{"id":7931,"date":"2022-12-29T14:31:35","date_gmt":"2022-12-29T19:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=7931"},"modified":"2023-02-04T13:49:38","modified_gmt":"2023-02-04T18:49:38","slug":"von-der-erfahrung-zur-erinnerung-wenderomane-im-wandel-nachdruck","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/archive\/glossen-49\/von-der-erfahrung-zur-erinnerung-wenderomane-im-wandel-nachdruck\/","title":{"rendered":"\u201eVon der Erfahrung zur Erinnerung \u2013 Wenderomane im Wandel.\u201c (Nachdruck)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">von Janine Ludwig (<a href=\"#original\">reprint<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bernd Schirmer hat im Laufe eines Vierteljahrhunderts mehrere Wenderomane verfasst: In den 1980er-Jahren schrieb er <em>Cahlenberg <\/em>(1994), 1992 in kurzer Zeit <em>Schlehweins Giraffe<\/em>, in den 2000er-Jahren <em>Der letzte Sommer der Indianer <\/em>(2005) und dann zehn Jahre lang an dem vorerst letzten: <em>Silberblick <\/em>(2017). Im Vergleich dieser Werke la\u0308sst sich herausarbeiten, wie sich mit dem Vergehen von Zeit der erza\u0308hlerische Blick bzw. der Fokus auf die Ereignisse a\u0308ndert, und zwar inhaltlich, bezogen auf die umfasste Zeitspanne der erza\u0308hlten Zeit, wie auch formal-a\u0308sthetisch, also im Einsatz von Erza\u0308hltechniken und Erza\u0308hlerposition. Wa\u0308hrend der erste Roman, <em>Cahlenberg<\/em>, direkt aus der Zeit heraus die Ahnung anbrechender Vera\u0308nderungen in der DDR atmet, erza\u0308hlt der zweite von den Umbruchserfahrungen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung, mit eingeschobenen Ru\u0308ckblicken auf die Zeit davor. Der dritte beschreibt einen multiperspektivischen Liebes- und Bruderkampf zwischen Ost und West im gerade wiedervereinigten Land und endet mit einem Epilog, der diese Zwistigkeiten in das Reich alter Legenden verweist. Der vierte spielt wieder gro\u0308\u00dftenteils in der DDR und beschwo\u0308rt die Erinnerung an eine tote Jugendliebe herauf. Man kann quasi beobachten, wie historische Erfahrung zu Erinnerung gerinnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"#Wende\">1. Die Wende erleben und erinnern<\/a><br \/>\n<a href=\"#Cahlenberg\">2. <em>Cahlenberg <\/em>\u2013 gelebte Erfahrung und Vorausahnung<\/a><br \/>\n<a href=\"#Schlehwein\">3. <em>Schlehweins Giraffe <\/em>\u2013 Umbruchserfahrungen der (Nach-)Wendezeit<\/a><br \/>\n<a href=\"#Sommer\">4.<em> Der letzte Sommer der Indianer <\/em>\u2013 verschachtelte Erinnerung an Umbruchserfahrungen<\/a><br \/>\n<a href=\"#Silberblick\">5. <em>Silberblick <\/em>\u2013 gelebte Erinnerung und abschlie\u00dfender Ru\u0308ckblick<\/a><br \/>\n<a href=\"#Ueberblick\">6. U\u0308berblick, Vergleich und Schlussbemerkungen<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a id=\"Wende\"><\/a>1. Die Wende erleben und erinnern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Carsten Gansel (Gansel 2010a: 13; Kursivschreibungen im Original) fasst den Forschungsstand zu Fragen kulturwissenschaftlicher Geda\u0308chtnisforschung dergestalt zusammen, \u201edass Literatur <em>erstens <\/em>ein Medium ist, u\u0308ber das in Form von narrativen Inszenierungen individuelle und generationenspezifische Erinnerungen fu\u0308r das kollektive Geda\u0308chtnis bereitgestellt werden\u201c, und dass deshalb diese Inszenierungen etwas u\u0308ber die \u201eProzesse der <em>Geda\u0308chtnisbildung<\/em>\u201c aussagen ko\u0308nnen. Zweitens, so Gansel weiter, werden in literarischen Texten diese kollektiven Formen von Erinnerungen \u201egewisserma\u00dfen \u201aabgebildet\u2018 und damit wiederum beobachtbar\u201c. Deshalb wird hier ein Vergleich von vier Werken desselben Autors mit Blick darauf angestrebt, wie sich Form und Fokus von Erinnerung und Geda\u0308chtnis im Laufe der Jahre verschieben und jeweils distinkt verschiedene Erza\u0308hlstrategien oder \u201enarrative Inszenierungen\u201c hervorbringen. Damit kann letztlich sogar na\u0308herungsweise etwas u\u0308ber die Entstehung und den Wandel kollektiver ostdeutscher Narrative und Identita\u0308tskonstruktionen ausgesagt werden, weil Schirmer meist die jeweiligen zeitgeno\u0308ssischen Diskurse im Erza\u0308hlen mitreflektiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Ende der DDR und der deutschen Teilung bezog sich die \u201aErinnerungsarbeit\u2018 in der deutschen Literatur auf drei wesentliche Felder oder Phasen: erstens erfolgte eine Neuaufnahme teilweise lange ausgeblendeter oder abgeschlossener Erinnerungen, etwa an den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust, Flucht und Vertreibung (Gansel 2010b: 19); zweitens dominierten die unza\u0308hligen Ru\u0308ckblicke auf die untergegangene DDR, die unter die hochproblematischen Stichworte \u201aAufarbeitung der Vergangenheit\u2018 oder \u201aVergangenheitsbewa\u0308ltigung\u2018 subsumiert wurden. Zeitgleich entstand jedoch, hauptsa\u0308chlich in den 1990er-Jahren, ein drittes Feld, na\u0308mlich die Dokumentation ostdeutscher Erfahrungen der Wendezeit und der folgenden Jahre, die mit gewaltigen Umbru\u0308chen und gesellschaftlichen Transformationen einhergingen, also \u201aWendeliteratur\u2018<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0im engeren Sinne. Der eben etwas unscharf verwendete Begriff \u201aDokumentation\u2018 deutet schon an, dass diese Texte zuna\u0308chst quasi \u201aaus der Zeit heraus\u2018 entstanden und eben nicht schon beim Verfassen etwas bereits Abgeschlossenes, zu Erinnerndes behandelten \u2013 dies konnte logischerweise erst nach mehreren Jahren konzipiert werden. Solchen Texten sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als es oft der Fall ist \u2013 denn gleichwohl das Feuilleton der fru\u0308hen 90er-Jahre unabla\u0308ssig nach dem gro\u00dfen Wenderoman verlangte, wurden viele tatsa\u0308chlich vorgelegte Bu\u0308cher kaum rezipiert oder kanonisiert (mit Ausnahme von Thomas Brussigs <em>Helden wie wir<\/em>, Ingo Schulzes <em>Neue Leben <\/em>und Uwe Tellkamps <em>Der Turm<\/em>, mit Abstrichen noch Jens Sparschuhs <em>Zimmerspringbrunnen <\/em>oder Kerstin Hensels <em>Tanz am Kanal<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum sind diese Bu\u0308cher als Geda\u0308chtnisra\u0308ume wichtig? Nun, zum 30-ja\u0308hrigen Jubila\u0308um von Wende und Einheit wurde viel u\u0308ber die Besonderheiten der ostdeutschen Mentalita\u0308t und Identita\u0308t sinniert, meist unter dem Blickwinkel des \u201aAnderen\u2018, also vom westlichen Muster abweichenden, zumal angesichts eines atypischen Wahlverhaltens. Oft wurde dies abscha\u0308tzig mit einer Art \u201aDeformation durch die Diktaturerfahrung\u2018 oder einer angeblich nicht gelernten Demokratiefa\u0308higkeit begru\u0308ndet. Nur selten trat die Einsicht auf, dass fu\u0308r viele ehemalige DDR-Bu\u0308rger, besonders der ju\u0308ngsten Generation, die Erlebnisse der Wende- und Nachwendezeit mindestens genauso pra\u0308gend waren wie das zuvor gelebte Leben in der DDR. Viele ma\u00dfgebliche Erfahrungen entstanden in dieser Zeit, auch bedauerliche, wie das Minderwertigkeitsgefu\u0308hl mancher, sich als \u201aBu\u0308rger zweiter Klasse\u2018 zu fu\u0308hlen, oder negative Narrative, etwa einer sogenannten \u201aU\u0308bernahme\u2018 oder \u201aKolonisierung\u2018 durch den Westen. Weit weniger reflektiert wurden und werden gewonnene Kompetenzen aus den Transformationserfahrungen und -leistungen, die die Ostdeutschen in den 90er-Jahren erbracht haben und die sie instand setzten, einen souvera\u0308nen Blick auf die Jetztzeit zu entwickeln: allein aus der Erfahrung und dem Wissen heraus, dass die Welt keineswegs immer so war oder sein muss, wie sie gerade ist, also dass man ein Geschichtsversta\u0308ndnis von Vergangenheit und Zukunft entwickeln kann, welches u\u0308ber das hinausgeht, was Heiner Mu\u0308ller \u201edie totale Besetzung mit Gegenwart\u201c genannt hat (Mu\u0308ller 2008: 375). Deshalb ist es aufschlussreich, sich mit Wenderomanen zu bescha\u0308ftigen. Dies insbesondere im Vergleich der fru\u0308hen, aus der gelebten Erfahrung heraus entstandenen, und der heutigen, sozusagen im Modus der erlebten Erinnerung geschriebenen Literatur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a id=\"Cahlenberg\"><\/a>2. <em>Cahlenberg <\/em>\u2013 gelebte Erfahrung und Vorausahnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handlung des Romans wird aus der autodiegetischen Perspektive des Journalisten Richard Ostricharz erza\u0308hlt und spielt im Jahr 1988\/89 in der DDR. Ostricharz hat seine Stelle bei der Zeitung verloren, weil er sich u\u0308ber die erzwungene euphemistische, realita\u0308tsblinde, ja verlogene Berichterstattung echauffiert hatte (Schirmer 1994a<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>: 36, 56- 63). Ein Professor namens Sommerfeld verschafft ihm eine Doktorandenstelle, damit er eine Dissertation u\u0308ber den \u201eEinflu\u00df des Gedankenguts von Jean-Jacques Rousseau auf die Bewegung der Gru\u0308nen unter besonderer Beru\u0308cksichtigung seines Naturbegriffs\u201c schreibe. Doch anstatt dies zu tun, nutzt er seine Zeit im Lesesaal der Bibliothek, um das hier vorliegende Textkonvolut zu verfassen. Er ist Figuren-Ich (homodiegetisch) und Autor-Ich (autodiegetisch), also Erza\u0308hler, Autor und Hauptfigur in einem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Text hat zwei Ebenen. Auf der einen beschreibt er realistisch die krisenhaften Zusta\u0308nde in seinem Land und die Ereignisse, Feiern und Gespra\u0308che in seinem Freundeskreis, zu dem unter anderem geho\u0308ren: seine ihm entfremdete Frau Gisela, der Au\u00dfenhandelsvertreter Thierfelder, der zynische, dissidentische Theatermacher Clawohn und der regimetreue Birr nebst Ehefrau. Dabei zeichnet er das Bild einer Gesellschaft im Zustand der Stagnation und des Zerfalls, jedoch auch eines sich andeutenden Rumorens und mo\u0308glichen Wandels. Seine eigene Kritik und rousseauistische Erkla\u0308rung fu\u0308r das Scheitern des Sozialismus beschreibt er im Doktorandenseminar: \u201eDer Sozialismus habe den Kapitalismus nur nachgeahmt, wenngleich ho\u0308chst dilettantisch. Und ohne ihn anna\u0308hernd zu erreichen. Er habe nichts Eigenes entgegengesetzt. Er habe genausoviel Natur zersto\u0308rt wie die alte Ordnung, wenn nicht mehr\u201c (<em>CB<\/em>: 171). Seine U\u0308berlegungen gipfeln in der These,<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">die Ru\u0308ckkehr zur Natur sei zwar vielleicht nicht mo\u0308glich, aber sie sei absolut notwendig. [&#8230;] Falls die Menschheit u\u0308berleben wolle, mu\u0308sse der Fortschritt radikal verlangsamt werden, vor allem in den hochentwickelten La\u0308ndern, und eine strikte Einschra\u0308nkung des Konsums und der Bedu\u0308rfnisse sei die unabdingbare Grundvoraussetzung dafu\u0308r. (<em>CB<\/em>: 170f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen solchen \u201eNaturzustand\u201c nach Rousseau und dessen Bedu\u0308rfnistheorie malt er sich in der zweiten, fiktiven Ebene seiner Erza\u0308hlung anhand des mysterio\u0308sen Ortes (bzw. Nicht-Ortes, ou-topos) Cahlenberg aus, was Geru\u0308chten zufolge ein Aussteigerdorf im Brandenburgischen sein soll. Er stellt sich vor, wie Maria, die verschwundene Ehefrau Thierfelders, in die sowohl er als auch Clawohn verliebt sind, in dieses Dorf gezogen ist, und was sie dort fu\u0308r ein entbehrungsreiches, schlichtes, jedoch sinnstiftendes Leben fu\u0308hren mag. Die viel naheliegendere Mo\u0308glichkeit, dass sie, wie so Viele, in die Bundesrepublik ausgereist ist, erwa\u0308gt er zwar, mo\u0308chte sie jedoch nicht akzeptieren, zumal ihn ein Forschungsbesuch in Westberlin eher abschreckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vom Ich-Erza\u0308hler in elegischem Tonfall imaginierte Utopie tra\u0308gt Zu\u0308ge sowohl einer Hippiekommune als auch urchristlicher oder urkommunistischer Gemeinschaften und wird von ihm verteidigt, obwohl er um ihre Schwa\u0308chen wie Unmo\u0308glichkeiten wei\u00df: keine Medizin, keine Kinder, Konformismus und soziale Kontrolle (<em>CB<\/em>: 99): \u201eCahlenberg, sagte er, ist eine Idylle, ru\u0308ckwa\u0308rtsgewandt, fortschrittsfeindlich und praktisch undurchfu\u0308hrbar. Trotzdem, sagte ich, trotz allem.\u201c \u201eCahlenberg ist das andere. Cahlenberg ist die Sehnsucht. [&#8230;] Cahlenberg ist ein Versuch. Cahlenberg ist der letzte Versuch\u201c (<em>CB<\/em>: 55, 6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Fokus auf die Umweltproblematik und den zivilisations-, moderne- und kapitalismuskritischen Grundtenor des Romans besta\u0308tigt Schirmer die in der Literaturwissenschaft etablierte \u201eKonvergenzthese\u201c, der zufolge sich die literarischen Felder beider deutscher Staaten ab den spa\u0308ten 1970er-Jahren wieder angena\u0308hert und a\u0308hnliche Themen behandelt haben. Deshalb ist es eigentlich verwunderlich, dass die Figur Ostricharz zu dem Schluss gelangt, die westlichen Gru\u0308nen ha\u0308tten mit Rousseau und seinen Theorien, vom Antikapitalismus und der Eigentumsfrage (<em>Diskurs u\u0308ber die Ungleichheit<\/em>) bis hin zum \u201aZuru\u0308ck zur Natur\u2018 herzlich wenig zu tun, obwohl es doch realiter im o\u0308kologischen Milieu der Bundesrepublik durchaus solche Aussteigerkommunen gab. Zugleich kommentiert Schirmer eine zeitgleiche Tendenz der DDR-Literatur, den angestrebten \u201awahren\u2018 Sozialismus vom realexistierenden zu trennen und die zu bewahrende Utopie in eskapistischen, auf dem Land zuru\u0308ckgezogenen Freundeskreisen zu schildern, wofu\u0308r Christa Wolf mit <em>Sommerstu\u0308ck <\/em>und der Kommune am Skamander in <em>Kassandra <\/em>beru\u0308hmte Beispiele gab. Dieses irreale Festhalten Intellektueller an der Utopie fu\u0308hrte zu einer veritablen Entta\u0308uschung, als die Wende, an deren Spitze sie anfangs durchaus noch standen und die sie als letzte Mo\u0308glichkeit begriffen, den Sozialismus doch noch einmal neu und \u201arichtig\u2018 aufzubauen, von Seiten der Bevo\u0308lkerung rasch in eine andere Richtung, hin zur U\u0308bernahme des kapitalistischen Systems ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der im Roman ausgestellte Schreibvorgang <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und auch die subjektive Erza\u0308hlposition tragen einerseits Zu\u0308ge realistischen Erza\u0308hlens, denn Ostricharz fungiert als Chronist der sich abzeichnenden Vera\u0308nderungen \u2013 als beschleiche ihn schon eine Vorahnung, dass fu\u0308r die Nachwelt festgehalten werden mu\u0308sse, was hier an Merkwu\u0308rdigkeiten passiert. Andererseits tritt er als rein fiktionaler Erfinder der Cahlenberg-Passagen auf und problematisiert seine eigene Erza\u0308hlerfunktion (erfu\u0308llt also Merkmale unzuverla\u0308ssigen Erinnerns und somit des Erinnerungsromans laut Gansel 2010a: 28), indem er zugibt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">Da ich nur auf meine schwache Erinnerung angewiesen bin, will ich nicht den Versuch unternehmen, den Brief in Ga\u0308nze zu rekonstruieren. Ich kann nur Eindru\u0308cke wiedergeben, Bruchstu\u0308cke, und ich kann mich nicht dafu\u0308r verbu\u0308rgen, da\u00df ich nicht eigene Erfahrungen, eigene Gedanken hineinprojiziere, seit wir so ha\u0308ufig und so hitzig u\u0308ber Cahlenberg gesprochen haben. (<em>CB<\/em>: 20)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entstehungsgeschichte und das Schicksal dieses Romans sind paradigmatisch fu\u0308r die Konstruktion eines kollektiven Geda\u0308chtnisses mittels Inklusion und Exklusion von Material: Schirmer schrieb an dem Text seit Anfang der 1980er-Jahre und pra\u0308sentierte Auszu\u0308ge am 1.7.89 im Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, wo er den gro\u0308\u00dften Publikumserfolg erzielte und von der Jury das Stipendium der Verlage erhielt. Ha\u0308tte er den Roman zu dem Zeitpunkt beziehungsweise noch vor dem Wendeherbst vero\u0308ffentlicht, ha\u0308tte er sich gro\u00dfe Chancen auf einen Bestseller und perso\u0308nlichen Ruhm ausrechnen ko\u0308nnen. Doch da er es erst Ende des Jahres fertigstellte, wurde seine prophetische Vorwegnahme der Wende von den realen Ereignissen u\u0308berholt. Die zehn westdeutschen Verlage, mit denen Schirmer in Verhandlungen gewesen war, hatten plo\u0308tzlich kein Interesse mehr, und da das Verlagswesen der DDR zusammenbrach, konnte er den Text zuna\u0308chst gar nicht vero\u0308ffentlichen. Er erschien erst 1994 in einem kleinen Leipziger Verlag und wurde mit etwa 500 verkauften Exemplaren kaum wahrgenommen. Insofern wirft diese Publikationsgeschichte ein bedenkenswertes Licht auf die gesellschaftlich-politischen Kanonisierungsprozesse eines kulturellen Geda\u0308chtnisses, vor allem hinsichtlich der sich gegenseitig beeinflussenden literarischen Felder beider deutscher Staaten bis 1989, na\u0308mlich der Bevorzugung dissidentischer Texte in der Bundesrepublik wie auch der besonderen Rezeption verbotener westlicher Literatur in der DDR. Zudem stellt sich die Frage, wie viele Texte womo\u0308glich aufgrund arbitra\u0308rer, kontingenter Entstehungsumsta\u0308nde nie eine Verbreitung in der O\u0308ffentlichkeit erfuhren und von der gezielten Konstruktion eines kollektiven Geda\u0308chtnisses ausgeschlossen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a id=\"Schlehwein\"><\/a>3.<em> Schlehweins Giraffe <\/em>\u2013 Umbruchserfahrungen der (Nach-)Wendezeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Text, der alle Merkmale eines Erinnerungsromans erfu\u0308llt, spielt in Ostberlin und ist aufgeteilt in eine Rahmenhandlung beziehungsweise Basiserza\u0308hlung, die von der zweiten Jahresha\u0308lfte 1990 bis Ende 1991 reicht, und darin eingeschobene chronologische Analepsen u\u0308ber die DDR-Zeit seit den 70er-Jahren. Der namenlose, autodiegetische Ich-Erza\u0308hler, ein arbeitsloser Germanist, schildert seine vo\u0308llig vera\u0308nderten Lebensumsta\u0308nde und die seines ebenfalls in Arbeitslosigkeit gerutschten Freundeskreises, der aus prototypischen Figuren der untergegangenen DDR besteht: Da wa\u0308ren der regimetreue Bro\u0308ckle, Experte fu\u0308r Revolutionen, dessen Gewissheiten bro\u0308ckeln und dessen ju\u0308ngere Frau Lydia (mit dem Ich-Erza\u0308hler) fremdgeht; der Meteorologe Hasselblatt, der Do\u0308ner verkauft; der verbitterte Archivar Kleingrube, der sich auf die \u201aAufarbeitung der Vergangenheit\u2018 fixiert und u\u0308berall Verantwortliche sowie Mitla\u0308ufer des Systems entlarven will; der verschwundene ehemalige Dissident Schlehwein sowie Kristina, die Ex-Frau des Erza\u0308hlers, die ihn vor Einsetzen der Basiserza\u0308hlung zum dritten Mal verlassen hat \u2013 ein Verlust, der schwerer wiegt als der des Landes. Sie alle bilden ein amu\u0308santes, ironisiertes Panoptikum von Umgehensweisen des Sich-Durch-schlagens oder Sich-Anpassens an die neue Zeit, die darin gipfelt, dass ausgerechnet Bro\u0308ckle in der Lotterie gewinnt (oder vom beiseite geschafften Parteivermo\u0308gen der SED profitiert) und damit eine Kneipe namens \u201eZur Alten DDR\u201c ero\u0308ffnet \u2013 eine Vorwegnahme des spa\u0308tere Ostalgie-Pha\u0308nomens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelpunkt steht die fantastische, groteske Figur einer Giraffe, die Schlehwein vor der Schlachtung in einem abgewickelten Zoo gerettet und in der hohen Parterrewohnung seines Freundes im Prenzlauer Berg abgestellt hat. Ihr stumpfer, versta\u0308ndnisloser Blick auf ihre neue Umgebung spiegelt u\u0308berspitzt den ratlosen Blick des Erza\u0308hlers auf die neue Zeit. Sie kann auch symbolisch fu\u0308r die Ostdeutschen insgesamt stehen, die nach einem quasi geschu\u0308tzten Leben in der Umza\u0308unung nun in die Freiheit entlassen worden und einer mo\u0308glichen U\u0308berforderung ausgesetzt sind.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0Sie symbolisiert zugleich die Absurdita\u0308ten eines vo\u0308llig auf den Kopf gestellten Lebens, in dem alles mo\u0308glich scheint, selbst eine Giraffe als Haustier. (\u201eEs wundert sich keiner mehr u\u0308ber irgendwas\u201c Schirmer 1994b<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>: 29.) Da die Giraffe nach Meinung des Erza\u0308hlers angeblich sprechen und zuho\u0308ren kann, sucht er den Dialog mit ihr, doch da sie eigentlich kaum redet, gera\u0308t dieser zum Selbstgespra\u0308ch des Erza\u0308hlers, das sich in der Niederschrift der vorliegenden Geschichte niederschla\u0308gt. \u201eIch mu\u00df einfach erza\u0308hlen\u201c (<em>SchG<\/em>: 55).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies macht den fu\u0308rchterlich unambitionierten Germanisten und Kommasetzer, der zuletzt bei der SERO (VEB Kombinat Sekunda\u0308r-Rohstofferfassung) gearbeitet hatte, zu einem verhinderten Schriftsteller und damit mehr als nur a\u0308u\u00dferlich zum Alter Ego einer weiteren Figur, die als sein Doppelga\u0308nger vorgestellt wird: der Schriftsteller Ralph B. Schneiderheinze. Diese Figur ist zugleich ein Alter Ego des Autors Schirmer, der an ihr einen ironischen, selbstreferentiellen Verweis auf <em>Cahlenberg <\/em>eingebaut hat (beides gegenu\u0308ber der Verfasserin perso\u0308nlich besta\u0308tigt):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">Eine Wende musste kommen, und er wollte mit seinem Buch die Wende vorbereiten. Er schrieb und schrieb, atemlos, hektisch. Aber die Wende kam schneller, als er schreiben konnte, um die Wende vorzubereiten. Am liebsten wa\u0308re es ihm gewesen, es wa\u0308re, so sehr er die Wende auch herbeisehnte, langsamer gegangen mit ihr, damit er sie noch gebu\u0308hrend ha\u0308tte vorbereiten ko\u0308nnen mit seinem Buch. Aber ehe er auch nur andeutete, da\u00df es knisterte im Geba\u0308lk, zerfiel schon alles. [&#8230;] Es ging alles schneller, als es einer wie Ralf B. Schneiderheinze schreiben kann. Wer zu spa\u0308t kommt mit seinem Buch, den bestraft die Zeitung. (SchG: 45)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schriftsteller-Figur transportiert zudem eine gesellschaftsreflexive Referenz, indem er im Kulturhaus aus seinem neuesten Werk liest. Es handelt sich um ein Ma\u0308rchen von einem schu\u0308chternen Ma\u0308dchen aus kleinen Verha\u0308ltnissen, das von einem \u201eetwas angefetteten\u201c (<em>SchG<\/em>: 115), reichen Prinzen mit Schlo\u0308ssern und Glasperlen gelockt und gefreit wird. Doch die lieblose Ehe entpuppt sich als eine Unterwerfung und Entwu\u0308rdigung, denn die Braut verliert ihre Ehre, ihren Stolz und jeden positiven Bezug zu ihrer Vergangenheit; sie muss sich in allem dem dominanten Ehemann anpassen. Das macht sie trotzig und verbittert; schlie\u00dflich to\u0308tet sie ihn dreifach (<em>SchG<\/em>: 115f.). Die Episode la\u0308sst sich unschwer als Parabel auf die Wiedervereinigung und die wachsende Unzufriedenheit der Ostdeutschen lesen, denn das Narrativ von einer Hochzeit zwischen der armen Braut DDR und dem potenten Bra\u0308utigam BRD geisterte zu dieser Zeit tatsa\u0308chlich im o\u0308ffentlichen Diskurs herum. Schirmer kontextualisiert es jedoch nicht-affirmativ: Bei der Lesung ist niemand anwesend au\u00dfer unserem Erza\u0308hler, der Schneiderheinze bemitleidet. Zugleich wird hier das Narrativ der \u201awestlichen U\u0308bernahme\u2018 zitiert, welches auch die Giraffe bekra\u0308ftigt, die immerzu von Kolonialismus redet \u2013 doch auch dies wiederum ironisch gebrochen, denn sie kann das Wort nicht richtig aussprechen und sagt \u201eKonolialismus\u201c (<em>SchG<\/em>: 5). Auf diese Weise leistet Schirmer mit seinem Text nicht nur einen Beitrag zur Erinnerungskultur, sondern schreibt sich auf einer Metaebene auch kritisch in den Diskurs um Konstruktion und Erarbeitung eines kulturellen Geda\u0308chtnisses und gesellschaftlicher Narrative ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von besonderer Bedeutung fu\u0308r das Thema des kulturellen Geda\u0308chtnisprozesses ist Schirmers Behandlung des Mauerfalls. Es ist hochinteressant, dass ein erheblicher Teil der Wendeliteratur die Beschreibung dieses historischen Ereignisses (oder der Wende u\u0308berhaupt) ausspart und nur indirekt oder lakonisch am Rande darauf verweist. Dies la\u0308sst sich leicht mit der schieren Gro\u0308\u00dfe dieses Jahrhundertereignisses erkla\u0308ren, das sich einer Beschreibung geradezu entzieht, zumal jedes subjektive Erleben dieser Nacht nur einen Mosaikstein in der Erfahrung von Millionen darstellt und sich eine Festlegung daher verbietet. Es gibt nur wenige Ereignisse von solchem Stellenwert, vielleicht eines fu\u0308r jede Generation, erkennbar an der jeweils typischen Frage: <em>Wo warst du, als JFK erschossen wurde? Was hast du gedacht, als die Amerikaner auf dem Mond gelandet sind? Wo warst du, als die Mauer fiel? Was hast du gemacht, als die Tu\u0308rme des World Trade Centers einstu\u0308rzten? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schirmer geht mit dieser Herausforderung elegant um, indem er seinen Erza\u0308hler in doppelter Distanzierung berichten la\u0308sst: Zuna\u0308chst knapp und ironisch: \u201eKristina, die Mauer ist weg. Sie ga\u0308hnte. Und wo ist sie hin?\u201c (<em>SchG<\/em>: 73). Dann schildert er die Nacht als eine Art Traumgespinst, denn die gerade geweckte Kristina la\u0308uft in Morgenmantel und Pantoffeln mit ihm zur Mauer, und als sie erwacht, sagt sie, sie habe einen scho\u0308nen Traum gehabt. Zudem hat sie einen Pantoffel verloren, was der Sache mit dem Verweis auf Aschenputtel zusa\u0308tzlich eine ma\u0308rchenhafte Note gibt. Vor allem aber sichert sich Schirmer mit dem erza\u0308hlerischen Kniff ab, dass die urspru\u0308ngliche, erste Niederschrift seines Erza\u0308hlers von der Giraffe aufgefressen wurde:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">Es war das Beste, was ich je geschrieben habe, alles sehr plastisch und in einem scho\u0308nen, flu\u0308ssigen Stil. Aber was man einmal geschrieben hat, kann man nicht noch einmal so schreiben. Es sind die Feinheiten, die Nuancen, die nicht zu wiederholen sind. Ich kann mich nur noch schwer daran erinnern, wie ich mich erinnert habe. (<em>SchG<\/em>: 73)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So verweist Schirmer pra\u0308zise auf ein grundsa\u0308tzliches Problem des privaten wie kulturellen Erinnerns, dass na\u0308mlich mit jeder Wiederholung die urspru\u0308ngliche Erfahrung vera\u0308ndert, verfa\u0308lscht, verdichtet, um Widerspru\u0308che bereinigt und quasi wie ein Kieselstein im Wasser abgeschliffen wird zu etwas, was im schlimmsten Fall zum flachen Klischee geraten kann. Sicher ist diese Gefahr besonders gro\u00df bei Wende und Mauerfall, durch die mediale, visuelle Verarbeitung und Wiederaufbereitung in sich wiederholenden Zyklen. Wer kennt sie nicht, die immer gleichen Bilder, sie sich tief in das kulturelle Geda\u0308chtnis eingebrannt und mitunter sogar die perso\u0308nliche Erinnerung u\u0308berlagert haben: Schabowski und sein Zettel, sofort, unverzu\u0308glich; auf der Mauer jubelnde Menschen; hupende Autos auf dem Kudamm; das sta\u0308ndig wiederholte \u201aWahnsinn!\u2018, die aufgebrachte Frau, die die betreten ins Leere stierenden Grenzbeamten anschreit, \u201aich war noch nie da dru\u0308ben!\u2018 usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schirmers Erza\u0308hltechnik verweist auf alle fu\u0308nf von Astrid Erll unterschiedenen Modi der \u201eRhetorik des kollektiven Geda\u0308chtnisses\u201c (Erll 2005: 168): Den \u201eerfahrungshaftigen\u201c bedient er in der Schilderung des Nachwendealltags, der durch eingestreute Hinweise auf historische Ereignisse wie Wa\u0308hrungsreform, neue Regierung etc. authentifiziert wird, den \u201emonumentalen\u201c umschifft er angesichts des Mauerfalls, einen \u201ehistorisierenden\u201c karikiert er anhand von Bro\u0308ckles Revolutionstheorien. Den \u201eantagonistischen\u201c Modus bespielt er durch sein gesamtes Figurenpanoptikum, im Dissens des Erza\u0308hlers mit dem gutmu\u0308tigen, aber in Ost-Klischees denkenden bayerischen Onkel Alfred, der ihn nachtra\u0308glich zum Systemopfer machen will (<em>SchG<\/em>: 78-81), und schlie\u00dflich bespielhaft im Streit des Erza\u0308hlers mit Kleingrube, dessen manischer Detektivarbeit er entgegenha\u0308lt, es ha\u0308tten doch letztlich alle mehr oder weniger, jeder auf seine Weise, mitgemacht (<em>SchG<\/em>: 40, 66, 110). Einen \u201ereflexiven Modus\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, ja selbstreflexiven, erfu\u0308llt er besonders in den eben beschriebenen Schneiderheinze-Episoden. Dass dieses kleine und vergnu\u0308gliche, aber komplexe Buch in keinem Kanon vorkommt, ist unerkla\u0308rlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a id=\"Sommer\"><\/a>4. <em>Der letzte Sommer der Indianer <\/em>\u2013 verschachtelte Erinnerung an Umbruchserfahrungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Roman merkt man sofort an, dass er auf einem tatsa\u0308chlich existierenden Drehbuch basiert, denn Schirmer verwendet hier eine neue Erza\u0308hltechnik, na\u0308mlich ein multiperspektivisches Erza\u0308hlmosaik als Dokumentarfilm-Montage: Eine Gruppe Ostdeutscher erza\u0308hlt ohne jede Einfu\u0308hrung aus ihrer jeweiligen Ich-Perspektive von den ein paar Monate zuru\u0308ckliegenden Ereignissen der Wendezeit. Die Regisseurin ist eine Skandinavierin namens Gylfe Gyftel, die mit einem wohlgesonnenen ethnografischen Blick diese in ihren Augen faszinierenden Menschen studiert. Es gibt keine Basiserza\u0308hlung in der Gegenwart, sondern nur unvermittelt einsetzende \u201aspa\u0308tere Narration\u2018 im Pra\u0308teritum mit einigen proleptischen Kommentaren \u2013 und da die Geschichte ru\u0308ckblickend erza\u0308hlt\/erinnert wird, liegen zwischen den Erza\u0308hlpositionen und dem Erlebten Zeit, Erfahrung und teilweise eine bereits herausgebildete Haltung. Zudem entsteht dadurch, dass man die Geschichten fu\u0308r die Kamera \u201avorspricht\u2018, eine narrative Brechung, indem z. B. einige \u201aOssis\u2018 sich selbst und ihr DDR-Leben in Romantisierungen stilisieren oder eine gesellschaftlich erwu\u0308nschte Unterdru\u0308ckungsrhetorik bedienen (Schirmer 2005<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>: 89). Durch die Bannung auf Zelluloid (wobei noch unklar ist, ob es ein Dokumentarfilm wird oder ein fiktionaler Spielfilm; <em>SI<\/em>: 209 \u2013 auch Fragen der Deutungshoheit klingen an) ist eine Historisierung des Gezeigten dieser Geschichte unweigerlich eingeschrieben. Schirmer verweist damit auf die zunehmende Tendenz, Geschichte nicht mehr u\u0308ber Literatur, sondern u\u0308ber das Medium Film zu vermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All dies erschlie\u00dft sich jedoch nicht sofort (wenn man den Prolog nicht genau studiert), weil die Interviewten sich in Indianermontur mit entsprechenden Namen, etwa Schwellende Knospe, Alter Rabe, Pfeifender Atem, Einsamer Wolf usw., vorstellen. Erst sukzessive erkla\u0308rt sich, dass es sich um eine Gruppe von sa\u0308chsischen Freunden handelt, die in der DDR einen Indianerverein gegru\u0308ndet und jeden Sommer in Tipis, mit Pferden und allen Utensilien auf der Gru\u0308nen Aue an der Elbe verbracht und Poww-Wowws abgehalten haben. Solche Indianergruppen<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> hat es tatsa\u0308chlich gegeben; <em>Der Spiegel <\/em>nannte sie eine \u201eo\u0308koromantische Gegenbewegung zum staatlich verordneten Dasein\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugleich wird auf einer metaphorischen Ebene das Ost-West-Thema augenzwinkernd als Verteidigungskampf der Indianer gegen die Cowboys inszeniert, jedoch wieder, ohne dem mittlerweile verbreiteten \u201aKolonialismusnarrativ\u2018 zu erliegen. So beginnt der Roman mit einer ironischen Inversion dieses Narrativs, na\u0308mlich damit, dass die Indianer am Tag nach dem Mauerfall beritten und in Tracht mit gro\u00dfem Tohuwabohu in eine beschauliche Kleinstadt im Fra\u0308nkischen \u201aeinfallen\u2018, wodurch auch die Perspektive der westdeutschen Sta\u0308dte in Grenzna\u0308he, die u\u0308ber Monate hin jedes Wochenende von Busladungen und Trabant-Karawanen von Ostdeutschen \u201aheimgesucht\u2018 wurden, Erwa\u0308hnung findet. Letztlich werden kulturelle Unterschiede und Versta\u0308ndnisschwierigkeiten anhand der Metapher Rothaut vs. Wei\u00dfer Mann verhandelt, und zwar als genau die (romantisierten) Klischees, die sie sind: ,Ossis\u2018 als angeblich aus einer quasi pra\u0308zivilisatorischen Zeit stammend, unberu\u0308hrt von den Segnungen der Technik und Industrie, mit altehrwu\u0308rdigen Werten und Zusammenhalt im Stamme, ungewohnter Sprache und Gebra\u0308uchen, die ,Wessi-Cowboys\u2018 als breitbeinig auftretende, joviale, aber gutmu\u0308tige Kraftmenschen. Durch die Analogie der Westwerdung des Ostens zum Modernisierungskampf auf dem amerikanischen Kontinent wird die DDR-Zeit in eine la\u0308ngst vergangene (und verkla\u0308rte) Urzeit geru\u0308ckt. Im Mittelpunkt stehen zuna\u0308chst die Ereignisse der zweiten Zeitebene (also bereits nach der DDR-Normalita\u0308t, die kaum vorkommt) vom Herbst \u201889 bis zum Fru\u0308hjahr \u201890.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Handlungsebene dreht sich die Geschichte um ein Liebesdreieck aus dem Ehepaar Maria und Christian Osterkamp (Wahtawah und Ha\u0308uptling Gru\u0308ner Pfeil) sowie Ludwig Wesphal (Einsamer Wolf), der einst selbst zur Gruppe geho\u0308rt hatte, jedoch vor 17 Jahren u\u0308ber Nacht in die Bundesrepublik verschwunden war und nun als reicher Bierbrauer aus Mu\u0308nchen zuru\u0308ckkehrt. Der Kampf der beiden Ma\u0308nner um Maria und vor allem um die Frage, wer damals den Osterkamp-Sohn Heiner gezeugt hat, gipfelt im Sommer 1990, als wieder die Indianerfestspiele abgehalten werden, in einer High-Noon-Situation und dem Raub der Squaw (<em>SI<\/em>: 226ff.). Verscha\u0308rft wird der Konflikt noch dadurch, dass Wesphal, dessen Eltern einst das Land um die Gru\u0308ne Aue geho\u0308rt hatte und die enteignet worden waren, dieses nun zuru\u0308ckverlangt (Thema \u201aRu\u0308ckgabe vs. Entscha\u0308digung\u2018). Das ruft die ganze Indianergruppe auf den Plan und fu\u0308hrt zu einer filmreifen Verfolgungsszene, in der die \u201aApachen\u2018 auf Pferden mit wildem Geheul Wesphals wei\u00dfen Mercedes verfolgen, live gefilmt von Gyftels Team.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erza\u0308hlebene zu dieser dritten erza\u0308hlten Zeit ist hier bereits eine vierte Zeitebene (nach DDR- und Wendezeit sowie Sommer 90), denn der zweite Teil des Textes, der Bericht u\u0308ber die Dreharbeiten, wird in der dritten Person erza\u0308hlt aus der halb heterodiegetischen, jedoch nicht auktorialen Beobachterperspektive der Filmemacherin, die erst die ihr vermittelten Erza\u0308hlungen wiedergibt und anschlie\u00dfend aus einer homodiegetischen Perspektive die dramatischen Ereignisse wa\u0308hrend des Filmdrehs schildert, bei denen sie in teilnehmender Beobachtung anwesend war. Leider geht das Filmmaterial dazu auf mysterio\u0308se Weise verloren \u2013 und damit auch die Live-Bilder, die eine authentische Wiedergabe des Sommerkampfes um das Land geliefert ha\u0308tten \u2013 wir mu\u0308ssen mit dem nachtra\u0308glichen Bericht der Filmemacherin vorliebnehmen, von dem wir nicht wissen, in welcher Zeit und wem eigentlich sie erza\u0308hlt werden. Ein Film ist nie entstanden.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Dieser komplexen narrativen Auffa\u0308cherung fu\u0308gt ein Epilog noch eine fu\u0308nfte Ebene hinzu:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">Es waren einige Jahre vergangen, die Indianer erza\u0308hlten immer noch. Wenn sie sich zufa\u0308llig auf der Stra\u00dfe trafen oder im Supermarkt, raunten sie sich die alten Geschichten zu. Oder wenn sie in den Kneipen sa\u00dfen und das Wesphal-Bier tranken, das seit einiger Zeit auch in diesen Breiten gebraut wurde, schwelgten sie in ihren Erinnerungen. [&#8230;] Sie konnten das alles nicht vergessen. Manchmal genu\u0308gte ein einziges Wort, und sie brachen in Gela\u0308chter aus. Sie lachten Tra\u0308nen. (<em>SI<\/em>: 252)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hier angedeutete verso\u0308hnliche Auflo\u0308sung und ironische Brechung wird noch auf die Spitze getrieben durch das entstandene Gewerbegebiet auf dem einst umka\u0308mpften Land (in der Realita\u0308t nannte man es in diesen Jahren \u201aauf der gru\u0308nen Wiese\u2018 gebaut). Hier hat neben \u201eTeppich-Paradies\u201c und \u201eSchuh-Paradies\u201c ein folkloristisches \u201eIndianer-Paradies\u201c ero\u0308ffnet, in welchem die ehemaligen DDR-Indianer fu\u0308r zahlendes Publikum gelegentlich ihre Kunststu\u0308cke zum Besten geben und sogar die \u201eSchlacht an der Gru\u0308nen Aue\u201c nachspielen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Bernd Schirmer hat also mit diesem Werk und dem Abstand von fast 15 Jahren eine weitere Stufe kollektiver Geda\u0308chtnisbildung und ihrer Kommentierung erreicht, in einem Modus, der in Erlls Auflistung gar nicht recht erfasst ist: sicher ein \u201ereflexiver\u201c Modus, aber zudem ein ironisierender, Mythen- und Legendenbildung kommentierender und zugleich weiterspinnender; im Prinzip ein Meta-Roman.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a id=\"Silberblick\"><\/a>5. <em>Silberblick <\/em>\u2013 gelebte Erinnerung und abschlie\u00dfender Ru\u0308ckblick<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Roman wird bei dem homodiegetischen Ich-Erza\u0308hler Josef Birnbaum durch ein ungewo\u0308hnliches Ereignis \u2013 er glaubt, seine la\u0308ngst verstorbene Jugendliebe Anna gesehen zu haben \u2013 ein Erinnerungsprozess angeregt. Lange verdra\u0308ngte, traumatische Ereignisse werden aus dem Speichergeda\u0308chtnis ins Funktionsgeda\u0308chtnis zuru\u0308ckgeholt. Die Basiserza\u0308hlung im vereinten Deutschland, in der er alte Freunde aufsucht und Andenken aus Zigarrenkisten und Schuhkartons ausgra\u0308bt, ist klein gehalten im Vergleich zu den dadurch ausgelo\u0308sten langen, chronologischen Erinnerungen von der Jugendzeit in den 60er-Jahren, als die Protagonisten in Leipzig Germanistik bzw. Romanistik oder Jura studiert hatten, bis 1990.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anna ist franzo\u0308sischer Abstammung, hat einen leichten Silberblick und gibt den drei gleicherma\u00dfen in sie verliebten Freunden Schlotheim, Clausberger und Birnbaum Franzo\u0308sischunterricht. Alle tra\u0308umen von Paris, was halb ein Ausbruchswunsch und halb eine Liebesvision ist. Doch nur Clausberger ist wirklich entschlossen, die DDR zu verlassen; er ergreift im Urlaub in Bulgarien die Chance zur Flucht und la\u0308sst seine Freunde zuru\u0308ck. Seitdem geht es auf dem Lebensweg des Protagonisten, vom Lehrer in einem Kaff im Oderbruch u\u0308ber eine Stelle beim ideologisch kontrollierten Radio in Berlin, eigentlich immer darum, wie weit er bereit ist, sich anzupassen an das bis ins Detail politisch u\u0308berformte Lebensmodell und wieviel Freira\u0308ume er sich erhalten kann. Sein Freund Schlotheim stellt sich zunehmend gegen den Staat, wird als Lehrer entlassen und zur Strafe zur sogenannten \u201aBewa\u0308hrung in der Produktion\u2018 geschickt. Der hochrangige Funktiona\u0308r Klawitter wird der neue dritte Freund und beider Vorgesetzter beim Radio. So ru\u0308ckt das Thema von Schillers <em>Bu\u0308rgschaft<\/em>, die Freundschaft, inwiefern sie unter Druck bestehen, ob sie Vorrang vor tiefgreifenden ideologischen Differenzen haben kann, ins Zentrum des Romans. Doch sind die politischen Auseinandersetzungen nie aufgesetzt, sondern organisch eingeflochten in die Beschreibung dessen, was man ein ganz normales Leben nennen ko\u0308nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Gespra\u0308chen mit dem besten Freund seines im Krieg gefallenen Vaters wiederum gra\u0308bt sich Birnbaum sukzessive in noch tiefere Schichten von Vergangenheit hinein. Er erfa\u0308hrt, wie sein Vater im Dritten Reich widerwillig, aber widerstandslos mitgelaufen war, jedoch am Ende sich verweigert hatte und wegen eines Desertionsversuchs an der Front erschossen worden war. Der Vergleich mit seinem eigenen Opportunismus dra\u0308ngt sich Birnbaum auf. Auch die komplexe Familiengeschichte Annas wird von ihm aufgekla\u0308rt, als sie bereits im Sterben liegt. Ihr Sterbensprozess im Wendeherbst ha\u0308lt ihn da- von ab, die Ereignisse mehr als beila\u0308ufig zu verfolgen; ihr Tod verga\u0308llt ihm jede Freude an der O\u0308ffnung seines Landes. So werden viele Wendeereignisse erwa\u0308hnt, der Mauerfall selbst jedoch ausgespart. Birnbaum beginnt zu schreiben (Schirmer 2017<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>: 301), vordergru\u0308ndig wieder eine Doktorarbeit, vielleicht aber auch bereits seine Lebensgeschichte. Er schildert die Umbru\u0308che und Abwicklungen beim Radiosender, in deren Folge Schlotheim zum Ho\u0308rspiel-Archivar degradiert wird und er zum Bibliothekar, der missliebige Bu\u0308cher aussortieren muss. Der Ton wird ungewohnt bitter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">Ich komme nicht zurecht damit, dass auf einmal alles ganz anders gesehen wird. Und dass die Meinungen u\u0308ber Nacht ganz andere geworden sind. Kein Stein steht mehr auf dem anderen, und keine Gewissheit ist geblieben. Und neuerdings vergreift man sich sogar an der Geschichte und deutet sie neu. Mich wundert, dass dich das wundert, versetzte ich, das ist nun mal der tiefere und eigentliche Sinn der Geschichte: dass die Geschichte sta\u0308ndig und immer wieder umgeschrieben wird. (<em>SB<\/em>: 415)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin beschwert sich der Erza\u0308hler: Au\u00dferdem \u201eging uns gegen den Strich, dass uns immerzu eingeredet wurde, dass wir nicht richtig gelebt ha\u0308tten. Wir fanden die philosophische Sentenz \u201a<em>Es gibt kein richtiges Leben im falschen<\/em>\u2018 eine grobe Verallgemeinerung\u201c (<em>SB<\/em>: 441f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Roman unterscheidet sich grundlegend von den vorherigen. Er ist nicht nur viel la\u0308nger und umfasst einen la\u0308ngeren Zeitraum erza\u0308hlter bzw. erinnerter Zeit, vom Zweiten Weltkrieg bis 1990, sondern spielt auch erstmals wieder fast ausschlie\u00dflich in der DDR. Die denkbar knappe Rahmenhandlung ist buchsta\u0308blich eine Erza\u0308hlklammer: Der kurze Einstieg entha\u0308lt die den Erinnerungsprozess ansto\u00dfende Begegnung mit der toten Anna gleich nach einer Frankreichfahrt von 1990, und im Nachtrag wird diese Fahrt beschrieben und das Auftauchen Annas wiederholt. Mehrere Mini-Einschu\u0308be u\u0308ber aufgefundene Memorabilien liefern stets nur den Anlass fu\u0308r weiteres Eintauchen in die Vergangenheit. Die sonst fu\u0308r Schirmer typische u\u0308berscha\u0308umende Ironie und sein bu\u0308bischer Humor sind stark zuru\u0308ckgenommen und dunkler eingefa\u0308rbt. Auch verzichtet er auf die hier erla\u0308uterten komplexen, diskursreflexiven oder ironisch kommentierenden Erza\u0308hltechniken. Stattdessen legt er eine auf den Kern des Menschlichen konzentrierte, melancholische, introspektive Analyse eines gelebten Lebens vor, die alle Merkmale eines Erinnerungsromans (und teilweise des Schelmen- oder Entwicklungsromans) sowie den reflexiven Abstand eines altersweisen Ru\u0308ckblicks aufweist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a id=\"Ueberblick\"><\/a>6. U\u0308berblick, Vergleich und Schlussbemerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u0308\u00dfte Gemeinsamkeit der vier Romane besteht darin, dass sie im Kern zugleich Liebesgeschichten sind und ein Topos der \u201aFrau als Utopie\u2018 zu existieren scheint. Immer korrespondiert das Gelingen oder Scheitern der Liebesgeschichte, also ein glu\u0308ckliches Privatleben, mit dem Gelingen gesellschaftlichen Lebens: In <em>Cahlenberg <\/em>wird die Ausreisewelle von 1988-89 vom Erza\u0308hler romantisch-fantastisch verkla\u0308rt zu einer Ru\u0308ckkehr in die Natur, in deren Mittelpunkt nicht zufa\u0308llig die verehrte Frau mit dem biblischen Namen Maria steht. Mit dem Scheitern des Staates koinzidieren die gescheiterten Ehen Thierfelders und Ostricharz\u2018, und die Utopie, die letzterer sich ausmalt, entha\u0308lt als Neuanfang auch eine fantasierte Beziehung mit Maria.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <em>Schlehweins Giraffe <\/em>gibt es drei Beziehungsphasen zwischen Kristina und dem Erza\u0308hler: die erste, mit siebenja\u0308hriger Ehe von etwa Mitte der 70er-Jahre bis Anfang der 80er \u2013 eine Zeit, in die die DDR wirtschaftlich aufgestiegen war und auf einem guten Weg schien, die zweite Ehe von drei Jahren in den 80ern \u2013 als Stagnation und Probleme sichtbarer wurden, und eine \u201ewilde Ehe\u201c im Wendeherbst, wo sie sich wiedertrafen und ihre glu\u0308cklichste, freieste Zeit erlebten, sich auf Parkba\u0308nken liebten und Tra\u0308ume hatten \u2013 so wurde diese Zeit auch vom gesellschaftlichen Klima her von Vielen empfunden. Der Ru\u0308ckschlag 1990 erfolgt dann, indem der Erza\u0308hler arbeitslos und verlassen wird, doch am Ende (Winter 1991) kehrt Kristina zu ihm zuru\u0308ck, und sie blicken vorsichtig optimistisch in eine vo\u0308llig offene Zukunft, in die sie die Giraffe (Vergangenheit) jedoch mitnehmen mu\u0308ssen (\u201edie werden wir nie wieder los\u201c; <em>SchG<\/em>: 123).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der letzte Sommer der Indianer <\/em>verhandelt den Ost-West-Konflikt in Form eines Hahnenkampfes, bei dem das Ehepaar am Ende zusammenbleibt, der Sohn von einem dritten Mann stammt (einem echten Indianer, der 1973 auf den Weltfestspielen in Ostberlin zu Besuch war), also keinem der beiden Rivalen \u201ageho\u0308rt\u2018. Auch erhalten weder die Indianer noch der Westcowboy das Land, und der gesellschaftliche Konflikt wird letztlich in einem komo\u0308dienhaften Happy End verso\u0308hnlich aufgelo\u0308st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unerfu\u0308llte Liebe des Protagonisten in <em>Silberblick<\/em>, der nie genug um Anna ka\u0308mpft, sodass er sie nacheinander an beide Freunde verliert, gleicht seinem gleicherma\u00dfen unerfu\u0308llten und unentschlossenen Lebensweg im System \u2013 die nie erreichte (politischkulturelle) Utopie des fernen Frankreich entspricht der unerreichten Beziehung mit der begehrten Frau. Annas Wunsch, einmal das Land ihres Vaters zu sehen, erfu\u0308llt sich nicht; sie erkrankt 1989 an Leuka\u0308mie und stirbt zusammen mit der DDR am 9. November. Das einzige fantastische Element dieses ansonsten realistischen Romans ist die unlogische Theorie, dass Anna plo\u0308tzlich wiederaufgetaucht sei (es kann sich um eine ihr a\u0308hnlich sehende Verwandte aus Rothenburg ob der Tauber handeln). Ihr titelgebender Silberblick wird zur Metapher fu\u0308r eine Sicht aufs Leben:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\">Manchmal denke ich, wir alle haben einen leichten Silberblick. Wir blicken nie nur geradeaus, sondern immer auch etwas zur Seite, zumindest mit einem Auge, mit dem linken oder rechten, wir blicken, keck oder vertra\u0308umt oder unersa\u0308ttlich, nach etwas anderem, nach einer anderen Mo\u0308glichkeit, nach einem anderen Land. (<em>SB<\/em>: 444)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All dies unterstreicht, dass Schirmer (in bester Tradition der DDR-Literatur) immer wieder die Parallelen und Gegenla\u0308ufigkeiten von privatem und gesellschaftlichen Leben ausmisst. Es wurde in diesem Artikel aufgezeigt, wie er hierfu\u0308r im Laufe der Zeit die Handlungsrahmen seiner Romane zunehmend erweitert und tiefer in die Vergangenheit ausgreift sowie die gelebte Erfahrung zunehmend der (nachgeholten, ausgegrabenen) Erinnerung weicht. Jeder Text weist eine spezifische komplexe narrative Struktur auf, und in jedem wird der Schreib- bzw. Erza\u0308hlvorgang thematisiert (im Falle von <em>Der letzte Sommer der Indianer <\/em>der filmische Darstellungsmodus). Auf die Frage nach dem \u201eZusammenhang [&#8230;] zwischen Erinnern und Schreiben\u201c, antwortete Schirmer: \u201eFu\u0308r mich perso\u0308nlich ergibt sich dieser Zusammenhang dadurch, dass ich mir u\u0308ber manche Dinge beim Schreiben erst klar werde. Daru\u0308ber hinaus kann ein literarischer Text auch eine Vergewisserung fu\u0308r diejenigen sein, die die geschilderte Zeit miterlebt haben, indem sie diese Zeit noch mal reflektiert oder widergespiegelt finden. In diesem Sinn ist der Text ein Medium kollektiver Erinnerung\u201c (Gansel 2015: 275).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei verfolgt er jedoch nicht die Strategie mancher Texte, \u201eganz spezifische Geda\u0308chtniskonstellationen mit entsprechenden Wertungen fu\u0308r das \u201akollektive Bewusstsein\u2018 zur Verfu\u0308gung zu stellen und auf diese Weise zur Stabilisierung von konkreten Vergangenheitsdeutungen und Identita\u0308tskonzepten beizutragen\u201c (Maldonado-Alema\u0301n &amp; Gansel 2018: 1). Vielmehr wirken sie \u201edagegen subversiv und stellen sowohl hegemoniale Erinnerungen als auch u\u0308berkommene Wirklichkeits- und Vergangenheitsversionen in Frage\u201c (ebd.). Sie bedienen weder das \u201eDiktaturgeda\u0308chtnis\u201c mit seinen Schwarz-Wei\u00df-Linien noch einseitig (ho\u0308chstens in Teilen) das am Versuch einer besseren Gesellschaft festhaltende \u201eFortschrittsgeda\u0308chtnis\u201c, vielleicht am ehesten das \u201eArrangementgeda\u0308chtnis\u201c (die Rede vom richtigen Leben im falschen in Frage stellend) (Sabrow 2009: 18f.). Schirmer positioniert sich da, wo Literatur am besten steht: hinter, zwischen, u\u0308ber allen Linien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bibliographie <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erll, Astrid; Gymnich, Marion; Nu\u0308nning, Ansgar (Hrsg.) (2003) <em>Literatur \u2013 Erinnerung \u2013 Identita\u0308t. Theoriekonzeptionen und Fallstudien. <\/em>Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erll, Astrid; Nu\u0308nning, Ansgar (Hrsg.) (2005) <em>Geda\u0308chtniskonzepte der Literaturwissenschaft. Theoretische Grundlegung und Anwendungsperspektiven<\/em>. Berlin &amp; New York: Walter de Gruyter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erll, Astrid (2005) <em>Kollektives Geda\u0308chtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einfu\u0308hrung. <\/em>Stuttgart: J. B. Metzler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gansel, Carsten; Zimniak, Pawel (Hrsg.) (2010) <em>Das \u201ePrinzip Erinnerung\u201c in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nach 1989<\/em>. Go\u0308ttingen: V &amp; R unipress.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gansel, Carsten (2010a) Vorbemerkung. In: Gansel; Zimniak (2010) <em>Prinzip Erinnerung<\/em>, 11-15.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gansel, Carsten (2010b) Formen der Erinnerung in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nach 1989. In: Gansel; Zimniak (2010) <em>Prinzip Erinnerung<\/em>, 19-35.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gansel, Carsten (2015) \u201e\u201aIch war zu spa\u0308t dran.\u2018 Gespra\u0308ch mit Bernd Schirmer.\u201c In: Carsten Gansel (Hrsg.) <em>Literatur im Dialog. Gespra\u0308che mit Autorinnen und Autoren 1989-2014<\/em>. Berlin: Verbrecher Verlag, 267-278.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grub, Frank Thomas (2003) <em>\u201aWende\u2018 und \u201aEinheit\u2018 im Spiegel der deutschsprachigen Literatur. Ein Handbuch. <\/em>Berlin &amp; New York: Walter de Gruyter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maldonado-Alema\u0301n, Manuel; Gansel, Carsten (Hrsg.) (2018) <em>Literarische Inszenierungen von Geschichte. Formen der Erinnerung in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 und 1989. <\/em>Stuttgart &amp; Wiesbaden: J. B. Metzler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maldonado-Alema\u0301n, Manuel; Gansel, Carsten (2018) Geschichte erinnern. Zur Inszenierung von Vergangenheit in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 und 1989 \u2013 Vorbemerkungen. In: Maldonado-Alema\u0301n; Gansel (2018) <em>Literarische Inszenierungen<\/em>, 1-8.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mu\u0308ller, Heiner (2008): Heiner Mu\u0308ller, warum zu\u0308nden Sie keine Kaufha\u0308user an? Interview mit Patrik Landolt und Willi Ha\u0308ndler. In: Ho\u0308rnigk, Frank (Hrsg.) <em>Heiner Mu\u0308ller. Werke 11. Gespra\u0308che 2<\/em>. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 371-385.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sabrow, Martin (2009): Die DDR erinnern. In: Sabrow, Martin (Hrsg.) <em>Erinnerungsorte der DDR. <\/em>Mu\u0308nchen: Beck, 11-27.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schirmer, Bernd (1994a) <em>Cahlenberg. <\/em>Roman. Leipzig: Connewitzer Verlagsbuchhandlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schirmer, Bernd (1994b) <em>Schlehweins Giraffe. <\/em>Roman. Frankfurt\/Main: Fischer Taschenbuch Verlag. Erstausgabe (1992): Frankfurt\/Main: Eichborn Verlag. Letzte Ausgabe (2000): Berlin: Edition Schwarzdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schirmer, Bernd (2005) <em>Der letzte Sommer der Indianer. <\/em>Roman. Berlin: Eulenspiegel V erlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schirmer, Bernd (2017) <em>Silberblick. <\/em>Roman. Leipzig: Connewitzer Verlagsbuchhandlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wensierski, Peter (2008): Der Wilde Westen der DDR. <em>Der Spiegel <\/em>2.7.2008. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/rothaeute-im-sozialismus-a-947165.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/rothaeute-im-sozialismus-a-947165.html<\/a>, eingesehen am 7.11.2020.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Frank Thomas Grub schla\u0308gt in seinem zweiba\u0308ndigen U\u0308berblickswerk \u201a<em>Wende<\/em>\u2018 <em>und <\/em>\u201a<em>Einheit<\/em>\u2018 <em>im Spiegel der deutschsprachigen Literatur <\/em>fu\u0308nf Aspekte von Wendeliteratur vor: 1. Der thematisch-stoffliche Bezug zur \u201aWende\u2018 [wobei er bemerkt, dass \u201edie Herbstereignisse des Jahres 1989 und die Vereinigung beider deutscher Staaten\u201c oft \u201elediglich die Voraussetzung beispielsweise fu\u0308r eine Romanhandlung\u201c darstellen (Grub 2003: 72); JL]; 2. \u201aWendeliteratur\u2018 im Sinne von Literatur, die erst nach dem Wegfall von Publikationsbeschra\u0308nkungen (Zensur, Selbstzensur usw.) erscheinen durfte; 3. im Sinne von Texten, die das Leben in Deutschland vor und nach der \u201aWende\u2018 aus der Perspektive der Nachwendezeit reflektieren; 4. im Sinne von dokumentarischen Texten, deren Publikation durch das Ende der DDR erst mo\u0308glich wurde, sowie Forschungsberichte u\u0308ber die DDR und Teilbereiche des Lebens in der DDR; 5. im Sinne von vor 1989 geschriebener Literatur, die die \u201aWende\u2018, etwa durch die explizite oder implizite Thematisierung von Misssta\u0308nden in der DDR, \u201avorbereitete\u2018 (Grub 2003: 72- 84). In diesem Aufsatz werden unter \u201eWendeliteratur im engeren Sinne\u201c die Varianten 1. und 3. verstanden (wobei <em>Cahlenberg <\/em>zur Variante 5. passt), aber interessanterweise bietet Grub fu\u0308r die Variante 3 die ku\u0308rzeste Definition an, na\u0308mlich im Wesentlichen die sich ha\u0308ufenden Autobiografien \u2013 was darauf hinweist, dass die Zahl von Texten, die tatsa\u0308chlich die Wendezeit konkret erza\u0308hlend, etwa in Romanform, beschreiben, geringer ist, als man denken mag. Hier werden mit dem Begriff \u201eWenderoman (im engeren Sinne)\u201c genau solche Texte bezeichnet, in Abgrenzung von Protokoll- und Tagebuchliteratur oder Autobiografien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Nachfolgend mit der Sigle <em>CB <\/em>abgeku\u0308rzt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dies ist ein Merkmal, das viele Wenderomane im engeren Sinne auszeichnet, etwa Jens Wonnebergers <em>Wiesinger <\/em>oder Hensels <em>Tanz am Kanal<\/em>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> So ist beispielsweise der Erza\u0308hler nach seiner Entlassung ins verregnete Kopenhagen gefahren, hat sich dort jedoch nur in einer Kneipe betrunken und ist ergebnislos und entta\u0308uscht wieder zuru\u0308ckgekehrt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Nachfolgend mit der Sigle <em>SchG <\/em>abgeku\u0308rzt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u201eReflexive Modi der Rhetorik des kollektiven Geda\u0308chtnisses ermo\u0308glichen der Leserschaft die Beobachtung von Erinnerungskultur und damit auch ein kritisches Hinterfragen der Selektionsmechanismen, der Produktion, Kontinuierung, Manipulation und politischen Funktionalisierung kollektiver Geda\u0308chtnisse.\u201c (Erll 2005: 188)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Nachfolgend mit der Sigle <em>SI <\/em>abgeku\u0308rzt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> In U\u0308bereinstimmung mit dem Roman wird hier das Wort \u201eIndianer\u201c und nicht \u201eamerika- nische Ureinwohner\u201c verwendet, da der hier aufgerufene Mythos \u201eCowboys und Indianer\u201c ja ein historischer ist nicht nachtra\u0308glich durch heutigen Sprachgebrauch korrigiert werden kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u201eDie Sehnsucht nach der Ferne, sagt Fischer, habe die DDR-Bu\u0308rger getrieben, \u201anach einem anderen Leben, frei und wild und ungebunden in einem Land, in dem das Leben bis zur Rente eigentlich feststand.\u2018 Die Indianerszene bot den Ost-Aussteigern im Sozialismus einen kulturellen Freiraum. Wenn man schon nicht in die weite Welt reisen konnte, wollte man sich diese wenigstens zu Hause schaffen.\u201c (Wensierski 2008)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u201eSchade drum. Es ha\u0308tte ein guter Dokumentarfilm werden ko\u0308nnen. Also kaprizierte ich mich auf das fiktive Genre. Aber einen Spielfilm wollte auch niemand. Es gebe eh schon genug Indianerfilme.\u201c (<em>SI<\/em>: 251) Hiermit kommentiert Schirmer wieder seine eigene Lage, denn sein Drehbuch wurde von Film und Fernsehen abgelehnt, sodass er es schlie\u00dflich zu einem Roman umschrieb.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Auch dies gibt es in der Realita\u0308t: \u201eOstdeutschland wird wieder zum Reservat [&#8230;]. Bei Templin ero\u0308ffneten sie ein profitables Westernland namens \u201aEldorado\u2018, mit Stuntmanshows und Schie\u00dfereien nach festem Zeitplan.\u201c (Wensierski 2008)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Nachfolgend mit der Sigle <em>SB <\/em>abgeku\u0308rzt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ludwig, Janine: \u201eVon der Erfahrung zur Erinnerung \u2013 Wenderomane im Wandel.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a id=\"original\"><\/a>Erstver\u00f6ffentlichung in: <em>GFL (German as a Foreign Language)<\/em> No. 1\/2021, S. 68-86. <a href=\"http:\/\/www.gfl-journal.de\/Issue_1_2021.php\">http:\/\/www.gfl-journal.de\/Issue_1_2021.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Janine Ludwig (reprint) &nbsp; Bernd Schirmer hat im Laufe eines Vierteljahrhunderts mehrere Wenderomane verfasst: In den 1980er-Jahren schrieb er Cahlenberg (1994), 1992 in kurzer Zeit Schlehweins Giraffe, in den 2000er-Jahren Der letzte Sommer der Indianer (2005) und dann zehn Jahre lang an dem vorerst letzten: Silberblick (2017). 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