{"id":8529,"date":"2024-11-08T02:44:47","date_gmt":"2024-11-08T07:44:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?page_id=8529"},"modified":"2024-11-08T03:39:02","modified_gmt":"2024-11-08T08:39:02","slug":"viele-ostalgien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/glossen-51-current-issue\/viele-ostalgien\/","title":{"rendered":"Viele Ostalgien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kontext f\u00fcr den Wende-Reader<\/strong><br \/>\nvon Janine Ludwig<\/p>\n<p>Der Begriff \u201eOstalgie\u201c geht wohl auf den s\u00e4chsischen Kabarettisten Uwe Steimle zur\u00fcck, der 1992 ein B\u00fchnenprogramm so benannte und, so hei\u00dft es, sich das Wort sogar patentieren lie\u00df. Die Idee einer \u201eNostalgie f\u00fcr den Osten\u201c gab es also schon fr\u00fch. Dennoch erfuhr es in diesen Jahren noch keine gro\u00dfe Verbreitung oder \u00fcberregionale mediale Pr\u00e4senz, sondern entwickelte sich eher in kleineren, lokaleren Formen. Zu diesen geh\u00f6rten neben ostdeutschen Kabarettprogrammen, neuen Museen oder vereinzelten Verkaufsstellen f\u00fcr Ostprodukte auch die von 1994 bis 1999 von dem Th\u00fcringer Ralf Heckel als Retro-Partys in Berlin veranstalteten \u201eOstalgie-N\u00e4chte\u201c mit ein paar tausend jungen Besuchern. Die Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburg-Platz brachte 1994 den gro\u00dfen Schriftzug OST auf ihrem Dach an und wurde unter der Intendanz von Frank Castorf zu einem Pilgerort f\u00fcr ein meist junges, west- und kapitalismuskritisches Publikum aus Ost und West.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre erschienen einige Romane \u2013 die sich von den hier in unserem Wende-Reader vorgestellten vier Werken meist deutlich unterscheiden: 1995 Thomas Brussigs erfolgreiche Satire<em> Helden wie wir<\/em>, deren Protagonist behauptet, die Mauer mit seinem Penis zum Einsturz gebracht zu haben. Sie wurde 1999 verfilmt \u2013 ebenso wie <em>Der Zimmerspringbrunnen<\/em> (2001) \u2013 beide recht erfolglos. Deutlich besser erging es Brussigs ostalgischem Adoleszenzroman <em>Am k\u00fcrzeren Ende der Sonnenallee<\/em> (1999), der zeitgleich als Filmadaption <em>Sonnenallee <\/em>erschien und f\u00fcr den er beim Drehbuch mit Detlev Buck und Leander Hau\u00dfmann kooperierte. Die Kom\u00f6die mit (prominentem) Soundtrack um den Ost-Teenager Micha, der seine Angebetete damit zu beeindrucken versucht, dass er sich in gef\u00e4lschten Tageb\u00fcchern eine Dissidentenbiografie ertr\u00e4umt, war kommerziell in Deutschland sehr erfolgreich, jedoch nicht international. Gleiches gilt f\u00fcr das \u00fcberraschende Regiedeb\u00fct des Filmhochschulabsolventen Hannes St\u00f6hr, <em>Berlin is in Germany<\/em> (2001). In dieser Tragikom\u00f6die verk\u00f6rpert der beliebte Schauspieler J\u00f6rg Sch\u00fcttauf den Antihelden Martin, der die Wende im Gef\u00e4ngnis verpasst hat und sich bei seiner Entlassung nicht in dem neuen Land zurechtfindet.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Konstellation also wie in der Kom\u00f6die <em>Good Bye, Lenin!<\/em> (2003), die zun\u00e4chst vom deutschen Feuilleton fast einhellig verrissen wurde, jedoch enorme Einspielergebnisse, vor allem in deutschen, aber auch internationalen Kinos erzielte und mit dem Thema Ostalgie Zuschauer wie Kritiker in den verschiedensten L\u00e4ndern begeisterte. Dem Publikumszuspruch folgten diverse Preise, vom Deutschen und Europ\u00e4ischen Filmpreis bis hin zu einer Golden-Globe-Nominierung als Bester ausl\u00e4ndischer Film. In diesem Film versucht der junge Alex, f\u00fcr seine kranke Mutter, die die Wende im Koma verpasst hat, die Illusion der eigentlich untergegangenen DDR aufrechtzuerhalten, indem er ihr vorspielt, alles sei noch da und wie zuvor; ja er \u201averbessert\u2018 das Land sogar in seinen Fake News, in denen Westdeutsche in den Osten \u00fcbersiedeln wollen. Am Ende wird deutlich, dass er dies alles unbewusst mehr f\u00fcr sich selbst tat als f\u00fcr die Mutter, weil ihm der Abschied von der Utopie des Sozialismus schwerfiel.<\/p>\n<p>Unsere hier vorgestellten Romane stehen also am Anfang einer mehrj\u00e4hrigen Entwicklung des Ostalgie-Themas in Literatur und Film, bei dem die erfolgreichen Exemplare interessanterweise alle der Gattung Kom\u00f6die angeh\u00f6ren. Das Thema gewann zunehmend an Beliebtheit und kulminierte genau am Beginn des neuen Millenniums. Den H\u00f6hepunkt der Ostalgiewelle stellten die Jahre 2002\/2003 dar. Im Sp\u00e4tsommer\/Herbst 2002 l\u00f6ste das im September erschienene Bestseller-Sachbuch <em>Zonenkinder <\/em>von Jana Hensel eine intensive Diskussion im \u00fcberregionalen Feuilleton aus. Im Februar 2003, auf der Berlinale, deb\u00fctierte <em>Good Bye, Lenin!<\/em>, und im Sommer desselben Jahres wurden mehrere \u201eOstalgie-Shows\u201c in allen gro\u00dfen Fernsehsendern des Landes mit hohen Quoten<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> ausgestrahlt \u2013 ein hochumstrittenes Medienereignis.<\/p>\n<p>All diese Beispiele werden kurz erl\u00e4utert, um folgende Fragen zu beantworten: Wie und wieso entwickelte sich das Ostalgie-Ph\u00e4nomen in genau diesem zeitlichen Ablauf? Was f\u00fcr Formen und Aspekte von Ostalgie differenzierten sich aus: politisch, soziologisch oder kulturell, unterschieden in Alltags-, Pop- und Erinnerungskultur? Inwiefern steht dies im Zusammenhang mit Erinnerung, Vergangenheit und ihrer Bew\u00e4ltigung sowie Identit\u00e4t(-ssuche)?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeitliche Einordnung \u2013 Entwicklungsstadien<\/strong><\/p>\n<p>Grob vereinfachend kann man \u00fcberschlagen: Die vier in diesem Wendereader vorgestellten Romane sind Wenderomane im engeren Sinne, denn sie thematisieren die Umbr\u00fcche in Ostdeutschland w\u00e4hrend und nach der Wende und der Wiedervereinigung. Sie spielen alle in der Jetztzeit ihres Erscheinens, den fr\u00fchen 1990er-Jahren, und handeln von den Schwierigkeiten des Umbruchs und des Sich-Zurechtfindens in einer neuen Zeit und einem neuen Land. Damit sind sie zugleich Zeitdokumente und Wissensspeicher (siehe den Aufsatz von Uwe Sp\u00f6rl). Die DDR und das Leben in ihr erscheinen in R\u00fcckblenden im Vorher-Nachher-Vergleich \u2013 am wenigsten bei Sparschuh, am ausf\u00fchrlichsten in <em>Wiesinger<\/em>. Allen ist gemein, dass sie, verschieden in Form und Ausma\u00df, das Schreiben, Aufschreiben, Reflektieren und Festhalten der Erinnerung thematisieren und dramaturgisch in die Erz\u00e4hlstruktur einweben \u2013 was ihren Anspruch und ihre \u00e4sthetische Qualit\u00e4t \u00fcber den Durchschnitt erhebt. In gewisser Weise lie\u00dfe sich auch Brussigs <em>Helden wie wir<\/em> noch hier anschlie\u00dfen, insofern er die Entstehung des Mauerfalls herleitet und schildert. Dieser H\u00f6hepunkt des Wendeherbstes wird von den vier hier besprochenen Romanen ausgespart oder auf einer anderen, einer Phantasie-Ebene erz\u00e4hlt (Schirmer), was auch Brussigs Protagonist mit seiner grotesken Erkl\u00e4rung tut. All diese B\u00fccher wollen wohl keine Ostalgie betreiben; gleichwohl haben viele Rezipienten diese Romane unabh\u00e4ngig von der Textintention \u201eostalgisch\u201c gelesen. Insofern kann man vielleicht zwischen einer offenen und versteckten Form der Ostalgie unterscheiden.<\/p>\n<p>Dass die Verfilmungen von <em>Helden wie wir<\/em> und <em>Der Zimmerspringbrunnen<\/em> floppten, kann an der jeweiligen Machart und Umsetzung oder Ausstattung liegen, aber auch m\u00f6glicherweise an einem Wandel des Zeitgeists hin von der Wendeerz\u00e4hlung zu Formen von Ostalgie, die sich in der zweiten H\u00e4lfte der 1990er vollzog. Damit ist gemeint, dass nun nicht mehr so sehr oder nur das Ankommen im vereinten Deutschland, sondern die (teils melancholische) Erinnerung und R\u00fcckbesinnung auf das vergangene Leben in der DDR in den Mittelpunkt r\u00fcckte, der Alltag in ihr und oft auch dessen als sch\u00f6n empfundenen Seiten (mit Ausnahme von <em>Berlin is in Germany<\/em>).<\/p>\n<p>Warum dies erst zum Ende des Millenniums passierte, ist leicht zu erkl\u00e4ren: Die fr\u00fchen 1990er waren vor allem gepr\u00e4gt durch den Wandel, die Anpassung an ein neues System, neue Gegebenheiten, Verarbeitung von Umbr\u00fcchen. Vor allem die \u00c4lteren hatten Br\u00fcche in ihrer Lebensplanung zu verkraften, mit Arbeitslosigkeit oder der Entwertung ihrer Bildungsabschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen und versuchten vor allem, sich ihr Leben neu einzurichten, neu aufzubauen oder ihren Status zu erhalten. Die J\u00fcngeren, die teilweise Ostdeutschland verlie\u00dfen, wollten vieles entdecken, den Westen erkunden, nicht nur die alte Bundesrepublik, sondern auch Europa und die ganze Welt; sie reisten und erschufen sich ein neues Leben. Alle mussten sich umstellen und \u201elernen, lernen und nochmals lernen\u201c (Lenin).<\/p>\n<p>Auch wenn die meisten Ostdeutschen die DDR ja verabschieden und sich dem Westen angleichen wollten, so hatten sie die Disruption des Umbruchs und wie sich diese f\u00fcr sie anf\u00fchlen w\u00fcrde, sicher nicht vorhergesehen. Man f\u00fchre sich nur vor Augen, dass am Tag vor der W\u00e4hrungsunion vom 1. Juli 1990 s\u00e4mtliche Verkaufsfl\u00e4chen und Lager des Einzelhandels von Ostprodukten ger\u00e4umt wurden, d.h. alle Regale leer waren, und am Montag, dem 2. Juli \u201e\u00fcberall und mit einem Schlag ein komplett erneuertes Warenangebot in den Gesch\u00e4ften\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> lag \u2013 das westdeutsche. Nochmals: Genau das hatte die Mehrheit der Ostdeutschen gewollt und ersehnt, ja, sie selbst verweigerten es den ostdeutschen Herstellern, deren Produkte weiter zu kaufen. Dies verst\u00e4rkte noch den sich schon in der DDR abzeichnenden und auf die W\u00e4hrungsumstellung dann rasch folgenden Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Dass es dennoch eine psychologische Herausforderung sein k\u00f6nnte, das gesamte gewohnte Lebensumfeld zu verlieren und man Jahre sp\u00e4ter pl\u00f6tzlich Heimweh nach dem Geschmack einiger lebenslang konsumierter Nahrungsmittel entwickeln k\u00f6nnte, war da nicht abzusehen. Es \u00e4nderte sich auch nicht nur die Produktwelt, sondern ebenso die Arbeitswelt, das Sozialleben, Kleidungsstile, Stra\u00dfennamen, Postleizahlen, KFZ-Kennzeichen, \u00f6ffentliche \u00c4mter, Gesetze, das politische System, das Gesundheitssystem, einfach alles. Selbst die Fu\u00dfg\u00e4ngerampeln wurden ausgetauscht und durch westdeutsche ersetzt, wobei die roten und gr\u00fcnen M\u00e4nner-Piktogramme einfach nur anders aussahen und offensichtlich weniger sch\u00f6n designt waren als die ostdeutschen. Gegen diese unn\u00f6tige und unsinnige Angleichung regte sich Jahre sp\u00e4ter Widerstand: Als 1997 das <em>Buch vom Ampelm\u00e4nnchen<\/em> im Eulenspiegel-Verlag erschien, gr\u00fcndete sich ein \u201eKomitee zur Rettung der Ampelm\u00e4nnchen\u201c, das schlie\u00dflich den Umbau zur\u00fcckdrehte und das Ampelm\u00e4nnchen zum ostalgischen Symbol ostdeutschen Widerstands gegen die komplette \u201aVereinnahmung\u2018 durch den Westen werden lie\u00df.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Ampelmanner.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8530 alignnone\" src=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Ampelmanner.jpg\" alt=\"\" width=\"592\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Ampelmanner.jpg 592w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Ampelmanner-300x143.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 592px) 100vw, 592px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/motor\/gallery130890331\/Wie-menschlich-kann-eine-Ampel-sein.html\">https:\/\/www.welt.de\/motor\/gallery130890331\/Wie-menschlich-kann-eine-Ampel-sein.html<\/a> (eingesehen am 17.2.2024).<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu alldem kam noch die allm\u00e4hlich beginnende Digitalisierung, und die langsame Verbreitung von PCs und dem Internet. Es war also schlichtweg kaum Zeit oder Mu\u00dfe f\u00fcr Reflexion und R\u00fcckbesinnung. Die DDR war letztlich, trotz ihres einj\u00e4hrigen Siechtums vom Herbst 1989 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, doch recht schnell und gr\u00fcndlich verschwunden, und es dauerte seine Zeit, bis sie von einigen wieder ausgegraben wurde \u2013 ob diese das Ziel hatten, etwas von ihr zu bewahren oder sie angemessen zu verabschieden \/ zu begraben, war oft unklar.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df des Umbruchs und der Transformationsleistungen, aber auch der Entt\u00e4uschungen der Ostdeutschen wurden vielen Westdeutschen, wenn \u00fcberhaupt, erst Jahrzehnte sp\u00e4ter bewusst, etwa bei hitzigen Debatten um ostdeutsche Befindlichkeiten zum 20- und 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Wiedervereinigung. Noch 2018 stellte die s\u00e4chsische Integrations- und Gleichstellungsministerin fest:<\/p>\n<blockquote><p>Fast alle Gespr\u00e4che endeten mit den pers\u00f6nlichen Erlebnissen der Menschen w\u00e4hrend der Nachwendezeit. Obwohl seitdem fast 30 Jahre vergangen sind, offenbarten sich unbew\u00e4ltigte Dem\u00fctigungen, Kr\u00e4nkungen und Ungerechtigkeiten, die die Menschen bis heute noch bewegen, unabh\u00e4ngig, ob sie sich nach 1990 erfolgreich durchgek\u00e4mpft haben oder nicht. Es ging in fast allen Gespr\u00e4chen um Lebensbr\u00fcche. Vor allem berufliche, aber auch private.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung bis heute die meisten Versuche, ostdeutsche Befindlichkeiten zu analysieren, auf ihre Diktaturerfahrung in der DDR rekurrieren, kam erst sp\u00e4t die Idee auf, dass die Wendezeit der fr\u00fchen 1990er Jahre, der sich unser Wende-Reader widmet, eine mindestens ebenso gewichtige historische Erfahrung f\u00fcr viele Ex-DDR-B\u00fcrger war.<\/p>\n<p>Stattdessen dominierte am Anfang der 1990er-Jahre das, was Martin Sabrow das \u201eDiktaturged\u00e4chtnis\u201c nennt, also die politische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Dieser \u201eErinnerungsmodus\u201c sei \u201eauf den T\u00e4ter-Opfer-Gegensatz fokussiert\u201c und widme seine \u201eAufmerksamkeit vorrangig dem Macht- und Repressionsapparat des kommunistischen Regimes, und [\u2026] pocht darauf, dass zum Verst\u00e4ndnis der DDR die Stasi wichtiger sei als die Kinderkrippe\u201c.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><\/a> Dazu passte es, dass in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung eine Reihe von Stasi-Enth\u00fcllungen die Medien beherrschte; regelm\u00e4\u00dfig wurden neue bekannte Gesichter aus Politik, Film und Fernsehen, Kunst, Kultur und Wissenschaft als fr\u00fchere IMs (Inoffizielle Mitarbeiter) der Stasi \u00fcberf\u00fchrt. Die Stasi-Akten wurden durch das BSTU sukzessive zug\u00e4nglich gemacht, und viele Ostdeutsche beantragten Einsicht in die \u00fcber sie vorliegenden Unterlagen. So wurde das ganze Ausma\u00df des umfangreichen Bespitzelungsapparates der DDR \u00f6ffentlich, was viele Ostdeutsche durchaus schockierte. Zugleich setzte jedoch auch eine Art Verteidigungshaltung ein, weil viele ehemalige DDR-B\u00fcrger ungl\u00fccklich waren mit dem Eindruck, das ganze Land habe nur aus der Stasi bestanden und quasi jeder Zweite sei Spitzel gewesen. (Dass am Ende der 1980er-Jahre immerhin ca. einer von hundert IM war, ist allerdings eine historisch verb\u00fcrgte Tatsache.)<\/p>\n<p>Und so entwickelte sich laut Sabrow erst \u201emit stillem Trotz\u201c und dann \u201emit lauter Vehemenz\u201c ein \u201eheute vielfach dominantes Arrangementged\u00e4chtnis, das vom richtigen Leben im falschen wei\u00df\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>Das Arrangementged\u00e4chtnis verkn\u00fcpft Machtsph\u00e4re und Lebenswelt. Es erz\u00e4hlt von allt\u00e4glicher Selbstbehauptung unter widrigen Umst\u00e4nden, aber auch von eingeforderter oder williger Mitmachbereitschaft und vom Stolz auf das in der DDR erreichte \u2013 kurz, es verweigert sich der s\u00e4uberlichen Trennung von Biographie und Herrschaftssystem, die das Diktaturged\u00e4chtnis anbietet, und pflegt eine erinnerungsgest\u00fctzte Skepsis gegen\u00fcber dem neuen Wertehimmel des vereinigten Deutschland, die zwischen ironischer Anrufung und ostalgischer Verehrung der ostdeutschen Lebensvergangenheit oszilliert. Es teilt mit dem Diktaturged\u00e4chtnis viele Orte, aber es verkn\u00fcpft zugleich andere Erinnerungen mit ihnen und f\u00fchlt sich vom Blauhemd der FDJ nicht allein an die Zurichtung durch die Parteimacht erinnert, sondern auch an die gl\u00fcckliche Zeit der eigenen Jugend, und vom Einkaufsbeutel nicht nur an den deprimierenden Mangel an Waren, sondern auch an den einstigen Wert der Dinge.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ist das Biotop, in dem Ostalgie-Produkte wachsen k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich stehen beide Erinnerungsformen unweigerlich in einem Spannungsfeld zueinander. Denn wenn man das hier von Sabrow anzitierte Diktum Theodor W. Adornos ernst n\u00e4hme \u2013 \u201eEs gibt kein richtiges Leben im Falschen\u201c \u2013, dann w\u00e4re es schlichtweg schwer miteinander vereinbar, die Realit\u00e4t des repressiven Systems anzuerkennen und gleichzeitig, quasi davon unbek\u00fcmmert, in Erinnerungen an das sch\u00f6ne Alltagsleben in ebenjenem System zu schwelgen. Um diesen Widerspruch kreisten letztlich alle Diskussionen zum Ph\u00e4nomen Ostalgie, wie sich noch zeigen wird.<\/p>\n<p>Als ein drittes Erinnerungsmuster macht Sabrow das \u201eFortschrittsged\u00e4chtnis\u201c aus, welches \u201ean der Idee einer legitimen Alternative zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung festh\u00e4lt\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>. Es will den einstmals utopischen sozialistischen Entwurf einer neuen, besseren Gesellschaft bewahren und entschuldigt die misslungene Umsetzung mit allerlei Begr\u00fcndungen wie eigenen Fehlern, westlichem Einfluss oder ungl\u00fccklichen Umst\u00e4nden \u2013 was aber die gute Idee nicht tangiere. Damit ist es im eigentlichen Sinne politisch nostalgisch. Eine solche Einstellung hatte eine Minderheit von vielleicht 15% \u2013 dies ist die Zahl von Befragten Ostdeutschen, die sich 1995 die DDR zur\u00fcckw\u00fcnschten.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich mag ein Grund daf\u00fcr, dass das Ostalgie-Ph\u00e4nomen erst in der zweiten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre an Fahrt aufnahm und erst um die Jahrtausendwende so stark ins \u00f6ffentliche Bewusstsein r\u00fcckte, sein, dass die Unzufriedenheit der Ostdeutschen sich zun\u00e4chst eher still entwickelte. Denn Beschwerden konnten ihnen schnell den Vorwurf eintragen, undankbare \u201eJammer-Ossis\u201c zu sein. Viele Ostdeutsche f\u00fchlten sich im \u00f6ffentlichen Diskurs nicht gesehen, ihre Probleme und Leistungen nicht anerkannt, ja laut einer Umfrage 1995 zu 72% als \u201eB\u00fcrger zweiter Klasse\u201c.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Dies \u00e4nderte sich ein wenig, als das Jahrhundert-Hochwasser der Elbe im Sommer 2002 gro\u00dfe Aufmerksamkeit und Solidarit\u00e4t auf den Osten Deutschlands lenkte: \u201eVielleicht fing damit das Ende einer unnat\u00fcrlichen, \u00fcber zehn Jahre andauernden Stille an.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beispiel 1 aus der Hoch-Zeit der Ostalgie 2002: Die Feuilleton-Debatte um<em> Zonenkinder<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jana Hensels Sachbuch ist der Erinnerungsversuch einer jungen Frau, die beim Mauerfall erst 13 Jahre alt war und f\u00fcr die der Untergang der DDR somit vor allem das abrupte Ende ihrer Kindheit bedeutete. Dementsprechend bezeichnet sie beides ganz unpolitisch als \u201eM\u00e4rchenzeit\u201c und k\u00fcndigt an, die versch\u00fctteten, \u201everlorenen Erinnerungen\u201c ausgraben zu wollen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Wenn sie dabei in rascher Aneinanderreihung die Schul-AGs, V\u00f6lkerball im Schulsport, <em>ABC-Zeitungen<\/em>, <em>Trommel<\/em>, <em>FR\u00d6SI<\/em>, oder<em> Alfons Zitterbacke<\/em> aufz\u00e4hlt<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>, wenn sie Pioniernachmittage, Pionierhalst\u00fccher, Altpapiersammlungen f\u00fcr Nelson Mandela, \u201eSubbotniks\u201c und Fahnenappelle in der Schule, den vorgeschrieben Kampf gegen den Imperialismus und f\u00fcr den Sozialismus herunterrattert, entsteht der Eindruck, DDR-Kinder seien genau die perfekten Jung- und Th\u00e4lmannpioniere gewesen, die sich Margot Honecker immer gew\u00fcnscht hat.<\/p>\n<p>Das mag daran liegen, dass sie, wie sie selbst zugibt, das meiste schon vergessen und sich durch Recherche wieder angelesen hatte<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> \u2013 und bei einer Suche nach schriftlichen Zeugnissen findet man eben am ehesten das, was von Staats wegen organisiert und vorgegeben war. Nicht aber das, was sich die Jugendlichen daneben selbst zusammenorganisierten, dass es zum Beispiel einen regen illegalen Tauschhandel gab, bei dem aus dem Westen eingeschmuggelte <em>Bravos<\/em> herumgingen, die man selbstverst\u00e4ndlich nach <em>Bummi <\/em>und <em>FR\u00d6SI<\/em> las, oder dass die Jugend komplett auf westliche Musik fixiert war, die sie vom Westradio per Kassettenrekorder zu Mixed-Tapes aufnahm und dann tauschte, oder eingeschmuggelte West-Kassetten kopierte. Nun sind individuelle Erlebnisse ja unterschiedlich, und niemand hat die Deutungshoheit dar\u00fcber, wie jedes Leben in der DDR verlief; wom\u00f6glich war Hensels Kindheit genauso, wie sie sie schildert. Doch dass es die Westmusik-Fixierung der Jugend gegeben hat, l\u00e4sst sich belegen: Man kann heute noch Egon Krenz danach fragen, der als damaliger Chef der FDJ die Umfragen hierzu in den H\u00e4nden hielt, wie ihnen die Jugend entglitt und letztlich sogar Konzerte von internationalen Musikern erlaubte, um dem Bed\u00fcrfnis Abhilfe zu schaffen.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Vielleicht war Hensel f\u00fcr all das einfach noch zu jung.<\/p>\n<p>Auch wenn sie die sozialistische Indoktrination an der Schule so beschreibt, dass alle sie brav mitgemacht haben<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>, ist das nicht falsch, unterschl\u00e4gt aber, mit welch subversiver Unlust dies erfolgen konnte: Z.B. in dem Abschnitt \u00fcber die sozialistische Jugendweihe, die sie beschreibt, als h\u00e4tte sie sie noch selbst mitgemacht, und bei der sie das Gel\u00f6bnis und das Sozialismus-Buch, was alle bekamen, <em>Vom Sinn unseres Lebens<\/em>, hervorhebt, gar behauptet: \u201eIch liebte solche B\u00fccher.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Tats\u00e4chlich hat eher niemand dieses Buch gelesen, und wenn 20 bis 30 Vierzehnj\u00e4hrige im Chor \u201eJa, das geloben wir!\u201c sagten, wurde seltsamerweise oft das erste \u201ee\u201c verschluckt, sodass es klang wie \u201eJa, das glooben wir\u201c, was in den Dialekten, die in gro\u00dfen Teilen der DDR gesprochen wurden, \u201eglauben\u201c hie\u00df \u2013 und die betont lustlose Art, mit der es gesagt wurde, verkehrte diesen zu bekundenden Glauben an den Sozialismus ins glatte Gegenteil. Erstaunlich erscheint auch die Behauptung, sie habe jedem Geburtstag der Pionierorganisation \u201eErnst Th\u00e4lmann\u201c am 13.12. entgegengefiebert, als sei es Weihnachten, und in der Nacht zuvor noch Pionierbluse und Halstuch \u00fcberpr\u00fcft.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>\u00dcberzeugend ist Hensel dort, wo sie die Nachwendejahre der \u201ezwittrigen Ostwestkinder\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> schildert, die rasch vom Westen gelernt hatten und von diesem auf den ersten Blick nicht mehr zu unterscheiden waren, jedoch bei Treffen mit Westdeutschen oder auf internationalen Reisen feststellen mussten, dass sie deren Kindheitserinnerungen zwischen Donald Duck, Lucky Luke oder Asterix und Obelix nicht teilen und nichts hinzuf\u00fcgen konnten und sich wie \u201amaskierte\u2018 Au\u00dfenseiter f\u00fchlten<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>. Dieses Vakuum einer verschwundenen Vergangenheit konnte tats\u00e4chlich Identit\u00e4tskrisen ausl\u00f6sen, galt allerdings vor allem f\u00fcr den Teil ihrer Generation, der den Osten Deutschlands in den 1990er-Jahren verlassen hatte, nicht f\u00fcr jene, die in ihrer Heimat blieben und ihr Sozialleben weiterhin mit Menschen verbrachten, welche die gleiche Geschichte erlebt hatten.<\/p>\n<p>Die Gier nach Akzeptanz und das \u00dcberanpassungsverhalten ihrer stark am Westen orientierten Generationsgenossen (z.B. in Bezug auf Kleidung und Stil) beschreibt sie sehr einleuchtend, wenn auch als \u00fcber Jahre hinweg persistenten Minderwertigkeitskomplex ein bisschen \u00fcbertrieben, beinahe neurotisch. \u00c4hnlich nachvollziehbar, aber in seiner \u00fcberheblichen H\u00e4rte erschreckend, wirken ihre Schilderungen des Sich-Sch\u00e4mens f\u00fcr die eigenen, abgeh\u00e4ngten Eltern.<\/p>\n<p>Hensels knappes Buch wurde so intensiv und kontrovers diskutiert, dass zu dieser Debatte wiederum ein eigenes Buch erschienen ist: <em>Die Zonenkinder. Die Geschichte eines Ph\u00e4nomens<\/em>. Der Herausgeber stellt fest, dass ein Hauptvorwurf an Hensel der \u201aAnma\u00dfung\u2018 des \u201eWir\u201c galt, mit dem sie f\u00fcr eine ganze Generation spricht und das nur f\u00fcr eine kleine Kohorte von Altersgenossen gilt, die zwischen Mitte der 1970er und Anfang der 1980er geboren waren \u2013 und die ihre kindliche, unkritische Wahrnehmung der DDR eventuell teilen konnten.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr diese identit\u00e4tssuchende Kohorte bietet es jedoch ein starkes Identifikationsangebot. W\u00e4hrend im gleichen Zeitraum etliche Romane oder Erz\u00e4hlungen von Wendekindern erschienen<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a>, welche differenzierte individuelle Geschichten aus dieser Zeit erz\u00e4hlten, war Hensels Sachbuch wohl deshalb das erfolgreichste von allen, weil sie dementgegen tats\u00e4chlich mit ihrem \u201eWir\u201c eine Gruppenzugeh\u00f6rigkeit offerierte.<\/p>\n<p>Offenbar hat Hensel dies kalkuliert und ausdr\u00fccklich einen Gegenentwurf zu Florian Illies\u2018 westdeutscher <em>Generation Golf<\/em> (2000) geschrieben, in dem die DDR praktisch nicht vorkam.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Wie sehr sie sich in die in den 1990er-Jahren erfolgreiche westdeutsche Popliteratur einschreibt, wird augenf\u00e4llig, wenn man einmal ihre Aufz\u00e4hlung ostdeutscher Gegenst\u00e4nde, Schrifttitel u.\u00e4. mit Christian Krachts permanenten Marken-Nennungen in<em> Faserland<\/em> (1995) vergleicht.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiterer Vorwurf, oft gerade von Ostlern erhoben, galt der Verkl\u00e4rung der DDR und dem Mangel an Analyse, w\u00e4hrend die von ihr angestrebte Zielgruppe von Lesern mit Begeisterung reagierte. Alexander Cammann hat hierf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung, die einer m\u00f6glichen Definition von Ostalgie gleichkommt:<\/p>\n<blockquote><p>Es geht in Jana Hensels Text nicht um die Erinnerung an die DDR oder um die Umbrucherfahrung nach 1989. Denn sie erinnert sich nicht an ihre DDR-Kindheit, sondern versucht sie zu empfinden. Dieser Unterschied ist nicht zu untersch\u00e4tzen: Die DDR mutiert im R\u00fcckblick zu einem DDR-Gef\u00fchl.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beispiel 2 aus der Hoch-Zeit der Ostalgie 2003: Fernsehshows<\/strong><\/p>\n<p>Als wolle es Jana Hensels Wunsch erf\u00fcllen, den verlorenen Erinnerungen an den Alltag in der DDR nachzusp\u00fcren, st\u00fcrzte sich pl\u00f6tzlich das Fernsehen auf das Thema. W\u00e4hrend es im Privatfernsehen schon l\u00e4nger Retro-Shows aus westlicher (meist popkultureller) Sicht gegeben hatte (etwa die \u201e80er-Show\u201c oder die \u201e70er-Show\u201c), wurde das Gleiche nun erstmals f\u00fcr die DDR veranstaltet. Es kam im Jahr 2003 zu einem Hype bzw. einer Aufmerksamkeitskonkurrenz auf praktisch allen relevanten Sendern:<\/p>\n<p>Unter Druck gesetzt von einer fr\u00fchzeitigen Ank\u00fcndigung des privaten Senders RTL, beeilt sich das ZDF \u2013 einer der beiden \u00f6ffentlich-rechtlichen Hauptkan\u00e4le \u2013, am 17. August, also als erster Sender, die beiden ostdeutschen Moderatoren Marco Schreyl und Andrea Kiewel \u201eDie Ostalgie-Show\u201c pr\u00e4sentieren zu lassen. Im ebenfalls \u00f6ffentlich-rechtlichen Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zitieren ab dem 22. August die Prominenten Gunter Emmerlich (S\u00e4nger und ehemaliger Moderator im DDR-Fernsehen) und Franziska Schenk (ehemalige Eisschnelll\u00e4uferin der DDR) mit dem Titel ihrer sechsteiligen Show \u201eEin Kessel DDR\u201c die ehemals beliebte ostdeutsche Unterhaltungssendung \u201eEin Kessel Buntes\u201c. Im Privatsender SAT.1 rekapitulieren am 23. und 30. August der ostdeutsche Ex-Boxer Axel Schulz und der westdeutsche Journalist und Moderator Ulrich Meyer in \u201eMeyer &amp; Schulz \u2013 Die ultimative Ost-Show\u201c Alltagsgeschichten aus der DDR. Ebenfalls ein \u201agemischtes P\u00e4rchen\u2018 bietet der Privatsender RTL f\u00fcr seine vierteilige \u201eDDR-Show\u201c ab dem 3. September: der beliebte westdeutsche Moderator Oliver Geissen und die weltber\u00fchmte ostdeutsche Eiskunstl\u00e4uferin Katarina Witt (Ost).<\/p>\n<p>Der Auftakt, die 90-min\u00fctige \u201eOstalgie-Show\u201c<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> ist eine Tour de Force durch die DDR-Kultur: Kiewel und Schreyl rattern nur so durch die Themen und erlauben ihren ostdeutschen G\u00e4sten oft blo\u00df ein, zwei S\u00e4tze, bevor sie sie gleich wieder abmoderieren. Kiewel k\u00fcndigt anfangs an, sich erinnern, \u201eaber nicht in Erinnerungen schwelgen\u201c zu wollen. Doch die beiden in den 1970ern geborenen Moderatoren, die also ihre eigene Kindheit behandeln<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>, tun genau das: Den Anfang macht eine Vorstellung verschiedener Modelle des typischen DDR-Autos \u201eTrabant\u201c (Zweitakter, Chassis aus Duroplast, nicht aus Metall, daher im Volksmund absch\u00e4tzig \u201ePlastebomber\u201c oder \u201ePappe\u201c genannt). Gefragt, warum es von der Bestellung bis zur Auslieferung eines \u201eTrabbis\u201c 12 Jahre dauerte, referiert der Leiter des Automobilmuseums in Dresden stolz, die Nachfrage habe halt das Angebot \u00fcberstiegen und das Auto sei schlie\u00dflich auch ins Ausland, nicht nur das sozialistische, sondern sogar ins westliche, exportiert worden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Die-Ostalgie-Show.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8535 alignnone\" src=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Die-Ostalgie-Show.jpg\" alt=\"\" width=\"575\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Die-Ostalgie-Show.jpg 575w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Die-Ostalgie-Show-300x170.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 575px) 100vw, 575px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Standbild aus der Fernsehsendung \u201eDie Ostalgie-Show\u201c, ZDF, hier aus dem FAZ-Artikel<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann werden westdeutsche Fernsehkollegen nach ostdeutschen Abk\u00fcrzungen befragt, die sie kaum kennen (k\u00f6nnen), und schon folgt ein gro\u00dfer Block zu den sportlichen Erfolgen der DDR. Auf den Sport hatte die DDR (genau wie die Sowjetunion und der gesamte Ostblock) gro\u00dfen Wert gelegt, weil sich so internationales Renommee und Glanz erzielen lie\u00df. Dazu diente ein ausgefeiltes Jugendauswahl- und F\u00f6rdersystem, aber auch systematisches Doping, das schon bei Teenagern, manchmal ohne deren Wissen, angewendet wurde. Die Ostalgie-Show stellt begeistert mehrere Weltmeister oder Olympiasieger vor, ohne diesen Umstand auch nur mit einem Wort zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Bei den Ost-Produkten werden die Moderatoren ganz aufgeregt \u2013 \u201ek\u00f6nnt ihr euch daran noch erinnern?!\u201c \u2013 \u00fcber die S\u00fc\u00dfigkeiten \u201eHalloren-Kugeln\u201c und \u201eSchlager S\u00fc\u00dftafel\u201c oder das Kn\u00e4ckebrot \u201eFilinchen\u201c, das es noch immer zu kaufen gibt. Der \u201ePolizeiruf 110\u201c, die ostdeutsche Antwort auf den \u201eTatort\u201c, wird ebenso gew\u00fcrdigt wie die Musik- und Unterhaltungsbranche der DDR. Dabei wird der Eindruck erzeugt, alle Ostdeutschen h\u00e4tten diese Ost-Sendungen gesehen, obwohl viele bevorzugt Westfernsehen schauten, was als Faktum gar nicht erw\u00e4hnt wird, und obwohl einige G\u00e4ste kurz zugaben, dass sie eigentlich eher Westmusik aus dem Radio geh\u00f6rt h\u00e4tten. Ein Gast, der S\u00e4nger Bj\u00f6rn Casapietra, besteht darauf, einzuwerfen, dass die ber\u00fchmten Ost-Bands \u201ePuhdys\u201c und \u201eKarat\u201c doch f\u00fcr die Jugend \u201eOpa-Rock\u201c gewesen seien und man stattdessen \u201eSilly\u201c und \u201ePankow\u201c geh\u00f6rt habe \u2013 er zitiert sogar einen regimekritischen Text von \u201ePankow\u201c, aber die Moderatoren gehen nicht darauf ein.<\/p>\n<p>Als nach \u00fcber einer Stunde drei Unterhaltungsstars befragt werden, die in den 1980ern in die Bundesrepublik geflohen sind, erw\u00e4hnt Winfried Glatzeder (<em>Die Legende von Paul und Paula<\/em>) \u201eSchwierigkeiten\u201c in der DDR, Udo Schenk (<em>Dach \u00fcberm Kopf<\/em>) sagt zum ersten Mal das Wort \u201eStasi\u201c und dass er nicht mehr drehen durfte, als er die Mitarbeit abgelehnt hat; die S\u00e4ngerin Ute Freudenberg beschwert sich, dass im Westen niemand auf sie gewartet habe und es sei gut, dass die Mauer gefallen ist, damit sie zu ihrem Publikum nach Weimar zur\u00fcckkehren konnte. Ganz zum Schluss redet der erste Westdeutsche, der ehemalige Ost-Berliner Korrespondent des ZDF, Michael Schmitz, pl\u00f6tzlich von \u201eRegime\u201c und \u201eStasi\u201c, die sein B\u00fcro verwanzt und ihm mehrfach mit Ausweisung aus der DDR wegen kritischer Berichterstattung gedroht hatte. Doch auch daf\u00fcr verblieb wenig Zeit.<\/p>\n<p>Interessanterweise haben die Macher als Alltag lediglich Fernsehen &amp; Unterhaltung, Sport, Autos und Nahrungsmittel bzw. Produkte definiert. Das eigentliche Alltags<em>leben<\/em>, in einer Plattenbauwohnung oder auf dem Dorf, die Schule mit Tafelwerk, Staatsb\u00fcrgerkundeunterricht und Fahnenappell, Ausbildung, Arbeitsleben mit Brigade und Patenbrigade, Literatur, Urlaub, Liebe, Familie, Freundschaften und Sozialleben spielen keine Rolle. So bleibt die Sendung doppelt selbstreferenziell: Eine Unterhaltungssendung im Fernsehen pr\u00e4sentiert die Fernsehunterhaltung der DDR, vor allem f\u00fcr Rentner (laut Studien<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> seit jeher das Hauptpublikum des ZDF), die besonders viel Zeit vor dem Fernseher verbringen.<\/p>\n<p>All das l\u00f6ste Kritik in den Medien aus. Michael Hanfeld h\u00e4lt in seinem Text \u201eErinnerungsgegacker\u201c in der FAZ das \u201eGrauen als Sendung, das nackte, kalte Grauen\u201c f\u00fcr einen \u201eFall f\u00fcr den Fernsehrat\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> (die Beschwerde- und \u00dcberpr\u00fcfungsstelle). Er findet die- \u201eVerharmlosung und subkutane[] Verkl\u00e4rung eines Regimes\u201c \u201enicht mal unterhaltsam, an keiner einzigen Stelle ironisch gebrochen, sondern mit unheiligem Ernst h\u00f6lzern bem\u00fcht, ein Kaffeekr\u00e4nzchen auszurichten, bei dem vierzig Jahre deutsche Nachkriegsgeschichte mit ein paar Happen verfr\u00fchst\u00fcckt wurden\u201c und schlie\u00dft mit dem b\u00f6sen, den weiter oben beschriebenen Widerspruch vom \u201arichtigen Leben\u2018 \u00fcbertragenden Satz:<\/p>\n<blockquote><p>Ob sie dereinst in S\u00fcdkorea, wenn Kim Jong-il und Konsorten hoffentlich bald am Ende sind, auch mal so etwas machen? So lustig war das Hungerleben in Pj\u00f6ngjang? Der letzte macht den Witz aus. Erich h\u00e4tte seine Freude an diesem St\u00fcck Fernsehgeschichte des Klassengegners gehabt und Eduard Schnitzler sowieso.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Aufnahme bei ostdeutschen Zuschauern war wohl gespalten. 4,78 Millionen Zuschauer hatten die Sendung gesehen, was einem Marktanteil von 21,8 Prozent entspricht, und jeder dritte sei nach Angaben des ZDF aus den neuen L\u00e4ndern gewesen. Die Mitteldeutsche Zeitung sammelte eine Bandbreite von Stimmen zur Show<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a>, zwischen den beiden Polen:<\/p>\n<blockquote><p>Erich Loest (77), Schriftsteller aus Leipzig und zu DDR-Zeiten aus politischen Gr\u00fcnden sieben Jahre in Bautzen inhaftiert:<\/p>\n<p>Ich fand die ganze Sendung in ihrer schamlosen Verniedlichung einfach widerw\u00e4rtig. Bezeichnend ist, dass eine solche Show aus Mainz \u2013 und eben nicht aus Leipzig, Halle oder Dresden kommt. Was sich die Verantwortlichen beim ZDF dabei wohl gedacht haben?<\/p>\n<p>Lydia Poteracki (59), K\u00f6then, ehemals Krankenschwester, jetzt arbeitslos:<br \/>\nMir hat die Sendung gefallen. Sie hat ein St\u00fcck unserer gelebten Vergangenheit gezeigt und Menschen ins Ged\u00e4chtnis gerufen, die Besonderes geleistet haben wie Gaby Seyfert oder Waldemar Czierpinski. Die Zeit, an die erinnert wurde, ist auch ein St\u00fcck meiner Identit\u00e4t.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dazwischen viele halb kritische Stimmen, u.a.:<\/p>\n<blockquote><p>Sabine Hahn (42), Verwaltungsangestellte in Sangerhausen:<\/p>\n<p>Manches war am\u00fcsant, man hat in der Sendung vieles wieder erkannt. Allerdings finde ich nicht gut, dass jetzt fast jeder Sender so eine Ostalgie-Show ins Programm nimmt. Ein wenig hat man da doch den Eindruck, dass man sich auf Kosten der DDR-Leute lustig machen will.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dementgegen stellt ein Journalist die launige These auf, dass inkognito als Westdeutsche eingeschleuste Ostdeutsche das Westfernsehen unterwandert und sich nun verabredet h\u00e4tten, die DDR zu rehabilitieren, weshalb all diese Shows zeitgleich entstanden.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Alle w\u00fcrden mitmachen, nur die ehemaligen DDR-B\u00fcrgerrechtler nicht: \u201eRainer Eppelmann sieht eine \u201af\u00fcrchterliche Bagatellisierung der DDR\u2018 und G\u00fcnter Nooke fragt, was das wohl f\u00fcr ein Geschrei gewesen w\u00e4re, wenn nicht Kati Witt eine DDR-Show, sondern Johannes Heesters eine Dritte-Reich-Show moderieren w\u00fcrde?\u201c<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Schon im Jahr 2000 hatte Martin Schr\u00f6der vor der \u201ekuscheligen\u201c Verharmlosung und nostalgischen Verkl\u00e4rung gewarnt.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Die-DDR-Show.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8539 alignleft\" style=\"float: left; margin-right: 15px;\" src=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/11\/Die-DDR-Show.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"186\" \/><\/a><\/p>\n<p>Den Abschluss des Reigens von Ost-Shows macht im September 2003 RTL mit der \u201eDDR-Show\u201c<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a>, die sich immerhin vier Teile Zeit lie\u00df f\u00fcr ihr Thema. Ausgerechnet der sonst eher als schmuddelig angesehene Privatsender nimmt die Vorw\u00fcrfe ernst und verspricht, ein ausgewogenes Bild zu zeichnen. Schon in der Anmoderation benutzt der westdeutsche Moderator Oliver Geissen das Wort \u201eDiktatur\u201c. F\u00fcr die Verniedlichung sorgt eher eine sich naiv gebende Katharina Witt, die in Jungpionier-Uniform erscheint und den netten Side-Kick gibt. Nach dem lustigen Nachmischen von w\u00fcsten Mix-Getr\u00e4nken und Erinnerungen an das wilde Partyleben in Osten wagt die Show einen rabiaten Schnitt und zeigt ausf\u00fchrlich die Geschichte eines 14-j\u00e4hrigen M\u00e4dchens, das acht Jahre lang in verschiedenen Straflagern inklusive Einzelhaft verbringen musste, weil sie mit Lippenstift auf einem Stalin-Bild dessen Bart angemalt hatte. Der Aufstand vom 17. Juni wird gew\u00fcrdigt, kulturpolitische Interventionen wie der \u201eLipsi\u201c oder die 60-40-Regelung zum Abspielen von DDR-Musik im Verh\u00e4ltnis zu ausl\u00e4ndischer erkl\u00e4rt; der Kampf gegen die gef\u00e4hrliche Westmusik erl\u00e4utert. Neben Ost-Camping, FKK, Sport, Musik, Mode, Frisuren, Kosmetik, Pittiplatsch und dem Sandm\u00e4nnchen werden Mauerbau und Mauertote, auch Fluchtgeschichten im Stile einer Dokumentation eingeflochten; Geissen f\u00fchrt ernsthafte Kurzinterviews mit Zeitzeugen. Insofern kann man konstatieren, dass sich die Macher hier um eine ersch\u00f6pfende Behandlung der DDR bem\u00fcht haben, aber auch, dass es im Grunde den Charakter einer Aufkl\u00e4rung der Westdeutschen dar\u00fcber, wie es in der DDR war, hatte.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kommen manche Kritiker zu dem Schluss, dass die \u201eDDR-Welle im Fernsehen [\u2026] eine reine West-Erfindung\u201c sei, so Holger Witzel aus Leipzig in einem w\u00fctenden, spitzz\u00fcngigen Essay mit dem Titel \u201eDas M\u00e4rchen von der Ostalgie\u201c<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Mit jeder neuen Sendung wird das kleine graue Land bunter. Ein Potpourri aus \u201eWei\u00dft du noch?\u201c und alten Klischees: Broiler, Busen und Bananen. Zuerst scheuchte das ZDF zwei vorlaute Jungpioniere durch eine \u201eOstalgie-Show\u201c, in der vor lauter Stolz kein Mensch ausreden konnte, [\u2026] und im Grunde kann man nur froh sein, dass Erich Honecker tot ist, sonst h\u00e4tte der auch l\u00e4ngst seine eigene Show. [\u2026].<\/p>\n<p>Und wegen so ein paar Unannehmlichkeiten haben sich mehr als 1000 Leute auf der Flucht erschie\u00dfen lassen? Kaum zu glauben, dass Zehntausende so bescheuert waren und lieber ins Gef\u00e4ngnis gingen, statt beim Kessel Buntes mitzuschunkeln. [\u2026]\n<p>Die b\u00f6se DDR ist langweilig. Jetzt kommt mal die andere Seite dran, \u201edie sch\u00f6nen Erinnerungen\u201c. Und die will sich niemand von Doping oder Mauertoten vermiesen lassen, erst recht nicht von ein paar griesgr\u00e4migen B\u00fcrgerrechtlern, die gar eine \u201eVerharmlosung der SED-Verbrechen\u201c f\u00fcrchten. Als wenn es nur das w\u00e4re! Die eigentliche Frechheit ist die Attit\u00fcde, mit der nun \u201edas wirkliche Leben dr\u00fcben\u201c entdeckt wird. Auf einmal, nach 13 Jahren, wird den Ossis zugestanden, sich doch nicht nur den ganzen Tag gegenseitig bespitzelt, sondern nebenbei auch mal gelacht, geliebt und halbwegs menschenw\u00fcrdig \u00fcberlebt zu haben. Das ist der Gipfel der Arroganz. Wom\u00f6glich sollen sie daf\u00fcr noch dankbar sein.<\/p>\n<p>Wenn es \u00fcberhaupt so etwas wie Ostalgie gibt, dann sicher nicht im Osten. [\u2026] Nach der Trag\u00f6die kommt die Kom\u00f6die und schlie\u00dflich die Farce. Weil es keine Sonderabschreibungen f\u00fcr Immobilien mehr gibt, eignet sich der Westen nun das an, was er f\u00fcr Ostalgie h\u00e4lt, macht Fernsehshows und Gesch\u00e4fte daraus. [\u2026]\n<p>Daf\u00fcr h\u00e4ngt nun die h\u00e4ssliche Trainingsjacke der Nationalen Volksarmee in Superm\u00e4rkten. Sie kostet zehn Euro und h\u00e4ngt im Osten wie Blei, sagen die Verk\u00e4ufer. Niemand, der diese Jacke einmal tragen musste, zieht sie freiwillig wieder an, nicht einmal Axel Schulz, f\u00fcr den sie zur Uniform geh\u00f6rte \u2013 nur ein Wessi wie Oliver Geissen von RTL bringt das fertig. Nach Auskunft der real-Zentrale in M\u00f6nchengladbach wird sie von einem Hersteller in Westdeutschland nachgemacht, \u201eder aber nicht genannt werden will\u201c. Die Idee stammt ebenfalls von einem westdeutschen Mitarbeiter, so Pressesprecherin Silke Wimmers. \u201eSchon unsere DDR-T-Shirts haben sich so gut verkauft\u201c, sagt sie, \u201eaber kurioserweise fast nur im Westen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hierzu passt, dass es der Produktdesigner Markus Heckhausen aus T\u00fcbingen war, der die Kampagne zur Rettung des Ost-Ampelm\u00e4nnchens initiierte und sich die Rechte daran mit einer GmbH patentieren lie\u00df.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> Auch das Moment, dass eine DDR-Empfindung f\u00fcr interessierte Westdeutsche nachgebaut wird, gab es schon in den Jahren zuvor, am auff\u00e4lligsten vielleicht 1999 im \u201eHotel Sittavia\u201c im s\u00e4chsischen Zittau, in denen die Westbesucher nicht nur in einer originalgetreu ausgestatteten ehemaligen Offiziershochschule logieren, sondern sogar ein Reenactment betrieben wird: \u201eAn der Hotelrezeption h\u00e4ngt ein rotes Plakat mit der \u201aStra\u00dfe der Besten\u2018 \u2013 VEB-Jargon f\u00fcr verdiente \u201aHelden der Arbeit\u2018, dazu nat\u00fcrlich ein Bild von Erich Honecker, mit Trauerflor. Hier erledigt der Gast die Einreiseformalit\u00e4ten, bekommt seinen \u201aPass\u2018 mit Bild und Stempel und muss seine Valuta in Ost-Mark umtauschen.\u201c<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Sogar das Personal soll einen barschen Ton an den Tag legen und ein Schauspieler engagiert werden, der am Schlagbaum den Grenzer mimen und im Stechschritt herummarschieren soll. Der s\u00e4chsische Ex-Innenminister Heinz Eggert (CDU) h\u00e4lt das f\u00fcr \u201eGrusel-Tourismus \u00e0 la Obersalzberg\u201c: \u201eDie machen doch hier einen Ost-Zoo f\u00fcr Westb\u00fcrger.\u201c<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Analyse: Varianten von Ostalgie<\/strong><\/p>\n<p>Um eine ausgewogene definitorische Analyse des Ostalgie-Ph\u00e4nomens hat sich Thomas Ahbe mehrfach bem\u00fcht, der die m\u00f6glichen Wertungen \u201everurteilenswerte DDR-Nostalgie\u201c, \u201eberechtigte Form der Erinnerung\u201c, \u201eerfolgversprechende Gesch\u00e4ftsidee\u201c und \u201ebesondere Art ostdeutscher Selbstbehauptung\u201c auff\u00fchrt.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> Nach einer langen Analyse der Umbr\u00fcche, Entt\u00e4uschungen und Verlusterfahrungen diagnostiziert er eine \u201eDiskurs-L\u00fccke\u201c, d.h. \u201eein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis, sich \u00fcber die Erfahrungen wie auch die Neubewertung der DDR-Zeit zu verst\u00e4ndigen und ebenso \u00fcber die spezifisch ostdeutschen Probleme in der Gegenwart\u201c, dem jedoch Medien und Politik nicht entgegenkamen, weshalb die Ostalgie als \u201eeine Art Laien-Diskurs \u00fcber Vergangenheit und Gegenwart der Ostdeutschen\u201c sie f\u00fcllte.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Der Ostalgie der 1990er Jahre kann man drei Funktionen zuschreiben. Zum einen diente Ostalgie als eine Art Relativierung, die unangenehme Wahrheiten \u00fcber die Eigengruppe oder das eigene Leben zur\u00fcckweisen will. Zum anderen stellt Ostalgie eine Art Selbsttherapie dar, die die Auswirkungen der in den 1990er Jahren erfolgten geschichtspolitischen Kolonisierung der Ostdeutschen ausgleicht. Und schlie\u00dflich ist Ostalgie ein kommerzielles Konzept, das einen Markt geschaffen hat und Bed\u00fcrfnisse wecken will, die auf diesem Markt befriedigt werden sollen.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Es gilt also, verschiedene Aspekte von Ostalgie zu unterscheiden. Da w\u00e4re zum einen auf der unpolitischen <strong>Warenebene<\/strong> die R\u00fcckbesinnung auf einst vertraute Produkte, die (Kindheits-)Erinnerungen wecken, in denen man schwelgen kann. Das emotionale Ged\u00e4chtnis von Menschen dockt stark an Ger\u00fcche und Geschm\u00e4cker an. So essen Manche aus der Nachkriegsgeneration heute noch gern das \u201aArmeleute-Essen\u2018 ihrer Kindheit wie etwa Kartoffelsuppe \u2013 trotz enormer Auswahl feinster Speisen und Spezialit\u00e4ten aus aller Welt \u2013 weil damit Gef\u00fchle (von Vertrautheit) transportiert werden.<\/p>\n<p>Solche zutiefst menschlichen Gef\u00fchle wurden von der Werbebranche geschickt aufgegriffen, indem diese (keineswegs hochwertigen) Ostprodukte mit dem Versprechen der Authentizit\u00e4t wieder salonf\u00e4hig gemacht wurden, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt angesichts des enormen Stellenwertes, den der Wunsch nach Westwaren in der DDR gehabt hatte. Es hatte ja einen Grund, dass man im Osten Westprodukte bevorzugte, wenn man ihrer habhaft werden konnte. Somit entstand auf der <strong>kommerziellen Ebene<\/strong> die Vermarktung einer ganzen Reihe von Ostprodukten als Kultobjekte und Life-Style-Produkte. Wenn und insofern manche K\u00e4ufer dieser Produkte jedoch glauben, damit eine (mitunter irrationale) Kapitalismuskritik zu \u00fcben, so unterliegen sie wohl einem Irrtum, denn in dem Bed\u00fcrfnis, \u201aGef\u00fchle zu kaufen\u2018, unterscheiden sie sich nicht von anderen Konsumenten.<\/p>\n<p>Als Sonderform sind wohl die speziell <strong>f\u00fcr den Westler kreierten Ostalgieprodukte<\/strong> wie das Hotel Zittavia zu sehen, deren Anschein von Authentizit\u00e4t vorgibt, etwas \u00fcber die Lebensumst\u00e4nde im damaligen Osten zu lehren, doch zugleich Abgrenzung, vielleicht auch Belustigung und das Gef\u00fchl, wie gut man es doch hat, so nicht leben zu m\u00fcssen, erzeugt.<\/p>\n<p>Sodann ist die Ostalgie einer Sonderform der <strong>allgemeinen Nostalgie. <\/strong>Der Begriff wurde zwar bereits 1688 als medizinischer Fachbegriff von einem Schweizer Arzt erfunden, in den n\u00e4chsten Jahrhunderten jedoch meist als <em>r\u00e4umliche <\/em>Sehnsucht verstanden und erfuhr eine gr\u00f6\u00dfere und popul\u00e4rere Verbreitung als <em>zeitliche <\/em>Sehnsucht erst ab den 1960er Jahren im englischen Sprachraum und ab den 1970ern in Deutschland.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a> In dieser Zeit (Beginn des Informationszeitalters) wurden der Fortschrittsglaube br\u00fcchig und die Zukunfts\u00e4ngste gr\u00f6\u00dfer, ja, es war sogar vom <em>Future Shock<\/em> (Buch von Alvin Toffler) die Rede, der entsteht, wenn zu viel (technologischer) Wandel in zu kurzer Zeit stattfindet und die Menschen \u00fcberfordert. Dies kann man sicher auf den Modernisierungsumbruch im Osten Deutschlands anwenden. Das Ph\u00e4nomen k\u00f6nnte grunds\u00e4tzlich noch \u00e4lter sein, da viele Kulturen eine \u201eGolden-Age\u201c-Theorie aufweisen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt der neurobiologisch nachgewiesene grunds\u00e4tzliche Hang von Menschen, mit zunehmendem Alter die Vergangenheit zu verkl\u00e4ren (\u201eMach es wie die Sonnenuhr, z\u00e4hl die sch\u00f6nen Stunden nur\u201c), besonders die eigene Jugend, die pr\u00e4genden Jahre (so wie der Schlusssatz des Films <em>Sonnenallee<\/em>).<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> Der Volksmund fasst dies in dem meist falschen, aber dennoch beliebten Satz zusammen: \u201eFr\u00fcher war alles besser.\u201c<\/p>\n<p>Will man eine solche Haltung auf die DDR-Vergangenheit \u00fcbertragen, muss man einige unliebsame Aspekte, wie die permanente ideologische Indoktrinierung und das Leiden der wirklich Schikanierten ausblenden, wovon man selbst nicht betroffen war. Aufgrund der schon genannten Entwertungserfahrungen und des Verlusts der eigenen Vergangenheit scheint dies einigen, sei es aus Trotz, Selbstbehauptung oder Eigennutz, erstaunlich leicht zu gelingen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kann Ostalgie als Antwort auf <strong>Identit\u00e4tskrisen<\/strong> einiger Vertreter der Generation der Wendekinder wie Jana Hensel, Kiewel oder Schreyl gelesen werden, selbst oder gerade bei denen, die dezidiert einen Aufbruch in die neue weite Welt gewagt haben, doch dort dann mit niemandem ihre Erinnerungen teilen oder kommunizieren konnten. Und andererseits fiel ihnen das Ausblenden besonders leicht, da sie Repressionen nie erfahren oder wahrgenommen hatten und sich eine Erinnerung an eine DDR bauen konnten, die es so nie gegeben hatte. Es stellt sich also die Frage nach eventuellen <strong>altersspezifischen<\/strong> <strong>Variationen<\/strong> von Ostalgie.<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Gegenreaktion auf Abwertungserfahrungen und das Sich-angegriffen-F\u00fchlen kann eine verst\u00e4rkte Identifikation mit der Ostidentit\u00e4t sein, ein R\u00fcckzug auf die Ursprungsidentit\u00e4t, weil man sich nicht als Gesamtdeutscher angenommen f\u00fchlt. In Kraushaars Sammelband wird mehrfach auf eine Umfrage von 2001 verwiesen, der zufolge sich 80% der Menschen in den neuen L\u00e4ndern stark oder ziemlich stark mit dem Raum Ostdeutschland verbunden f\u00fchlten, w\u00e4hrend der Wert im Westen auf 44% gesunken war.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> Dies ist wirklich auff\u00e4llig, l\u00e4sst sich aber zum Teil damit erkl\u00e4ren, dass schon vor dem Mauerbau 2,7 Millionen Menschen aus der DDR geflohen waren und im Wendejahr nochmals mehr als eine Million, sodann schlie\u00dflich in den 1990er-Jahren weitere zwei Millionen auf der Suche nach Arbeit und besseren Chancen in den Westen abwanderten. Da liegt es nahe, dass die Dagebliebenen offensichtlich eine gr\u00f6\u00dfere Heimatverbundenheit aufwiesen.<\/p>\n<p>Doch wie verh\u00e4lt es sich mit dem ostalgischen <strong>Spiel mit dezidiert politisch-ideologischen Produkten\/Symbolen<\/strong> wie dem Pionierhalstuch, dem Bier \u201eRoter Oktober\u201c etc.? Ist das nur Koketterie oder ernsthafte Sehnsucht nach ideologischem Inhalt? Der \u201everdiente Aktivist und Kaderleiter Ralf Heckel\u201c, der die eingangs erw\u00e4hnten Ostalgie-Partys in Berlin organisierte, auf denen nicht nur Ost-Musik gespielt und Ost-Getr\u00e4nke gereicht wurden, sondern auch mit Pioniert\u00fcchern, FDJ-Hemden oder in Uniformen von Rote-Armee-Generalen getanzt und sogar ein Lenin-Denkmal aufgestellt wurde, besteht auf ersterem: \u201eDas ist die Symbolik einer vergangenen Zeit, die Besucher genie\u00dfen es, das anziehen zu d\u00fcrfen, ohne es zu m\u00fcssen. Sie stehen \u00fcber den Dingen, es ist ein Fasching.\u201c<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a> Er erkl\u00e4rt es also zu einem karnevalesken Spiel mit Ideologie, die damals ein Korsett war und die man heute ironisch brechen, \u00fcber die man sich befreit lustig machen kann. Die Wiederholung der Geschichte als Farce (Karl Marx: <em>Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte<\/em>), die Austreibung b\u00f6ser Geister durch Reenactment und ihr Verlachen, das L\u00e4cherlich-Machen in Form einer Party. Dies passt als postmoderne popkulturelle Lesart durchaus in die 1990er Jahre.<\/p>\n<p>Doch es gab, wie gesagt, auch eine kleine Minderheit, f\u00fcr die Ostalgie das <strong>Festhalten an einem sozialistischen Weltbild<\/strong> und die Trauer \u00fcber sein Scheitern beinhaltete. Und dies nicht nur bei Ostdeutschen, sondern auch einige Westdeutsche, die die Marktwirtschaft immer abgelehnt und Sympathien oder Hoffnungen in den \u00f6stlichen Gegenversuch gesetzt und deshalb auch die Wiedervereinigung abgelehnt hatten, beteiligten sich an dieser \u201aTrauerarbeit\u2018. Als Beispiel zu nennen w\u00e4re die Schriftstellerin Gisela Elsner, deren Entt\u00e4uschung \u00fcber den Fall der Mauer und \u00fcber den Zustand des von ihr idealisierten Ostdeutschlands in den Suizid m\u00fcndet, was ihr Sohn Oskar Roehler in dem Film <em>Die Unber\u00fchrbare<\/em> (2000) nachzeichnet. Oder die Terroristin der \u201eBewegung 2. Juni\u201c und der RAF Inge Viett, die die 1980er inkognito und gl\u00fccklich in der DDR verbracht hatte, und in ihrem im Gef\u00e4ngnis geschriebenen Buch <em>Nie war ich furchtloser<\/em> (1997) die Solidarit\u00e4t der von der Wiedervereinigung entt\u00e4uschten Ostdeutschen f\u00fcr ihre nie aufgegebene sozialistische Utopie beschw\u00f6rt.<\/p>\n<p>Inwieweit Ostalgie statt all dieser Varianten eine <strong>Praxis des kulturellen Ged\u00e4chtnisses<\/strong> oder eine selbstbestimmte <strong>Wiederaneignung der Vergangenheit<\/strong>, eine spielerisch-selbstbewusste <strong>Referenz auf die eigene Identit\u00e4t<\/strong> sein kann, muss offenbleiben. Dazu w\u00e4re eine intensive Auseinandersetzung der Ostdeutschen <em>untereinander, miteinander <\/em>\u00fcber ihre gemeinsame Vergangenheit und ihre verschiedenen Perspektiven darauf vonn\u00f6ten. Dies wurde jedoch durch die permanente \u201aFrontstellung\u2018 gegen\u00fcber einer als hegemonial wahrgenommenen Westperspektive und Diskursdominanz erschwert und hat nicht hinreichend stattgefunden, wie Henryk Broder schon 1995 feststellte:<\/p>\n<blockquote><p>Diese Art der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte funktioniert nur da, wo Ossis unter sich bleiben. Ein Auftauchen von Wessis ruft sofort Trotz- und Abwehrreaktionen hervor. Kaum haben sich Ossis untereinander darauf verst\u00e4ndigt, da\u00df der \u201eDDR-Mief\u201c eigentlich unertr\u00e4glich war, bringt sie die Wessi-Frage \u201eWie habt ihr es da nur ausgehalten?\u201c dazu, die \u201eguten Seiten\u201c der DDR hervorzukehren, zum Beispiel das Sozialversicherungsbuch, das jeder B\u00fcrger der DDR hatte und \u201ewo alles drin stand, was man f\u00fcr die Rente brauchte\u201c.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Verweis auf die gro\u00dfe Verschiedenheit und Ausdifferenziertheit ostdeutscher Wahrnehmungen und Erfahrungen muss hier ausdr\u00fccklich erfolgen: Die umf\u00e4nglichen bisherigen Ausf\u00fchrungen sollen nicht den Eindruck erwecken, dass alle oder auch nur viele Ostler ostalgisch sind \u2013 auch wenn es schwer messbar ist, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass vielleicht sogar eine klare Mehrheit nie etwas mit Ostalgie am Hut hatte. Als Ph\u00e4nomen vor allem der sp\u00e4ten 1990er-Jahre, das zu reizvollen Interpretationen anregt, erfuhr es verst\u00e4rkte kulturwissenschaftliche Aufmerksamkeit. Doch sollte man es wiederum nicht \u00fcberbewerten \u2013 im Gegensatz zu politischer Entt\u00e4uschung und geschwundenem Vertrauen in die Demokratie, was ein weit ernsthafteres Problem f\u00fcr die Gesellschaft darstellt.<\/p>\n<p>Von den hier vorgestellten Wenderomanen ist eigentlich keiner nostalgisch, und doch tippen sie das Ph\u00e4nomen auf verschiedene Weise an: In Schirmers <em>Giraffe <\/em>gibt es einen Ostalgiker, Professor Br\u00f6ckle, der eine Kneipe \u201eZur alten DDR\u201c er\u00f6ffnet; in Wonnebergers <em>Wiesinger <\/em>bezieht sich eine gewisse Nostalgie des Protagonisten anscheinend auf seinen rebellischen Widerstand in der DDR, der so sehr zu seiner Identit\u00e4t geh\u00f6rte, dass er ohne politischen Gegner im vereinten Deutschland noch missmutiger und kritischer wird. Am wenigsten Ostalgie kommt bei Hensels <em>Tanz<\/em> vor \u2013 hier erscheint eher das \u201eDiktaturged\u00e4chtnis\u201c, aber auch eine Kritik an der voyeuristisch-journalistischen Vermarktung traumatischer Erfahrungen aus Sensationslust.<\/p>\n<p>Jens Sparschuh, der seinen burlesken Bestseller<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a> <em>Der Zimmerspringbrunnen<\/em> 1995 ver\u00f6ffentlichte und wohl in den Jahren zuvor, vielleicht 1992-94, schrieb, erkannte das Thema Ostalgie zeitig, ohne sie selbst zu betreiben. Weder romantisiert oder verkl\u00e4rt er die DDR, noch zitiert er umfangreiche (Alltags-)Erinnerungen. Vielmehr zeichnet er mit seinem Protagonisten Lobek das Bild eines Typus von Wendeverlierer, der genau daf\u00fcr anf\u00e4llig ist: Sein Leben war teilweise in der DDR besser als momentan (wertgesch\u00e4tzte Arbeit, funktionierende Ehe), seine Realit\u00e4t ist trostlos (Arbeitslosigkeit, Scheitern der Ehe, Vereinsamung), und er erlebt auf seiner Reise in den Schwarzwald einen Kulturschock, der die \u201averlorene Heimat\u2018 DDR als R\u00fcckzugs- und Gegen-Ort evoziert. Zudem malt Sparschuh Ostalgie nicht anhand von Beispielen aus, sondern pr\u00e4sentiert sie als Metapher: in Form des Zimmerspringbrunnens \u201eAtlantis\u201c, bei dem eine Platte mit dem Umriss der DDR und dem Fernsehturm aus dem Wasser emporsteigt.<\/p>\n<p>Zum einen kritisiert er Ostalgie damit bereits als etwas, das sich sowohl in kitschiger Form als auch im denkbar \u00fcberfl\u00fcssigsten Gebrauchsgegenstand manifestieren kann. Zum anderen ist bei ihm das politisch-ideologische bzw. verkl\u00e4rende Moment in der Metapher der untergegangenen Utopie enthalten (obwohl Lobek in seinen Erinnerungen die DDR mit den nie reparierbaren Wohnungen keineswegs als perfekt schildert und auch sonst nicht politisch erscheint). Und er hat den kommerziellen Aspekt \u2013 das Modell verkauft sich wie verr\u00fcckt \u2013 hellsichtig vorausgesehen. Bei ihm sind es jedoch nicht Westdeutsche (Fernsehsender, Patentanmelder, Textilfirmen), die davon profitieren, sondern ein Ostberliner, der damit ausgerechnet in der westlichsten aller Branchen, der Vertreterbranche, zum Star aufsteigt. Die Doppelb\u00f6digkeit einer ostalgischen Erinnerung, die selber zum Konsumgut wird, hat er also bereits pr\u00e4zise erfasst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dies zu einem Zeitpunkt, als das Fernsehen noch als das gemeinschaftsstiftende Leitmedium angesehen werden konnte. Die 2000er waren vielleicht das letzte Jahrzehnt, in dem das noch galt, bevor sich der Konsum von Nachrichten wie auch Unterhaltung, besonders bei j\u00fcngeren Menschen, aufs Internet verlagerte und damit durch selektives Viewing zersplitterte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ahbe, Thomas. <em>Ostalgie. Zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit in den 1990er Jahren.<\/em> Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Sachsen-Anhalt, Magdeburg 2005, S. 16.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u201eEin Jahr nach der W\u00e4hrungsunion sch\u00e4tzten die Wirtschaftswissenschaftler Gerlinde und Hans-Werner Sinn in einer ersten Bilanz ein, dass \u201adie Sch\u00e4rfe der ostdeutschen Depression ohne Beispiel in der neueren Wirtschaftsgeschichte\u2018 sei. \u201aSelbst die Weltwirtschaftskrise der Jahre 1928 bis 1933 hat keine vergleichbaren Wirkungen gehabt.\u2018 [\u2026] Die effektive Arbeitslosenquote stieg von praktisch Null zu Beginn des Jahres 1990 \u00fcber 7,2 Prozent im Juli 1990 und auf 25 Prozent im Fr\u00fchjahr 1991. Zum Jahreswechsel 1991\/92 hatte die effektive Arbeitslosenquote den Wert von 30 Prozent erreicht. [\u2026] Insgesamt ging die Besch\u00e4ftigung in Ostdeutschland bis zum Ende des Jahres 1991 von etwa 9,3 Millionen bis 9,7 Millionen Personen auf effektiv 5,2 Millionen Personen zur\u00fcck, und im zweiten Quartal 1992 wurde die 5-Millionen-Grenze unterschritten.\u201c Ebd., S. 26 und 28.<\/p>\n<p>Besonders die hohe Arbeitslosigkeit hatte einen verheerenden psychologischen Effekt bei Menschen aus einem Land, in dem diese als \u201easozial\u201c, ja kriminell galt (Asozialenparagraph 249 StGB), in dem sie verboten war (es gab ein Recht auf und eine Pflicht zur Arbeit in der Verfassung). Tats\u00e4chlich hatte zwar bereits in der DDR eine verdeckte Arbeitslosigkeit existiert, etwa bei K\u00fcnstlern, aber auch in der Produktion: \u201eGeht man in der DDR von bisherigen Produktions- und Absatzbedingungen aus, so wird die verdeckte Arbeitslosigkeit auf 15% der Gesamtbesch\u00e4ftigung, das sind 1,4 Mill. Besch\u00e4ftigte, gesch\u00e4tzt. Weitere Fakten belegen dies: t\u00e4gliche Stillstandszeiten der Produktion im Durchschnitt 18-25%, Arbeitszeitausfall von 11%, Ausfallzeiten bei Materiallieferungen in H\u00f6he von 13%. Eine andere Ursache liegt in dem auf 2-15% der Gesamtbev\u00f6lkerung gesch\u00e4tzten personellen Aufwand f\u00fcr soziale und politische Aufgaben.\u201c Vogler-Ludwig, Kurt. \u201eVerdeckte Arbeitslosigkeit in der DDR.\u201c In: ifo Schnelldienst, M\u00fcnchen: ifo Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung, 1990, 43, Nr. 24, 03-10. Jedoch war all dies versteckt und verdeckt, sodass die Ostdeutschen sp\u00e4ter mit der enormen offenen Arbeitslosigkeit \u00fcberfordert waren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> K\u00f6pping, Petra. <em>Integriert doch erst mal uns! Eine Streitschrift f\u00fcr den Osten.<\/em> Berlin: Ch. Links Verlag, 2018, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Sabrow, Martin. \u201eDie DDR erinnern.\u201c In: <em>Erinnerungsorte der DDR.<\/em> Hg. von Martin Sabrow. M\u00fcnchen: Beck, 2009, S. 11-27, hier S. 18. Siehe auch <a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/home-2\/wende-geschichte-materialien\/\">Materialien zur Wende-Geschichte<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd., S. 19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u201eStolz aufs eigene Leben.\u201c In: <em>Der Spiegel #27<\/em> 2. Juli 1995. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/stolz-aufs-eigene-leben-a-2e1e2c36-0002-0001-0000-000009200687?context=issue\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/stolz-aufs-eigene-leben-a-2e1e2c36-0002-0001-0000-000009200687?context=issue<\/a> (eingesehen am 11.2.2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ahbe, S. 39.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Kraushaar, Tom. \u201eVorwort\u201c. In: Ders. (Hg.). <em>Die Zonenkinder und Wir. Die Geschichte eines Ph\u00e4nomens.<\/em> Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004, S. 7-10, hier S. 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Hensel, Jana. <em>Zonenkinder.<\/em> Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007, S. 13-14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd., im Kapitel 1, \u201eDas sch\u00f6ne, warme Wir-Gef\u00fchl. \u00dcber unsere Kindheit\u201c, S. 11-26.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Thieme, Manuela. \u201eAdieu, Pittiplatsch.\u201c In: Kraushaar, S. 47-53, hier S. 49.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl.: Ludwig, Janine. \u201eDer Kalte Krieg der Kulturen: Wie die DDR den Kampf gegen die Rockmusik verlor.\u201c In: <em>Glossen<\/em> #45. <a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/home-2\/glossen-45-2020\/ii-kulturgeschichtliche-aanalysen-der-kalte-krieg-der-kulturen-wie-die-ddr-den-kampf-gegen-die-rockmusik-verlor\/\">https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/home-2\/glossen-45-2020\/ii-kulturgeschichtliche-aanalysen-der-kalte-krieg-der-kulturen-wie-die-ddr-den-kampf-gegen-die-rockmusik-verlor\/<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Hensel, Kapitel 5, \u201eJa, das geloben wir! \u00dcber unsere Erziehung\u201c, S. 83-112.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Ebd., S. 94.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebd., S. 113-114.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Ebd., S. 54, vgl. S. 166.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Ebd., S. 25.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Kraushaar, Vorwort, S. 8-9. Dies umrei\u00dft ziemlich genau die \u201e3. Generation Ost\u201c: <a href=\"https:\/\/netzwerk.dritte-generation-ost.de\/\">https:\/\/netzwerk.dritte-generation-ost.de\/<\/a> (eingesehen am 18.2.2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Auff\u00e4llig ist die H\u00e4ufung von Texten meist junger Autoren zum Thema Jugend in der DDR und danach, die nicht alle ostalgisch sind, aber der R\u00fcckbesinnung verpflichtet, oft autobiografisch, um 2000 herum, z.B.: Hennig, Falko. <em>Alles nur geklaut.<\/em> Augsburg: Maro, 1999. Schindhelm, Michael. <em>Roberts Reise.<\/em> M\u00fcnchen: DVA, 2000. Schoch, Julia. <em>Der K\u00f6rper des Salamanders. <\/em>Erz\u00e4hlungen. M\u00fcnchen: Piper Verlag, 2001. Hein, Jakob. <em>Mein erstes T-Shirt<\/em>. M\u00fcnchen: Piper Verlag, 2001. Strubel, Antje Ravik. <em>Offene Blende.<\/em> M\u00fcnchen: dtv, 2001. Gl\u00e4ser, Andreas. <em>Der BFC war schuld am Mauerbau. Ein stolzer Sohn des Proletariats erz\u00e4hlt.<\/em> Berlin: Aufbau, 2002. Simon, Jana. <em>Denn wir sind anders. Die Geschichte des Felix S.<\/em> Berlin: Rowohlt, 2002. Hennig, Falko. <em>Trabanten.<\/em> M\u00fcnchen: Piper, 2002. Klier, Freya. <em>Wir Br\u00fcder und Schwestern: Geschichten zur Einheit.<\/em> Berlin: Ullstein, 2002. Sander, Gregor. <em>Ich aber bin hier geboren.<\/em> Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002. Koch, Roland (Hg.). <em>Der wilde Osten.<\/em> Frankfurt a.M.: Fischer, 2002. Kubiczek, Andr\u00e9. <em>Junge Talente.<\/em> Berlin: Rowohlt, 2002. Kubiczek, Andr\u00e9. <em>Die Guten und die B\u00f6sen.<\/em> Berlin: Rowohlt, 2003. Oskamp, Katja. <em>Halbschwimmer.<\/em> Z\u00fcrich: Ammann Verlag, 2003. Z\u00f6llner, Abini. <em>Schokoladenkind. Meine Familie und andere Wunder.<\/em> Berlin: Rowohlt Verlag, 2003. Rusch, Claudia. <em>Meine freie deutsche Jugend.<\/em> Frankfurt a.M.: Fischer, 2004. Schmidt, Jochen. <em>M\u00fcller haut uns raus.<\/em> M\u00fcnchen: dtv, 2004. Hinzu kommen mehrere Sachb\u00fccher, die Unterschiede Ost-West analysieren.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gab es um die Jahrtausendwende ebenfalls eine auff\u00e4llige H\u00e4ufung von Filmen zur RAF \u2013 also einem traumatischen Thema der alten Bundesrepublik \u2013 die nach der offiziellen Selbstaufl\u00f6sung der dritten Generation 1998 sofort einsetzte. Diese Form der \u201aWest-Aufarbeitung\u2018 lief also parallel.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vgl. Weidermann, Volker. \u201eGl\u00fcckskinder der sp\u00e4ten Geburt.\u201c In: Kraushaar, S. 12-16, hier S. 13-14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. au\u00dferdem das Close Reading vis \u00e0 vis Judith Hermann in: Camman, Alexander. \u201eAuf der Suche nach dem DDR-Gef\u00fchl.\u201c In: Kraushaar, S. 61-73, hier S. 68.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Ebd., S. 65.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Ausz\u00fcge auf YouTube zu sehen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RvljZms845g\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RvljZms845g<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=N-GkOj-rHHk\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=N-GkOj-rHHk<\/a> (eingesehen am 9. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Kiewel beschreibt selbst in einem Interview zur Show ihren ostalgischen Ansatz: \u201eMein Kollege Marco Schreyl und ich versuchen einen ganz pers\u00f6nlichen Blick zur\u00fcckzuwerfen. Wir hatten beide eine sehr unbeschwerte Kindheit. Ich hatte niemals Kontakt zur Stasi. In meinem ganzen Verwandtenkreis ist keiner verfolgt worden. Es gab keine Dissidenten. Es gab keine Regime-Kritiker, niemanden, der im Stasi-Knast sitzen musste. Ich kann aber sehr wohl verstehen, dass Leute, die drangsaliert worden sind, sich an alles andere gern erinnern w\u00fcrden als an das. <em>Es war also nicht alles schlecht?<\/em> Die DDR nur als Diktatur f\u00fcr 17 Millionen Menschen hinzustellen ist falsch. Nat\u00fcrlich sind da immer wieder Dinge dabei, wo man sagt: \u201aMein Gott, das h\u00e4tte ja auch nicht sein m\u00fcssen. Wie haben die sich doch angestellt.\u2018 Doch gerade meine Generation, die lange nach dem Bau der Mauer aufgewachsen ist, ist da viel entspannter. Die Mauer ist 1989 gefallen. Irgendwann ist auch mal gut.\u201c Scharz, Florian A. \u201eEin bisschen wehm\u00fctig.\u201c In: <em>Berliner Zeitung<\/em> 16. Aug. 2003. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/moderatorin-andrea-kiewel-ueber-die-ostalgie-show-mit-der-das-zdf-den-reigen-der-ddr-sendungen-eroeffnet-ein-bisschen-wehmuetig-li.1124456\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/moderatorin-andrea-kiewel-ueber-die-ostalgie-show-mit-der-das-zdf-den-reigen-der-ddr-sendungen-eroeffnet-ein-bisschen-wehmuetig-li.1124456<\/a> (eingesehen am 8. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Hanfeld, Michael. \u201e\u201aOstalgie-Show\u2018: Erinnerungsgegacker\u201c. In: <em>FAZ<\/em> 19. Aug. 2003, Nr. 191, Seite 37. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/ostalgie-show-erinnerungsgegacker-1113776.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/ostalgie-show-erinnerungsgegacker-1113776.html<\/a> (eingesehen am 10. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.dwdl.de\/magazin\/60418\/wie_die_sender_gealtert_sind__und_wer_sich_dagegen_stemmt\/\">https:\/\/www.dwdl.de\/magazin\/60418\/wie_die_sender_gealtert_sind__und_wer_sich_dagegen_stemmt\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> \u201eZDF-Ostalgieshow: Schamlose Verniedlichung oder Erinnerung an das Gute?\u201c In: <em>MZ<\/em> 18. Aug. 2003. <a href=\"https:\/\/www.mz.de\/mitteldeutschland\/zdf-ostalgieshow-schamlose-verniedlichung-oder-erinnerung-an-das-gute-2980000\">https:\/\/www.mz.de\/mitteldeutschland\/zdf-ostalgieshow-schamlose-verniedlichung-oder-erinnerung-an-das-gute-2980000<\/a> (eingesehen am 8. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Jauer, Marcus. \u201eOstalgie im Fernsehen: Seid bereit? Immer bereit!\u201c In: <em>S\u00fcddeutsche <\/em>22. Aug. 2003. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/ostalgie-im-fernsehen-seid-bereit-immer-bereit-1.801088\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/ostalgie-im-fernsehen-seid-bereit-immer-bereit-1.801088<\/a> (eingesehen am 11. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Schr\u00f6der, Martin Z. \u201eMeine DDR war nicht kuschelig. Eine Polemik gegen den Jubelsturm der Erinnerung.\u201c In: <em>Berliner Zeitung<\/em> 22. Jan. 2000. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/eine-polemik-gegen-den-jubelsturm-der-erinnerung-meine-ddr-war-nicht-kuschelig-li.982674\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/eine-polemik-gegen-den-jubelsturm-der-erinnerung-meine-ddr-war-nicht-kuschelig-li.982674<\/a> (eingesehen am 11.2.2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Sie ist heute noch auf YouTube zu sehen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q-eJtmeooUM\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q-eJtmeooUM<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bCCegSSpack\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bCCegSSpack<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tKJ3iTkJI88\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tKJ3iTkJI88<\/a>,<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Witzel, Holger. \u201eDas M\u00e4rchen von der Ostalgie.\u201c In: <em>Stern<\/em> 2. Sep. 2003. <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/kultur\/film\/ddr-shows-das-maerchen-von-der-ostalgie-3505454.html\">https:\/\/www.stern.de\/kultur\/film\/ddr-shows-das-maerchen-von-der-ostalgie-3505454.html<\/a> (eingesehen am 11. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Ebd., S. 54.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Brink, Nana. \u201eOst-Zoo f\u00fcr West-B\u00fcrger. Im s\u00e4chsischen Zittau lockt ein Hotelunternehmer G\u00e4ste mit original DDR-Atmosph\u00e4re, vom Honecker-Bild bis hin zum Kumpeltod.\u201c In: <em>Der Spiegel<\/em> #48, 28. Nov. 1999. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ost-zoo-fuer-west-buerger-a-fa4b5eda-0002-0001-0000-000015158104\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ost-zoo-fuer-west-buerger-a-fa4b5eda-0002-0001-0000-000015158104<\/a> (eingesehen am 11. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Ahbe, S. 7.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Ebd., S. 43.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Ebd., S. 65.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Becker, Tobias. <em>Yesterday: A New History of Nostalgia.<\/em> Cambridge: Harvard University Press, 2023, u.a. S. 119 und 176.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> Vgl. McAndrew, Frank T. \u201eThis is why you\u2019re still thinking about high school. The evolutionary psychology of nostalgia.\u201c In: <em>Washington Post<\/em>, June 6, 2016. <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/303857205_The_Evolutionary_Psychology_of_Nostalgia\">https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/303857205_The_Evolutionary_Psychology_of_Nostalgia<\/a> Or: Waldman, Katy. \u201eThe Mysteriously Memorable 20s. Why do we remember more from young adulthood than from any other time of our lives?\u201c In: <em>Slate<\/em>, Jan 18, 2013. <a href=\"https:\/\/slate.com\/technology\/2013\/01\/reminiscence-bump-explanations-why-we-remember-young-adulthood-better-than-any-other-age.html\">https:\/\/slate.com\/technology\/2013\/01\/reminiscence-bump-explanations-why-we-remember-young-adulthood-better-than-any-other-age.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Weidermann (in Kraushaar), S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> Walter, Birgit. \u201eWarum wird das die letzte Ostalgie-Nacht?\u201c In: <em>Berliner Zeitung<\/em> 1. Okt. 1999. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/warum-wird-das-die-letzte-ostalgie-nacht-li.1102397\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/warum-wird-das-die-letzte-ostalgie-nacht-li.1102397<\/a> (eingesehen am 11. Februar 2024). Vgl. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/das-geschaeft-mit-dem-genau-so-war-s-effekt-blueht-am-sonnabend-in-treptow-zum-letzten-mal-die-ddr-in-der-arena-li.638021\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/das-geschaeft-mit-dem-genau-so-war-s-effekt-blueht-am-sonnabend-in-treptow-zum-letzten-mal-die-ddr-in-der-arena-li.638021<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/zum-letzten-mal-findet-die-ostalgie-nacht-statt-und-lenin-dient-als-werbegag-617911.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/zum-letzten-mal-findet-die-ostalgie-nacht-statt-und-lenin-dient-als-werbegag-617911.html<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> Broder, Henryk M. \u201eWir lieben die Heimat.\u201c In: <em>Der Spiegel #27<\/em> 2. Juli 1995. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/wir-lieben-die-heimat-a-10109c64-0002-0001-0000-000009200715?context=issue\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/wir-lieben-die-heimat-a-10109c64-0002-0001-0000-000009200715?context=issue<\/a> (eingesehen am 11. Februar 2024).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> Als Besteller gilt in Deutschland bereits der Verkauf von 90.000 Exemplaren, die dieser Roman erreichte \u2013 was jedoch weit entfernt ist von den mehreren Millionen Zuschauern, die man mit Kino; Fernsehen oder Streaming erreichen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kontext f\u00fcr den Wende-Reader von Janine Ludwig Der Begriff \u201eOstalgie\u201c geht wohl auf den s\u00e4chsischen Kabarettisten Uwe Steimle zur\u00fcck, der 1992 ein B\u00fchnenprogramm so benannte und, so hei\u00dft es, sich das Wort sogar patentieren lie\u00df. Die Idee einer \u201eNostalgie f\u00fcr den Osten\u201c gab es also schon fr\u00fch. 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