{"id":7708,"date":"2021-11-12T12:00:48","date_gmt":"2021-11-12T17:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7708"},"modified":"2021-11-12T11:25:01","modified_gmt":"2021-11-12T16:25:01","slug":"identitat-und-sprache-in-georges-arthur-goldschmidts-werk","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-48\/identitat-und-sprache-in-georges-arthur-goldschmidts-werk\/","title":{"rendered":"Identit\u00e4t und Sprache in Georges-Arthur Goldschmidts Werk"},"content":{"rendered":"<p>von <strong>Said El Mtouni<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>I.\u00a0 Fremd im eigenen Land<\/strong><\/p>\n<p>Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Reinbek bei Hamburg geboren. Mit neun Jahren verlie\u00dfen er und sein Bruder Erich ihre Heimatstadt, um zuerst nach Florenz und dann nach Frankreich zu gelangen. In Florenz wohnten die beiden bei der j\u00fcdischen Familie des Kulturwissenschaftlers Paul Binswanger, die auch von den Rassegesetzen der Nationalsozialisten betroffen waren. Aber mit der Ausweitung der N\u00fcrnberger Gesetze auf Italien ab November 1938 wurde der Aufenthalt f\u00fcr alle Juden in Italien gef\u00e4hrlicher. Die Familie Binswanger verlie\u00df in Eile Florenz und floh nach Neuseeland. Die Br\u00fcder Goldschmidt hingegen konnten mit Unterst\u00fctzung einer Cousine der ber\u00fchmten No\u00e9mie de Rothschild nach Frankreich geschickt werden.<\/p>\n<p>Eine katholische Internatsschule in den Savoyer Alpen war ihre erste Station in Frankreich. Dort musste Georges-Arthur Goldschmidt sich weiter vor der deutschen Besatzungsmacht verstecken. Das Internat konnte ihm nicht nur Schutz vor den Nationalsozialisten bieten, sondern auch die n\u00f6tige Schulbildung. 1947 \u2013 erst mit zwanzig Jahren und nach dem dritten Versuch \u2013 schaffte er es, die Schule mit dem Baccalaur\u00e9at abzuschlie\u00dfen. Ein Jahr danach begann er ein Philosophiestudium an der Pariser Universit\u00e4t Sorbonne, das er schnell abbrach, um deutsche Literatur auf Lehramt zu studieren. Er wurde danach Lehrer in Paris und franz\u00f6sischer Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n<p>Seine Eltern konnte Goldschmidt nie wiedersehen. Die k\u00f6rperlich schwache und psychisch labile Mutter Katharina, genannt Kitty, geborene Horschitz, starb 1942. Der Vater Georges Goldschmidt, ein Jurist, wurde im selben Jahr nach Theresienstadt deportiert. Er \u00fcberlebte zwar die KZ-Haft, starb jedoch 1947 an deren Folgen. Dank der in deutscher Sprache geschriebenen Erz\u00e4hlung <em>Absonderung<\/em><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> und der \u00dcbersetzung der franz\u00f6sischen Erz\u00e4hlung <em>La For\u00eat interrompue <\/em>von Peter Handke gelang Goldschmidt der Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt. Seitdem wird er mit Auszeichnungen \u00fcberh\u00e4uft, u. a. \u2013 um nur einige zu erw\u00e4hnen \u2013 mit dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Sprachpreis\">Deutschen Sprachpreis<\/a> (1991), dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig-B%C3%B6rne-Preis\">Ludwig-B\u00f6rne-Preis<\/a> (1999), dem Prix France Culture (2004), dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erlanger_Poetenfest#Erlanger_Literaturpreis_f.C3.BCr_Poesie_als_.C3.9Cbersetzung\">Erlanger Literaturpreis f\u00fcr Poesie als \u00dcbersetzung<\/a> (2007), dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prix_de_l%E2%80%99Acad%C3%A9mie_de_Berlin\">Prix de l\u2019Acad\u00e9mie de Berlin<\/a> (2013), dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sigmund-Freud-Kulturpreis\">Sigmund-Freud-Kulturpreis<\/a> (2015) und mit der Ehrendoktorw\u00fcrde der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Universit%C3%A4t_Bern\">Universit\u00e4t Bern<\/a> (2017).<\/p>\n<p>In Georges-Arthur Goldschmidts erz\u00e4hlerischem Werk handelt es sich immer wieder um dieselben Ereignisse. In seinen Erz\u00e4hlungen <em>Der Spiegeltag <\/em>(1981),<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> <em>Ein Garten in Deutschland <\/em>(1986),<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> <em>Der bestrafte Narziss<\/em> (1990),<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> <em>Die Absonderung<\/em> (1991), <em>Die Aussetzung<\/em> (1997),<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> <em>Die Befreiung <\/em>(2007),<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> <em>Die Faust im Mund <\/em>(2008),<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> <em>Ein Wiederkommen<\/em> (2012),<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> <em>Vom Nachexil<\/em> (2020)<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> oder in seiner Autobiographie <em>\u00dcber die Fl\u00fcsse<\/em> (2001)<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> setzen sich Aspekte der Kindheit und Pubert\u00e4t wiederholt neu zusammen. Er macht seine Kindheitstraumata zum Zentrum seines literarischen Schaffens und setzt sich in seinem Werk intensiv damit auseinander. Die gezielte Reduktion der Figuren und Handlungsorte ruft eine beklemmende und dichte Atmosph\u00e4re hervor und suggeriert dem Leser durch die permanente Repetition, dass es bei seinem ganzen \u0152uvre \u2013 im romantischen Sinne \u2013 nur um ein \u201eeinziges Buch\u201c gehe,<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> das von Emanzipation und Menschwerdung, Selbstbestimmung und Freiheit wie in einem traditionellen Entwicklungsroman handelt.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Ein Spielwechsel von Distanz und Nahperspektive, von dissoziierter Chronologie, von Stilisierung, Fiktionalit\u00e4t und sprachlichem Minimalismus pr\u00e4gen Goldschmidts Texte, die mit Selbstreferentialit\u00e4t und einem Netz korrespondierender Referenzen europ\u00e4ischer Literatur und Welt-literatur eine weitere formal\u00e4sthetische Qualit\u00e4t hinzugewinnen und den hermetischen Kreis des Werks schlie\u00dfen.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Genau diese Mikrostrukturen des Goldschmidt\u02bcschen Erz\u00e4hlens erzeugen eine makrostrukturelle Abfolge seines gesamten Werks. Dieses Schaffensverfahren, das Peter Handke in seinem Vorwort f\u00fcr <em>Die Absonderung<\/em> mit \u201eUmspringebildern\u201c beschreibt, ist charakteristisch f\u00fcr Georges-Arthur Goldschmidt. Die Literaturwissenschaftlerin Michaela Holdenried bezeichnet dieses Schreibverfahren auch als \u201eLichtschrift\u201c,<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> wo Bild und Text ineinander verschmelzen. Diese tagtraumhaften Raum- und Zeitspr\u00fcnge reihen sich weniger zu einer koh\u00e4renten Chronologie aneinander, sie kreisen eher konzentrisch den Problemkern der Kinderheimjahre ein und versuchen auf diese Weise, die Geschichte des Kindes dingfest zu machen, auszusprechen, um so den biographischen Bann zu durchbrechen.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die einzigartige Lebensgeschichte des Kindes und des heranwachsenden Mannes Goldschmidt, die in seinem Werk erz\u00e4hlt wird, handelt vom Ringen eines von seiner Heimat versto\u00dfenen Juden und als Verfolgter in Frankreich unter schwierigen Bedingungen lebenden Menschen, der auf Identit\u00e4tssuche ist. In diesem Zusammenhang dr\u00e4ngt sich folgende Fragen auf: Wie konnte ein Mensch unter diesen Bedingungen am Ende eine balancierte Identit\u00e4t ausbilden? Und welche Rolle spielten dabei die Komponenten Herkunft, Religion und Aufnahme einer neuen Kultur? Anhand des Konzeptes des <em>Dritten Raumes<\/em> von Homi K. Bhabha und Erving Goffmans Begriff <em>Stigma<\/em> sollen die Entwicklungen, die Georges-Arthur Goldschmidts Protagonisten in seinem autobiographischen Werk gemacht hat, nachgezeichnet werden.<\/p>\n<p>Als Vertreter der postkolonialen Theorie interessiert sich Homi Bhabha f\u00fcr die Repr\u00e4sentation anderer Kulturen und Kulturkonflikte auf der Textebene, wie etwa zwischen Ethnien, Rassen und Geschlechtern. Bhabhas Interesse gilt jedoch nicht nur den Themenbereichen Kolonialismus, Rasse, Geschlecht oder Klasse und wie ihre komplexen \u00dcberkreuzungen textualisiert werden, sondern ihm geht es auch um die diskursive Natur von sozialen Bewegungen oder Individuen. Daher besch\u00e4ftigt sich Bhabha auch mit Subjekten, die sich in einem Zustand des Dritten Raumes befinden. Der Dritte Raum ist in der postkolonialen Theorie ein schwungvoller und dynamischer Prozess, der die vitale und gegenseitige Durchdringung zwischen diversen Kulturen benennt, ein Raum, wo divergierende Kr\u00e4fte einer Einzelkultur und verschiedene Tendenzen unterschiedlicher Kulturen miteinander in einer Austauschbeziehung und reziproken Beeinflussung stehen und verschmelzen, eine Zone, in der das Subjekt an mehreren Kulturen gleichzeitig teilnimmt. Der Dritte Raum, diese konstruktive Zone zwischen den Kulturen, erm\u00f6glicht also die Entstehung einer doppelten Alterit\u00e4tserfahrung, d.h. eine Erfahrung von Selbst und Anderem. In diesem Raum kann das Unangesprochene und Un\u00fcbersetzbare im Kulturkontakt \u00fcberhaupt erst formuliert werden.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Die Protagonisten, von denen Goldschmidt in seinen Werken erz\u00e4hlt, sind Figuren, die das Fremde und das Andere personifizieren; sie geh\u00f6ren zu keiner sozialen Personengruppe, brechen jede Charakterisierung und schaffen es schnell, von ganz gew\u00f6hnlichen Individuen zu angeblich gef\u00e4hrlichen, befleckten und minderwertigen Personen zu werden. Deshalb werden sie stigmatisiert.<\/p>\n<p>Um die \u201ediskreditierende Wirkung\u201c dieser Praktiken zu beschreiben, verwendet Ervin Goffman den Begriff Stigma.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> Stigma kann in drei Formen auftreten: Erstens, wenn eine Person physische Deformationen aufweist. Zweitens, wenn eine Person angebliche Charakterfehler wie Willensschw\u00e4che, starre Meinungen oder Unehrenhaftigkeit zeigt, oft sind es Menschen, die unter Sucht leiden, Homosexuelle, Arbeitslose oder gescheiterte Selbstm\u00f6rder. Und drittens finden wir Menschen, die wegen ihrer Rasse, Nation und Religion stigmatisiert werden.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Goldschmidts Hauptfiguren weisen mehrere Merkmale dieser Kategorien auf.<\/p>\n<p>Ein Stigma zu haben, bedeutet den Abschied von der Normalit\u00e4t und ein Leben am Rande der Gesellschaft bis hin zur Aberkennung menschlicher Eigenschaften. Unter dieser Voraussetzung ist das Individuum einer Vielzahl von Diskriminationen ausgeliefert, die seine Lebensqualit\u00e4t beeintr\u00e4chtigen und am Fundament seiner Person r\u00fctteln.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a> Im Falle Goldschmidts waren die Folgen seines abrupten Ausschlusses aus seinem famili\u00e4ren Kreis und sozialen Netzwerk noch schwerer, weil er als Kleinkind die Ereignisse noch nicht einordnen konnte. Damit geriet seine ganze Existenz aus den Fugen und eine gesunde Entwicklung der Psyche des Kindes wurde unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>II.\u00a0 Die zerst\u00f6rte Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Georges-Arthur Goldschmidts Familie waren alle Bedingungen f\u00fcr eine Integration geleistet, aber weil die Gesellschaft die j\u00fcdischen Gemeinden unter st\u00e4ndigem Druck setzte und ihnen keinen freien Raum f\u00fcr Selbstentscheidungen lie\u00df, versuchte seine Familie sogar, sich in ihrer Umgebung aufzul\u00f6sen. Sie passten sich immer der Meinung der Mehrheit an. Das ging soweit, dass sie zum \u201emodernistischen Lager\u201c wechselten und eine \u201enationalliberale\u201c Einstellung \u00fcbernahmen , was hei\u00dft, auch wenn sie Sympathie f\u00fcr die Sozialdemokratie und die Arbeiterbewegung hatten, durften sie diese Zuneigung nicht \u00f6ffentlich ausdr\u00fccken, denn sie f\u00fcrchteten die Kritik der Konservativen (Fl, S. 29).<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>All diese Anstrengungen konnten die Familie Goldschmidt trotzdem nicht zu vollen Mitb\u00fcrgern machen und vor Repressalien sch\u00fctzen. 1942 wurde z. B. der Vater \u2013 ein Paradebeispiel f\u00fcr den monarchistisch-nationalistischen Gro\u00df- und Bildungsb\u00fcrger \u2013 nach Theresienstadt deportiert und \u201ezwangspensioniert [\u2026], seiner <em>Herkunft<\/em> wegen durch das Gesetz vom 7. April 1933, genannt <em>Wiederherstellung des Beamtentums<\/em>, welches die <em>Juden<\/em> und <em>Halbjuden<\/em> (sic!) aus den Staatsdiensten ausschloss\u201c [Herv. i. O.] (Fl, S. 77). Der Vater konnte in der Shoah nicht das totale Verbrechen sehen, sondern nur einen Fehler, den man \u00fcbersehen m\u00fcsse. Das alles \u201ezeugt von dieser bis ins Absurde gehenden Zugeh\u00f6rigkeit.\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Die Verwurzelung der Familie Goldschmidt in Deutschland reicht \u00fcber mehrere Generationen hinweg, sogar bis hin zur \u00dcbernahme der protestantischen Glaubensrichtung (Fl, S. 398 ff.).<\/p>\n<p>Trotz all der Anpassungsschritte, die seine Vorfahren unternommen hatten, wird die Familie in ihrer Heimat und in ihrer engen Umgebung als \u201eunerw\u00fcnscht\u201c wahrgenommen. Genau dort, zwischen dem, was man ist \u2013 Deutsch, Protestant j\u00fcdischer Abstammung \u2013, und dem was die anderen in einem sehen \u2013 und zwar <em>den Juden<\/em> \u2013, entstand eine Leerstelle. Das Wort \u201eJude\u201c verband er mit Angst, mit Unerw\u00fcnscht- und Ausgeschlossensein. Diese Exklusionserfahrung, die das Kind aus Altersgr\u00fcnden nicht verstehen kann, wirkt auf es unertr\u00e4glich, denn es kann sie nicht einordnen und verarbeiten.<\/p>\n<p>Als die Eltern die k\u00f6rperliche Unversehrtheit ihrer Kinder in Gefahr sahen, entschieden sie sich, die Kinder, solange es noch ging, aus dem Land rauszuschmuggeln. Ein dunkles Gef\u00fchl kam in Georges-Arthur Goldschmidt auf:\u201eda\u00df der Abschied bevorstand, endg\u00fcltig und unwiederbringlich\u201c (Fl, S. 129). Die Kinder wurden zuvor sehr verw\u00f6hnt und die Zeit wurde intensiv erlebt (Fl, S. 137 ff.). Am 18. Mai 1938 nahm er zusammen mit seinem Bruder Erich, begleitet von einer Frau, die nicht namentlich erw\u00e4hnt wird, den Zug \u00fcber M\u00fcnchen nach Florenz (Fl, S. 137).<\/p>\n<p>Als neunj\u00e4hriger Junge erf\u00e4hrt er mit dem Abschied von Familie und Heimat sein erstes traumatisches Erlebnis. Die Trennung von den Eltern, die von ihnen gut gemeint, von dem Knaben aber als Liebesentzug und Absonderung empfunden wird, ersch\u00fcttert das Kind in seinen Grundfesten und hinterl\u00e4sst dauerhaft tiefe Spuren in ihm. Es sieht sich abgeschnitten von seiner gesamten kindlichen Lebens- und Erfahrungswelt, von der r\u00e4umlichen Vertrautheit des Elternhauses, auch von der Atmosph\u00e4re, der Natur, der Sprache und der Kultur. Heimweh und Trennungsschmerz sind deshalb seine affektive Grunderfahrung.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Das Kind muss sich nicht nur allein in der neuen, fremden Umgebung zurechtfinden, sondern auch st\u00e4ndig \u00e4u\u00dfere Gefahren meistern. Die Adoleszenz \u00fcberspitzt seine prek\u00e4re Lage zus\u00e4tzlich. Die Phase vom Kind zum Jugendlichen muss er allein und ohne Unterst\u00fctzung durchlaufen.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Aber das Unheimliche, bei dem er dachte, es in Deutschland hinter sich gelassen zu haben, erreicht ihn auch in seinem ersten Exil mit der Geltung der N\u00fcrnberger Gesetze f\u00fcr Italien ab November 1938. So wird Florenz zu einem \u00dcbergang zwischen Deutschland und Frankreich. Die Familie Binswanger verlie\u00df Italien nach Neuseeland und die Br\u00fcder Goldschmidt hingegen wurden mit Unterst\u00fctzung der Cousine No\u00e9mie de Rothschild nach Frankreich geschickt. Die zweite Flucht erzeugt eine weitere traumatische Situation der Angst und Hilflosigkeit. Das Kind zweifelt an seinem menschlichen Wert und ist einer totalen Abh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber den Erwachsenen unterworfen. Es reagiert mit psychischen St\u00f6rungen und Hemmungen, von denen es st\u00e4ndig beherrscht wird. Dieser Zustand bedroht die Integrit\u00e4t und die Konstanz des Ichs. Das unertr\u00e4gliche Anwachsen innerer Spannungen und \u00e4u\u00dferlicher Gefahren dr\u00e4ngen das Subjekt zu verschiedenen Abwehrmechanismen: Verdr\u00e4ngen, L\u00fcgen, Phantasien, Sturheit und Aggressionen vor allem gegen sich selbst. Der Junge glaubt, in der Aufgabe des K\u00f6rpers eine L\u00e4uterung zu erreichen. Strafe steht deswegen an der Tagesordnung. Wenn keiner sich an ihm vergeht, dann \u00fcbernimmt er selbst die Initiative und straft sich selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>III.\u00a0 Strafe und Strafbed\u00fcrfnis <\/strong><\/p>\n<p>Der erste Ort, an dem sich die Br\u00fcder Goldschmidt in Frankreich aufhielten, war eine katholische Internatsschule in den Savoyer Alpen, 150 Meter oberhalb von Meg\u00e8ve.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> Der Alltag im Florimontan war von k\u00f6rperlicher Arbeit, von Hunger, von Angst und von Strafen gepr\u00e4gt. Das Kind geh\u00f6rte wie die anderen deutschen Verfolgten in Frankreich zu den sogenannten Doppelverfolgten, weil sie in Frankreich zur weiteren Flucht oder zur Illegalit\u00e4t gezwungen wurden.<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Seine psychische und biologische Hilflosigkeit, bedingt u.\u00a0a. durch sein Alter und seine religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit, reproduziert in ihm Angst. Ein Grundgef\u00fchl, das in ihm stets vorherrscht. Als Savoyen im November 1942 von den Nazis besetzt wird, wird es f\u00fcr ihn hier auch fast ebenso gef\u00e4hrlich wie in der deutschen Heimat. Die j\u00fcdische Identit\u00e4t anzuerkennen oder als Jude erkannt zu werden, hei\u00dft f\u00fcr ihn Erniedrigung, Missbrauch oder Tod. Diese Tatsache wird ihm am Beispiel einer j\u00fcdischen Gruppe, die im Dorf provisorisch auf ihre Deportation wartet, vor Augen gef\u00fchrt (Fl, S. 200-201). Das Gef\u00fchl der Scham \u00fcbermannt ihn. Das Schamgef\u00fchl entsteht nach Goffman daraus, dass das Individuum eines seiner eigenen Wesensmerkmale als etwas Sch\u00e4ndliches versteht und als etwas, von dem es sich gerne trennen w\u00fcrde.<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Der Erz\u00e4hler in <em>Die Befreiung<\/em> beschreibt dieses Gef\u00fchl hinterher:<\/p>\n<blockquote><p>Er war noch am Leben, und so viele andere waren umgekommen, die Scham stieg in ihm auf und hob ihn unter den Achseln in die H\u00f6he wie ein Kran, der einen riesigen, bauchigen schweren Ballon hievte, auf dem man lesen k\u00f6nnte: ICH BIN EIN LEBENSSCHMAROTZER. (Die Befreiung, S. 31)<\/p><\/blockquote>\n<p>So wird sein Kindheitsstadium als verfehlte Entwicklungsphase durchlebt, aber die Erfahrungen und Erlebnisse dieser Zeit werden als Introspektion und Reflexion auf seinem K\u00f6rper und in seiner Seele eingebrannt. Dem Kind bleiben fundamentale Bed\u00fcrfnisse, \u00a0wie Liebe, Z\u00e4rtlichkeit und Aufmerksamkeit, und deren Erf\u00fcllung verwehrt. Aus diesem Verlust, verbunden mit Schamgef\u00fchl, erw\u00e4chst ein Gef\u00fchl der Minderwertigkeit.<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a> Als Antwort darauf unterzieht er sich schweren Pr\u00fcgelstrafen und sexuellem Missbrauch. Als von seiner Heimat versto\u00dfenes Kind macht er sich zu einem Hassobjekt in seiner neuen Umgebung.<\/p>\n<p>Das traumatisierte Kind geht soweit, dass es ein Strafbed\u00fcrfnis versp\u00fcrt, als \u00dcberlebensstrategie und Selbsterhaltungstrieb. Die Verhaltensweise der Selbstbestrafung weist in der Psychologie darauf hin, dass der Zwangskranke aus sich selbst seinen eigenen Henker macht. Das Strafbed\u00fcrfnis entsteht, wenn ein Konflikt zwischen einem \u00e4u\u00dferst fordernden \u00dcber-Ich und dem Ich entflammt. Bei bestimmten Subjekten, wie der bei Goldschmidts Protagonisten, findet der Bestrafte in seiner <em>Passion<\/em> eine Art Befriedigung.<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a> Er sagt seinen Peinigern und Folterern dadurch, dass er selbst \u00fcber seinen K\u00f6rper verf\u00fcgt, aber vor allem, dass die Entscheidungskraft in seiner Hand liegt:<\/p>\n<blockquote><p>Durch eine Art infantiler Herausforderungslust klagte ich mich endlich verschiedener Vergehen an, die ich gar nicht begangen hatte, vor lauter Hass und Verzweiflung kam ich der Anklage zuvor. War ich zu hundert Linien verurteilt, setzte ich f\u00fcnfundzwanzig dazu, nur um zu verwirren, um zu zeigen: Gegen mich k\u00f6nnt ihr nichts. (Fl, S. 180)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Trauma der Flucht, die Ausgrenzung und das Leben ohne die Eltern machten aus Georges-Arthur Goldschmidt ein labiles und verwirrtes Kind, denn diese Erfahrungen der Ausgrenzung, verbunden mit Besch\u00e4mung, haben sich in das kindliche Erleben eingeschrieben. Sein autobiographisches Werk legt davon ein beredtes Zeugnis ab. Das Resultat ist verst\u00f6rend: Verneinung der eigenen Individualit\u00e4t und Selbstablehnung infiltrierten das <em>Ich<\/em> und erzeugten Selbsthass bei dem Jungen, da ihm \u201eein gesundes seelisches Gleichgewicht und psychosomatisches Wohlbefinden\u201c fehlten.<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> Er st\u00fcrzte in eine tiefe Verzweiflung. Die Folge: Bettn\u00e4ssen, N\u00e4gelkauen, Aggressionen gegen sich und andere. Diese sind einige Erscheinungen eines Daseins, das aus dem Gleichgewicht geriet.<\/p>\n<p>Als seiner \u00dcberzeugung nach nicht liebenswertes Subjekt und Individuum mit einem geheimen Fehler ist ihm jede Strafe recht,<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> weil das Kind bzw. der Jugendliche die eigene Identit\u00e4t grunds\u00e4tzlich durch Ausgrenzung erfahren hat: in Deutschland als Jude unter Ariern und in Frankreich als Opfer unter T\u00e4tern sowie als Deutscher unter Franzosen. Dies erschwerte bei ihm die Entwicklung sowohl einer sozialen als auch einer personalen Identit\u00e4t.<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> Die Diskrepanz zwischen der eigenen Wahrnehmung als nicht normales Individuum und der der anderen ihn umgebenden Menschen als normal verst\u00e4rkt, bei ihm die Spaltung zwischen dem Ich-Ideal und Ich.<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> Das Kind glaubt, nur weil es in seiner Heimat nicht so sein konnte, wie seine Umwelt ihn haben wollte, wurde es abgesto\u00dfen. Im Internat konnte es dann das sein, was seine Umgebung von ihm erwartete. Es ging soweit, dass es den Zustand der Erniedrigung auch genoss, weil es sich dadurch von den \u00fcbrigen Sch\u00fclern heraushob und darin seine Einzigartigkeit sah (Fl, S. 198).<\/p>\n<p>Auf sein \u00dcberleben reagiert er mit Verdr\u00e4ngen, mit Vergessen und mit sexuellen Begierden (Fl, S. 283), was ihn in eine Art Doppelschuld st\u00fcrzt: die ihm von au\u00dfen attestierte j\u00fcdische Identit\u00e4t, die <em>abgeschafft<\/em> werden soll und die Reaktion darauf mit einer Triebschuld. Als Kind erlebt er die Sexualit\u00e4t als etwas Verworfenes, als S\u00fcnde. Versch\u00e4rft durch eine radikale Triebunterdr\u00fcckung und repressive K\u00f6rperfeindlichkeit von Seiten der Mutter verst\u00e4rkt sich sein Schuldgef\u00fchl. Die Sexualit\u00e4t, vor allem die Onanie, und das J\u00fcdisch-Sein werden tabuisiert, er verschweigt seine j\u00fcdische Identit\u00e4t und erlebt seine Sexualit\u00e4t ebenso im Geheimen. Seine sinnliche Pein und die bedrohliche Dimension seiner Identit\u00e4t entladen sich in Wut- und Gewaltausbr\u00fcchen, die schon in seiner Kindheit von der Mutter mit Strafen und Liebesentzug beantwortet wurden. Dies befestigte in ihm die \u00dcberzeugung, dass er nur durch Z\u00fcchtigung die Schuldbew\u00e4ltigung erreichen k\u00f6nne. So wurde die Strafe f\u00fcr ihn zur Regel.<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Die von au\u00dfen stigmatisierte j\u00fcdische Identit\u00e4t wird von dem Knaben als Last wahrgenommen und als etwas Verworfenes verstanden, daraus resultiert seine subjektive Selbststigmatisierung. Da seine t\u00e4gliche soziale Umgebung streng zu ihm ist und ihm Liebe, Zuneigung und Akzeptanz verwehrt wird, dr\u00fcckt das isolierte Kind seine aufgew\u00fchlten Affekte in Angst, Argwohn, Depressionen und Unsicherheit aus.<\/p>\n<p>Das Stigma und der Versuch, es durch Verbergen oder Heilen zu umgehen, werden als Teil pers\u00f6nlicher Identit\u00e4t eingebaut. S\u00fchnen kann er nur mit dem eigenen K\u00f6rper, der eliminiert werden soll. Der tadelnswerte Leib wird jeglicher vorstellbaren Strafe ausgesetzt, er wird zu einer zwanghaften Besch\u00e4ftigung, begleitet von Selbstvorw\u00fcrfen, Zwangsgedanken, Selbstentwertung, Scham, Schuldgef\u00fchlen und Begehren. Deswegen sieht er in den Strafen ein gerechtes Mittel f\u00fcr sein delinquentes Verhalten und f\u00fcr \u201esein pers\u00f6nliches j\u00fcdisch-sexuelles Schuldsyndrom\u201c,<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> da er \u00fcberlebt und andere gestorben sind (Die Befreiung, S. 194).<\/p>\n<p>In der Psychologie ist es Konsens, dass Personen mit den o.\u00a0g. Affektionen zur Selbstbestrafung neigen, die sogar zum Suizid f\u00fchren k\u00f6nnen.<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[35]<\/a> Das Denken seiner Protagonisten in seinen autobiographischen und fiktionalen Erz\u00e4hlungen flottiert deshalb zwischen Selbstmordphantasien und Verwandlungsw\u00fcnschen, damit sie unauff\u00e4llig bleiben:<\/p>\n<blockquote><p>Er h\u00e4tte sich am liebsten mit der Selbsthaubitze in den Morast geschossen und w\u00e4re da mit den F\u00fc\u00dfen nach oben steckengeblieben, so h\u00e4tte er sich wenigstens nicht zu sch\u00e4men brauchen. Oder Koffer w\u00e4re er gerne gewesen, verkoffert, zugeschnallt, ledergeflankt [&#8230;]. (Die Befreiung, S. 31)<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon fr\u00fch ist also die Identit\u00e4t bei Goldschmidt und seinen Protagonisten keine einheitliche Gr\u00f6\u00dfe. Sein Leben ist von Diskontinuit\u00e4ten, Fissuren, Br\u00fcchen, Leerstellen, Rissen und Fragmenten gezeichnet. Dieses Identit\u00e4tskonzept deckt sich mit dem postmodernen und postkolonialen Standpunkt von Identit\u00e4t als vielf\u00e4ltig, ambivalent, dichotom, form- und dehnbar, plural, und unbeherrschbar. Wie Homi Bhabha, der Hybridit\u00e4t als einen Ort der kulturellen Verhandlung versteht, betrachtet Goldschmidt Identit\u00e4t als ein Projekt, Konstrukt und Prozess, der stets modelliert und neu \u201everhandelt\u201c werden muss.<\/p>\n<p>Ein identit\u00e4tskonstituierender Moment ist Goldschmidts Verh\u00e4ltnis zur Heimleiterin Fr\u00e4ulein Lucas. Diese Beziehung beeinflusste Georges-Arthur Goldschmidt nachhaltig. Sie war von einem sadistisch-masochistischen Tauschgesch\u00e4ft gepr\u00e4gt:<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[36]<\/a> Strafe gegen Schutz. Die entsprechenden Stellen in seiner Autobiographie <em>\u00dcber die Fl\u00fcsse<\/em> liefern einleuchtende Beispiele dieser Beziehung. Fr\u00e4ulein Lucas war \u00f6fter diejenige, die auch die Strafen an ihm vollstreckte. Sie machte ihn aber zu ihrem Vertrauten (Fl, S. 218). Er f\u00fchlte sich bei ihr und im Internat sicher (Fl, S. 272). Von ihrer Hand bestraft zu werden, war f\u00fcr ihn existenziell wichtiger als seine homosexuellen Neigungen, denn er konnte gleichzeitig f\u00fcr seine Existenz und seine sexuellen Triebe einb\u00fc\u00dfen (Fl, S. 306). Er unterscheidet jedoch zwischen den Strafen in der deutschen Schule und denen im Internat. In Deutschland vollzog man die Strafen an ihm aus rassistischen Gr\u00fcnden, die er mit Entmenschlichung und Entw\u00fcrdigung verbindet. In Frankreich hingegen wurde er als Mensch akzeptiert und daher sah er in den drakonischen Pr\u00fcgelstrafen des Schulheims ein gerechtes Mittel, denn da versuchte man ihn nur zu erziehen. Das Schulheim \u00fcbernahm damit die z\u00fcchtigende Elterninstanz.<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der Status der Helden von Goldschmidt als Fremde und ihr sch\u00fcchternes Auftreten machen sie zu einer Zielscheibe der Sch\u00fcler im Internat. Das Kind in <em>Die Absonderung<\/em> z.\u00a0B. wird von den anderen Heimkindern als ein Schw\u00e4chling betrachtet und als \u201eM\u00e4dchen\u201c (Die Absonderung, S. 38) verspottet und damit zu einem willkommenen Objekt ihrer ausartenden Aggressionen, verbunden mit sexueller und sadistischer F\u00e4rbung. Das arme Opfer, das all diese Misshandlungen erdulden muss, reagiert darauf mit Bettn\u00e4sserei und \u00c4ngsten; seine Mitsch\u00fcler schikanieren es deswegen umso mehr.<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> Sie degradieren den Buben zu einem \u201e<em>Hausm\u00e4dchen<\/em>\u201c [Herv. i. O.], der r\u00fccksichtslos ausgenutzt wird, vom Schuheputzen bis zur sexuellen Ausbeutung, wobei er immer die Andern sein will und nicht der, der er schon ist (Fl, S. 230 ff.).<\/p>\n<p>Einen Ausweg sah der Heranwachsende in der Transformation und in der Verwandlung, wie Gregor Samsa, der in der gleichnamigen Erz\u00e4hlung den einzigen Ausweg von den Lasten des Alltags und von jeder sozialen und \u00f6konomischen Ausbeutung fand. Goldschmidt setzt bewusst und vielf\u00e4ltig die Motivik der k\u00f6rperlichen Metamorphose in seinem literarischen Werk ein. Seine Hauptfiguren k\u00f6nnen sich einbilden, sich in menschliche und animalische Formen einzuschleichen. Sie w\u00fcnschen sich, ihre organische K\u00f6rperlichkeit mit anorganischen Objekten zu vertauschen; sie versetzen sich gerne in Gem\u00e4lde, in Figuren literarischer Provenienz und Fabelwesen (Fl, S. 226).<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> Goldschmidts Figuren \u00fcberqueren die menschliche Lebensform in die tierische Natur an allen Orten, wo Menschsein verd\u00e4chtig, gef\u00e4hrlich und verrufen ist und wo nur Verf\u00e4lschung, Permutation und Umwandlung die Rettung ist (Die Aussetzung, S. 228).<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> Der Verwandlungswunsch in Goldschmidts Werk ist ein Ausdruck der Angst, Labilit\u00e4t, Bedrohung oder Scham. \u00dcberall dort, wo Lebensgefahr lauert, fliehen die Protagonisten in die Imagination des Kindes, um die gegenw\u00e4rtige Gefahr zu kompensieren (DbN, S. 97). Der Wunsch der Metamorphose zum Tier oder Objekt ist demnach beides \u201eRealit\u00e4tsflucht ebenso wie Realit\u00e4tsaneignung\u201c.<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\"><sup>[41]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das postkoloniale Konzept der Identit\u00e4t, das hier vorliegt, als Projekt, Prozess, Konstrukt und \u201eVerhandlung\u201c betrachtet das Selbst als provisorisch und revisionsbed\u00fcrftig.<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[42]<\/a> In diesen und \u00e4hnlichen narrativen Identit\u00e4tskonstruktionen geht es nicht in erster Linie um den Beweis des Gleichgewichtes und der Best\u00e4ndigkeit der subjektiven Identit\u00e4t im Sinne von Erik H. Erikson (1902-1994),<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[43]<\/a> denn die Selbstnarrationen sind variabel, wandelbar, mutabel und ver\u00e4nderlich, formen erst im Verlauf des Erz\u00e4hlens die \u201eIdentit\u00e4t\u201c und unterstreichen die Mehrfachzugeh\u00f6rigkeit einer Identit\u00e4t und ihre unterschiedlichen Komponente.<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[44]<\/a><\/p>\n<p>Die durch sch\u00f6ngeistige Literatur vermittelten Identit\u00e4ten der Erz\u00e4hlfiguren von Georges-Arthur Goldschmidt sind Vorg\u00e4nge der Sinnstiftung und Selbstfindung. Figuren aus den Werken von Karl Philipp Moritz, Rousseau, den Br\u00fcdern Grimm, Tieck und Kafka u.\u00a0a. dienen ihm f\u00fcr seine Selbstrettung als Vorbild. \u00a0Aber auch Heilige als Identifikationsfiguren weisen ihm den Weg aus seiner Identit\u00e4tskrise. Im \u201eHeiligen Sebastian\u201c z.\u00a0B., der das christliche Muster von Strafe, Schuld, S\u00fchne und Erl\u00f6sung am ehesten verk\u00f6rpert, wird er in den autobiografischen Texten von Goldschmidt zu einer Projektionsfigur, die dem Heranwachsenden verhilft, die f\u00fcrchterlichen Qualen zu lindern um sp\u00e4ter zu verarbeiten.<a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[45]<\/a> In den meisten literarischen Reminiszenzen Goldschmidts handelt es sich prim\u00e4r um eine Analogie als um eine Intertextualit\u00e4t, denn die intertextuellen Verweise auf <em>Anton Reiser<\/em> oder <em>Die Bekenntnisse<\/em> fallen mit der autobiografischen Situation zusammen.<a href=\"#_edn46\" name=\"_ednref46\">[46]<\/a><\/p>\n<p>Goldschmidt wirft sein wachsames Auge auf ein Netz vergangener Ereignisse, navigiert gekonnt durch diese, schwenkt und zoomt in die Objekte hinein, um sie mal, je nach Dringlichkeit, gr\u00f6\u00dfer oder kleiner einzustellen. Der Autor versucht durch dieses Verfahren Kontrolle \u00fcber das Sprachspiel zu behalten, in dem er je nach Laune den Leser an den Geschehnissen heranholt oder wegr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die unaufh\u00f6rliche Gewalt und die immer wiederholende Bestrafung des K\u00f6rpers pr\u00e4gen sich in der Erinnerung als ein masochistisches Ritual ein, in dem konstante Elemente sich immer wiederholen: Strafwerkzeuge, entbl\u00f6\u00dfter Hintern, das Weinen, Geh\u00e4nseltwerden, Gewaltphantasien, k\u00f6rperliche und sexuelle Selbstauslieferung. Das Begehren nach Strafe ist in Goldschmidts Texten elementar f\u00fcr seine Figuren.<a href=\"#_edn47\" name=\"_ednref47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> Dieses allt\u00e4gliche Ritual st\u00fcrzt den Schuldigen in \u201eWonnen der Schmach\u201c, versetzt ihn in \u201eunbeschreibliche Zust\u00e4nde der Erregung\u201c; der Protagonist \u201eentdeckt in aller Perversit\u00e4t\u201c, dass ihn die Strafe \u201everwandelt\u201c; die Umkehr des Schmerzens, der Schmach und der Scham in Wollust vers\u00f6hnt ihn mit seinem eigenen K\u00f6rper und verschenkt ihm \u201edie herrliche Gewissheit der Adoleszenz\u201c (Fl, S. 236 ff.). Seine masochistische Passionsgeschichte ist mehr als nur ein Surrogat f\u00fcr fehlende Liebe und Aufmerksamkeit, sondern eine Ergr\u00fcndung der tiefen psychischen Unterbewusstseinsschichten, wo er sich vorstellen kann, was mit anderen Juden in Konzentrationslagern geschieht. Dieser heimliche Masochismus verkehrt jede Z\u00fcchtigung in ihr Gegenteil, die deshalb neue Strafe herausfordert und verdient.<a href=\"#_edn48\" name=\"_ednref48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Der Bursche gibt selbst aus masochistischen Gr\u00fcnden zu, dass seine Mithilfe wichtig war, um die Strafen zu verh\u00e4ngen. Aber der Grund dahinter ist gr\u00f6\u00dfer. Das Kind, das nicht leben darf, schneidet sich buchst\u00e4blich ins eigene Fleisch, weil es das \u201eallt\u00e4gliche Wunder\u201c des Lebens sp\u00fcren will (Fl, S. 242).<\/p>\n<p>Diese Erz\u00e4hltechnik der Enth\u00fcllung dient nicht dazu, eine Identit\u00e4t zu konstituieren, sondern sie aufzul\u00f6sen, damit der Erwachsene seinen Zustand indirekt korrigiert und eine Neugeburt erf\u00e4hrt.<a href=\"#_edn49\" name=\"_ednref49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Frau Lucas, die das Emblem f\u00fcr die <em>Schwarze P\u00e4dagogik<\/em> ist, die auf der einen Seite die Rolle der Schutz- und Zufluchtsspenderin verk\u00f6rpert, auf der anderen Seite die Domestizierung und die Reglementierung des Kindseins vorantreibt, gelang es jedoch nicht, den Widerstandskern des Kindes zu brechen, seinen Wunsch, frei \u00fcber sich selbst zu verf\u00fcgen und zu entscheiden (DbN, S. 104). Statt dass \u201eder gestrafte kleine Verbrecher wieder f\u00e4hig ist, neuen Rat und neue Befehle zu verstehen,\u201c<a href=\"#_edn50\" name=\"_ednref50\"><sup>[50]<\/sup><\/a> leistet er mehr Widerstand (DbN, S. 147). Als \u201eunm\u00f6gliches Kind\u201c und \u201eschwer erziehbar\u201c, der seinen Peinigern trotzt, konnte er sich bewahren und seine Identit\u00e4t wiederherstellen.<a href=\"#_edn51\" name=\"_ednref51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> Dieses verstockte Verhalten wendet der Knabe als \u00dcberlebensstrategie an: \u201eSelbstrettung als Bewusstsein durch bewusste Selbstaufgabe als K\u00f6rper.\u201c<a href=\"#_edn52\" name=\"_ednref52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> wie Martin Recort formuliert. Durch die Opferung des K\u00f6rpers, der gez\u00fcchtigt, bestraft, gequ\u00e4lt, sexuell missbraucht und verlacht wird, gewinnt der Junge an Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p>Das Bestehen auf <em>das eigene So-und-nicht-anders-Sein<\/em> verhalf Goldschmidts Figuren und auch ihm selbst, Selbstbewusstsein zu entwickeln und ein Fundament zu bilden, um sich mit sich selbst, mit seiner neuen Umgebung und mit seiner Vergangenheit vers\u00f6hnen zu k\u00f6nnen. Aus diesem Grund unternahm er mehrere Reisen nach Deutschland, um den Rest seiner Familie zu besuchen und die einstmalige Heimat wiederzuentdecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>IV.\u00a0 Der zweite Bruch mit Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Als Georges-Arthur Goldschmidt herausfand, dass sein Vater die Internierung im Ghetto Theresienstadt \u00fcberlebt hatte, begann er, ihm seine Gedichte zum Lesen zu schicken Der Sohn merkte \u2013 ohne es zu wollen &#8211; , dass die Institution des Vaters immer eine moralische Instanz bleiben w\u00fcrde, was hie\u00df, dass er beim Schreiben bestimmte moralische Vorschriften befolgen musste. Diese \u00fcber sich selbst verh\u00e4ngte Zensur beschr\u00e4nkte die Freiheit des jungen Schriftstellers (Fl, S. 254 ff.). Deshalb war er von der Idee des Vaters, nach Grenoble umzuziehen, damit er und seine zwei S\u00f6hne nach mehr als sieben Jahren wieder vereint zusammenleben k\u00f6nnten, gar nicht begeistert (Fl, 259 ff.). Bevor der Vater den Umzugsplan umsetzen konnte, starb er im Februar 1947 an einem Herzschlag. Die Todesnachricht versetzte den Sohn statt in Trauer eher in eine gro\u00dfe Erleichterung, weil er jetzt wusste, dass er sich von jeder Bindung l\u00f6ste, die seine Freiheit einschr\u00e4nken konnte: \u201eIch sch\u00e4mte mich, nicht einmal sehr traurig gewesen zu sein, als ich von seinem Tod erfuhr\u201c, hei\u00dft es z.\u00a0B. in <em>\u00dcber die Fl\u00fcsse<\/em> (Fl, S. 286).<a href=\"#_edn53\" name=\"_ednref53\"><sup>[53]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem fr\u00fchen Ableben des Vaters wollte Goldschmidt, gequ\u00e4lt vom Heimweh, seinen Geburtsort wieder besuchen. Zu seiner gro\u00dfen Entt\u00e4uschung fand er ein Deutschland vor, das mit der \u201eStunde Null\u201c anfangen und \u201enur nach vorne\u201c sehen wollte (Fl, S. 329). Von \u201eMenschenvernichtung\u201c wollte man nicht reden, man wollte \u201ein die Zukunft schauen\u201c (Fl, S. 347). \u00dcberall h\u00f6rte er, wie es den Deutschen schlecht ging und wie sie w\u00e4hrend und nach dem Ende des Kriegs gelitten haben (Fl, S. 324 ff.). F\u00fcr die Deutschen war ihr Land das \u201eOpfer einer gigantischen internationalen und kommunistischen Verschw\u00f6rung gewesen\u201c (Fl, S. 367), und w\u00e4hrend der Erz\u00e4hler vom 6. Juni 1944 als Tag der \u201eBefreiung\u201c sprach, redeten die Deutschen vom Tag der \u201eInvasion\u201c und von der \u201eNiederlage\u201c (Fl, S. 329). Der Genozid und die Gr\u00e4uel, die der Nationalismus begangen hatte, wurden mit \u201eVerharmlosung \u00fcberdeckt\u201c (Fl, S. 371). Im Get\u00f6se des Wiederaufbaus und im Rausch der positiven Wirkung der W\u00e4hrungsreform auf die westdeutsche Wirtschaft erschuf man zwar das sogenannte Wirtschaftswunder, vernichtete aber jede Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit (Fl, S. 348). Frankreich erschien als Verlierer und Deutschland als Sieger des Krieges. Auch die kalte Beziehung zur Schwester, die das ganze Erbe der Eltern f\u00fcr sich allein beanspruchen wollte, veranlasste Georges-Arthur Goldschmidt, nicht daran zu denken, nach Deutschland umzusiedeln. Von ihren Briefen erriet er: \u201edass ich nicht unbedingt willkommen war, ich war ein peinlicher \u00dcberlebender\u201c (Fl, S. 311). Der Protagonist in <em>Der Spiegeltag<\/em> verleiht dieser existenziellen Peinlichkeit Ausdruck, in dem er zu der \u00dcberzeugung kommt, dass seine Heimkehr eine \u201efalsche Heimkehr\u201c war (Der Spiegeltag, S. 35 ff.) und stellt resigniert fest: \u201ees gibt Reisen, die man besser nicht unternimmt\u201c (Der Spiegeltag, S. 16). Die Erfahrung, die er nach seiner R\u00fcckkehr nach Deutschland mit seinem Geburtsort und mit seiner Familie gemacht hat, n\u00e4mlich die, dass er sich zum zweiten Mal unerw\u00fcnscht f\u00fchlt (Fl, S. 331), bewegt den autobiographischen Erz\u00e4hler zum zweiten \u201eBruch\u201c<a href=\"#_edn54\" name=\"_ednref54\">[54]<\/a>, aber diesmal zu einer \u201eirreparable[n] Trennung\u201c (Fl, S. 331) von seinem Ursprungsland.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise verl\u00e4sst er Deutschland mit Goethe, Schiller, Kleist, Novalis, Fontane, Hebel und Hesse im Koffer (Fl, S. 343). Schriftsteller, deren Texte ihn lebenslang begleiten werden und ihm zuk\u00fcnftig dazu verhelfen werden, sein identit\u00e4res Gleichgewicht zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>V.\u00a0 Die Aufl\u00f6sung der Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Goldschmidt zeigt sich in seinem Werk als ein sprachgewaltiger Schriftsteller. Er entbl\u00f6\u00dft sich sprachlich gibt doch wenig von sich. In narrativer Form erinnert er sich an seine Kinder- und Jugendjahre, um Sinn und Identit\u00e4t zu stiften. Allerdings bleiben viele Ereignisse fragmentarisch.<\/p>\n<p>Eine Technik, zu der Goldschmidts Figuren greifen, um zu \u00fcberleben, ist die der Mimikry. Ein Verfahren, das ihr kritisches Potenzial aus der postkolonialistischen Forschung entnimmt. In diesem Kontext bedeutet Mimikry nicht der Anpassungszwang, sondern die auferlegten sozialen Umst\u00e4nde und Traditionen zu man\u00f6vrieren und den Herrschaftsanspruch der Autorit\u00e4t, indem sie \u201e<em>wiederholt<\/em>, statt zu <em>re-pr\u00e4sentieren<\/em>\u201c<a href=\"#_edn55\" name=\"_ednref55\"><sup>[55]<\/sup><\/a> zu obstruieren. Die Mimikry mit all ihren unterschiedlichen Formen als Nachahmung, Verwandlung, Maskierung, Inszenierung, Verdoppelung und T\u00e4uschung ist das Spiel des Andersseins und des \u201eAls-Ob\u201c und verk\u00f6rpert damit weder Identit\u00e4t noch Alterit\u00e4t, denn sie ist ihrer Beschaffenheit nach subversiv. Demzufolge rei\u00dft sie \u201edie Symmetrie und Dualit\u00e4t von selbst\/anderem, von Innen\/Au\u00dfen nieder\u201c.<a href=\"#_edn56\" name=\"_ednref56\">[56]<\/a><\/p>\n<p>Goldschmidts Figuren nagen stets an den Getrieben der bin\u00e4ren Opposition \u201eSelbst\/Anderer, Innen\/Au\u00dfen\u201c, um sie umzukehren. F\u00fcr ein stigmatisiertes Kind sind Dichotomien von \u201eIch\u201c versus \u201eAnderer\u201c und \u201eInnen\u201c versus \u201eAu\u00dfen\u201c ausschlaggebend f\u00fcr seine Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung:<\/p>\n<blockquote><p>Ich war stolz, den seltenen Touristen, die sich so weit ins Hochgebirge verirrten, vorzumachen, da\u00df ich ein Einheimischer sei; der beste Beweis, die K\u00fche gehorchten mir, und der Hund h\u00f6rte auf mich. (Fl, S. 208)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch wenn es in Prozessen der Mimikry um eine genaue Nachahmung eines Urbildes geht,<a href=\"#_edn57\" name=\"_ednref57\">[57]<\/a> perpetuiert das Individuum in diesem Urbild einen freien Raum f\u00fcr Eigenst\u00e4ndigkeit und Selbstbestimmung.<a href=\"#_edn58\" name=\"_ednref58\">[58]<\/a> Die Peter Handke-Devise \u201eAlles \u00fcber sich erz\u00e4hlen und doch nichts verraten\u201c, die der Autor vor Beginn seiner Erz\u00e4hlung <em>Ein Garten in Deutschland<\/em> platziert, beschreibt pr\u00e4zise dieses Schreibverfahren von Goldschmidt. Die Uneigentlichkeit des Erz\u00e4hlens, die hinter dieser Erz\u00e4hlstrategie steht, erlaubt dem Autor, sich zu \u00f6ffnen und gleichzeitig zu verbergen, sich zu offenbaren und gleichzeitig zu verschweigen, sie bietet ihm eine \u00fcberlebenswichtige Schutzmaske an, wie in der Photographie, die die \u201eProduktion un\u00e4hnlicher \u00c4hnlichkeit\u201c herstellt, <a href=\"#_edn59\" name=\"_ednref59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> wie sie Roland Barthes in seinem Buch <em>Die helle Kammer<\/em> elaboriert hat.<a href=\"#_edn60\" name=\"_ednref60\"><sup>[60]<\/sup><\/a> \u00c4hnlich verf\u00e4hrt auch Goldschmidt. Er l\u00e4sst sich auf das \u201eGesellschaftsspiel\u201c ein, er \u201eposiert\u201c bewusst und l\u00e4sst den Leser dies auch wissen, aber sein \u201eNullpunkt\u201c kann nicht von dem Medium die Schrift offenbart oder vom Leser durchdrungen werden. \u201eIch zeige alles von mir, damit ihr nichts seht.\u201c<a href=\"#_edn61\" name=\"_ednref61\"><sup>[61]<\/sup><\/a> So schafft er durch diese rhetorische Technik einen narrativen \u201eDoppelg\u00e4nger\u201c, der die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht, w\u00e4hrend das wahre Ich fern jeder Erreichbarkeit bleibt.<a href=\"#_edn62\" name=\"_ednref62\"><sup>[62]<\/sup><\/a> Die Technik des Sich-zur-Schau-Stellens bietet dem Schriftsteller damit die M\u00f6glichkeit der absoluten Freiheit im Umgang mit seinem Leben als Erz\u00e4hlstoff: \u201eDas Nichterkanntwerden ist meine grunds\u00e4tzliche Freiheit: Ich bin nicht, was ihr von mir sagt, und ich bin nicht, was ich davon sage.\u201c (DbN, S. 120)<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr dieses narrative Verfahren liefert uns das Buch <em>Als<\/em> <em>Freud das Meer sah<\/em>, das der Autor mit einem Gedicht abschlie\u00dft, welches im <em>Dithmarschen Anzeiger<\/em> am 14. Februar 1908 erschienen sein soll und von einem angeblich in Nib\u00fcll lebenden Lehrer namens Max Moritz Kalau (1873-1947) stammt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\">Und es schenkt wieder die See<br \/>\nWas sie genommen,<br \/>\nWie von weither<br \/>\nIm Str\u00f6men der Tage steigen<br \/>\nDie Wolken noch auf<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\">[\u2026]\n<p style=\"padding-left: 120px;\">Da wo schon schwinden die Schiffe<br \/>\nSieht man sie noch,<br \/>\nFerne Inseln,<br \/>\nIm Schimmer des Abends,<br \/>\nAls k\u00e4men hinter ihnen<br \/>\nNoch unbekannte<br \/>\nTage<br \/>\nWieder auf<br \/>\n(Als Freud das Meer sah, S. 183).<\/p>\n<p>Die reimlosen Verse sind eine Anspielung auf H\u00f6lderlins Gedicht <em>Andenken<\/em>, dessen Schluss lautet:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\">Es nehmet aber<br \/>\nUnd gibt Ged\u00e4chtnis die See,<br \/>\nUnd die Lieb\u2019 auch heftet flei\u00dfig die Augen,<br \/>\nWas bleibet aber, stiften die Dichter.<a href=\"#_edn63\" name=\"_ednref63\">[63]<\/a><\/p>\n<p>Es f\u00e4llt nicht nur die Analogie in der Thematik und Wortwahl auf, sondern auch in den Bildern, die damit assoziiert werden. Beiden Dichtern geht es um die Erinnerung, wie sie gegeben und genommen wird. Aber auch der Name des Dichters, der dieses Gedicht im <em>Dithmarschen Anzeiger<\/em> ver\u00f6ffentlichte, sticht hervor. Anscheinend haben Max und Moritz Kalau nie existiert, so authentisch es sich auch anh\u00f6rt. Eine weitere Tarnung des Schriftstellers, seinem Grundsatz treu zu bleiben: \u201e<em>Alles \u00fcber sich erz\u00e4hlen und doch nichts verraten<\/em>.\u201c Goldschmidt camoufliert seine Identit\u00e4t jedes Mal anders und folgt damit seinem Vorbild H\u00f6lderlin, der angeblich die Umnachtung vort\u00e4uschte, um sich vor politischen und privaten Machenschaften zu sch\u00fctzen, so die Hauptthese von Pierre Bertaux.<a href=\"#_edn64\" name=\"_ednref64\">[64]<\/a><\/p>\n<p>Diese Technik der Identit\u00e4tsverschleierung ist auch bei Individuen mit einem \u201egeheimen Defekt\u201c\u2018 verbreitet. Sie verwischen die Stigma-Symbole z.\u00a0B. durch Namenswechsel.<a href=\"#_edn65\" name=\"_ednref65\"><sup>[65]<\/sup><\/a> Diese literarische Strategie der Zwiesp\u00e4ltigkeit zeichnet sich durch einen diametralen Blickwinkel, eine nicht lineare Chronologie und durch ungeordnete r\u00e4umliche Koordinaten aus und sprengt dadurch die Seinsgewissheit des traditionellen Autobiographiediskurses.<a href=\"#_edn66\" name=\"_ednref66\"><sup>[66]<\/sup><\/a> So treten die Protagonisten in Goldschmidts Texten mit dem Pronomen \u201eer\u201c, \u201ees\u201c oder \u201eder Junge\u201c auf, oder werden namentlich genannt mit \u201eArthur\u201c wie in <em>Ein Garten in Deutschland<\/em>, mit \u201eArthur Kellerlicht\u201c in <em>Ein Wiederkommen<\/em> und mit \u201eGeorges-Arthur Goldschmidt\u201c in <em>Vom Nachexil<\/em>, die von ihren Kindheiten erz\u00e4hlen. Nur \u00e4u\u00dferlich stimmen die standesamtlichen und die biographischen Daten der Erz\u00e4hler mit denen von Georges-Arthur Goldschmidt \u00fcberein. Damit schafft der Erz\u00e4hler die n\u00f6tige Distanz zu den Protagonisten im diegetischen Raum; dadurch gelingt es ihm, die Intensit\u00e4t und Ambiguit\u00e4t des Mottos <em>alles erz\u00e4hlen und nichts verraten<\/em> auf der Textebene zu \u00fcbersetzen.<a href=\"#_edn67\" name=\"_ednref67\"><sup>[67]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Georges-Arthur Goldschmidts Protagonisten standen vor der Herausforderung, nicht nur wie sie sich in ihre neue Gesellschaft integrieren, sondern auch, wie sie ihre Vergangenheit und ihre Beziehung zu ihrem Ursprungsland aufarbeiten k\u00f6nnten. Dazu kam noch die j\u00fcdische Identit\u00e4t, die durch das Erfahrene immer mehr in den Mittelpunkt dieser Antihelden r\u00fcckte. Das Widerstreben der verschiedenen Identit\u00e4tsaspekte verwirrte sie und gef\u00e4hrdete ihr psychisches Gleichgewicht. Die Behandlung der traumatischen Ereignisse kann durch das Wachrufen der Affekte erfolgen, sie wieder erleben, um sie dann abzureagieren.<a href=\"#_edn68\" name=\"_ednref68\">[68]<\/a> Der aus der griechischen Trag\u00f6die und durch Aristoteles eingef\u00fchrte Ausdruck <em>Katharsis<\/em> eignet sich hier gut, um diesen Zustand zu beschreiben, zumal er das Ergebnis einer <em>Memisis<\/em> ist, was mit Goldschmidts Konzept von <em>alles erz\u00e4hlen und nichts verraten<\/em> \u00fcbereinstimmt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Trag\u00f6die ist Nachahmung einer guten und in sich abgeschlossenen Handlung [\u2026], die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszust\u00e4nden bewirkt.<a href=\"#_edn69\" name=\"_ednref69\">[69]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Nur ein ad\u00e4quates Abreagieren kann die Befreiung von inneren Konflikten herbeif\u00fchren, indem das Subjekt die verdr\u00e4ngten Erfahrungen wachruft und sie quasi wieder erlebt. Das geeignete Mittel daf\u00fcr ist die Sprache, in der der Mensch seinen Schmerz reflektiert und beklagt.<a href=\"#_edn70\" name=\"_ednref70\">[70]<\/a> Goldschmidt strebt also in seinem Erz\u00e4hlwerk nicht die Rekonstruktion eines Ich-Ideals an. Nicht in der Wiederherstellung einer zusammenh\u00e4ngenden Biographie ist der Sinn des Lebens, sondern im Akt des Schreibens selbst. Um die eigene Wirklichkeit zu erschaffen, bedient sich der Erz\u00e4hler verwandter Ich-Konzepte aus der Literatur, aber immer gegen eine traditionelle realistische Erz\u00e4hlweise, die im deutschen Bildungsroman und in der Autobiographie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ihr Vorbild hatte.<a href=\"#_edn71\" name=\"_ednref71\"><sup>[71]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Besonders f\u00fcr den Stigmatisierten ist die Kongruenz mit seinem sozialen Umfeld hinsichtlich seiner Sozialintegration ausschlaggebend. Das stigmatisierte Individuum versucht durch die \u00dcbernahme der Handlungsweisen der \u201eNormalen\u201c und durch die vollst\u00e4ndige Angleichung an deren Verhaltenskodex nicht ins Auge zu fallen.<a href=\"#_edn72\" name=\"_ednref72\"><sup>[72]<\/sup><\/a> Das Kind in Goldschmidts Schriften verfolgt genau diese Strategie. In <em>Die Aussetzung<\/em> achtet das Kind auf eine reale Inszenierung seines Selbst, um sicher und fest aufzutreten und um auf sich nicht aufmerksam zu machen:<\/p>\n<blockquote><p>Er blickte an sich selber herunter, seine Beine im dicken Bergschuhwerk sahen wie alle anderen aus, [\u2026] nur ein wenig kleiner als die Stiefel des Bauern neben ihm. Sollte ein Fremder vorbeikommen, h\u00e4tte dieser den Knaben f\u00fcr jemand beliebigen gehalten, vielleicht f\u00fcr einen hiesigen, sogar f\u00fcr den Sohn des Bauern und er atmete auf im Gedanken, einstweilen nicht mehr er selber sein zu m\u00fcssen. Er sa\u00df da und spielte einen Anderen. (Die Aussetzung, S. 29)<\/p><\/blockquote>\n<p>Georges-Arthur Goldschmidt \u00fcberschreitet nicht nur soziale und kulturelle Grenzen, indem er zwischen den Kulturen oszilliert und gegen soziale Normen verst\u00f6\u00dft, sondern er versucht auch auf der Textebene mit verschiedenen literarischen Verfahren, Schreibstilen und Schreibtechniken, seinen eigenen Ton zu finden. Sein Gesamtwerk tr\u00e4gt dieser Tatsache Rechnung, wo sich narrative und nicht-narrative Genres, literarische und nicht literarische Textsorten miteinander vermischen und ein hybrides Bild von sich geben. Um den Rahmen dieses Beitrags nicht zu sprengen, soll hier nur auf einige Beispiele eingegangen werden, die exemplarisch f\u00fcr das hybride Schreiben von Goldschmidt sind.<\/p>\n<p>Da Goldschmidt im Deutschen und im Franz\u00f6sischen beheimatet ist, schl\u00e4gt diese Doppelsprachlichkeit Wurzel in seinem literarischen Schaffen. So sind die deutschen Texte reich an Gallizismen und die franz\u00f6sischen Texte mit unz\u00e4hligen deutschen Ausdr\u00fccken best\u00fcckt. In <em>Un Jardin en Allemagne<\/em>,<a href=\"#_edn73\" name=\"_ednref73\">[73]<\/a> in <em>La travers\u00e9e des fleuves<\/em><a href=\"#_edn74\" name=\"_ednref74\">[74]<\/a> oder in <em>L\u00b4esprit de retour<\/em><a href=\"#_edn75\" name=\"_ednref75\">[75]<\/a> finden sich zahlreiche deutschsprachige Formulierungen, die das franz\u00f6sische Textgef\u00fcge zersprengen. Wohlgezielt malen sie in d\u00fcsteren Farben das bedr\u00fcckende politische und soziale Klima in Reinbek bei Hamburg und im Nazi-Deutschland der 1930er Jahre aus. In <em>L\u00b4esprit de retour<\/em> liest man:<\/p>\n<blockquote><p>Les anc\u00eatres d\u2019Arthur \u00e9taient de Hambourg o\u00f9 les \u201a<em>Hepp, hepp, Krawallen<\/em>\u2018 \u00e9taient encore monnaie courante en 1819: [\u2026]\u201a<em>Hepp; hepp, Jude verreck, hepp, hepp der Jude muss in den Dreck, hepp hepp<\/em><em>!<\/em>\u2018 \u2013 \u201aJuif, cr\u00e8ve, jetons-le dans la boue!\u2018 Ce qui n\u2019\u00e9tait encore gu\u00e8re m\u00e9chant par rapport \u00e0 ce qui allait suivre, un peu plus d\u2019un si\u00e8cle plus tard.<a href=\"#_edn76\" name=\"_ednref76\">[76]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Un Jardin en Allemagne<\/em> ist ebenso voll mit Schm\u00e4hungen in deutscher Sprache, wie z.\u00a0B in \u201e<em>Ekelhafter Bengel<\/em>, <em>kleine Drecksau<\/em>, petit salet\u00e9, petit cochon, [\u2026] <em>du kleiner<\/em> \u2026. <em>Kleiner Dreckjude<\/em>, petite salet\u00e9 de Juif\u201c.<a href=\"#_edn77\" name=\"_ednref77\"><sup>[77]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die sprachlichen und kulturellen Verschmelzungen, die eben pr\u00e4sentiert wurden, zeichnen sich durch Verkettung, Amalgamierung, \u00dcberlappung und Verhandelbarkeit zwischen den Kulturen aus und heben die hybride Positionierung des Autors hervor. Sie erkl\u00e4ren die Sprache zu einem markanten kulturellen Ort, an dem das Fortbestehen des Anderen m\u00f6glich ist und nicht wie z.\u00a0B. in totalit\u00e4ren Systemen, wo die Sprache als Instrument des Ausschlie\u00dfens missbraucht wurde und wird. Diese Herangehensweise macht die Sprache zu einem gemeinsamen Ort, wo Begegnung und Austausch die Regel ist.<a href=\"#_edn78\" name=\"_ednref78\"><sup>[78]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>VI.\u00a0 Die verschlungenen Wege zu sich selbst<\/strong><\/p>\n<p>Goldschmidts Deb\u00fct war im Jahre 1961 in franz\u00f6sischer Sprache. Ungef\u00e4hr 30 Jahre lang verfasste er sein literarisches Werk ausschlie\u00dflich auf Franz\u00f6sisch.<a href=\"#_edn79\" name=\"_ednref79\"><sup>[79]<\/sup><\/a> Seine erste Erz\u00e4hlung in deutscher Sprache \u00fcberhaupt, <em>Die<\/em> <em>Absonderung<\/em>, erschien im Jahre 1991. Seitdem bet\u00e4tigt er sich literarisch in seinen beiden \u201eMuttersprachen\u201c.<\/p>\n<p>Bei Goldschmidt geht es immer darum, wie er seine unterschiedlichen Sprachen und verschiedenen Aspekte seiner zersplitterten Identit\u00e4t in Einklang bringen kann. Das postkoloniale Konzept des Dritten Raums kann ad\u00e4quate Antworten auf diese Art von Identit\u00e4tskrisen geben. Denn es kann die verschiedenen Komponenten einer ambivalenten Identit\u00e4t amalgamieren, trotzdem die kulturellen Unterschiede des Individuums bewahren und die kreative Integration des Subjekts in die neue Gesellschaft unterst\u00fctzen.<a href=\"#_edn80\" name=\"_ednref80\">[80]<\/a> W\u00e4hrend andere Ans\u00e4tze, die sich auch mit dem Leben von Migranten und Exilanten besch\u00e4ftigen, wie die der ideologisch-belasteten Assimilation und die der Akkulturation von Verlust und Defizit sprechen, wenn zwei unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, geht das Konzept des Dritten Raums von gegenseitiger Befruchtung, Bereicherung, Produktivit\u00e4t und Kreativit\u00e4t aus. Ph\u00e4nomene der Verkettung, Vermischung, \u00dcberkreuzung, Durchdringung und Hybridisierung erfolgen bei Georges-Arthur Goldschmidt sowohl auf der Identit\u00e4tsebene als auch auf der Textebene. Hybride Schreibformen wie Sprachmischung oder Intertextualit\u00e4t sind konkrete Beispiele f\u00fcr die Kunst der Hybridit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass Goldschmidt sich die franz\u00f6sische Sprache aneignete, beschleunigte seine Eingliederung in seine Aufnahmegesellschaft und vers\u00f6hnte ihn mit sich selbst. \u201eMit Leib und Seele\u201c lernte er das Franz\u00f6sische (Die Befreiung, S. 120). Erfahrungen, die in seiner deutschen Muttersprache verboten waren, konnte er \u00fcber die franz\u00f6sische Sprache machen. Da Goldschmidt Frankreich vor allem in der Zeit der Okkupation erlebt hatte, ist f\u00fcr ihn das Franz\u00f6sische die Sprache des \u201eSchutzes\u201c, der \u201eHoffnung\u201c, der \u201eBefreiung\u201c und der \u201eBewahrung\u201c (Fl, S. 8). Die deutsche Sprache hingegen wurde von den Nazis deformiert und pervertiert, sie war eine Sprache, aus der er \u201eausgeschlossen\u201c wurde, und sie war die Sprache der \u201eAngst\u201c und die der \u201eErinnerung an das Verbot zu leben\u201c (DFM, S. 51). Franz\u00f6sisch hingegen erm\u00f6glichte ihm, seine Erinnerungen aufzuschreiben und sich seinem lebensbedrohlichen Trauma anzun\u00e4hern (DFM, S. 51).<a href=\"#_edn81\" name=\"_ednref81\"><sup>[81]<\/sup><\/a> Das Franz\u00f6sische als Sprache der Rettung und des Schutzes gestattete Goldschmidt, sich zu \u00f6ffnen. Es ebnete ihm den Weg, frei \u00fcber seine verdr\u00e4ngten traumatischen Erlebnisse zu erz\u00e4hlen. Es gab ihm Gelegenheit, die durch das Trauma erlebten pathogenen Affekte abzuf\u00fchren. Im Nachwort des Verfassers in <em>Ein Garten in Deutschland<\/em>, das den Titel <em>Seine eigenen Texte \u00fcbersetzen<\/em><em>?<\/em> tr\u00e4gt und mit einem ins Auge stechenden Fragezeichen versehen ist, schreibt Goldschmidt:<a href=\"#_edn82\" name=\"_ednref82\"><sup>[82]<\/sup><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Eine Erz\u00e4hlung wie <em>Ein Garten in Deutschland <\/em>h\u00e4tte in der Muttersprache (das Deutsche) wegen der erlebten Vergangenheit und der Erfahrung der Trennung nicht so entstehen k\u00f6nnen, wie sie eben im Franz\u00f6sischen entstanden ist, ja sie w\u00e4re wahrscheinlich gar nicht entstanden. Erst die \u00dcbertragung (diesmal im freudschen Sinne des Wortes) in eine Sprache, in welcher die Erinnerung alles erfinden musste, ohne es erlebt zu haben, machte das Schreiben an diesem Buch m\u00f6glich. (Ein Garten in Deutschland, S. 184)<\/p><\/blockquote>\n<p>Trotz des besonderen Wertes der franz\u00f6sischen Sprache f\u00fcr Goldschmidts literarische Schaffen bleibt das Deutsche seine Muttersprache, die Sprache des Empfindens und der Wahrnehmung (DFM, S. 20). Die Muttersprache anzuerkennen, in ihr zu produzieren, zu erz\u00e4hlen und zu lieben, ist f\u00fcr Goldschmidt und seine Schicksalsgenossen auch eine Pflicht, weil das Deutsche Tr\u00e4ger einer literarisch-kulturellen Tradition ist, die nicht durch eine begrenzte Zeit ganz diskreditiert werden d\u00fcrfe.<a href=\"#_edn83\" name=\"_ednref83\"><sup>[83]<\/sup><\/a> Beide Sprachen ergreifen also ganz Besitz von ihm und er macht die beiden zu seinen \u201eMuttersprachen\u201c: \u201eMeine Anima ist aber deutsch und Deutsch, nochmal, ist meine Muttersprache, genau wie es das Franz\u00f6sische auch ist\u201c. (Des Pudels Kern, S. 83)<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt von Georges-Arthur Goldschmidts Identit\u00e4t sind \u2013 wie schon oben erw\u00e4hnt \u2013 seine j\u00fcdischen Wurzeln. Seine Erziehung machte aus ihm einen Christen und er verstand sich auch als solcher. Aber sein Milieu machte ihn zu einem Juden (Des Pudels Kern, S. 114). Die ihm zugewiesene Identit\u00e4t war jedoch nicht die seine: \u201eIch bin, was ihr mir zu sein auferlegt, was ich aber im Grunde meines Ichs nicht bin. Niemand ist in sich selbst die zugewiesene <em>Identit\u00e4t<\/em>\u201c (DFM, S. 75). Das Zusammenprallen seines Verst\u00e4ndnisses von sich selbst mit dem, wie er von seiner Umgebung gesehen wird, verursacht bei ihm eine Identit\u00e4ts- und Glaubenskrise, \u201eweil er in Wirklichkeit der ist, den man ihn nicht sein l\u00e4sst\u201c (DbN, S. 44). Die Gotteskrise ist sowohl mit dem Wissen um die Shoah als auch mit der \u201eEntdeckung des eigenen un\u00fcberschreitbaren und unhintergehbaren Seinsgef\u00fchls\u201c verbunden. Im Gespr\u00e4ch mit Tim Trzaskalik sagt Goldschmidt:<a href=\"#_edn84\" name=\"_ednref84\"><sup>[84]<\/sup><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Was mich \u201ezum Juden machte\u201c, [\u2026] das war einzig der Hitler. Wie kann man etwas sein, das man nicht ist? Was \u00fcber mich bestimmt wurde, brauche ich nicht unbedingt zu sein [\u2026]. (Des Pudels Kern, S. 114)<\/p><\/blockquote>\n<p>Erst als Erwachsener begann er den j\u00fcdischen Teil seiner Identit\u00e4t zu akzeptieren (Fl, S. 282). Die psychische Devianz, die bei dem Kind eingetreten ist, weil er Jude ist und deswegen nach dem Verst\u00e4ndnis des verbrecherischen NS-Regimes abgeschafft werden muss, f\u00fchrt das Kind \u00fcber die Jahre zum j\u00fcdischen Glauben zur\u00fcck und erm\u00f6glicht ihm eine Re-Identifikation (Des Pudels Kern, S. 115).<a href=\"#_edn85\" name=\"_ednref85\"><sup>[85]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Schwingen zwischen zwei kulturellen R\u00e4umen, das Ineinandergreifen und die wechselseitigen \u00dcberkreuzungen beider Sprachen und Sprachr\u00e4ume, das Verhandeln zwischen zwei Kontexten und die Synthetisierung und Integration divergenter Attribute und Rollen in seiner Identit\u00e4t erm\u00f6glichten Goldschmidt, das Trauma des Krieges und der Flucht zu bew\u00e4ltigen. Seine Positionierung zwischen zwei Kulturen und Sprachen ist das Ergebnis seiner Lebenserfahrung, die aus Prinzip gegen jeden Chauvinismus und gegen jeden Purifizierungswahn ist. Goldschmidt selbst sah in der Verkettung, Verschmelzung und Hybridisierung seiner verschiedenen Traditionsstr\u00e4nge die L\u00f6sung f\u00fcr die heterogenen Elemente seines Ichs, \u201edie jedoch eine geschlossene Einheit bilden\u201c (Vom Nachexil, S. 9):<\/p>\n<blockquote><p>Uneigentlich in jeder Beziehung, j\u00fcdischer Herkunft, Agnostiker, wenn nicht Atheist gewordener Christ, Schwarzfahrer des Schicksals und immer noch da, verharre ich am Ende meines Lebens im Dazwischen [\u2026].<a href=\"#_edn86\" name=\"_ednref86\">[86]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Verst\u00e4ndnis von <em>Selbst<\/em> l\u00e4sst die Koexistenz eines <em>Selbst-Bewusstseins<\/em> im Sinne des Idealismus und der Aufkl\u00e4rung mit einem narzisstischen Ich im Sinne eines nachmodernen Subjektes zu.<a href=\"#_edn87\" name=\"_ednref87\"><sup>[87]<\/sup><\/a> F\u00fcr einen Verfolgten, der aus dem Scho\u00df seiner Heimat versto\u00dfen wurde und das Gl\u00fcck hatte, den Krieg mit all seinen Gr\u00e4ueln zu \u00fcberleben, kann also nur die Selbstverortung in einem <em>Dazwischen<\/em> die nat\u00fcrlichste Konsequenz sein. Eine Ortlosigkeit, die ihm erlaubt, zu sein, wer er wirklich ist: deutsch, franz\u00f6sisch, Jude und noch viel mehr. und bringt damit sein Ich durch Selbstregulierung ins Gleichgewicht und er kann mit Descartes Worten exklamieren: \u201e\u201aIch bin, ich existiere\u2018.\u201c (Des Pudels Kern, S. 109). Goldschmidt gelingt es dadurch, die Ambiguit\u00e4ten, die Differenzierung und die Beibehaltung von Differenzen in seinen Texten einzubauen und dadurch seine Integrit\u00e4t als Mensch zu bewahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>VII.\u00a0 Gegen das Vergessen und f\u00fcr das Miteinander<\/strong><\/p>\n<p>Georges-Arthur Goldschmidt schildert in seinen Erz\u00e4hlungen den furchtbaren Leidensweg eines Kindes und Heranwachsenden, der nicht existieren durfte, weil er Jude ist. Die Flucht \u00fcber Italien nach Frankreich konnte ihm und seinem Bruder das Leben retten. Der in Frankreich erfahrene Schutz und der starke Erhaltungstrieb halfen dem Jungen, die Ambivalenzen seiner dynamischen Identit\u00e4t zu vereinigen. Goldschmidt versteht seine Identit\u00e4t als ein offenes Projekt, das stets vom Einfluss der \u201eVerhandlung\u201c zwischen verschiedenen Zeitachsen und Kulturen geformt und neu verortet wird. Identit\u00e4t bei Goldschmidt ist nicht rigid und steif, sondern dynamisch und inhomogen, prozessual und fragmentarisch, sie ist eine instabile und unentscheidbare Entit\u00e4t, wo das Eigene und das Fremde sich amalgamieren und \u00fcberlappen. Durch die Anerkennung, Vermengung und Durchdringung seiner verschiedenen Identit\u00e4tskomponenten konnte Goldschmidt sein kindliches, tiefsitzendes Trauma verarbeiten und das Gleichgewicht der auseinanderstrebenden Kr\u00e4fte seines Ichs finden. Dabei spielen seine beiden Sprachen eine bedeutende Rolle. Er setzt sie bewusst als gef\u00fcgiges Werkzeug ein, um \u00fcber seine Vergangenheit zu reflektieren, sich selbst zu entdecken und seine schweren Traumata zu meistern. Die therapeutische Funktion der Rede \u00fcber das Erfahrene durch das Schreiben vers\u00f6hnt die divergierenden Komponenten seines Ichs und wandelt sie in einen produktiven Prozess um. Das Verhandeln zwischen den inh\u00e4renten Differenzen in den formenden Elementen seines Ichs positioniert ihn in einem fluiden Grenzraum, wo die Bestandteile seiner Identit\u00e4t in einer stets wechselseitigen \u00dcberkreuzung, Durchdringung und Vermischung in Beziehung zueinander stehen.<\/p>\n<p>Goldschmidt schreibt gegen das Vergessen und Verleugnen und f\u00fcr einen aktiven und verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit. Die Geschichten seiner jungen Protagonisten gehen unter die Haut und ber\u00fchren den Leser, der f\u00fcr die seelischen und k\u00f6rperlichen Qualen dieser Kinder nur Sympathie empfinden kann, tief.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Die Absonderung. Erz\u00e4hlung. Mit einem Vorwort von Peter Handke. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 1991.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Der Spiegeltag. Roman. Aus dem Franz\u00f6sischen von Peter Handke. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1989.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Ein Garten in Deutschland. Erz\u00e4hlung. Aus dem Franz\u00f6sischen von Eugen Helml\u00e9. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 1988.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Der bestrafte Narzi\u00df. Essay. Aus dem Franz\u00f6sischen von Mariette M\u00fcller, Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 1994. Im Folgenden wird aus dieser Ausgabe unter Verwendung der Sigle DbN mit Angabe der betreffenden Seitenzahl im Flie\u00dftext zitiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Georges-Arthur Goldschmidt: Die Aussetzung. Eine Erz\u00e4hlung. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 1996.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Die Befreiung. Erz\u00e4hlung. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 2007.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Die Faust im Mund. Eine Ann\u00e4herung. Aus dem Franz\u00f6sischen von Brigitte Gro\u00dfe. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 2008. Im Folgenden wird aus dieser Ausgabe unter Verwendung der Sigle DFM mit Angabe der betreffenden Seitenzahl im Flie\u00dftext zitiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Ein Wiederkommen. Erz\u00e4hlung. Frankfurt a. M.: S. Fischer Verlag, 2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Vom Nachexil. G\u00f6ttingen: Wallstein Verlag, 2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: \u00dcber die Fl\u00fcsse. Autobiographie. Aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt vom Verfasser. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 2001. Im Folgenden wird aus dieser Ausgabe unter Verwendung der Sigle Fl mit Angabe der betreffenden Seitenzahl im Flie\u00dftext zitiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Treichel, Hans-Ulrich: Die Angst und das Sehen. \u00dcber Georges-Arthur Goldschmidts Erz\u00e4hlung <em>Die Aussetzung<\/em>. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 123-126, hier S. 123.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Hermann Wallmann: Wie ein Buch das andere gibt. Anmerkungen zu Ein Garten in Deutschland und die Absonderung. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 127-134, hier 132.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Vgl.: Holdenried, Michaela: Das Ende der Aufrichtigkeit? Zum Wandel autobiographischer Dispositive am Beispiel von Georges-Arthur Goldschmidt. In: Archiv f\u00fcr das Studium der neueren Sprachen und Literatur, Bd. 234, Berlin, Bielefeld, M\u00fcnchen: Erich Schmidt Verlag, 1997, S. 1-18, hier S. 11 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Holdenried, Michaela: Lichtschrift der Erinnerung. Zur medialen Konstruktion von Ged\u00e4chtnisbildern bei Georges-Arthur Goldschmidt. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 107-121, hier S. 115. Auf Seite 109 stellt Holdenried fest: \u201eDa\u00df es sich bei einer bestimmten Perspektive, bei der Auswahl von Ausschnitten, bei Detailsequenzen [\u2026] tats\u00e4chlich [\u2026] um Mittel der Photographie handelt\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Rector, Martin: Fr\u00fche Absonderung, sp\u00e4ter Abschied. Adoleszenz und Faschismus in den autobiographischen Erz\u00e4hlungen von Georges-Arthur Goldschmidt und Peter Weiss. In: Martin Rector, Jochen Vogt (Hrsg.): Peter Weiss Jahrbuch 4. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1995, S. 122-139, hier S. 127.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Bachmann-Medick, Doris: Dritter Raum. Ann\u00e4hrungen an ein Medium kultureller \u00dcbersetzung und Kartierung. In: Claudia Berger, Tobias D\u00f6ring (Hrsg.): Figuren der\/des Dritten. Amsterdam, Atlanta: Rodopi Verlag, 1998, S. 19-38, hier S. 20 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Goffman, Erving: Stigma. \u00dcber Techniken der Bew\u00e4ltigung besch\u00e4digter Identit\u00e4t. aus dem Amerikanischen von Frigga Haug, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1967, S. 11. Goffman weist auf Seite 9 auf die Urspr\u00fcnge des Wortes Stigma hin, \u00a0das eine lange Geschichte hat: \u201eDie Griechen, die offenbar viel f\u00fcr Anschauungshilfen \u00fcbrig hatten, schufen den Begriff <em>Stigma<\/em> als Verweis auf k\u00f6rperliche Zeichen, die dazu bestimmt waren, etwas Ungew\u00f6hnliches oder Schlechtes \u00fcber den moralischen Zustand des Zeichentr\u00e4gers zu offenbaren. Die Zeichen wurden in den K\u00f6rper geschnitten oder gebrannt und taten \u00f6ffentlich kund, da\u00df der Tr\u00e4ger ein Sklave, ein Verbrecher oder ein Verr\u00e4ter war \u2013 eine gebrandmarkte, rituell f\u00fcr unrein erkl\u00e4rte Person, die gemieden werden sollte, vor allem auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Ebd.: S. 12 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Ebd.: S. 13 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Malo, Markus: Behauptete Subjektivit\u00e4t. Eine Skizze zur deutschsprachigen j\u00fcdischen Autobiographie im 20. Jahrhundert. T\u00fcbingen: Max Niemeyer Verlag, 2009, S. 286 ff.<\/p>\n<p>Zur Geschichte der Familie Goldschmidt in Reinbeck siehe: Alfred Schulz: Perspektiven eines Gleichartigen im Blick auf Georges-Arthur Goldschmidt, seine Familie und Reinbeck. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 35-47.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Trzaskalik, Tim: \u00dcber Lesen und \u00dcbersetzen. Georges-Arthur Goldschmidt im Gespr\u00e4ch mit Tim Trzaskalik. In: Kultur &amp; Gespenster Nr. 5. Hamburg: Textem Verlag, 2007, S. 18-49, hier S. 29.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Rector: Fr\u00fche Absonderung, sp\u00e4ter Abschied, S. 127 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Einleitung. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Rector: Fr\u00fche Absonderung, sp\u00e4ter Abschied, S. 125.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Ruth, Fabian: Zur Integration der deutschen Emigranten in Frankreich 1933-1945. In: Wolfgang Fr\u00fchwald, Wolfgang Schieder (Hrsg.): Leben im Exil. Probleme der Integration deutscher Fl\u00fcchtlinge im Ausland 1933-1945. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1981, S. 200-206, hier S. 200.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> Goffman: Stigma, S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> Zur Beziehung zwischen Minderwertigkeitsgef\u00fchl und Schamgef\u00fchl siehe: J. Laplanche, J.-B. Pontalis: Strafbed\u00fcrfnis. In: dies.: Das Vokabular der Psychoanalyse. Aus dem Franz\u00f6sischen von Emma Moersch. Bd. 2. 3. Aufl. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag, 1977, hier S. 310.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> Ebd.: Strafbed\u00fcrfnis, S. 476-478, hier S. 477.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> Eggers, Christian: Not der fr\u00fchen Jahre. Verhaltensst\u00f6rungen im Kindesalter als Herausforderung der Gesellschaft. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 75-80, hier S. 75 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[30]<\/a> Goffman: Stigma, S. 113.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[31]<\/a> Malo: Behauptete Subjektivit\u00e4t, S. 288.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[32]<\/a> Goffman: Stigma, S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[33]<\/a> Asholt, Wolfgang: Ironie des Schicksals oder Notwendigkeit der Erinnerung. Die Autobiographie von Georges-Arthur Goldschmidt. In: Ders. (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 135-150, hier. S. 141.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[34]<\/a> Rector: Fr\u00fche Absonderung, sp\u00e4ter Abschied S. 130.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[35]<\/a> Laplanche, Pontalis: Schuldgef\u00fchl, S. 458-460, hier S. 458.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\">[36]<\/a> G\u00f6llner, Renate: Masochismus und Befreiung: Georges-Arthur Goldschmidt. In: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerhard_Scheit\">Gerhard Scheit<\/a>, Manfred Dahlmann (Hrsg.): <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sans_phrase\">sans phrase<\/a>. Zeitschrift f\u00fcr Ideologiekritik. Heft 8, Fr\u00fchjahr 2016. \u00e7a ira-Verlag, Freiburg\/Wien, 2016, S. 180\u2013191, hier S. 181.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[37]<\/a> Vgl.: Barbara Breysach: Verfolgte Kindheit. \u00dcberlegungen zu Ilse Aichingers fr\u00fchem Roman und Georges-Arthur Goldschmidts autobiographischer Prosa. In: Manuel K\u00f6ppen und Klaus R. Scherpe (Hrsg.): Bilder des Holocaust. Literatur &#8211; Film &#8211; Bildende Kunst. K\u00f6ln, Weimar, Wien: B\u00f6hlau Verlag, 1997, S. 47-61, hier S. 56.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\">[38]<\/a> Rector: Fr\u00fche Absonderung, sp\u00e4ter Abschied, S. 130.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\">[39]<\/a> \u00c4hnliche Schreibstrategien stellt Monika Schmitz-Emans bei Yoko Tawada fest. Dazu Vgl.: Schmitz-Emans, Monika: Aspekte einer Poetik der Hybridit\u00e4t. In: Tamura Kazuhiko (Hrsg.): Schauplatz der Verwandlungen. Variationen \u00fcber Inszenierung und Hybridit\u00e4t. M\u00fcnchen: iudicium, 2011, 103-133, hier S. 127 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\">[40]<\/a> K\u00f6rte, Mona: Tier-Werden. Verwandlungsangst in Georges-Arthur Goldschmidts Autobiographie <em>\u00dcber die Fl\u00fcsse<\/em>. In: Kultur &amp; Gespenster Nr. 5, Hamburg: Textem Verlag, 2007, S. 120-129, hier S. 128 ff. Mona K\u00f6rte vergleicht und analysiert Goldschmidts Verwandlungsprozesse mit denen von Kafka insbesondere mit der Erz\u00e4hlung <em>Die Verwandlung<\/em> von 1915.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\">[41]<\/a> Lezzi, Eva: Zerst\u00f6rte Kindheit. Literarische Autobiographien zur Shoah. K\u00f6ln, Weimar, Wien: B\u00f6hlau, 2001, S. 296.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\">[42]<\/a> Paul Ric\u0153ur: Das Selbst als Anderer. Aus dem Franz\u00f6sischen von Jean Greisch in Zusammenarbeit mit Thomas Bedorf und Birgit Schaaff. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag, 1996, S. 199.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\">[43]<\/a> Erik H. Erikson: Lebensgeschichte und historischer Augenblick. Deutsche \u00dcbersetzung von Thomas Lindquist. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1977, S. 17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\">[44]<\/a> Vgl. Brockmeier: Erinnerung, Identit\u00e4t und autobiographischer Proze\u00df. In: Journal f\u00fcr Psychologie, 7. Jg., H.1 (1999), S. 22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\">[45]<\/a> Holdenried, Michaela: Im Spiegel ein anderer. Erfahrungskrise und Subjektdiskurs im modernen autobiographischen Roman. Heidelberg: Carl Winter Universit\u00e4tsverlag, 1991, S. 491.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref46\" name=\"_edn46\">[46]<\/a> Asholt: S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref47\" name=\"_edn47\">[47]<\/a> Vgl.: Breysach: Verfolgte Kindheit, S. 56.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref48\" name=\"_edn48\">[48]<\/a> Treichel, Hans-Ulrich: Die Angst und das Sehen. \u00dcber Georges-Arthur Goldschmidts Erz\u00e4hlung <em>Die Aussetzung<\/em>. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 123-126, hier S. 124.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref49\" name=\"_edn49\">[49]<\/a> Goffman: Stigma, S. 19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref50\" name=\"_edn50\">[50]<\/a> Basedow, J. B.: Notwendige Anerkennung der Strafe durch das Kind (1773). In: Katharina Rutschky (Hrsg.): Schwarze P\u00e4dagogik. Quellen zur Naturgeschichte der b\u00fcrgerlichen Erziehung. Frankfurt a. M., Berlin: Ullstein, 1988, S. 391-392, hier S. 391.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\">[51]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur; Treichel, Hans-Ulrich: Jeder Schriftsteller ist zweisprachig. Ein Gespr\u00e4ch. In: Sprache im technischen Zeitalter 32\/131. Berlin 1994, S. 273-285, hier S. 280.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[52]<\/a> Rector: Fr\u00fche Absonderung, sp\u00e4ter Abschied, S. 132.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref53\" name=\"_edn53\">[53]<\/a> Der Vater starb pl\u00f6tzlich bei der Er\u00f6ffnungsfeier eines neuen Theaters in Reinbeck, das von ihm eingeweiht werden sollte. Siehe: Trzaskalik: \u00dcber Lesen und \u00dcbersetzen, S. 35.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\">[54]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Des Pudels Kern. Ein Gespr\u00e4ch. Antworten auf die Fragen von Tim Trzaskalik. Berlin: Matthes &amp; Seitz, 2008, S. 79.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref55\" name=\"_edn55\">[55]<\/a> Bhabha, Homi K.: Von Mimikry und Menschen: Die Ambivalenz des kolonialen Diskurs. In: ders.: Die Verortung der Kultur. Mit einem Vorwort von Elisabeth Bronfen. Deutsche \u00dcbersetzung von Michael Schiffmann und J\u00fcrgen Freudl. T\u00fcbingen: Stauffenburg Verlag, 2007, S. 125-136, hier S. 129 f. [Herv. i. O.].<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref56\" name=\"_edn56\">[56]<\/a> Homi K. Bhabha: Zeichen als Wunder: Fragen der Ambivalenz und Autorit\u00e4t unter einem Baum bei Delhi im Mai 1817. In: ders.: Die Verortung der Kultur. Mit einem Vorwort von Elisabeth Bronfen. Deutsche \u00dcbersetzung von Michael Schiffmann und J\u00fcrgen Freudl. T\u00fcbingen: Stauffenburg Verlag,\u00a0 2007, S. 151-180, hier S. 172.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref57\" name=\"_edn57\">[57]<\/a> Gebauer Gunter, Wulf Christoph: Spiel \u2013 Ritual \u2013 Geste. Mimetisches Handeln in der sozialen Welt. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998,, S. 19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref58\" name=\"_edn58\">[58]<\/a> Michael Taussig: Mimesis und Alterit\u00e4t. Eine eigenwillige Geschichte der Sinne. Aus dem Amerikanischen von Regina Mundel und Christoph Schirmer. Hamburg: Konstanz University Press,1997, S. 80.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref59\" name=\"_edn59\">[59]<\/a> Holdenried: Lichtschrift der Erinnerung, S. 114.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref60\" name=\"_edn60\">[60]<\/a> Barthes, Roland: Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie. \u00dcbersetzt von Dietrich Leube. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1989, S. 20.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref61\" name=\"_edn61\">[61]<\/a> Tim Trzaskalik: \u00dcber Lesen und \u00dcbersetzen, S. 42.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref62\" name=\"_edn62\">[62]<\/a> Barthes: Die helle Kammer, S. 21.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref63\" name=\"_edn63\">[63]<\/a> H\u00f6lderlin, Friedrich: Andenken. In: ders.: Gedichte. Hg. von Gerhard Kurz in Zusammenarbeit mit Wolfgang Baumgart. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2005, S. 383-384, hier S. 384.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref64\" name=\"_edn64\">[64]<\/a> Vgl.: Bertaux, Pierre: Friedrich H\u00f6lderlin. Eine Biographie. Frankfurt a. M.: Insel Verlag, 1991.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref65\" name=\"_edn65\">[65]<\/a> Goffman: Stigma, S. 117.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref66\" name=\"_edn66\">[66]<\/a> Lezzi: Zerst\u00f6rte Kindheit, S. 282.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref67\" name=\"_edn67\">[67]<\/a> Asholt, Wolfgang: Georges-Arthur Goldschmidt. In: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur (KL\u0192G), Bd 5. M\u00fcnchen: edition Text + Krititk, 2000, S. 1-22, hier S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref68\" name=\"_edn68\">[68]<\/a> Laplanche, Pontalis: Kathartische Methode oder katartisches Heilverfahren, S. 247-249, hier S. 247.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref69\" name=\"_edn69\">[69]<\/a> Aristoteles: Poetik. Griechisch\/Deutsch. \u00dcbersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1982, S. 19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref70\" name=\"_edn70\">[70]<\/a> Laplanche, Pontalis: Kathartische Methode oder katartisches Heilverfahren, S. 249.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref71\" name=\"_edn71\">[71]<\/a> Vgl.: Michaela Holdenried: Das Ende der Aufrichtigkeit? S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref72\" name=\"_edn72\">[72]<\/a> Goffman: Stigma, S. 134.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref73\" name=\"_edn73\">[73]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Un Jardin en Allemagne. Paris: Seuil, 1986.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref74\" name=\"_edn74\">[74]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: La travers\u00e9e des fleuves. Paris: Seuil, 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref75\" name=\"_edn75\">[75]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: L\u00b4esprit de retour. Paris: Seuil, 2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref76\" name=\"_edn76\">[76]<\/a> Goldschmidt: L\u00b4esprit de retour. Paris, S. 75. [Herv. i. O.].<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref77\" name=\"_edn77\">[77]<\/a> Goldschmidt: Un Jardin en Allemagne, S. 39. [Herv. i. O.].<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref78\" name=\"_edn78\">[78]<\/a> Vgl. Ashcroft Bill, Griffiths Gareth, Tiffin Helen: The empire writes back: Theory and Practice in Post-Colonial Literatures<em>.<\/em> London, New York: Routledge, 1994., S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref79\" name=\"_edn79\">[79]<\/a> Bevor Goldschmidt das Deutsche als literarische Schreibsprache verwendete, war er f\u00fcr lange Jahre als Kultur-Korrespondent f\u00fcr die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> t\u00e4tig. Vgl. Kremnitz, Georg: Mehrsprachigkeit in der Literatur. Wie Autoren ihre Sprache w\u00e4hlen. Aus der Sicht der Soziologie der Kommunikation. Wien: Edition Praesens, 2004, S. 195.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref80\" name=\"_edn80\">[80]<\/a> F\u00fcr weitere Kritikpunkte gegen den Akkulturationsansatz und Argumente f\u00fcr dessen Erweiterung auf den Hybridit\u00e4tsansatz vgl. El Mtouni, Said:<em> Exilierte Identit\u00e4ten zwischen Akkulturation und Hybridit\u00e4t<\/em>. W\u00fcrzburg: Ergon Verlag, 2015, S. 52 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref81\" name=\"_edn81\">[81]<\/a> Vgl.: Trzaskalik, Tim: Gegensprachen. Das Ged\u00e4chtnis der Texte. Georges-Arthur Goldschmidt. Frankfurt a. M., Basel: Klostermann\/Nexus, 2007, 310 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref82\" name=\"_edn82\">[82]<\/a> Vgl. a.: Hein-Khatib, Simone: Mehrsprachigkeit und Biographie. Zum Sprach-Erleben der Schriftsteller Peter Weiss und Georges-Arthur Goldschmidt. T\u00fcbingen: Gunter Narr Verlag, 2007, S. 218.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref83\" name=\"_edn83\">[83]<\/a> Goldschmidt, Georges-Arthur: Wie Gr\u00fcn Rot werden soll oder die Metamorphose des \u00dcbersetzens. In: Gil, Alberto und Schmeling, Manfred (Hrsg.): Kultur \u00dcbersetzen. Zur Wissenschaft des \u00dcbersetzens im deutsch-franz\u00f6sischen Dialog. Berlin: De Gruyter, 2009, S. 5-14, hier. S. 14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref84\" name=\"_edn84\">[84]<\/a> Asholt: Georges-Arthur Goldschmidt. In: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref85\" name=\"_edn85\">[85]<\/a> Goffman: Stigma, S. 173.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref86\" name=\"_edn86\">[86]<\/a> Georges-Arthur Goldschmidt: In Gegenwart des abwesenden Gottes. Aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt von Brigitte Gro\u00dfe. Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 2003, S. 85.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref87\" name=\"_edn87\">[87]<\/a> Kambas, Chryssoula: <em>als Kind verboten werden<\/em>. Autobiographie und Erinnerung bei Georges-Arthur Goldschmidt und Saul Friedl\u00e4nder. In: Asholt, Wolfgang (Hrsg.): Grenzg\u00e4nge der Erinnerung. Studien zum Werk von Georges-Arthur Goldschmidt. Osnabr\u00fcck: Secolo, 1999, S. 81-106, hier S. 82.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Said El Mtouni &nbsp; I.\u00a0 Fremd im eigenen Land Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Reinbek bei Hamburg geboren. Mit neun Jahren verlie\u00dfen er und sein Bruder Erich ihre Heimatstadt, um zuerst nach Florenz und dann nach Frankreich zu gelangen. 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