Dec 2017

Am Griebnitzsee (mit Christa Speidel)

von Axel Reitel

Quamvis sint sub aqua,
sub aqua maledicere temptant.[i]
Ovid

Schau das Paar diagonaler Laternen-Sterne da,
im Maul der grauen Stichlings-Wolke
und die Quadrille Mandarin-Enten
als Raumpatrouille quasi im blau-weiß-karpfengeschuppten Himmel.
Und wie die Wolkenkratzer der Wälder dicht an dicht in den See hängen.
Und da am Seegrund erwacht das Wolkengebirge als Atoll
und erst da drüben Eibe und Esche kopfunter echt gespiegelte Wächterfiguren.
Und wir schauten weiter die magischen Gebilde
am Kai der lachsfarbenen Babelsberg-Lagune:
Mondtupfen hier und auch Dämmerkraut – wenn Nebel fliehen, ist uns Glück erlaubt.
Wo die großen Drei[ii], die oberen Zeitgeister, das Nachgetier entzerrten, obsiegen,
in der Lichtneige, die werbenden herdenden heimelnden Frösche.
Stille. Im See ruht der Wald.

 

[i] Obwohl sie schon unter Wasser sind, schmähen sie unter Wasser weiter. Vgl. Metamorphosen: 6, 335-381. Die Göttin Latona verwandelt die Lykischen Bauern in Frösche, nachdem diese ihr verboten hatten, von deren See zu trinken.  Latona: „Quid prohibetis  aquis? Usus communis  aquarum est.“  „Warum verbietet ihr mir das Wasser? Ist doch der Gebrauch des Wassers allen erlaubt.“

[ii] Gemeint sind Churchill, Truman und Stalin, die von Aufbau bis Unterzeichnung des Warschauer Vertrages im Jahr 1945 drei Villen am Griebnitzsee bewohnten.




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