{"id":122,"date":"2024-12-04T08:30:17","date_gmt":"2024-12-04T08:30:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/iab\/?page_id=122"},"modified":"2024-12-04T08:37:12","modified_gmt":"2024-12-04T08:37:12","slug":"geschichte-des-iabs","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/iab\/geschichte-des-iabs\/","title":{"rendered":"Geschichte des IABs"},"content":{"rendered":"<h4>Ein Rundschreiben vom 31. Dez. 2023<\/h4>\n<h5>von Paul Michael L\u00fctzeler<\/h5>\n<h6><a href=\"https:\/\/blogs.dickinson.edu\/iab\/rundschreiben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jahresrundschreiben seit 2001<\/a> dokumentieren die Arbeit des IAB<\/h6>\n<p>Der hundertste Geburtstag Hermann Broch am 1. November 1986 ver\u00e4nderte vieles in der akademischen Rezeption des Autors. Aus Anlass dieses Gedenktags fand vom 30. Oktober bis 2. November 1986 ein interdisziplin\u00e4res Symposium in Stuttgart statt, das 1987 bzw. 1988 in zwei B\u00e4nden erschien: der interpretatorische Teil in der Reihe Stauffenburg Colloquium (1987 unter dem Titel \u201eHermann Broch: Das dichterische Werk\u201c) und der Theorieteil in einem Band der Reihe Suhrkamp Taschenbuch (1988 unter dem Titel \u201eBrochs theoretisches Werk\u201c); in beiden F\u00e4llen herausgegeben von mir und Michael Kessler, dem Veranstalter der Stuttgarter Tagung. Michael Kessler hatte das gemeinsam mit mir erarbeitete Programm als leitender Angestellter der Akademie der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Es sollte in unserer Planung das erste gro\u00dfe, tats\u00e4chlich interdisziplin\u00e4re und wirklich internationale Broch-Symposium werden und somit vorbildlichen Charakter f\u00fcr weitere Broch-Tagungen erhalten. Angereist waren Vertreter:innen der Germanistik, Philosophie, Religionswissenschaft, Geschichte und Politologie aus Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, England, Norwegen, Kroatien, der T\u00fcrkei, Israel, Neuseeland, Japan und den U.S.A. Eine kleine Rede dort hielt auch Brochs Sohn H.F. (Armand) Broch de Rothermann (1910-1994), der damals in New York lebende \u00dcbersetzer und Dolmetscher. Das Symposium fand in der Presse ein positives Echo, besonders in der FAZ.<\/p>\n<p>Diesem Stuttgarter Symposium waren in den 1970er Jahren drei kleine Tagungen vorausgegangen, in denen nur selten der germanistische Horizont verlassen wurde. Die erste Tagung zum Werk Hermann Brochs fand zur Erinnerung an den 25. Todestag des Autors am 30. Mai 1976 in Wien statt, und zwar im Palais Palffy am Josefsplatz im Ersten Bezirk. Das war ein ganzes Jahrzehnt vor dem Stuttgarter Symposium von 1986. Einberufen wurde die Veranstaltung durch den Schriftsteller und Rundfunkredakteur Ernst Sch\u00f6nwiese, der damals Pr\u00e4sident des \u00d6sterreichischen P.E.N.-Clubs war. Er kannte Broch seit der Ver\u00f6ffentlichung der Schlafwandler-Trilogie zu Anfang der 1930er Jahre, vermittelte ihm Vortr\u00e4ge in Wiener Volkshochschulen und ver\u00f6ffentlichte einige Dichtungen und Essays von Broch in der Zeitschrift das silberboot. In den Jahren von 1938 bis 1945 hatte Sch\u00f6nwiese sich dem unmittelbaren Einfluss des sogenannten Gro\u00dfdeutschen Reiches entzogen, indem er als Vertreter einer Presseagentur in Ungarn lebte. Er lud zum Symposium nicht nur einige Germanisten der j\u00fcngeren Generation ein, sondern auch drei Zeitgenossen, die mit Broch zwischen 1938 und 1945 das Exilschicksal geteilt hatten: den Komparatisten Werner Vordtriede und die beiden \u00f6sterreichischen Schriftsteller Friedrich Torberg und Albert Drach. Zur Gruppe der ehemals Exilierten geh\u00f6rte auch Annemarie Meier-Graefe Broch, die Witwe des Autors, die in S\u00fcdfrankreich lebte und als Gast anwesend war. Torberg erinnerte sich an Broch, und Vordtriede sprach \u00fcber die Bedeutung der Erinnerung im \u201eTod des Vergil\u201c. Teil dieser Tagung war auch eine Festveranstaltung in Teesdorf bei Wien, wo Broch von 1907 bis 1927 kaufm\u00e4nnischer Leiter einer der Familie geh\u00f6renden Spinnfabrik gewesen war. Dort gab es 1976 schon ein Broch-Museum. Bei dieser Gelegenheit hielt Albert Drach eine Rede \u00fcber Hermann Broch. Drach war ein Jurist und Schriftsteller j\u00fcdischer Herkunft. Er bewunderte den Autor und meinte, dass seine zeitgen\u00f6ssischen Kollegen und Kolleginnen in \u00d6sterreich sich wie die Bremer Stadtmusikanten \u00fcbereinanderstellen und gleichzeitig ihre Stimmen erheben k\u00f6nnten, ohne doch die Kraft der dichterischen Stimme des poeta doctus Hermann Broch zu erreichen. Albert Drach hatte wie Broch nach der Hitler-Besetzung \u00d6sterreichs 1938 das Land fluchtartig verlassen und \u00fcberlebte \u2013 nach einer Reihe von Internierungen \u2013 in einem Versteck in S\u00fcdfrankreich. 1947 kehrte er nach Wien zur\u00fcck, um dort erneut seine Anwaltskanzlei zu er\u00f6ffnen und sich als Schriftsteller zu etablieren. Von seinen dichterischen Arbeiten konnte er zwar nicht leben, aber wegen seiner Romane wie \u201eDas gro\u00dfe Protokoll gegen Zwetschkenbaum\u201c von 1939 und \u201eUnsentimentale Reise\u201c von 1966 erhielt er 1988 den B\u00fcchner-Preis der Deutschen Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung, also die h\u00f6chste Auszeichnung im Bereich der deutschsprachigen Literatur. Zwei Jahre sp\u00e4ter \u2013 1978 \u2013 erschienen die Tagungsbeitr\u00e4ge dieses Broch-Symposiums (leider ohne die Rede von Albert Drach) in einem von Joseph P. Strelka edierten Sammelband unter dem Titel \u201eBroch heute\u201c bei Francke in Bern.<\/p>\n<p>Offenbar angeregt durch den Erfolg dieser Symposiums-Premiere fanden drei Jahre sp\u00e4ter kurz hintereinander im Fr\u00fchjahr 1979 zwei \u2013 wiederum prim\u00e4r germanistische \u2013 Broch-Tagungen an der Yale University in New Haven, Connecticut und an der Universit\u00e4t in Nizza in S\u00fcdfrankreich statt: in New Haven vom 6. bis 8. April 1979 und in Nizza vom 29. April bis zum 1. Mai des gleichen Jahres. Zur Yale University Library geh\u00f6rt die Beinecke Memorial Library mit dem Hermann-Broch-Archiv. Die Leiterin des Archivs, Christa Sammons, war die Organisatorin des Symposiums in New Haven. Erw\u00e4hnt werden sollte, dass beim Yale-Symposium Alice L. Kahler, die Witwe des Princetoner Broch-Freundes Erich Kahler, Anekdotisches \u00fcber Broch als \u00dcbersetzer zum Besten gab. Zudem war der Maler und Bildhauer Peter Lipman-Wulf anwesend, der aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft 1933 nach Frankreich und 1942 in die Schweiz geflohen war, damals aber in Sag Harbor, New York lebte. Lipman-Wulf sprach \u00fcber seine grafische Interpretation von Brochs Roman \u201eDer Tod des Vergil\u201c. Diese Illustrationen erwarb einige Jahre sp\u00e4ter das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Sp\u00e4ter stiftete Lipman-Wulf einen weiteren Set der gleichen Illustrationen dem Hermann Broch Museum in Teesdorf bei Wien. Auch der Verleger Brochs, Siegfried Unseld, nahm an der Konferenz als Zuh\u00f6rer teil. Christa Sammons \u00fcberlie\u00df die Publikation der Referate der Zeitschrift \u201eModern Austrian Literature\u201c, die 1980 ein Broch-Themenheft brachte.<\/p>\n<p>Die Tagung in Nizza ging auf die Initiative von Richard Thieberger zur\u00fcck. Thieberger war seiner Herkunft nach j\u00fcdischer \u00d6sterreicher und promovierte 1935 als Germanist an der Universit\u00e4t Wien. 1938 unterrichtete er als Lektor der deutschen Sprache an der Universit\u00e4t Caen in der Normandie. Er kehrte wegen des \u201eAnschlusses\u201c nicht mehr nach \u00d6sterreich zur\u00fcck und erlangte schon bald die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft. Nach der Besetzung Frankreichs durch das nationalsozialistische Deutschland \u00fcberlebte er im Untergrund und wurde nach Kriegsende Kulturoffizier in der franz\u00f6sischen Besatzungszone Deutschlands. Von 1951 an konnte er seine akademische Laufbahn als Germanist in Frankreich fortsetzen und lehrte seit 1967 an der Universit\u00e4t Nizza. Er hatte sich einen Namen gemacht sowohl als Georg-B\u00fcchner-Forscher wie auch als Kenner des Werks von Thomas Mann. Richard Thieberger ver\u00f6ffentlichte seine Tagung 1980 unter dem Titel \u201eHermann Broch und seine Zeit\u201c im Broch-Themenband des \u201eJahrbuchs f\u00fcr Internationale Germanistik\u201c (Reihe A, Band 6). Was diese Broch-Symposien der 1970er Jahre gemeinsam haben, war die aktive Pr\u00e4senz von Autoren und Germanisten, die selbst die Erfahrung des Exils gemacht haben. Diese Symposien, die noch viel von der Exil-Atmosph\u00e4re des Autors Broch vermitteln konnten, unterscheiden sich von denen seit der Mitte der 1980er Jahre, in der die j\u00fcngeren Generationen von Literatur- bzw. Geistes- und Sozialwissenschaftler zu dominieren beginnen.<\/p>\n<p>1986, als man des hundertsten Geburtstags von Broch gedachte, fand neben dem erw\u00e4hnten gro\u00dfen Stuttgarter Symposium auch am \u00d6sterreichischen Kulturinstitut in Warschau eine internationale Tagung statt, die von Karol Sauerland vom 26. bis 30. April 1986 geleitet wurde und deren Vortr\u00e4ge ein Jahr sp\u00e4ter als Broch-Themenheft in der britischen Fachzeitschrift \u201eGerman Life and Letters\u201c zug\u00e4nglich gemacht wurden. Die dort versammelten Germanist:innen (die meisten kamen aus Polen und \u00d6sterreich) griffen nicht nur literarische Themen auf. Das Romanwerk stand zwar im Mittelpunkt, doch wurden dabei auch Fragen der Theorie, des Mythos, des Symbolverst\u00e4ndnisses, des Massenwahns und der Politik angeschnitten. Auch am \u00d6sterreichischen Kulturinstitut in Budapest, liess man es sich nicht nehmen, eine Tagung \u00fcber Hermann Broch zu veranstalten. Die H\u00e4lfte der Referent:innen waren Germanist:innen an ungarischen Hochschulen, die anderen aus \u00d6sterreich, aus Deutschland und den USA. Die zentrale Thematik war die Beziehung zwischen Dichtung und Erkenntnis, \u00fcber die Broch in seinen Essays aus den fr\u00fchen 1930er Jahren nachgedacht hatte, und die auch in den Romanen selbst thematisiert wird. Zwei der Referenten \u2013 Hartmut Steinecke und Joseph Strelka \u2013 fungierten als Herausgeber, als die Tagung in Form eines Sammelbandes unter dem Titel \u201eRomanstruktur und Menschenrecht\u201c 1990 bei Peter Lang erschien.<\/p>\n<p>Die Reihe der nationalen Broch-Symposien setzte sich im Mai des gleichen Jahres in Paris fort, veranstaltet im Centre Pompidou. Es wurde knapp zwei Jahre sp\u00e4ter (im M\u00e4rz 1988) fortgesetzt in Lyon, und zwar an der Universit\u00e9 Lumi\u00e8re Lyon 2. Die Referate der beiden Tagungen erschienen 1989 zusammen unter dem Titel \u201eBroch\u201c, herausgegeben von Jean-Charles Margotton in Aix-en-Provence. Fast alle Vortr\u00e4ge stammten von franz\u00f6sischen Germanist:innen und wurden in franz\u00f6sischer Sprache vorgetragen. Auch hier interessierte vor allem das dichterische Werk, wenn auch Seitenblicke auf Geschichtsphilosophie, auf Heidegger und auf den Zusammenhang von Dichtung und Mythos geworfen wurden. Dem Stuttgarter interdisziplin\u00e4ren Symposium von 1986 am ehesten vergleichbar war die Broch-Tagung der Yale University, die vom 20.-22. November 1986 stattfand. Neben Germanisten wurden auch Vertreter der Philosophie und Politischen Wissenschaft eingeladen. Das Ganze spielte sich auf Englisch ab, und die meisten Referent:innen kamen aus Nordamerika. Organisator war Stephen D. Dowden, der damals am German Department der Yale University unterrichtete. Das Symposium hatte ein hohes Niveau und gewann auch dadurch, dass jedem Vortrag ein discussant zugeordnet wurde, der oder die auf das jeweilige Referat kritisch einging. Sowohl die Vortr\u00e4ge wie die Stellungnahmen wurden von Stephen D. Dowden in einem umfangreichen Band unter dem Titel \u201eHermann Broch: Literature, Philosophy, Politics\u201c 1988 beim Verlag Camden House ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>1986 also fanden f\u00fcnf teils national, teils international, teils prim\u00e4r germanistisch, teils gezielt interdisziplin\u00e4r ausgerichtete Tagungen statt: vier davon in europ\u00e4ischen Metropolen wie Stuttgart, Paris, Warschau und Budapest, eines davon an der Yale University in New Haven, Connecticut. Diese Dichte an Broch-Veranstaltungen hatte es vorher nicht gegeben und ist vor allem mit dem Datum des 100. Geburtstags zu erkl\u00e4ren. Allerdings lag damals auch die neue, von mir edierte Kommentierte Werkausgabe Hermann Broch des Suhrkamp Verlags vollst\u00e4ndig vor, was die Erschlie\u00dfung des essayistischen Werks Hermann Brochs erm\u00f6glichte. Zudem war im Jahr zuvor meine Broch-Biografie (ebenfalls bei Suhrkamp) erschienen.<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren gab es keine Broch-Gedenktage, und so wurden nur drei Tagungen zu seinem Werk organisiert: eine in London, eine in Wien und eine in Szeged\/Ungarn. Adrian Stevens, Fred Wagner und Sigurd Paul Scheichl ver\u00f6ffentlichten 1994 das Londoner Symposium von 1991 in Innsbruck unter dem Titel \u201eModernismus, Kulturkrise und Hitlerzeit\u201c. In Wien veranstalteten Anfang 1992 Wilhelm Patrasch und John Pattillo-Hess, die beide in der Erwachsenenbildung der Stadt t\u00e4tig waren, das Symposium \u201eHermann Broch oder die Angst vor der Anarchie\u201c, das unter dem gleichen Titel ein Jahr sp\u00e4ter bei der Wiener Urania erschien. Ihm folgte Mitte September 1996 die Tagung \u201eHermann Broch. Perspektiven interdisziplin\u00e4rer Forschung\u201c an der Universit\u00e4t von Szeged, die als Band \u2013 herausgegeben von \u00c1rp\u00e1d Bern\u00e1th, Michael Kessler und Endre Kiss \u2013 beim Stauffenburg Verlag in T\u00fcbingen ver\u00f6ffentlicht wurde. Ein Symposion, das Ende der 1990er Jahre geplant wurde, um dann im Mai 2002 stattfinden zu k\u00f6nnen und 2004 ver\u00f6ffentlicht wurde, war jenes der \u00d6sterreichischen Liga f\u00fcr Menschenrechte: \u201eHermann Broch \u2013 ein Engagierter zwischen Literatur und Politik (StudienVerlag Innsbruck, Wien, Bozen).<\/p>\n<p>In der Zeit der Jahrhundertwende von 1999 und 2000 \u00fcberlegten Michael Kessler und ich, wie wir durch weitere wissenschaftliche interdisziplin\u00e4re Forschungen das literarische Werk Brochs im wissenschaftlichen Gespr\u00e4ch halten k\u00f6nnten, ohne lediglich auf den Kalender wegen m\u00f6glicher Gedenktage zu starren. Dabei hatten wir zum einen die weitere Erforschung des avantgardistischen literarischen Werks im Auge, zum anderen aber wollten wir die nicht-literarische Essayistik des Autors verbreiten und die von ihm in seinen Essays und Briefen angeschnittenen Fragen der Gef\u00e4hrdung der Demokratie, des Friedens und der Menschenrechte in die Diskussion bringen. Uns schien dazu die regelm\u00e4\u00dfige, die kontinuierliche Veranstaltung wissenschaftlicher Symposien der richtige Weg zu sein. Zusammen mit Michael Kessler gr\u00fcndete ich 2001 den Internationalen Arbeitskreis Hermann Broch, und seitdem hat diese Organisation fast jedes Jahr eine Brochtagung veranstaltet. Viele Mitglieder des Arbeitskreises haben in den beiden letzten Jahrzehnten bei diesen Symposien Vortr\u00e4ge gehalten und eine ganze Reihe die Tagungsleitungen \u00fcbernommen. Das Jahr 2001 schien uns die richtigen Startbedingungen zu geben, denn zuf\u00e4llig war es wiederum ein Jubil\u00e4umsjahr: man gedachte im Fr\u00fchjahr des 50. Todestages von Hermann Broch. Aus dem Anlass fanden gleich drei Symposien statt. Das begann mit dem dritten Symposium an der Yale University. Es fand vom 27. bis 29. April 2001 statt. Wir gaben der Tagung und der Buchfassung den Titel \u201eHermann Broch, Visionary in Exile\u201c. Der Sammelband wurde von mir in Zusammenarbeit mit Matthias Konzett, Willy Riemer und Christa Sammons herausgegeben. Christa Sammons hatte keine M\u00fche gescheut, das Symposium in den R\u00e4umlichkeiten der Beinecke Rare Book Library zu veranstalten. Es ging dabei um das Gesamtwerk des Autors im amerikanischen Exil: von der Theorie der Demokratie und der Massenpsychologie bis zu den Romanen \u201eDer Tod des Vergil\u201c und \u201eDie Schuldlosen\u201c, wobei auch R\u00fcckblicke auf fr\u00fchere Phasen der Werkentwicklung geworfen wurden. Mir selbst ist dabei der Aufsatz zum Thema Kitsch von Ruth Kl\u00fcger in lebhafter Erinnerung geblieben.<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte New Haven\/Connecticut und Wien kommen als Tagungsorte immer wieder in Frage: New Haven wegen des gro\u00dfen Broch-Archivs, Wien, weil Broch hier die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Vom 2. bis 4. Juni 2003 leitete Marianne Gruber, die Direktorin der \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Literatur, im Palais Wilczek eine Tagung, an der sich vor allem \u00f6sterreichische Kollegen und Kolleginnen beteiligten. Drei Wochen sp\u00e4ter folgte (21.-24. Juni 2003) ein von Michael Kessler in Stuttgart-Hohenheim (wieder in den R\u00e4umlichkeiten seiner Akademie) eingerufenes Symposium. Marianne Gruber und Michael Kessler vereinbarten, die beiden Symposien in einem gemeinsamen Band zu publizieren, an dessen Herausgabe sich auch Barbara Mahlmann-Bauer, Christine Mondon und Friedrich Vollhardt beteiligten. Der umfangreiche Band erhielt den Titel \u201eHermann Broch. Neue Studien\u201c und erschien noch im gleichen Jahr bei Stauffenburg in T\u00fcbingen, mir zum 60. Geburtstag gewidmet. Zu den 33 Beitr\u00e4gen geh\u00f6ren auch Erinnerungen des Sohnes (H.F. Broch de Rothermann) wie auch von Volkmar von Z\u00fchlsdorff, mit dem Broch im Exil praktisch in der Hilfe f\u00fcr Hitler-Fl\u00fcchtlinge zusammenarbeitete und zwischen 1945 und 1949 eine l\u00e4ngere Korrespondenz \u00fcber das Nachkriegs-Deutschland f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Nach den drei Symposien von 2001 ben\u00f6tigte der Arbeitskreis 2002 eine Pause, und so wurde \u2013 wiederum unter dem Dach der \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Literatur \u2013 eine Tagung anberaumt, die sich vergleichend mit dem Werk von Hermann Broch und Elias Canetti auseinandersetzte. Marianne Gruber gewann f\u00fcr die Programmzusammenstellung Penka Angelova als Canetti-Kennerin und mich als Broch-Spezialisten. Die Buchfassung der Symposiumsbeitr\u00e4ge erschien erst 2009 im R\u00f6hrig-Universit\u00e4tsverlag in St. Ingbert. Es ist der bisher einzige Tagungsband, der die Unterschiede sowohl in der Romankonzeption wie auch im Hinblick auf die Massenpsychologie beider Autoren herausarbeitet. 2004 folgte die Tagung in Dortmund, die ich gemeinsam mit Thomas Eicher von der Auslandsgesellschaft Nordrhein-Westfalen und Hartmut Steinecke von der Universit\u00e4t Paderborn plante. Wir hatten uns vorgenommen, vor allem Nachwuchswissenschaftler:innen zum Thema dieser Konferenz (Politik, Menschenrechte, Literatur) einzuladen (ver\u00f6ffentlicht 2005 beim Athena Verlag in Oberhausen), und so tauchen hier Namen von jungen Leuten auf, die in den folgenden zwei Jahrzehnten immer wieder mit neuen Studien auf Broch-Symposien gl\u00e4nzten: Thomas Borgard, Gesa von Esssen, J\u00fcrgen Heizmann, Gunther Martens, Barbara Picht und Alice Sta\u0161kova. Da ergab sich eine gute wissenschaftliche Gruppendynamik, die sich bis heute erhalten hat. Zum Gelingen des Symposiums trug auch die Anwesenheit der Autorin Barbara Frischmuth bei, die in Altaussee aufwuchs, einem jener Wohnorte Brochs in den 1930er Jahren, wo so vieles an den Autor erinnert.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Herbst 2006 regte Endre Kiss, der Philosophieprofessor aus Budapest, der bei den meisten Broch-Symposien referierte, eine Tagung zum Thema der \u201eliterarischen Freundschaften\u201c an. Gerade als Biograf Brochs hat mich diese Konferenz besonders fasziniert. In der Einleitung schrieb ich: \u201eEs war ein sonniges Herbstwochenende, als Broch-ForscherInnen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Polen, den Vereinigten Staaten, aus \u00d6sterreich und Ungarn sich vom 13. bis 15. Oktober 2006 an der dortigen Pannonischen Universit\u00e4t zu einem Symposium trafen (\u2026). Es war eine Tagung mit besonders freundschaftlicher Atmosph\u00e4re; offenbar wirkte sich etwas vom beschworenen Freundschaftsgeist des Autors Brochs auf den Umgang der ReferentInnen miteinander aus.\u201c Wieder war es der von Brigitte Narr geleitete Stauffenburg Verlag, der den sch\u00f6nen Band 2008 publizierte. Man ist ja versucht, bei all den Tagungen etwas \u00fcber die Veranstaltungsorte, \u00fcber die Geselligkeit etwas zu sagen, \u00fcber das Sightseeing und die Gespr\u00e4che. Es ist schon ein Unterschied, ob man sich in einer amerikanischen Universit\u00e4tsstadt wie New Haven trifft, an der Vorzeige-Universit\u00e4t eines noch als Imperium agierenden Staates, oder ob wir in der N\u00e4he des Cafe Centrals leicht nostalgisch die renovierte Sch\u00f6nheit einer Hauptstadt bewundern, die bis vor etwas mehr als hundert Jahren Zentrum einer europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht war; ob wir ungarischer Geschichte auf Schritt und Tritt in Szeged oder Veszprem begegnen, oder ob wir in Dortmund Schwierigkeiten haben, uns an den Charme stillgelegter Bergwerke zu erfreuen; ob wir in Altaussee auf den Spuren Brochs, Hofmannsthals oder Torbergs wandern, oder ob wir in Stra\u00dfburg einer deutsch-franz\u00f6sischen Mischkultur des Elsass, von der Broch durchaus etwas verstand, begegnen.<\/p>\n<p>Ja, Strasbourg, 1. bis 3. Juni 2007, da ging es vor allem um das Thema Religion. Eingeladen hatte Christine Maillard von der Universit\u00e4t, und die Tagungsreferate erschienen ein Jahr sp\u00e4ter in der von ihr herausgegebenen ausgezeichneten Fachzeitschrift \u201erecherche germaniques\u201c. Dann das Broch-Symposium von 2008. Wieder sind es vor allem die jungen Brochforscher:innen, die dazu beitrugen: diesmal auch Bernhard Fetz, Doren Wohlleben, Sarah McGaughey und Helga Mitterbauer. Es ging um das Symposium \u201eHermann Broch und die K\u00fcnste\u201c, das Alice Sta\u0161kov\u00e1 vom 26. bis 28. Juni 2008 in Prag, dieser Perle unter den europ\u00e4ischen St\u00e4dten, einberufen hatte. Das Goethe-Institut der Stadt stellte dabei seine R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung. Der Band erschien 2009 beim De Gruyter Verlag in Berlin. Im Jahr 2009 (vom 3. bis 5. Juli) hatte der Internationale Arbeitskreis eine Tagung speziell zu Brochs \u201eSchlafwandlern\u201c in Lancaster anberaumt. Mein \u00e4ltester Brochgef\u00e4hrte \u00fcberhaupt, der mit mir gleichaltrige Graham Bartram von der dortigen Universit\u00e4t, war Gastgeber. Ich hatte ihn 1968, als ich an der Freien Universit\u00e4t Berlin ein Broch-Joyce Tutorium angeboten hatte, kennengelernt, und dann trafen wir uns wieder bei den Forschungen zu unseren Broch-Dissertationen im Archiv der Beinecke Rare Book Library in New Haven. Auch das war eine ergiebige, nur auf ein Werk konzentrierte Tagung, die 2012 bei Stauffenburg erschien.<\/p>\n<p>Kevin Repp, Curator for Modern European Books and Manuscripts an der Beinecke Rare Book Librarary in New Haven und damit gleichzeitig Leiter des Hermann Broch Archivs, hatte f\u00fcr die beiden Tage des 15. und 16. April 2011 zu einer Brochtagung an der Beinecke eingeladen. Es war eine geistesgeschichtlich und literarisch ausgerichtetes Symposium, bei dem poststrukturalistische Ans\u00e4tze dominierten. Eingeladen waren Literaturwissenschaftler aus den USA, Frankreich, Deutschland, \u00d6sterreich und D\u00e4nemark. Der Titel lautete mit der Anspielung auf den jungen Georg Luk\u00e1cs \u201eThe Soul and its Forms in Modern Times\u201c. Es waren an sich jeweils intelligente Vortr\u00e4ge, die aber keinen Zusammenhang erkennen lie\u00dfen, und so war es nicht \u00fcberraschend, dass sich niemand fand, dieses eigenartige Potpourri zu publizieren. Es war eine Brochtagung, an der zwar einige Mitglieder des Internationalen Arbeitskreises referierten, die aber nicht durch den IAB angeregt worden war.<\/p>\n<p>Vom 27. bis 29. Mai 2011 traf sich der Internationale Arbeitskreis im schw\u00e4bischen Weingarten im Tagungshaus der Akademie der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart. Gastgeber war erneut Michael Kessler. Diesmal ging es um einen Zwischenbericht zum Stand des Hermann-Broch-Handbuchs und um die Planung des letzten Arbeitsstadiums. Es war eine jener gro\u00dfen Tagungen, bei denen jedem Mitarbeiter eine bestimmte Aufgabe zugeteilt ist und man durch die Diskussionen einen entscheidenden Schritt weiter hin zur Konzeptionsbildung kommt. Ohne diese Arbeitstagung h\u00e4tte das umfangreiche Handbuch, herausgegeben von Michael Kessler und mir, Ende 2016 nicht bei De Gruyter erscheinen k\u00f6nnen. Der Verlag, der eine eigene Reihe f\u00fcr Handb\u00fccher eingerichtet hat, war mit dem Endprodukt zufrieden, und die durchweg positiven Rezensionen haben die Beitr\u00e4ger:innen zum Handbuch gefreut.<\/p>\n<p>Dass man zwei Symposien mit vergleichbaren Themen zusammen in einem Band publiziert, geschah im Fall zweier Tagungen zum Thema \u201eHermann Broch und die \u00d6konomie\u201c. Zuerst fand \u2013 angeregt durch Bernhard Fetz \u2013 eine solche Tagung am 4. und 5. November 2011 in der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek (Literaturarchiv) statt. Dort referierten zu wenig Tagungsteilnehmer als dass man aus den Vortr\u00e4gen einen Sammelband h\u00e4tte zusammenstellen k\u00f6nnen. Auf den Tag drei Jahre sp\u00e4ter \u2013 also 2014 \u2013 arrangierten wir mit Hilfe von J\u00fcrgen Heizmann eine Fortsetzung dieses Symposiums an der University of Montreal. Die Tagungsbeitr\u00e4ge wurden fusioniert und so erschien nach weiteren vier Jahren 2018 dieser Symposiumsband beim Arco Verlag in Wuppertal. Es ging in dem Band zum einen um die \u00f6konomischen Lebsensbedingungen des freien Schriftstellers Hermann Broch, zum anderen um Brochs Wirtschaftsvorstellungen wie er sie in den Krisenjahren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dann zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zu entwickeln begann. Da spielen zentrale Vorstellungen von Demokratie und Menschenrecht eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Zwischen dem 27. und 29. Juni 2012 leitete Doren Wohlleben die Tagung \u201eHermann Broch und die Romantik\u201c. Sie fand im Nymphenburger Schloss, d.h. in den sch\u00f6nen R\u00e4umen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in M\u00fcnchen statt. Untersucht wurden Einfl\u00fcsse von Romantikkonzepten sowohl der historischen Epoche wie die seiner eigenen Zeit auf Brochs \u00c4sthetik und damit auch auf seine Romane. Die \u00fcberarbeiteten Vortr\u00e4ge erschienen im Sammelband mit dem gleichen Titel 2014 bei De Gruyter, herausgegeben von Doren Wohlleben und mir.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnt werden soll auch ein kleines Symposium zu Brochs \u201eMasssenwahntheorie\u201c, das Daniel Weidner und Birgit Erdle am Fritz Bauer Institut der Universit\u00e4t Frankfurt am Main am 28. Juni 2013 veranstalteten. Es waren zu wenig Vortragende gewonnen worden, als dass man aus den verlesenen Aufs\u00e4tzen einen Band h\u00e4tte machen k\u00f6nnen. So wurde es eine Art Probe f\u00fcr die 2021 am Zfl Berlin von Daniel Weidner einberufene Tagung zum Thema der Demokratievorstellungen und der Massenpsychologie Hermann Brochs.<\/p>\n<p>Zum zweiten Mal (nach sechs Jahren) trafen wir uns zu einer Brochtagung an der Pannonischen Universit\u00e4t Veszpr\u00e9m in Ungarn vom 8.-10. Mai 2014. Veranstalter waren Gabriella R\u00e1cz und Endre Kiss. Die Tagungsbeitr\u00e4ge erschienen noch im gleichen Jahr in der \u201eZeitschrift f\u00fcr Mitteleurop\u00e4ische Germanistik\u201c, die damals ihre Redaktion in Veszpr\u00e9m hatte und von Csaba F\u00f6ldes, Attila N\u00e9meth und Gabriella R\u00e1cz herausgegeben wurde.<\/p>\n<p>Nach Bergamo hatte Elena Agazzi eingeladen. Dort, in dieser einzigartig schoenen Altstadt, fand ein Symposium \u00fcber den \u201eTod des Vergil\u201c am 25. und 26. September 2014 an der dortigen Universit\u00e4t statt. Solche auf ein Hauptwerk sich konzentrierenden Tagungen haben sich bew\u00e4hrt, und auch dieses Symposium hat viele Aspekte des Exilromans (Todeserfahrung, Zukunftserwartung, politische Kritik, religi\u00f6se Perspektiven) auf neuartige Weise erhellt. Daraus ging ein stattlicher Band mit dem Titel \u201eHermann Brochs Vergil-Roman\u201c hervor, der 2016 bei Stauffenburg in T\u00fcbingen erschien.<\/p>\n<p>Die Broch-Tagung an der Universit\u00e4t Antwerpen, die vom 21. bis 23. Oktober 2015 stattfand, behandelte ds Thema \u201eAspekte j\u00fcdischen Denkens im Werk Hermann Brochs\u201c. Ich hatte es mit Vivian Liska und Arvi Sepp vorbereitet, konnte aber wegen eines Augenleidens nicht am Symposion teilnehmen. Die Beitr\u00e4ge, in denen es um Ostjudentum, Chassidismus, Menschenrechtstheorie, Messianismus und um die Dialogik von j\u00fcdischem und christlichem Denken bei Broch geht, wurden im \u201eJahrbuch f\u00fcr europ\u00e4isch-j\u00fcdische Literaturstudien\u201c von 2017 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Tomislav Zelic, ein kroatischer Kollege aus Zadar, regte an, eine Tagung an seiner Universit\u00e4t zum Thema \u201eBroch im Kontext der Donaumonarchie\u201c zu organisieren. Das Symposium fand am 1. und 2. September 2016 statt. Da ging es um Kaiserbilder, Zerfallsmodelle, Kulturdiagnostik (besonders im Essasy \u201eHofmannsthal und seine Zeit\u201c) und um verwandte Themen. Als Sammelband erschien die Tagung ein Jahr sp\u00e4ter im Stauffenburg Verlag in T\u00fcbingen. Das Umschlagbild des Bandes zeigt ein Foto des jungen Broch w\u00e4hrend seiner Zeit der Milit\u00e4rausbildung in Agram\/Zagreb. An einen Ort wie Zadar, direkt an dem sch\u00f6nsten Teil der \u00f6stlichen Adria gelegen, wird man gerne wieder einmal wegen einer Brochtagung zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Was die Sch\u00f6nheit der Landschaft betrifft, k\u00f6nnen nur wenige Orte in Europa mit dem schweizerischen Ascona am Lago Maggiore mithalten. Auf dem zauberhaften Monte Verit\u00e0 fand vom 15. bis 18. August 2008 die Tagung \u201eAussteigen um 1900\u201c statt. Barbara Mahlmann-Bauer hatte das Symposium dorthin einberufen. Es war allerdings keine blo\u00dfe Brochtagung, denn die Referate zum Werk dieses Autors machen nur ein Drittel aller Beitr\u00e4ge aus, bei denen es auch um Studien zu Aussteiger-Autor:innen im engeren Sinne, also zu Hermann Hesse, Emmy Hennings, Karl Wilhelm Diefenbach oder August Engelhardt ging. Publiziert wurde der umfangreiche Band 2021im Wallstein Verlag, G\u00f6ttingen.<\/p>\n<p>Aber auch Innsbruck ist als Tagungsstadt nicht zu verachten. Wer an dem Symposium \u201eHermann Broch und Der Brenner\u201c vom 3. bis 5. Juni 2019 an der Universit\u00e4t Innsbruck teilnahm, der wei\u00df die Gastfreundschaft der Direktorin des Brenner-Archivs, Ulrike Tanzer, zu sch\u00e4tzen. Die Leitung der Tagung hatte der junge Germanist Markus Ender \u00fcbernommen. Nicht nur, dass alle Aspekte der Beziehung Brochs zu Ludwig von Ficker (u. a. auch im Hinblick auf Karl Kraus und Theodor Haecker) neu gesehen wurden, hinzu kam auch am denkbar sch\u00f6nsten Junitag ein Ausflug nach M\u00f6sern, wo wir auf Brochs Spuren den Ort erkundeten, an dem er den \u201eBergroman\u201c geschrieben hat. Wie es sich geh\u00f6rt, erschien der Band in der Edition Brenner-Forum des StudienVerlags in Innsbruck.<\/p>\n<p>Das Broch-Symposium \u201eHermann Broch und die \u00f6sterreichische Moderne\u201c bereitete ich \u2013 unterst\u00fctzt durch Thomas Borgard \u2013 im Fruehjahr 2021 vor und leitete es als Fellow des IFK am 1. und 2. Juni 2021 in Wien und zwar in den R\u00e4umen der Gesellschaft f\u00fcr \u00f6sterreichische Literatur (Leitung: Manfred M\u00fcller), ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzt durch das IFK (Leitung: Thomas Macho). Der Band erschien zwei Jahre sp\u00e4ter bei Brill\/Fink in Paderborn. Vorgestellt wurde Broch mit seinem Romanwerk und im Kontakt der \u00f6sterreichischen K\u00fcnstler der Jahre zwischen 1930 und 1938 sowie in seiner Beziehung zum Wiener Kreis seit den 1920er Jahren. Wir erlebten im Fr\u00fchjahr 2021, wie Wien sich aus der L\u00e4hmung durch die Covid-Pandemie l\u00f6ste. Drei Wochen sp\u00e4ter \u2013 vorbereitet durch Daniel Weidner und mich \u2013 fand die Tagung \u201eVerteidigung der Demokratie. Hermann Brochs amerikanische Exilerfahrung und die Aktualit\u00e4t seines politischen Denkens\u201c am Zfl (Leitung: Eva Geulen) in Berlin statt. In Wien hatte man eine Pr\u00e4senztagung durchgefuehrt, bei der allerdings einige Referent:innen vorzogen, sich bei der noch nicht ganz abgeklungenen Pandemie \u00fcber Zoom zuzuschalten. Bei der Zfl-Tagung in Berlin handelte es sich um eine blo\u00dfe Zoom-Veranstaltung. Wegen der erschwerten Arbeitsbedingungen zur Pandemiezeit hatten bei der Berliner Tagung einige Kolleg:Innen absagen m\u00fcssen. Das war ein Jahr sp\u00e4ter \u00e4hnlich, als vom 4.-6. Mai 2022 das Symposium \u201eFriedenspoetik Hermann Brochs\u201c unter der Leitung von Doren Wohlleben an der Universit\u00e4t Marburg stattfand. Die Pandemie hat alles, auch die Brochtagungen, durcheinander gebracht. Da die Berliner Demokratietagung und die Marburger Friedenstagung thematisch verwandt waren, wurden die beiden Tagungsergebnisse fusioniert, und es ergab sich der von Sarah McGaughey, Elisa Risi, Daniel Weidner und Doren Wohlleben edierte Band \u201eMassenwahntheorie und Friedenspoetik\u201c, der 2023 \u2013 mir dankenswerterweise gewidmet \u2013 bei De Gruyter erschienen ist.<\/p>\n<p>Wie schon bei der Marburger Tagung im vorigen Jahr angek\u00fcndigt, werde ich die Leitung des Internationalen Arbeitskreises Hermann Broch zum 1. Januar 2024 (wenige Wochen nach meinem 80. Geburtstag) abgeben. Die beiden bisherigen Vize-Pr\u00e4sidentinnen werden das Pr\u00e4sidium bilden, und wir sind sicher, dass sie weiterhin daf\u00fcr Sorge tragen, dass ausgezeichnete Brochtagungen auch in Zukunft stattfinden und weitere Sammelb\u00e4nde als Ergebnisse solcher Symposien erscheinen werden. Die Pandemie hat, wie gesagt, Dinge verz\u00f6gert. Zudem sind finanzielle Mittel f\u00fcr Tagungen nicht mehr ganz so leicht wie fr\u00fcher mit Erfolg zu beantragen, und so wird es sich wahrscheinlich ergeben, dass man nicht jedes Jahr (aber hoffentlich jedes zweite Jahr) eine wissenschaftliche Tagung zum Werk Hermann Brochs veranstalten kann. Das Interesse an dem Autor ist \u2013 international gesehen \u2013 nach wie vor gro\u00df. Ich selbst habe die kollegiale Zusammenarbeit mit allen aktiven Mitgliedern des Arbeitskreises sehr genossen. Mein besonderer Dank gilt meinem alten Mitstreiter Michael Kessler, den ich 1980 w\u00e4hrend einer Gastprofessur an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen kennenlernte; meiner ehemaligen Doktorandin Sarah McGaughey, die bei mir \u00fcber Broch promovierte und seit Bestehen des Arbeitskreises unsere IAB-Website betreut hat und (last but not least) Doren Wohlleben, die zwei ausgezeichnete Brochtagungen veranstaltet hat und nun \u2013 zusammen mit Sarah McGaughey \u2013 die Zukunft unseres Arbeitskreises bestimmen wird. Unser Dank geh\u00f6rt aber auch den beiden Verlagen, die die meisten Broch-Tagungsb\u00e4nde des IAB ver\u00f6ffentlicht haben: Stauffenburg und De Gruyter. Ich werde ganz sentimental, wenn ich an all die sch\u00f6nen Symposien denke, die wir zustande gebracht haben. Sie geh\u00f6ren bestimmt zu jenem Teil unserer Akademikerbiografie, die wir nicht missen m\u00f6chten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Rundschreiben vom 31. 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