S. 29 (\u201eMeine Kinder, meine Kinder\u201c, Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2015, S. 28).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref59\" name=\"_edn59\">[59]<\/a> 1916 gelingt der italienischen Armee die Eroberung von G\u00f6rz, das in der zw\u00f6lften Isonzoschlacht (24.10.1917-27.10.1917) von den \u00f6sterreich-ungarischen Truppen zur\u00fcckgewonnen wird. Die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwingen hunderttausende Zivilisten wie die Familie von Ada Tedeschi zur Flucht. Ihre Mutter Marisa jedoch wird w\u00e4hrend des Beschusses der Stadt am 25. Oktober verletzt und in einem Krankenhaus in Laibach zur\u00fcckgelassen, wo sie kurz darauf verstirbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref60\" name=\"_edn60\">[60]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2018, S. 31.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref61\" name=\"_edn61\">[61]<\/a> Die Flucht der Familie f\u00fchrt zun\u00e4chst durch Norditalien, das \u00e4hnlich wie G\u00f6rz, von \u00f6sterreichischen und deutschen Truppen umk\u00e4mpft wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref62\" name=\"_edn62\">[62]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2018, S. 31. Die Passage spielt auf der Flucht in Richtung Udine. Haus und Heimat des alten Mannes befinden sich somit in einer grenznahen Region, die im Laufe der Geschichte wiederholt unter \u00f6sterreichischer Vorherrschaft stand, was den Gebrauch des Deutschen durch den alten Mann erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref63\" name=\"_edn63\">[63]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2015, S. 33. (\u201ePovijest [\u2026] smi\u0161ljaju\u0107i u potaji sve nove i nove grani\u010dne svjetove. A pretvori u vrelo putridnog zadaha, sva je u o\u017eiljku od divljega mesa \u0161to dijeli \u017eive od mrtvih. Granica je \u201azemlja\u2018 duhova koji tule u potrazi za obli\u010djem.\u201c Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2018, S. 33).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref64\" name=\"_edn64\">[64]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2018, S. 66. (\u201eH\u00f6ren Sie [\u2026] Sandro ist ein Ehrenmann, das sage ich Ihnen, und ich hei\u00dfe Tedeschi [\u2026]. Tedesco bedeutet auf Italienisch Deutscher.\u201c Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2015, S. 67).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref65\" name=\"_edn65\">[65]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref66\" name=\"_edn66\">[66]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 24.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref67\" name=\"_edn67\">[67]<\/a> Ebd., S. 11, 51, 56 u. 97.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref68\" name=\"_edn68\">[68]<\/a> Ebd., S. 66.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref69\" name=\"_edn69\">[69]<\/a> Melandri. <em>Eva dorme.<\/em> S. 55.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref70\" name=\"_edn70\">[70]<\/a> Ebd. S. 144.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref71\" name=\"_edn71\">[71]<\/a> Drndi\u0107. <em>Sonnenschein. <\/em>S. 129.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref72\" name=\"_edn72\">[72]<\/a> Vgl. Abbott. Storm still. S. 5. Scott beobachtet eine \u201epoetic form that connects, that includes\u201c und bezieht sich dabei explizit auf die Mehrsprachigkeit des St\u00fccks.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref73\" name=\"_edn73\">[73]<\/a> Zum Thema Sprachreflexion im Werk von P.\u00a0Handke vgl. Czegl\u00e9dy, <em>\u201eSein-in-der-Sprache\u201c<\/em>, S. 61-67.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref74\" name=\"_edn74\">[74]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 11.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref75\" name=\"_edn75\">[75]<\/a> Ebd., S. 12.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref76\" name=\"_edn76\">[76]<\/a> Ebd., S. 64.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref77\" name=\"_edn77\">[77]<\/a> Ebd., S. 54.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref78\" name=\"_edn78\">[78]<\/a> Kresic und Czegl\u00e9dy analysieren Sprache als ein \u201eMetamedium der Wirklichkeitskonstruktion\u201c. Czegl\u00e9dy, <em>\u201eSein-in-der-Sprache\u201c<\/em>, S. 36. Zu Handkes Werk erkl\u00e4rt Czegl\u00e9dy explizit: \u201eDass man Wirklichkeit und Identit\u00e4t <em>in<\/em> der Sprache und <em>mit <\/em>der Sprache konstituiert, hat Peter Handke jedoch bereits fr\u00fch [\u2026] gelernt.\u201c Ebd., S. 71.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref79\" name=\"_edn79\">[79]<\/a> Handke, <em>Immer noch Sturm<\/em>, S. 80.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref80\" name=\"_edn80\">[80]<\/a> Ebd., S. 25.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref81\" name=\"_edn81\">[81]<\/a> Melandri, <em>Eva dorme<\/em>, S. 24.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref82\" name=\"_edn82\">[82]<\/a> Ebd., S. 210.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref83\" name=\"_edn83\">[83]<\/a> Ebd., S. 28.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref84\" name=\"_edn84\">[84]<\/a> Ebd., S. 14.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref85\" name=\"_edn85\">[85]<\/a> Ebd., S. 12.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref86\" name=\"_edn86\">[86]<\/a> Ebd., S. 211. (\u201eKeine Gewehrsch\u00fcsse also gab es f\u00fcr Peter, nur einen Kranz mit einer Schleife, auf der in gotischen Buchstaben <em>Im Scho\u00df der Heimaterde<\/em> stand.\u201c Melandri, <em>Eva schl\u00e4ft<\/em>, S. 262).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref87\" name=\"_edn87\">[87]<\/a> Susanne Kleinert erkl\u00e4rt, dass sich Melandris Roman weniger an deutschsprachige S\u00fcdtiroler richtet als vielmehr \u201eal resto del pubblico italiano che secondo l\u2019opinio della scrittrice ignora les particolarit\u00e0 storiche dell\u2019Alto Adige\u201c (Kleinert, \u201eIl problema identitario nell\u2019Alto Adige\u201c, S. 84). Damit bezieht sie eine dezidiert andere Position als viele zweisprachig schreibenden S\u00fcdtiroler Autor:innen. Vgl. hierzu: Ebd., S. 71-80; Beyer, Rahel; Plewnia, Albrecht (Hg.). <em>Handbuch des Deutschen in West- und Mitteleuropa. Sprachminderheiten und Mehrsprachigkeitskonstellationen<\/em>. T\u00fcbingen: Narr, 2019, S.\u00a0253f.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref88\" name=\"_edn88\">[88]<\/a> Kleinert, \u201eIl problema identitario nell\u2019Alto Adige\u201c, S. 84.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref89\" name=\"_edn89\">[89]<\/a> Drndi\u0107, <em>Sonneschein<\/em>, 2018, S. 314.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref90\" name=\"_edn90\">[90]<\/a> Ebd., S. 348 u. 360.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref91\" name=\"_edn91\">[91]<\/a> Ebd., S. 103. (\u201eDer Kommandeur der deutschen Truppen in Gorizia, Oberst Scharenberg, erwartet Ada l\u00e4chelnd, steckt die Hand in ihr mit einer Serviette bedecktes K\u00f6rbchen, als schicke er sich an, sie zu verf\u00fchren, stopft zwei H\u00f6rnchen in den Mund und sagt kauend <em>danke<\/em>. In seinem Schnurrbart tanzen freche wei\u00dfe Flocken, Ada zeigt mit dem Finger darauf und sagt, <em>Staubzucker<\/em>. So geht es jedes Mal.\u201c Drndi\u0107, <em>Sonnenschein<\/em>, 2015, S.\u00a0105).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"#_ednref92\" name=\"_edn92\">[92]<\/a> Ebd., S. 29.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; von Sophia Mehrbrey &nbsp; Ma\u00dfgeblich von regionalen Identit\u00e4tsdiskursen dominiert, sind die Alpen gleichzeitig ein Raum, der von nationalen Grenzlinien und deren Verschiebungen strukturiert wird,[1] welche in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts wiederholt neu verhandelt wurden. Obschon die inneralpinen Grenzen seit 1945 weitgehend stabil blieben, lie\u00dfen die jahrzehntelangen Konflikte tausende Menschen mit einer zwischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":0,"parent":7548,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-7671","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7671"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7671\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7548"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}