{"id":6317,"date":"2020-07-06T07:25:42","date_gmt":"2020-07-06T11:25:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?p=6317"},"modified":"2021-12-05T13:46:31","modified_gmt":"2021-12-05T18:46:31","slug":"unalienable-rights-amerikas-unabhangigkeitserklarung-damals-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/2020\/07\/06\/unalienable-rights-amerikas-unabhangigkeitserklarung-damals-und-heute\/","title":{"rendered":"\u201eUnalienable Rights\u201c"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eUnalienable Rights\u201c<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Amerikas Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung <\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>damals und heute<\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>by Frederick A. Lubich, Norfolk, Virginia<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 4. Juli druckte der <em>Virginian Pilot<\/em>, unsere regionale Zeitung hier in Norfolk, Virginia, zum 244. Jahrestag von Amerikas \u201eDeclaration of Independence\u201c dessen Text in ihrer Rubrik \u201eOpinion\u201c erneut ab. W\u00e4hrend ich ihn las \u2013 und noch einmal las \u2013 l\u00f6ste er in mir auch mehr und mehr pers\u00f6nliche Erinnerungen und aktuell politische Betrachtungen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber vierzig Jahren lebe ich nun schon in den Vereinigten Staaten. Urspr\u00fcnglich war ich nur f\u00fcr ein Jahr in dieses Land gekommen, um an der Cornell University im Staat von New York eine Magister-Arbeit \u00fcber den \u201eAmerican Dream\u201c in der modernen amerikanischen Literatur zu schreiben. Doch dieses eine Jahr war nur der Anfang meiner langen Lehr- und Wanderjahre als \u201egypsy scholar\u201c, wie man hier junge Akademiker nennt, die oft jahrelang von Universit\u00e4t zu Universit\u00e4t ziehen und sich mit Zeitvertr\u00e4gen durchschlagen auf der Suche nach \u201etenure\u201c, einer Lehrstelle auf Lebenszeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits zu Beginn meiner fast drei\u00dfig Jahre w\u00e4hrenden Wanderschaft, die Anfang der siebziger Jahre mit meinen Studien in Deutschland und England begann, d\u00e4mmerte mir, dass der Beruf der Lehre und Forschung auch meine eigentliche Berufung, mein wahrer Traumberuf werden k\u00f6nnte. Und so bin ich denn dem Ruf dieses Traums bis an die Westk\u00fcste der Neuen Welt, bis ans Ende der sogenannten Westlichen Zivilisation gefolgt. Und ja l\u00e4nger ich in Amerika von Santa Barbara in California \u2013 \u00fcber mehrere andere Institutionen \u2013 schlie\u00dflich bis nach Norfolk in \u00a0S\u00fcd-Virginia diesem Ruf folgte, desto klarer wurde mir, dass ich dem Traum von Amerika nicht nur in seinen gro\u00dfen, modernen Romanen, sondern viel mehr auch noch selbst direkt und landesweit auf der Spur war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hie\u00df es doch bereits in Amerikas \u201eDeclaration of Independence\u201c, dass die \u201epursuit of Happiness\u201c letztendlich die endg\u00fcltige Erf\u00fcllung, gewisserma\u00dfen die Endstation Sehnsucht der amerikanischen Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit sei. Mit dem \u201eStreben nach Gl\u00fcck\u201c, wie die deutsche \u00dcbersetzung dieser \u201epursuit of Happiness\u201c lautet, ist freilich diese nationale Suche und Sehnsucht nur ungen\u00fcgend \u00fcbersetzt, denn es ist ja nicht nur ein sehns\u00fcchtiges Erstreben, sondern vielmehr auch ein tatkr\u00e4ftiges Verfolgen dieses oft so fl\u00fcchtigen Gl\u00fccks gemeint. Und dieses sagenhafte Gl\u00fccksversprechen sollte anscheinend auch mein \u201eunalienable right\u201c sein, selbst wenn ich ein Leben lang nur ein sogenannter \u201eresident alien\u201c geblieben, also kein regelrecht eingeschworener B\u00fcrger der Vereinigten Staaten geworden bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">The pursuit of Happiness! Die gute, alte deutsche Bildungsreise als neue amerikanische Lebensreise. Und das f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben lang! Was f\u00fcr eine herrliche Horizonterweiterung, was f\u00fcr ein farbenfroher Spannungsbogen! What a trajectory and sparkling destiny at the end of the rainbow. Looking back at my German-American \u201cWay of Life\u201d from our house here in Norfolk a few steps away from the water and its sandy beaches, I have to say, that so far I have been very fortunate, in other words, very lucky and very happy in this country. For me, America has truly lived up to its national promise from sea to shining sea.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt das schreckliche Erwachen aus diesem amerikanischen Traum. Das Aufschrecken im Alptraum der amerikanischen Gegenwart. \u201eI can\u2019t breathe\u201c. Dieses immer schw\u00e4cher werdende Todesr\u00f6cheln von George Floyd entsetzte nicht nur das ganze Land, es ging auch wie ein vielfaches Echo rund um die ganze Welt. Wie unendlich weit sind wir doch noch vom Versprechen der Gr\u00fcnderv\u00e4ter und ihrer verk\u00fcndeten Wahrheit entfernt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWie hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among those are Life, Liberty \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">What scandalous travesty! Diese selbstverst\u00e4ndliche Binsenwahrheit der modernen Weltgeschichte und ihrer sogenannten Westlichen Zivilisation war von Anfang an die scheinheiligste Binsenl\u00fcge der amerikanischen Gr\u00fcnderv\u00e4ter und ihrer gutgl\u00e4ubigen Brave New World! Diese Gr\u00fcnderl\u00fcge wurde nicht nur im vollen Bewusstsein der systematische Versklavung der schwarzen Bev\u00f6lkerung diese Landes ausgesprochen, sie wurde zudem auch noch weiter unterstrichen durch die stereotypische Diffamierung s\u00e4mtlicher indigener V\u00f6lker dieses Kontinents, von denen es kurz und b\u00fcndig in diesem nationalen Gr\u00fcndungsdokument hei\u00dft, sie seien \u201emerciless Indian Savages, whose known rule of warfare is an undistinguished destruction of all ages, sexes and conditions\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im R\u00fcckblick gibt sich dieser landesweite Rufmord bereits als eine vorauseilende Rechtfertigung des am Horizont schon d\u00fcster heraufziehenden Landraubs und V\u00f6lkermords an den Indianern Nordamerikas zu erkennen. Und damit nicht genug. Auch das weibliche Geschlecht, die fr\u00fcher so verlogen hochgelobte \u201ebessere H\u00e4lfte\u201c des Mannes, wurde in dessen selbstherrlicher Behauptung \u201ethat all men are created equal\u201c von Anfang an vollkommen totgeschwiegen. So konnte man die Frau \u2013 linguistische Konvention hin und politische Konvenienz her \u2013 von Anbeginn staatsrechtlich und sozialgeschichtlich mundtot machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum, selbst die wei\u00dfen Frauen des wei\u00dfen Mannes waren urspr\u00fcnglich von der vielbeschworenen Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit genauso ausgeschlossen, wie all die Andersfarbigen des Landes, die Verschleppten, Verfolgten und letztlich vielfach Ausgerotteten Amerikas. Sie alle, die zusammen die eindeutige Mehrheit seiner Bev\u00f6lkerung bildeten, blieben zeitlebens und auf Generationen hinaus die Anderen, die mehr oder weniger Fremdartigen \u2013 in andern Worten \u2013 aliens with no unalienable rights.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Staat von Virginia \u2013 die voraussichtliche Endstation meines \u201eAmerican Dreams\u201c \u2013 geh\u00f6rt nicht nur zu den ersten Gr\u00fcnderstaaten der USA, seine Hafenst\u00e4dte am Atlantik, allen voran Norfolk hier an der M\u00fcndung der Chesapeake Bay, waren einst auch zentrale Umschlagpl\u00e4tze im transatlantischen Sklavenhandel. Nicht zuf\u00e4llig werden denn auch hier zurzeit die Statuen von prominenten Gener\u00e4len der Konf\u00f6deration gleich reihenweise gest\u00fcrzt. Und genau betrachtet m\u00fcsste auch mit einigen Statuten der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung \u00e4hnlich verfahren werden. Sie sind schon lange Makel und Makulatur der Unabh\u00e4ngigkeitsgeschichte dieses Landes und dergestalt wachsender Spott und Hohn auf die demokratischen Ideale dieser historisch insgesamt so progressiven Nation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cBut wait a minute, my dear resident alien from far-away Germany. Who are you to criticize our country, to desecrate our national memory, to vandalize the founding documents of our proud American history \u2026?!\u201d So h\u00f6re ich die Patrioten Amerikas missmutig murren. \u201cAs the son of a fatherland that plunged the world into two World Wars \u2026 not to mention the horrors of the Holocaust! You should talk!!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich w\u00fcrde ihrer aufgebrachten Landesverteidigung vollkommen zustimmen und dies nicht zuletzt um ihrer selbst willen. \u00a0In der Tat, ich muss reden, denn was ich schon lange wei\u00df, das macht mich selbst heute noch hei\u00df \u2013 hot under the collar, as they would say in this country \u2013 denn gebrannte Kinder scheuen bekanntlich ein Leben lang das Feuer. Und unser deutsches Vaterland ist nicht nur einmal, es ist gleich zweimal abgebrannt. Allein schon unsere V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter konnten so manche Schreckensgeschichte davon erz\u00e4hlen. In anderen Worten, genauer, in den Worten eines ganz Andern: I have a nightmare!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So m\u00fcsste man wohl heute Martin Luther Kings einst so vielversprechende Zukunftsvision umbenennen, jene gro\u00dfe Mosaische Traumvision vom Gelobten Land, die er vor \u00fcber einem halben Jahrhundert f\u00fcr die Nachfahren der einst hier Versklavten als gemeinsamen Traum von Amerika so prophetisch und rhapsodisch herausbeschworen hatte. Doch heute scheint dieser so episch-poetische Zukunftstraum zu einem omnipr\u00e4senten Alptraum geworden zu sein in Anbetracht des derzeitigen Volksverf\u00fchrers im Wei\u00dfen Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat sich jetzt schon als einer der scheinheiligsten L\u00fcgenbeutel der modernen Weltgeschichte einen ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Namen gemacht. Und seine Gefolgschaft, die ihm beim Bau der Grenzmauer im S\u00fcden des Landes zujubelt und sich f\u00fcr seine rassistischen und xenophobischen Tiraden begeistert, folgt ihm verblendet auf Gedeih und Verderb, grad so, als w\u00e4re er der Rattenf\u00e4nger von Hameln. Nur zu gern tanzen seine Anh\u00e4nger nach seiner Pfeife und huldigen ihm in dichten Haufen und am liebsten ohne Mundschutz lautstark und tolldreist auf Gott und Teufel komm raus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geblendet von den glitzernden T\u00fcrmen seines megalomanischen Immobilien-Imperiums tanzen und taumeln sie ums Goldene Kalb seines Turbo-Kapitalismus, der die Wirtschaft Amerikas um jeden Preis und ohne R\u00fccksicht auf Verluste so schnell wie m\u00f6glich wieder anzukurbeln verspricht. Und gleich ihm pfeifen auch sie zuhauf \u2013 und viele von ihnen mehr oder weniger bibelfest \u2013 auf die sich erneut ausbreitende und immer mehr ausweitende Corona-Pest. Grad so, als w\u00e4re sie nur ein l\u00e4stiger Schluckauf oder eine vor\u00fcbergehende Atemnot und dabei pochen sie trotzig auf ihren althergebrachten \u201cAmerican Way of Life\u201d und sein verbrieftes amerikanisches Recht und Gebot \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Its unalienable rights to \u201cLife\u201d and \u201cLiberty\u201d \u2026 until more and more of us will become those others \u2026 who cannot swallow and breathe anymore \u2026 even with ventilators in overcrowded hospices and hospitals \u2026 where death is already waiting patiently in the wings \u2026 taking more and more of his familiar liberties \u2026 until we all will finally be equal and free \u2026 to die all across this promised land \u2026 from sea to shining sea.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnalienable Rights\u201c &nbsp; Amerikas Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung damals und heute by Frederick A. Lubich, Norfolk, Virginia &nbsp; Am 4. 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