{"id":6325,"date":"2020-07-12T07:31:18","date_gmt":"2020-07-12T11:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?p=6325"},"modified":"2021-01-22T16:20:58","modified_gmt":"2021-01-22T21:20:58","slug":"berliner-plauderbrief-von-alfred-kerr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/2020\/07\/12\/berliner-plauderbrief-von-alfred-kerr\/","title":{"rendered":"From Time to Time: Berliner Plauderbrief"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/2020\/07\/12\/from-time-to-time\/\"><strong>From Time to Time<\/strong><\/a><\/h1>\n<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\">History does not repeat itself,<br \/>\nBut it certainly likes to rhyme.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Landestrauer<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>von Alfred Kerr<\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>11. August 1901<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite Kaiserin des neuen Reiches ist in das unentdeckte Land gezogen, aus dess&#8217; Bezirk kein Wandrer wiederkehrt.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Berlin steht im Eindruck dieses schmerzlichen Vorgangs; und die Stimmung wird wohl auch drau\u00dfen die gleiche sein. Die Verstorbene hat eine gesonderte Stellung eingenommen, was das innere Verh\u00e4ltnis der Nation zu ihr betrifft. Ihr gegen\u00fcber waren die Gef\u00fchle nicht allt\u00e4glich: sie hatte besonders gl\u00fchende Verehrer, und es gab andererseits Leute, die sie mit Nachdruck befehdeten. Aber beides, die gro\u00dfe Zuneigung und die stille Abneigung, floss zuletzt ineinander in einziges Gef\u00fchl der Ehrfurcht vor den tiefen Schmerzen, die sie erfahren. Da wurden alle einig. Sie war die Kaiserin der Schmerzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist hier auf zwei Parteien angespielt worden. Es ist nicht einzusehen, warum am Sarge einer so klugen Frau diese Dinge nicht er\u00f6rtert werden sollten, da sie doch in der Wirklichkeit einmal bestanden haben. Die zwei Parteien sind nicht als politische Fraktionen gesondert. Dennoch spielen selbstverst\u00e4ndlich politische Motive hinein. Man wei\u00df, da\u00df die Anh\u00e4nger einer freiheitlichen Weltanschauung besonders viel von Friedrich III. und seiner Gemahlin erwarteten. Aus diesem Grunde wurde die tote Kaiserin, die vielleicht in der Ehe der entschlossenere Teil war, von einem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Schwarm auf den Schild erhoben. Auf der anderen Seite standen Die, welche aus dem gleichen Grunde \u00e4ngstlich waren. Sie sahen vor allem in ihr die Britin. Ich entsinne mich aus meiner Studentenzeit, welche \u00c4u\u00dferungen man damals h\u00f6ren konnte, als die Kronprinzessin den Kaiserthron bestiegen hatte. Ich war oft genug verwundert. Besonders aber, als meine alte Wirtin eines Tages vor mich hin trat und ihrem Herzen Luft machte. Ich wei\u00df nicht, welche Zeitungsnachricht sie gelesen hatte. Die Frau war sonst von friedlichem Charakter, und ich hatte niemals Exzesse an ihr bemerkt. Aber jetzt legte sie los \u2013 mit einer verbl\u00fcffenden Leidenschaft. Ich erlebte denselben Vorgang anderw\u00e4rts. Immer galt die gekr\u00f6nte Frau als Engl\u00e4nderin, nur als Engl\u00e4nderin. Und das, scheint mir, war ein Unrecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kaiserin Viktoria hat ihre Pflicht gegen das deutsche Volk niemals vers\u00e4umt. Gewi\u00df war sie in England geboren und gro\u00df geworden. Sie hat bis in die sp\u00e4te Zeit hinein eine Vorliebe f\u00fcr ihr Vaterland und seine Bewohner bewahrt, \u2013 aber das ist kein Verbrechen; es ist ein nat\u00fcrlicher Zug, und man h\u00e4tte nur dann Grund gehabt, sich dar\u00fcber zu beklagen, wenn es uns Nachteile geschafft haben w\u00fcrde. Wir Deutsche haben leider den Drang, in fremden L\u00e4ndern allzuleicht die Heimat zu verleugnen, \u2013 das ist hundertmal gesagt und gedruckt worden, und vielleicht sind wir in Folge dessen heut auf dem Wege der Einkehr und lassen unsere Nationalit\u00e4t nicht so leicht fahren. Man soll aber auch Anderen keinen Vorwurf machen, wenn sie die ihrige nicht ohne Weiteres preisgeben. Wir w\u00fcrden es der Schwester des gegenw\u00e4rtigen Kaisers sehr verargen, wenn sie in Griechenland Preu\u00dfen verg\u00e4\u00dfe! Und was w\u00fcrden wir von der sch\u00f6nen Frau auf dem russischen Thron denken, wenn sie f\u00fcr immer ihre holde Darmst\u00e4dter Jugend zum alten Eisen werfen wollte? Beide haben Pflichten in dem neuen Lande und gegen das neue Volk, und diese Pflichten m\u00fcssen sie freudig erf\u00fcllen. Die verstorbene Kaiserin hat sie erf\u00fcllt. Sie hat auf deutschem Boden die h\u00f6chsten H\u00f6hen und die tiefsten Tiefen ihres Empfindens durchlebt, und sie wird in deutscher Erde schlafen. Sie ist eine Deutsche \u2013 von englischer Abkunft. Heute, wo die Leidenschaften schweigen und die Herzen milder urteilen und die Augen freier sehen, heute wird ihr kein alter und kein junger Hei\u00dfsporn mehr grollen, da\u00df sie die Anh\u00e4nglichkeit an ihr Geburtsland nicht verlor.<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 25.8749%;\"><\/td>\n<td style=\"width: 50.8569%; text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Beisetzung-Kaiserin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6330\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Beisetzung-Kaiserin-300x207.jpg\" alt=\"\" width=\"589\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Beisetzung-Kaiserin-300x207.jpg 300w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Beisetzung-Kaiserin.jpg 560w\" sizes=\"auto, (max-width: 589px) 100vw, 589px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Die Beisetzung der Kaiserin Friedrich am 13. August 1901 in Potsdam.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">Zeichnung f\u00fcr die Illustrierte \u201eDie Woche\u201c von Paul Brockm\u00fcller.\u00a0<\/span><\/td>\n<td style=\"width: 23.2681%;\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das wird kein Hei\u00dfsporn mehr bem\u00e4ngeln, da\u00df sie auf eigene Hand Bismarcks \u00e4u\u00dfere Politik durchkreuzt habe. Zun\u00e4chst lie\u00df er sich nicht so leicht was durchkreuzen. Und zweitens, ist es nicht ungerecht, gerade der Kaiserin Friedrich und ihr allein wegen solchen Einmischens Vorhaltungen zu machen? In der Zwischenzeit sind Bismarcks Memoiren erschienen, worin er schildert, wie der gro\u00dfe Kampf seines gro\u00dfen Lebens durch die alte Kaiserin Augusta erschwert wurde, wie er fast das halbe Ma\u00df seiner Energie darauf verwenden mu\u00dfte, ihre Einmischung, ihre abweichenden Ziele zu bek\u00e4mpfen. Mehr hat auch die Kaiserin Friedrich nicht getan. Wahrscheinlich sogar weniger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber noch einmal: es ist fast unn\u00fctz, diese gescheite und edle Frau noch gegen irgendjemand heute zu verteidigen; denn nicht erst ihr Tod \u2013 die ganzen dreizehn Jahre und ihr geh\u00e4uftes Leid haben rauhe und zweifelnde Patrioten verstummen lassen und vers\u00f6hnt. Wenn sie heut in unserem Gedenken vor allem als die Tr\u00f6sterin und Gef\u00e4hrtin des heimgegangen Fr\u00fchlingskaisers dasteht, so erinnern wir uns leise an ein kleines Gedicht von Theodor Fontane. Dieser wundervolle Alte hat nicht nur bei Bismarcks Tod das beste dichterische Wort gesprochen; er hat auch das beste gesagt, als Friedrich starb. Er schildert die letzte Fahrt des Kaisers. Der Kranke w\u00fcnscht sich, noch einmal Alt-Geltow zu sehen. \u201eUnd Ihr kommt mit\u201c, spricht er zu seiner Frau, \u201edie Kinder und Du\u201c. Als sie in das Dorf gekommen sind, tritt er in die stille Kirche im Sonnenschein, und er spricht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gern<br \/>\nVernahm&#8217; ich noch einmal \u201eLobe den Herrn\u201c:<br \/>\nDen Lehrer im Feld ich mag ihn nicht st\u00f6ren,<br \/>\nVicky, la\u00df Du das Lied mich h\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da spielt sie auf der Orgel den Choral, und der Kranke glaubt die Gestalt des Menschensohns zu erkennen, der ihm entgegen tritt und die Siegerworte verk\u00fcndet, er werde die Krone des Lebens davontragen, \u2013 lobe den m\u00e4chtigen K\u00f6nig der Erden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00e4nde gefaltet, den Kopf geneigt,<br \/>\nSo lauscht er der Stimme.<br \/>\nDie Orgel schweigt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist sch\u00f6n, da\u00df in diesem herrlichen Gedicht die liebreiche und treue Frau eine St\u00e4tte gefunden hat; und gerade in der Rolle, die ihr am besten stand: als die letzte St\u00fctze, die letzte Freundin und die letzte Freude des edlen Kaisers. Orgelspielend in der Kirche von Alt-Geltow, &#8211; so wird sie durch die Dichtung in die Zukunft einziehen; und zwei leuchtende Z\u00fcge ihres Wesens treten aus dem Bild hervor: ihre tapfere G\u00fcte und zugleich ihre Neigung zur Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grade die K\u00fcnstler sind aber durch den Tod der Herrscherin in einen Leidenszustand versetzt worden, der nicht nur die Gef\u00fchle der Trauer um die Heimgegangene enth\u00e4lt. Es mischt sich leider die private Sorge hinein; denn in Folge der angeordneten Landestrauer<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> sind zehntausend Musiker, Schauspieler, S\u00e4nger und wer sonst diesen Berufen nahe steht, zu Geldverlusten, wenn nicht zum Verlust der Existenz gebracht worden. Es ist schmerzlich, am \u00f6ffnen Sarge solche Fragen er\u00f6rtern zu m\u00fcssen, aber in Berlin hat die Ma\u00dfregel einen so starken Eindruck erzeugt, da\u00df man kaum dar\u00fcber hinwegkommt. Sie ist zweifellos in der besten Absicht erlassen worden. Aber man fragt doch: warum sollen gerade diese zehntausend B\u00fcrger, die nicht immer gl\u00e4nzend gestellt sind, in der allgemeinen Trauer wirtschaftlich leiden? Wenn der Staat verlangt, da\u00df Theatervorstellungen und Konzerte eine Woche hindurch nicht stattfinden, so w\u00e4re es nur billig, wenn er den Ausfall ersetzt; und vielleicht gew\u00e4hrt das Parlament nachtr\u00e4glich die Mittel. Will aber der Staat keine Entsch\u00e4digung geben, so w\u00e4re dringend zu w\u00fcnschen, da\u00df entweder das Verbot sich nur auf den Beerdigungstag in k\u00fcnftigen F\u00e4llen erstrecke, \u2013 oder da\u00df man die Trauerwoche in der Behandlung dem Totensonntag gleichstellt, da\u00df also ernste Auff\u00fchrungen nicht gehindert werden. St\u00f6rt man denn unsere Trauer durch die Darbietung einer Beethovenschen Sinfonie, eines Goetheschen Dramas? Ich glaube nicht. Und andererseits kann man fragen: wird die Trauer erh\u00f6ht durch das Verbot? Ich glaube nicht. Es bedarf dessen kaum. Wer in Berlin nur die Schaufenster der wichtigeren Stra\u00dfen mit ihrem Sterbeschmuck und verh\u00fcllenden Trauerfloren erblickt, der sieht, wie man auch ohne besondere Anordnung die tote Herrscherin zu ehren wei\u00df. Diese Anordnung beruht zweifellos auf gesetzlicher Befugnis, und wer sie erlassen hat, ist in vollem Recht. Aber wenn nicht alle Zeichen tr\u00fcgen, wird man auf dieses Recht k\u00fcnftig weniger Gewicht legen oder es mit Einschr\u00e4nkungen handhaben \u2013 und die Toten werden dabei nicht in ihrer Ehrung verk\u00fcrzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn eine noch gr\u00f6\u00dfere Ehrung als die Landestrauer ist ja die Trauer des Landes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"235\">\n<div id=\"attachment_6331\" style=\"width: 191px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Alfred-Kerr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6331\" class=\"wp-image-6331\" src=\"http:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Alfred-Kerr-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Alfred-Kerr-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2020\/07\/Alfred-Kerr.jpg 280w\" sizes=\"auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6331\" class=\"wp-caption-text\"><em>Alfred Kerr (1932) \u00a9 Robert Sennecke | Bibioth\u00e8que nationale de France<\/em><\/p><\/div><\/td>\n<td>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alfred Kerr<\/strong>, 1867 in Breslau geboren und 1948 in Hamburg gestorben, geh\u00f6rt zu den bedeutendsten deutschen Theaterkritikern. Bereits w\u00e4hrend seines Studiums der Geschichte, Philosophie und Germanistik in Halle, das er 1894 mit der Promotion zum Dr. phil abschloss, begann er Kritiken zu schreiben. Von 1900 bis 1919 war er Theaterkritiker der Berliner Zeitung \u201eDer Tag\u201c, von 1919 bis 1933 Theaterkritiker des \u201eBerliner Tageblatts\u201c. 1933 wurden Kerrs B\u00fccher und Schriften verbrannt, er selbst im August 1933 ausgeb\u00fcrgert. Bereits im Februar 1933 war er, von einem Polizisten gewarnt, sein Pass w\u00fcrde eingezogen, nach Prag geflohen. \u00dcber die Schweiz und Paris gelangte er mit seiner Familie schlie\u00dflich nach Gro\u00dfbritannien und erhielt 1947 die britische Staatsb\u00fcrgerschaft. 1948 starb Alfred Kerr in Hamburg, wo er sich im Rahmen einer Vortragsreise aufhielt.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/nachtkritik.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=18324:berliner-plauderbrief-alfred-kerr&amp;catid=53&amp;Itemid=83\">Der Text<\/a> erschien am 11. August 1901 in der \u201eK\u00f6nigsberger Allgemeinen Zeitung\u201c, f\u00fcr die Kerr unter der \u00dcberschrift \u201eBerliner Plauderbrief\u201c von 1897 bis 1922 sonnt\u00e4gliche Feuilletons schrieb. Kerr-Biographin\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/vietor-englaender.co.uk\/\"><em>Deborah Vietor-Engl\u00e4nder<\/em><\/a> <em>hat die Texte wiederentdeckt und bereitet eine Edition vor, die 2021 im Wallstein-Verlag erscheinen soll. Wir danken Deborah Vietor-Engl\u00e4nder, dass sie uns auf den Brief aufmerksam gemacht und zur Ver\u00f6ffentlichung zur Verf\u00fcgung gestellt hat.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Notes<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Kaiserin Friedrich geboren am 21. November 1840 in London. starb am 5. August 1901 auf Schloss Friedrichs-hof bei Kronberg im Taunus. \u00a0Ihre Mutter war am 22. Januar 1901 gestorben. Sie war das erste Kind von Queen Victoria und Prinz Albert, wuchs geliebt und beh\u00fctet auf, hochbegabt und wissbegierig. Mit 17 Jahren heiratete sie den neun Jahre \u00e4lteren, blendend aussehenden preu\u00dfischen Kronprinzen Friedrich, der politisch \u00e4hnlich liberal und idealistisch dachte wie Vicky. Die beiden f\u00fchrten eine gl\u00fcckliche Ehe. Vicky gebar vier S\u00f6hne und vier T\u00f6chter zwischen 1859 und 1872.\u00a0 Ihren ersten Sohn, den sp\u00e4teren Kaiser Wilhelm II., gebar sie unter stunden-langen gr\u00e4sslichen Qualen. Der Thronfolger trug Geburtssch\u00e4den davon, die f\u00fcr die deutsche Geschichte folgen-schwer waren. Sein linker Arm war gel\u00e4hmt. Vicky und Kronprinz Friedrich waren auf ihre Regierungs-aufgaben gl\u00e4nzend vorbereitet \u2013 30 Jahre lang warteten sie ungeduldig darauf, in Preu\u00dfen bzw. (ab 1871) im s\u00e4bel-rasselnden, chauvinistischen deutschen Kaiserreich eine liberale, fortschrittliche Politik einzuf\u00fchren. Als Kaiser Wilhelm I. 1888 mit 91 Jahren starb, war Friedrich bereits todkrank \u2013 er regierte in diesem \u201cDreikaiser-jahr\u201d nur 99 Tage lang, dann folgte ihm sein militaristisch eingestellter Sohn Wilhelm II. Bismarck polemisierte und intrigierte zeitlebens mit Gusto gegen das Kronprinzenpaar, und als Friedrich unter f\u00fcrchterlichen Qualen gestorben war, setzte Vickys Sohn Wilhelm die Dem\u00fctigungen systematisch fort. Vicky baute sich in Kronberg im Taunus ihren Alterssitz \u201cFriedrichshof\u201d, so zentral gelegen, dass die durchreisenden k\u00f6niglichen Hoheiten Europas, fast alle irgendwie mit ihr verwandt, gern und oft bei ihr Station machten. Vicky las, studierte, malte und war karitativ t\u00e4tig \u2013 ein an allem h\u00f6chst lebhaft interessierter Geist, ganz im Gegensatz zu ihrem \u00c4ltesten, der sich auf nichts l\u00e4ngere Zeit konzentrieren konnte und zwanghaft eine leere Betriebsamkeit mit milit\u00e4rischem Gepr\u00e4nge entfaltete. 1899 erkrankte die Kaiserin an Brustkrebs. Vor ihrem Tod schickte sie einen Teil ihrer Papiere nach England. Die Krankheit verlief wie die ihres Mannes au\u00dferordentlich qualvoll \u2013 Mutter Victoria schickte einen Arzt mit reichlich Morphium, aber Wilhelm entschied, dass ein englischer Arzt mit der Ehre der deutschen Medizin nicht vereinbar sei. Die deutschen \u00c4rzte gaben Morphium nur in winzigen Mengen, so dass Victoria monatelang unertr\u00e4gliche Schmerzen litt. \u00a0Nach ihrem Tod schickte Kaiser Wilhelm Soldaten nach Friedrichshof, um ihre Papiere zu beschlagnahmen, aber weitere zwei Kisten waren bereits bei einem Engl\u00e4nder in Verwahrung, Frederick Ponsonby gab 1928 eine Auswahl ihrer Briefe heraus. Wilhelm II versuchte die Ver\u00f6ffentlichung aus seinem Doorner Exil zu verhindern, was ihm nicht gelang. Kerr war einer der wenigen, der sie wirklich w\u00fcrdigte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Kaiser Wilhelm II ordnete eine Landestrauer von sechs Wochen an. Bis zur Beisetzung der Kaiserin durften keine \u201e\u00f6ffentliche Musik, Lustbarkeiten und Schauspielvorstellungen\u201c stattfinden.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>From Time to Time History does not repeat itself, But it certainly likes to rhyme. &nbsp; Landestrauer &nbsp; von Alfred Kerr 11. 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