{"id":8395,"date":"2025-02-06T10:09:34","date_gmt":"2025-02-06T15:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/?p=8395"},"modified":"2025-02-06T10:15:14","modified_gmt":"2025-02-06T15:15:14","slug":"buchbesprechung-alan-posener-shot-of-love","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/2025\/02\/06\/buchbesprechung-alan-posener-shot-of-love\/","title":{"rendered":"Buchbesprechung | Alan Posener. Shot of Love."},"content":{"rendered":"<p>\u201eShot of Love\u201c. Alan Poseners f\u00fcnfzig Interpretationen bekannter und weniger bekannter Dylan-Songs entwickeln einen essenziellen Sog.<\/p>\n<p>von <strong>Axel Reitel<\/strong><\/p>\n<p>Alan Posener. <em>Shot of Love. F\u00fcnfzig Interpretationen bekannter und weniger bekannter Songs von Bob Dylan. <\/em>Berlin: Lukas Verlag, 2024. 185 Seiten. ISBN 978-3-86732-441-0<\/p>\n<p>Der Buchtitel spricht die geheime Botschaft im Dylan-&#8220;Universum&#8221; bereits aus: ohne Liebe geht es nicht, kommt keine sinnvolle Wahrheit zustande. Dass die, um zu bleiben, besser etwas \u201eschr\u00e4g\u201c daherkommt, dazu r\u00e4t die zu Poes Zeiten in Massachusetts geborene Dichterin Emily Dickinson, thematisch mit \u201egebrochenem Herzen\u201c und oft &#8220;des Redens und Erkl\u00e4rens m\u00fcde&#8221;. Ihr Seelenverwandter Bob Dylan bekennt, \u201estets nur sein Herz zu befragen\u201c, mit einem Herzen f\u00fcr die Beraubten: ihrer Zeit, ihrer Pl\u00e4ne, ihrer Liebe, ihres Vertrauens.\u00a0 2016 erhielt Bob Dylan den Nobelpreis f\u00fcr Literatur.<\/p>\n<p>&#8220;Fast m\u00f6chte ich dazu gar nichts sagen, weil man durch Kommentierung, Exegese, Interpretation von der funkelnden Wirkung des Gedichts ablenken k\u00f6nnte&#8221; schreibt Alan Posener zum Liedtext &#8220;Every Grain of Sand&#8221;.\u00a0 Gut, dass er andererseits der \u00dcberlegung folgte, dem nicht-englischsprachigen Publikum, beim Verstehen der zahlreichen Anspielungen in Dylans Liedern, mit seinen \u201eAnmerkungen hilfreich zu sein\u201c.<\/p>\n<p>In einer Erz\u00e4hlung des Nobelpreistr\u00e4gers f\u00fcr Literatur 1978, Issak Bashevis Singer, wird ein Rabbi gefragt. &#8220;Man soll so schreiben, dass es den Menschen hilft&#8221;, lautet die Antwort des Rabbi. Und das tut der 1949 in London geborenen deutsch-britische Journalist mit stark beachteten rororo-Monografien etwa \u00fcber William Shakespeare, John F. Kennedy, Elvis Presley und John Lennon, auf den sch\u00f6n zu lesenden 180 Seiten, die von fast allem handeln, was nach Hilfe schreit.<\/p>\n<p>Geschrieben w\u00e4hrend der Corona-Pandemie, als nun die ganze Welt nach Hilfe schrie, und der Autor und seine Frau Maria, des normalen Alltags \u201eberaubt\u201c und zu \u201etrauter Zweisamkeit\u201c gezwungen, gleichen die 50 Interpretationen einem Lebensbuch. Darin das Hilflose wie vergeblicher Zorn, verst\u00f6render Stolz, der falsche, selbstzerst\u00f6rende Blick auf die Welt oder die falsche Hoffnung, die einen mehr verlieren als jemals gewinnen l\u00e4sst, konfrontiert wird mit den Dingen, die zumindest den Liebenden \u201ewahr klingen\u201c.<\/p>\n<p>Was beweisen soll und beweist, dass man auch nur mit dem Herzen gut h\u00f6rt.\u00a0 Und warum nicht auf Kants Gesetz? Das nicht in den \u201e50\u201c steht, sich aber f\u00fcr den Rezensenten wie ein Zirkelschluss aufzw\u00e4ngt. F\u00fcr unsere modernen Zeiten von Daniel Kehlmann \u00fcbersetzt, lautet es: &#8220;Ich w\u00e4re gerne Mensch, ich arbeite dran.\u201c Das unnachgiebig zu sagen, scheint n\u00e4mlich auch Bob Dylan das Wichtigste zu sein. \u201eNicht nachgeben\u201c, lautet nun ein Vers des Gedichts \u201eLiebe\u201c, das die 16j\u00e4rigen Dagmar Hilarova 1944, w\u00e4hrend der politischen Pest, im KZ- Ghetto Theresienstadt schrieb:\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EYVHfJDUN-M\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EYVHfJDUN-M<\/a>\u00a0\u00a0 Jeder Vers darin ist wertvoll und nimmt Dylans eigene Intention, seit 1988 auf \u201eNever ending Tour\u201c, vorweg.<\/p>\n<p>Alan Posener hat der Arbeit, Mensch zu sein (auch) in Zeiten von Corona, mit seinen 50 Dylan-Interpretationen jedenfalls keinen ganz unwertvollen Dienst erwiesen. Volle Empfehlung!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/08\/Shot-of-Love-Umschlag.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8400\" src=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/glossen\/files\/2024\/08\/Shot-of-Love-Umschlag.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"233\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eShot of Love\u201c. Alan Poseners f\u00fcnfzig Interpretationen bekannter und weniger bekannter Dylan-Songs entwickeln einen essenziellen Sog. von Axel Reitel Alan Posener. Shot of Love. F\u00fcnfzig Interpretationen bekannter und weniger bekannter Songs von Bob Dylan. Berlin: Lukas Verlag, 2024. 185 Seiten. 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